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Mit Hemingway essen, trinken und reisen: Rezepte, Drinks & Stories

Mit Hemingway essen, trinken und reisen: Rezepte, Drinks & Stories

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Mit Hemingway essen, trinken und reisen: Rezepte, Drinks & Stories

Länge:
394 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
18. März 2015
ISBN:
9783738676778
Format:
Buch

Beschreibung

In süffig formulierten Stories stellt der Autor jene Gerichte und Gertränke vor, die in Hemingways Leben und in seinem schriftstellerischen Werken eine wichtige Rolle einnahmen. Zum Teil stammen die mehr als 100 Rezepte original aus den Restaurants, in denen Hemingway die Gerichte genossen hat.
Diese kulinarische Reise erstreckt sich von der spanischen Plaza de Toros über das Pariser Straßencafé bis hin nach Italien, Frankreich, Österreich, Ostafrika und Kuba.
Herausgeber:
Freigegeben:
18. März 2015
ISBN:
9783738676778
Format:
Buch

Über den Autor

Craig Boreth lebt als Schriftsteller in Santa Monica (USA).


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Buchvorschau

Mit Hemingway essen, trinken und reisen - Craig Boreth

Einführung

Mit Hemingway essen

Wilde gastronomische Abenteuer

»Ernest war besonders geschickt darin, die Leute spüren zu lassen, daß ein jeglicher Anspruch auf den Genuß des Lebens sich aus einer gesunden Lust am Essen nähren müsse.«

– PETER GRIFFIN, LESS THAN A TREASON –

Hemingway als Jugendlicher beim Schreiben

Sind Sie jemals einem Geschichtenerzähler begegnet, der eine Person oder einen Ort so beschreiben kann, daß Sie glauben, diese Person oder diesen Ort wirklich vor sich zu sehen? Für mich ist Ernest Hemingway einer dieser Geschichtenerzähler. Ich spüre, wie ich selbst in die Geschichte hineingezogen werde und ganz an der Erschaffung dieser verschlungenen anderen Wirklichkeit teilhabe, die er erzeugt. Dies ist der wichtigste Grund, weshalb ich seine Geschichten mit Vergnügen lese und weshalb es mir eine Ehre ist, daß Sie nun das von mir verfaßte Buch über Ernest Hemingway lesen.

Ernest Hemingway war in vielerlei Hinsicht ein Entdekker. Er lebte in verschiedenen Ländern und brach oft zu monatelangen Reisen auf, weit weg von zu Hause. Auch begab er sich auf Reisen, die ihn tief in seine Phantasie und in die Gedankenwelt seiner Charaktere führten, wo er dunkle Spuren zerrissener und abgehärteter Individuen freilegte. Er verspürte eine unstillbare Lust auf neue und unbekannte Regionen, Erlebnisse und Menschen, wobei er sich jedem Detail mit der Geschicklichkeit und dem Scharfsinn eines Naturforschers näherte. Folglich ist es keine Überraschung, wenn ihm so viele auf der Suche nach jenem Neuen gefolgt sind, nach der gleichen verwirrenden, Energie verströmenden Störung des Gleichgewichts, die an einem neuen Ort überwunden werden muß. Wenn ich mich von Hemingway führen lasse, dann verblüfft mich immer wieder seine enorme Begabung, mich in jene Landschaften zu entführen, die er auf jeder Seite ausmalt. Wenn ich die Schauplätze besuche, dann kommen sie mir genau so vor, wie ich sie mir während der Lektüre vorgestellt habe. Das ist ein wunderbares Erlebnis, und es macht die Hemingway-Lektüre umso mehr zu einem persönlichen Abenteuer.

Ernest Hemingway war außerdem ein enormer Esser und mächtiger Trinker. In guten wie in schlechten Zeiten – er frönte seinen Gelüsten bis zum Exzeß. In seinen Büchern wimmelt es von Episoden über das Essen und das Trinken, manchmal sind sie spektakulär, zuweilen auch gerade wegen der sachlich unterkühlten Art der Darstellung faszinierend. Wie auch immer, Mit Hemingway essen, trinken und reisen ist Ausdruck meiner Überzeugung, daß dieselben Gefühle, die der Reisende auf den Spuren Hemingways empfindet und die sein Herz höher schlagen lassen, auch bei der Vorbereitung und beim Genuß seiner Speisen und Getränke hervorgerufen werden können.

