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wenn einer eine Reise tut... ...geht manchmal was daneben: 38 Schmunzel-Grusel-Erlebnisse eines Weitgereisten

wenn einer eine Reise tut... ...geht manchmal was daneben: 38 Schmunzel-Grusel-Erlebnisse eines Weitgereisten

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wenn einer eine Reise tut... ...geht manchmal was daneben: 38 Schmunzel-Grusel-Erlebnisse eines Weitgereisten

Länge:
298 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 16, 2014
ISBN:
9783735714862
Format:
Buch

Beschreibung

Kennen Sie das auch? Kaum serviert die Stewardess den heißen Kaffee, da macht es auch schon „ding-dong“ und der Copilot meldet fröhlich eine Zone turbulenter Luft: „Klappen Sie bitte Ihre Tische hoch und legen die den Sicherheitsgurt an“. Ach ja – wenn es nur das wäre! Reisen könnte sooo schön sein, wenn nicht andauernd was dazwischen käme.
Vom in den Fluten versinkenden Auto am Strand von St. Peter Ording über den Motorausfall der DC 6 nach Mallorca bis zum Regenorkan auf Gran Canaria, den Straßendieben von Rio de Janeiro, einer Ostseefähre ohne Toiletten – wer oft und weit reist, der kann wirklich was erzählen!
Das tut nach 50 Jahren weltweiter Reisen nun Reiseautor Helge Janßen. Und Sie – erinnern sich Ihrer eigenen Reisen und erkennen sich bestimmt schmunzelnd auch wieder!
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 16, 2014
ISBN:
9783735714862
Format:
Buch

Über den Autor

Sternzeichen Schütze, Körper schlank, Größe 184 cm, Gewicht um 75 kg, Typ umtriebig, interessiert an allem, beweglich und sportlich, freundlich und kameradschaftlich.


Ähnlich wie wenn einer eine Reise tut... ...geht manchmal was daneben

Buchvorschau

wenn einer eine Reise tut... ...geht manchmal was daneben - Helge Janßen

Das Buch

„Wenn jemand eine Reise tut, So kann er was verzählen.

D'rum nahm ich meinen Stock und Hut. Und tät das Reisen wählen."

(Matthias Claudius aus der Zeit der Postkutsche, 1740 bis 1815).

Von der Postkutsche wissen wir aus vielerlei Erzählungen, dass das Reisen mit ihr nicht selten ein beschwerliches und bisweilen auch recht gefährliches Abenteuer war.

Aber – hat sich daran eigentlich heute Wesentliches geändert?

Unser Autor weist nach, dass bei der Hälfte aller Reisen durch die ganze Welt Seltsames, Unglaubliches, ja – Haarsträubendes geschehen kann.

Und so wird sich auch mancher Leser dieses amüsanten Buches in seinen eigenen Reiseerlebnissen wiederfinden und noch im Nachhinein über selbst erlittenes Missgeschick lächeln, dass hier so lebendig und authentisch geschildert wird!

Dieses Buch macht aber auch Mut, sich durch keinerlei Beeinträchtigungen vom weiteren Reisen abhalten zu lassen. Denn meist kommt man ja doch mit heiler Haut davon.

Viel Spaß beim Lesen also. Und – hoffentlich - auf weiten Reisen!

Der Autor

Helge Janßen, Jahrgang 1939, hatte einen von Berufs wegen reiselustigen Vater. Als Leiter eines Hapag Lloyd Reisebüros blieb er so oft wie möglich dem Schreibtisch fern, um zu reisen und seine Kunden quasi aus erster Hand über die schönsten Reiseziele der weiten Welt beraten zu können.

Von diesen Reisen erzählte er – siehe Claudius - natürlich auch zuhause. Was Wunder, dass der Funke übersprang.

Helge Janßen – leidenschaftlicher Autofahrer, begeisterter Segler und notorischer Vielflieger - reist seit früher Jugend mit allem, was fährt, schwimmt und fliegt in die nahe und weite Welt. Mögliche Strapazen sieht er als Herausforderungen. Und abenteuerliche Erlebnisse beflügeln noch seine Reiselust.

