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Europäische Meister: Facetten des Erwachens
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eBook482 Seiten10 Stunden

Europäische Meister: Facetten des Erwachens

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Über dieses E-Book

Kostbare Dialoge mit 14 europäischen Meistern
über die Lehre von Sri Ramana Maharshi.

CHRISTOPHER TITMUSS, DEVA PREMAL & MITEN, DOLANO, MOOJI, KARL RENZ,
FRANCIS LUCILLE, MICHAEL BARNETT, OM C. PARKIN, PADMA & TORSTEN, PREMANANDA, RUPERT SPIRA UND TONY PARSONS.

Europäische Meister ist für alle, die ein inneres Feuer in sich tragen und wissen wollen, wer sie sind und was sie hier als Mensch tun.
Es ist fur alle, die sich die Frage „Wer bin ich?“ stellen und die Sri Ramana Maharshis Lehre folgen wollen „Sei wie du bist!“ Es ist eine kostbare Schatzkiste für alle auf dem Weg der Wahrheit.

Es ist die uralte Weisheit der Menschheit, von Generation zu Generation von Meistern an alle weitergegeben, die wissen wollen, wer sie sind.
Es ist ein reines Vergnügen, die Tiefe der europäischen Meister zu erfahren, von denen viele ihr Wissen aus den indischen traditionellen Lehren haben, es mit ihrem Wissen westlicher Psychologie kombinierten und eine einzigartige Übertragung anbieten, perfekt für den westlichen Sucher.

SpracheDeutsch
HerausgeberPremananda
Erscheinungsdatum31. Aug. 2014
ISBN9783943544046
Europäische Meister: Facetten des Erwachens
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Autor

Premananda

Finding no fulfilment in career and relationship in England, and driven by a deep question, John David (formerly Premananda) began his spiritual journey. This began in Japan, and continued for many years in India with Osho, until he eventually arrived at the doorstep of his final master, Papaji, himself a disciple of the renowned Master, Ramana Maharshi. Here, twenty years of spiritual searching ended when the Self revealed itself and he saw that this was his true nature. John David has been a spiritual teacher for 20 years, or in his words 'a messenger' of his Master, Papaji. The message that comes through John David is to be quiet, to become still, and to discover that we are the very happiness and love that we are seeking. He is also an artist, author and filmmaker living in Open Sky House, an International Spiritual and Arts community that formed around him in Germany in 2004. The Community is open for anybody who has come to a point in their life where inner freedom or awakening is the first priority. Anyone is welcome to visit the community for a satsang evening or as a guest or helper. It is here that John David works closely with the residents and holds regular retreats as well as broadcasting live SatsangTV via the Internet three evenings a week. You can engage in dialogue with him by entering into the meeting live using Skype. During the week you can ask questions by email which he will then answer in the next meeting. On his website there is also a comprehensive archive of 300 Meetings since 2009, in seven different languages. In 2013, another Open Sky community with the same priority of awakening was founded near Kiev, Ukraine. For more information about: -John David: www.meetingjohndavid.org -Open Sky House Community Germany: www.openskyhouse.org -Open Sky House Community Ukraine: www.openskyhouse.com.ua -Open Sky Press: www.openskypress.com -SatTV: www.sattv.tv -SatTV Archive: www.sattv.tv -Asking a question: tvquestion@meetingjohndavid.org -John David is also on Youtube: www.youtube.com/user/OpenSkyPressEN

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    Europäische Meister - Premananda

    Christopher TitmussChristopher Titmuss

    Christopher Titmuss

    Christopher Titmuss, ein ehemaliger buddhistischer Mönch in Thailand und Indien, lehrt Erwachen und Einsichtsmeditation auf der ganzen Welt. Er ist der Gründer und Leiter des Dharma-Ausbildungsprogramms und des Programms „Gelebtes Dharma". Er gibt Retreats, nimmt an Pilgerreisen teil und hält Dharma-Versammlungen ab. Als hochrangiger Dharma-Lehrer im Westen, Aktivist für den Frieden und andere globale Themen, ist Christopher Mitglied des internationalen Beratungsgremiums der buddhistischen Friedensbewegung. Als Dichter und Schriftsteller ist er Mitbegründer des Gaia-Hauses, eines internationalen RetreatZentrums in Devon, England. Er lebt in Totnes, Devon.

    Ich hörte von Christopher Titmuss zum ersten Mal 1993, als ich in Lucknow bei Papaji war. Damals bot er Gespräche an in Bodhigaya in Indien und auf der Bodhi Farm in Australien. Ich wollte ihn kennenlernen, und so bekam ich meine Chance 2009 in Tiruvannamalai. Er war sofort damit einverstanden, ein Interview zu geben. Und obwohl er mit seinem Retreat beschäftigt war, traf er sich mit mir am nächsten Tag. Er ist sehr englisch: lustig, verspielt und tiefgründig. Wir begegneten uns nur für diese herrliche, freudvolle Zeit des Interviews.

    Sri Ramana Maharshi empfahl die grundlegende Frage: „Wer bin ich?" – Wer bist du?

    Eine kleine Beigabe zum Großen und Ganzen.

    Würdest du das ein bisschen ausführen?

    „Ich ist ein Phänomen der Erscheinung. Wer bin ich? Es gibt eine Bewegung. Ich spreche zu dir, und schon dockt irgendwo das Gefühl, die Wahrnehmung von „Ich an. Ich sage, es ist eine kleine Beigabe, nicht von großer, tiefer Bedeutung. Im Moment dockt es in der Stimme an. Ich spreche mit dir. Ich antworte, so gut ich kann, auf deine tiefgreifende Frage. Es dockt im Gefühl für die Form dieses Körpers an, der hier auf dem Stuhl sitzt. Das „Ich macht eine kleine Verlagerung im Augenblick und dann dockt „Ich im Körper an.