Der Klang der Worte – Aguacates, Purée de Marron, Chambéry Cassis oder Amontillado – hallt beim Umblättern der Seiten nach. Der Geschmack und der Geruch liegen einem noch auf der Zunge, wenn der Schutzumschlag längst begonnen hat, Staub anzusetzen. Das war die Grundlage von Hemingways Kunst: seinen Lesern nicht nur eine Beschreibung des ausgelösten Gefühls zu liefern, sondern die Quelle dieses Gefühls anzugeben und beim Leser genau die gleiche Gefühlsregung zu erzeugen. Er beherrschte eine Schreibweise, die einen verfolgte und die einen schneller und härter traf, als es die Realität jemals vermochte. Wenn er die Charaktere, die wir auf so tiefgehende Weise erleben, entstehen läßt, wenn er sie entwirft und stets wieder neu bestimmt, dann tut er das auch über das Essen und Trinken.

Hemingway führt jeweils die Gerichte und die Getränke eines Landes oder einer Region auf, um das Insiderwissen seiner Charaktere zu verdeutlichen. Wenn Hemingways Romanfiguren mit den Kenntnissen eines Einheimischen der lokalen Küche begegnen, fühlen sie sich zuhause, und so geht es auch uns, den Lesern. Inmitten ihrer epischen Auseinandersetzungen um Liebe und Tod entdecken sie die Köstlichkeiten der Küche jener Gegenden, in denen sie gestrandet sind. Daß die Leser am Leben der Charaktere teilhaben, und auf diese Weise auch am Leben des Schriftstellers selbst, mag erklären, weshalb Hemingway von seiner eigenen Generation an auch die nachfolgenden inspiriert und dazu angeregt hat, sich auf die Suche nach jenem schwer faßbaren Sinn zu begeben, für welchen der Ausdruck »Mehr Sein« geprägt worden ist: eine Art Weltbürgerschaft zu erlangen, von der Plaza de Toros über das Pariser Straßencafé bis hin zum Golfstrom.

Bei unserem fortwährenden Versuch, an seiner literarischen Welt und an seinem Mythos teilzuhaben, erwecken die Zubereitung und der Genuß der Gerichte und Getränke, die hier in Mit Hemingway essen, trinken und reisen zu finden sind, Erinnerungen an seine Einsamkeit beim Angeln in forellenreichen Flüssen, an Erlebnisse von dramatischen Stierkämpfen und an die Kameradschaft auf der Jagd. Es ist ein ebenso eigenständiges Abenteuer wie die literarischen Texte selbst.

Es ist nicht leicht, ein Buch über einen Mann zu schreiben, der so produktiv war und so vielgereist ist wie Ernest Hemingway. Das vorliegende Werk ist in groben Zügen chronologisch angeordnet, mit dem Schwerpunkt auf dem zentralen Land oder auf der wichtigsten Region jeder einzelnen Schaffensperiode. Innerhalb jedes Kapitels wird auf die Romane und die Kurzgeschichten eingegangen, die in dieser Region spielen oder die in diesem Zeitabschnitt geschrieben wurden. Ich habe mich bemüht, angemessene biographische Hintergrundinformationen einfließen zu lassen, insbesondere wenn sich Anekdoten unmittelbar auf die enthaltenen Rezepte beziehen. Für ein vollständiges Bild von Hemingways Leben lese man Carlos Bakers richtungsweisendes Werk Ernest Hemingway: A Life Story oder jeden einzelnen Band aus Michael Reynolds’ glänzender Reihe Hemingway-Biographien.

