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Die grosse Pause: Deutsche Soldaten in Titos Gewalt

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Die grosse Pause: Deutsche Soldaten in Titos Gewalt

Länge:
389 Seiten
10 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
11. Dez. 2014
ISBN:
9783735752277
Format:
Buch

Beschreibung

Mit Aufzeichnung seiner Erlebnisse in jugoslawischen Kerkern und Gefängnissen, in denen der Autor als gefangener deutscher Offizier nach dem 2. Weltkrieg über Jahre dahinvegetierte, hat er keinen Tendenzroman schreiben wollen - etwa als Antwort auf die bis heute geübten Verunglimpfungen der deutschen Soldaten. Er berichtet ohne Übertreibung und Beschönigung über die damalige jugoslawische Justiz, deren Verfahren gegen deutsche Soldaten und die Verhältnisse in der Strafanstalt Mitrowitza. Das menschenverachtende Kalkül einer Staatsführung, die die Kriegsgefangenen als innen-, aussen- und wirtschaftpolitische Objekte nutze, ist für den Autor der Schlüssel der Geschehnisse.

Es lag ihm fern, mit seinen Aufzeichnungen die Völker auf dem Balkan ins menschliche Abseits zu stellen. Es sind für ihn Nationen mit Stärken und Schwächen wie jede andere. Was 1945 bis 1950 in Belgrad, Werschetz, Mitrowitza und sonstigen jugoslawischen Gefängnissen und Lagern geschah, ist millionenfach auch anderswo geschehen und geschieht weiterhin.

Der Autor schildert Einzelheiten aus den Belgrader Schauprozessen, in denen für angebliche Kriegsverbrechen die Mehrzahl der Angeklagten zum Tode verurteilt wurde. Die letzten Stunden der Todgeweihten waren durch grenzenlose Verlassenheit verdunkelt; sie hatten nicht einmal die Hoffnung, daß, wann und wie ihr Andenken von den dunklen Schatten einer Schuld befreit werden würde. Der Autor lässt erkennen, dass es zwar Schuldige gab, aber die Hinrichtungen in aller Regel Justizmorde waren.

Viel wichtiger jedoch als jede politische, moralische und juristische Problematik ist dem Autor der Mensch in seiner Menschlichkeit. Dieser Mensch ist der rechtlose, einer staatlich angeordneten Justizwillkür hilflos ausgesetzte Gefangene. Der Gefangene ist nackt wie kein anderer. Er wie kein anderer hat Zeit, diese Nacktheit zu betrachten, seine Leidensgenossen und sich selbst im Spiegel seiner Genossen.

Beim Durchleuchten der Menschen, die dem Autor in den Kerkern in Belgrad sowie in der Strafanstalt Mitrowitza begegneten, zwingt ihn die Hoffnungslosigkeit der Situation gelegentlich dazu, aufkeimenden Pathos durch Humor zu ersetzen. Auch auf Zensuren wie Gut und Schlecht, Klug und Töricht, Edel und Gemein verzichtet er nicht; sie haben aber kein Gewicht angesichts des Menschen in seiner tiefsten Not.

Die Namen der Personen in diesem Buch sind Aliasnamen, ausgenommen diejenigen, die auch die Kriegsgeschichte oder ein Lexikon nennt.
Herausgeber:
Freigegeben:
11. Dez. 2014
ISBN:
9783735752277
Format:
Buch

Über den Autor

Josef Selmayr, geboren 1905 in Straubing, erlebte als Gymnasiast in München den Weltkrieg 1914/18 und die Anfänge der Weimarer Republik. Um den Kräften zu dienen, die nach seiner Meinung als einzige in den Wirren der damaligen Zeit den Staat zu stabilisieren schienen, entschloss er sich 1924, als Berufssoldat in die Reichswehr einzutreten. Als Transportkommandant in Mainz sah er bereits 1938 den II. Weltkrieg voraus. Nach Einsätzen in Frankreich und Russland war er ab 1943 der 1. Generalstabsoffizier des Oberbefehlshabers Südost in Belgrad. Nach der Kapitulation Deutschlands stand er bis Herbst 1950 im Gewahrsam Jugoslawiens. Nach seiner Freilassung arbeitet er beim Bundesnachrichtendienst, bis er 1956 als Offizier der Bundeswehr reaktiviert wurde. Dort baute er die militärische Spionageabwehr auf, die er bis zu seiner Pensionierung 1964 leitete. Der Autor starb 2005 in München.


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Die grosse Pause - Josef Selmayr

1.