Inhalt

1964 Kein Pflaumenkuchen in List auf Sylt

1965 Spantax – oder Finkenwerder Airlines

1966 Mit dem Spitfire nach Venedig

1969 Berghütte? Nie wieder!

1970 Die Nacht am Staberhuk

1973 Gewitterböen im Fehmarnbelt

1977 Sylvesterreise ohne Bordtoiletten

1978 New York im dritten Anlauf

1981 Wo bitte ist Cofete?

1983 Das Inter City – Dilemma

1987 Die Reise nach Heringsdorf

1989 Sommerorkan auf der Ostsee

1993 Schneesturm über Florida

1994 Buspanne in der Wüste

1994 Mit Sultan Air nach Bodrum

1994 Island Ende Januar

1994 Sylvesterfähre nach Tallinn

1995 Mit Frau Beckmann durch Südostasien

1996 Achtung – Rauchen ist eine Spaßbremse!

1997 Die Springbreaker

1997 Die Radfahrer von Amsterdam

1998 36 Grad – Kaufhaus zum Liegenbleiben

1999 Die Fähren vom River Gambia

1999 Kühe am Atlantikstrand

1999 Wüstenrallye mit Jeep und Kamel

2000 Jagd auf die großen Vier

2001 40 Stunden bis Teneriffa.

2001 Die Traumbucht von Callao Salvaje

2002 Heiligabend in Varadero

2003 Aufgebracht vor Kaliningrad

2004 Die Straßenräuber von Giovinazzo

2004 Mit der Motoryacht zu ALDI

2005 Inseln des ewigen Frühlings?

2008 Murphys Gesetz in Südamerika

2008 Kein Wasser im Canal du Midi

2009 Die Totenschiffe

2010 Von Zyklonen zum Ankern gezwungen

2011 Im Schatten des Vulkans

1964 Kein Pflaumenkuchen in List auf Sylt

Also – eines muss ich zugeben: Ich bin ein Autonarr. Vielleicht auch sonst noch einer, aber zunächst reicht es eigentlich mit den Autos.

Schon früh wusste ich: Wenn ich einmal eine Freundin hätte, die die Richtige fürs Leben sein sollte, dann musste sie meine Leidenschaft für Autos teilen. Am liebsten für offene Autos – also für Cabriolets.

Nun ist es ja in den jungen Jahren eines Menschenlebens leider genau verkehrt herum, als man es eigentlich braucht: Die Höhe des verdienten Gehalts verhält sich umgekehrt proportional zu den Wünschen und Notwendigkeiten des Lebens. Was soll nicht alles gleichzeitig geschehen: Man muss die Frau seines Herzens gewinnen und verwöhnen, eine Wohnung finden, Möbel kaufen, eine Familie gründen, Kinder in die Welt setzen, eine größere Wohnung finden, neue Möbel kaufen ... ach!

Und nicht zu vergessen das Reisen. Einmal im jährlichen Arbeitsleben kommt der Jahresurlaub. Das Fernweh schlummerte schon immer in mir. Am liebsten wollte ich mit dem Auto reisen. Und natürlich mit ihr. Gab es denn ein Reiseauto, mit dem wir die erste Ausfahrt unseres gemeinsamen Lebens machen konnten? Ein kleines zunächst? Für wenig Geld?

Schon! Sie aber wollte eigentlich erst mal überhaupt kein Auto. Sondern heiraten. Na gut! Aber mit einem Kompromiss. Spätestens unsere Hochzeitsreise, so hatte ich mir ausbedungen, sollte auf eigener Achse in einem weißen Auto wenigstens zu den schönsten touristischen Zielen unseres Heimatlandes Schleswig-Holstein führen. Sie stimmte schließlich zu.

