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...Als die Noten laufen lernten...: Geschichte und Geschichten der U-Musik bis 1945 - Erster Teil

...Als die Noten laufen lernten...: Geschichte und Geschichten der U-Musik bis 1945 - Erster Teil

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...Als die Noten laufen lernten...: Geschichte und Geschichten der U-Musik bis 1945 - Erster Teil

Länge:
928 Seiten
12 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
6. Jan. 2016
ISBN:
9783738670110
Format:
Buch

Beschreibung

...Als die Noten laufen lernten...bezieht sich auf eine Zeit, als Pop noch Unterhaltungsmusik hieß...und ihre Komponisten und Texter Erfolge ohne Ende verbuchen konnten.
Das ehemals große k.u.k. Österreich mit der Achse Wien-Berlin war der Nabel der Unterhaltungswelt und ein Wegbereiter zur heutigen Popmusik.
Wer in Wien und Berlin ein Star war, der war es gleichzeitig auf der ganzen Welt! Hollywood holte sich diese Kreativen ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten und sie machten Amerika musikalisch zu dem, was es heute ist!
Eine verrückte Zeit mit ebenso witzig-verrückten Kreativen, die die Musik rocken ließen.
Im 1. Teil kommen 75 Komponisten-Biografien zu Wort - ihr Leben - ihr Werk! Eine sorgfältig recherchierte Arbeit mit vielen neuen Erkenntnissen; gespickt dazu mit Witz und Anekdoten, die das Lesen zum Vergnügen machen.
Diese Kreativen schufen die Urform der Unterhaltungsmusik über Operette - Revue - Kabarett - Schlager - Song - Chanson bis zur Filmmusik.
Zwei Weltkriege sorgten dann dafür, dass die meisten Protagonisten mit ihren Werken in Vergessenheit gerieten...und das war auch Absicht...bitte lesen Sie selbst!
Herausgeber:
Freigegeben:
6. Jan. 2016
ISBN:
9783738670110
Format:
Buch

Über den Autor

www.karin-ploog.de studierte an der Hochschule für Musik und Theater, Hamburg. Diplome in Lied, Oratorium, Oper, akademischer Grad Diplom-Musiklehrer (Dipl.-Ml) Gesang. Sie wurde während des Studiums Dozentin im Popkurs-Hamburg. Auf dem Gebiet der Stimmpädagogik ist sie wohl die Mutter aller Filme und hat ihre pädagogische Arbeit im Buch Voicecoaching niedergeschrieben. Viele auch international berühmte Namen säumen den Weg. Seit Studioaufnahmen zu Lieder aus Theresienstadt (1995) recherchiert sie verfolgte Komponisten, Librettisten und Texter der sogenannten Gehobenen U-Musik; es entstand eine umfassende Dokumentation mit neuen Aspekten!


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Buchvorschau

...Als die Noten laufen lernten... - Karin Ploog

Inhalt - Erster Teil

Vorklang

Kapitel 1 - Komponisten A-R:

Abraham, Paul

Ascher, Leo

Barnett, John

Beer, Joseph

Benatzky, Ralph

Bendix, Paul

Berté, Heinrich

Bertuch, Max

Bial, Rudolf

Burian, Emil Frantisek

Dauber, Dol

Dessau, Paul

Eisler, Hanns

Engländer, Ludwig

Erwin, Ralph

Eschwege, Eugen

Eysler, Edmund

Fall, Moritz

Fall, Leo

Fall, Siegfried

Fall, Richard

Felix, Dr. Hugo

Friedmann, Heinrich

Gilbert, Jean

Gilbert, Robert

Glanzberg, Norbert

Goldfaden, Abraham ben Chaim Lippe

Goldmann, Curt/Ps.30 Stück

Granichstaedten, Bruno

Gray, Allan

Grosz, Dr. phil. Wilhelm

Grün, Dr. Bernard

Grünfeld, Alfred

Guttmann, Artur

Heymann, Werner Richard

Hirsch, Dr. Hugo

Hollaender-Familie

Hollaender, Gustav

Hollaender, Felix

Hollaender, Victor

Hollaender, Friedrich

Homola, Bernhard

Jarno, Georg

Jary, Michael

Jascha, Oskar

Jessel, Léon

Jurmann, Walter

Kálmán, Emmerich

Kaper, Dr. Bronislaw

Kaskel, Karl Freiherr von

Katscher, Robert

Kleiner, Arthur

Korngold, Erich Wolfgang und Hans Robert

Krausz, Michael

Kreisler, Fritz

Kreisler Georg

Laszky, Béla

Leopoldi, Hermann

Liebermann-Roßwiese, Erich

Mann, Paul

Marbot, Rolf

May, Hans

Meisel, Edmund

Mendelssohn, Ludwig

Mendelssohn, Walter

Nedbal, Oskar

Nelson, Rudolf

Ochs, Siegfried

Offenbach, Jacques

Ottenheimer, Paul

Rathaus, Dr. phil. Karol

Reinhardt, Heinrich

Reisfeld, Bert

Riesenfeld, Hugo

Rosen, Willy

Ende Erster Teil

Fortsetzung Band 1.2 - Zweiter Teil:

Kapitel 1: Fortsetzung Komponisten R-Z

Kapitel 2: Komponisten-Fragmente A-Z

Kapitel 3: Librettisten A-Z

Kapitel 4: Mysteriöse Todesfälle Emil F.Burian und Kurt Tucholsky

Bibliographie

Vorklang

Sie fragen sich bestimmt, warum ich mir gerade dieses Thema ausgesucht habe? Als Sängerin im Konzert- und Opernbereich bin ich auf so viele interessante Musiken gestoßen und habe sie dann interpretiert … da wurde ich von Musik-Redakteuren gerne als Fossil bezeichnet … weil ich damit musikalisch ein Genre bediente, was so nicht mehr existent ist. Denn vom Sänger verlangte es höchste musikalische Ansprüche: Koloratur, Lyrik, stimmliche Beweglichkeit und gute Interpretation … und dann kam, was kommen musste …

Natürlich beschäftigte ich mich im Vorfeld meiner sängerischen Arbeit mit den Komponisten und Librettisten … und da stieß ich dann auf so viele Ungereimtheiten, Vorurteile, Falschinterpretationen über jene Urheber … dazu von musikwissenschaftlicher Seite falsche Werk-Zuordnung … der Detektiv in mir wurde geweckt … und los gings...

Über 90% aller Komponisten, Librettisten und Texter der sogenannten Gehobenen Unterhaltungsmusik waren jüdischen Ursprungs oder mit dem Judentum verbunden, so dass sie den Schreckensherrschern des Dritten Reiches gelinde geschrieben - im Wege waren … ich fing also vor neun Jahren bei Null an und recherchierte mich mit oftmals unglaublichem Glück durch die Vorzeit und das dann folgende dunkle Kapitel der deutschsprachigen U-Musik.

Da stützte ich mich auf das furchtbare Lexikon der Juden in der Musik von Stengel/Gerigk aus dem Jahre 1940 (bei mir in den Texten Nazilex genannt), denn auf spätere Werke dieser Un-Heilsbringer konnte und wollte ich nicht zurück greifen; und dann gelang es mir antiquarisch - oftmals über das Meer - Werke zu finden, die weit vor dieser Zeit publiziert worden sind, oder ich konnte Augenzeugenberichte hier mit einfließen lassen und sie mit anderen Begebenheiten verknüpfen!

Die Story zu diesem Buch ist schon wieder ein Buch wert … entstanden ist ein zwar gründlich recherchiertes Werk; doch dazu möchte ich - es heißt ja Unterhaltungsmusik - auch die Unterhaltung mit einfließen lassen.

Jeder Mensch ist einzigartig und hat eine so unglaubliche Lebenszeit-Biografie, deren Schilderung mir richtig Spaß machte … ich habe viel gelacht … oftmals leider auch weinen müssen. Es gibt noch viele Schicksale, die es zu erforschen gilt und großartig wäre es, wenn dieses Buch Sie dazu bewegen könnte, die noch unerforschten Schicksale mit in die Gesamtheit einzufügen, sodass mit der Zeit ein komplettes Werk entsteht und so für die Nachwelt erhalten bleibt.

Zumindest konnte ich bis dato entsprechende Biografien sondieren und auch in meinem kleinen Archiv unbekannte Musikwerke „ausgraben".

Zur damaligen Gehobenen Unterhaltungsmusik gehören: Kabarett - Posse - Singspiel - Operette - Revue - Filmmusik - Song - Chanson - Schlager … sie letztendlich führten in die musikalische Jetztzeit. Da dieses Thema so umfangreich ist, habe ich es in drei Bände eingeteilt und musste wegen der Fülle Band 1 in zwei Teile splitten.

Nun hoffe ich, dass Sie genauso viel Spaß beim Lesen haben, wie ich beim Schreiben und recherchieren …

Ihre Karin Ploog

Hamburg, im Jahre 2014

Nun hat sich so viel Neues ergeben, dass ich die ersten beiden Bände völlig neu überarbeitet habe.

Hamburg, im Jahre 2015

Kapitel 1

Abraham, Paul - 02.11.1892 Apatin/Ungarn-06.05.1960 Hamburg

Apatin gehört heute zu Serbien.

Pál Abraham, der Sohn einer Klavierlehrerin und eines Bankdirektors, absolvierte nach seiner Schule eine Banklehre und nebenher studierte er von 1910 bis 1916 Musik an der Hochschule in Budapest. Anfang der 1920er begann er erste klassische Musik zu komponieren, so ein Streichquartett, ein Konzert für Violoncello, eine Serenade und später ein Requiem. Durch seine vorübergehende Tätigkeit im Bankfach und daraus resultierenden verwegenen Geschäften, kam er als Bankrotteur für einige Zeit ins Gefängnis.

Schon während seiner Studienzeit verbandelte er sich mit seiner späteren Frau Charlotte (Sári, geb. Feszélyi, 1895-1975). 1927 wurde er Kapellmeister am Budapester Operettentheater, wo er einzelne Musik-Nummern zu verschiedenen Operetten beisteuerte. Aufsehen erregte er mit vier eigenen Liedern zur Operette „Zenebona" (T:Lakatos Lásló/ Bródy István), deren UA am 02.03.1928 in Budapest stattfand; und so entdeckte er sein Talent für die leichte Muse. Nach seiner ersten Operette „Der Gatte des Fräuleins" (T:Gábor Drégely/Imre Harmath), deren UA am 13.10.1928 in Budapest stattfand, interessierten sich bereits deutschsprachige Bühnen für das Werk. Es folgte „Es geschehen noch Wunder" (L:André Birabeau/Georges Dolley) am 15.06.1929.