Ich habe versucht, einen Vorgeschmack auf die Gerichte und Getränke zu geben, die in Hemingways Leben und in seinen Werken am wichtigsten waren. Es wäre schlechterdings unmöglich, jedes einzelne Rezept wiederzugeben. (Wer gerne eine faszinierende Analyse über die Bedeutung der Speisen und Getränke in Hemingways Prosa sowie ein vollständiges Register sämtlicher Bezüge auf Essen und Trinken im Werk des Schriftstellers hätte, der lese Samuel J. Rogals For Whom the Dinner Bell Tolls, 1997). Aus diesem Grunde habe ich mich für diejenigen Rezepte entschieden, die wesentliche Momente in Hemingways Leben und in seiner Kunst markieren.

Ich war bemüht, mich an die Originalrezepte der Zeit zu halten. Es könnte sein, daß einige unter Ihnen nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder zum Kochlöfffel greifen oder sich einen echten Drink mixen werden. Wer einige der besonderen Hemingway-Köstlichkeiten zubereitet, mag sich dabei vielleicht an die alte Redewendung »Was mich nicht umbringt, macht mich stark« erinnern.

Die Quellen für die Rezepte selbst sind unterschiedlicher Natur. Einige, wie das Gebratene Spanferkel oder die Paella de Langosta, stammen original aus den Restaurants, in denen Hemingway diese Gerichte genossen hat. Andere Rezepte, besonders diejenigen aus den Jahren in Kuba und in Idaho, beruhen auf schriftlichen Unterlagen oder auf Interviews mit Hemingways engsten Freunden aus jenen Tagen, wie zum Beispiel mit Forrest »Duke« MacMullen, Tillie Arnold, Gregorio Fuentes oder Hemingways vierter Frau Mary. Was die restlichen Gerichte betrifft, so sind die traditionellen Rezepte zeitgenössischen Kochbüchern entnommen.

Ich hoffe, daß Sie beim Nachkochen der Rezepte in diesem Buch jene Momente wiedererleben können, als sie zum ersten Mal von der Prosa Hemingways berührt worden sind. Eine der wunderbaren Eigenheiten von Hemingways Werk besteht darin, daß man es auf so vielen Ebenen rezipieren kann, von einem rein nacherlebenden bis zu einem tiefgreifenden wissenschaftlichen Zugang. Die Zubereitung dieser Gerichte kann den Genuß um eine weitere Dimension bereichern und so die Anziehungskraft verstärken, die jeder Leser schon bei der Lektüre der Werke Hemingways erlebt hat.

Ich habe ein Buch verfaßt, von dem ich glaube, daß es sich an das ganze Spektrum der Hemingway-Leserschaft richtet und daß es jedem einzelnen helfen wird, sich an der von ihm erschaffenen Welt zu erfreuen. Vielleicht werden Sie dann zu einem Buch von Hemingway greifen, das Sie bis dato nicht gelesen haben. Vielleicht werden Sie in Ihrer Lieblingskurzgeschichte etwas Neues entdecken, durch das Ihnen klar wird, warum diese Geschichte Ihr Favorit ist. Wie auch immer, ich wünsche jedem Leser das wunderbare Erlebnis, diese Gerichte nachzukochen und so eine Weile im Reich der eigenen Phantasie zu verharren, hingerissen und satt, im Banne eines meisterhaften Geschichtenerzählers.

Die frühen Jahre

Geschmack am Leben

»Scheue dich nicht, all die anderen Dinge im Leben zu probieren, die es hier in Oak Park nicht gibt. Das Leben hier ist in Ordnung, aber dort draußen gibt es eine ganze große Welt voller Leute, die wirklich Dinge fühlen. Sie leben und lieben und sterben mit all ihren Gefühlen. Probiere alles, Schwesterherz.«

– ERNEST AN SEINE SCHWESTER MARCELLINE, 1919 –

Ein Familienporträt der Hemingways 1909

Hintere Reihe, von links: Ernest, Ed, Grace. Vorne: Ursula, Sunny und Marcelline

Ernest Miller Hemingway wurde am 21. Juli 1899 geboren, und schon bald fütterte man das Baby mit Fleisch, Gemüse, Eiern und Fisch. Sein Vater, Dr. Clarence Edmonds Hemingway (auch bekannt als Ed), war der Ansicht, daß derlei Nahrung für Säuglinge unverzichtbar sei, wenn sie gesund und stark werden sollen. Seine Mutter Grace Hall Hemingway beklagte sich über diese Einstellung. Im Babybuch ihrer Tochter Marcelline hat sie den Unmut festgehalten, den sie empfand, als man ihr Babies zum Stillen übergab, deren Atem nach Zwiebeln roch. ¹