Als Hochzeitskutsche wählte ich einen schneeweißen Fiat 500 D mit Weißwandreifen, vorn angeschlagenen Türen, großem Sonnen-Rolldach und sagenhaften 21,5 PS. Ich musste lediglich 36 Wechsel unterschreiben – ein seinerzeit durchaus übliches Abzahlungsverfahren.

Mit diesem Auto hatten wir viel Freude und fuhren auch gleich nach der Hochzeit los. Unsere Planung war einfach und unkompliziert: Von Lübeck ging es zuerst nach St. Peter-Ording. Dort wollten wir einige Tage Strandurlaub an der Nordsee machen.

Ich hatte diesen Ort bewusst gewählt, denn am Strand von St. Peter-Ording, den man damals wie heute mit Autos befahren durfte und darf, kann man sich immer ein bisschen wie >>Graf Koks<< fühlen, vorausgesetzt man fährt ein schickes Auto, hat eine flotte junge Dame dabei und >>macht die Show<<. So hieß das damals. Und genau das hatte ich vor.

Schon am ersten Tag parkte unser Autochen bei Ebbe an exponierte Stelle und gut sichtbar für alle Bewunderer, während sie im knappen Bikini und ich in ebensolcher Badehose im warmen Sand fläzten. Doch unser Glück währte nicht lange:

Gegen Mittag überraschte uns die Flut der Nordsee. Die ersten Autofahrer suchten ihre Wagen auf und verließen den Strand in Richtung höher gelegener Gefilde. Wir blieben noch ein bisschen, denn wir freuten uns auf das endlich erscheinende Wasser, wollten ja erst noch baden. Ich schloss das Auto ab, stopfte die Schlüssel zwischen Bauch und Badehose und auf gings. Nach dem Genuss des kühlen salzigen Nasses trieb ich meine Liebe zur Eile und griff nach meinem Autoschlüssel, den ich in der Badehose wähnte – vergeblich!

Schon umspülte die Nordsee unsere Reifen, leckte an den verchromten Stoßstangen und schickte sich an, unsere schöne weiße Hochzeitskutsche zu verschlingen. Das wäre ihr mit Sicherheit schlecht bekommen, denn erstens greift Salzwasser jeden ungeschützten Unterboden und die gesamte freiliegende Achs- und Motortechnik sofort rostend an und zweitens bekam dies gerade einem Fiat schlecht; die Marke litt nämlich damals ganz furchtbar unter ihrem schlechten Image wegen häufiger Rostschäden durch Streusalz im deutschen Winter und erst recht solchem aus der ebenso salzigen Nordsee.

Nun war Holland in Not.

Als die meisten anderen Autos den Strand schon verlassen hatten, suchte ich noch immer meinen Autoschlüssel. Zum Glück versammelten sich inzwischen zahlreiche Schaulustige um uns, die schadenfroh das Absaufen unseres weißen Fiat miterleben wollten. Erst als ich sie verzweifelt aufforderte, mir zu helfen, stoben sie auseinander. Aber es blieben dann doch zehn starke Männer zurück, die keuchend, unter vielen >>Hau Rucks<< und angefeuert von der gaffenden Restmenge das Wagenheck anhoben und unser Wägelchen mit viel Geschrei auf einen kleinen Sandhügel zerrten, wo das auflaufende Salzwasser nur gerade eben die Radnaben erreichte.

Erleichtert und artig bedankte ich mich bei unseren Rettern, die nun zufrieden davonzogen.

Den Autoschlüssel hätte ich mir übrigens noch rechtzeitig vor der Flut bei der Rettungswache auf der Arche Noah – dem dort auf Balken stehenden Holzbau am Strand – abholen können. Er war lange vorher im Sand gefunden und dort abgegeben worden ...

***

Nach einem weiteren Strandtag bei der Arche Noah schlug das Wetter um. Wir beschlossen, unsere Zelte abzubrechen, um unser nächstes Reiseziel anzusteuern. Es ging an der Westküste Schleswig-Holsteins hinauf und mit dem Autozug über den Hindenburgdamm hinüber auf die schon damals exklusivste Ferieninsel der Deutschen – nach Sylt.

