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Zum (Über)Leben geboren: Eine Liebeserklärung an meine so unterschiedlichen Kinder

Zum (Über)Leben geboren: Eine Liebeserklärung an meine so unterschiedlichen Kinder

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Zum (Über)Leben geboren: Eine Liebeserklärung an meine so unterschiedlichen Kinder

Länge:
449 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
9. Dez. 2014
ISBN:
9783738686630
Format:
Buch

Beschreibung

Das Buch "Zum (Über)Leben geboren!" beschreibt die Entwicklung von zwei älteren, schwer vermittelbaren Adoptivkindern, die bereits einige Handikaps mit sich herumtragen müssen. Die Ereignisse sind in den siebziger und achtziger Jahren in den alten Bundesländern geschehen. Neben der positiven Entwicklung wurde versucht, die gesellschaftlichen Vorbehalte gegenüber den Kindern aufzuzeigen.
Ebenso werden die Hilflosigkeit und Grenzen der Adoptiveltern im Umgang mit den Schwierigkeiten einer sich anbahnenden schwerwiegenden psychischen Erkrankung eines der Kinder dem Laien nachvollziehbar dargestellt.
Ela Beater wendet sich in liebevoller Weise direkt an ihre Kinder, versucht ihnen anhand vieler Begebenheiten ihre Entwicklung aufzuzeigen und aus ihrer heutigen Sicht als Psychologin in einfacher Sprache hilfreiche Erklärungen für ihr Verhalten anzubieten.
Entspannend wirken auf den Leser die Einschübe aus dem Leben der Autorin in der Einsamkeit der Wälder Schwedens, während dessen das Buch im Winter 2010/2011 entstanden ist.
Herausgeber:
Freigegeben:
9. Dez. 2014
ISBN:
9783738686630
Format:
Buch

Über den Autor

Ela Beater, Jahrgang 1943, geb. in Allenstein/Ostpr., wurde nach der Schullaufbahn zunächst Kindergärtnerin, adoptierte gemeinsam mit ihrem Ehemann Dietmar 1974 und 1976 zwei ältere Kinder mit einigen Entwicklungsverzögerungen und Handikaps. Sie begleiteten sie neben zwei weiteren leiblichen Kindern, die später geboren wurden, bis zu ihrem Erwachsenwerden in die heutige Zeit. 1993 begann Ela Beater in Göttingen ihr Psychologiestudium, das sie im Jahre 2001 abschloss. Bis zu ihrem Ruhestand im Jahre 2010 arbeitete sie in der Heimerziehung als Kinderpsychologin. Danach fand sie Zeit, ihre Erinnerungen an diese herausfordernde Zeit der Entwciklung der Adoptivkinder niederzuschreiben.


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Buchvorschau

Zum (Über)Leben geboren - Ela Beater

1978.

1966–1975

Kinderwunsch und Bürokratie

Ein Kinderwunsch war bei uns, Euren Adoptiveltern Dietmar und Ela immer vorhanden. Aber es klappte nicht so, wie wir uns das vorstellten. Alles, was damals, Ende der 60iger Jahre medizinisch möglich war, unternahmen wir, um diesen Zustand zu ändern.

Ich litt unter dieser Ungerechtigkeit auf der Welt. Selbst arbeitete ich in einem Kindergarten in Berlin Schöneberg mit Kindern, die nicht erwünscht waren. Die „Pille" war noch nicht lange auf dem Markt. So konnten die Frauen noch nicht selbst bestimmen, wann sie ein Kind haben wollten und wann nicht. Häufig erfuhren diese unerwünschten Kinder - vermutlich aufgrund Überforderungen ihrer Eltern - viel Ablehnung im häuslichen Bereich. Das bewirkte aus meiner damaligen Sicht Entwicklungsrückstände, Verschlossenheit und Misstrauen gegenüber anderen Menschen. Häufig schien es mir, dass anlagemäßig alle Voraussetzungen für eine gute Entwicklung bei den Kindern vorhanden waren. Vor allen Dingen ein Aufnahmevermögen für das, was wir Kindergärtnerinnen diesen Kindern bieten konnten.

Ich dachte damals an Harald, Marina, Gerd, Simone, Martina und viele andere aus meiner damaligen Gruppe. Diesen Kindern – oft zurückhaltend und ängstlich – galt schon immer mein besonderes Interesse. Ich glaubte, durch viel Lob und Liebe, Anerkennung und Akzeptanz ihres Andersseins könne man ihre verschütteten Anlagen wecken. Manchmal dachte ich, sie in ihrer Entwicklung ein Stück vorwärts gebracht zu haben, durch Zuwendung und Anerkennung ihrer Leistung. Ich war der Meinung, ich kriege es raus, was in ihnen steckt, jedes Kind hat eine gute Veranlagung!

