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GEWALT UND DER KAMPF UM SELBSTBESTIMMUNG

Gewalt ist in Ulrike Almut Sandigs Monster wie wir ein alltäglicher Bestandteil des Lebens von Ruth und ihrem besten Freund Viktor. Sie wachsen in einer Kleinstadt in Sachsen in den letzten Jahren der DDR auf. Alle Kinder, die sie kennen, werden von ihren Eltern geschlagen. Manche bekommen eine Ohrfeige, einen Klaps auf den Hintern. Bei anderen ist es mehr. Ruth und Viktor sind zudem sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Zunächst redet Viktor davon. Es ist der Freund seiner Halbschwester, der ihn in seinem Zimmer aufsucht, “und dann saug ich den aus”. Ruth überhört, was er sagt. Und sie erzählt Viktor auch nicht, was ihr Großvater mit ihr macht. Sie erzählt es niemandem. “Wenn man nicht darüber spricht, ist es nicht geschehen. So und nicht anders hatten wir es gelernt.”

In Sandigs klarer, stilsicherer, poetischer Prosa wird sehr eindringlich deutlich, wie selbstverständlich Gewalt zu einem Teil des Lebens werden kann – und wie sehr gerade sexualisierte Gewalt gegen Kinder von Erwachsenen ignoriert und durch bewusstes Wegsehen ermöglicht wird.

KEIN OPFER SEIN

Das Wegsehen haben auch die Erwachsenen

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