Dort waren wir schon in einer kleinen Privatpension im schönen Fischerdörfchen List an der äußersten Nordspitze der Insel angemeldet. Die Wirtsleute – ein älteres Ehepaar - schlossen uns gleich in ihr Herz, vereinnahmten uns wie eigene Kinder und verwöhnten uns herzlich.

Als wir eines Morgens zu einer ausgedehnten Inselrundfahrt mit unserer weißen Hochzeitskutsche aufbrechen wollten, erklärten sie uns schwärmerisch die beste Strecke durch Dünen und Wiesen zu den schönsten Urlaubsorten, Kliffs und Stränden der Insel. Und wenn wir dann am Nachmittag von unserer Rundreise zurückkehrten, dann sollte es in ihrem verwunschenen Hausgarten ein großes sommerliches Kaffeetrinken mit herrlichem Pflaumenkuchen und Schlagsahne geben. Eben diesen aber möchten wir doch bitte von der berühmten Inselkonditorei mitbringen, die den absolut leckersten Pflaumenkuchen der weiten Umgebung backe. Sie steckten uns einen Zehnmarkschein zu. Erfreut willigten wir ein und sie winkten uns noch lange nach.

Es wurde ein herrlicher Tag. Mit offenem Sonnendach und heruntergekurbelten Fenstern genossen wir die salzige Brise der Nordsee, kuschelten uns schmusend ein Stündchen in eine der vielen verschwiegenen Dünenkuhlen, bestaunten vom Roten Kliff aus die schroffe See, bummelten durch die Einkaufsstraße von Westerland und hielten endlich vor der berühmten Inselkonditorei im Prominenten- und Schickimickidörfchen Kampen.

Drinnen brauchten wir nicht lange nach dem Pflaumenkuchen zu suchen: Auf großen Blechen vor sich hin duftend lockte er Schwärme von rein närrisch taumelnden Wespen an, die sich von der resoluten Verkäuferin nur ungern und böse summend vertreiben ließen. Aber es gelang ihr dann doch.

Unser Geldschein verschwand in der Kasse und wir mit einem großen Papptablett voller Pflaumenkuchen in unserem Auto. Den platzierten wir dort vorsichtig auf der Rücksitzbank und ich gab beherzt Gas, um auch die letzten der gelbschwarzen Wespenviecher abzuschütteln, die der Fahrtwind alsbald durch die geöffneten Wagenfenster und das Sonnendach hinwegfegte.

Ich fahre nicht gerne bekannte Strecken ein zweites Mal, sondern entdecke lieber Neues. Für den Rückweg nach List wählten wir deshalb eine schmale Asphaltstraße durch die Salzwiesen an der Wattenküste aus. Diese auf den ersten Blick sinnvolle Entscheidung erwies sich aber bald als grundfalsch. Denn nach wenigen Kilometern nahte hinter einer Biegung der Straße - wegen des hohen Grases unsichtbar und vollkommen überraschend – eine riesige Schafherde!

An sich mag ich Schafe. Meist geben sie sich sprichwörtlich lammfromm, lassen sich gern ihr weiches Vlies streicheln und den Hals kraulen, während sie einen aus ihren goldgelben Augen mit dem typischen senkrechten Pupillenschlitz treuherzig anblicken und ihr – je nach Lust und Laune - fröhliches, meckerndes oder auch mal ärgerliches >>Määäh, >>me-e-e-h<< oder >>möööh<< trompeten.

Das taten unsere Schafe auch. Aber im Übrigen schienen sie nicht bereit zu sein, uns ein bisschen Straße zu überlassen, sondern bildeten vor uns eine undurchdringliche Schafmauer, scharten sich dicht gedrängt rund um die Fiatkarosserie, stellten das leise Trappeln ihrer kleinen aber tausendfachen Hufe ein und auch ihr >>Möööh<< und blieben schließlich alle einfach stehen.

Was nun?