    Im Kontext von Sri Ramana Maharshis Lehren und, ganz wichtig, aus einer achtsamen und erforschenden Haltung heraus, fordert die Stimme das „Ich nicht ein. Die Stimme sagt nicht: „‚Ich’ spreche. Das „Ich dockt an. Der Körper sagt nicht: „‚Ich’ sitze hier. Es ist das „Ich, das sagt: „Ich sitze hier. Dieses außergewöhnliche Phänomen des „Ich" dockt also gerne an Gefühle, Gedanken, Körper, Sprechen, an Aktivität etc. an. Interessant wird es, wenn es nirgendwo andocken kann. Dann kommt das Feinste zum Vorschein.

    Viele Sucher suchen nach Erleuchtung, als wäre es eine Erfahrung. Was ist Erleuchtung?

    Ich werde in drei Teilen antworten. Entschuldige, wenn ich hier ein wenig analytisch werde. Da ist erstens das Wort, zweitens seine Anwendung für den Sucher und drittens, wie es dieser arme Kerl hier versteht.

    Das Wort „Erleuchtung gibt es in indischen Sanskrit-Pali-Texten nicht. Totale Fehlübersetzung! Das Wort „Erleuchtung ist ein westliches Konzept. Es bezieht sich auf eine Verlagerung des westlichen Denkens vor ungefähr zwei bis drei Jahrhunderten. Nach und nach, durch die Entwicklung der Naturwissenschaften und die Infragestellung des Glaubens, begann diese Verlagerung.

    Die Weltsicht veränderte sich von einem Glauben an einen Schöpfergott, der Belohnung und Bestrafung für menschliches Verhalten und menschliche Glaubensvorstellungen verteilt, hin zu einem Glauben in die Naturwissenschaften und in die Anwendung von rationalem Denken, in die Vernunft als das Mittel, die Realität zu erkennen. Die Intensivierung wissenschaftlicher Forschung, die Industrialisierung und die Vorherrschaft des Glaubens an Vernunft und an rationales Denken, wurde dann „Aufklärung (englisch: „period of enlightenment: Zeitalter der Erleuchtung) genannt.

    Die englischen Kolonialherren kamen mit der üblichen englischen Arroganz nach Indien und waren entweder bewaffnet mit der Bibel (deshalb das alte Glaubenssystem: Gott als der Schöpfer und Bestrafer) oder mit naturwissenschaftlichem Wissen und den Vorstellungen von Fortschritt, und versuchten, dieses Weltbild in Indien zu etablieren. Hier in Indien wurde seit 5.000 Jahren Vichara (Erforschen) betrieben. Aber Sanskrit-, Pali-, Chinesisch- und Tibetisch-Übersetzer des 19. Jahrhunderts benutzten das westliche Konzept der „Erleuchtung".

    Damit war eine Sichtweise etabliert: Buddhas „Erleuchtung, Sri Ramanas „Erleuchtung zeigten, dass menschliche Wesen eine endgültige, lebensverändernde Erfahrung haben können – und dem würde ich zustimmen. Das Alte, das Problematische, das Karma (Ursache und Wirkung), die Veranlagungen sind unwiderruflich beendet, zum Schweigen gebracht, fort, und etwas absolut, zutiefst Neues taucht auf. Der westliche Begriff „Erleuchtung" wurde auf diese Veränderung angewandt. Er stützt die Vorstellung von einem einzelnen, einmaligen Ereignis im Leben. Aber für die Befreiung brauchen wir ein solches Ereignis nicht.

    Um zum zweiten Punkt zu kommen: Der Begriff Erleuchtung vermittelt dem Sucher den Eindruck, dass mir, wenn ich nur immer mit dem Suchen weitermache, unweigerlich eine solche, den Verstand wegpustende Erleuchtung geschehen wird, und dass es wird eine Veränderung wie Tag und Nacht sein wird.

    Sri Ramana hatte eine Erleuchtung, in der das Selbst nie am Körper angedockt hat und es deshalb auch keinen Tod gab, und Buddha hatte seine Nacht der Erleuchtung. Der Sucher mag glauben, dass es das ist, worauf ich hinarbeiten sollte. Das nennt man dann „Übungen. Oder aber, ich sollte nicht darauf hinarbeiten, sondern auf „Gnade warten – der ich übrigens noch nie begegnet bin. Gnade wird kommen und dann werde ich erleuchtet. Ich ziehe es vor, das Wort „Erleuchtung" zu streichen. Es ist ein schwer belastetes Modewort. Es gibt viel, zu dem man im Laufe des Lebens erwachen kann – endlose Entdeckungen und Verwirklichungen.

    Ich hatte das Privileg, seit 1975 jedes Jahr in Indien lehren zu dürfen. Ich gründe meine Sicht der Dinge auf eigene Erfahrungen und ein Verstehen, das sich vom Anhören der Erfahrungen vieler Tausender weltweit herleitet. Einige Menschen haben mir erzählt, sie seien erleuchtet. Sie sagen, sie hatten ein großartiges Erleuchtungserlebnis. Das war während eines Retreats oder einer Selbsterforschung mit mir oder mit anderen Lehrern. Ich habe dieser Person zugehört. Manchmal ist es passiert, dass die Person eine arrogante Behauptung über sich selbst gemacht hat, vielleicht auf einem Egotrip gelandet ist und sich selbst sehr schnell als Guru oder Meister aufgebaut hat. Später habe ich gesagt: „Schade, dass du jemals diese Erfahrung hattest."

