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Bewertungen:
2.5/5 (2 Bewertungen)
Länge:
257 Seiten
4 Stunden
Freigegeben:
Jan 1, 2011
ISBN:
9781848584129
Format:
Buch

Beschreibung

Wordcount: 42500
Freigegeben:
Jan 1, 2011
ISBN:
9781848584129
Format:
Buch

Über den Autor

Jo Durden Smith was a reporter, researcher, then producer-director at Granada TV and an executive-producer at Alan King Associates in London. He then left for North America to take up a career as a freelance writer, contributing to well-established journals such as The Village Voice in the United States and Macleans in Canada. Jo has continued to write for magazines and newspapers in Canada, the United States, Britain and Russia. He is also the author of a number of books (Sex and the Brain with Diane de Simone, A Long-Shot Romance, The Essence of Buddhism, Mafia: The Complete History of a Criminal World) and a maker of documentaries for TV.


Ähnlich wie Mafia

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Buchvorschau

Mafia - Jo Durden Smith

Der Duce – der italienische Diktator Mussolini

1

Der Tod des

Don Calogero Vizzini

EINER DER MACHTIGSTEN Mafiabosse Siziliens, Don Calogero Vizzini („Don Calò"), starb Anfang der 1950er-Jahre. Sein Leichnam wurde in einer kleinen Kirche seines Heimatortes Villalba, dessen Bürgermeister er war, aufgebahrt. Politiker seiner Partei, der Christdemokraten, und hohe römisch-katholische Kirchenmänner kamen mit anderen Mafiafamilien, Journalisten und vielen Bewohnern des Umlandes zusammen, um ihm Respekt zu zollen.

Dem Schriftsteller Norman Lewis zufolge hing an der Kirchentür eine Todesanzeige, die sich in etwa so las: „Weise, dynamisch und unermüdlich – er war der Wohltäter der Landarbeiter und der Arbeiter in den Schwefelminen. Ständig hat er Gutes getan, er erfreute sich eines guten Rufes in Italien wie im Ausland. Größe angesichts der Verfolgung, noch größer in der Not … Von Freunden und Gegnern gleichermaßen erhielt er die größte aller Auszeichnungen: Er war ein echter Gentleman."

Die Anzeige war nicht ganz unrichtig. Obwohl der ungebildete ehemalige Bauer für gewöhnlich zerknitterte Hosen und schmuddelige Hemden trug, kaum mehr als seinen heimatlichen Dialekt sprach und sicherlich kein Gentleman im eigentlichen Sinn war, hatte er doch die Begriffe „Verfolgung und „Not am eigenen Leib erlebt. In Mussolinis Italien verbrachte er 20 Jahre entweder im Gefängnis oder auf der Flucht vor dem Abgesandten des Duce in Sizilien, dem „eisernen Präfekten Cesare Mori. Und tatsächlich hatte er „einen guten Ruf, der sich „in Italien wie im Ausland verbreitete. Mehr als jeder andere war Don Calò dafür verantwortlich, dass der amerikanische Teil der Befreiung Siziliens innerhalb nur weniger Tage abgeschlossen werden konnte. Nachdem er von einer Spezialtruppe aufgegriffen und mehr oder weniger auf der Stelle zum Oberst ehrenhalber ernannt worden war, begleitete der zerlumpte Bürgermeister die amerikanische Vorhut und wurde als „General Mafia bekannt.

Der sizilianische Mafiaboss Don Calogero Vizzini, alias Don Calò

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Don Calò zu einer Machtfigur der Christdemokraten, und zum Zeitpunkt seines Todes war er reich und unglaublich mächtig. Es war deshalb keine Überraschung, dass seine blumenübersähte Bahre von einer Ehrengarde bewacht wurde, der auch sein Nachfolger Genco Russo angehörte. Nur wenige Anwesende bemerkten dabei, dass eine Schnur zwischen Russo und dem Leichnam seines Chefs verlief, durch welche – so der unerschütterliche Glaube der Mafia – die Essenz von Don Calòs Macht auf die nächste Generation übertragen wurde. Zumindest aber signalisierte diese Schnur die Anwesenheit von etwas, das viel älter als die Christenheit oder beinahe so alt wie die Berglandschaft Siziliens selbst war.

„Der Leopard"

Etwa sechs Jahre später erschien ein Buch, das Italiens größter internationaler Bestseller werden sollte: „Der Leopard. Der Verfasser war der Sizilianer Guiseppe Tomasi, Fürst von Lampedusa und Herzog von Salina. Der Roman stellt die Figur des Urgroßvaters des Fürsten – Don Fabrizio genannt – in den Mittelpunkt und spielt in der Zeit einer weiteren „Befreiung: der Ankunft Garibaldis in Sizilien vor der Vereinigung Italiens.

Claudia Cardinale spielte die schöne Angelica Sedàra.