INS ZUCHTHAUS

Als der Belgrader Eilzug am 26. Oktober 1948 gegen 9 Uhr am Vormittag in Sremska Mitrowitza zum Halten gekommen war, zwängten sich zwei Gestalten mühsam aus einem der überfüllten Abteile. Auf dem sonnenbeschienenen Bahnsteig stellten sie ihr Gepäck zur Erde, der eine Koffer und Schachtel, der andere einen aus einer Decke zusammengenähten Sack, der mehr breit als lang war und alle Spuren jahrelanger Selbsthilfe aufwies. Die beiden blieben dicht nebeneinander stehen und, wie man sah, mussten dies wohl, da die Handgelenke ihrer inneren Arme aneinander gefesselt waren. Ein blau uniformierter Milizionär, Karabiner geschultert, postierte sich dahinter, offenbar unschlüssig, was nun zu tun sei; denn den Weg zum gegenüberliegenden Stationsgebäude versperrte vorläufig der haltende Zug.

Viele neugierige Blicke wandten sich indessen dem sonderbaren Kleeblatt zu. Der größere der zwei Gefangenen war noch jung. Die Situation schien ihm nicht viel auszumachen. Seine Kleidung ließ den Einheimischen erkennen und bald verwickelten ihn die aus den Wagenfenstern hängenden Reisenden in ein lebhaftes Frage- und Antwortspiel. Sein Kamerad verstand nicht viel davon. Seine Teilnahmslosigkeit verriet den Deutschen, wenn es der schwarze Mantel im Uniformschnitt nicht bereits getan hätte.

Das Interesse des Publikums wuchs, als es erfuhr, dass es ein richtiger Oberst sei, den die jugoslawischen Richter zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt hatten, während sein Vorgesetzter wegen der gleichen Sache von den Amerikanern freigelassen sei. Zigaretten, Trauben und Äpfel kamen zum Vorschein und wanderten, nachdem es der Transportbegleiter zu übersehen schien, in die leeren Taschen der Häftlinge. Auch Geldstücke wurden herausgereicht, hier dem Kollaborateur, dort dem Kriegsverbrecher. „Die Geschichte fängt gut an", dachte Jupp Sattelhoff und empfand mehr das Lächerliche als das Peinliche seiner augenblicklichen Lage. „Ob die guten Leute wohl nicht in der BORBA¹ gelesen haben, dass ich und meinesgleichen ihre Kinder in kupfernen Pfannen gebraten haben und zum Frühstück zu verzehren pflegten? Oder hatten sie andere Eindrücke von uns in Erinnerung?"

Vielleicht erschien dem Milizsoldaten die Sympathiekundgebung seiner Landsleute nun doch staatspolitisch bedenklich. Jedenfalls entschloss er sich plötzlich, den verbotenen Weg über die Gleise anzutreten und seinen Schützlingen dazu die Handschellen abzunehmen. In munterem Schritt ging es dem Zuchthaus entgegen.

Es führte eine genau 1 km lange, schnurgerade Straße vom Bahnhof zur Strafanstalt Sremska Mitrowitza. Ein blühender Herbst lag über der weiten Ebene Syrmiens². Kinder spielten um den Weg und einspännige Bauernwagen rollten dem Städtchen zu. Niemand war da, der die kleine Karawane beachtet hätte. Was in dem jungen Serben vorging, verbarg das unbewegliche Gesicht des Slawen. Der Deutsche wunderte sich im Stillen, wie leicht er doch atmen konnte. Er wusste, dass seine bleichen Wangen sich zu röten begannen und nicht nur, weil sie zum ersten Mal seit vielen Jahren der frischen Luft ausgesetzt waren. Niemand würde ihm glauben, wie lebensfroh er dem Zuchthaus entgegenschritt, dessen Tore sich nun für 15 Jahre hinter ihm schließen sollten.

Bilder aus Filmen und Romanen kamen ihm in den Sinn. Stets waren es zerbrechende Gestalten, stets ein eiserner Vorhang, der mit unmissverständlicher Geste das Leben vom Scheintod schied. So also sieht die Wirklichkeit aus!

Das mag nicht immer so sein. Politische Verbrecher machen da wohl eine Ausnahme, weil sie dem Recht, das gegen sie gesprochen wurde, misstrauen dürfen. Morgen wird schuld sein, was sich heute als Verdienst anpreist, wie heute bestraft wird, was gestern belohnt wurde. Das war immer so, seit Menschen die Kunst üben, das Wohl des Staates zu interpretieren. Der Weg vom Schloss zum Kerker ist kurz und vom Galgen zur Unsterblichkeit noch kürzer. Aber davon hat der Gehenkte nichts.

Jupp Sattelhoff war zufrieden mit sich. Das Äußerste hatte ihm gedroht. Es vermieden zu haben, war ihm deshalb vorläufig genug. Ein Wesentliches hatte sich durch seine Verurteilung ergeben. In den stillen Stunden der Bahnfahrt hierher war es ihm zum Bewusstsein gekommen, warum er, der Gefesselte, die in breiter Behäbigkeit vorüberziehende Landschaft in sich aufnehmen konnte, als gehöre sie ihm wieder und er ihr. Als lägen nicht 15 Jahre Ausgestoßensein zwischen ihm und den prangenden Feldern, blauenden Bergen und liebenden Menschen! 15 Jahre, an deren Ende ein Greis die ersten unbewachten Schritte tun würde!

