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Rockstar Girl: Wenn Liebe zur Gefahr wird

Rockstar Girl: Wenn Liebe zur Gefahr wird

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Rockstar Girl: Wenn Liebe zur Gefahr wird

Länge:
386 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 6, 2017
ISBN:
9783735711793
Format:
Buch

Beschreibung

Die achtzehnjährige Izzie muss mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Amy widerwillig auf ein Konzert von deren Lieblingsband gehen. Dort lernt sie Jaden kennen, ohne zu wissen, wer er wirklich ist. Sie verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Als sich dann jedoch herausstellt, dass Jaden eine Berühmtheit ist, verändern sich ihrer beider Leben. Sie wollen zusammen sein, doch die Hürden scheinen immer größer zu werden. Nicht nur, dass es den beiden schwerfällt, die Öffentlichkeit von ihrer Liebe zu überzeugen, holt sie auch Izzies Vergangenheit ein. Die Gefahr, welche eine unerfüllte Liebe birgt, wird Wirklichkeit. Die ganze Kraft des jungen Paares wird mehr als nur auf eine Probe gestellt. Doch nicht nur die Gefahr aus Izzies Vergangenheit droht, sondern auch in der unmittelbaren Zukunft versuchen sich Menschen in deren Leben zu drängen und die zwei auseinanderzubringen. Das Ende scheint bereits erkennbar, als sich die Situation noch einmal dreht und von einem ganz anderen Licht betrachtet werden muss.
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 6, 2017
ISBN:
9783735711793
Format:
Buch

Über den Autor

Christine Ferdinand ist 1985 in Niedersachsen geboren. Neben der Rolle als Mutter, Ehefrau und technische Beraterin, schlägt ihr Herz leidenschaftlich für das Schreiben von Büchern. Auf der Internetseite www.chris-ferdinand.de könnt ihr mehr über ihre bisherigen Werke erfahren.


Buchvorschau

Rockstar Girl - Christine Ferdinand

18

Kapitel 1

„Wir gratulieren dem Highschool Jahrgang 2011 zu Ihrem Abschluss." Die Rede verging nur langsam.

Angespannt rückte ich auf dem Stuhl hin und her. Meine Haarspangen drückten mir bereits in die Kopfhaut. Wieso kam ich überhaupt auf die Idee mir meine langen Haare hoch zu stecken? Vorsichtig, mit dem Versuch nicht gerade alles zu ruinieren, zupfte ich mir einzelne dunkelbraune Strähnen an den Seiten heraus, damit sich alles etwas lockerte. Bewusst ließ ich meine Gedanken schweifen. Wenn dies hier überstanden wäre, waren es nur noch acht Wochen. Acht Wochen und dann hieß es: Hallo Welt! Da achtete dann keiner mehr auf meine Frisur oder mein Aussehen. Seit ich zehn Jahre alt war, wollte ich schon immer von zu Hause weg. Einfach raus.

Zum einen lag dies daran, weil ich wirklich in meinem Leben viel von der Welt sehen wollte. Und zum anderen, weil ich mich mit meinen Eltern seither nicht gut verstand. Sie hatten kein Verständnis dafür, das ich erst ein Jahr warten wollte bis ich eine Ausbildung anfing.

Ihrer Meinung nach sollte ich sofort an die Uni und studieren. Oder noch besser: Unseren Nachbarn Fred heiraten und viele Kinder bekommen. Fred war zwei Jahre älter als ich, also einundzwanzig. Er arbeitete als Kassierer in einem Supermarkt, wo sein Vater in der Geschäftsleitung saß. Wir hatten als Kinder fast jeden Tag miteinander gespielt, doch das war mehr als fünfzehn Jahre her. Wo wir dann älter wurden, haben wir zusammen herumgehangen. Und ja, ich muss es zugeben, er war auch der erste Junge, den ich geküsst hatte. Ich war gerade mal elf und er dreizehn Jahre alt. Wir wollten es einfach ausprobieren. Fazit: Beide fanden es ekelhaft.

Als ich dann anfing weibliche Formen anzunehmen und mich wie eine junge Frau zu kleiden, kamen bei ihm die männlichen Hormone durch. Wir hingen weiterhin noch ab und zu miteinander rum. Nachdem er mir allerdings vor gut zwei Jahren, eines Abends auf der Hängeschaukel auf unserer Veranda sagt: >Izzie, ich möchte mit dir zusammen sein, ich liebe dich!<, sagte ich höflich, >Danke, dann bis später mal<, und verschwand ins Haus.

