Mannschaft Magazin

Die Medizin, die die Welt heilt

Stuart, wie ging man damals in Ihrer Familie mit der Homosexualität Ihres Onkels um?

Als er kandidierte, war die Gesellschaft noch homophob. Niemand war out. Auch wenn mein Onkel einen Freund hatte, sprach er von ihm nicht als von seinem Freund. Es war sein «Mitbewohner». Als ich 14 war, zog er nach San Francisco und kandidierte offen schwul. Meine Mutter, seine Schwester, half bei der Kampagne. Sie war eine grosse Unterstützerin. Dass er junge Leute ermunterte, sich ebenfalls zu outen, wurde als skandalös empfunden. Aber es fehlte damals an Sichtbarkeit, die Leute kannten keine Homosexuellen. Und Leute wie die Sängerin Anita Bryant warnten vor ihnen: «Die wollen nur eure Kinder rekrutieren.»

Dabei gab es berühmte Homosexuelle in der Geschichte, Alan Turing zum Beispiel, aber der forderte niemanden auf, sich zu outen. Mein Onkel war übrigens nicht mal der erste offen homosexuelle Politiker, der ins Amt gewählt wurde – das war Elaine Noble 1975 im Repräsentantenhaus von Massachusetts. Vor ihrer Wahl hatte sie zugesagt, nicht über ihr Lesbischsein zu reden. Es gebe keinen Grund, fand sie. Das sei Privatsache.

Darum bekam mein Onkel ja auch die Morddrohungen. Nicht, weil er offen schwul war, sondern weil er auch noch stolz darauf war und noch

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