    Andere sagen: „Christopher, ich hatte überhaupt noch nie so eine Erfahrung", und doch bringt ihr Leben etwas hervor, was ich ein verwirklichtes und erwachtes Leben nennen würde. Es manifestiert und zeigt sich selbst – niemals perfekt (ich halte die Vorstellung von Perfektion für Blödsinn), aber mit einem großen Sinn für echte, authentische Freiheit des Seins, für eine tiefe, natürliche und fast unerschöpfliche Glückseligkeit, kübelweise Liebe und viel Klarheit über die sogenannte Welt, in der wir leben. Da ist eine Mäßigung in der Lebensweise, eine Hingabe an einen Lebensstil, der nicht verletzt und ausbeutet, und eine Bereitschaft, aus allen Fehlurteilen zu lernen.

    Und doch tauchen für die meisten erwachten Wesen Dinge auf, die die Vorstellung von Perfektion aufheben. Wolken ziehen vor das Sonnenlicht, und eine Eigenschaft eines erwachten menschlichen Wesens, das Liebe und Freude, Intimität und Freiheit des Seins kennt, ist, dass sie oder er nicht anders kann, als aufmerksam für das in sich zu sein, das gerade der Aufmerksamkeit bedarf. Ungelöste problematische Bereiche wie Wollen, Verwirrung, Dünkel und Angst können nicht rationalisiert oder gerechtfertigt werden mit der Begründung, dass der Mukti (jemand, der befreit ist) tun kann, was immer er oder sie will. Worum geht es bei dem Problem? Was bedarf hier der Aufmerksamkeit, um gelöst zu werden? Dies ist ein Ausdruck der eigenen Freiheit, sich selbst anzuschauen.

    Du hast den Ausdruck „Freiheit des Seins benutzt. Der gefällt mir sehr. Könntest du etwas mehr über die „Freiheit des Seins sagen?

    Man ist aus dem Schlaf alter Gewohnheiten, Neigungen und einem unangebrachten Glauben an das Selbst erwacht. Heute sind wir auf einer großen Dachterasse hier in Tiruvannamalai, wo ich ein Dharma (Lehre der Wahrheit)-Treffen leite. Wir beschäftigen uns mit Dharma Vichara, Erforschen der Wahrheit. Heute haben wir mit der Gruppe das Thema „Wie real ist die Welt?" erforscht. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir uns in der Kommunikation mit der Welt vom Philosophieren fernhalten. Wenn die Welt – Bilder, Klänge, Gerüche, Geschmäcker und Berührungen – einen großen Einfluss auf uns hat, ein Drama im Leben, erscheint die Welt sehr, sehr real.

    Beweise mir, dass es nur eine Welt gibt! Manchmal leben wir in einer Welt, ein Drama läuft ab, und das Selbst, das Ich, kann sich in diesem Drama eingesperrt fühlen. Das ist die Abwesenheit von Freiheit des Seins. Manchmal kann sich die Welt infolge einer meditativen Verlagerung des Bewusstseins, durch das Einnehmen von halluzinogenen Pflanzen oder das Rauchen von Marihuana sehr unreal anfühlen. Diese Erfahrungen lassen die Welt unreal erscheinen: „Was ist meine Projektion? Was ist eigentlich wirklich da?" Die Vorstellung von einer Welt, real und unreal, irgendwo dazwischen oder nichts davon, findet bei uns allen statt.

    Du und ich, wir bewohnen unsere eigene kleine Welt in einer größeren Welt. Es gibt die Welt des Satsangs (Begegnung in Wahrheit), die Welt der Gruppe, die Welt der zwei Liebenden und die Welt unserer Spezies. Die Welt ist nicht in der Lage, Freiheit des Seins zu definieren oder es zu begrenzen. Freiheit des Seins ist nicht messbar. Sie steckt nicht in einer der Welten fest, in denen wir im Laufe unseres Lebens ein- und ausgehen. Das ist es, worauf ich hinweise.

    Könnte es mit Worten wie spontan, unschuldig, präsent, kindhaft beschrieben werden?

    Ich habe ein Gespür und Wertschätzung für diese Worte, aber sie fühlen sich einschränkend an. Sicher, Spontaneität kann stattfinden. Aber als menschliches Wesen bin ich manchmal nicht spontan, unschuldig oder kindhaft. Manchmal finde ich es notwendig, bei einer Aktivität Denken einzusetzen, um etwas in der Zusammenarbeit mit anderen umzusetzen. Daran ist nichts Spontanes. Dieses schilfgedeckte Hausdach ist nicht spontan erschienen.

    „Präsenz ist in spirituellen Kreisen zu einem richtigen Modewort geworden. „Es gibt nur das Jetzt. „Das ewige Jetzt. „Das ist es. „Die Vergangenheit ist nicht real. „Die Zukunft ist nicht real. Das hört sich für mich wie die totale Gefangenschaft an. Es ist eine gegenwärtige New-Age-Ideologie. Ich bin an der Freiheit des Seins interessiert, nicht daran, mich in den Moment einzusperren und dem Jetzt Macht und Substanz zu geben. Freiheit, in Verbindung mit Klarheit und Weisheit, erkennt die Vergangenheit an, ohne in einen Zustand von Verleugnung zu geraten. Sie erkennt die Zukunft – organisieren und planen – an, aber vergöttert nicht Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft.

    In ihrer bemerkenswerten Großzügigkeit erlaubt die Freiheit des Seins die natürliche Entfaltung der Zeit. Wenn wir tief in die Zeit hineinschauen, entdecken wir das Zeitlose. Insofern fühlt sich alles, was den leichten Gestank oder den süßen Duft von Spontaneität, Unschuld oder Präsenz hat, ein bisschen eng an. Nett eng, aber eng. Wir sind frei, spontan zu sein, und wir sind frei, etwas vorzubereiten.

    Sehr schön, danke. Gibt es irgendwelche Qualifikationen für die Erleuchtung? Sind Übungen notwendig, und wenn ja, welche Form empfiehlst du?

    Das sind zwei Fragen in zwei verschiedenen Bereichen. Kann ich die Frage umdrehen?

