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Adam zum Abgewöhnen und 50 bessere Liebhaber

Adam zum Abgewöhnen und 50 bessere Liebhaber

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Adam zum Abgewöhnen und 50 bessere Liebhaber

Länge:
312 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
6. Mai 2015
ISBN:
9783734751073
Format:
Buch

Beschreibung

Sex oder Liebe? Für die Erzählerin lässt sich das trennen. Sie plaudert aus dem Nähkästchen ihrer unzähligen sexuellen Erlebnisse: Von Rückblicken auf die ersten kindlichen Erfahrungen mit kleinen Jungen über ihre frühen, jungen Liebhaber und Erinnerungen an lange Affären sowie viele kurze Seitensprünge während der Ehe bis hin zur frustrierenden Gegenwart mit Adam reicht das Spektrum der mehr als fünfzig Männerbegegnungen. Mit 50 Jahren wird die Protagonistin Witwe und verliert jedes Interesse an Männern, erst Jahre später lässt sie sich wieder auf eine Affäre ein. Den Partner nennt sie „Adam, der Mann zum Abgewöhnen“. Diese groteske Beziehung gibt den Rahmen ab für die Sammlung von Erinnerungen an bessere Liebhaber. Zugleich ist diese Alters-Beziehung für sie Anlass, sich wieder neue Affären zu erlauben und sie stellt fest, dass Vieles noch so ist wie früher, doch Sex mit älteren Männern ziemlich anstrengend sein kann. Nicht anfreunden kann sie sich mit dem seit Jahren etablierten Trend zu immer ausgefalleneren Praktiken beim Sex und macht sich darüber lustig. Es ergibt sich ein amüsantes Plädoyer für Blümchensex wobei das männliche Verhalten ironisch aufs Korn genommen wird..
Herausgeber:
Freigegeben:
6. Mai 2015
ISBN:
9783734751073
Format:
Buch

Über den Autor

Jahrgang 1952, Studium Englisch, Touristik, zwei Kinder


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Buchvorschau

Adam zum Abgewöhnen und 50 bessere Liebhaber - Gesa Debus

Inhaltsverzeichnis

Adam zum Abgewöhnen und 50 bessere Liebhaber

Ringeltauben gesucht

Zum Beispiel Valery

Adam, der Mann zum Abgewöhnen

Bessere Zeiten

Englische Beziehungen

Cary und der Kampf gegen Jungfräulichkeit

Mein Little Drummer Boy: unbesorgt und unverklemmt

Swinger Club

Romanze im Dartmoor

Was kleinen Mädchen so passiert

Klassenfahrt nach London

Adam zuhause

Als blinder Passagier an Bord

Ja, damals

Warum ausgerechnet Adam?

Überraschung zu zweit

Putins Doppelgänger

Kurze Affären und Haralds Geschichte

Paddy. Georg in der Ferne

Sandkastenliebe

Paris

Ein muslimischer Mann war einer meiner besten

Adams Anrufe werden wirklich lästig

Teenager Träume, aufgestaute Wünsche

Aus Kassel wird Fulda

Krister

Der Spanner soll ruhig neidisch sein

Ein sonderbarer Eulerich

Meiner Freundin helfe ich doch gerne

Adam kennt meine Reiselust

Silvia

Adams widerlichen Wünsche hören nicht auf

Hilfe, man will mich verkuppeln

Vorsicht bei Arbeitskollegen, Freunden und Verwandten

Von der Peep-Show zur Überwachungskamera

Zwei Schwager und Karins Nöte

Am Gardasee

Studenten

Ein sehr schlichter Major

Kein Gott in Südfrankreich

Etwas Besseres als Adam sollte es doch geben

Adam wird es nie begreifen

Unglückliche Männer

Besonders diskrete Affären

Böse Erinnerungen

Adams Erguss-Komplex

Segeltour für Anfänger

Adam gibt nicht auf

Affäre trotz größter Gegensätze

Ist das schon Stalking?

Die orientalische Erfahrung

Ich, und dominant?