Dann erschien abends deren eigene Mutter, um sie abzuholen, und wie aus heiterem Himmel bekamen die Kinder wegen Belanglosigkeiten Schimpfe oder Ohrfeigen, spürten erneut die Ablehnung, hatten vielleicht vorher gehofft, sie seien nun endlich etwas wert, auch in den Augen ihrer Mutter, wollten ihr nun imponieren, doch die Mutter ließ es nicht zu. Ich hatte damals das Gefühl, diese Mütter würden ihre Kinder hassen, sie seien ihnen eine Last und mit dieser Einstellung würden sie die Seele ihrer Kinder zerstören.

So etwas passierte am laufenden Band. Es gab viel mehr ungewünschte Kinder auf der Welt, als heute. Diese Kinder mussten leben, überleben!

Wie glücklich war ich einmal, als ich ein Mädchen über ein Wochenende mit nach Hause nehmen durfte, weil die Mutter eine wichtige Angelegenheit weit außerhalb Berlins erledigen musste und das Kind nicht mitnehmen konnte. Am liebsten hätte ich dieses Mädchen behalten.

Wir wollten Kinder und bekamen keine. Jeden Monat war ich voller Hoffnung, dann aber wieder enttäuscht. Dieser Zwiespalt war zeitweise nicht auszuhalten. Außerdem trug ich die Sorgen der von mir betreuten Kinder mit nach Hause und konnte dort nicht abschalten, um mich für den nächsten Tag zu erholen.

Um mit meinem eigenen Problem fertig zu werden, versuchte ich etwas anderes zu machen. Mein sehnlichster Wunsch war es schon lange, Psychologie zu studieren, aber ich hatte kein Abitur. An der FU Berlin gab es die Möglichkeit, mit „kleiner Matrikel" anzufangen und das Abitur im Abendstudium - so ganz nebenbei? - nachzuholen. Ich schrieb mich also für Pädagogik und Psychologie ein und besuchte einige Veranstaltungen, sah aber nach kurzer Zeit ein, dass es so keinen Sinn für mich machte. Erstens hatten wir das Jahr 1968 mit all seinen studentischen Unruhen. Das hieß, dass auch im Bereich Psychologie einiges ausfiel und ich keine Orientierung fand, wie ich mein Studium gestalten sollte.

Bald merkte ich auch, dass mir eine erhebliche Allgemeinbildung fehlte, um dem dargebotenen Lehrstoff einigermaßen folgen zu können. Außerdem hatte ich keine Lust, abends noch für die Schule zu büffeln, gerade die Fächer, die mir in der Schule schon keinen Spaß gemacht hatten, z. B. Französisch.

Meine eigenen Minderwertigkeitsgefühle gaben mir Anlass zu der Befürchtung, dass es den anderen auffallen könnte, dass mir doch so Einiges an Vorbildung fehlte. Und Geld hatten wir eigentlich auch keins für ein Studium. Innerlich suchte ich deshalb schon nach etwas anderem.

In dieser Zeit warb das Arbeitsamt Berlin im Radio um Hausfrauen, die wieder beruflich tätig werden wollten, aber nicht mehr in ihrem alten Beruf arbeiten konnten. Das Arbeitsamt bot an, diese Frauen umzuschulen zu Stenokontoristinnen, und diese Umschulung auch noch zu bezahlen! Da habe ich mich beworben und wurde zum 1. 10. 1969 in einen Lehrgang aufgenommen. Der Kursus lief bis Ende Mai 1970. In den neun Monaten beobachtete ich an mir, dass neues Lernen Spaß machte, ich brachte gute Zensuren und bekam außerdem für die Umschulung Geld, mit dem unser gemeinsamer Lebensunterhalt wieder für einige Monate gesichert war.

Danach suchte ich mir eine Tätigkeit und fand diese in der Verwaltung des Ev. Jugend- und Fürsorgewerkes e. V., einem Trägerverein von Kinderheimen in Berlin und außerhalb. Die Arbeit machte mir sehr viel Freude, und ich bekam gute Kontakte zu den übrigen Mitarbeitern, deren Mitarbeitervertreter (Betriebsrat) ich später wurde. Nach einem Jahr, in dem ich büroübliche Zuarbeit für unseren Architekten und unseren Einkäufer ausführte, bekam ich die Stelle des Einkäufers und Hausverwalters unserer Heime (7 große Kinderheime in Berlin). Es war eine verantwortungsvolle, innerlich befriedigende Aufgabe. Tagsüber hatte ich Kontakte mit Menschen und meine kleinen Erfolgserlebnisse, und abends konnte ich abschalten, da es keine Probleme gab, die es wert waren, mit nach Hause genommen zu werden. Das genossen wir beide, Dietmar und ich.

Nun näherte ich mich so langsam den Dreißigern, und wir überlegten erneut, ob wir noch etwas unternehmen sollten, um eigene Kinder zu bekommen. Adoptionen waren schon in unsere Gedanken eingeschlossen, aber ehe wir uns ganz dazu entschließen konnten, wollten wir sicher gehen, dass wir wirklich keine eigenen Kinder bekommen konnten und besuchten die Sterilitätssprechstunde des Klinikums der FU Berlin in Steglitz. Die Leute dort machten nun wieder einige Untersuchungen und wegen einiger Unterbrechungen unsererseits (Kur von mir und Hausbau in Husthausen) wurden diese Untersuchungen erst Ende 1974 abgeschlossen. Ergebnis: „Sie gehören zu den 10 % der Paare, bei denen wir den Grund für die nicht eintretende Schwangerschaft nicht aufklären können." Das war in dem Moment eine große Enttäuschung für uns. Wieder keine klare Antwort.