Paul Abraham war eine sehr komplexe Persönlichkeit und voller Gegensätze: Aufschneider, Phantast, ein Anhänger der Philosophie Epikuros, elegisch, depressiv, hypochondrisch, oberflächlich bei gleichzeitiger Pedanterie, apodiktisch und ein Zweifler, lässig und Feuergeist. Bernard Grun schrieb in seinem Buch über ihn, dass sein musikdramatischer Instinkt und sein Gefühl für die populäre Melodie überwältigend waren und seine Orchestration der Zeit um ein halbes Menschenalter voraus war …„wie der sprichwörtliche Sturmwind fegte er über die europäische Operettenszene und gab ihr einen letzten großen Schwung." (S.435)

Mit seiner Operette „Victoria und ihr Husar" (T:Imre Földes) gelang ihm der internationale Erfolg. Der ungarische Theaterunternehmer Miksa Preger vermittelte diese nach ihrer UA am 21.02.1930 im Budapester Operettentheater nach Deutschland. Sie wurde dann am 07.07.1930 in der Bearbeitung von Fritz Löhner-Beda und Alfred Grünwald im Leipziger Neues Theater erstaufgeführt; danach am 23.12.1930 im Theater an der Wien. Nach wenigen Monaten gab es eine englische Fassung und am 14.10.1931 war in Stuttgart die Kinopremiere der Filmoperette.

So siedelte Paul Abraham im Jahre 1930 nach Berlin, dem Zentrum der Operetten-/Revue- und Tonfilmproduktion und hatte kompositorisch sehr gut zu tun. Als der dunkelhaarige, lange und hagere Enddreißiger in einem Berliner Filmatelier auftauchte, sprach sich schnell herum, mit was für einer unglaublichen Begabung man hier zu rechnen hätte. Wenn es sich um seine Vergangenheit handelte, wurden die abenteuerlichsten Dinge erzählt! Abraham selbst erzählte Reportern, er sei Meisterschüler an der Budapester Musikakademie gewesen, dann wieder, dass er dort einen schwunghaften Bankhandel betrieb, zudem machte er den Eindruck eines zerfahrenen Menschen, entwurzelt und eher hilfsbedürftig!

Anm.: Aus meiner Sicht könnten das schon erste Anzeichen seiner 1946 in den USA diagnostizierten Syphilis im Quartärstadium mit latenter Neurosyphilis gewesen sein! Ab Ansteckung kann das bis zum Endstadium 10 bis 20 Jahre dauern.

Ufa-Filmproduzent Erich Pommer hatte den hageren Paul Abraham ins Büro des Alrobi-Verlag zu Armin Robinson geschickt, weil er die ewigen Geldnöte des Komponisten nicht mehr ertragen konnte. Als dieser die Platten seiner Kompositionen hörte, bot er Abraham 4.000 Mark an. Abraham zögerte, denn er dachte, dass es sich um ein Jahressalär handelte; Robinson sprach aber von einer Monatsgage. Abraham fragte, ob er damit in Berlin auch anständig leben könnte? Bereits im ersten Jahr brachten Paul Abrahams Kompositionen gut 360.000 Mark ein. Er war der erste Komponist, der amerikanische Einflüsse in seine Musik einfügte und dazu ein glänzender Showman, der mir seinem kleinen Orchester sehr gut ankam. PEM bezeichnete ihn als Repräsentanten der letzten Generation europäischer Operetten-Tradition. Paul Abraham unterstützte auch eine Reihe Ernster Musiker wie Arnold Schönberg, der seine Arrangements schrieb und die Orchestrierung seiner Werke vornahm; damit hatte er indirekt Anteil an Schönbergs 12-Ton-Musik.

Seine beiden nächsten Werke wurden ebenfalls Welterfolge: „Die Blume von Hawaii" (Libretto/Text:Alfred Grünwald/Fritz Löhner-Beda/ nach Imre Földes). Die Uraufführung fand am 24.07.1931 im Leipziger Neues Theater statt; die Wiener EA im Theater an der Wien am 07.09.1932 - der gleichnamige Ufa-Tonfilm kam 1933 zur UA.

Im Berliner Großes Schauspielhaus hatte „Ball im Savoy" am 23.12.1932 Premiere. Abraham kreierte den Typ der Schlageroperette, weil er von vornherein seine Nummern als isolierbare Tanzschlager entwarf, die sofort auf Tonträger gepresst wurden. Im Londoner Drury Lane Theatre erschien diese Operette am 08.09.1933 unter „Ball at the Savoy".

Paul Abraham war nun reich und kaufte sich ein komfortables Rokoko-Schlösschen in der Fasanenstraße, wo sich die Operettenstars trafen; u.a. Fritzi Massary und Max Pallenberg; die aus Budapest stammende Martha Eggert, verheiratet mit Jan Kiepura und die Leipziger/Berliner „Viktoria" Lizzy Waldmüller, eine Tirolerin, verheiratet mit Max Hansen. Paul Abraham lebte dort auf sehr großem Fuße und seine Feste waren legendär! Der Komponist Paul Abraham war Anfang der 1930er sehr erfolgreich und wurde als Kronprinz der Operette gehandelt. Robert Stolz schrieb über ihn, dass er sehr geschäftstüchtig war. Der Mensch Paul Abraham war der Spielsucht verfallen, das war auch der Grund, weshalb ihm das Geld zwischen den Fingern zerrann.

In Berlin schrieb Paul Abraham neben Operetten auch die Musik zu mehreren Tonfilmen: „Die Privatsekretärin" (1931) mit dem Titel „Ich bin ja heut so glücklich. In England wurde dieser neu gedreht unter „Sunshine Susie mit „Today I feel so happy" - sein dort größter Erfolg mit Renate Müller, deren steiler Aufstieg damit begann und die bereits sechs Jahre später starb.

Zu: Renate Müller (26.04.1907-07.10.1937) ihr Privatleben war durch ihre Liebe zu einem jüdischen Bankier überschattet, der emigrieren musste. Rauschgift, Alkohol und Repressalien durch die Nazis zerrütteten ihre Nerven. Sie fiel aus dem Fenster ihrer im Hochparterre gelegenen Wohnung; dabei zog sie sich eine Knieverletzung und einen Schädelriss zu. Fast geheilt erlitt sie Hirnkrämpfe, für die es damals keine Rettung gab. Ihr Grab ist auf dem Parkfriedhof Berlin-Lichterfelde.

Noch im Jahre 1932 schrieb Paul Abraham die Filmmusik zu „Das Blaue vom Himmel", wofür Max Kolpe und Fritz Rotter die Texte schrieben. Da Paul Abraham Jude war, flüchtete er zusammen mit seiner Frau Charlotte nach der Nazi-Machtergreifung 1933 von Berlin nach Wien; dort entstanden weitere Werke.

Am 15.12.1933 gab es „Ball im Savoy" (T:A.Grünwald/F.Löhner-Beda) als Wiener EA im Johann Straußtheater. Danach ausschließlich Premieren im Theater an der Wien: seine Lustspieloperette „Märchen im Grand Hotel" (T:A.Grünwald/F.Löhner-Beda) am 29.03.1934, „Dschainah" (T:A.Grünwald/F.Löhner-Beda) am 21.12.1935 und in Budapest am 18.12.1936 sein „3:1 a szerelem javára, was am 25.03.1937 als musikalischer Fußballschwank „Roxy und ihr Wunderteam (T:L.Zsilagy/D.Keller/Ü:A.Grünwald/H.Weigel) in Wien zur EA kam. Bei der Premiere war die gesamte österreichische Fußball-Nationalmannschaft anwesend. Doch ab dem Jahre 1934 hielten seine Wiener Werke nicht länger als zwei Theatermonate.

Vor der Besetzung Österreichs durch deutsche Truppen floh Paul Abraham nach Budapest, blieb dort einige Zeit und schrieb auch Musik für diverse Tonfilme. In Budapest entstanden die Operetten „Julia" (T:Imre Harmath/Imre Földes, 23.12.1937) und 1938 „Der weiße Schwan". Dann kam auch dort die Nazi-Bedrohung immer näher! Seine Frau und er entschieden, dass er erst einmal alleine nach Paris fliehen sollte, um dort die Lage zu sondieren. Sie wollte ihm später folgen, da sie als Nichtjüdin keiner Gefahr ausgesetzt war. So glich Paris im Februar 1939 fast einem Klein-Wien. Robert Stolz, Oscar Straus, Alfred Grünwald, Karl Farkas, Emmerich Kálmán und natürlich Paul Abraham kamen in Paris zusammen, um dort zu arbeiten und zu leben.

Mit dem Einmarsch der Nazis in Österreich wurden die Komponisten und Texter, die der dortigen Verwertungsgesellschaft AKM angehörten, in die STAGMA zwangseingeschrieben und die Juden ihrer Tantiemen beraubt. Paul Abraham versuchte dem zu entgehen, indem er sich um die Aufnahme in die französische SACEM bemühte. Dies wurde aber abgelehnt, da er in Frankreich, im Gegensatz zu Robert Stolz, Oscar Straus und Emmerich Kálmán, wenig bekannt war. Paul Abraham saß oft im Pariser Café Cristal, dem Treffpunkt vieler Emigranten. Auch Robert Stolz war eines Tages auf dem Weg in dieses Café. Dort angekommen, sah er auch schon Paul Abraham an einem Tisch sitzen mit seiner Freundin Martha Labarr; dazu Lilian Harvey, Paul Lukas, Jean Geiringer. Dabei war auch die Jurastudentin Yvonne Louise Ulrich, Einzi genannt, die so vielen Emigranten half. Paul Abraham stellte sie Robert Stolz vor und das war für Robert Stolz der Beginn einer einzigartigen Liebe.

Paul Abraham erhielt ein Visum für Kuba, wohin er im Juli/August 1940 von Paris über Casablanca/Marokko floh. Dort hatte er auch etwas Erfolg, dann erhielt er ein in Miami ausgestelltes Besuchervisum für die USA. Er reiste von Kuba mit dem Schiff nach Miami/Florida und kam dort am 26.08.1940 an. Da seine Einkünfte sehr geschmolzen waren, fuhr er weiter mit der Bahn nach New York, wo er im Hotel Windsor unterkam. In New York schlug er sich als staatenloser Barpianist durch und versuchte, wieder mit seinen Kompositionen Fuß zu fassen - das misslang ihm leider, obwohl er im Jazz sehr versiert war.