Im Nachhinein war es ziemlich feige von mir, doch ich sah keinen anderen Ausweg. Das alles kam so plötzlich und unerwartet. Ich wusste ganz genau das ich nie so für ihn empfinden würde. In meinen Augen war er einfach nur ein guter Freund, fast schon wie ein großer Bruder.

Ich brach den Kontakt ohne Ankündigung ab. Seither sprachen wir nur miteinander, wenn wir uns zufällig über den Weg liefen. Und dann auch nur Smalltalk. Soweit mir bekannt war, hatte er bis dato auch keine andere Freundin gehabt und seine Liebe zu mir war auch nicht abgeklungen.

Die Menschen um mich herum standen auf und klatschten wie wild. Oh, die Rede war vorbei. Ein Glück.

Wir warfen unsere Absolventenkappen in die Luft, wobei keiner seine wieder auffing. Nacheinander fielen sich die Leute in die Arme und gratulierten sich. Meinen kleine sechzehnjährige Schwester Amy kam auf mich zu gerannt. Sie trug ihre ebenfalls langen dunklen Haare offen. Sie fiel mir um den Hals.

„Gratuliere zum Abschluss Schwesterchen!"

„Schwesterchen? Du bist doch die jünger von uns." Wir grinsten uns an.

Dann kamen meine Mutter und mein Vater um die Ecke.

Meine Mutter hatte sich ihre dunklen Haare, wie fast jeden Tag, zu einem strengen Dutt nach hinten gebunden.

Warum bekam sie wohl keine Kopfschmerzen? Schoss es mir durch den Kopf. In ihrem cremefarbenen Kleid sah sie viel jünger aus als sonst.

Wachgerüttelt von ihrem strahlenden Lächeln, legte sie eine Hand an meine Wange und schaute mich überglücklich an. Der Stolz war in ihren Augen zu erkennen. Mein Selbstbewusstsein stieg ein wenig an, bevor mein Vater begann etwas zu sagen.

„Glückwunsch Izzie", grummelte er und drückte mich kurz. Ich sah ihn von der Seite aus an. Sein Blick schweifte in die Menge. Seine kurzen Haare und dazu das ernste Gesicht ließen ihn fast so aussehen wie ein Soldat im Einsatz. Immer auf der hut nach Gefahr.

Lediglich seine Brille ließ ihn etwas weicher wirken.

„Wollen wir dann jetzt nach Hause fahren? Deine Mutter hat extra groß gekocht." Mürrisch blickte mein Vater weiter in der Gegend rum. Seine Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen. Mit den Händen in der Anzughose, nahm er so wenig Anteil an dieser Veranstaltung wie möglich. Er mochte solch ein Auflauf überhaupt nicht.

Wenigstens hatten wir das gemeinsam. Stumm gingen wir nacheinander in Richtung Ausgang.

In dem Wagen meines Vaters fuhren wir über dem Highway nach Hause. Heute war ein stickiger Tag. Die Luft wurde mit vier Leuten schnell erdrückend. Ich öffnete das Fenster einen Spalt, schloss die Augen und ließ mir den kühlen Fahrtwind durchs Gesicht pusten. In Gedanken war ich bereits wieder in Europa.

„Oh Dad mach das bitte lauter! Bitte!!!", schrie Amy an meinem Ohr vorbei. Ich zuckte zusammen.