    Selbstverständlich. Sind Übungen notwendig?

    Sind Übungen notwendig? Es gibt die Freiheit zu üben und Übungen für Freiheit. Einige lehnen Praxis ab. Das ist schade. Sie sind nicht frei, zu üben.

    Hier setze ich entschieden den Lehrerhut auf. Ein bisschen Hintergrund dazu: Ich habe 1967 die Überlandreise nach Indien gemacht und habe herrliche und liebevolle Erinnerungen an diese Reise – Busse und Züge und Rikschas und Trampen und Wandern, alles Mögliche. Ich habe immer noch eine große Liebe für die islamische Kultur und arabische Menschen. Sie waren immer in der Lage, zwischen dem englischen Bürger und der englischen Regierung zu unterscheiden. Gott sei Dank! Allah ist barmherzig. (Lachen)

    Ich verbrachte die nächsten zehn Jahre im Osten, sechs davon in Thailand als buddhistischer Mönch mit dem Privileg zweier wundervoller und bemerkenswerter Lehrer. In gewisser Hinsicht reflektieren beide Lehrer und ihr Einfluss auf mein armes Selbst die Fragen ein bisschen.

    Der erste Lehrer war Ajahn Dhammadharo, Vipassana- (Einsichtsmeditation) Lehrer, alte Schule. Übungen! In diesem Kloster gab es ungefähr achtzig bis hundert Hütten für Mönche, mehr oder weniger im Halbkreis angeordnet, mit den Nonnen auf der anderen Seite der Dharma-Halle. Er hielt uns davon ab, in unseren Hütten zu üben, weil er uns nicht traute, also übten wir auf den Veranden der Hütten oder unter den Bäumen.

    Der Tag begann um vier Uhr morgens. Jeden Nachmittag machten wir eine langsame Gehmeditation im Kreis, und er kam immer am Abend und hielt den abendlichen Dharma-Vortrag. Das war Übung, schau dir das Leben an, schau dir deine Existenz an, schau dir die Vergänglichkeit an, schau dir das Nicht-Selbst an und übe dies, um durch alles hindurchzuschauen. Übe, übe, übe.

    Nebenbei bemerkt, wir haben hier all diese bourgeoisen Mittelklasse-Annehmlichkeiten wie Kissen, auf denen wir sitzen können. Im Kloster sagten die Mönche, dass das für Schwächlinge sei, nicht für Praktizierende. Wir hatten nur eine Matte auf dem Boden. Hier sind wir eher höflich; kaum ein westlicher Lehrer spricht für mehr als eine Stunde, normalerweise vierzig Minuten bis eine Stunde. In Thailand hat man dafür keinen Sinn. Der Lehrer kam jeden Abend in die Dharma- Halle, dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr, um den Abendvortrag zu halten.

    Ich bin ein typischer Engländer, viel zu faul, um eine andere Sprache zu lernen, aber ich musste teilnehmen. Es war uns nicht erlaubt, die Füße nach vorn auszustrecken. Wenn der Lehrer die Fußsohlen sehen kann, wird das in der Tradition als eher unhöflich angesehen, etwa so, als würde ein Mann einen Hut in einer katholischen Kirche tragen. Wir wussten nie, wie lange der Lehrer sprechen würde. Drei Minuten oder drei Stunden. Übungen der harten Schule. Man lernte ein bisschen über Loslassen, Schmerz und Unbehagen im Körper und darüber, den eigenen Verstand zu beobachten.

    Es gibt jene, die sich mit der Praxis identifizieren. Das Selbst hat sich um die Übungen herumgewickelt. Das „Ich, das „Mein sind in den Übungen verfangen. Anstatt eine Antriebskraft für die Befreiung zu sein, wird die Praxis zu einer neuen Gefangenschaft. Besser man lässt es sein, dieses Festsitzen in Übung, Übung, Übung. Praxis ist ein zweischneidiges Schwert, eine scharfe Kante in der buddhistischen Tradition.

    Diejenigen, die gegen Übungen sind, sind genauso töricht. Sie sagen: „Eine Praxis zu verfolgen, das ist der Macher, der Versuch, irgendwohin zu gelangen. Wenn du auf dem Kissen sitzt, versuchst du irgendwo hinzukommen, etwas zu bekommen. Du kannst nicht zu dem gelangen, was du schon bist." Diese Einzeiler werden um den Arunachala herum und anderswo in einer alarmierenden Häufigkeit vom Stapel gelassen. Die Menschen merken sich diese Aussagen. Sie haben diese Einzeiler von anderen gelernt. Sie glauben daran. Sie halten an einer Reihe von mentalen Konstrukten fest. Sich an die Praxis zu klammern, ist sehr problematisch. Das Ablehnen der Praxis ist aber genauso problematisch.

    Mein anderer Lehrer, Ajahn Buddhadasa, eine Legende in Thailand, hat mir gegenüber in unserem Jahr im Wald das Wort „Praxis" nie in den Mund genommen. Er lehrte Leere. Wir führten Dialoge. Ich war nicht in der Welt der Übungen, wie ich es in dem anderen Kloster gewesen war. In unseren Begegnungen verschob der Lehrer die Metapher des Pfades, des Fortschritts, der Entwicklung von hier nach dort.

    Wir müssen unserer Erfahrung treu bleiben. Wenn die innere Stimme sagt: „Ich brauche wirklich ein paar gute Übungen, folge ihr! Wenn die Stimme sagt: „Ich bin so vertraut mit Übungen. Ich habe so viele gemacht, gib die Vorstellung auf! Gib die metaphorische Sprache vom Pfad, vom Weg, vom Ziel völlig auf! Gib die Vorstellung auf, ein Sucher zu sein, der das Gesuchte verfolgt! Sich einfach davon entleeren. Dadurch entsteht natürliche Autorität. Die Freiheit des Seins lässt Liebe und Weisheit sich selbst manifestieren. Lass andere entscheiden, ob da Autorität ist. Lass andere entscheiden, ob jemand qualifiziert ist, aus eigener Erfahrung zu sprechen. Wir müssen das nicht selbst entscheiden.