Robert Stolz beschrieb das Amerika-Jahr 1940: „Kurt Weill, Emmerich Kálmán, Oscar Straus, Paul Abraham und ich zählten zu den bekanntesten Komponisten der leichten Muse, die das Wiener- und das deutsche Musiktheater in der Neuen Welt vertraten." (S.371/372)

Ferner schrieb Robert Stolz in seinem Buch „Servus Du" (S.374): „Im Jahre 1940 schaffte es auch der hochtalentierte deutsch-ungarische Komponist Paul Abraham nach New York zu emigrieren, aber trotz der Unterstützung durch die ungarischen Kolonien in New York und Hollywood gelang es ihm nicht, in der Neuen Welt Fuß zu fassen." …

Eines Tages erzählte er Robert Stolz, er werde den berühmten Hollywood-Star ungarischer Herkunft Ilona Massey heiraten und lud alle Kollegen für den nächsten Tag zur Hochzeit ins Hotel St.Moritz ein. Als Robert und Einzi Stolz dort mit Blumen erschienen, wusste er von nichts und konnte sich auch an nichts erinnern; so schritt seine tragische Krankheit fort...

Hans Geiringer, der gemeinsame Freund von Robert und Einzi Stolz, wohnte auch im Hotel St.Moritz. Als dieser eines Nachts nach Hause kam, saß Paul Abraham im Pyjama in der Hotelhalle und bat Geiringer, bei ihm schlafen zu dürfen. Geiringer, der ein Zimmer mit zwei Betten bewohnte, nahm ihn mit und bestellte ihm, der stundenlang im Central Park gewesen- und total verschmutzt war, ein Frühstück. Abraham ging ins Badezimmer, dort setzte er sich für 20 Minuten in eiskaltes Wasser. Als Geiringer gerade eingeschlafen war, hörte er eine zornige Stimme: „Dich bring ich um, du bist mein Feind - dich bring ich um!" An seinem Bett stand Paul Abraham, den Telefonapparat in der drohend erhobenen Hand. Mit Hilfe Abrahams bestem Freund, dem Fotografen Pál, den Geiringer benachrichtigen konnte, gelang es, ihn ins Bellevue Hospital, einem Nervenkrankenhaus, zu bringen. Dort blieb Paul Abraham bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland. In Hamburg lebte er noch einige Zeit in einem Heim bis zu seinem Tod. So endete einer der talentiertesten Komponisten der deutschen Unterhaltungsmusik!

Hier noch eine andere Version: Als Paul Abraham eines Tages auf dem Broadway vor dem Shubert Theatre ein unsichtbares Orchester dirigierte, wurde er aufgegriffen und zunächst in eine Irrenabteilung des Bellevue-Hospitals gebracht, wo er ab 05.01.1946 psychiatrisch behandelt werden musste. Einen Monat später wurde er dann ins Creedmoor State Hospital verlegt…

Fest steht, dass Paul Abraham schon lange Zeit an Syphilis erkrankt war. Da diese nicht behandelt wurde, befand er sich zum Zeitpunkt seiner Eskapaden im 4.Stadium dieser Krankheit (Quartärstadium= latente Neurosyphilis). Im Jahre 1946 wurde eine „akute Denkparalyse" im New Yorker Creedmoor State Hospital diagnostiziert. Die amerikanische Medizin bekam das vortrefflich in den Griff und dank guter Medikamente nahm diese Krankheit einen guten Verlauf.

PEM beschrieb im Jahre 1955, dass Paul Abraham seit vielen Jahren im amerikanischen Irrenhaus lebe. „Die verlagsmäßigen Rechte seiner Werke sind recht verwickelt; Anwälte und Agenten behüten die Musiken des anscheinend unheilbar Kranken. Es ist nicht herauszufinden, ob der Schöpfer so vieler populärer Lieder wirkliche Not leidet, wie man sagt, oder nicht." (PEM, S.177)

Im Jahre 1956 klärte die Bundesrepublik Deutschland mit den USA die finanziellen Fragen bezüglich einer Rückkehr des mittlerweile mittel-und immer noch staatenlosen Paul Abraham. Er wurde auf Initiative des in Hamburg gegründeten Paul-Abraham-Komitees nach Deutschland geholt, wo er am 30.04.1956 als ein gebrochener Mann ankam, für unheilbar geisteskrank erklärt- und auch entmündigt wurde.

In Hamburg stand er ab Oktober 1956 weiterhin in der Psychiatrie der Uniklinik Eppendorf unter medizinischer Betreuung; er spielte wieder Klavier. Gut tat ihm auch, dass seine Ehefrau Charlotte, von der er sich 1939 getrennt hatte, aus Budapest anreisen durfte und ihn ab Oktober 1956 in einer Privatwohnung betreute. Eine faustgroße Geschwulst in der Kniekehle stellte sich als bösartiger Krebs heraus. Er wurde daran operiert, erholte sich nach dieser OP nicht mehr und verstarb am 06.05.1960. Paul Abraham wurde auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf beigesetzt.

Es wird berichtet, dass Paul Abraham bis zu seinem Tode der Überzeugung war, in New York zu leben und bald wieder einen großen Kompositionserfolg haben würde. Bernard Grun schrieb in seinem Operetten-Buch, dass Paul Abraham über eine übersprudelnde Einfallskraft verfügte, doch auch über eine unvollkommene Technik und dazu ein tragisches Ende nahm. Er war ferner der Meinung, dass Abraham ein halbes Menschenalter zu spät gekommen sei, einen Ausweg gesucht- und nicht gefunden hätte!

Während Franz Lehár mit seinen Operetten immer noch auf den Spielplänen vertreten ist und auch Emmerich Kálmán mit seinen Pusztaklängen als der typische Vertreter der ungarischen Operette gilt, ist Paul Abraham eher in Vergessenheit geraten. Er versuchte ungarische Volksmusik mit Tanzrhythmen seiner Zeit in Einklang zu bringen und das manchmal vor internationalem und exotischem Hintergrund. Die Libretti sind leider dramaturgisch nicht immer geglückt, doch seine Operetten haben Revuecharakter, so könnte man ihn als Wegbereiter des Musicals bezeichnen.

Von ihm geblieben sind einzelne Nummern aus seinen Werken, Melodien im Tanzrhythmus seiner Zeit, wie im Foxtrott: „Ja, so ein Mädel, ungarisches Mädel - „Meine Mama war aus Yokohama - „Ich hab ein Diwanpüppchen genau wie du - „My little Boy; oder im Slowfox: „Mausi, süß warst du heute Nacht - „Blume von Hawaii, ich liebe dich fürs Leben; dann der Marsch: „Wo es Mädels gibt, Kameraden und Lieder im English-Waltz: „Pardon, Madame, ich bin verliebt - „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände".

Curt Riess beschrieb in seinem Buch „Das gabs nur einmal den Film „Die Blume von Hawaii folgendermaßen: ...„einzig die zündenden Melodien und Rhythmen von Paul Abrahams Musik sind von diesem Film übrig geblieben. Die Hawaiiprinzessin spielte und sang Martha Eggerth, Prinz und Tenor: Hans Fidesser, Stone: Ivan Petrovich."

Bekannte Melodien (Auswahl):

Blume von Hawaii - Bin nur ein Jonny - Du traumschöne Perle der Südsee - Es ist so schön, am Abend bummeln zu gehen - Goodnight! Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände - Ich hab ein Diwanpüppchen genau wie du - Ja, so ein Mädel, ungarisches Mädel - Mausi, süß warst du heute Nacht - Meine Mama war aus Yokohama - My golden Baby - My little Boy - Nur ein Mädel gibt es auf der Welt - Pardon, Madame, ich bin verliebt - Toujour l'amour - Was hat eine Frau von der Treue? - Will dir die Welt zu Füßen legen - Wo es Mädels gibt, Kameraden

Uraufführungen in Wien:

Johann Straußtheater: Ball im Savoy, 15.12.1933

Theater an der Wien: Viktoria und ihr Husar, 23.12.1930 - Die Blume von Hawaii, 07.09.1932 - Märchen im Grand-Hotel, 29.03.1934 - Dschainah, 21.12.1935 - Roxy und ihr Wunderteam, 25.03.1937

Operette:

Ball im Savoy - Der Gatte des Fräuleins - Die Blume von Hawaii - Der weiße Schwan (Budapest) - 3:1 a szerelem javára (Budapest) - Dschainah - Es geschehen noch Wunder - Julia - Märchen im Grandhotel - Roxy und ihr Wunderteam - Tambourin (Musical/ unaufgeführt/T:A.Grünwald) - Történneck még osodák - Viktoria und ihr Husar - Vikí - Wintermelodie (Musical) - Zenebona - Zwei glückliche Herzen

Film:

Antonia, romance hongroise (1935, Frankreich) - Ball im Savoy (1934) - Bretter, die die Welt bedeuten (1935, Österreich) - Coeurs joyeux (1932, Frankreich) - Családi pótlék (1936, Ungarn) - Das Blaue vom Himmel (T:Max Kolpe/Fritz Rotter, 1932) - Die Blume von Hawaii (1931/32) - Die entführte Braut (1938, Österreich) - Die Privatsekretärin (1931/Dactylo se marie, 1934 Frankreich) - Die singende Stadt (1930) - Dschainah (1935) - Ein bisschen Liebe für dich (1932/Monsieur, Madame et Bibi, 1932 Frankreich) - Glück über Nacht (1932) - Holiday in Mexico (1943/1946, USA) - Hotel Kikelet (1937, Ungarn) - Lila akác (1934, Ungarn) - Mai laynok (1936, Ungarn) - Melodie des Herzens (1929) - Racoczy Marsch/Rácóczi indulo (1933) - Roxy und ihr Wunderteam (1938) - Serenade (1939, Frankreich) - Tagebuch der Geliebten (1935, Österreich) - Úri világ (1938, Ungarn) - Victoria und ihr Husar (1931) - Yes, Mister Brown (1932) - Zigeuner der Nacht (1932) - Zwei glückliche Herzen (1932)

Ascher, Dr.jur. Leo - 17.08.1880 Wien-25.02.1942 New York

Leo Aschers Vater war der Schirmfabrikant Moritz Ascher und die Mutter Eva eine geborene Friedenthal. Bereits mit dreizehn Jahren schrieb Leo erste Klavierkompositionen; er besuchte in Wien das Gymnasium und schloss mit Matura ab. Ab 1898 studierte er an der Uni neben Jura auch Musik am Wiener Konservatorium. Er war Klavierschüler von Hugo Reinhold und Louis Thern. Bei Robert Fuchs studierte er Komposition und war anschließend für ein Jahr Privatschüler von Peter Schmidt. Mit 24 Jahren (1904) promovierte er zum Dr.jur. und arbeitete auch in diesem Beruf.

Leo Ascher begann seine Komponisten-Karriere mit der Oper „Mamzell Courage und versuchte seinen eigenen Weg zu gehen; so lehnte er kompositorisch das Genre Schlager vehement ab. Der Librettist Victor Léon wurde auf ihn aufmerksam und bot eine Zusammenarbeit an. Es entstand seine erste Operette „Vergelt's Gott (Libretto:Victor Léon/ Theater an der Wien, 14.10.1905), die in Deutschland ab dem Jahre 1907 auch unter den Titeln „Der Bettelgraf oder „Der Bettlerklub lief. Damit hatte er bereits einen kolossalen Erfolg und der später bekannte Sänger Louis Treumann gab damit sein Debüt.