„Aber Schatz, das hast du doch auch auf CD. Müssen wir das wirklich…", doch er sprach nicht weiter. Er sah Amys trauriges Gesicht im Rückspiegel und drehte das Radio keine Sekunde später lauter. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und verdrehte die Augen. Dieses Szenario bewies einmal aufs neue, das Amy seine Lieblingstochter war. Das stand fest. Meine Theorie dazu, um das zu untermauern: Ich war ein ungeplantes Kind war. Ein Unfall sozusagen. Und Amy, die süße kleine nervige Amy, war ein absolutes Wunschkind von meinen Eltern. Doch, auch wenn Amy noch so nervig war, hatte ich ihr zum Geburtstag vor einer Woche, drei Wünsche geschenkt. Ich weiß das klang verrückt, aber ich wollte ihr nicht sagen das diese einfallslose Idee mir nur gekommen war, weil ich vergessen hatte ein Geschenk zu kaufen. Jedenfalls wünschte sie sich, das ich Sie auf drei Konzerte ihrer Lieblingsband 'Instructions’ begleitete. Diese Band war im Moment in jeglichen Charts auf Platz eins, da sie den Titelsong für einen romantischen Kinofilm geschrieben hatten. Ich hatte noch nie ein ganzes Lied von denen gehört. Sobald dieses Gedudel im Radio lief, switchte ich weg. Bis zum jetzigen Zeitpunkt. Ob ich wohl schlimme Verletzungen davon tragen würde, bei voller Fahrt aus dem Auto zu springen? Doch das war es nicht wert. Ohren zu und durch lautete hier die Devise. Ebenfalls war mir nicht bekannt, welche Gesichter überhaupt hinter dieser Band steckten. Als Logo hatten Sie ein Herzförmiges Symbol mit Flammen oder so ähnlich. Doch Fotos von den Stars gab es wenig. Sollte wohl irgend so eine Masche von den Managern sein, um die richtig groß raus zu bringen. Amy hatte mir einmal erzählt, dass wenn sie achtzehn wäre, sich dieses Logo tätowieren lassen wollte. Ein Glück hatte sie noch zwei Jahre Zeit sich das wirklich genau zu überlegen. Lange rede, kurzer Sinn, da Amy, wie deutlich zu erkennen, nun mal die Lieblingstochter war und sich alle um sie sorgten, durfte sie auch nicht alleine auf ein Konzert dieser Band gehen. Meine Eltern erklärten sich nicht bereit und so kamen ihnen und vor allem Amy, meine freien Wünsche ganz gelegen. Da die Tour der 'Instructions´ nächste Woche begann, hatte mein Vater selbstverständlich schon Karten für drei dieser Konzerte innerhalb der nächsten drei Wochen gekauft. Es würden mit Sicherheit die längsten drei Wochen meines Lebens werden. Allerdings war das erste Konzert bereits morgen Abend hier in der Stadt. Die zwei anderen Konzerte waren in einem anderen Bundesstaat. Dad hatte natürlich ohne mit der Wimper zu zucken, auch gleich ein Hotelzimmer für die Nächte mit gebucht. Damit seine kleine Tochter es auch ja gemütlich hatte. Wenn ich daran dachte, kam die blanke Wut in mir hoch. Auch wenn es mir, bei näherem betrachten ganz gelegen kam.

Denn die Schule war zu Ende und ich würde eh den ganzen Tag nur zu Hause vorm Internet sitzen und meine Reise bis ins kleinste Detail planen. Der größte Teil der Planung war ohnehin schon erledigt. Schließlich hatte ich bereits mit sechzehn angefangen alles aufzuschreiben.

Amy schrie mit voller Lautstärke bei dem nächsten Song mit. Ohne große Hoffnung versuchte ich mit blanker Willenskraft sofort Taub zu werden oder mein Trommelfell zum Platzen zu bringen, jedoch ohne Erfolg.

Endlich waren wir zu Hause angekommen. Meine Eltern waren ebenso sehr erleichtert wie ich, dass wir das Radio abstellen konnten.

Am Essenstisch sprach überwiegend Amy. Sie blubberte mich von der Seite voll, wie sie sich doch auf morgen freute. Und auch wenn ich es vor ihr nicht zugeben wollte, ich freute mich ebenfalls ein wenig mit ihr dahin zu fahren. Raus von zu Hause.

Ich ging früh schlafen und hoffte, wie in letzter Zeit so häufig, von meiner bevorstehenden Reise zu träumen.

Es war schon fast zehn Uhr als ich erwachte. Vorsichtig rieb ich mir den Schlaf aus den Augen und trottete in meinem Schlafanzug in die Küche.

„Guten Morgen Izzie!", schrie Amy mir entgegen. Sie war schon komplett umgezogen für heute Abend. Ihre Jeans schwarz und enganliegend, auf ihrem T-Shirt war dieses Symbol der Band. Die Haare hochgesteckt. Sie würde heute Abend mit Sicherheit Kopfschmerzen bekommen – ich sprach aus Erfahrung.

„Morgen. Aber wollen wir nicht erst nach dem Mittagessen los?" Ich warf einen prüfenden Blick zur Uhr.

„Mh, ich dachte, wir könnten vielleicht unterwegs was essen und Sandy müssen wir doch auch noch abholen."

Nervös zupfte sie an ihrem Saum vom Shirt herum.

Zwar sagte sie es nicht, doch sie wollte das wir eher losfahren, damit sie auch ja in der ersten Reihe stehen konnte.

Ich atmete angestrengt aus. Sie hingegen setzte jetzt diesen Hundeblick auf. Wie konnte man dem widerstehen.

„Ok, gib mir eine Stunde, ja?", sagte ich und verdrehte die Augen. Amy quietschte auf.