Wir baten trotzdem um eine Bescheinigung, darüber, dass vermutlich kein eigenes Kind mehr zu erwarten sei, um sie einer Adoptionsvermittlungsstelle einreichen zu können. Wir bekamen sie.

Mit einem Jahr Wartezeit auf ein Adoptivkind musste man rechnen. Wir bewarben uns zunächst telefonisch beim Diakonischen Werk, dort bei Frau Heider. Sie schickte uns einige Fragebögen zu unseren Wünschen und Zielen und zu unserem eigenen Werdegang und bat uns, uns um eine vorläufige Pflegehalteerlaubnis zu kümmern. Weiterhin benötigten wir Passbilder, Lebenslauf, Referenzen und ein Gesundheitszeugnis.

Was waren unsere Ziele? Kinder zu begleiten auf dem Weg in ein selbständiges Leben, ihnen Hilfestellungen zu geben, da, wo sie diese brauchten, um irgendwo ein eigenes Plätzchen in der Welt zu finden, wo sie sich wohl fühlten und ihr Leben selbst gestalten konnten.

Und natürlich stellten wir uns als eine fröhliche Familie vor, mit Spaß und vielen Unternehmungen, die wir tätigen würden.

Wegen der vorläufigen Pflegehalteerlaubnis rief ich bei unserem zuständigen Bezirksamt an. Dort verwies man uns an den Senator für Jugend und Sport. Zwei Monate später bekamen wir einen Termin.

Nach einer Stunde Wartezeit nahm sich die zuständige Dame Zeit für ein Gespräch mit uns. Wir bekamen einen Merkzettel, auf dem Adoptionsmotive aufgeführt waren, die nicht zu einer „Annahme an Kindes statt führen sollten, also eine Negativliste für adoptionswillige Eltern mit Gründen, die nicht zu einer Adoption führen sollten. Diesen Zettel sollten wir uns durchlesen, ein Gespräch über die einzelnen aufgeführten Punkte gab es nicht. Weiterhin wurden Formalitäten besprochen. Die Sozialarbeiterin ging damals von einer Wartezeit von neun Monaten aus, ganz wie bei einem eigenen Kind, wie sie bemerkte. Sie fragte ferner nach unseren jeweiligen Lebensläufen und wollte unsere Vorstellungen wissen über das zukünftige Kind, Geschlecht und Alter. Um den Rahmen so weit wie möglich zu spannen, sagte ich: „Zur Schule sollte es noch nicht gehen, damit das Kind vorher noch eine Bindung zu uns aufbauen könne. Die Dame sah uns, aber besonders mich groß an: „Nun, wenn ich Sie so ansehe, Sie brauchen doch unbedingt noch das Pflegerische, ich würde also sagen, bis höchstens zwei Jahre!"

Sie schien mir eine „ungeheure Menschenkenntnis zu haben, wenn sie das nach 10 Minuten Unterhaltung von einem Menschen aussagen konnte. Ich dachte aber: „Nun gut, wenn sie mir ein kleineres Kind vermitteln kann, so soll es auch gut sein. Wir glaubten, es gäbe so wenig Kinder, so dass auf die Kleineren so lange Wartezeit sei. Und wir trauten uns ein älteres Kind zu!

Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfuhr sie, wo ich arbeite, nämlich beim Ev. Jugend- und Fürsorgewerk, das dem Diakonischen Werk angehörte. Da kam prompt von ihr der Satz: „Wenn das Diakonische Werk Ihr Arbeitgeber ist, dann holen Sie sich doch von dort ein Kind." Offenbar stimmte die Chemie zwischen uns nicht, denn schon waren wir draußen vor der Tür.

Wir wollten doch aber nur eine vorläufige Pflegehalteerlaubnis! War sie dafür nicht zuständig? Die sollten wir von unserem zuständigen Bezirksamt bekommen.

Folglich wurde ich dort wieder vorstellig.

Nach Überprüfung der Wohnverhältnisse, der Einkommensverhältnisse und nach Überprüfung der Eignung durch Gespräche und einer gründlichen Untersuchung durch das Gesundheitsamt, einschließlich von Negativbescheinigungen, jemals psychische Erkrankungen noch jemals Geschlechtskrankheiten gehabt zu haben, bekamen wir endlich die vorläufige Pflegehalteerlaubnis.

Das alles reichten wir bei Frau Heider, Diakonisches Werk, ein. Es waren einige Monate vergangen.

1975

Erika Sabine, wo bist Du gelandet?

Erste Eingewöhnungszeit und frühe Kindheit als Puzzlespiel

Nun sollte es tatsächlich los gehen!