Zusammen mit R.Pohl übersetzte er das Libretto für das Vaudeville „Spitzbub und Cie." (Originallibretto:H.Meilhac/L.Halévy) von Josef Bayer, die am 05.07.1907 im Wiener Jantschtheater Premiere hatte. Zwar blieb Ascher noch seinem bürgerlichen Beruf treu, doch schnell stellte sich der große Erfolg mit seinen volkstümlichen Operetten ein. Für das Wiener Danzers Orpheum schrieb er „Die grüne Redoute" für den 26.03.1908. In der Saison 1909/10 wurde er zusammen mit Béla Laszky musikalischer Leiter des Kabaretts Fledermaus. Weitere Werke kamen zur Premiere, wie: „Die arme Lori" (T:L.Krenn, 12.03.1909) im Ronacher - „Hut ab!" (T:E.Skurawy/S.B.Telheim, 28.05.1909) in der Venus - „Belagerungszustand" (T:August Neidhardt, 01.11.1909) in der Fledermaus; ebenda „Die keusche Susanne" (T:Beda, 01.02.1910) - „Die Klubbrüder" am 01.04.1910 im Colosseum und in der Hölle am 07.04.1910 „Abenteuer eines Torero".

Nun kam es in der Fledermaus zu einer nächtlichen Begegnung mit zwei Bohemiens: Julius Brammer, ein Chargenspieler am Theater an der Wien und dem kaum 20-jährigen Alfred Grünwald, Angestellter einer Theateragentur. Später lieferten sie der Wiener Operette mehr Erfolgsbücher als jede Librettisten-Gemeinschaft vor- und nach ihnen (siehe Kapitel 3). Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie gerade zwei winzige Musiquettes produziert. Sie erzählten Ascher von ihrer Idee eines Altwiener Singspiels mit dem Titel „Vindobona, du herrliche Stadt" und diese Burleske kam am 22.07.1910 ins Venedig in Wien. „Der fromme Silvanus" (03.11.1910) und „Rampsenit" (01.01.1911) entstanden nach einer Textvorlage von Fritz Löhner-Beda für das Kabarett Fledermaus; damit wollte Ascher zu Offenbach zurückführen. Es folgte am 01.05.1911 für das Wiener Ronacher die Operette „Das goldene Strumpfband und „Eine fidele Nacht am 01.09.1911 für das Colosseum; seine Operette „Der Lockvogel" wurde 1912 in Berlin uraufgeführt.

Dazwischen wurden Leo Ascher und seine Ehefrau Luise, geb. Frankl, Eltern einer Tochter, der sie den Namen Franzi (28.11.1910 Wien-01.09.1991 Lancaster/USA) gaben. Franzi kam seit frühester Kindheit mit Musik in Berührung und hegte deshalb schon ganz früh den Wunsch Opernsängerin zu werden.

Leo Aschers Zusammenarbeit mit den Librettisten Julius Brammer und Alfred Grünwald führte zu seiner berühmtesten Operette „Hoheit tanzt Walzer", deren Premiere am 24.02.1912 im Wiener Raimundtheater stattfand. „Das Lercherl von Hernals" war ein Gassenhauer - 500 Vorstellungen ensuite! Diese Operette wurde während WW1 sogar in New York gegeben, worüber es Notizen in der dortigen Zeitung gab!

Wieder gab es eine Zusammenarbeit mit Fritz Löhner-Beda für „Die goldene Hanna" (Apollo, 04.01.1913) und ins Ronacher kam die Revue „Was tut man nicht alles aus Liebe" (T:F.Dörmann, 17.12.1914). Es folgte am 19.02.1915 im Theater in der Josefstadt „Botschafterin Leni" (T:B.Buchbinder) und im Jahre 1916 „Die schöne Komödiantin".

Die Familie reiste viel zwischen Berlin und Wien, wahrscheinlich deshalb erhielt Franzi ab dem Jahre 1916 ihren ersten Schulunterricht privat bei der Mutter; später kam sie aufs humanistische Gymnasium, wo sie im Jahre 1928 Matura machte.

Nach einigen weiteren belanglosen Routinearbeiten kam der zweite größte Operettenerfolg seines Lebens mit einem typischen Berliner Singspiel: „Der Soldat der Marie" (T:Bernhard Buchbinder/Jean Kren/ Alfred Schönfeld) am 02.09.1916 unter der Direktion von Jean Kren im Berliner Neues Operettenhaus; dort wurden über 800 Vorstellungen gegeben. Die Wiener Premiere war am 19.01.1917 im Bürgertheater und im selben Jahr gab es „Egon und seine Frauen" auf der Berliner Bühne. Am 28.12.1917 kam ins Wiener Bürgertheater die Operette „Bruder Leichtsinn" (T:J.Brammer/A.Grünwald) und am 01.10.1919 „Der Künstlerpreis" (T:R.Oesterreicher/J.Horst); dann in Berlin „Was Mädchen träumen" (T:L.Jacobson/R.Bodanzky) und „Wo Schwalben nisten" (1919/20). Fürs Raimundtheater entstand „12 Uhr nachts!" (T:F.Dörmann/H.Kottow) zum 12.11.1920; ebenfalls 1920 in Berlin: „Prinzessin Friedl und „Baroneßchen Sarah (T:A.Neidhardt).

Dann kamen lauter Wiener Operetten-Uraufführungen: am 16.05.1923 „Ein Jahr ohne Liebe" (T:L.Hischfeld/A.Deutsch-German) im Stadttheater - am 06.03.1925 „Sonja" (T:R.Presber/Leo Walther Stein) im Carl-Theater. 1926 erschien „Das Amorettenhaus" (T:B.Hardt/M. Steiner-Kaiser) und im Raimundtheater am 16.04.1926 „Ich hab dich lieb...!" (T:W.Sterk); gefolgt von „Ninon am Scheideweg" (T:A. Neidhardt/A.Rebner) - 1928 „La Barberina" (T:V.Léon) - 1929 „Der König vom Moulin Rouge" (T:J.Wilhelm/P.Herz). Ins Stadttheater kam 1930 „Bei der Wirtin Rosenrot" (T:P.Knepler/F.Löhner-Beda) und ebenda am 17.04.1930 sein „Frühling im Wienerwald" (T:F.Löhner-Beda/F.Lunzer). Leo Aschers beste letzte Arbeiten waren das musikalische Lustspiel „Ich hab dich lieb" (1926), die große Operette „La Barberina" (1928) und „Frühling im Wienerwald" (1930).

In der Zwischenzeit versuchte Tochter Franzi die Aufnahmeprüfung an der Wiener Hochschule für Musik für das Hauptfach Gesang zu absolvieren; doch sie bestand nicht. Trotz vorhandener Stimmprobleme versuchte sie es danach an der Staatsakademie für Gesang und Kunst und wurde von Paula Mark-Neusser ausgebildet; doch ein Probesingen an der Städtische Oper Berlin verlief erfolglos.

Mit „Bravo, Peggy!" (T:W.Lichtenberg/A.Robinson/H.Waldau) am 29.04.1932 im Kaiserjubiläums-Stadttheater (Volksoper) und „Um ein bißchen Liebe" (T:R.Lothar/P.Herz) hatte Leo Ascher seine letzten Uraufführungen in Wien. Da war er gerade 52 Jahre alt! Natürlich schrieb er auch viele Tänze, Charakterstücke, Wiener Lieder, Chansons und Filmmusik, wie für „Purpur und Waschblau".

Mit der Nazi-Machtergreifung 1933 blieb es Leo Ascher aufgrund seiner jüdischen Herkunft verwehrt, weiter in Berlin tätig zu sein. Glücklicherweise war er auch im europäischen Ausland bekannt und so erhielt er u.a. Tantiemen aus England. Tochter Franzi erhielt im Jahre 1933 ihr erstes Engagement für Nebenrollen und als Zweitbesetzung am Kaiserjubiläums-Stadttheater (Volksoper), doch hielt sie das Engagement wegen ständiger stimmlicher Probleme (Stimm-Katarrh) nicht durch und wechselte zur Schriftstellerei. Familie Ascher versuchte ab Herbst 1933 in London Fuß zu fassen, was kläglich misslang; so fuhren sie schon im Frühjahr 1934 wieder zurück nach Wien.

Franzi Ascher besuchte am 12.03.1938 das Kino ihres Onkels, um sich die Filmpremiere von „Der Dybuk" nach kabbalistischen Motiven anzusehen. Auf der Premierenfeier sagte der Onkel: „Das Radio hat soeben verkündet, dass die Volksabstimmung abgesagt ist!" Am nächsten Morgen marschierten braune Kolonnen durch Wien und am 10.11.1938, nach der Pogromnacht, wurde Leo Ascher kurzzeitig in seiner Heimatstadt Wien verhaftet. Man machte ihm klar, dass er das Land binnen vierzehn Tagen zu verlassen hätte. Glücklicherweise hatte die Familie bereits ein Affidavit aus Amerika, für welches der in New York ansässige befreundete Kapellmeister Viktor Wagner bürgte. Am 25.11.1938 floh Familie Ascher endgültig über Frankreich in die USA. Ein paar Kunstgegenstände, Silber und Bücher durften sie mitnehmen, der übrige Besitz wurde enteignet! Sie verließen Österreich für immer. Leo Aschers Tochter Franzi (später Franziska Ascher-Nash) schrieb in ihrem Buch über die Emigration: ...„Die trüb beleuchtete Halle des Westbahnhofes war schwarz von Menschen und totenstill. Der Nazibeamte, der unser Handgepäck durchsuchte, sah ein paar Klavierauszüge von Operetten meines Vaters obenauf in einem Koffer liegen. ‚Mein Gott, Herr Doktor', sagte er, ‚Hoheit tanzt Walzer. Ich war ein Bub, wie ich's zum erstenmal g'sehn hab. Und Frühling im Wienerwald. Das war doch erst vor zwei Jahr. Die schöne Musik!'. Mein Vater kehrte dem Mann den Rücken. Ekel war auf seinem Gesicht und er sagte nicht ein Wort." (S.20)

Über Salzburg ging es per Zug nach Paris und am 03.12.1938 fuhr der Boat Train durch die stoppelige Heidelandschaft Nordfrankreichs. Cherbourg: Abschied von Europa und Überfahrt mit der MS Aquitania der Cunard Line nach New York; mit an Bord waren Mr. und Mrs.Gary Cooper und Sir Anthony Eden. Franzi Ascher hatte an Bord eine Begegnung mit einem alten Arzt, der ihr folgendes sagte: ...„Es steht nämlich schon alles in den Sternen geschrieben. Ein großer Krieg wird kommen und der Große Bär wird aufstehen und wird Deutschland zerstören. Wissen Sie, was das Sternbild des Großen Bären bedeutet? Der Große Bär bedeutet Rußland. Und das Ende des Krieges wird der Anfang eines neuen Zeitalters sein, und Friede für die ganze Welt." (S.29)