Ohne meinen morgendlichen Kaffee zu trinken, ging ich wieder nach oben und kramte in meinem Schrank nach etwas passendes zum Anziehen. Was trug man den auf einem Konzert, wenn man kein Fan war, sondern nur mitgeschleift wurde? Am Ende entschied ich mich für eine schwarze Leggings mit meinem Weisen Tunika Kleid wo ebenfalls schwarze Verzierungen eingenäht waren. Darüber noch meine schwarze Strickjacke und fertig. Im Badezimmer kämmte ich mir noch schnell die Haare, welche heute definitiv offen blieben. Wusch mich schnell und legte natürliches Make-up auf. Schnell schmiss ich noch mein Handy, Portmonee und Schlüssel in die Handtasche und ging wieder nach unten.

„Wollen wir dann los?", rief ich in die Küche. Ein kleiner Tornado wirbelte durch den Flur und Amy stand vor mir.

Wir nahmen mein Auto. Es war zwar nur ein normaler Kleinwagen, doch wollte ich nicht mit Dads Auto fahren, auch wenn er es angeboten hatte. Auf den Weg zu Sandy, kramte Amy in ihrer Handtasche und holte eine CD heraus.

„Nein, das ist nicht dein Ernst!", stöhnte ich.

„Oh doch! Wir müssen uns doch einstimmen auf das

Konzert!" Gerade wollte Sie die CD einlegen, hielt ich die Hand vor dem Schlitz am CD-Spieler. Ich sagte nichts, presste nur die Lippen zusammen und schüttelte vehement mit dem Kopf.

„Du hast es mir zum Geburtstag geschenkt!", fauchte sie.

Und irgendwie hatte sie auch Recht. Ich nahm meine Hand weg und sie schob die CD ein. Erneut hieß es: Ohren zu und durch!

Nachdem wir Sandy eingeladen hatten, hörte ich die Musik Stereo. Von vorne, rechts und hinten. Mittlerweile konnte ich sogar von einigen Strophen den Text auswendig. Ein Glück waren es nur noch wenige Minuten bis wir am Ziel angekommen waren.

Wir fuhren auf den abgesperrten Parkplatz und stellten das Auto ab. Es war noch nicht einmal Mittag und schon total voll. Überall sah man Mädchen von ganz verschiedenem Alter. Einige sogar bestimmt schon zwanzig. Ich suchte nach gleich gesinnten, die keine Fans waren, doch die gab es hier wohl kaum. Die Begleitungen der anderen Minderjährigen warteten entweder im Auto oder in den umliegenden Geschäften.

Wir kamen an der unendlich langen Schlange an und warteten. Amy und Sandy diskutierten eifrig welches Mitglied der Band am süßesten war. Doch mir sagten die Namen nichts und somit hörte ich auch nicht weiter hin.

Noch für einen Moment ließ ich meinen Blick schweifen, als mein Handy klingelte. Ich war erlöst, egal wer es war.

„Hallo?!", schrie ich ins Telefon und hielt mir das andere Ohr zu. Die kreischende Meute war so laut das ich mich etwas abseits stellte, um überhaupt etwas zu verstehen.

„Hallo Izzie, ich bin es Fred."

Enttäuschung durchfuhr mich. Die Hoffnung, dass es jemanden wäre, mit dem ich wirklich sprechen wollte, war dahin. Doch immerhin war ich für einen Moment abgelenkt.

„Hi Fred. Was gibt’s?", fragte ich direkt heraus.

„Ich…ähm, ich wollte noch mal mit dir reden.", stotterte er ins Telefon.

„WAS?", schrie ich erneut. Die Fans mussten etwas unglaublich tolles erkannt haben das alle wie auf einmal aufschrien.

„Du musst etwas lauter reden, hier ist die Hölle los!"

„Ach du bist gerade beschäftigt. Dann ruf ich später noch einmal an."

Doch ich verstand ihn nicht.

„WAS? Fred hallo?"

„Später!", schrie er zurück.

„Ok. Bis später." Ich wusste nicht, ob er mich verstand, ich legte auf. Mit bösen Blicken von den wartenden Fans beworfen ging ich zurück zu Amy und Sandy in die Reihe. Beinah, als würde ich denen etwas vor der Nase wegschnappen wollen.

Ich schaltete mich kurz in der noch immer anhaltenden Diskussion ein, welches Bandmitglied süßer war, und erwähnte flüchtig, dass ich wieder da sei. Nach weiteren gefühlten Jahrzehnten des Wartens wurde die Meute in die Halle gelassen. Wir standen bestimmt mittlerweile über eine Stunde an. Die Schlange ging nur mäßig voran.

Als wir weit genug vorne waren, sah ich, woran es lag.