Es begann eine der aufregendsten Zeiten meines Lebens!

Frau Heider lud uns zum 4. 6. 1975 zu einem Gespräch ein. Es war ein Donnerstag. Ich war so angespannt, dass ich nichts essen konnte. Das war damals bei mir so.

Heute esse ich gerade viel und habe immer Hunger, wenn ich Stress habe. Aber damals ernährte ich mich einige Tage nur von Getränken und Traubenzucker!

Frau Heider war eine freundliche, entgegenkommende Frau, die sich lange mit uns über unsere Vorstellungen und Ziele unterhielt. Die Unterhaltung war angenehm und ausgesprochen offen, und ich merkte gar nicht, wie schnell die Zeit verging. Wir beide, Dietmar und ich, fühlten uns angenommen.

Zum Schluss sagte sie dann: „Wenn Sie ein kleineres Kind annehmen möchten, dann setze ich Sie auf die Warteliste, wenn Sie aber bereit sind, ein etwas größeres Kind zu nehmen, dann hätte ich da eventuell ein Mädchen für Sie." Sie zeigte uns ein Foto und sagte uns gleich, dass dieses Kind aber ein Handikap habe, es sei schon viereinhalb Jahre alt und spreche nicht. Über ihre Vorgeschichte sei wenig bekannt, die Mutter sei nur schwer erreichbar und habe sich seit einem halben Jahr nicht bei dem Kind gemeldet.

Zuletzt habe das Kind bei der Urgroßmutter gelebt, unter unhaltbaren Zuständen, und ein Onkel habe da auch noch eine nicht ganz durchsichtige Rolle gespielt.

Das Foto berührte mich. Ein Mädchen, das ängstlich in den Fotoautomaten blickte, das Foto so schlecht, dass man denken könnte, das Kind bestehe nur aus „Angst und Spucke".

Frau Heider riet uns, Bedenkzeit zu nehmen. Wir fanden das eine gute Lösung, denn wir hatten vor, am darauffolgenden Wochenende nach Husthausen zu fahren, unserem künftigen Wohnhaus, das neben dem meiner Eltern lag. Uns war es wichtig, von Anfang an, die Großeltern mit einzubeziehen. Sie hatten uns früher schon dazu geraten, ein Kind zu adoptieren, waren also schon vorgewarnt; und wir wollten, dass unser Kind auch gleich zu den Großeltern eine gute Beziehung aufbauen können sollte, zumal diese gleich im Nebenhaus wohnten und uns noch so manches mal hilfreich zur Seite stehen sollten.

So waren wir sehr schnell entschlossen, dieses Kind kennen zu lernen. Und was konnten die künftigen Großeltern anderes tun, als uns zuzuraten!

Sonntag fuhren wir zurück, Montag riefen wir bei Frau Heider an: „Ja, wir wollen!. Dienstag durften wir Dich, liebe Erika, zum ersten Mal im Kinderheim „Hasenhöhle in Berlin besuchen.

Als wir kamen, saßt Du gerade auf der Schaukel im Garten und lächeltest uns an. Der erste Bann war gebrochen. Du wusstest zwar nichts von der Bedeutung dieses Tages, aber Du legtest mit diesem wunderbaren Lächeln den Grundstein für ein neues Leben und eine wunderschöne Beziehung zwischen uns.

Wir blieben eine kleine Weile bei Dir, schenkten Dir einen kleinen Teddy und fragten, ob wir wieder kommen dürften. Du lächeltest.

Einen Tag später war ich wieder da. Dietmar musste arbeiten, also besuchte ich Dich alleine. Es war gerade Mittagsruhe vorbei. Ich kam in den Gemeinschaftsraum, in dem gegessen und gespielt wurde, und in dem es noch nach Essen roch. Von diesem Raum gingen in mehrere Richtungen die Schlafzimmer der Kinder ab. Ich sah in den Raum, in dem mir gestern Dein Bett gezeigt worden war. Die Wände waren kahl und ich glaube mich zu erinnern, dass noch nicht einmal ein Nachtschränkchen Dein eigen war. – Kuschelecken kamen wohl erst viel später in die Heime. - Den kleinen Teddy hattest Du, als wir uns am Tag vorher verabschiedeten, in Deinem Bett versteckt. Heute lag ein anderes Kind in Deinem Bett. Dein Teddy war weg. Das war nicht zu ändern, aber dass ein anderes Kind in Deinem Bett lag, sprach nicht unbedingt für eine gute Führung dieses Hauses.

Wichtig war an diesem Tag viel mehr, dass ich Dich aus dem Heim nehmen durfte, mit Dir spazieren gehen durfte, sogar für kurze Zeit mit nach Hause nehmen konnte.

Kaum waren wir außerhalb des Hauses und des Gartens und hatten das hölzerne Gartentor hinter uns geschlossen, sagtest Du: „Ich auch Onkel Konrad. Und ein paar Schritte weiter: „Eine Mama hab ich auch.

Aha, Du konntest also doch sprechen! Wie schön! Nur dort im Heim tatest Du es nicht.