Die Verschwörung, so es denn eine war, spielt um die Figur des Neffen des Fürsten, Tancredi, eines glühenden Garibaldisten, der sich in die wunderschöne, 17 Jahre junge Angelica Sedàra verliebt. Angelicas Vater, Don Calogero Sedàra, ist Bürgermeister des Gebietes um den Sommerpalast des Prinzen und wird in der Tat als ein zweiter Don Calò porträtiert: schmuddelig, unglaublich reich und mächtig. Während der Befreiung sei er – so das Buch – außerordentlich „beschäftigt gewesen. Dabei wird impliziert, er sei ein Mafioso. Sein „gieriger und übermächtiger Schwiegervater wird zwei Jahre nach Don Calogeros Hochzeit mit zwölf Kugeln im Rücken tot aufgefunden. Der Fürst findet heraus, dass Don Calogero auch großen Einfluss in der Politik besitzt. Er manipuliert die Lokalwahlen in der Frage der Vereinigung zugunsten seiner Partei mit dem Ergebnis eines einstimmigen „Ja". Als Don Fabrizio eingeladen wird, Senator im neuen gesamtitalienischen Parlament zu werden, empfiehlt er mit Blick in die Zukunft statt seiner Person Don Calogero Sedàra. Und damit war die Mafia auf dem Weg in die nationale Politik, so das Buch weiter.

Burt Lancaster in der Rolle des Don Fabrizio

Der italienische Regisseur Luchino Visconti

„Der Leopard wurde von Regisseur Luchino Visconti verfilmt. Burt Lancaster spielte den Don Fabrizio, Alain Delon und Claudia Cardinale glänzten als Tancredi und Angelica. Der Film wurde in das 19. Jahrhundert versetzt. Das Buch jedoch beschreibt zumindestens teilweise eine Periode unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Und ist Don Calogero Sedàra nun wirklich Don Calò Vizzini? Man weiß es nicht! Aber die Armut und die unterschwellige Gewaltbereitschaft in der im Buch beschriebenen Landschaft könnten praktisch jederzeit in den 300 oder 400 Jahren vor 1960 liegen. Nur die Kostüme, die Kutschen und die ständige Anwesenheit der „Lupara (ein Gewehr zur Wolfsjagd) verhindern eine genauere Ansiedelung des Romans innerhalb der Jahrhunderte.

Eine Landschaft kann „als Schwimmbad, Tränke, Gefängnis, Friedhof dienen: „Sie … verbirgt die Körper der Bestien und Tiere, bis sie zu glatten, anonymen Skeletten geworden sind. Dorfbewohnerinnen werden beobachtet, wie sie „im flackernden Licht der Öllampen die Augenlider ihrer an Bindehautentzündung erkrankten Kinder untersuchten. Sie alle trugen Trauerkleidung, und einige waren die Ehefrauen dieser vogelscheuchenähnlichen Leichen, über die man an den Biegungen der Landwege stolpert. Erschreckend ist die im Buch beschriebene Armut im Gegensatz zum Reichtum des Fürsten, der sich hauptsächlich in ausgedehnten Gütern und in vom Verfall bedrohten Palästen darstellt. Diese werden von Männern bewacht und geführt, deren Gewehre „nicht immer ungefährlich waren. Die Armut und Gewalt des Buches, das Land, die Paläste, die Bewacher und die Politik hätten praktisch aus jeder Zeit stammen können. Sie lieferten jene für die Insel so einzigartige Mischung und ihr geradezu giftiges historisches Erbe: die Mafia.

2

Sizilien: Stammland der Mafia

SIZILIEN IST KEINE GEWÖHNLICHE INSEL. Rund 2.000 Jahre vor der Entdeckung Amerikas zahlte es bereits einen hohen Preis dafür, im Herzen des Mittelmeers zu liegen und somit mehr oder weniger im strategischen Zentrum der damals bekannten Welt. Sizilien war eine lukrative Beute, die eingenommen und gehalten werden wollte – von Griechen, Römern, Byzantinern, Arabern, Deutschen, Franzosen und natürlich auch von Freibeutern und weiteren Arrivistes (Ankömmlingen), die sich einen Namen machen wollten. Das sizilianische Sozialsystem wurde bereits von den Römern vorgegeben. Sie holzten die Insel systematisch ab und verwandelten sie in eine Kolonie, die das Mutterland und sich selbst mit Weizen versorgte. Ausgedehnte Landgüter, von Sklaven bearbeitet, erstreckten sich über das ganze Landinnere, und obwohl der Weizen im Lauf der Zeit weitgehend verschwand, blieben die Güter und die Sklaverei. Von der übrigen Welt wenig berührt und wahrgenommen, erhielt sich in Sizilien auch das Feudalsystem: Die Landarbeiter erhielten erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Recht, Land zu besitzen. Althergebrachte Privilegien und allerlei rechtliche Schikanen durch die Großgrundbesitzer bewirkten, dass nur sehr wenige von ihnen auch tatsächlich Land erhielten.

