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Die Welt auf Kriegskurs: Wie unleugbar Gute den Planeten in einen kandierten Kürbis verwandeln. Ein Lach- und Sachbuch über Geostrategie, humanitären Hilfsmord und Journatolismus

Die Welt auf Kriegskurs: Wie unleugbar Gute den Planeten in einen kandierten Kürbis verwandeln. Ein Lach- und Sachbuch über Geostrategie, humanitären Hilfsmord und Journatolismus

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Die Welt auf Kriegskurs: Wie unleugbar Gute den Planeten in einen kandierten Kürbis verwandeln. Ein Lach- und Sachbuch über Geostrategie, humanitären Hilfsmord und Journatolismus

Länge:
301 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
26. Feb. 2015
ISBN:
9783738676266
Format:
Buch

Beschreibung

In diesem Buch trägt Autor Axel B.C. Krauss wichtige Hintergrundinformationen über die seit 2001 unter dem Dach der Nato geführten Auslandseinsätze der "Koalition der Willigen" zusammen, die in den Leitmedien entweder gar nicht oder nur in stark gefilterter, "bereinigter" Form präsentiert wurden. Wer nach den wahren Beweggründen der Kriege im Irak, in Afghanistan, Libyen und Syrien sucht, wer verstehen will, warum Afrika zunehmend zum Schlachtfeld wird und welche politischen Machtzirkel, korporatistischen Interessen und geostrategischen Schachzüge dahinterstehen, hat mit dieser Schrift eine reichhaltige Wissensquelle für Diskussionen zum Themenkomplex zur Hand. Der Untertitel "Ein Lach- und Sachbuch" ist dem humorvoll-tröstlichen Auflockerungsbedarf der an sich düsteren Thematik geschuldet; ein bisschen Spaß muß rein.
Herausgeber:
Freigegeben:
26. Feb. 2015
ISBN:
9783738676266
Format:
Buch

Über den Autor

Axel B.C. Krauss ist freier Journalist, Publizist und Komponist. Er lebt und arbeitet in Berlin.


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Buchvorschau

Die Welt auf Kriegskurs - Axel B.C. Krauss

Über den Autor

Axel B.C. Krauss, Jahrgang 1969, studierte Chemie bis zum Vordiplom Organik, danach Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften, Philosophie und Filmwissenschaften.

Regelmäßige online-Artikelveröffentlichungen bei der libertären Zeitschrift eigentümlich frei zu Themen wie Geopolitik und -strategie, Außen-, Wirtschafts- und Finanzpolitik, desweiteren Film- und Buchbesprechungen.

Weitere Buchprojekte sind in Vorbereitung, u.a. ein philosophischer Liebesroman.

Krauss lebt und arbeitet in Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Vorwort

Und schon geht's los

Der Meinungsflic mit dem transatlantischen Tick

Kapitel 2

Knack und PNAC - Geostrategie zum schnellen Aufbacken im Kriegsofen

Der 11. September 2001 - Echter Terroranschlag oder Operation unter falscher Flagge?

Die geostrategischen Grundlagen der Kriege zur Erhaltung der American Primacy - Das große Schachbrett Zbigniew Brzezinskis

Kapitel 3

Dauerkriegsgebiet Irak

Rohstoffe in Afghanistan? Dann brauchen wir die Taliban!

Der Libyen-Einsatz: Gold, Wasser und Waffen für den Terror.

Gas und Geostrategie - Wie leben Sie mit dieser Schuld, Herr Assad? / Hintergründe des IS-Terrorismus.

Nachwort

Stichwortverzeichnis

I

Es sprach der Zeitungsredakteur:

Eine Schlagzeile muß her!

Ich glaube fast das isse:

Hornist erschlägt Hornisse.

Erhard Horst Bellermann

Der Journalismus ist eine Hölle, ein Abgrund, in dem alle Lügen, aller Verrat, alle Ungerechtigkeit lauert; niemand bleibt rein, der ihn durchschreitet.

Honoré de Balzac

Die deutsche Journalistik war und ist zum größten Theile noch ein wahrer Schandfleck unsrer Culturgeschichte. Man konnte die öffentlichen Urtheile in den Blättern nurt eintheilen in absichtlich lügenhafte oder bornirte.