Fröhlich gingst Du mit mir mit. Fröhlich konnten wir beide unsere Wohnung und unseren Garten besichtigen. Viel mehr hast Du noch nicht geredet, aber Du hattest Dich mir mit Deinem wichtigsten Anliegen mitgeteilt, nämlich, dass Du eine Familie hattest! Später hast Du nie wieder davon gesprochen.

Am Donnerstag, den 11. 6. durfte ich Dich wieder besuchen und abholen. Wir fuhren in die Straße, in der wir wohnten. Dietmar war bereits dort. Wir räumten gemeinsam ein Zimmer um. Du wolltest schon bei uns bleiben, wir mussten Dich aber wieder zurückbringen.

Am Freitag, den 12. 6. hatten wir bereits einige Möbel für Dein Zimmer, die wir gemeinsam hineinstellten. Das Zimmer wurde eingerichtet. Du halfst mit!

Diesmal hatten wir Dich vor dem Eintreffen bei uns darauf vorbereitet, dass wir Dich wieder zurückbringen müssen, damit der Abschied Dir nicht so schwer werden sollte.

Wir wollten die Übernahme so schnell wie möglich, denn jegliches Hinauszögern schien uns für Dich und auch für uns eine Qual zu werden.

Das Wochenende stand bevor.

Die Heimleitung machte Schwierigkeiten. Sie wollte die Übernahme davon abhängig machen, ob Du am Sonntagabend, wenn wir Dich zurückbringen würden, schreien solltest. Wenn dieses der Fall sei, dann könne sie der Übergabe nicht zustimmen, denn Erika sei zu Weihnachten von ihrem Onkel abgeholt worden und habe danach ganz fürchterlich in der Nacht geschrien. Das wollten sie nicht wieder durchmachen. (Warum das Kind geschrien hatte und was es selbst durchgemacht hatte, danach fragte wohl keiner.)

Am Sonnabend holten wir Dich morgens mit eingepacktem Schlafanzug ab. Du durftest also bei uns schlafen. Wir waren glücklich und merkten durch Dein Strahlen in Deinen Augen, dass auch Du das wolltest. Es wurde ein wunderschönes Wochenende mit Dir und Du sagtest uns mit Blicken, aber auch mit wenigen Worten, dass Du bei uns bleiben möchtest.

Es ging aber noch nicht, und wir hatten Befürchtungen, dass Du vielleicht im Heim weinen könntest, weil wir Dich wieder abgeben mussten. Du weintest aber nicht, Du hülltest Dich nur wieder in Dein geübtes Schweigen.

Aber etwas anderes erwartete uns.

Es sollte jetzt ein psychologisches Gutachten erstellt werden, ob wir denn überhaupt als Familie für Dich geeignet seien und miteinander auskommen könnten….

Zum Glück hatte eine Psychologin des Bezirksamtes am Montag Zeit und offenbar auch die Dringlichkeit der Sache für Dich erkannt. Wir durften kommen. Dietmar hatte sich inzwischen frei genommen. Eine nette junge Frau erwartete uns, die sich mit uns befasste, unser Anliegen, das Kind so schnell wie möglich zu übernehmen, verstand und sich anschließend noch einige Zeit mit Dir, Erika, alleine beschäftigte.

Zum Schluss machte sie den Vorschlag, sich doch mit dem Kinderheim das Pflegegeld zu teilen.

Wir waren überrascht. Bei Adoptionspflege stand uns doch gar kein Pflegegeld zu!

Das war es also, das Heim hatte mit dem Pflegesatz für das Mädchen gerechnet, vielleicht das Geld schon für den Monat bekommen, und wollte deshalb das Kind nicht so schnell wieder herausgeben. Jeder Tag brachte also Geld für die „Hasenhöhle".

Die Psychologin schrieb noch am gleichen Tag das Gutachten (das wir später über Frau Heider auch erhielten) und telefonierte mit allen zuständigen Stellen, so dass wir Dich, liebe Erika, bereits am Dienstag, den 16. 6. 1975 zu uns nehmen durften!

Du bekamst ein paar Kleidungsstücke mit, unter anderem ein niedliches rotes Mäntelchen. Aber von allen Sachen wurde gesagt, dass sie vom Heim seien. Als wenn Dir in den sechs Monaten von Amts wegen kein Kleidergeld zugestanden hätte! Du selbst seist ohne ausreichende Bekleidung von Deiner Urgroßmutter gekommen und von einer Dame des Jugendamtes eingeliefert worden.

Es bleibt die Frage offen, ob Du bei Deiner Urgroßmutter nichts anzuziehen hattest, oder ob Dich „das Jugendamt" so schnell dort herausgeholt hatte, dass sie vergessen hatten, Deine Sachen mitzunehmen. Außerdem wäre die Kleidung nach einem halben Jahr doch sicher ausgewachsen gewesen, was sollte also das Theater?