Familie Ascher bezog eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung am Riverside Drive mit Blick auf den Hudson-River. Leo Ascher wurde auch von der Radio Station WHN eingeladen, um an einem Refugee Artists Broadcast teilzunehmen und wieder wurde ihnen vermeintliche Behaglichkeit vorgetäuscht. Der Master of Ceremony lächelte und sprach ins Mikrofon: „And now I take pleasure in introducing Leo Ascher who has arrived with his family from Vienna just three days ago and tonight they are all three with us, and I am glad to say that they are all happy and smiling." (S.37/38)

Als sie danach über den Broadway gingen, meinte Leo Ascher: „Es hat eine Broadway-Melodie!"; so wie die Filme, die sie 1935, 36 und 37 in Europa sahen. Ascher hatte auch gleich ein Treffen im Sherry Netherland Hotel mit einer Operettensängerin für „Hoheit tanzt Walzer am Broadway; ein Mr.X sollte es finanzieren, doch kurze Zeit später kam dieser Mister wegen einer nicht ganz geklärten Rennplatz-Affäre in U-Haft! Leo Aschers Arbeit knüpfte zu dem Zeitpunkt an der gleichen Stelle an, wo er in Wien aufgehört hatte. Seine letzte Wiener Operette „Um ein bißchen Liebe wurde textlich und musikalisch durch Will B.Johnstone (der amerikanische Wilhelm Busch) ins Amerikanische übertragen. Ascher konnte nur dann am Klavier improvisieren, wenn der neben ihm sitzende ebenfalls durch und durch musikalisch war. Bill führte in diese Operette einen drastisch komischen Hausbesorger ein, der am Ende Jodeln lernt (S.50). Bill nannte Ascher „Doc" und dessen Frau „Louise"; für ihn hatte sie eine „100-Millionen-Persönlichkeit" und er konnte Franzi Ascher so beschreiben, wie sie wirklich war.

Franzi Ascher beschrieb den Klavierton ihres Vaters als …„den gleichsam von selbst aufsteigenden runden Klavierton, der durch die Tür zu hören war." An vielen Samstagabenden hörte sich Leo Ascher „Hit Your Parade" im Radio an; „Kitsch über Klirrendem" wie Franzi Ascher es nannte.

1939/40 erreichte Leo Ascher ein Scheck seines Verlegers aus Nizza für Europa-Tantiemen in Holland, Frankreich, Dänemark und der Schweiz. In Nazi-Deutschland spielte man zwar immer noch seine Werke, aber an diese Tantiemen kam Leo Ascher nicht mehr heran, denn sie wurden arisiert und der STAGMA zugeführt.

Franzi Ascher besuchte die German-American Writers Association; dort sprach Oscar Maria Graf über die Aufgabe des Schriftstellers im Exil. Auch lud die amerikanische Romanschriftstellerin Nathalie Sedgwick Colby (ihr Roman „Remembering" war gerade auf den Markt gekommen; sie war die Frau des Staatssekretärs im Weißen Haus) jeden Mittwoch zum Tee. Zwischen den Europäern gab es dort kaum Gemeinsamkeiten.

Krieg in Europa - und damit gab es generell keine Tantiemen mehr, die bis dato immer noch per Post eingetroffen waren. Die geplante Pariser Aufführung von „Um ein bißchen Liebe" (das französische Buch sollte nach der amerikanischen Fassung von Bill Johnstone hergestellt werden) - skandinavische Tourneen von „Hoheit tanzt Walzer - die finnische Premiere von „Frühling im Wienerwald - all das war nicht mehr relevant. Die Familie musste alle Reserven heranziehen, um für die Zukunft vorzubauen. So landete Franzi Ascher eines Tages im 31.Stock in der 120, Wall Street an der Schreibmaschine. Nun hatte sie den ersten Job ihres Lebens und trug zur Versorgung der Familie bei.

Später schrieb sie Hörspiele für den Rundfunk und von 1941-1949 für die Neue Volkszeitung Musikkritiken. Noch im Jahre 1940 war all ihr Hab und Gut in einem Lagerhaus am East River in Überseekisten verpackt. Kapellmeister Bodanzky, der 1904 (so Franzi Ascher) die erste Operette von Leo Ascher im Theater an der Wien dirigierte, war 1939 an der Metropolitan Opera und studierte dort mit Rose Pauly die „Elektra"; er lud Leo Ascher zur Premiere ein.

Bei Franzi Ascher steht es nicht, in anderen Aufzeichnungen wohl: Leo Ascher geriet im amerikanischen Exil in bittere Armut. Viele Emigranten zerbrachen psychisch im Exil. Auch wurde geschrieben, dass Leo Ascher ab 1939 als Jurist für Urheberrechtsangelegenheiten tätig war und in dieser Zeit patriotische Lieder und Unterrichtsliteratur für Kinder verfasste; das allerdings wurde mit keinem Wort im Buch seiner Tochter Franzi erwähnt.

Im Nazi-Index wurde Leo Ascher 1940 noch mit Wiener Wohnsitz angegeben, was nicht mehr wahr war! Am 25. Februar 1942 verstarb Leo Ascher im Alter von nur 62 Jahren in New York. Sein künstlerischer Nachlass wird im Archiv der Millersville University, Pennsylvania, aufbewahrt. Der Familien-Lebensspruch war ein Zitat von Jakob Wassermann: „Wie schwer ist es, das zu werden, was zu sein man längst bestimmt ist!"

Seine Tochter Franzi Ascher-Nash arbeitete in den USA als Hörfunkautorin, Schriftstellerin, Übersetzerin und Dozentin. Sie gründete in Millersville/PA am dortigen State College zu Ehren ihres Vaters den Leo Ascher Award für herausragende Themen der Werke Leo Aschers. Ferner das Leo Ascher Permanent Center zum Studium der Operettenmusik. Franzi Ascher-Nash verstarb am 01.09.1991 in Lancaster/PA.

Wie bei Heinrich Berté und Oscar Straus zeigten sich auch bei Leo Ascher anfangs sehr gute Ansätze von höherem Niveau. So wurde in Satz und Aufbau sehr viel Sorgfalt verwendet! Doch, wie dann Kritiker seiner Zeit formulierten, ging es mit jeder weiteren Arbeit bergab; bis zur bloßen Zusammenstellung von modernen Tanznummern, die auch nicht immer aus seiner Feder stammten. Mehr oder minder gelungene Texte wurden von einer meist mäßigen Handlung zusammengehalten.

„Leo Ascher hatte seit 1905 eine Unzahl an Werken geliefert, doch nur sein Erstling ,Vergelt's Gott' (14.10.1905 Wien) - ,Hoheit tanzt Walzer' (24.02.1912 Wien) und ,Der Soldat der Marie' (02.09.1916 Berlin) sind Werke von einiger Dauer! ... Diese Werke sind auch auf bessere Texte aufgebaut, es handelt sich sonst immer um Liebe und Wien in Duliähstimmung in der minderwertigsten Form." (Otto Keller, Die Operette, 1927)

Dr.Bernard Grun zählte Leo Ascher gemeinsam mit Georg Jarno zur Millöcker-Zeller-Eysler-Linie und schrieb zu seinem Werk „Der Soldat der Marie": …„was das Werk über ,Wie einst im Mai' (M:W.Kollo, 1913) stellte, war Aschers musikalische Eleganz und seine Kunst des Satzes und Aufbaus; was es unter das Vorbild sinken ließ, war ein gewisser Mangel an melodischer Unbekümmertheit, der von nun an charakteristisch bleibt für Aschers Schaffen und zu seinem problematischen Unbestand zwischen Wert und Wirkung führt." (S.393)

Volker Klotz bezeichnet Ascher, Eysler, Jarno und Reinhard als ...„gemütvoll musizierende Lokalpatrioten der dazumal populären Heimatoperette"...

Leo Ascher ist mit 54 Werken bei der heutigen GEMA registriert. Er hinterließ auch eine unglaubliche Auswahl an Liedern und Arien, dazu drei Opern und viele Operetten. Seit dem Jahre 1955 gibt es eine Aschergasse in Wien-Hietzing (13. Bezirk).

Lied (Auswahl):

Ach Liebster ich halt dich - Ach Theo-Theo-Theodor - Aus 1000 und einer Nacht (T:Hermann Klink) - Das Gewitter (T:Detlev von Liliencron) - Das Lercherl von Hernals - Das Puppenspiel der Marquise - Das Soldatenkind - Der Floh (T:Robert Blum) - Der Korporal (T:Robert Heymann) - Der neue Papa (T:Robert Heymann) - Die Adi, die Ida und der Edi/Die drei Künstler (T:Edy Beuth) - Die fromme Herzogin (T:Robert Heymann) - Die Herzogin von Pampelona (T:F.Löhner-Beda) - Die kleine Marquise - Die schöne Frau Pollak (T:Homunkulus) - Die Unschuld (T:Robert Heymann) - Die Violine (T:F.Löhner-Beda) - Du bist meine Freude - Ein Veilchen, das still im Verborgenen blüht - Fahr'n ma naus ins Liebhartstal - In Heiligenstadt steht ein Bankerl am Bach - Irgendeinmal kommt irgendwer - Ja, ja, in jedem Städtchen - L'appétit vient en mauyeant (T:Homunkulus) - Mit Parapluie und Pompadour - So solltet ihr sein (T:W.Sterk) - Spieglein, Spieglein in meiner Hand - Wenn die Veilchen wieder sprießen - Wiegenlied Op.81 (T:Friedrich Werner van Oestefen) - Wiener Gemütlichkeit

Oper:

Irrlicht - Jung England - Mamzell Courage

Uraufführungen in Wien:

Apollo: Die goldene Hanna, 04.01.1913 - Der Künstlerpreis, 01.10.1919

Bürgertheater: Der Soldat der Marie, EA 19.01.1917 - Bruder Leichtsinn, 28.12.1917

Carl-Theater: Sonja, 06.03.1925

Colosseum: Die Klubbrüder, 01.04.1910 - Eine fidele Nacht, 01.09.1911

Danzers Orpheum: Die grüne Redoute, 26.03.1908

Fledermaus: Belagerungszustand, 01.11.1909 - Die keusche Susanne, 01.02.1910 - Der fromme Silvanus, 03.11.1910 - Rampsenit, 01.01.1911

Hölle: Abenteuer eines Torero, 07.04.1910

Kaiserjubiläums-Stadttheater (Volksoper): Bravo, Peggy!, 29.04.1932

Raimundtheater: Die arme Lori, 12.03.1909 - Hoheit tanzt Walzer, 24.02.1912 - 12 Uhr nachts!, 12.11.1920 - Ich hab dich lieb...!, 16.04.1926