Ein Liebhaber für vier Jahre

Markt der freien alten Männer

Späte Affäre in Israel

Adam unverzagt, jetzt soll es Venedig sein

Einen Norweger hatte ich noch nie

Adam zum Abgewöhnen II

Hat sich wirklich alles so verändert?

Jahresende

Männer im Allgemeinen

Impressum

Adam zum Abgewöhnen und 50 bessere Liebhaber

von Gesa Debus

Falls es Ähnlichkeiten mit lebenden Personen geben sollte, sind diese rein zufällig. Sie sind nicht beabsichtigt

und entsprechen keinen realen  Vorbildern

Warnung: dieses Buch ist nur für großzügige Männer mit heiterem Selbstbewusstsein geeignet.

Und natürlich für alle fröhlichen Frauen.

Ringeltauben gesucht

„Such dir doch mal einen Lover, mich stört das nicht." Diesen Satz wirft mein achtzehnjähriger Sohn Robin völlig unerwartet ganz beiläufig in den Raum und erschreckt mich damit. Vor Überraschung versäume ich es, die dringend benötigte Pikdame aufzunehmen. Wir sitzen gerade am Esszimmertisch und spielen Gin-Rommeé. Robin muss gemerkt haben, dass meine bemühte Fröhlichkeit nur aufgesetzt ist, weil ich mir so sehr wünsche, dass Georg mitspielen könnte. Doch schon seit zwei Jahren habe ich meinen Mann und Robin damit seinen Vater verloren.

Ich habe meinen Sohn bisher für ziemlich prüde oder verschwiegen gehalten beim Thema Sex und hätte eine derartig lockere Bemerkung von ihm niemals erwartet. Er kann doch unmöglich wissen, wie großzügig ich früher in dieser Hinsicht gewesen bin. Robins Spruch bringt mich zum Nachdenken, aber es dauert weitere zwei Jahre, bis ich wieder aktiv werde.

Ja, ich gebe es zu, früher hatte ich verflixt viele Liebhaber und was heute elegant-modern als polygam bezeichnet wird, hieß damals, auf Frauen gemünzt und abwertend, „mannstoll". Ein dummes, altmodisches Wort, garantiert von Männern erfunden, die sich vergeblich eine tolle Wirkung auf Frauen gewünscht haben. Aber um als Frau die Ekstase, also eine gewisse Art von Tollheit zu erreichen, braucht es die begabten, wirklich guten Männer - und die sind bedauerlich selten. In meiner großen Stichprobe waren jedenfalls nicht viele tolle Männer dabei. Im Gegenteil, die meisten meiner Lover waren ziemlich gewöhnlich, und ich weiß genau, wovon ich spreche. Sehr viel interessanter als der Sex, den sie zustande brachten, waren im Allgemeinen die Geschichten meiner zahlreichen Liebhaber. Auf diese Geschichten war ich immer scharf, die waren nämlich meistens viel abwechslungsreicher.

Nur ganz selten traf ich auf die „Ringeltauben" unter den Männern, die uns Frauen bei der körperlichen Liebe zum Fliegen, Gleiten und Fallenlassen bringen können ohne ernüchternden Aufprall danach. Ich hatte das Glück, mit einem solchen Mann über dreißig Jahre lang verheiratet gewesen zu sein. Das hielt mich aber nicht davon ab, immer wieder andere Männer auszuprobieren. Dies funktionierte nur, weil mein Georg außergewöhnlich großherzig war und mir neue Erfahrungen gönnte, denn wir liebten uns sehr. Er kannte mich genau und wusste, dass ich süchtig war nach neuen Erfahrungen, ob beim Lernen, Reisen oder eben auch bei Männern mit ihren verborgenen Geschichten. Allerdings kann solch ausgeprägte Neugier auch unerfreuliche Nebenwirkungen haben und deshalb passierten mir immer wieder spontane Männergeschichten, die ich besser unterlassen hätte. Und jetzt geht das schon wieder los.