Kein hilfreicher Schäfer war zu sehen, kein Bellen seines Hundes zu hören. Sondern nur ein gelegentlich leises Schnaufen der Schafe und das eigenartige Geräusch ihres am Wagenblech schubbernden Reibens. Ich hatte längst den Motor abgestellt, um die Tiere nicht zu reizen. Aber nun versuchte ich es doch mit erstem zaghaften Hupen. Eben dies aber schien den Tieren zu gefallen, denn sie drängten noch näher heran. Schon streckten die Ersten von ihnen ihre langen Köpfchen von beiden Seiten zu unseren Fenstern herein, wackelten aufgeregt mit den Ohren und hoben erneut zu ihren blökenden Rufen an, die nun aber scheinbar begeistert klangen.

Was war los? Was wollten die Tiere von uns?

Die Antwort war denkbar einfach und sie überfiel uns siedend heiß:

Mein Gott - der Pflaumenkuchen!!!

Wie viele andere Arten von Huftieren fressen auch Schafe nur dann ihr blödes eintöniges Gras, wenn es nichts Besseres gibt. Das tun die Kühe und die Rehe, die Ziegen und die Pferde. Sobald die Wiese leer ist, kriechen sie förmlich unter dem Zaun hindurch, um ihre Zungen auch um den entlegensten Huflattich, Löwenzahn oder Klee zu wickeln. Selbst vor Brennnesseln schrecken sie nicht zurück.

Nun aber: Pflaumenkuchen! Frisch aus dem Ofen!! Und nun unmittelbar vor ihren muffelnden Schafsköpfen auf unserer Rücksitzbank!!!

Die Lage kippte um und schien bedrohlich zu geraten. Wer jemals Schafe als dumm oder gar dämlich bezeichnet hat, der weiß nichts über deren Gerissenheit angesichts ihrer Gier: Sie wollten zu den Fenstern herein!

Dazu benutzten die vorderen Tiere schon die Fensterrahmen, die sie mit den Hufen erklommen, während die zweite Reihe auf die Rücken der ersten stieg. Hätten wir die Scheiben hochgekurbelt, so wären die Biester wahrscheinlich auf die vordere Haube geklettert, um über das Dach an die Pflaumen zu gelangen. Ängstlich zuckten meine Liebe und ich zurück und stießen mit den Köpfen zusammen. Ich ließ den Motor an, um langsam anzufahren. Aber sie schrie: >>Das kannst du nicht machen. Fahr nicht die Schafe tot!<<.

Was aber sollte ich denn tun angesichts des nun erneut einsetzenden Blökens, das inzwischen wieder anders klang als zuvor. Hungrig? Fordernd? Angriffslustig?

Was hätte ein >>Schafologe<< in dieser Situation geraten? Auf welche Art kommunizieren Schafe miteinander? Dass sie dies konnten, war klar! Woher sonst mochten die vehement von hinten nachdrängenden Tiere etwas von der köstlichen Verlockung der vorne Angekommenen erfahren, deren Zungen nur noch Zentimeter vom Pflaumenkuchen entfernt hechelten?

Da hatte meine Liebste die rettende Idee!

>>Los, rück den Pflaumenkuchen `raus<<, rief sie panisch. >>Anders werden wir die Viecher nicht mehr los!<<.

Und da taten wir es. Vom Papptablett auf unseren Schößen reichten wir die herrlichen Leckerbissen Stück für Stück aus den Seitenfenstern zu den gierigen Mäulern. Aber das klappte nicht, denn nun bissen die dummen Schafe nicht etwa in die Pflaumen, sondern sich aus Futterneid gegenseitig beiseite, weshalb der meiste Kuchen zu Boden ging. Das aber hatte zur Folge, dass die Tiere wenigstens von uns abließen, um den Kampf um den Pflaumenkuchen eine Etage tiefer auf dem Asphalt auszutragen. Auf diese Weise gelang es uns kurzfristig, die Fenster zu schließen, denen das Dach sogleich folgte.