Die Dinge lagen anders. Selten war ein Angeklagter schutzloser, als es der allenthalben angeklagte deutsche Soldat in den drei, vier Jahren, die der Kapitulation Deutschlands 1945 folgten, gewesen ist. Nie in der modernen Geschichte ist das ‚bedingungslos’ härter auf die Angehörigen einer geschlagenen Armee zurückgefallen. In Nacht und Nebel hat man sie verschleppt und sogar vergessen, sich die Namen zu notieren. In Gift und Geifer hat man sie ertränkt, unter einem grob gesponnenen Netz von Lügen erwürgt und es nicht einmal für nötig erachtet, die Leichen zu zählen. Es gab ja keinen damals, der hätte Einspruch erheben können – und niemals mehr schien es einen zu geben, der Rechenschaft fordern könnte. Wehe, wenn Sieger und Ankläger und Richter und Zuschauer in einer Person vereinigt sind. Keine Stunde der Weltgeschichte erhob so pathetisch den Anspruch auf Endgültigkeit und Unfehlbarkeit wie jene, in der 10 Millionen deutsche Männer in die Gefangenschaft marschierten.

Sie ahnten damals nicht, was ‚vogelfrei’ bedeutet. Kein Jude, der in den Gaskammern von Auschwitz oder den Sümpfen Polens verdarb, war so vogelfrei wie sie. Wohl befand sich auch er in den mitleidlosen Händen eines satanischen Systems, doch schrie die halbe Welt: „Mord!"

Um den deutschen Soldaten krähte kein Hahn. I will see, what I can do for you, war die Antwort auf die Bitte, den Vater zu retten vor der Lynchjustiz des Ostens. Sorry, wenn nach dem Schicksal des Gatten gefragt wurde. „Keine Sorge, sagte der charmante jugoslawische Offizier, „in ein paar Wochen ihr Bruder wird sein wieder zuhause. Wir werden genau untersuchen, ob ist ein Irrtum!

Aber die Staatsräson kennt keine Irrtümer. Und aus den Untersuchungsgefängnissen des Südostens Drang kein Laut. Unknown the date, wird sieben Jahre später in den Listen unter der Rubrik Tag der Auslieferung zu lesen sein und ein Fragezeichen hinter dem in kyrillischer Schrift geschriebenen Namen eines Mannes deutscher Nationalität. Das wird alles sein. Ein Mensch ist einfach nicht mehr da. Und eine Mutter wird immer noch zu den Zügen gehen, die gelegentlich sogenannte Kriegsgefangene aus Jugoslawien bringen.

Bis zum Tag der Urteilsverkündung war man vogelfrei. 15 Jahre Zwangsarbeit diktierte das Gericht. Erst von da ab durfte sich Jupp Sattelhoff wieder als Mitglied der gesetzlich geschützten Menschheit fühlen. Mit dem simplen Zugeständnis seiner ideellen Mitverantwortung für Fehler des Soldaten an der Front hatte er sich das Los des Ausgerottetwerdens erspart und das Recht erworben, gebessert zu werden. Das Recht auf Erziehung ist ein Recht auf Leben, muss man wissen. Und der Mensch zieht in der Regel das schlechteste Leben dem Tode vor.

Zudem glaubt nicht einer, der ein jugoslawisches Gefängnis betritt, dass er seine Strafe absitzen wird. Jupp Sattelhoff hatte die Empfindung, Mitspieler eines groben Unfugs zu sein. In der Bruderschaft des Todes hatte er gelernt, Menschen und Geschehen weit von oben zu betrachten, auch sich selbst. Da sah alles sehr winzig und unwichtig aus. Diese Perspektive bewahrte ihn davor, irgendetwas von dem, was ihm nun begegnen sollte, als demütigend oder auch nur ärgerlich zu empfinden. Sie rettete Laune und Haltung um den Preis, als hochmütig zu gelten. Auch Zuchthausdirektoren sehen lieber zerknirschte Sträflinge, andernfalls verfügen sie …. „Haus II".

Aber das wusste der Neuzugang jenes strahlenden Oktobertages noch nicht. Er wusste überhaupt noch nichts von dem, was auf ihn zukam, und war voller Neugier. „Wohl das Verwaltungsgebäude", überlegte er, in das man ihn zuerst geführt hatte und wo man ihn nun auf einem der langen Korridore eine halbe Ewigkeit stehen ließ. Milizionäre rannten geschäftig hin und her. Keiner kümmerte sich um ihn. Aber als er die Hände gelangweilt in den Manteltaschen vergrub, sahen sie es doch. Merkwürdig, dass gerade den Händen zur Bezeichnung der Unterordnung stets ein besonderer Platz zugedacht ist. Beim Kommiss war es die Hosennaht und im Zuchthaus war es die südliche Verlängerung des Rückens, den es mit gefalteten Händen zu behaupten galt.