Mein neuer, schlimmer Fehlgriff ist derzeit Adam, der Mann zum Abgewöhnen. Er ist unglaublich selbstherrlich, verständnislos und dickköpfig; lediglich in seiner Sturheit ist er brillant. Seit sechs Jahren gelingt es mir nicht, ihn endgültig zum Teufel zu schicken. Extrem hartnäckig klebt er an mir und lässt sich nicht vertreiben. Gleichzeitig behandelt er Frauen krass unsensibel und betrachtet sie ausschließlich als Lustobjekte. Es ist nicht so, dass es Adam an Intelligenz mangelt, aber ihm fehlen komplett solche Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Rücksichtnahme oder Wertschätzung für andere. Nicht, dass er unter diesen Defiziten leiden würde, er fühlt sich pudelwohl dabei. Insgesamt verkörpert Adam also nur die bittere Karikatur eines Liebhabers, er ist eine ständige Enttäuschung für mich. Leider ist Georg jetzt nicht mehr da, um meine schlechten Erfahrungen zu kompensieren. Früher konnte ich mich dafür immer auf ihn verlassen.

Paradoxerweise waren die ersten vier Jahre nach seinem Tod die längste Zeitspanne, die ich Georg auch in sexueller Hinsicht treu gewesen bin. Warum ich vorher neben ihm noch so viele andere Männer vernascht habe, bleibt mir ein bisschen rätselhaft, denn ganz ausschließlich nur Neugier auf Geschichten waren meine Seitensprünge vermutlich nicht. Am besten vertrage ich die Erklärung, dass ich mich bloß immer wieder vergewissert habe, dass mein Mann eben der Beste war. Okay, ich will ehrlich sein: zwei andere meiner fünfzig verflossenen Liebhaber waren auch ganz toll.

Zum Beispiel Valery

Während meines fremdgängerischen Liebeslebens traf ich nur auf zwei Männer, die ganz außergewöhnlich begabt waren.

Dazu gehört der berüchtigte Baron Valery, ein Lebemann und Lebenskünstler, aber auch ein großer Verlierer. Zumindest äußerlich war er ziemlich heruntergekommen, als ich ihn kennenlernte. Damals war ich erst Anfang zwanzig und Valery eine meiner ersten Affären, seitdem ich mit neunzehn Jahren geheiratet hatte.

Meine Freundin Karin hatte eine kleine Reitanlage gepachtet, dort war auch mein Pferd eingestellt. Eine Box im Stall war frei geworden, Karin vermietete sie schnell wieder. Den Besitzer des neues Pferdes hatte ich noch nicht kennen gelernt, weil er immer vormittags zum Reiten kam, doch ich hatte schon reichlich anzügliche Bemerkungen und Nachfragen der anderen Reiter zu diesem neuen Stallkameraden gehört. Demnach war der Neue der verarmte Baron Valery von D. zu D., ein bekannter Frauenheld, der jetzt zum wiederholten Mal geschieden und von irgendeinem entlegenen Dorf in unsere Stadt zurück gekommen war. „Da müsst ihr aufpassen, den kann man mit keiner Frau alleine lassen, der verführt euch alle," hatten sich die Freunde abends in der Reithalle amüsiert. Jemand behauptete, der Mann habe zwölf Kinder. Mit fröhlichen Rufen und Kommentaren quer durch die Reithalle und immer wieder unterbrochen vom Schnauben der Pferde wurde die Anzahl von Valerys Nachkommen ausführlich diskutiert und demnach musste dieser Mann zweifellos über fruchtbare Lenden verfügen.

Ich hatte nur diese Gerüchte im Kopf, als meine Freundin mich an einem scheußlichen Februartag anrief und mich bat, heute trotz des nassen Wetters unbedingt zum Stall zu kommen. Karl-Heinz habe sie angerufen - er war ein Freund und derzeitiger Arbeitgeber des Barons – und sie gebeten, unbedingt zu Valery in dessen Wohnung zu fahren, um nach ihm zu sehen. Der Mann sei unglücklich und depressiv, Karl-Heinz würde sich Sorgen machen, dass Valery sich etwas antun könnte. Jedenfalls müsse man sich um ihn kümmern. Karin war ängstlich-aufgeregt und bestand darauf, dass ich sie zu diesem Besuch begleitete. Valerys Wohnung war gar nicht weit von unserem Stall entfernt. Nachdem wir die Pferde bewegt und den Stall versorgt hatten, reinigte Karin sich wie immer erst umständlich sorgfältig die Fingernägel, während ich schon ungeduldig wartete, denn wir trugen doch ohnehin nur unsere Stall- und Reitkleidung. In diesem Aufzug fuhren wir zur angegebenen Adresse.