Wir lehnten uns erleichtert zurück – gerettet!

In diesem Augenblick erschien auch der Schäfer in dunklem Cape vor unserer Windschutzscheibe. Die unfreiwillige Fütterung seiner Herde war ihm entgangen. Mit seinem langen Stecken trieb er in Sekunden die Schafe auseinander und entließ uns mit einem netten Lupfen seines breitkrempigen Schäferhutes in die Freiheit. Aber unter welchem Opfer?

Durften wir unseren Wirtsleuten, die uns bestimmt schon mit dampfendem Mokka und frisch geschlagener Sahne auf bunt gedecktem Tisch im Garten erwarteten, ohne Pflaumenkuchen unter die Augen treten? Nein!

Unter heftigem Antreiben unserer 21,5 Turiner Pferdestärken rasten wir auf dem kürzesten Weg zurück zur berühmten Bäckerei. Doch ach – der Pflaumenkuchen war alle!

Der Nachmittag – man ahnt es – verlief in gedämpfter Stimmung. Während unsere Wirtin sich noch lange in allerlei tröstenden Worten erging, hatte sich ihr Gatte grummelnd aber wortlos hinter der Sonntagszeitung versteckt. Seine letzten Worte an diesem Nachmittag klangen ebenso gereizt wie endgültig: >>Grete – wir wollen jetzt still sein!<<.

Am nächsten Morgen reisten wir ab ...

1964 Spantax – oder Finkenwerder Airlines

Die mittägliche Oktoberluft flimmerte noch warm über dem Vorfeld des mittelgroßen Flughafens Fuhlsbüttel der Hansestadt Hamburg. Man konnte den typischen Geruch der Propellerflugzeuge schnuppern, den die seinerzeit aus ehemaligen Schlachtrössern der US Air Force weiterentwickelten Passagiermaschinen verströmten. Es roch nach dem Abrieb der fetten schwarzen Gummiräder ihrer Fahrwerke. Nach Flugbenzin, von dem beim Betanken immer etwas in den Beton einsickerte. Und schließlich nach verbranntem Motoröl.

Man roch es, weil man noch zu Fuß an Bord ging. Keinerlei Busverbindung zwischen Terminal und Maschine! Natürlich noch kein gelenkiger Andockfinger heutiger Machart. Keine Angst vor Terroristen oder Bomben. Die Legitimation zum Fliegen bestand darin, dass man es sich leisten konnte. Dass man eine Bordkarte hatte. Und keine Angst vorm Fliegen.

Unser Gepäck war schon verladen, als wir die wenigen Schritte vom Abfertigungsgebäude zur Maschine spazierten. Gerade fuhr der Tankwagen weg. Unter der linken Tragfläche schaute ein elegant in seine dunkelblaue Uniform mit drei goldenen Ärmelstreifen gekleideter Pilot nach dem Rechten. Mein Blick folgte seinem. Ich erschrak. Was mochte er wohl denken angesichts der vollkommen abgefahrenen Reifen des Hauptfahrwerks, dessen Laufflächen nicht nur gänzlich ohne die üblichen Längsrillen auskommen mussten, sondern auch noch interessante Einblicke in die Konstruktion ihres Unterbaues ermöglichten? Ich sah hellgraue Leinwand anstelle schwarzen Gummis!

Der Pilot schien meinen Blick nicht bemerkt zu haben und wenn doch, so hätte er ihm nichts bedeuten dürfen. Denn er konnte gewiss nichts dafür und auch nichts daran ändern, dass wir mit diesen Reifen nicht nur starten, sondern nach vierstündigem Flug auch wieder landen sollten.

Um die sich hier und da unter den gewaltigen Sternmotoren bildenden Lachen schwarzen Motoröls tänzelte er nun elegant herum zu den Propellern, deren leicht angenagt wirkende Vorderkanten ihn eigentlich auch nicht fröhlich stimmen konnten. Hob dann mit Blick hinauf zum Cockpitfenster, hinter dem man den Captain sah, seinen rechten Daumen und eilte die Stufen der vorderen Gangway hinauf.