Jedenfalls haben wir beide später erfahren, dass Deine Urgroßmutter im Obergeschoss eines kleinen bürgerlichen Siedlungshäuschens bei Tante Waltraud wohnte. Und Deine Tante Waltraud damals dem Jugendamt gemeldet hatte, dass es der Urgroßmutter nicht mehr möglich sei, sich um Dich zu kümmern und die Zustände unerträglich würden. Solltest Du dort nackt herum gelaufen sein?

Und nun warst Du also unser Kind! Wie schnell das alles ging! Die Freude war groß und die Anspannung wich.

Langsam konnte ich auch wieder essen.

Es war für uns zunächst selbstverständlich – da Adoptivkinder alle Rechte und Pflichten leiblicher Kinder erhalten sollten – dass wir Dir auch einen Vornamen geben durften.

Du hießt zwar schon Erika, aber dieser Name war mir für ein Kind so ungeläufig, dass es mir schwer fiel, Dich so zu rufen. Wir dachten, „Sabine" könnte zu Dir passen und wollten Dir diesen Namen zusätzlich anbieten, um Dich dann so rufen zu können. Also fragten wir Dich, ob Du unsere Sabine sein möchtest. Du bejahtest dieses.

Erst viel später kam eine öffentliche Diskussion über die Erschwerung der Vornamensänderung auf. Es wurde von Ichfindung und Identität gesprochen. Ich konnte die angeführten Gründe noch nicht nachvollziehen, viel mehr war ich der Meinung, dass zu Beginn eines neuen Lebens – und das war eine Übernahme in eine Familie zur Adoption – auch ein neuer Name stehen durfte, der den Neuanfang erleichtern sollte und einen Bezug zur Adoptivfamilie aufzeigen konnte.

Ich war auch damals noch davon überzeugt, dass es wichtig für Dich war, das Vergangene erst einmal wegzuschieben. Alle schrecklichen Erfahrungen, die Du bis dahin hattest machen müssen, sollten vergessen werden. Dein Neuanfang sollte ein Leben in Annahme, Liebe und Zuverlässigkeit sein. Das wollten wir Dir geben.

Von Deinem früheren Leben wussten wir außerdem kaum etwas.

Du selbst hattest den Namen „Erika nie erwähnt, aber vielleicht nicht aus einer möglichen früheren Belastung heraus, die mit dem Namen verbunden sein konnte, sondern weil Du Angst hattest, uns zu verlieren? Vielleicht war es auch einfach nur schön für Dich, „Sabine gerufen zu werden?

Dass das Wegschieben nicht so einfach ging, sondern Deine Vergangenheit – auch ohne Erinnerungsvermögen vor dem 4. Lebensjahr - ein unverzichtbarer Teil von Dir war, sollte ich erst viel später erkennen. Hatte ich doch meine eigene Vergangenheit (Krieg, Flucht und Nachkriegszeit) noch längst nicht verarbeitet, noch eine etwaige Aufarbeitung bis dahin zulassen können. Das waren erst viel spätere Erfahrungen und Einsichten in meinem Leben.

Außerdem fragten wir Dich, wie Du uns nennen wolltest. Du wusstest bereits, dass wir Ela und Dietmar hießen, wir boten Dir zu diesem Zeitpunkt aber auch an, dass Du Mama und Papa sagen dürftest. Du entschiedst Dich spontan für Mama und Papa.

Nun gehörtest Du also zu uns und wir zu Dir. Wir stellten Dich mit einer kleinen Anzeige allen unseren Verwandten, Freunden und Bekannten vor. Eine Fülle von liebevollen Gratulationen, Briefen und Geschenken kamen auf uns als junge Familie zu.

Natürlich wollten Dich die Großeltern auch recht bald kennen lernen. Wir planten also unsere nächste Reise nach Husthausen, die immer mit Spannung verbunden war, da wir von Berlin aus durch die damalige DDR reisen mussten und uns kontrollieren lassen mussten. Aber die Kontrollen waren es diesmal nicht, die uns beschäftigen sollten.

Du musstest offenbar die Spannung gemerkt haben, die immer mit solch einer Transitreise verbunden war und das Einpacken – auch von Deinen Sachen – sprach offenbar für sich….

Kaum waren wir im Auto, fingst Du fürchterlich an zu schreien! Was war los? „Ich will nicht zu den Kindern! Ich will nicht zu den Kindern!" kam es aus Deinem Mund. Oh, je! Wir hatten Dir also ein bedrohendes Gefühl vermittelt, so dass Du denken musstest, wir brächten Dich wieder zurück ins Heim. Es war schwer, Dich zu beruhigen und es brauchte eine ganze Weile, bis Du ganz zögerlich Deine Befürchtungen zurücknehmen konntest. So ganz trauen wolltest Du uns aber noch nicht.

In Husthausen wurdest Du auf das herzlichste Willkommen geheißen von Deinen neuen Großeltern und der Großmutti aus Hannover, die extra für Dich nach Husthausen gekommen war, um Dich zu begrüßen. Da waren alle „ZurückinsHeimbringsorgen" vergessen und du warst wieder so fröhlich wie bisher.