Mit dem Allerschlimmsten rechneten wir zwar nicht direkt, sonst hätte Karl-Heinz doch bestimmt die Polizei geschickt und nicht uns um den Besuch gebeten, doch mulmig war uns schon zumute. Aber unverzüglich nach unserem Klingeln öffnete ein großer schlanker Mann die Tür, ich schätzte ihn auf mindestens fünfzig Jahre. Er sah glücklicherweise noch ziemlich lebendig aus. Sein hageres Gesicht wirkte interessant durch Furchen, die sein wechselhaftes Leben hinterlassen haben dürfte, sein Blick aus grauen Augen wirkte auf mich eher amüsiert als verzweifelt. Dieser berüchtigte Baron schien mir die Verkörperung des vom Schicksal gebeutelten Helden aus einem billigen Liebesroman zu sein, unfassbar, wie genau er diesem Klischee jedenfalls optisch entsprach. Karin kannte Valery schon von Spring-Turnieren aus früheren Jahren und erklärte ihm, dass Karl-Heinz uns geschickt habe.

„Wie aufmerksam von ihm spöttelte der Baron, „er weiß doch, dass ich nur erkältet bin.

Damit begründete er auch, dass wir unbedingt zusammen einen Grog zum Aufwärmen trinken müssten. Von seiner angeblichen Erkältung bemerkte ich nichts und vermutete, dass unsere bloße weibliche Anwesenheit ausreichte, damit er ganz normal funktionierte.

Er hatte den Grog zubereitet, das eigenartige Aroma stieg in unsere Nasen und wir saßen ziemlich unbequem an einem niedrigen Tisch im Wohnzimmer, die sparsame Birne einer Stehlampe und zwei Windlicht-Kerzen gaben nur wenig Licht. Valery thronte auf dem Sofa, das wir vorerst nicht mit ihm teilen wollten. Ich fand den Mann allerdings höchst attraktiv mit den leicht verwuselten Haaren und seinen langen Beinen, die er unter dem Tisch ausstreckte. Unweigerlich musste man so auch auf seine Körpermitte und seine Hose schauen. Ich jedenfalls musste meinen Blick immer wieder von dort weg zwingen. Karin war mit ihrem Grog beschäftigt und kritisierte den schwachen Geschmack des Getränks. Valery grinste und schenkte ihr Rum nach.

„Karin, das ist Stroh-Rum, der ist heftig" warnte ich meine Freundin, doch die blieb unbesorgt, weil sie das tückische Getränk noch nicht kannte. Wider besseres Wissen ließ ich mich ein wenig von ihr mitreißen und trank mehr, als vernünftig war. Wir waren bester Laune, tranken und erzählten. Mit etwas Sorge sah ich zwischendurch, dass Karin nun an dem verschärften Grog, den ihr Valery zubereitete, zwar großen Gefallen gefunden hatte, aber deutlich an Haltung verlor. Plötzlich hörte ich sie aus ihrem Sessel schnarchen, sie war völlig hinüber und auch durch vorsichtigen Zuruf nicht zu wecken. Valery überzeugte mich, dass ich es auf dem Sofa neben ihm bequemer hätte und dann erlebte ich den genialsten Kuss meines Lebens. Das war hohe Kunst, was er zu bieten hatte mit Lippen und Zungenspitze. Er begann so vorsichtig und langsam und zog es so lange hin, dass ich mich regelrecht an den Mann klammern musste, weil ich mehr von ihm spüren wollte. Es machte mich völlig verrückt, wie er mit mir spielte. Etwas derartig Grandioses habe ich nur bei ihm erlebt, schon mit seinen Lippen und der Zunge brachte er Hitze und Pulsieren in meinen Leib. Seine Hände waren erfahren und machten alles haargenau richtig. Ich war so richtig heiß auf ihn und wollte mich nicht mehr zurück halten, nur hatte ich leider noch diese erbärmlich störenden Reitstiefel an. Gut, dass Valery sich damit auskannte, mit geschicktem Griff an die Fersen und geübtem Ziehen befreite er mich von den elenden Stiefeln, während Karin weiter harmlos in ihrem Sessel schlief. Die profane Tätigkeit hatte unserem Verlangen nichts von der Schärfe genommen und der anschließende Verkehr war leidenschaftlich, auch harmonisch, was beim ersten Mal nicht oft gelingt. Wie Blitze zuckte es durch meinen Körper, als Valerys Kunst mich sehr schnell zu einem Höhepunkt trug, der mich schwerelos und restlos glücklich machte. Dieser Mann war halt ein Kenner der Frauen und Routinier in der Liebe.