Zuerst wurden die Karten der Fans kontrolliert und in einem Vorraum gelassen. Dann wurden Sie nach Waffen durchsucht und zum Schluss kamen sie erst in die Halle.

Ich drängelte nicht, mir war es egal wo ich stand.

„Amy", sagte ich und tippte ihr auf die Schulter, bevor wir eingelassen wurden.

„Wenn was ist, schreib mir eine SMS. Ich werde weiter hinten bleiben, wir treffen uns am Ende am Ausgang, ja?" Sie nickte, dann stürmten die beiden los. Ich ließ meine Karte einreißen und stellte mich an die Seite. Ganz zum Schluss, als die meisten eingelassen wurden, ging auch ich in die Halle und stellte mich mit dem Rücken an die hinterste Wand. Es war lustig die vielen, ausschließlich weiblichen Fans, zu beobachten. Sie stritten sich sogar hinten noch um die Plätze und wo wer besser sehen konnte. Ich schmunzelte in mich hinein, als sogar einige der Security ein paar wild gewordene Fans auseinander reißen musste.

Ansonsten klang die Musik live definitiv besser als auf der CD. Auf CD klang es immer so künstlich. Erst wenn man eine Band live hörte, wusste man wirklich, ob es gute Musiker waren. Das war wenigstens meine Einstellung.

Ich fächerte mir leicht Luft zu. Die Instructions spielten mittlerweile fast eine Stunde. Hoffentlich gab es gleich eine Pause. Der Sauerstoff wurde immer weniger in der Halle und im Vorraum war es auch nicht besser. Amy und Sandy standen sehr weit vorne. Wenn ich so lange warten würde bis die beiden bei mir wären, wäre die Pause mit Sicherheit vorbei – wenn sie überhaupt raus gingen. Ich zückte mein Handy und schrieb Amy kurzerhand eine SMS. Dann ging ich zum Ausgang.

„Kann ich mit der Karte gleich wieder hereinkommen?", fragte ich einen der Sicherheitsmänner. Er musterte mich mit einem widerlichen Blick von oben bis unten. Ich wich automatisch ein Stück zurück. Der Mann nickte nur.

Als ich die Tür öffnete, spürte ich mehrere Blicke auf mich. Es war ein unangenehmes Gefühl. So schnell es ging, lief ich ein paar Schritte aus dem Blickfeld dieser Gaffer. Ich beschloss Mom anzurufen und ging um eine Ecke herum. Ich wählte die Nummer und lief noch ein Stück weiter. Nach mehreren Metern ging rechts eine Gasse ab. Daran wollte ich nicht vorbeigehen. Mein Instinkt sagte mir, das ich dort nicht sicher war. Ich blieb stehen.

Ein Knacken auf der anderen Leitung rüttelte mich wach.

Jemand nahm ab.

„Hallo Mom?", sagte ich.

„Hallo Izzie. Und ist alles Ok bei euch? Habt Ihr Spaß?"

Man hörte sofort die besorgte Mutter in ihrer Stimme.

„Ja ist alles super. Amy ist außer Rand und Band und mir gefällt es auch ein bisschen." Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen, als ich an den Einsatz der Security denken musste. In Gedanken kickte ich einen kleinen Stein mit dem Fuß zur Seite.

„Das ist schön zu hören. Danke das du angerufen hast und viel Spaß noch. Grüß die anderen beiden von mir, ja?"

„Mach ich Mom bis später." Ich legte auf. Mit dem Telefon in der Hand nahmen meine Gedanken erneut ihren lauf. Mom – mit ihr verstand ich mich mittlerweile wieder recht gut. Sie hielt sich aus allem, was zwischen meinem Vater und mir so passierte, so gut es ging raus.

Es war ihr nur wichtig das es uns beiden, Amy und mir, gut ginge. Kopfschüttelnd schmiss ich mein Handy zurück in die Handtasche. Ich hob den Kopf und wollte gerade wieder in Richtung Halleneingang gehen, stand ein Mann vor mir. Erschrocken blieb ich sofort stehen.

Der Mann vor mir war älter und seine Kleidung sah zerfleddert aus. Aber das schlimmste viel mir ganz zum Schluss erst auf. Er hatte ein Messer in der Hand und bedrohte mich. Mein Atem ging schneller. Ich versuchte mich daran zurückzuerinnern, was ich damals im Frauenselbstverteidigungskurs gelernt hatte. Doch mein Körper blieb steif.