Mittlerweile war auch der Herr Direktor gewillt, zu sich bitten zu lassen. Er saß in einem großen, düsteren Zimmer hinter einem repräsentativen Schreibtisch. Es war ein untersetzter, kräftige Herr, der mit unpersönlicher Miene Fragen stellte, die der Gefragte nicht verstand. Mit Hilfe eines endlich herbeigeholten Dolmetschers nahm er schließlich die Personalien zur Kenntnis. Anscheinend befriedigte es ihn zu hören, dass Sattelhoff von seinem Einspruchsrecht gegen das Urteil keinen Gebrauch gemacht hatte. „Reuiger Sünder, mochte er denken, „schon auf dem Wege der Besserung. Leider ging das Interview dann doch noch schief. Welches Handwerk der Verurteilte verstünde, wollte der Allgewaltige wissen. Jupp sagte, für sein Handwerk sei er soeben mit 15 Jahren Freiheitsentzug bestraft worden und begierig, hier ein nützlicheres zu erlernen. Daraufhin malte der Direktor eine große römische II auf den Personalbogen und widmete sich anderen Akten zum Zeichen, dass die Unterhaltung beendet sei.


¹ Die Borba („Der Kampf") war die offizielle Zeitung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens.

² Syrmien ist eine Landschaft in Jugoslawien zwischen den Flüssen Donau und Save. Neben dem Banat und der Batschka ist Syrmien eine der drei Regionen in der Vojvodina.

2.

SAMIZA³

Nach der Audienz beim Gefängnisdirektor traf Jupp den jungen Serben wieder, mit dem er während der Eisenbahnfahrt so eng verbunden war. Man hieß die beiden, ihre Bündel zu schultern und einem schlüsselgewaltigen Mann zu folgen. Die Reise ging über einen Hof, an dessen Rändern Rabatten voll blühender Herbstblumen zu sehen waren, und endete vor der schweren Eichentür eines langen, zweistöckigen Gebäudes. An die 100 eisenbewehrte Oberlichtfenster starrten aus glatter Fassade mitleidig auf die Wartenden herab. Jupp hatte den Entschluss gefasst, alles zu ignorieren, was ihm nicht gefallen würde, und wendete dem Gesicht des Kerkers den Rücken zu. Schritte näherten sich, Schlüssel rasselten.

Eine hohe, bis zum glasgedeckten Dach offene Halle tat sich auf. Zu beiden Seiten reihten sich Zellentüren in knappen Zwischenräumen aneinander, die ebenerdigen vom Flur aus zu betreten, die des ersten und zweiten Stockwerks nur durch eine eiserne Galerie untereinander verbunden. Das Ganze erinnerte an die Montagehalle einer Zeppelinwerft, wenn der Riese ausgeflogen ist.

Feierliche Stille umgab die Ankömmlinge, als gäbe es kein Leben in diesen Mauern. Von irgendwoher trat auf Gummisohlen ein pummeliger Milizunteroffizier auf sie zu, sah wohl sofort, dass ein Deutscher dabei war und machte von nun ab nur mehr herrische Gesten. Den Serben ließ er unverzüglich in eine der nächstgelegenen Zellen abführen. Mit ihm verschwanden die am Bahnhof erbeuteten Zigaretten und Dinare auf Nimmerwiedersehen. Jupp sollte auf einem Stuhl Platz nehmen. Sein Erstaunen über so viel Liebenswürdigkeit fand bald eine Erklärung. Denn kaum saß er, als sich von hinten ein graubekittelter Kerl heranmachte und ohne viel Umstände die Haare abzuscheren begann. Jupp war arg betroffen.

„Ruhig Hektor! widersprach er dem aufbegehrenden Bruder Innerlich. „Du hast ja gewusst, dass so etwas kommen musste. Denn dass er keinen Cäsarenkopf besaß, war ihm allzu klar. Und dann war im Unterbewusstsein noch die Vorstellung vorhanden, langes Haar sei das Zeichen des freien Mannes. Nie hatte er deshalb seinen Rekruten die üblichen Glatzen schneiden lassen. Daran dachte er jetzt, als die Lockenpracht vor seinen Füßen lag, und auch, dass er es dem Barbier einmal heimzahlen wolle. Das war dumm, aber beruhigend, trotz der offensichtlichen Unwahrscheinlichkeit, das Racheprojekt jemals zu verwirklichen. Was kann der Mann, der da auf Befehl seines Vorgesetzten die Nähmaschine über deinen Schädel brausen lässt, eigentlich dafür, meldete sich eine Stimme in Sattelhoffs immer noch recht fortschrittsfeindlichem Gewissen. „Ei, entgegnete sein klügeres Ich: „Ei Jupp, mit dem System der Kollektivstrafe wird es sich schon machen lassen! Damit war die Prozedur auch schon beendet. Spiegel wurde keiner gereicht, das Ergebnis zu bestaunen. Im Gegenteil, die letzten Scherben eines solchen verfielen bei der anschließenden Gepäckrevision dem Allvater Staat. Neugierig, was sodann passieren werde, folgte Jupp einem Wärter geringeren Dienstgrades und landete in einer der vielen Kammern des Erdgeschosses. Er war allein!