Sizilien wurde in der folgenden Zeit zu einer Art insularem Russland – hübsch anzusehen durch die von den Arabern angelegten Zitrusplantagen, aber eben doch Russland. Drei Viertel der Insel gehörten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts aristokratischen Großgrundbesitzern, die sich in ihren zum Teil weit entfernten Palästen abschotteten oder sich lieber in den westeuropäischen Äquivalenten von Moskau und St. Petersburg vergnügten. Es gab hier keine Renaissance oder Reformation, keine Aufklärung, keine Gilden, Stadtparlamente oder gesetzgebende Institutionen, sondern einfach nur Knochenarbeit, schwere Repressalien durch den Staat und natürlich die Kriminalität.

Schon seit dem frühen 18. Jahrhundert gehörten Banditentum und Schlägereien zum ländlichen Leben auf Sizilien dazu.

Das Verbrechen in Sizilien

Verbrechen wurden auf die eine oder andere Weise in Sizilien stets mit Patriotismus gleichgesetzt, mit Widerstand gegen jedwede Besatzer. Schriftsteller des 18. Jahrhunderts beschrieben eine geheime sizilianische Zeichensprache, die ihrer Ansicht nach auf die Zeit griechischer Herrschaft zurückging. Reisen in das Innere der Insel durch das gebirgige Terrain waren äußerst schwierig, denn noch bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es praktisch keine Straßen. Die ohnehin wenigen Gesetzeshüter lebten zudem weit verstreut, und so bot das Banditentum über lange Zeit hinweg eine gute Karrieremöglichkeit für junge Männer, die durch ihre Clans und Familien vor der Macht des Gesetzes geschützt wurden. Loyalität, insbesondere aufgrund von Blutsverwandtschaft, stand über allem: Nicht umsonst wird die Grundeinheit der Mafia „Familie" genannt.

In gewissem Sinn etablierte sich das Verbrechen auch im überkommenen Feudalsystem: Die abwesenden Aristokraten benötigten Verwalter für ihre Güter, welche die Feldarbeit vorantrieben, aber auch das Land, die Gebäude und das Inventar vor Banditen schützen und die Verbreitung liberaler Ideen verhindern sollten. Dies mussten starke Männer mit Macht und Einfluss sein, die sich beim Einsatz der Lupara nicht allzu sehr um das Gesetz scherten. Der Unterschied zwischen Bandit, „Familienmitglied" und Gutsbewacher war am Ende oft hauchdünn. Die Verwalter und ihre Untergebenen erhielten ihre Provisionen von beiden Seiten: sowohl von den Bauern als auch von den Gutsbesitzern für die Wahrung der jeweiligen Interessen. In der Zwischenzeit konnten sie natürlich auch auf eigene Rechnung arbeiten – als Banditen, vor denen sie die ihnen anvertrauten Güter ja eigentlich beschützen sollten. Dieses Schutzmodell war über lange Zeit hinweg eine sizilianische Spezialität. Es wurde großer Druck auf die Grundbesitzer ausgeübt, Räuberbanden als Guardani (Wachmannschaften) anzustellen. Die Zusammenarbeit mit den Gesetzeskräften war hingegen so gut wie unbekannt. Ein Grund dafür waren die Gesetze an sich, die den Staat auf Sizilien zwar stützten, aber eigentlich nur ein Gemisch sich widersprechender Statuten waren, welche die aufeinander folgenden Besatzer hinterlassen hatten. Ein Gerichtsfall dauerte demzufolge endlos, obwohl eine möglichst schnelle Vollstreckung gleichermaßen im Interesse der Bauern, der Gesetzlosen und der Aristokratie lag. Es kommt hinzu, dass viele Richter ihren Posten kaufen mussten; Gerichtsangestellte erhielten zudem eine geringe oder gar keine Bezahlung. Man wartete also geradezu auf einen „einflussreichen Mann", der sich endlich der ganzen Sache annehmen würde. Ein Reisender aus dem 18. Jahrhundert berichtete über eine geheime Gerichtsgesellschaft. Diese arbeitete weitaus effektiver als die ordentlichen Gerichte, und alle Mitglieder mussten schwören, die Urteile zu befolgen.

Das Banditentum, das Schutzmodell, eine antiliberale Politik, Bestechung, geheime Gerichtsgesellschaften, die Familien: Was die sizilianische Mafia letztendlich erschaffen hat, war schon lange vor dem 19. Jahrhundert präsent – vielleicht mit Ausnahme des Namens.

3

Die Mafia taucht auf

DAS WORT „MAFIA" soll dem Historiker Denis Mack Smith zufolge zum ersten Mal 1863 offiziell in Sizilien aufgetaucht sein,

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Rezensionen

Was die anderen über Mafia denken

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Leser-Rezensionen

  • (3/5)
    not bad. when i started i thought it wasn't what it purported to be and was pretty disappointed. but the further you go the better it gets. it is a very overview of mafia history. personally i guess i thought it would have more reference to them all even if with less detail. instead it had a bit of info but missed alot of the gangsters i've studied in the past. ie my favorite is jimmy "the gent" burke. i was also always very intrigued by the hijacking of trucks and airports and it didn't touch on that. but it is still worth reading if you're interested in this stuff.
  • (2/5)
    The book provides a brief history of the mafia, more similar to a timeline and gives good information about the mafia in Sicily. It’s probably an interesting read for people who have not read much else about the mafia. It was a quick read.