„Hallo, flüsterte er. Ein widerlicher Geruch von Alkohol schwang mir entgegen. „Wenn du brav bist, passiert dir nichts. Und jetzt gib mir deine Handtasche! Er bedrängte mich so, das ich mit erhobenen Händen zurückwich und in die dunkle Gasse bog. Das war überhaupt nicht gut. Meine Alarmglocken läuteten immer lauter. Als ich weiter nur dastand, griff der Mann nach meiner Handtasche. Doch ich hielt sie reflexartig fest umklammert. Wütend drückte er mich gegen die kalte Steinwand und hielt das Messer dicht an meine Kehle.

Ich bekam kaum Luft

„Gib mir sofort…"

„Hey, was machen Sie da, lassen Sie sofort die Frau los!", schrie ein weiterer Mann. Zwar viel eine innere Erleichterung von mir ab doch das Messer befand mich noch immer an meiner Kehle. Schnelle Schritte kamen auf uns zu gerannt. Der Mann mit dem Messer ließ nervös von mir ab. Als der Druck und halt von dem Räuber verschwanden, ging ich leicht in die Knie. Das Messer zog er jedoch so ungeschickt weg, das es meinen Hals steifte. Die Stelle fing sofort Feuer. Automatisch fuhr meine Hand an meinen Hals. Die Berührung brannte ebenfalls. Voller Angst und ohne meine Handtasche rannte der Mann letztendlich davon. Mein Puls entspannte sich. Endlich bekam ich wieder richtig Luft.

„Ja, verschwinde bloß!", rief der andere Mann, welcher mich soeben gerettet hatte. Er stand vor mir.

„Ist alles in Ordnung mit dir?", fragte er besorgt. Seine Stimme klang heiser und er atmete schnell. Ich rappelte mich auf, er half mir etwas hoch.

„Ja, danke. Es geht mir gut." Ich nahm meine Hand vom Hals und sah einige Blutspuren darin. Der Geruch von Salz schlug mir in die Nase. Mir wurde ein wenig übel.

Doch ich würde mich nicht vor Fremden übergeben.

„Mist", fluchte ich. Schnell zog ich aus meiner Handtasche ein Taschentuch.

„Das sieht ja gar nicht gut aus. Komm doch mit rein, da haben wir ein Verbandskasten." Noch immer hatte ich meine Retter nicht angeschaut und doch spürte ich in seiner Stimme, wie fürsorglich er mir gegenüber war.

„Nein, das geht schon. Wirklich." Ich drückte das Taschentuch weiter fest gegen die Wunde. Es hatte bereits so gut wie aufgehört zu bluten. Jetzt erst fand ich die Zeit und den Mut meinen Retter anzuschauen. Meine Lippen teilten sich, als ich registrierte das ein äußerst attraktiver Mann vor mir stand. Er war ungefähr in meinem Alter und dunkel gekleidet. Doch es war keine Fan-Kleidung, sondern ein schwarzes eng anliegendes T-Shirt mit V-Ausschnitt sowie eine leicht ausgestellte Schwarze Hose. Seine dunklen, fast schwarzen Haare waren wild durcheinander gelegt. Sie waren etwas länger und einige Strähnen fielen ihm leicht ins Gesicht. Seine schmalen Augen waren voller Sorge, doch als er ebenfalls in meine Augen schaute, leuchteten sie auf. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, das wie aus einem Buch zu sein schien. Auch ich lächelte jetzt, seines wurde immer breiter. Grübchen bildeten sich um seine Mundwinkel herum. Ich ließ meine Hand mit dem Taschentuch sinken. Ein Moment der absoluten Stille umgab uns. Keiner wusste etwas zu sagen. Ich senkte den Blick auf das Tuch in meiner Hand. Erst als ich ihn nicht mehr ansah, spürte ich, dass der Nebel sich aus meinem Kopf zurück zog und ich langsam wieder klar denken konnte.

„Siehst du, sagte ich zögernd. „Es hat schon aufgehört zu bluten. Verlegen blickte ich auf. Seine Augen suchten die meine. Als sie sich trafen, begann wieder dieser einhüllende Nebel meine Sinne zu verwirren. Ich atmete tief aus.

„Danke noch mal. Das war nicht selbstverständlich." Ein Kribbeln durchzog meinen Arm. Ich sah auf ihn herab.

Erst jetzt wurde auch ihm bewusst, das seine Hand noch immer meinen Arm hielt, wo er mir aufgeholfen hatte. Er löste seinen Griff nervös.

„Doch, entgegnete er schließlich „Für mich war es selbstverständlich.

Wir tauschten einen letzten innigen Blick. Meine Kopfhaut begann zu kribbeln. Wenn wir uns weiter so in die Augen sehen würden, fing noch mein ganzer Körper an verrückt zu spielen.