Zum ersten Mal seit undenklichen Zeiten allein, allein in einem 10 m² großen Raum mit vier weißgetünchten Wänden und einem blankgescheuerten Fußboden. An der Stirnseite in unerreichbarer Höhe eine Art Stallfenster, durch das die Nachmittagssonne ihre schrägen Strahlen gleiten ließ. In der gegenüberliegenden Ecke neben der Tür als einziges Inventar ein offener Kübel, aus dem es infernalisch roch, weil er noch die Abschiedsgrüße eines unbekannten Vorgängers enthielt. Trotzdem überkam den neuen Besitzer dieser Klause ein wohliges Gefühl des Geborgenseins. Wieder eine dieser absurden Reaktionen dieses denkwürdigen Tages, registrierte er und kam mit sich überein, dass sich hier Komödie und Tragödie allzusehr überschneiden, um rein empfunden werden zu können. Ein anderer mag sich hier als eingesperrt bemitleiden, e r empfand das Glück des Alleinseins! Wie oft hatte er sich eine Einzelzelle gewünscht, dieses Schreckgespenst aller Gefangenen, wenn ihn Tag und Nacht der lärmende Haufen seiner Schicksalsgefährten umgab. Nicht mehr am Elend anderer das eigene zu sehen brauchen! Sich stellen, setzen, legen können, wohin man will! Tanzen können, wenn man Lust hat! Monologe führen dürfen, wenn das schweigende Denken schmerzhaft wird! Einfach herrlich!

Im Vollgefühl der Verfügungsgewalt über einen eigenen Raum baute der Einsame aus seinem Mantel und den seit drei Jahren durch zahllose Fährnisse geretteten Decken und Wäschestücken bedächtig eine Lagerstatt in der Fensterecke, wählte genießerisch diesen Platz und diese Richtung, als stelle er ein Prunkbett in die Unberührbarkeit eines neuen Hauses. Nun auch Herr seiner Zeit, streckte er sich gleich behaglich darauf aus und schlief den Schlaf des Gerechten.

Als ihn das Gebimmel einer Handglocke wieder zum Bewusstsein brachte, standen die Sonnenflecken schon über dem Türrahmen, zwischen ihnen die markanten Schatten der schwedischen Gardinen. Dem Klingelzeichen folgte mächtiger Lärm vieler eiliger Füße, ein Getrippel und Getrappel draußen auf dem Korridor, das allmählich in Gleichschritt überging und irgendwo verschwand. Die Geräusche eines neuen Hauses sind immer erregend. Man kann sich so vieles ausdenken, was gar nicht zu stimmen braucht, und wie mit einem Rätselbuch unterhalten. Die Lösung musste diesmal vor dem Haus zu finden sein.

Da die Tür ein kleines Loch aufwies, durch das er zwar nicht hinausgucken, aber ein Unberufener hereinschauen konnte, hängte Jupp als erfahrener Gefangener fürs erste seine Mütze davor und machte dann Klimmzüge am Fensterbrett. Richtig, da marschierten sie! Zwei und zwei, Hände auf dem Rücken, alle grau gekleidet und mit einer Art Bierdeckel auf den geschorenen Schädeln. Dann musste wohl irgendjemand etwas kommandiert haben. Denn plötzlich blieben sie stehen, grüßten theatralisch mit dem Bierdeckel und verteilten sich über den ganzen Platz, der so etwas wie einen Garten darstellen sollte. Es mochten wohl an die vierhundert sein. Sie schwatzten jetzt und rauchten und wimmelten munter durcheinander, als fühlten sie sich wohl.

Um Bekannte herauszufinden, reichte die Kraft der Armmuskeln nicht, denen turnerische Zumutungen ungewohnt geworden waren. Ach ja, Bekannte! Jupp lächelte über die hübsche Idee, im Zuchthaus gleich Bekannte zu treffen. Damit kann nur ein versierter Krimineller rechnen oder ein General, heutzutage. Seine Laufbahn bei den Taschendieben zu beginnen oder als Fahnenjunker in ein altehrwürdiges Regiment einzutreten, ist beinahe dasselbe geworden. Sie endigt jedenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Wenn sie ihn bloß nicht mit dem Abendessen vergessen! Der seit 24 Stunden vernachlässigte Magen machte seine Ansprüche geltend. Im Haus rührte sich allerlei, was auf Raubtierfütterung schließen ließ. Aber es wurde tiefe Dämmerung, bis jemand die Luke in der Zellentür aufstiess und ein Geschirr verlangte. Eine warme Flüssigkeit bedeckt den Boden, als es von unbekannter Hand auf demselben Weg zurückgereicht wurde. Aha, Gemüsesuppe aus Kraut, Kartoffeln und Paprika. Schmeckte nicht schlecht, aber nach viel mehr. Es mochte ein halber Liter gewesen sein. Jupp stand vor der Kernfrage seiner künftigen Existenz: würde man mit solchen Portionen auf die Dauer auskommen können? Doch diesen, seinen ersten Tag wollte er nicht mit Sorgen beschließen und verschob die Entscheidung wie ein Finanzminister.