Karl Leberecht Immermann

Vorwort

Glauben Sie mir bitte nichts. Ich bin nur ein kleiner, freier Schreiberling, der sich so seine Gedanken zum gegenwärtigen Weltenchaos macht. Mehr nicht. Sie werden bei der Lektüre dieses kleinen Büchleins auf viele Informationen stoßen, die ihr Weltbid womöglich gehörig aufmischen, ja, Sie sogar arg verärgern oder schockieren könnten, sofern Sie bisher nur FAZ, Spiegel, Zeit, Süddeutsche, Welt, ARD und ZDF oder andere Tempel journalistischer Seriösität betraten, um den Hohepriestern der Objektivität und Neutralität sowie - ganz wichtig - politischen Unabhängigkeit zu huldigen. Denn da komme ich nicht mehr mit, da kann ich nicht mitbieten. Ich maße mir hier also nicht an, alles besser zu wissen als die Gralshüter des Unhinterfragbaren und Alternativlosen. Betrachten Sie mich einfach als eine Art Häretiker, einen bündnispolitischen Heiden. Der, worauf ich Sie der Fairness halber gleich im Vorwort hinweise, nachts nur mit Alu-Hut in die Federn steigt, also eine hohe Affinität zu sogenannten Verschwörungstheorien besitzt und es wagt, seinen Lesern alternative Informationen anzudienen, die in den etablierten Massenmedien in Print und TV nicht umsonst so gut wie nie zur Sprache kommen, da sie gegen Dogmen der bündnispolitischen Amtskirche verstoßen, vor allem ihre Lehre von der unfehlbaren, heiligen transatlantischen Dreifaltigkeit (Im Namen des Pentagon, Washingtons und seiner Nichtregierungsorganisationen). Ich gestehe freimütig, daß ich zu denjenigen kriegsskeptischen Friedenspopulisten, also Irren und Vulgärpazifisten (Die Welt) gehöre, die sich erkühnen, das ptolamerikanische oder auch dollarzentrische Weltbild in Frage zu stellen. Ich vertrete die unerhörte Auffassung, daß nicht die Sonne um die Schaltzentrale der Demokratie, des Friedens, der internationalen Stabilität und Sicherheit, der ewiglich konjukturbelebenden Stimulus-Programme und humanitären Befriedungsmissionen am Potomac kreist, sondern dieses Monopol des unleugbar Guten, Wahren, Edlen und Schönen nur ein Monopol von vielen auf diesem Erdenrund darstellt, die allesamt um ein glühend heißes Zentralgestirn eiern, was ja vielleicht schon die hohe Fiebertemperatur in manchen Köpfen erklärt, die an der Spitze solcher Monopole sitzen, der Sonne also besonders nahe sind.

Glauben Sie mir also bitte nichts. Prüfen Sie die präsentierten Informationen nach Möglichkeit selber, recherchieren sie selbst. Das gilt selbstverständlich nicht nur für dieses Büchlein, sondern auch die breiten Datenströme, die alltäglich aus dem Olymp der Objektivitäts- und Neutralitätsgötter über die irdische Leser- und Zuschauerschaft hereinbrechen. Seien Sie kritisch, vor allem aber: Bleiben Sie skeptisch. Denn nichts wünschen sich herrschende Machteliten mehr als naive, gutgläubige Schlafschafe, die einfach alles schlucken, was man ihnen so an Informationsstroh hinhält, mit denen man leichtes Spiel hat und die man aufgrund ihrer Autoritäts- und Obrigkeitshörigkeit stets erfolgreich manipulieren kann. Denken Sie daran: Die heutigen Massenmedien, das, was man gemeinhin als Mainstream-Medien oder Leitmedien bezeichnet, sind im Wesentlichen leider nicht mehr als eine Art Interface, eine Schnittstelle zwischen denen mit Macht und denen ohne. Oder, wenn man so will, machtelitäre PR- oder Werbe-Agenturen. Am noch recht frischen Beispiel der Berichtbestattung des deutschen Journatolismus zum Krieg in der Ukraine, also zur Auseinandersetzung zwischen den USA und der EU sowie Russland konnte man das sehr schön studieren. Momentchen, werden Sie jetzt sicher einwenden wollen, was schreiben Sie denn da für einen Quatsch? Wieso zwischen den USA sowie der EU und Russland? Der Konflikt tobt doch zwischen Kiew und Moskau? Das steht doch täglich in den Grogas¹?

Und schon geht's los ...

... mit den kruden Theorien. Kann man denn nichts mehr einfach stehenlassen? Muß man denn überall eine Verschwörung vermuten? Meine Güte, wenn seriöse Zugpferdchen aus dem Qualitätsstall behaupten, es ginge in der Ukraine um eine Kabbelei zwischen Kiew und Moskau, na dann wird das doch wohl stimmen. Herr Krauss, Sie wollen mir doch jetzt nicht ernsthaft erzählen, das schöne Geld für mein langjähriges FAZ- oder Spiegel-Abo sei fehlinvestiert? Was soll ich denn sonst lesen?