„Ähm, ich bin Izzie Manue.", schoss es plötzlich aus meinem Mund. Wir gaben uns die Hände, er sagte nichts.

Unangenehme Stille folgte.

„Und du?", fragte ich nach kurzer Zeit nach und zog eine Augenbraue nach oben. Sein Blick wirkte verwirrt.

„Jaden, Jaden Stanley", stotterte er.

„Freut mich", flüsterte ich. Wie wachgerüttelt erwachte auch Jaden jetzt aus seinem Tagtraum.

„Mich auch." Wir grinsten uns an, dann lösten wir unsere Hände voneinander.

„Willst du nicht mit hereinkommen? Es ist doch ziemlich kalt hier draußen", fragte er höflich.

„Nein, da drin ist es mir etwas zu voll." Ich zeigte mit dem Daumen über meine Schulter in Richtung Eingangshalle.

„Ach nein, ich dachte mit nach hinten in den VIP Bereich." Ein wenig Stolz schwang in seiner Stimme mit.

„Oh, du gehörst dazu?, fragte ich zögernd nach. „Was machst du denn?

„Na ja, Soundcheck und…", doch er wurde unterbrochen.

„Jaden? Jaden! Ein anderer Mann unseren alters kam auf uns zugerannt. „Komm wir müssen wieder rein, es geht gleich weiter!

„Ja, einen Moment nur noch." Jaden versuchte ihn loszuwerden.

„Nein, wir müssen jetzt wirklich wieder rein." Er zupfte ihm am Shirt und schob ihn an der Schulter etwas zurück.

„Aber…", wollte Jaden widersprechen.

„Nein, wir müssen. Auf Wiedersehen.", sagte der andere Mann zu mir und zog Jaden davon.

„Tschüss", nuschelte ich. Jaden drehte sich wieder zu mir um, doch der Mann schubste ihn immer weiter. Ich drehte mich ebenfalls um und ging zurück in Richtung Eingang. Doch ich ging nicht mehr rein. Den Rest des Konzerts verbrachte ich draußen. Allerdings stand ich dicht bei dem Sicherheitspersonal, auch wenn die mich angafften.

Über eine Stunde später hörte man die laute Menge wie wild applaudieren. Endlich war das Konzert zu Ende.

Eine weitere halbe Stunde später gingen meine Anhängsel und ich zum Auto.

„Und war doch super, oder?", fragte Amy mich.

„Ja, es war nicht schlecht", antwortete ich Gedanken versunken. Dann redeten die beiden die ganze Zeit nur über diesen Abend. Ich schaltete auf Durchzug. Von dem Vorfall in der Gasse erzählte ich bewusst nichts. Das Gesicht von Jaden ging mir nicht mehr aus dem Kopf. So etwas hatte ich noch nie zuvor gehabt. Dieses Kribbeln und das schöne Gefühl verwirrt zu sein. Meine Hände krallten sich bei den Gedanken fest an das Lenkrad. Ich atmete ruckartig aus. Erschreckend ehrlich betrachtete ich schließlich die gesamte Situation. Denn ich würde ihn eh nicht wieder sehen, das war so gut wie ausgeschlossen.

Die Tage flogen nur so an mir vorbei. Das lag unter anderem daran, dass ich alles für meine Reise erledigte.

Zwar hatte ich schon alles aufgeschrieben, was ich benötigen würde, doch eingekauft hatte ich es noch nicht.

Zwischendurch, wenn ich mal nicht gerade beschäftigt war, flog Jadens Gesicht in meinen Gedanken vorbei.

Was sollte das? Wir hatten gerade drei Sätze miteinander gesprochen. Dieser Mann konnte doch nicht solche Spuren hinterlassen haben? Ich hatte ihn doch nur einmal gesehen, verdammt, warum ging er mir nicht aus dem Kopf!

Heute war wieder Samstag und das zweite von drei Konzerten stand an. Amy hatte die ganzen Tage nach dem ersten Konzert nur davon gesprochen. Sogar meinem Dad ging es leicht auf die Nerven, was ich amüsiert feststellen musste. Doch er wollte es nicht zugeben. Wie würde es nur nach dem zweiten Konzert werden?