Das Frühstück des anderen Morgens stimmte ihn schon bedenklicher. Es war noch dunkel, als ihn die schleichenden Schritte unbekannter Hausgeister, die einen dampfenden Bottich von Zelle zu Zelle schleppten, aufweckten. Licht gab es keines, weshalb es unmöglich war, das zu definieren, was sie ihm diesmal eingossen. Unbekannt mit den Gebräuchen seiner Gastgeber argwöhnte er Spülwasser und stellte es vorsichtshalber beiseite. Bis der Tag anbrach, war die Brühe kalt und mit einer regenbogenfarbig schimmernden Haut überzogen. Es wäre doch das Frühstück gewesen.

Weit gefehlt, wenn der Einsiedler erwartete, im Laufe des Vormittags einmal zum Waschen geführt zu werden. Das einzige, was geschah, war, dass man seine Feldflasche abholte und mit Wasser gefüllt zurückgab. Damit duschte er sich das Gesicht nach Russenart über dem Exkrementenkübel. Ein halbes Wecklein Brot von höchstens 200 g verstärkte die Mittagssuppe, die, bei Licht besehen, sich wesentlich schaler präsentierte, als das Gebräu des Vorabends. Das Stimmungsbarometer fiel. Die Langeweile kroch über die Wände.

Es war Jupp nicht mehr unangenehm, als sich plötzlich die Türe öffnete und zehn deutsche Landser einließ, die der nächste Schub aus Belgrad gebracht hatte. Man kannte sich vom Untersuchungsgefängnis her, hatte mit Bangen die beiderseitigen Prozesse verfolgt und zuletzt noch im Polizeiarrest gute Kameradschaft gehalten. Jetzt war die Bude brechend voll. Unter Fragen und Scherzen wurden die Plätze verteilt und zwar so, dass sich sechs auf der einen, fünf auf der anderen Seite gegen die Längswand setzten und die elf Paar Füße in der Mitte nebeneinander schichteten.

Wie man erfuhr, nannte sich der Spaß Quarantäne und sollte 21 Tage dauern. Einundzwanzig Tage ohne Bewegung, ohne Licht und fast ohne Essen. Da erzählte Jupp Sattelhoff seine Geschichte, weil sein Weg hierher der längste war.


³ Serbisch: Einzelzellen, hier für „Haus mit Einzelzellen" gebraucht.

3.

AUSGELIEFERT

Mitte März 1946, gerade als ich wieder einmal stark hoffte, aus Kriegsgefangenschaft entlassen zu werden, fiel ich einer jugoslawischen Schnüffelkommission in die Hände. Es waren zwei überaus freundliche Offiziere aus Herrn Titos neuer Wehrmacht, die das britische Offizierslager Zedelgen in Belgien zu durchstöbern des Recht hatten, um deutsche Soldaten zu finden, die etwas nach ihrer Ansicht Unrechtes getan hatten. Als 1. Generalstabsoffizier des Oberbefehlshabers Südost stand ich automatisch auf ihrer Liste. Meine Vernehmung wurde protokolliert und gab mir, obwohl ich den vielen Fragen dank meiner rein operativen Verwendung³a mit der ungeschminkten Wahrheit begegnen konnte, das Gefühl, in eine Falle geraten zu sein.

Ich glaubte schon, mich geirrt zu haben. Denn Monate vergingen, ohne dass man mich behelligte. Da, am 20. August, wurde ich als Einzelner aus dem Kreis meiner Kameraden herausgeholt und, von zwei englischen Soldaten eskortiert, in das Internierungslager Neumünster gebracht. Dort teilten sie mich dem etwa 700 Mann starken Kriegsverbrecher-Cage zu. Keine Begründung. Als anderntags meine Personalien registriert, Fingerabdrücke genommen und Passbilder angefertigt wurden, bekam ich zufällig die Umschlagseite meiner Akte zu sehen und las: „alleged war criminal in Jugoslavia."⁴ Nun wusste ich Bescheid und begrub jeden Gedanken an Heimkehr. Die erste Fühlungnahme mit den neuen Kameraden ergab, dass zwei Tage vor meiner Ankunft in Neumünster eine Abteilung von etwa 25 Mann von hier aus nach Hamburg transportiert und auf dem Bahnhof jugoslawischen Wachmannschaften übergeben worden waren. Es bestand kein Zweifel, dass ich hätte mitgenommen werden sollen, wenn ich nicht zu spät aus Belgien eingetroffen wäre.