Die Hemingways wohnten in dem reichen und gepflegten Chicagoer Vorort Oak Park. Grace Hemingway, früher eine aufstrebende Opernsängerin, bewahrte sich ihren Ehrgeiz, indem sie sich als Gesangslehrerin, Frauenrechtlerin und Malerin betätigte. Daß sie sechs Kinder zur Welt gebracht hatte, änderte nichts an ihrer Abscheu vor der Hausfrauenarbeit, und sie betrieb weiterhin die Schönen Künste, auf Kosten ihrer Kochkunst. Tatsächlich war ihr das Kochen dermaßen fremd, daß sie, nachdem ihr endlich ein Rezept aus dem Kochbuch ihrer Mutter gelungen war, sich dazu entschloß, es bei diesem Erfolg bewenden zu lassen. Als Marcelline ihr vorschlug, sie solle lernen, wie man eine Torte zubereitet, gab Grace, vermutlich mit gerecktem Kinn und funkelnden Augen, zur Antwort: »Ich habe mit meinem Teekuchen bewiesen, daß ich backen kann, und ich habe nicht vor, meinen guten Ruf aufs Spiel zu setzen, indem ich was anderes ausprobiere.«²

Das besagte Rezept geht auf Großmutter Halls Rezept für Englischen Teekuchen zurück, das Grace für die 1921er Ausgabe des Oak Park Third Congregational Church Cookbook beisteuerte. Ich möchte an dieser Stelle meinen Dank an Jennifer Wheeler und die Ernest Hemingway Foundation in Oak Park für ihre großzügige Unterstützung beim Ermitteln dieses Rezepts aussprechen.

Ernest Hemingway und seine Schwester Marcelline, 1916

Grace Hall Hemingways Englischer Teekuchen

Das Originalrezept für diesen Teekuchen ist ziemlich vage in seinen Anweisungen. Grace verdankte das Rezept Liz Dilworth, der Mutter von Ernests bestem Freund in Upper Michigan, wo die Hemingways am Walloon Lake eine Sommerhütte hatten. Die Dilworths lebten in Horton Bay am Lake Charlevoix. Frau Dilworth, für die Hemingway-Kinder ›Tante Beth‹, führte ein kleines Restaurant namens Pinehurst Cottage, das für seine Brathähnchen berühmt war. Frau Dilworth hat die genauen Einzelheiten des Rezepts ausgearbeitet und Grace beigebracht, es nachzubacken. Nachdem Grace bei den Dilworths das Rezept in einem heimlichen Testlauf gelungen war, bereitete sie die warmen Kuchen in der Küche der Hemingways zu und servierte sie voller Stolz und Freude. Ed konnte gar nicht genug loben: »Köstlich, Grace! Köstlich!«³

12 PORTIONEN (4 bis 6 kleine Kuchen)

1 ½ Teelöffel trockene Backhefe

½ Teelöffel Salz

1 ½ Tassen warmes Wasser (43º Celsius)

4 Tassen Weizenmehl

2 Eßlöffel Schweinefett oder Backfett

2 große, geschlagene Eier

½ Tasse plus 2 Eßlöffel Zucker

¼ Tasse warme Milch

1 Tasse getrocknete Korinthen oder Rosinen

Extra viel geschmolzene Butter zum Einfetten der Form

Zur Zubereitung des Teiges Hefe, Salz und Wasser in einer Rührschüssel mehrere Minuten lang verarbeiten, bis sich die Hefe ganz aufgelöst hat. 1 ½ Tassen des Mehls dazugeben und unterrühren, bis die Masse weich ist. Mit einem Tuch zudecken und in einem warmen Raum ohne Zugluft 2 Stunden stehen lassen.