Wir hatten in Husthausen schon gebaut, ehe wir ganz dorthin ziehen konnten. Der endgültige Umzug war für 1976 geplant, mit Ablauf des Arbeitsvertrages von Dietmar an der TU Berlin. So nutzten wir das Haus bis dahin noch als Wochenendhaus mit Ruhe und herrlicher Umgebung und zum Spielen und Toben für Dich.

Und beide Großeltern nahmen Dich in Beschlag, wenn wir da waren, so dass Du dort genug Abwechslung hattest. In der Nachbarschaft gab es viele gleichaltrige Kinder, die neugierig auf Dich waren und zum Spielen zu uns kamen.

Etwa alle vier Wochen fuhren wir damals „nach drüben" und meinten in die Bundesrepublik.

Dein Leben spielte sich im ersten Jahr aber noch in Berlin ab.

Auch für mich war es eine große Umstellung, zu Hause zu sein und ein Kind zu versorgen. Hatte ich doch bis Mai 1975 beim EJF gearbeitet und erfüllte Tage gehabt, wurde diese Umstellung erst einmal anstrengend, denn wir mussten uns beide aneinander gewöhnen und unsere Grenzen erfahren.

Du warst ein sehr fröhliches und lustiges Kind. Jeden Tag dachtest Du Dir etwas Neues aus, worüber Du lachen konntest. So schlepptest Du mir den Wäschekorb weg, wenn ich draußen die Wäsche auf die Leine hängen wollte. Du verstecktest gerne Sachen und kichertest vor Freude, wenn ich sie suchte, Du versuchtest mit allen Mitteln, mich am Kochen zu hindern, denn Du wusstest nicht, was das sollte, wenn ich da am Herd hantierte. So etwas kanntest Du offenbar nicht.

Allein der Kühlschrank hatte für Dich eine besondere Bedeutung, da konnte man nämlich Joghurts rausholen, die kanntest Du schon. Und so hatte ich mir meine Hausarbeit zu erkämpfen, manches sogar zweimal zu machen. Alles nahm ich mit Lachen oder Gelassenheit hin, was sollte ich deshalb schimpfen?

Du triebst es aber immer weiter!

Wir wohnten in einem Hinterhaus, dass heißt, bis zu unserem Haus führte von der Straße abgehend mit eigenem Tor ein ca. 30m langer Plattenweg, der dann an unserem Garteneingang endete. Es war ja Sommer, und ich konnte Dich aufgrund der günstigen Lage des Hauses in Ruhe ums Haus herum spielen lassen.

Wie so häufig in den ersten Wochen bei uns, hattest Du offenbar Lust, wieder etwas Neues auszuprobieren. So hattest Du Dir überlegt, diesmal nicht im Haus die Toilette zu benutzen, sondern Dein Geschäft auf andere Art und Weise zu erledigen. Als ich raus ging, fand ich Dich mit abgestreifter Hose vor, Du lachtest und kichertest wie immer, wenn Du eine Deiner Überraschungen für mich vorbereitet hattest und zeigtest auf den Weg. Die letzten fünf Meter dieses Weges waren mit lauter kleinen Häufchen von Dir verziert. Eine großartige Leistung, es muss Dir wirklich Mühe gemacht haben, Dein Geschäft so gleichmäßig zu verteilen!

Aber nun dachte ich: Es muss endlich Schluss sein mit Deinen Überraschungen. Und ich schimpfte mit Dir: So etwas ginge nicht. Du reagiertest nur mit Kichern und sahst mich dabei an, als wolltest Du es gleich noch einmal machen, das Schimpfen berührte Dich nicht.

Dann kam mir in den Sinn, dass Du vielleicht einen Klaps auf den Po haben wolltest, damit Du endlich wissen solltest, dass auch bei mir einmal Schluss sein musste mit Deinem Schabernack, über den man sich nicht immer freuen konnte. Ich kündigte Dir also diesen Klaps auf den Po an. Du strecktest mir brav den Po hin und bekamst von mir einen Klaps auf dieses Körperteil.

Das schlechte Gewissen bei mir und die Sorge, Dir weh getan zu haben, versuchte ich zu verbergen. Du aber schienst zufrieden zu sein, hörtest mit dem Kichern auf und ließest fortan an auch die nervigen Neckspielchen, als wenn Du auf solch eine Grenzsetzung gewartet hättest.

Ich durfte nun wieder Wäsche aufhängen, ohne dass der Korb im ganzen Garten herumgezogen wurde, die einzelnen Wäschestücke versteckt wurden, und ich durfte kochen und backen, und Du halfst mir mit viel Mühe dabei, ohne meine Arbeit bewusst zu behindern.

Deine Sprachfähigkeit entwickelte sich zusehends. Deine Sprache kam, als wenn sie nur verschüttet gewesen wäre und sich jetzt durch einen Berg Unrat hindurch gearbeitet hatte. „Hier bin ich und will Euch was mitteilen". Innerhalb eines halben Jahres war der Rückstand Deines Wortschatzes aufgeholt. Du redetest zwar undeutlich und einige Konsonanten kamen nicht durch, das wurde jedoch später von Husthausen aus mit Sprachheilunterricht ausgeglichen.