    Sri Ramana sagte, dass Selbsterforschung der direkteste Weg ist, das Selbst zu realisieren. Was sagst du über Selbsterforschung und wie führt man Selbsterforschung durch?

    Sie ist einer der großartigen Aspekte von Sri Ramanas Lehren, und zu seiner immerwährenden Ehre ist er ein Meister der Selbsterforschung. Ich benutze übrigens kein großes „S" für das Selbst. Es braucht diesen Status nicht. Dharma Vichara und Atma Vichara sind das Erforschen des Ahamkara, was im Wesentlichen die „Ich-erzeugende Aktivität bedeutet. „Ich denke wirklich darüber nach. „Ich frage mich, wer ich bin. „Ich frage mich, worum es bei diesem Bündel von Verstandes- und Körperprozessen eigentlich geht. Wenn ich anfange, die emotionalen und psychologischen Prozesse, die persönliche Geschichte, den therapeutischen Ansatz infrage zu stellen, dann ist das Atma Vichara, Selbsterforschung.

    Dann ist es die Selbsterforschung, die keine „persönliche Geschichte hat. Sri Ramana hebt die Betrachtung der „Ich-erzeugenden Aktivität hervor. Worauf lasse „ich mich ein? Worin verfange „ich mich? Und wie schon gesagt, woran dockt das „Ich an? Docke „ich am Körper, an Gefühlen, Wahrnehmungen, Gedanken, Vorstellungen, Gemütszuständen, Suchen an? Wohin geht das „Ich? Die Selbsterforschung und der Weg der Selbsterforschung sind dazu da zu beobachten, wo das „Ich andockt, und zu erkennen, dass das, woran es andockt – und das ist der Schlüssel – nicht ich bin, nicht ich selbst, nicht das, was ich wirklich bin.

    Der Ajnani, derjenige, der ignorant ist, der nicht erkennt, nicht weiß, dockt also an – und das, woran er andockt, wird zu seinem Selbst. Wenn ich am Körper andocke, dann sitze „ich hier. Das „Ich kann nicht sitzen. Aber es identifiziert sich mit dem Körper und sagt: „Ich sitze hier. „Ich werde älter. „Mein Haar hatte eine andere Farbe vor zwanzig oder dreißig Jahren. „Mein Bart wird etwas grau; das Salz wird bald mehr als der Pfeffer sein. Das „Ich kann andocken und sagen: „Ich werde älter.

    Bei der Dharma-Erforschung, Dharma Vichara, geht es darum zu sehen, dass „ich nicht das bin, woran das Selbst andockt. Ich bin nicht dieser Bart. Ich bin nicht diese Form. Ich kann mir Gefühle, Emotionen und Gedanken anschauen. Ich spreche mit dir über meine Erfahrungen, darüber, wie ich mich fühle, über meine Wahrnehmung der Dinge oder über Erinnerungen. Also ist das, woran das „Ich andockt, nicht „Ich". Dort, wo es nicht andockt, in zupackender Weise, da beginnt sich Befreiung zu entfalten.

    Sri Ramana weist darauf hin, dass es nicht notwendig ist, das Selbst zu erforschen. Es sorgt für sich selbst. Wenn ich weiß, was ich nicht bin, weiß ich sofort, wer ich bin. Und wenn ich es nicht weiß, verfange ich mich in Vorstellungen und dem Glauben daran, dass das, was ich bin, dieser Körper, Gefühle, Gedanken und Vorstellungen sind. Wenn ich weiß, was ich nicht bin, weiß ich im selben Augenblick, wer ich bin. Das ist das höchste Dharma Vichara.

    Du meinst also, zu erforschen, wer man ist, enthüllt nicht, wer man wirklich ist?

    Ja. Hier kommen Meditationen, Reflektionen und Dialog ins Spiel. Wenn Sensibilität und ruhiges Interesse da ist, wird es klarer. Wenn eine Spur von Ablehnung darin ist, wird es Abtrennung: Ich bin nicht der Körper, ich bin nicht mein Verstand, ich bin nicht meine Gedanken. Das könnte Aggression hervorrufen. Man müsste dann denjenigen anschauen, der reagiert, das Getrennte. Dann würden wir die Sensibilität gegenüber Herz, Verstand und Körper verlieren. Wir sind so nahe dran, unglaublich! Wir können respektvoll und unterstützend dem Verstandes- und Körperprozess gegenüber sein und gleichzeitig wissen: Das bin ich nicht selbst, das ist nicht, was ich bin. Es mit Liebe und Gewahrsein wissen, nicht mit Abneigung. Deshalb sage ich, es ist ein „sensibles" Erforschen.

    Als Sri Ramana gefragt wurde: „Wann hat man das Selbst erkannt?, antwortete er: „Wenn die Welt, die das ist, was gesehen wird, entfernt worden ist, wird die Erkenntnis des Selbst als das Sehende geschehen. Was ist das wahre Verständnis von der Welt und wie entfernt man die Welt?

    Oh, Ramana, da kommst du uns aber mit ein paar Einzeilern! Sri Ramana starb 1950. Jetzt haben wir 2009. Es wäre süße Glückseligkeit, wenn ich von dieser Dachterrasse heruntersteigen, die paar Minuten hinüber zum Ashram laufen und sagen könnte: „Hey, Ramana, was hast du damit gemeint? Ich kann es nicht. Es wäre dumm von mir, wenn ich versuchen würde, dazu einen Kommentar abzugeben. Es wird da der Eindruck vermittelt, dass es eine Welt gibt, die „etwas ist. Sie hat Substanz und auf die ein oder andere Weise steht sie sofort vor uns: „Das ist die Welt!. Ich sage: „Nein, das ist sie nicht! Das ist die Sichtweise!