Wenn der Teig aufgegangen ist, Butter und Backfett dazugeben, außerdem das restliche Mehl, die geschlagenen Eier, Zucker, Milch und Korinthen oder Rosinen. Gründlich schlagen, bis man einen festen Teig erhält. Den Teig zugedeckt bis zu 1 Stunde gehen lassen.

Den Teig gleichmäßig in vier mit Butter eingefettete kleine Backformen aufteilen und mindestens 2 Stunden gehen lassen.

Den Ofen auf 175º Celsius vorheizen.

Im Ofen ungefähr 20 Minuten backen oder so lange, bis eine goldbraune Färbung entsteht. Die Kuchen zum Abkühlen auf ein Blech legen, mit viel zerlaufener Butter bestreichen, in Stücke schneiden und noch warm servieren.

* * *

Das Teekuchenrezept von Grace wurde auch in The Nineteenth Century Women’s Club Historical Centennial Cookbook veröffentlicht, zusammen mit einem Rezept für »Ernest Hemingways kalte Gurkensuppe«. Welche Verbindung genau zwischen Ernest und dieser süßen Gurken-Lauch-Suppe besteht, ist nicht klar, trotzdem hier das Rezept:

Ernest Hemingways Kalte Gurkensuppe

4 bis 6 PORTIONEN

3 Salatgurken 1 Eßlöffel Butter

1 Eßlöffel Dill oder Minze, frisch und gehackt

1 Stange Lauch (nur den weißen Teil), in Ringe geschnitten oder eine ¼ Tasse gehackte Zwiebeln

1 Lorbeerblatt

1 Eßlöffel Mehl

2 Tassen frische Hühnerbrühe oder Geflügelfond aus der Dose

1 Teelöffel Salz oder, je nach Geschmack,

weißer Pfeffer (wahlweise)

1 Tasse halb Milch, halb Sahne

Den Saft einer ½Zitrone

1 Eßlöffel Honig (wahlweise)

Zwei der Gurken schälen und in Scheiben schneiden. Die dritte Gurke schälen, entkernen und raspeln. Die Butter in einem großen, massiven Kochtopf erhitzen. Die Gurkenscheiben hineintun und bei geringer Hitze einige Minuten kochen. Den Dill oder die Minze dazugeben, außerdem den Lauch und das Lorbeerblatt. Bei geringer Hitze ungefähr 20 Minuten kochen lassen. Das Mehl hinzugeben und unter ständigem Umrühren noch einige Minuten weiterkochen lassen. Hühnerbrühe und Salz dazugeben und 30 Minuten lang köcheln lassen. Das Lorbeerblatt herausnehmen und das Ganze etwas abkühlen lassen. Die gekochte Gemüsemasse, jeweils nur eine Hälfte auf einmal, in einem Mixer pürieren. Danach in den Topf zurückgeben und nach Belieben mit dem weißen Pfeffer würzen. Zitronensaft, Milch, Sahne sowie den Honig dazugeben; danach abschmecken und eventuell nachwürzen. Die zerriebene Gurke hineingeben. Abkühlen lassen. In einer gekühlten Schüssel servieren.

* * *

Der gleiche moralische Sinn für Disziplin und Verantwortung, der alle Bereiche seines Lebens bestimmte, galt bei Ed Hemingway auch im Hinblick auf Lebensmittel und Mahlzeiten. Er war leidenschaftlich gern in der freien Natur und jagte eine stattliche Menge an Wild, das auf dem Tisch der Hemingways landete. Die Jagdleidenschaft des Vaters kam der Familie immer dann besonders gelegen, wenn sie sich, wie jeden Sommer, aus Oak Park in ihre Hütte am Walloon Lake in Upper Michigan zurückzog. Dr. Hemingway blieb zwar öfters zurück, um in seiner Praxis zu arbeiten, wenn er sich aber draußen auf dem Land aufhielt, war er wirklich in seinem Element. Schon bald begann er seine Leidenschaft mit seinem jungen Sohn zu teilen.