Wir trafen uns noch für einige Zeit, bis er in seiner rastlosen Art wieder einmal Stall und Wohnsitz wechselte. Bis dahin blieb er immer Kavalier, fuhr mich nach Hause, wenn wir zusammen etwas getrunken hatten, obwohl er doch eben so wenig wie ich offiziell fahrtüchtig war und trotz seiner armseligen Wohnung war er ein charmanter Gastgeber. Wenn er sonntags morgens früher als wir am Stall war, hatte er unsere Pferde bereits geputzt, damit wir zusammen ausreiten konnten. Manchmal packte mich ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Mann Georg. Ansonsten wurde die wunderbare Affäre für mich nur ein wenig gestört durch Andeutungen und Anzüglichkeiten der anderen Reiter, die einfach davon ausgingen, dass meine Freundschaft mit Valery unbedingt auch Sex enthalten müsste. Und sie hatten natürlich Recht.

Valery blieb der einzige Mann, der nicht viel von sich und seiner Vergangenheit erzählte, obwohl ich ihn mit meiner sehr kritischen Einstellung zum unzeitgemäßen Adel oft zu provozieren versuchte. Ich hielt ihm vor, dass eine solche Abstammung keine Leistung sei, dass der Adelstand vor Jahrhunderten doch meist aus Räubern und Verbrechern entstanden sei und diese Gesellschaftsklasse von Ausbeutern sich längst überlebt hätte. Valery hörte mir ganz gelassen zu. Wahrscheinlich wusste er genau, dass er sich durch seine Zurückhaltung mit einer Art geheimnisvoller Aura umgab, die ihn für Frauen noch interessanter machte. Sie lagen ihm gewissermaßen reihenweise zu Füßen - und mit ihm im Bett. Besonders Frauen im mittleren Alter, die sonst ganz selbstverliebt ihren Status als Dame betonten, verloren bei ihm jede Distanz. Es gab eigentlich keine Frau, die ihm widerstanden hatte, abgesehen von meiner Freundin Karin. Am schlimmsten hatte es die ganz junge, doch schon verheiratete Tochter unseres Dorfwirtes erwischt. Sie hatte sich verzweifelt in den Baron verliebt und verließ seinetwegen sogar ihren Ehemann. Mit welchen Mitteln Valery sie dazu brachte, zu ihrem Mann zurück zu kehren, wusste niemand genau, aber es muss gehörig anstrengend für ihn gewesen sein. Er war klug genug, nur mit verheirateten Frauen ein Techtelmechtel anzufangen, doch bei der Tochter des Wirtes war diese Voraussicht fehlgeschlagen.

Valerys wenigen privaten Mitteilungen waren zumeist eine Lobhudelei auf seine letzte, sehr junge Frau, von der er natürlich auch schon geschieden war. Er rühmte an ihr als besonderes Qualitätsmerkmal, noch im letzten Monat ihrer Schwangerschaft die Pferde geritten zu haben. Ich weiß nicht, wie oft er insgesamt verheiratet gewesen ist. Die Gerüchte in dieser Hinsicht dürften genauso übertrieben gewesen sein wie die Zahl der Kinder, die man ihm zuschrieb.

Valerys Art zu küssen blieb übrigens die beste, die ich je erfahren habe, mit dieser Begabung war er sogar deutlich besser als mein eigener Mann.  

