Bücher Magazin

DAS ICH ALS AUSGANGSPUNKT

Autofiktion ist ein Begriff der Stunde. Vor zwei Jahren gewann Saša Staniši für „Herkunft“ den Deutschen Buchpreis, 2020 wurden die autofiktionalen Romane „Streulicht“ von Deniz Ohde und „Ein Mann seiner Klasse“ von Christian Baron vielfach besprochen. Auch in den Verlagsprogrammen in diesem Frühjahr findet man immer häufiger den Hinweis, ein Buch sei autofiktional. Offenbar bedient diese Zwischenform aus Autobiografie und Roman das Bedürfnis nach vermeintlich „authentischen“ Geschichten, in denen die Identität von Autor:in, Erzähler:in und Hauptfigur zumindest dem Anschein nach übereinstimmt.

Dennoch gibt es keine klare Definition von Autofiktion. Manche bezweifeln sogar, dass der Begriff notwendig sei. Schließlich schöpften Schriftsteller:innen schon immer aus ihrem Erleben und auch beim autobiografischen Schreiben, das eine lange Tradition hat, gebe es fiktive Elemente, weil jede Erinnerung fiktiv sei. Für Schriftsteller:innen mag diese Sichtweise stimmen. Und doch entfalten autofiktionale Romane eine andere Wirkung beim Lesen. Erfahrungen und Erlebnisse werden nicht mehr nur der Hauptfigur zugesprochen, sondern auch der Autorin. Sie ist das Ich, das alles filtert, an die alles gebunden ist. Dieses Ich ist der Ausgangspunkt von autofiktionaler Literatur.

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