    Anstatt sie als derart substanziell, fast unvergänglich zu betrachten, was eine recht weit verbreitete Sichtweise ist, ist es wertvoller und befreiender, sie als Bewegung der Veränderung zu sehen. Ich werde erläutern, was ich damit meine. Der Moment, der diesem Moment, in dem du und ich kommunizieren, gerade vorausgegangen ist, jener Moment ist mit jener Welt aufgetaucht. Er dauerte ziemlich kurz und jetzt ist er vergangen. In seinem Vergehen gebar er, wie die Welle und der Ozean, diese jetzige Welt, in der du und ich mit deiner reizenden Filmcrew sprechen. Und die nächste Welt wird sich aus Dingen bilden und zusammensetzen, die du und ich noch nicht einmal sehen oder hören können. Denk nur an all das, was diese kleine Welt möglich machte, die du und ich zusammen heute haben.

    Die Welt kommt und geht also. Ich muss die Welt nicht zerstören; ich muss die Welt nicht beenden. Sie endet still, ganz leicht, von einem Moment zum nächsten, ohne mich. Wenn ich das also weiß – im Sinne eines Jnani (jemand, der Befreiung verwirklicht hat) – ist die Welt kein Problem. Sie entfaltet sich nur. Es ist nicht meine Wahnsinnsaufgabe und Verantwortung zu versuchen, diese Welt zu beenden, damit Erkenntnis geschehen kann. Welt beendet sich selbst in jedem Moment. Das ist die Sichtweise, die ich habe.

    Diese nächste Frage knüpft daran an. Es wird gesagt, dass der Verstand zerstört werden muss, damit die Befreiung geschehen kann. Hast du einen Verstand? Wie zerstört man den Verstand?

    Der einzige Ort, wo dieser Vorschlag herkommen kann, ist der Verstand. (Lacht) Er kommt nicht von einem Baum, er kommt nicht von diesem Bein. Er kommt von einem Verstand! Menschliche Wesen sind fantastisch darin, auf die exzentrischste Art zu denken. Wir sind wirklich merkwürdige Geschöpfe.

    Wir haben den Verstand zum Problem gemacht. Der Verstand hat keine Ahnung davon, dass er das Problem ist. Wir haben den Verstand zum Problem gemacht. Wenn es ein Problem gibt, taucht ganz natürlich aus dem Problem heraus die Absicht auf, ihn zu beseitigen, sich seiner zu entledigen. Denken ist das Problem, also ist alles Denken verwerflich! Ein merkwürdiger Gedanke.

    „Dein Verstand steht dir im Weg. „Dein Verstand hält dich davon ab, dich selbst zu erkennen. „Dein Verstand hindert dich an der Befreiung. Der Verstand produziert diese Ansichten, links, rechts und mittig. Das ist eine ziemlich sonderbare Lage, in der wir stecken! Und dann haben wir die Kühnheit zu sagen: „Der Verstand ist das Problem.

    Ist es nicht so? Ist es nicht so? Wir haben etwa eine Stunde zusammen. Wir könnten über das Mittagessen sprechen oder über etwas von gestern. Ist das Auftauchen eines Gedankens so ein Problem? Wo kommt diese ganze Anti-Gedanken-Ideologie denn anders her, als von einem Verstand, der über den Verstand redet? Ich werde dem Verstand keine Autorität geben. Ich werde dem Verstand nicht diese Art von Autorität geben, ich werde kaum sagen: „Zerstöre deinen Verstand. Werde deinen Verstand los!" Ich gebe dem Verstand nicht diese Autorität.

    Der Verstand ist kein Problem. Denken ist kein Problem. Die Freiheit des Seins erlaubt das Auftauchen von Gedanken, die sich als Freiheit des Seins ausdrücken. Sie lässt das Auftauchen von Ideen, Gefühlen und Veränderung zu. Du bist ein freier Mensch; nicht ein freier Mensch, der seinen Verstand zerstören sollte. Wenn der Verstand ein Problem für einige Menschen ist, müssen sie sich das anschauen. Andere von uns, die ein sehr einfaches, entspanntes, angenehmes Verhältnis zum Verstand haben, sehen ihn nicht als etwas Substanzielles an. Der Verstand bestätigt etwas Außergewöhnliches. Er hat nicht die Macht, wahre Erkenntnis zu blockieren.

    Du hast uns erzählt, dass du einige Jahre lang mit umfangreichen Übungen verbracht hast, als du im Osten warst. Hast du das vielleicht mit der Intention getan, etwas mit deinem Verstand zu tun, um die Aktivität des Verstandes zu reduzieren, um zu No-Mind (ohne Verstand) zu gelangen?

    Ein bisschen Hintergrund: Bevor ich buddhistischer Mönch wurde, war ich drei Jahre lang auf Reisen. Davor war ich durch Europa gereist, ich bin also ungefähr durch dreißig Länder getrampt. Ich hatte das Vergnügen und die Herausforderung, durch Teile von Europa, Asien und Australien zu reisen, und jetzt wollte ich in der inneren Welt herumreisen. Was ist die innere Welt? Ist sie so eine große Welt wie die äußere Welt? Was könnte das unterstützen, wie komme ich dahin? Ich hatte schon viel gelesen, hauptsächlich buddhistische Bücher. Ich mochte die buddhistischen Lehren über Veränderung, Befreiung, Loslassen und das Arbeiten mit dem inneren Leben.