Ernest im Alter von fünf Jahren mit seinem ersten Gewehr

Ed Hemingway war überzeugt, daß es richtig sei, durch das Jagen für die Verpflegung zu sorgen und alles zu essen, was man erlegt hatte. So kam es beim vierzehnten Sommeraufenthalt mit Ernest zu folgendem Vorfall: Als Ernest und sein bester Ferienkumpel Harold Sampson voller Triumphgefühl von der Jagd zurückkamen, bei der sie ein Stachelschwein getötet hatten, das den Hund eines Nachbarn verletzt hatte, wurden sie von Dr. Hemingway nicht mit dem Lob überschüttet, das sie erwartet hatten. Statt dessen wies Dr. Hemingway die beiden in dem für ihn typischen strengen und unerbittlichen Ton an, das Tier zu essen, das sich dann »als ungefähr so zart und geschmackvoll wie eine Schuhsohle« erwies.

Ed Hemingway in den Great Smoky Mountains in North Carolina, 1891

Ernests ältere Schwester Marcelline erzählt in At the Hemingways, ihren Erinnerungen an jene frühen Jahre, eine der Anekdoten ihres Vaters, aus der dessen Geschick und Erfahrung als Koch wie auch als Jäger hervorgehen. Es ist eine Geschichte, die Ernest zweifellos wiederholt gehört und sehr gemocht hat, denn Details von Eds jugendlichem Abenteuer tauchen Jahre später wieder auf – in den frühen Schriften seines Sohnes. Es war nicht das erste Mal, daß Ernest Geschichten von anderen übernahm und sich zu eigen machte.

In dem Sommer zwischen seinem Abschluß am Oberlin College und der medizinischen Ausbildung am Rush Medical College in Chicago wurde Ed gebeten, an einer geologischen Expedition in die Smoky Mountains teilzunehmen. Das Vorhaben dauerte länger als erwartet, und die Vorräte begannen knapp zu werden. Ed war entschlossen, für gutes Essen zu sorgen (schließlich wollte man ihn bei der Expedition dabei haben, weil er kochen konnte), folglich schoß er ein paar Rebhühner und einige Eichhörnchen, stibitzte Honig aus einem Bienennest und zauberte daraus eine Mahlzeit: gebratenes Wild, Biskuits und Brombeerkuchen. Zum Erstaunen seiner Kameraden erklärte Ed, wie er den Kuchenteig ausgerollt hatte, nämlich unter Verwendung einer Bierflasche, die als Nudelholz diente.

Es war in diesen ersten Sommern am See, daß der Vater in Ernest die Liebe zur freien Natur, zum Jagen und zum Angeln weckte. Ernest sollte schließlich dieselbe, alles verschlingende Leidenschaft für den Sport und das Abenteuer entwickeln, die sich dann auf die Stierkämpfe, das Hochseeangeln, die Großwildjagd und buchstäblich alle Aktivitäten erstreckte, denen er sich widmete. Schon auf den kleinen Jungen schienen vor der Tür der Sommerhütte tiefe Wälder, Forellenflüsse, Lagerfeuer und endlose Abenteuer nur so zu warten. Er behielt das, was er damals sehen, hören und riechen konnte, sein ganzes Leben lang im Gedächtnis. Durch diese Tür der Erinnerung konnte er immer wieder zurückkehren. Zumindest in seiner Phantasie – wenn sein Schreibtalent ihn dort hinrief und er nicht widerstehen konnte.

Die Sommer in Michigan kamen Ernest sowohl für die literarischen Texte als auch für den Journalismus zugute. In einem frühen Artikel für den Toronto Star lieferte Ernest eine Anleitung zum Kochen in der Wildnis. Später dann, in einer seiner besten Kurzgeschichten, folgt er Nick Adams zum Angeln an den Großen doppelherzigen Strom. In beiden Fällen verwendet er besondere Mühe darauf, seine Begeisterung für das Essen zu vermitteln.