Wir taten hinten das Gleiche, allerdings ohne zu eilen.

Das mochte an einer gewissen Beklommenheit liegen. Es war nämlich unser allererster Flug mit solch einem Riesenvogel. Und gleich so weit! Meine Erfahrungen mit Flugzeugen und dem Fliegen beschränkten sich bis zu diesem Tag auf das Zugucken bei Segelflugstarts und deren drei anschließenden Platzrunden in weniger als 400 Metern Höhe sowie einem Rundflug über meine schöne Vaterstadt Lübeck an Bord eines knallroten offenen Doppeldeckers der englischen Marke Tiger Moth, bei dem ich sogar einen eigenen Fallschirm trug! Nach jenem Flug waren meine feuchten Hände einer gewissen Zuversicht gewichen. Jetzt aber waren sie wieder feucht!

Vor dem letzten mutigen Schritt in die lang gestreckte Kabine lasen wir noch rasch den Namen der Airline, der wir uns gleich und ziemlich unwiderruflich anvertrauen würden. SPANTAX stand da in großen Lettern auf stumpfgrauem Aluminium. Am Leitwerk prangten die hübschen spanischen rot-gelb-roten Nationalfarben.

Hübsch lächelte uns auch – >>bienvenido a bordo Señores<< - die feurige dunkelhaarige Stewardess an. Dann schloss sich die dicke Tür, warf die Hübsche mit einem energischen Handgriff den gewaltigen Riegel herum und stöckelte sodann mit uns zu unseren Sitzen. Wir quetschten uns auf die etwas sehr zerschlissenen Polster, aus deren Lehnentaschen abgegriffene Zeitungen und eine vergessene Bananenschale vom Frühstück unseres Vorgängers lugten. Klickend schloss sie unsere Gurte, zog sie entschlossen stramm. Und ließ uns allein.

Die Douglas DC 6 war gerammelt voll. Das Wirtschaftswunder der 50er Jahre hatte Wohlstand geschaffen. Das Fliegen kam bei den Massen gerade in Mode. Mallorca boomte. Alle Flieger waren voll. Man durfte keine Zeit verlieren, denn die Nächsten warteten schon. Man verlor keine Zeit!

Unter meinem Fensterplatz an der Hinterkante der linken Tragfläche tat sich etwas. Offenbar testete der Pilot die Landeklappen und Querruder, die munter rauf und runter flappten. Dann erschien ein Mann im Monteuranzug, stellte sich breitbeinig vor den Propeller des linken äußeren Motors der viermotorigen Douglas, blickte zum Cockpit und hob seinen Daumen.

Diese Geste schien das Flugzeug geradezu aufzuwecken, denn wie von Zauberhand begann sich der Propeller zu drehen. Erst zaghaft, dann schneller. Nun begann brauner Rauch aus den Verkleidungen des Motors zu quellen, dessen Farbe sich mit den ersten Zündungen in den Zylindern des Pratt & Whitney-Sternmotors zu einem fetten Blauweiß veränderte, von den Propellerblättern aber fortgeblasen wurde, während sich der Prop in eine flirrende Scheibe verwandelte und das Donnern des Motors vibrierend durch den Rumpf hereindrängte.

Motor Nummer zwei zierte sich sehr. Mehrmals blieb sein Propeller nach anfänglich zögerndem Törnen stehen, schien dann missmutig dem Befehl der Piloten folgen zu wollen, stand erneut fast still und hustete schließlich polternd und schüttelnd den schwärzlichen Rest unverbrannten Benzins aus den Auspüffen, um seinen Kumpel Nummer eins endlich bei der Arbeit zu unterstützen.

Ringsum atmete man unhörbar, aber sichtlich auf. Was rechts geschah, sahen wir nicht.

Der große graue Vogel ruckte ein wenig. Begleitet von unverständlichem Krächzen aus der vollkommen übersteuerten

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