Ronacher: Das goldene Strumpfband, 01.05.1911 - Was tut man nicht alles aus Liebe, 17.12.1914

Stadttheater: Ein Jahr ohne Liebe, 16.05.1923 - Frühling im Wienerwald, 17.04.1930

Theater in der Josefstadt: Botschafterin Leni, 19.02.1915

Theater an der Wien: Vergelt's Gott, 14.10.1905

Venedig in Wien: Hut ab!, 28.05.1909 - Vindobona, du herrliche Stadt!, 22.07.1910

Operette:

Abenteuer eines Torero - Baroneßchen Sarah - Bei der Wirtin Rosenrot - Belagerungszustand - Botschafterin Leni - Bravo Peggy! - Bruder Leichtsinn - Das Amorettenhaus - Das goldene Strumpfband - Der fromme Silvanus (Eine Waldidylle) - Der König vom Moulin Rouge - Der Künstlerpreis - Der Lockvogel - Der Soldat der Marie - Die arme Lori - Die goldene Hanna - Die grüne Redoute - Die keusche Susanne - Die Klubbrüder - Die schöne Komödiantin - Dorfmusikanten - Egon und seine Frauen - Eine fidele Nacht - Ein Jahr ohne Liebe - Frühling im Wienerwald (Singspiel) - Hoheit tanzt Walzer - Hut ab! - Ich hab Dich lieb! - Jugend im Mai - La Barberina - Ninon am Scheideweg - Prinzessin Friedl - Rampsenit - 's gibt nur a Kaiserstadt - Sonja - Um ein bißchen Liebe - Vergelt's Gott! - Vindobona, du herrliche Stadt - Was Mädchen träumen - Was tut man nicht alles aus Liebe! - Wo Schwalben nisten - Zwölf Uhr nachts

Film:

Der Soldat der Marie (1924) - Hoheit tanzt Walzer (1935) - Ihre Durchlaucht die Wäscherin (Purpur und Waschblau, 1931) - Mein Leopold (1932)

Barnett, John - 15.07.1802 Bredford-17.04.1890 Cheltenham/GB

Der frühere Name von John Barnett war Beer. Er war ein Kind von deutschen Eltern und Vetter 2. Grades von Giacomo Meyerbeer (Jakob Liebmann Meyer Beer/05.09.1791 bei Berlin-02.05.1864 Paris).

John Barnett war Schüler von Scheyder und Wartensee; er schrieb Opern, Operetten und rund 4.000 Lieder. Auch war John Barnett Musiklehrer, Verfasser einer Gesangschule und arbeitete dazu als Schriftsteller. Er hatte er einen Neffen: Barnett, John Francis (16.10.1837-24.11.1916 London), der von 1857 bis 1860 am Leipziger Konservatorium studierte und ausschließlich als klassischer Komponist tätig war. Das wurde noch 1940 im Nazi-Index beschrieben.

Oper / Operette:

Die Bergnymphe - Farinelli - Schön Rosamund - Vorm Frühstück (Operette)

Beer, Joseph - 07.05.1908 Gródek/Lemberg/Galizien-23.11.1987 Nizza/Frankreich

Joseph Beer stand nicht im Nazilex von 1940, doch wurde er verfolgt. Durch Herrn Wolfgang Dosch (Konservatorium Wien PU/Lehrgang Operette), der sich in seinen Seminaren sehr um verfolgte Komponisten/Librettisten verdient gemacht hat, habe ich Informationen erhalten, die ich hier einfügen möchte:

Jozef Jan Beer wurde am 07.05.1908 als zweites Kind des wohlhabenden Bankiers Isidore Beer und seiner Frau Amalie Esther Malka, geb. Silber, im damals noch österreichischen, nach WW1 polnischen Gródek bei Lemberg geboren. Heute gehört dieser Bezirk zur Ukraine. Joseph Beer hatte noch einen Jahr älteren Bruder Joachim und später eine vier Jahre jüngere Schwester Suzanne; alle verlebten eine wohlbehütete Kindheit im Kreise ihrer Familie.

Schon mit sieben Jahren entwarf Joseph sein eigenes Notensystem, nicht wissend, dass es sowas schon gab! Im Alter von dreizehn Jahren komponierte er bereits bis spät in die Nacht; eine Eigenschaft, die sein ganzes Leben lang anhielt. Während seiner Schulzeit auf einem jüdischen Gymnasium besuchte er das Lemberger Konservatorium. Nach der Matura begann er zuerst auf Wunsch seines Vaters mit einem Jura-Studium, denn dieser hätte gerne einen Juristen in der Familie gehabt; doch schon da schwebte Joseph eher das Dasein eines Komponisten vor.

Nach einem Jahr Jura-Studium bat er seine Eltern, seinem Wunsch eines Musikstudiums stattzugeben. So fuhr er nach Wien, um an der Hochschule für Musik die Aufnahmeprüfung zu absolvieren, die er nicht nur bestand, sondern gleich um vier Jahre überspringen durfte. So kam er sofort in die Meisterklasse von Prof. Joseph Marx, der gleich auf ihn aufmerksam wurde. Damit überzeugte er auch seinen Vater; und dieser besorgte ihm in Wien IX, Seegasse 28/12, eine Zwei-Zimmer-Wohnung und dazu einen Stutzflügel. Er schloss 1930 sein Studium mit Auszeichnung ab und wurde Dirigent und Korrepetitor eines Wiener Balletts. Zahlreiche Tourneen führten ihn neben Österreich auch in den Nahen Osten.

Durch Kollegen ermutigt, kontaktierte er den Librettisten Dr.Fritz Löhner-Beda und spielte ihm einige seiner Kompositionen vor. Begeistert wurde dieser Beers Mentor und machte ihn zudem mit wichtigen Persönlichkeiten des Musiklebens bekannt. Zusammen mit Dr.Ludwig Herzer schrieb Löhner-Beda dann das Libretto zu Beers erstem Operettenwerk „Der Prinz von Schiras", welches am 31.03.1934 im Züricher Stadttheater seine UA hatte. Diese Premiere wurde nicht nur im Magazin Sie und Er am 07.04.1934 ausführlich rezensiert; nein, alle Kritiker waren voll des Lobes! Ab dem 20.11. desselben Jahres kam das Werk unter der Regie von Hubert Marischka ins Theater an der Wien; dort wirkten u.a. mit: Lillie Claus, Maria Horstwig, Lotte Menas, Josef Egger und Fritz Steiner. Diese Wiener EA wurde sogar über Kurzwellenradio nach Lemberg übertragen und seine ganze Familie fieberte mit! Sein Vater stoppte dann auch den Applaus der Tenorarie „Du warst der selige Traum": es waren ganze 17 Minuten! Andere europäische Städte folgten: Madrid, Salzburg, Stockholm, Warschau, und zahlreiche Tourneen durch Europa und Südamerika verbreiteten dieses Werk weltweit. Joseph Beer stand im Alter von 25 Jahren vor dem Beginn einer großen Karriere als Operettenkomponist!

Im Jahre 1937 gab es wieder im Züricher Stadttheater die Premiere seines zweiten Werks „Die polnische Hochzeit" (T:A.Grünwald/Löhner-Beda), die er in nur ein paar Wochen komponierte, und noch erfolgreicher war als sein Debüt. Es wurde von rund 40 Bühnen übernommen und in acht Sprachen übersetzt. Es kam zu Verhandlungen mit der Oper in Rom und New York City, auch sollte es im Pariser Théâtre du Châtelet unter der Direktion von Maurice Lehmann (Ü:Georges Delance) mit Martha Eggerth und Jan Kiepura zur EA kommen; desgleichen war Richard Tauber für die Tenorpartie 1938 in Wien vorgesehen...

Joseph Beer galt nun als der aufsteigende Komponistenstern am Operettenhimmel...doch es kam anders als erwartet, denn mit dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland im März 1938 musste der Jude Joseph Beer sofort flüchten. Durch Fürsprache von Maurice Lehmann (Théâtre du Châtelet) erhielt er ein französisches Visum und floh mit nur zwei Koffern von Wien nach Paris, wo er ein Hotelzimmer bezog. Zeitdokumente belegen, dass Joseph Jean Beer hier der römischkatholischen Konfession angehörte! Konvertierte er wie andere Komponisten jüdischer Herkunft aus Sicherheitsgründen oder war es noch möglich, einfach die Konfession selbst zu bestimmen, um sich vor Repressalien zu schützen?

Joseph Beer lebte nun vom Arrangieren und Instrumentieren von Orchesterwerken. Nebenher schrieb er für andere Komponisten als Ghostwriter oder unter falschem Namen, nur um zu überleben und einen Teil des schmalen Salärs auch seiner Lemberger Familie zukommen zu lassen, denn ab dem Einmarsch der Nazis in der Tschechoslowakei (1938) und Polen im Herbst 1939 wurde es auch dort für die galizischen Juden immer gefährlicher!

Bei Klassika las ich, dass Joseph Beer den Kompositionsauftrag eines Dirigenten vom Züricher Stadttheater erhielt, was dieser dann unter seinem Namen uraufführte. Die Partitur, einschließlich aller Orchester-und Singstimmen, soll Beer ohne Klavier in drei Wochen geschrieben haben. Interessant wäre es jetzt zu erfahren, um was für ein Werk es sich handelte und für wen es war? Oder war es, wie es zum Beispiel auch Robert Stolz machte, ein Fake? Das bedeutet: um seinen jüdischen Kollegen auch im Ausland Geld/Tantiemen zukommen zu lassen, schob er einen arischen Namen vor und gab ihm dann die Tantiemen für die Aufführungen.

In Paris blieb Joseph Beer bis 1940; denn nun eroberten die Nazis auch Frankreich; so floh er zu seinem älteren Bruder Joachim nach Nizza/Südfrankreich, was zu der Zeit noch frei war. Dort arrangierte er weiterhin Orchestermusik für verschiedene Auftraggeber, die wohl oft die Situation ausnutzten und dann seine Kompositionen als die Ihren ausgaben. Er komponierte nun am Pult seine dritte Operette „Stradella in Venedig" (nach einem Buch von Laszlo Lakatos), für die er auch das Libretto schrieb. Durch seine Lebensumstände wurde dieses Werk stilistisch natürlich völlig anders als seine vorhergehenden.