    Ich kann mich nicht eines bewussten Vorsatzes entsinnen, die Aktivität des Verstandes zu reduzieren. Ich ließ mich nicht zum buddhistischen Mönch ordinieren, weil ich verwirrt war. Ich ließ mich nicht ordinieren, weil ich unglücklich war. Ich ließ mich nicht ordinieren, weil ich dachte, dass ich irgendwelche Probleme hatte, die ich lösen müsste. Ich war ein Kerl Mitte zwanzig, ziemlich frei und unbefangen, und ich liebte das Leben. Ich konnte mich nicht über mich oder andere beklagen, aber ich wusste, dass es in der Erforschung des Lebens eine Menge mehr gab, als aus der eng eingegrenzten englischen Kultur auszubrechen und meinen kulturellen Horizont zu erweitern. Wenn es irgendeine Absichtlichkeit gab, war es die, in den inneren Bereich von Erfahrung hineinzuschauen und das als eine Art Freiheitserklärung zu erforschen. Wir sind frei zu erforschen, was „Das" ist. Das war sicherlich ein einflussreicher Faktor im Laufe der Jahre, und er dauert an. Er hat nicht plötzlich aufgehört. Es gibt keine Begrenzung in der inneren und äußeren Erforschung.

    Das ist sehr einfach zu verstehen. Aber ist es nicht so, dass viele Buddhisten, die vielleicht nicht so ein umfassendes Verständnis haben wie du, No-Mind suchen, was auch immer das heißt?

    Das eigentliche Konstrukt „No-Mind gehört fast ausschließlich zu Zen. Ich erinnere mich nicht, es in dieser Form von meinen Lehrern gehört zu haben. Die Zen-Tradition hat also diese wunderbare scharfe Klinge. Die No-Mind-Aussage ist eine solche Beleidigung für den gut ausgebildeten, kultivierten westlichen Verstand. Ich bin der Meinung, dass sie eine brillante Anwendung ist. Ich habe vor einigen Jahren einen Vortrag an der Universität von Oxford gehalten. Es war nur eine Witzelei mit etwas Ernst darin, und ich sagte so etwas wie: „Die Universität ist im Wesentlichen eine Ego-produzierende Fabrik. Ich bekam einen sehr wütenden Brief von einem Professor in Oxford, der schrieb: „Wer zum Teufel glauben Sie, wer Sie sind? Ich kam, um mir einen öffentlichen Vortrag über Buddhismus anzuhören. Ich bin nicht gekommen, um mir anzuhören, dass ich in einer Ego-produzierenden Fabrik bin!"

    Ich nenne mich nicht einen Buddhisten. Ich habe kein Bedürfnis nach Etiketten, also wollte ich auch nicht das loswerden, was „römisch- katholisch" heißt, um dafür ein anderes anzunehmen. Ich halte mich von Etiketten fern. Ich kenne viele Buddhisten, buddhistische Mönche und Nonnen. Ich habe eine gewisse Vertrautheit und Verbindung mit der buddhistischen Tradition. Ich würde sagen, dass der Weg, das Ziel und die Sprache des Ziels sich sehr unterscheiden.

    Für einige mag es das Bestreben sein, No-Mind zu realisieren. Der Koan ist ein Versuch, den Verstand wegzublasen. Ein Koan kann einfach nicht beantwortet werden; er zeigt die Grenzen des Verstandes auf. Du kennst den sehr berühmten Koan: „Wie klingt das Klatschen einer Hand? Ein Freund mailte eine amüsante Antwort darauf: „Sehr still. Manchmal wird der Koan dazu benutzt, No-Mind zu realisieren. Der Verstand kann die tiefgründigste aller Fragen nicht beantworten. NoMind zu realisieren, ist dann befreiend.

    Buddhisten versuchen, das Unkonditionierte oder das Nirvana(Ichloser Zustand) zu realisieren, die absolute Wahrheit zu entdecken, die eigene Buddha-Natur zu erkennen. Solche Konzepte sind für manche nützlich, weil sie ein wenig Sinn für die Richtung vermitteln.

    Nicht alle werden ein umfangreiches Konzept in ihrer Übungsweise benutzen. Wenn man sich, wie Buddha aufzeigte, mit Übungen beschäftigt, einschließlich Selbsterforschung und Selbstuntersuchung, so wird man wie ein Holzstück im Fluss ganz natürlich zum Meer hin fließen – wenn man nicht an die Ufer von „Selbst oder „Anderem, an das eine oder andere Ufer gespült wird. Für einige muss das Meer nicht benannt werden.

    Viele Übende sind nicht zielorientiert. Sie machen ihre Übungen wie das Holzstück auf dem Fluss, der ins Meer fließt. Sie erfahren auf ganz natürliche Weise die Vorteile und Früchte, die sich daraus ergeben. Sie erkennen das Unermessliche, die Weite der Dinge, das, was nicht aus Selbst gemacht ist, No-Mind, was auch immer. Wie Buddha sagt, wird es so klar, wie es Farben für einen Menschen mit gutem Augenlicht sind.

    Einige Menschen üben mit einem realen, klaren, benannten Ziel. Andere üben ohne ein benanntes Ziel. Die Praxis befreit sie. Andere bleiben in den Übungen stecken.

    Was ist mit den Neigungen des Verstandes? Müssen diese entfernt werden, damit die Selbsterkenntnis dauerhaft bleiben kann; und wie beseitigt man diese Neigungen?

    Wenn wir in die Gefangenschaft von Ursache und Wirkung geraten, aufgepasst! Man könnte sagen: „Die Ursache, die mich von der Verwirklichung abhält, sind die Neigungen. Wenn ich die Neigungen beseitige, wird die Befreiung kommen. Demnach sind die Neigungen die Ursache. Werde die Neigungen los, und die Befreiung wird kommen. Es könnte einen eine höllisch lange Zeit kosten. Nehmen wir an, jemand sagt: „Wow, schau dir die ganzen Neigungen an, die ich in diesem Leben entlarven konnte. Und man könnte dann sagen: „Und vielleicht, vielleicht, vielleicht könnte es möglicherweise vergangene Leben geben." Ach du lieber Gott! Muss ich diesen Riesenberg vor der Verwirklichung erst auflösen? So zu denken ist ein Albtraum!