Sollte dies nicht ein Wink des Schicksals sein? Ich zerbrach mir den Kopf, wie ich die mir verbliebene Zeit bis zum nächsten Abschub nutzen könnte. Zunächst sah ich mir meine Umgebung näher an.

Die Insassen der Kriegsverbrecherabteilung waren eine gar bunt zusammengewürfelte Gesellschaft. Das ordinäre Element überwog, alles duzte sich. Es gab da viele holsteinische Bauern und Handwerker, die während des Krieges fremdvölkische Arbeiter beschäftigt und angeblich misshandelt hatten. Daneben eine Menge ehemaliger KZ-Angehöriger, denen man Schandtaten gegen ihre Leidensgefährten vorwarf und zum Teil auch glauben konnte. Wenige Intellektuelle, kaum Wehrmachtsangehörige. Die Stimmung schien mir ziemlich gleichgültig zu sein. Das Gemeinsame war eine völlige Ahnungslosigkeit, worum es sich eigentlich handelt, und eine große Wut auf die mehr oder weniger bekannten Denunzianten, denen die meisten den Aufenthalt hinter Stacheldraht verdankten. Die zahlreich vertretene SS erwartete mit Spannung das bevorstehende Nürnberger Urteil gegen die „verbrecherischen Organisationen".

An erster Stelle standen die Nahrungssorgen. Tauschgeschäfte blühten und Schmuggel. Dieser Linien bediente man sich auch, um Nachricht an die Angehörigen zu geben und irgendeine unvorstellbare Hilfe zu organisieren. Natürlich waren alle Versuche zwecklos. Auch ich schrieb drei Briefe gleichen Inhalts an meine Frau, von denen einer tatsächlich sein Ziel erreichte. Sie sollte wissen, warum mit einem Schlag die Postverbindung aufhörte. Auch hielt ich es für richtiger, ihr, die sich nun mit drei Kindern allein weiterhelfen musste, mit dürren Worten die ganze Größe meiner Gefährdung zu schildern, statt sie und mich in eitle Hoffnungen einzuwiegen. Ich nahm Abschied.

Wie sollte ich mich auch gegen einen Irrtum, gegen eine Lüge wehren, vollständig isoliert von denen, die hätten aussagen können, wer ich war und was ich getan oder vielmehr nicht getan hatte? Um nichts zu versäumen, schrieb ich Sonnabend für Sonnabend ein Gesuch an den Lagerkommandanten, worum ich um Vernehmung und Gelegenheit zur Rechtfertigung bat. Ich wusste, dass derartige Eingaben in den Papierkorb wanderten, wollte aber auf alle Fälle die Briten als verantwortlich für meine Auslieferung festnageln. Ich wusste auch, dass diese dem Auslieferungsbegehren nur stattzugeben brauchten, wenn begründeter Verdacht eines Kriegsverbrechens bestand. Da sie mich nicht einmal gefragt hatten, was meine militärische Aufgabe gewesen sei, konnte ihr Verdacht nicht begründet sein. Ich wusste allerdings noch nicht, wie leichtfertig man mit Menschenschicksalen umzugehen pflegte, damals, als die Menschlichkeit in aller Munde war.

Fluchtmöglichkeiten erwog ich eine nach der anderen, aber mit halbem Herzen. Mich hemmte der Gedanke an einen jahrelangen illegalen Aufenthalt innerhalb Deutschlands. Ständig auf der Flucht vor den Behörden leben und doch seiner Familie nicht helfen können, nein! Wozu auch? Schließlich belastete ich mich ja selbst, wenn ich mich der Verantwortung entzog! Man sieht, ich kam aus den Denkgewohnheiten des Abendlandes einfach nicht heraus und hatte trotz achtzehnmonatiger Gefangenschaft noch immer nicht begriffen, dass jetzt andere Maximen Vorrang hatten.

Außerdem hatte ich Pech. Immer war das Loch gerade zu, durch das ich schlüpfen wollte. Ein zuverlässiger Fluchtgefährte fehlte mir und Helfer entpuppten sich als Schwindler, die es nur auf meine letzten Wertsachen abgesehen hatten. Nur ein Zahnarzt machte eine rühmliche Ausnahme. Zu ihm ließ ich mich führen, weil neben seinem Praxisraum eine Ausstiegsmöglichkeit sein sollte. Ein deutschsprechender Tommi überwachte die Untersuchung. Mein Begehren hatte ich auf einem Rezeptformular aufgeschrieben. Gewandt erklärte mir der Treffliche, während er in meinen Zähnen herumstocherte, die Lage der alten, neuen und plombierten Öffnungen. Seine Diagnose lautete: Extraktion unmöglich. Leider war mein Gebiss gar nicht so fehlerlos, wie die Mauern und Zäune, die an ihm demonstriert wurden, und bedrückt kehrte ich in die Reihen der Schlachtopfer zurück.