Nun wurde 1942 auch Südfrankreich samt Nizza von den Nazis besetzt und Joseph Beer lebte fortan als U-Boot. Ein Dokument, was mir freundlicherweise von Herrn Wolfgang Dosch übermittelt wurde, zeigt an, dass Joseph Beer am 19.11.1942 ein Reisedokument des spanischen Konsulats in Marseille ausgestellt wurde, womit ihm eine künstlerische Reise nach Lissabon/Portugal erlaubt wurde. Viele Juden versuchten zu der Zeit via Spanien und Portugal in die USA zu fliehen (siehe Band 2/Emigration/E.J.Aufricht)! Sowohl in Spanien als auch in Portugal wurden Juden nicht verfolgt und ebenfalls nicht an die Nazis ausgeliefert, was in Frankeich zu der Zeit schon gang und gäbe war!

Doch gibt es noch ein zweites Dokument der Nizzaer Präfektur vom 03.09.1943, worin der römisch-katholische Joseph Jean Beer unter dem Protektorat des französischen Staates steht, weil er sich um die französische Kunst verdient gemacht hat! Bis zu der Zeit hatte er auch noch Kontakt über eine französische Freundin zu seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester Suzanne, die in Lemberg gefangen waren. Die Nazis konfiszierten ihre Wohnung und trieben sie ins Lemberger Ghetto. Dort lebten sie nun unter menschenunwürdigsten Verhältnissen. Krankheit und Hunger waren der tägliche Begleiter! Joseph Beer schickte immer Lebensmittelpakete nach Lemberg, doch man konnte nicht sicher sein, ob die überhaupt bei seiner Familie ankamen. Zuletzt bat ihn der Vater darum, nichts mehr zu schicken, da dies die Familie gefährden würde!

Es gibt die Geschichte, dass Joseph Beer in der Mitte einer Nacht ganz klar und deutlich die Stimme seiner Mutter hörte, wie sie dreimal seinen Namen rief, wovon er erschreckt aufwachte. Er war wie viele Künstler fähig, Vorahnungen zu haben und befürchtete nun das Schlimmste. Seine Eltern und die jüngere Schwester Suzanne wurden ins Todes-KZ Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Nach dem Kriege stellte sich heraus, dass er genau zum Todeszeitpunkt seiner Mutter, zu der er ein sehr inniges Verhältnis hatte, ihre Stimme vernahm.

Dies, und den Tod vieler weiterer Freunde, erfuhr Joseph Beer nach Kriegsende! Dann auch, dass viele seiner Weggenossen Nazi-Mitläufer oder Kollaborateure waren; und das widerte ihn zu Recht an! Er zog sich fortan zurück und verweigerte alle Aufführungsrechte an seinen früheren Werken. Nach Kriegsende besuchten ihn viele Intendanten und Agenten, doch er blieb hartnäckig und verneinte eine jegliche Zusammenarbeit!

1946 fand die UA seines Oratoriums „Ave Maria" in der Nizzaer Kathedrale Notre Dame statt und am 26.02.1949 war die Premiere der komischen Oper „Stradella in Venedig" im Züricher Stadttheater. Dort hatte sie sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern sehr großen Erfolg; doch lehnte Joseph Beer weiterhin sämtliche Auftragsangebote ab! Doch er komponierte täglich, denn das war sein Leben, aber in vollständiger Isolation.

In Nizza lernte er nach dem Kriege die junge Münchnerin Hanna Königsberg (+2013 Nizza) kennen, die ebenfalls vor den Nazis dorthin geflüchtet war. Sie unterstützte Joseph Beer bei all seinen Projekten. Später heirateten sie und mit ihr bekam er die Töchter Suzanne Beer (eine anerkannte Malerin/Künstlerin und Philosophin, die in Paris lebt) und Béatrice Beer (eine internationale Opernsängerin mit Sitz in Philadelphia/USA).

Im Jahre 1966 promovierte Joseph Beer zum Dr. phil. an der Pariser Sorbonne mit seiner Dissertation „Die Entwicklung des harmonischen Stils in den Werken von Scriabin" (Alexander Nikolajewitsch Skrjabin/Scriabin, 1871-1915, fügte zu seiner Musik die „Klaviatur des Lichtes" ein. Ein Thema, was auch 1929 schon Emil Frantisek Burian für seine Avantgarde-Theateraufführungen umsetzte). Mit dieser Arbeit errang er die höchste Auszeichnung „Très honorable et félicitations du Jury". Sein Doktorvater Vladimir Jankélévitch offerierte ihm, dieses Werk mit seinem Vorwort zu veröffentlichen! Joseph Beer lehnte ab, denn er hatte nur eine Passion: das Komponieren!

Joseph Beer schrieb noch das Singspiel „Die Polin von Napoleon" (La Polonaise, 1975) und die komische Oper „Mitternachtssonne" (1987). In Skandinavien lief seine „Polnische Hochzeit mit großem Erfolg unter dem Titel „Masurkka ohne seine Zustimmung. Erst im Jahre 2011 stimmten die Töchter Joseph Beers einer österreichischen EA dieser Operette beim Wiener Operettensommer 2012 zu.

Joseph Beer verstarb am 23.11.1987 im Alter von 79 Jahren in Nizza und hinterließ ein umfangreiches Werk. Im Jahre 2006 gründete seine Familie ebenda die Joseph-Beer-Foundation, um seine Werke wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen. So gab es bereits Konzerte und Rundfunkaufnahmen in Paris, der Ukraine und ebenfalls in Wien, wo der Verlag Doblinger seine Operetten wieder bekannt machen möchte. Sehr verdient um die Werke ihres Vaters macht sich seine Tochter, die Sängerin Béatrice Beer. Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.josephbeercomposer.com.

Am Konservatorium Wien PU beschäftigte sich der Lehrgang Operette mit der Erforschung und Interpretation des Werkes von Joseph Beer. Es gab Konzerte im Gläserner Saal des Musikvereins (April 2012), im Konservatorium (Mai 2012) und auch beim Operettenkongress der Universität Wien (29. Juni). Dort wurden folgende Fragen an Frau Hanne Beer gestellt, die mir Herr Wolfgang Dosch (Wien) dankenswerterweise übermittelte und zur Verfügung stellte:

Was war nach der Tragödie von Auschwitz, wo seine ganze Familie starb? Wie hat sich die Tatsache, dass Beers gesamte Familie mit Ausnahme seines Bruders und einige seiner Künstlerkollegen im KZ ermordet wurden, auf sein Dasein und sein Leben ausgewirkt?

Hanna Beer: „Er wurde dadurch völlig zerstört. Einige seiner alten Freunde, die überlebt hatten, erzählten mir, dass sie ihn nicht wieder erkennen konnten. Augenscheinlich war er zuvor ein sehr geselliger und fröhlicher Mensch gewesen. All dies war er nicht mehr als ich ihn kennenlernte. Er wollte beschaulich und zurückgezogen leben um in Ruhe zu komponieren."

Hat dieser Kompositionsprozess ihm geholfen, das Erlebte zu verarbeiten oder fügte es ihm noch mehr seelische Wunden zu?

Hanna Beer: „Musik schien seine Zuflucht gewesen zu sein. Schreckliche Dinge konnten dort nicht eindringen. Seine Musik blieb heiter, rhythmisch und leidenschaftlich."

Wie hat seine jüdische Herkunft sein Schaffen beeinflusst?

Hanna Beer: „Ich glaube nicht, dass es sein Schaffen beeinflusst hat. Vielleicht inspirierten ihn Teile einer Gebetsmelodie, oder eines populären Jiddischen Liedes. Er liebte jede folkloristische Musik - und vor allem Bartók! Joseph war überhaupt nicht religiös obwohl er in einem jüdischen Gymnasium war. Dies war jedoch nur deshalb geschehen, weil die polnische Bevölkerung sehr antisemitisch war und seine Eltern fürchteten, er könnte belästigt und ernsthaft verletzt werden."

Erstaufführung in Wien:

Theater an der Wien: Der Prinz von Schiras, 20.11.1934

Operette:

Der Prinz von Schiras - Polnische Hochzeit (Masurkka)

Bühnenwerk nach WW2:

Die Polin von Napoleon/La Polonaise (Singspiel) - Mitternachtssonne (Komische Oper) - Stradella in Venedig (Komische Oper)

Benatzky, Dr. Ralph - 05.06.1884 Budwitz-17.10.1957 Zürich

Ralph Benatzky war Pianist, Dirigent, Komponist, Librettist und Texter und er bildete eine Ausnahme, da er selbst zwar nicht verfolgt wurde, wohl aber aus Angst um das Leben seiner zweiten Frau und seiner Schwiegermutter das Weite suchen musste. Die Nazis haben von ihm unautorisierte Titel noch von 1941 bis 1943 für den Film verwendet!

Lexikon der Juden in der Musik - Eintragungen:

„Benatzky, Hedwig Josma, siehe Selim, Josma: Ps. für Benatzky, Hedwig Josma, geb. Fischer - 5.6.1884 Wien-25.8.1929 Berlin/Sängerin.

Benatzky, Melanie, geb. Hoffmann, gesch. Rothmüller - 21.7.1905 Wien - Sängerin - früher Wien."

Vorweg möchte ich einen Kommentar Bernard Gruns einfließen lassen: ...„die wienerische Wärme von Aschers Melodik, Jarnos Volkstümlichkeit, die künstlerische Vielseitigkeit Granichstaedtens, Robert Stolz Produktivität und Nedbals übersprudelndes Musikantentum vereinten sich in Benatzkys kapitaler Persönlichkeit. Er schrieb Operetten, Singspiele musikalische Komödien, Vaudevilles, Possen, Revuen, Ballette und eine Oper; Bänkelgesänge, Balladen, Schlagernummern, Gassenhauer, Chansons, Songs und Volkslieder, Film-, Radio- und Bühnenmusik; Romane, Novellen, Liedertexte und kunstkritische Schriften; Übersetzungen englischer, französischer und tschechischer Literatur und Gedichtsammlungen in vier Sprachen!"

Rudolph Josef Frantisek Benatzky wurde in Mährisch-Budwitz geboren. Sein Vater Josef Benatzky (13.05.1858 Zebus/Böhmen-24.10.1930 Leitmeritz/Böhmen) war der Leiter der dortigen deutschen Schule - seine Mutter Konstanze, geb. Witek (11.03.1863 Brotzen/Böhmen-17.12.1951 Reichenberg=Liberec/CSSR). Ralph war ihr erstes Kind - später kamen noch seine Brüder Emil (1887-1969/Mimo genannt) und Manfred (19011946) hinzu.

Schon früh zeigten sich die Anlagen seines Doppeltalentes und seine Mutter schrieb alles auf, was ihrem kleinen Liebling so alles einfiel. Mit vier Monaten konnte er sich bereits alleine aufsetzen, mit neun Monaten sprach er schon einige Worte, mit einem Jahr begann er zu laufen und mit knapp zwei Jahren sagte er die ersten Verse auf. Der dreijährige Rudolph ritt mit Vorliebe auf seinem Schaukelpferd und sang dabei immer die Lieder, die ihm seine Mutter beibrachte mit seinem Kommentar: „So singt es die Mama!" Dann sang er zum ursprünglichen Text eine neue Melodie und danach zur Melodie wiederum einen neuen Text: „Und so singe i c h das Lied!"