Beim Forellenfischen in Sun Valley, Idaho, 1939

Ernest Hemingway beim Forellenfischen am Horton Creek, Juli, 1904

Zelten in freier Natur

Im Januar 1920 reiste Ernest von Oak Park nach Toronto, um als Begleiter und Tutor eines Sohns reicher Eltern zu arbeiten, die er in Michigan kennengelernt hatte, als er von seinen Kriegsabenteuern erzählte. Während dieses Aufenthalts begann er, für den Toronto Star zu schreiben, dessen Herausgeber Ernests zupackende Prosa und seinen guten Humor als genau passend für die neue Ausrichtung der Zeitung fand. Der junge Hemingway hatte fortan seine eigene Verfasserzeile und bekam für seine Artikel einen Penny pro Wort. Hemingway sollte später, während seines Aufenthalts in Paris, als Europakorrespondent des Toronto Star arbeiten.

In seinem Artikel »Zelten in freier Natur« beweist Hemingway, daß er schon als sehr junger Mann den Dreh heraus hatte, wie man seinem Schreiben eine sanfte, humorvolle Autorität verleiht. Wenn er sich ausführlich darüber ausläßt, wie man in der Wildnis ein köstliches Mahl zubereitet, dann scheint es für den Leser angeraten zu sein, sehr aufmerksam zuzuhören.

Gebratene Forelle

Ernest gefiel das Forellenangeln sehr, und Forellen zu essen, war für ihn ein Hochgenuß. Voller Begeisterung teilte er sein Vergnügen mit seinen frühen Lesern, wie er es später auch tun sollte, nachdem er die spanischen Pyrenäen (vgl. Trucha à la Navarra, Seite →) und die Schweiz (siehe Forelle blau, Seite →) besucht hatte. Interessanterweise ähnelt Hemingways Forellenrezept sehr dessen spanischem Gegenstück. Nehmen wir also diese Lagerfeuervariante als eine Art Einführung in Sachen Forelle; ein Gericht, das im Laufe der Jahre hohe gastronomische Genüsse bieten wird.

Im Moment jedoch wollen wir dem jungen Ernest dabei folgen, wie er das Lager aufschlägt und den Fang des Tages zuzubereiten beginnt. Dabei werden wir erfahren, was wir tun und was wir nicht tun sollen.

4 PORTIONEN

1 Tasse Crisco-Fett oder Pflanzenfett

4 Forellen, ausgenommen und gesäubert

1 Tasse Maismehl

8 Scheiben Speck

Ernest Hemingway beim Angeln am Walloon Lake in Michigan, Sommer 1916

Hemingway gibt folgende Anleitung: »Am besten kocht man über einem Kohlenfeuer. Packen Sie mehrere Büchsen Crisco oder irgendwelche pflanzlichen Fette ein; die sind genauso gut wie Schweineschmalz und eignen sich ganz ausgezeichnet zum Garen aller möglichen Dinge. Zuerst kommt der Speck hinein, und wenn er etwa halb durch ist, legen Sie die Forellen, in Maismehl paniert, in das heiße Fett. Dann wird der Speck auf die Fische gelegt, damit sie beim Garen gut mit Fett versorgt sind …

Die Fische sind außen knusprig und innen fest und rosa, und der Speck ist gut durchgebraten – aber nicht zu sehr. Sollte es irgend etwas geben, das noch besser schmeckt als diese Zusammenstellung, so muß der Verfasser, der sein Leben größtenteils und mit Fleiß dem Essen widmet, es erst noch kennenlernen.«

Hier also nochmals kurz zusammengefaßt das Rezept: Das Crisco- oder das Pflanzenfett in einer Bratpfanne bei mittlerer Temperatur erhitzen (oder beim Kochen am Lagerfeuer über der Kohlenglut, jedoch nicht in den Flammen). Während das Fett heiß wird, jede Forelle in dem Maismehl wenden und beiseite stellen. Wenn das Fett heiß ist, den Speck zur Hälfte braten. Kurz bevor er braun wird, aus der Pfanne nehmen. Die Forellen in die Pfanne legen (dazu kann es zweier Durchgänge bedürfen, je nach Anglerglück). Nach 5 Minuten die Forellen wenden und zwei Scheiben Speck über jeden Fisch legen. 10 bis

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