Ein anderes Unternehmen scheiterte durch Verrat. Als ich mich eines Nachts mit einem Gleichgesinnten treffen wollte, standen schon ein Dutzend Freiheitslüsterner am Sammelplatz. Mein Freund hatte den Mund nicht gehalten über die Möglichkeit, die wir erkundet hatten. Dass dabei auch die Lagerleitung Wind bekam und mit deutscher Gewissenhaftigkeit der britischen Wache Meldung machte, brauche ich nicht hinzuzufügen. Das Ende war eine wilde Verfolgung durch schießende und brüllende Patrouillen und ein mitternächtlicher Zählappell, bei dem wir Ausreißer alle wieder erschienen sind.

Im Übrigen spähte ich aufmerksam nach Leuten, die ebenfalls ‚jugoslawienverdächtig’ hätten sein können. Dabei lernte ich einen Oberst von Bote, einen 65-jährigen alten Herrn, und einen erheblich jüngeren Major der Reserve Schuster-Langforth kennen und schätzen. Beide rechneten nicht mehr damit, ausgeliefert zu werden, da sie beim letzten Transport nach Belgrad übergangen worden waren. Beide waren ebenso schimmerlos wie ich, welche Untaten uns zur Last gelegt werden könnten oder nach welchen Gesetzen das verurteilt werden würde, was wir als Soldaten getan hatten. Wie sollten wir uns also verteidigen? „Mit der Wahrheit!" meinten sie. So naiv war ich nun bereits nicht mehr und im bitteren Scherz sagte ich zu von Bote, er würde wohl auf dem Marktplatz in Nisch, wo er seines Amtes als Feldkommandant gewaltet hatte, ich aber auf dem Kalimegdan⁵ in Belgrad gehängt werden. Der Gute hatte eine schlaflose Nacht und ich beinahe Recht.

Täglich gingen kleinere Trupps zu englischen Gerichten ab oder in polnische Hände über. Merkwürdigerweise freuten sich die Betroffenen, weil sie den Zustand des Wartens unerträglicher fanden, als eine Entscheidung so oder so. Leicht gesagt. Mit Sicherheit kalkulierte keiner die letzten Konsequenzen ein. Nicht einmal das Dritte Reich hatte das unbegrenzte Vertrauen zur richterlichen Fairness erschüttern können. Doch bei den Zurückbleibenden wuchs die Nervosität. Keine Vernehmungen, keine Verbindung mit der Außenwelt, nur wirre Gerüchte. Jugoslawien machte sich nicht bemerkbar.

Am 19. Oktober überführte man mich dann ohne Vorankündigung nach Neuengamme, wie es hieß, ins Auslieferungslager. Meine Reisegefährten waren der greise von Bote, natürlich auch Schuster-Langforth, ein ehemaliger Polizeimajor Jordan und ein gewesener Gestapofunktionär⁶, dessen Name mir inzwischen entfallen ist.

Am Ziel angelangt wurden wir in eine fast leere Sonderbaracke gesteckt. Aus anderer Richtung traf zur gleichen Stunde ein Polizeioberstleutnant ein, der in Slowenien gewirkt hatte. Durch Zufall hörte ich in der Schreibstube den Namen des früheren Kommandeurs der 13. SS-Division. Damit rundete sich das Bild.

Freilich, das Lagerpersonal stritt jede Möglichkeit einer Auslieferung ab. Es waren Deutsche unter englischem Kommando. Es war auch ein deutscher Arzt, der sich weigerte, von Botes Leistenbruch zu operieren. Er meinte, es bestünde keine Lebensgefahr. Von Bote ist dann auch nicht am Leistenbruch gestorben.

Als durchsickerte, dass der Lagerfourier Marschverpflegung für zehn Mann und fünf Tage vorzubereiten hätte, erhängte sich der Gestapomann in der Latrine. Sein Körper war noch warm, als ich ihn um 4 Uhr morgens entdeckte. Ohne die schlafenden Kameraden zu verständigen, weckte ich den Lagerarzt nebenan. Der aber wollte erst gar nicht mitkommen, weil er meinte, man täte solchen Leuten gar keinen Gefallen mit dem zu frühen Abschneiden. Es war dann auch wirklich zu spät.

Zum Frühstück verteilten wir die Brotportionen des noch nicht aus der Verpflegungsliste Gestrichenen. Dann stellten wir uns mit Gepäck am Tor auf, wo ein jugoslawischer Offizier bereits auf uns wartete. Aus anderen Campteilen führte man 5 weitere, uns äußerlich sehr ähnliche Gestalten heran, die wir beäugten wie eine Hammelherde die andere vor dem Eingang

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