Rudolph, ein überaus aktives Kind, lernte rasch Noten und schlug mit seinen Händen gegen so manche Fensterscheibe, um dieses Klirren mit dem Ton auf dem Klavier zu vergleichen; damit testete er sein absolutes Gehör. Auch sein Bruder Emil half ihm später sehr gerne bei dieser Tonhöhenbestimmung. Im Jahre 1891 übersiedelte die Familie nach Senftenberg/Ostböhmen. Zwei Jahre später nach Nieder-Tenzel/Bezirk Leitmeritz und 1895 wechselten sie dann nach Trebnitz. Rudolph besuchte die Schule seines Vaters und handelte sich immer sehr gute Zensuren ein. 1896 ging er auf die Realschule nach Leitmeritz und musste weg von seiner Familie.

Aufgrund seiner hohen Intelligenz und seines enormen Fleißes erhielt er Zuwendungen der Kaiser-Franz-Josef-Stiftung. Fremdsprachen fielen ihm besonders leicht: neben Deutsch und Böhmisch konnte er später Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Ungarisch; auch Slowenisch und Ruthenisch.

Er entschied sich früh für das Klavier und erhielt seinen ersten Unterricht bei seinem Vater; dann in Leitmeritz bei einer Tochter des damals bekannten Lokalkomponisten Wenzel Heinrich Veith. Dort zeigte sich bereits seine unglaubliche Begabung: er spielte aus dem Gedächtnis heraus alles auf dem Klavier, was er zuvor gehört hatte. Er improvisierte und komponierte, schrieb dann eigene Gedichte und trug diese in der Familie vor. Mit 15 Jahren setzte er sich gegen eine, seiner Meinung nach, ungerechte Behandlung durch den Gymnasialdirektor zur Wehr, sodass er Repressalien fürchten musste. Der Vater gab seinem Wunsch nach, in die k.u.k. Kadettenschule in Wien einzutreten; auch in der Hoffnung, dass der Sohn ein Militärkapellmeister mit Pensionsberechtigung werden würde. So kam Rudolph Benatzky am 01.09.1899 in die kaiserlich-königliche Landwehrkadettenschule, Wien. Er wurde bald Kapellmeister des Schulorchesters, daneben besuchte er in Wien eine Militär-Oberrealschule und erhielt am 18.08.1904 sein Reifezeugnis. Zum Prager Landwehr-Infanterieregiment Nr.8 kam er zunächst als Fähnrich und wurde dort später Leutnant. Dort blieb er bis zum 30.04.1906 und erhielt so viel Freistellung vom Exerzieren, dass er die oberste Klasse des Konservatoriums besuchen konnte. Seinen Unterricht bei Anton Dvorák schloss er mit „bestem Erfolg" ab.

Was danach folgte? Das waren der graue Alltag des Militärs und seine Versetzung am 01.05.1906 nach Kolomea, einer kleinen galizischen Garnison an der äußersten Ostgrenze der Monarchie. Widerwillige Diensterfüllung und jede Gelegenheit nutzend, um in Zivil unter dem Ps.Rolf Benky in nicht allzu weit entfernten Städten wie Czernowitz Klavierkonzerte zu geben. Das kam ans Tageslicht und nur ein musikverständiger Oberst bog ganz knapp ein Verfahren wegen Fahnenflucht ab.

In den erhalten gebliebenen Militärakten (Quelle: Hennenberg) wurde schon beim jungen Benatzky ein beiderseitiger Lungenspitzenkatarrh diagnostiziert und als deren Ursache eine Tuberkulose vermutet. Hinzu trat Ende 1906 eine Syphilis, die ihn über Monate ins Spital brachte. Rudolph Benatzky galt mit seinen 23 Jahren als groß, mittelkräftig, von grazilem Knochenbau, gut entwickelter Muskulatur und von blasser Gesichtsfarbe; sein Charakter war offen, sehr heiter. Er hatte viel Temperament und sehr gute Geistesgaben, sowie gefällige Umgangsformen. Er war ein guter und beliebter Kamerad! Besondere Geschicklichkeit wurde ihm attestiert als Musiker, Sänger, Stenograph, Radfahrer, Turner und Fechter.

Im Jahre 1907 wurde Benatzky nach einem Streit im Kasino zu einem Duell mit Säbeln gezwungen. Dabei wurde er an der Schulter verletzt und zog sich eine Blutvergiftung zu. Am 22.07.1907 ersuchte er um seine Dienstuntauglichkeits-Erklärung. Zunächst wurde er nur länger beurlaubt, bis man ihn am 01.09.1909 in den Ruhestand versetzte. Das ärztliche Gutachten bescheinigte ihm als Folge einer Syphilis neurasthenische Beschwerden in Form von krankhafter Reizbarkeit und rascher Ermüdbarkeit! Für den Militärdienst gänzlich ungeeignet! Das ersparte ihm dann auch die Teilnahme am Ersten Weltkrieg.

Als Musiker war diese Verletzung zunächst ein richtiges Handicap. Kompositionen aus den Jahren vorher sind nicht mehr erhalten! So stellt man gerne die Hypothese auf, dass Benatzkys besondere Leichtigkeit, das bisweilen nur filigranhafte Andeuten, welches er später in fast jedem Genre der leichten Muse beherrschte, wohl auf dieses Handicap zurückzuführen war. Aufgrund dieses Erlebnisses ließ sich wohl auch der Ursprung seiner Lebensangst herleiten. Sein Vater warf ihm vor, er hätte seine Zukunft einschließlich Pensionsberechtigung leichtfertig verspielt. Benatzky verließ nach einer heftigen Auseinandersetzung das Elternhaus und stand vor dem Nichts! Seine selbstgestellte Aufgabe: er wollte Komponist und Dichter werden - fortan nannte er sich Ralph Benatzky! Fünf Jahre ließ er sich nicht mehr bei seiner Familie blicken. Ab und zu gab es einen Kartengruß - mehr nicht!

Am 01.12.1907 hatte Ralph Benatzky seinen ersten lyrischen Abend in Lobositz, einem Nachbarort seines familiären Trebnitz. Er las Gedichte, spielte seine Lieder und der Reinertrag fiel einem wohltätigen Zwecke zu. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Klavierspieler in Gaststätten, als Dolmetscher, Reisebegleiter bei einem Fürsten, Sekretär und sogar als Kurdirektor in Teplitz-Schönau. Dort wurde auch zum ersten Male von dem dortigen Caféhausorchester seine Walzer-Komposition gespielt. Manchmal kann man sich nicht sicher sein, inwieweit sich Wahrheit und Legende ineinander flechten. Auf jeden Fall studierte er in Prag und Wien Germanistik und Musik. Sicher ist auch, dass der Literaturhistoriker der Prager Uni, Prof.Dr.August Sauer, ihn förderte und ihm auch zu seinen ersten Veröffentlichungen verhalf. (Monatszeitschrift Deutsche Arbeit. Lyrik, von der sich Benatzky später distanzierte).

Er studierte in Wien im Hinblick auf einen ordentlichen Beruf (Promotion zum Dr.phil.) und verfiel in absolute Arbeitsbesessenheit. Benatzky gab an, bei Felix Mottl (Wagner-Prophet, bis zu seinem Tode 1911 Leiter der Königlichen Akademie der Tonkunst, München) Komposition studiert zu haben. In den Matrikeln ist er aber nicht verzeichnet, so liegt die Vermutung nahe, dass er bei Mottl wohl Privatunterricht nahm. Mit einem Wiener Maler, einem ehemaligen Schulfreund, verfasste er Karikaturen. Benatzky gab meist die Idee und die Textzeile und der andere zeichnete. In den Cafés entstanden Gedichte und Lieder, die meist für wenig Geld verkauft wurden, um sich über Wasser zu halten. Manchmal konnten sie diese Produkte allerdings auch an das ein oder andere Witzblatt verkaufen.

1908/09 wurden seine ersten Chansons im Kabarett Hölle vorgetragen und er fand dafür sogar einen Verleger. Der Chansonnier Theo Körner entdeckte Benatzky quasi für das Kabarett. Etliche frühe Chansonausgaben Benatzkys nennen Körner als Interpreten und die Wiener Hölle als deren einzig berechtigten Aufführungsort. Bald arbeitete er aber auch mit der Sängerin und Schauspielerin Fedi Férand (Eugenie „Ninon" Decloux/01.01.1887 Grenoble) zusammen.

Im Jahre 1909 gewann er im Preisausschreiben die Goldene Lilie des Königs von Spanien, verbunden mit 1.000 Mark Preisgeld und er promovierte an der Wiener Universität über „Goethe und das Volkslied".

1910/11 wurde er musikalischer Leiter vom Münchner Kleines Theater; hier wurde sein Werk „Der Komet kommt" im April uraufgeführt. Für die Wiener Fledermaus entstand „Die Walzerkomtesse" (T:Ludwig Bruckner/Julius Friedrich) zum 01.10.1910. Dem folgte seine Operette „Der Walzer von heute Nacht" (T:Adolf Klein) am 16.10.1910 im Wiesbadener Walhalla-Theater. Ebenfalls im Oktober gab es „Vabanque" im Mannheimer Apollotheater und „Der Star" im Dresdner Residenz-Theater. Die komische Oper „Der Nachtwächter erschien in Berlin; hier schrieb er auch die Bühnenmusik zu „Varieté (UA 21.11.1910), einem Einakter von Heinrich Mann für das Kleines Theater. Am 01.01.1911 hatte sein „Laridon-Ein neckisches Spiel aus der Manon-Zeit" (T:R.Benatzky) mit Fedi Férand im Hamburger Intimes Theater Premiere - es wurde dann in der Wiener Fledermaus am 01.03.1912 erstaufgeführt. Für die Nürnberger Kammerspiele entstanden mit seinem Text „Colombines Untreue - „Das blonde Abenteuer - „Pomponette" (01.09.1911/nach Henri Duvernois) und die Satyre „Cocotchens Mission" (01.10.1911).

1912 erhielt Benatzky bei einem Operntext-Preisausschreiben für sein Libretto „Die Schmiedin von Kent" den 1.Preis in Höhe von 5.000 Mark. Für die damalige Zeit war das ein enormer Betrag und zudem galt es mehr als über 300 eingereichte Manuskripte zu schlagen! Karl von Kaskel (10.10.1866 Dresden-22.11.1943 Berlin) schrieb hierzu die Musik; es kam allerdings erst am 29.01.1916 in der Dresdner Königliche Hofoper zur Premiere.

Im Januar 1912 gab es im Züricher Urania-Theater „Der Teufel und das nackte Weib" (Eine Meditation über die

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