    Ich bevorzuge den Mittelweg. Ich kenne kein menschliches Wesen, das jeden Moment, den ganzen Tag, die ganze Zeit unter dem Einfluss seiner Neigungen steht – den guten, den schlechten und den indifferenten. Wenn du und ich uns nicht unter dem Druck der Vergangenheit oder der Neigungen befinden, erfahren wir nur Ruhe und Klarheit. Energie ist vorhanden und ein natürliches Wohlgefühl. Die Neigungen fehlen gewissermaßen. Vielleicht gibt es in solchen Zeiten, in denen wir uns nicht im Schatten unserer Neigungen befinden, eine Gelegenheit für Entdeckungen und Verwirklichungen. Auf diese Weise setze ich mich nicht dem Druck aus, versuchen zu müssen, meine Neigungen loszuwerden, damit ich gereinigt werden kann, um verwirklicht zu werden. Ich glaube nicht, dass wir uns die ganze Zeit in ihrem Schatten befinden.

    Ich schaue mir an, wo das Selbst andockt. Ich sage: „Ich habe eine Neigung, andere Menschen zu beurteilen. Ich habe eine wirkliche Neigung, mich selbst klein zu machen. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht gut genug bin. Ich bin wertlos." Wenn ich bemerke, wie das täglich hochkommt und ich anscheinend nicht viel Raum dort herum schaffen kann, dann möchte ich mich damit beschäftigen. Ich möchte es mir anschauen und darüber hoffentlich zu Klarheit und Verständnis kommen, so dass in meinem Herzen, in meinem Bewusstsein ein Raum entsteht.

    Es ist nicht so, dass ich mir gesagt habe: „Wow! Ich bin diese Neigung tatsächlich losgeworden. Ich habe nie wieder Selbstzweifel. Ich hab’s gelöst! Wir versuchen nicht, uns perfekt zu machen. Viel von dieser Neigung scheint einfach wie ein Tagtraum zu sein, und man fragt sich: „Was ist mit dieser Neigung passiert? Die Dinge, die mich immer wütend gemacht oder mir schlaflose Nächte bereitet haben, scheinen einfach weg zu sein! Und manchmal sagen die Leute: „Ich hatte diese Neigung. Und kann sie nicht mehr finden!" Nett. (Lacht) Wertvoll!

    Wie ist es mit Schicksal? Erwartest du, dass die Dinge einfach geschehen, oder drückst du deinen freien Willen aus und wählst?

    (Lacht) Nichts davon. Unmissverständlich nichts davon. Ich habe mich jahrelang damit beschäftigt, das zu reflektieren. Das ist eine wichtige Frage. Im Osten ist Schicksal oft mit einer fatalistischen Note behaftet: „Oh, das ist dein Schicksal. Es ist etwas Gegebenes; es hat einen Geruch von Gefangenschaft. Für mich hat das nichts von Undefinierbarem. Für mich hat das nichts von Unsicherheit oder Veränderung. Es gibt mir diesen Geruch einer absolut festgelegten Gewissheit. Ich sehe dafür keine Indizien. Wir könnten zustimmen und denken: „Das ist mein Schicksal im Leben. Dann passiert etwas Einschneidendes, und was ist dann mit der Vorstellung von Schicksal geschehen? Plötzlich wirst du weggepustet und etwas anderes entfaltet sich.

    Die andere Reaktion ist dann freier Wille, Entscheidung, so geliebt im Westen. Ich denke, die Bewegung des Wählens, die Manifestation der Wahl, sogar in den großzügigsten Momenten, passiert in den kleinen Details des Lebens. Du hast gesagt: „Christopher! Ich schreibe ein Buch und will dich interviewen. Ich möchte dich gerne filmen. Können wir uns treffen? Es war deine Entscheidung, mich zu treffen, und ich sagte zu dir: „Oh ja. Ich werde kommen. Das war meine Entscheidung.

    Wenn es eine Wahl gibt, so ist viel davon unbedeutend, von kleinem Maßstab. Die größeren Herausforderungen des Lebens liegen nicht unbedingt im Bereich der Wahl. Geboren werden zum Beispiel. (Lachen) Ich kann mich nicht erinnern, gewählt zu haben, in England bei meinen Eltern geboren zu werden; gewählt zu haben, in eine katholische Schule zu gehen; gewählt zu haben, männlich zu sein und andere sonderbare Eigenschaften. Ich kann mich nicht erinnern, gewählt zu haben, dass verschiedene Ereignisse in meinem Leben passierten, weder schöne noch schwierige, die einen Einfluss auf mich hatten.

    Ich kann mich nicht erinnern, gesagt zu haben: „Oh, ich werde heute wählen, dass meine liebevolle Partnerin mich verlässt, oder „Oh, ich denke, ich wähle heute ein großes Öffnen des Herzens. Ich denke, das ist meine Wahl heute.

    Ich würde sagen, wir übertreiben die Bedeutung von Entscheidung: „Soll ich ein hellbraunes T-Shirt kaufen oder soll ich ein dunkleres kaufen? Die Auswahlmöglichkeiten sind oft trivial, klein. Wenn wir die Situation aufbauen: „Oh, ich muss unbedingt eine Entscheidung treffen! Wieder Wahl. „Soll ich in Indien bleiben oder soll ich irgendwo anders hingehen? Soll ich damit weitermachen oder nicht?" Wir bauen es auf, aber die Entscheidungen entfernen sich von uns. Wir sind in einem Dilemma, einem Konflikt, in Aufruhr. Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Wir nennen es Wahl, aber eigentlich

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