Adam, der Mann zum Abgewöhnen

Heute sieht meine Welt völlig anders aus. Die traurige Wirklichkeit ist, dass ich mich nach langer Zeit ohne meinen Mann erneut auf eine Affäre eingelassen habe, die sich nicht lohnt. Wegen Georg habe ich keine Skrupel, er hätte niemals von mir gewünscht und schon gar nicht erwartet, den Rest meines Lebens abstinent zu verbringen. Die neue Affäre heißt Adam und war früher eine Art Freund und geschätzter Geschäftspartner von Georg gewesen. Aber was für ein miserabler Liebhaber er ist!

Auslöser für meine sexuelle Reaktivierung war ausgerechnet Robin mit seiner Aufforderung, ich solle mir ruhig einen Liebhaber zulegen. Er ahnt gar nicht, dass ich früher trotz glücklicher Ehe ein ausgesprochen abwechslungsreiches, unkonventionelles Liebesleben geführt und mir sogar immer wieder über längere Zeit einen Liebhaber gehalten hatte. Mein geliebter Georg hatte mir die zusätzlichen Erfahrungen gern gegönnt, vielleicht auch davon profitiert, schließlich waren wir beide lernfähig. Ich jedenfalls habe es oft gemerkt, wenn er bei einer anderen Frau etwas dazu gelernt hatte.

Mit einigen meiner Liebhaber hatte mein Mann sich sogar eng befreundet, denn bei der Auswahl derjenigen meiner Lover, die ich längere Zeit behielt, war ich nicht völlig anspruchslos gewesen. Unsere sehr jung geschlossene Ehe widersprach also äußerlich vielen Konventionen, vielleicht war sie deshalb so besonders gut.

Nun habe ich Robins Empfehlung angenommen, doch ich befinde mich in einer Situation, die mir gar nicht gefällt.

Adam wirft das Jackett auf den Rücksitz und steigt in sein Auto. Ich habe ihn ohne Bedauern verabschiedet, stehe höflich am Gartentor und warte, dass er endlich abfährt. Er stellt jedoch erst noch gemütlich das Navigationsgerät ein, startet dann den Motor, grüßt abschließend mit einer Handbewegung und kurz darauf verschwindet sein großer, langweilig grauer BMW um die Ecke.

Was nicht verschwindet, ist mein Gefühl von Abwertung, Peinlichkeit und Scham. Meine Selbstachtung ist heftig angekratzt, ich muss mir jetzt dringend Bewegung verschaffen, um die Eindrücke der letzten Stunden mit diesem Mann auszuradieren. „Wie konntest du dich bloß darauf einlassen!" werfe ich mir vor, während ich beginne, das Badezimmer zu putzen, um mich abzureagieren. Badezimmer lassen sich schließlich immer putzen, auf Staubsaugen habe ich keine Lust.

Ich merke, dass mir Adam sogar ein bisschen Leid tut, weil er noch viele Stunden fahren muss, bis er zu hause bei seiner Frau ist. Aber er wollte mich ja unbedingt besuchen, das Treffen ist seine Idee und sein Wunsch gewesen. Trotz einiger Bedenken habe ich seinem Drängen nachgegeben und nun fühle ich mich noch unbehaglicher als ich es vorher leise befürchtet hatte. Der Grund ist nicht, dass mich moralische Skrupel überwältigen würden wegen dieser neuen Bettgeschichte, doch mich plagt sehr das Gefühl, einen Rückschritt auf ein besonders tiefes Niveau gemacht zu haben. Und das ist mir grässlich peinlich. Das Badezimmer wird zwar unter meinen Händen perfekt sauber, doch meine Gedanken können sich noch nicht vom gestrigen Abend und der Nacht befreien.

Im letzten Jahr hatte Adam sich immer wieder gemeldet und schließlich habe ich seinen Besuch erlaubt. Viele Jahre zuvor hatte ich gegen Ende einer Party schon einmal überlegt, ob es sich lohnen könnte, mit diesem Mann zu schlafen. Jetzt weiß ich, dass es sich nicht gelohnt hätte, denn Adam ist ein lausiger Liebhaber.