Mit Amy im Schlepptau und einem großen Koffer im Gepäck, holten wir erst Sandy ab und fuhren direkt zum Flughafen. Der Flug dauerte nur eine Stunde, dann nahmen wir uns ein Taxi ins Hotel. Um mich die Zeit über abzulenken, nahm ich meine Reiseliste und zwei Reiseführer, von besonders interessanten Städten mit. Im Hotel angekommen bezogen wir erst einmal unsere Zimmer. Amy und Sandy hatten ein eigenes für sich, so hatte ich wenigstens heute Nacht meine Ruhe. Während die Damen sich nebenan für den Nachmittag fertig machten, zappte ich durch das TV. Doch nichts interessierte mich wirklich. Meine Reiseführer kannte ich mittlerweile fast auswendig. Passendes zum Anziehen musste ich auch nicht mehr heraussuchen. Ich beschloss meine enge Jeans und die blaue leicht transparente Bluse anzubehalten. Es blieb also platz und Zeit an Jaden zu denken. Zumindest beschloss das mein Kopf. Und umso mehr ich bewusst da nicht dran denken wollte, wurde es nur noch schlimmer. Ich raufte mir verzweifelt die Haare und ließ mich rückwärts in die Kissen fallen. Würde ich Jaden heute vielleicht wieder sehen? Schließlich gehörte er zur Crew der Band. Nach kurzem überlegen verwarf ich den Gedanken, es wäre zu schön um wahr zu sein.

Ein wildes Klopfen holte mich erlösend aus meinen Gedanken.

„Ja, ich komme." Ich ging zur Tür. Amy und Sandy standen zappelnd vor mir.

„Komm wir müssen los!", drang Amy. Ich ließ den Kopf in den Nacken fallen. Bevor ich mich aber auf eine endlose Diskussion einließ, schnappte ich mir meine Handtasche und ging stillschweigend mit. Wir nahmen uns ein Taxi zum Konzert. Es handelte sich um eine Freiluftveranstaltung. Das bedeutete wenigstens keine stickige Luft. Wieder standen wir an einer endlos langen Schlange. Die Leute wurden abermals kontrolliert und rannten nach vorne.

„Ach Amy, wie letztes Mal ja?" Sie nickte und rannte vor. Ich ließ mich am Rand nieder. Es füllte sich. Ich wurde immer mehr und mehr in die Ecke gequetscht.

Schnell wurde es mir zu eng. Gefühlt waren hier heute doppelt so viele verrückte Teenager wie letztes Mal. Ich bekam kaum Luft, steuerte den nächst besten Security an und bat ihn mich herauszuziehen.

„Dann musst du dich aber ganz hinten wieder anstellen!"

„DAS IST MIR EGAL!", schrie ich ihm entgegen.

Er zog mich raus. Im gleichen Moment stritten sich ein paar wild gewordene Fans direkt vor meinen Augen. Der Security Mann sah mich eindringlich an.

„Bleibt noch einen Moment hier. Ich bringe dich gleich nach vorne." Ich nickte und atmete tief ein und aus. Für einen Moment beobachtete ich das Schauspiel wie die Fans auseinander gerissen und weggebracht wurden.

Dann stand ich alleine da. Vorsichtig streckte ich meine Glieder und lief ein bisschen herum. Dann klingelte mein Handy. Ich hörte es nicht, weil die tausenden von Fans so laut kreischten, doch das vibrieren in meiner Tasche war deutlich zu spüren. Schnell zog ich es hervor.

„Hallo?", sagte ich. Es war hoffnungslos bei der Lautstärke etwas zu verstehen. Ich sah mich um. Das Sicherheitspersonal war zu beschäftigt, um mich im Auge zu haben. Ich lief hinter die Bühne auf eine Wiese.

„Hallo?", sagte ich noch mal.

„Hallo Izzie, hier ist Fred. Ich wollte dich doch noch einmal anrufen." Genervt raufte ich mir die Haare. Wieso gerade jetzt? Wieso immer in so einer unpassenden Situation. Ich stemmte die freie Hand in die Hüfte und schloss genervt für einen kurzen Moment die Augen.

„Ja stimmt. Hatte ich schon fast vergessen. Was ist denn los?"

Er sagte nichts. Dann holte er tief Luft.

„Izzie, ich liebe dich immer noch. Bitte gib uns doch eine Chance!", wimmerte er ins Telefon.

Zunächst verstummte ich. Ich musste mich verhört haben und ging die Worte von Fred noch einmal im Kopf durch.

Doch die konnte man überhaupt nicht falsch deuten.

Weiter genervt und peinlich berührt atmete ich tief aus.

„Ach Fred. Ich habe dir doch schon gesagt das ich nicht dasselbe fühle."

Er fiel mir ins Wort, noch bevor ich weiter sprechen konnte.

„Aber wir können es doch versuchen…bitte Izzie!"

Ich massierte mir die Schläfen. Ein Migräneanfall wäre heute nicht

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