Deine Fröhlichkeit erhielt sich, Du strahltest von innen heraus, trautest Dir immer mehr zu und Deine Entwicklungsschritte waren mit Siebenmeilenstiefeln zu messen.

Etwas schwierig war es mit Deinen langen Haaren. Das Waschen machte Dir Spaß, Du konntest nicht genug im und mit Wasser spielen, aber das Trocknen war immer schwierig. Und Haare waschen musste regelmäßig sein, denn Deine Haare nahmen schnell unangenehme Küchengerüche an. Damit das lästige Föhnen nicht so lange dauern musste, ließen wir sie abschneiden. Etwas mit schlechtem Gewissen, denn ich dachte, Du hättest sie schon immer lang getragen, und das sei ein Eingriff in Deine Persönlichkeit. Ich befürchtete, ich nähme Dir etwas, was Dir gehörte.

Selbst fandest Du das Abschneiden interessant und hattest noch keine große Meinung zu einer eigenen Frisur.

Erst viel später, als mir Dein Onkel Konrad sagte, Deine Haare seien früher immer kurz gewesen, hatte ich diese Bedenken nicht mehr.

23. Oktober 2010

Nun bin ich drei Tage hier in Barydet allein.

„Hast Du keine Angst? fragte eine Freundin, „So alleine im Wald?

„Wovor? „Na, vor… Sie wusste auf Anhieb nicht, wovor ich Angst haben sollte, sicher meinte sie, vor allem Unbekanntem oder vor der Einsamkeit.

Vor der Einsamkeit habe ich keine Angst. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich sie genießen kann, so lange ich ein volles Programm habe, gefüllt mit Dingen, die ich erledigen kann. Außerdem habe ich so viele Erinnerungen und Gedanken in mir, die zu Papier gebracht werden wollen.

Wie lange ich es genieße, weiß ich allerdings noch nicht.

Vor allem Unbekannten? Das kann ich nicht beantworten. Keiner weiß vorher, was auf einen zukommt. Und es ist gut so, dass wir es nicht wissen.

Nun, Angst ist auch eine notwendige Eigenschaft, sonst würden wir uns vor Gefahren nicht schützen. Auf vieles bin ich vorbereitet, z. B. auf einen etwas längeren Stromausfall.

Einbrecher sind bisher am Tage gekommen und gehen in unbewohnte Häuser. Hier steht ein Auto auf dem Gelände und Rauch kommt aus dem Schornstein! Das Haus ist bewohnt.

Angst davor, als Frau hilflos alleine zu sein? Wer soll wissen, dass ich hier alleine bin? Die Nachbarn wissen es, die 700m entfernt hinter einem Wald wohnen und mir sehr herzlich jegliche Unterstützung angeboten haben.

Außerdem glaube ich immer noch, „manns genug zu sein, um Menschen mit eventuellen „schrägen Absichten, gegenübertreten zu können. Früher habe ich es vor mir selber beweisen können, darauf vertraue ich. Es ist nur ein wenig Bargeld zu holen, die Einrichtung ist von „Erikshjälpen & Co", einem secondhand-Laden.

Angst vor Krankheit oder Unfall? Ja, dagegen muss man sich selber schützen und aufpassen. Mein Rheuma macht mir durchaus schon zu schaffen. Wie gut, dass es gerade hier in Värnamo bei Lidl Angoraunterwäsche gab, die hatte ich zu Hause vergessen. Jetzt leistet sie mir gute Dienste, gerade das Schmuddelwetter heute ist nicht so gut.

Sicherlich ist es für mich in den letzten Jahren beschwerlicher geworden, das Holz zum Heizen aus dem 60m entfernten Schuppen zu holen, aber noch kann ich es. Meine Hände sind zwar schon etwas ungeschickt durch die leichten Verformungen, aber das wirkt sich erst bei Feinarbeiten aus.

Für Medikamente habe ich vorgesorgt, so gut man es kann.

Vorräte sind genug im Haus. Auch wenn ich aus unvorhersehbaren Gründen nicht zum Einkaufen kommen sollte, werde ich nicht verhungern.

Das Haus mit seinen eigenen Geräuschen kenne ich. Es gehört Dietmar und mir seit 15 Jahren. Wir haben nicht nur im Sommer, sondern zu allen Jahreszeiten hier einige Zeit verbracht. Immer mit Freude und einem Gefühl von unendlicher Freiheit.

Trotzdem erschrecke ich noch immer, wenn unter dem Dachgebälk die Mäuse toben, aber Angst habe ich nicht davor. Man hört es nur im Dachgeschoss, z. B, wenn ich dort am Computer sitze und schreibe. Unten in meinem Schlafraum ist in der Regel Ruhe. Auch sollte unsere Katze die Mäuse vertreiben. Das anhängliche Tier ist meistens in meiner Nähe. Aber gestern, als sie es sich in einem Karton mit

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