Gestern Abend habe ich die Außenbeleuchtung auf Dauerbetrieb gestellt und es ist schon spät, als Adam ankommt. Ich bin einigermaßen überrascht. Das Bild von Adam in meiner Erinnerung stammt aus der Zeit, als dieser Mann mit Georg geschäftlich zusammen gearbeitet hatte. Damals ist er mir erheblich beeindruckender erschienen, war halbwegs schlank und hatte eine schöne, dunkle Haarfarbe. Deshalb rutscht mir bei der Begrüßung zwar heraus: „Oh, hast du eine neue Haarfarbe?" doch sonst versuche ich, mir keine Enttäuschung anmerken zu lassen.

Adam ist sehr klein mit winzigen Damenfüßen, die in handgefertigten Schuhen stecken, mit deren Spezialsohle ein paar Zentimeter Höhe dazu gemogelt werden. Seine ursprünglich dunkelbraunen Haare dürften grau sein, denn sie sind jetzt in ein unangenehmes Orange-Rotbraun gefärbt. Paradoxerweise ist seine Stimme sehr tief, angenehm und männlich. Aber er hat einen beachtlich hervorragenden Bauch entwickelt, womit mir bisher alle intimeren Erfahrungen fehlen. Da auch ich selber auch gewisse Jahresringe zugelegt habe und Adams körperliche Fitness heftig anzweifele, befürchte ich eine anstrengende Nacht.

Gleich zu Beginn muss ich enttäuscht einsehen, dass Adams Persönlichkeit alles andere als komplex ist, dieser Mann ist unfassbar schlicht gestrickt. Er denkt zielgerichtet linear, das mag im Beruf vorteilhaft sein, doch leider kann er auch bei Frauen nur daran denken, wie er ohne Umstände Sex mit ihnen haben kann. Es fehlt ihm jede Raffinesse.

Unmittelbar nach ihrer Begrüßung greift er schon zwischen meine Beine. Auf plumpe Überfälle stehe ich überhaupt nicht, ich finde das primitiv und wehre ab. Stattdessen schicke ich ihn ins Badezimmer:

„Du hast doch jetzt stundenlang im Auto gesessen und bestimmt geschwitzt".

Ich gehe davon aus, dass ein stundenlang in den Autositz gezwungener Hintern eine Dusche vertragen kann. Er lässt sich ohne Begeisterung zeigen, wo Shampoo und Frotteetücher sind.

Immerhin hat er eine Flasche Sekt dabei, als er zurück ins Wohnzimmer kommt. Jetzt bemüht er sich um eine raffiniertere Annäherung und versucht, romantisch zu sein.

„Habt ihr hier keinen Balkon wo wir ein Glas trinken können? Es ist heller Mondschein draußen, das magst du doch bestimmt" ist seine Einleitung.

Ich habe eine große Terrasse, es ist noch warm draußen nach dem heißen Tag und die Nacht silbrig vom Mondlicht. Die Bedingungen für eine romantische Sommernacht sind insofern ideal, daher stimme ich zu. Die schweren Holzbänke stehen auf dem vorderen Teil der Terrasse, eine lockere Gehölzpflanzung zur Straße reicht zwar nicht als echter Sichtschutz aus, doch ich glaube nicht, dass wir irgend einen Nachbarn zu dieser späten Zeit interessieren könnten.

Ich will wissen, wie es mit Adam weitergehen wird. Enttäuschend genau so, wie ich es seit der Begrüßung befürchtet habe, geht es weiter. Kaum ist die Flasche geöffnet und am Glas genippt, beklagt er sich über das Nachbarhaus, will wieder hinein und sofort ins Schlafzimmer. Licht möchte er nicht eingeschaltet haben, aber durch das große Fenster zur Terrasse scheint der Mond herein, wir stehen also nicht völlig im Dunklen.

Aber wir stehen uns gegenüber. Ein nettes, lockeres Wort von ihm wäre nun schön oder wenigstens eine nette, annähernde Umarmung als Einleitung, doch es folgt nur der ungeschickte und

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