Keine Sorge: Ich behaupte nicht, es sei hinausgeworfenes Geld. Die FAZ zum Beispiel ist nach wie vor eine hochqualitative, ernstzunehmende Zeitung. Wenn Sie beispielsweise wissen möchten, in welcher deutschen Stadt gerade eine Vernissage mit erst kürzlich entdeckten Meisterwerken eines bislang weithin unbekannten und unterschätzten niederländischen (oder spanischen oder italienischen oder französischen) Malers aus dem 17. Jahrhundert organisiert wird oder welcher Nachwuchsliterat sich der Liebe zwischen 19jährigen Studentinnen und mehrfach beziehungsenttäuschten Managern mit grauen Strähnchen im Haar und fatalistischen Zügen um Augen und Mund besonders sprachsensibel und beobachtungsscharf, klug und witzig, stilistisch originell und mitreißend emotional annimmt und dabei gleichzeitig auch noch die, bitte mal schnell Luft holen, sozialen Verwerfungslinien leistungsgesellschaftlicher Nachbeben des gesellschaftsmittigen Spätbürgertums, puh, feinsinnig-filigran nachzeichnet, können Sie getrost zugreifen, tandaradei. Auch das Sport-Ressort ist unbedenklich. Die Filmkritiken eines Andreas Kilb im Feuilleton des Blattes sind - ganz ohne jede Ironie - ein Genuß, der Mann kennt sein Fachgebiet und weiß, wovon er redet. Alles kein Problem. Geht es aber um Geopolitik bzw. - strategie, um die Außenpolitik der unleugbar Guten™ (eingetragenes Warenzeichen des Journatolismus), können Sie bares Geld sparen, indem Sie, statt eine FAZ oder eine Zeit zu kaufen, einfach die Homepage des Weißen Hauses (www.whitehouse.gov), der NATO (www.nato.int), des US-State Department (www.state.gov), der Trilateralen Kommission (www.trilateral.org) oder des Council on Foreign Relations (www.cfr.org) aufsuchen. Dort bekommen Sie die entsprechenden Informationen völlig kostenlos! Der Washington-Korrespondent, oder in diesem Falle wohl besser: Washingtons Korrespondenz an Leser weiterleitende Co-Herausgeber der FAZ, Klaus-Dieter Frankenberger, ist übrigens Mitglied eben erwähnter Denkfabrik der Trilateralen Kommission, die im Jahre 1973 auf einer Bilderberger-Konferenz von David Rockefeller aus der Rockefeller-Bankiers- und Ölmagnaten-Dynastie sowie dem führenden Geostrategen der Vereinigten Staaten, Zbigniew Brzezinski, gegründet wurde.

Zum Themenkomplex Journatolismus, also zur Analyse der engen Verbindungen führender deutscher Journalisten in Leitmedien wie der FAZ, der Zeit, dem Spiegel, dem Tagesspiegel, der Welt oder der Süddeutschen zu transatlantischen Netzwerken, Think Tanks, Fördervereinen und Debattierclübchen, sei hiermit auf die hochinteressante Studie Uwe Krügers verwiesen, die 2013 unter dem Titel Meinungsmacht im Herbert von Halem-Verlag in Buchform erschien². Krüger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften der Universität Leipzig und nahm die politisch-institutionellen Strukturen der Transatlantiker - als drei der bekanntesten Beispiele seien der German Marshall Fund, die stets im Geheimen hinter verschlossenen Türen ablaufenden, alljährlichen Bilderberger-Konferenzen sowie der Verein Atlantik-Brücke e.V. genannt - unter die Lupe, die der Grund für die seit Jahren zu beobachtende Gleichschaltung deutscher Leitmedien sind, sobald es um ausführliche Berichtbestattung zu Kriegen der unleugbar Guten™ geht. Die Essenz des Journatolismus ließe sich auf die tarzaneske Formel bringen: Ich Hegemon, du Bedrohung. Oder auch: Amerika geil, Restwelt doof. Der renommierte heise-Verlag schrieb in einem Online-Artikel vom 11. Februar 2013 über Krügers Studie, es handele sich um ein Buch, das zu einem Standardwerk in der Journalistenausbildung und in den Redaktionen werden sollte.³ Ein anderes sehr empfehlenswertes Buch zu dieser Thematik: Gekaufte Journalisten von Dr. Udo Ulfkotte, das in kurzer Zeit Bestseller-Status erreichte. Woraufhin ein anderer geführter Kopf der FAZ, Günther Nonnenmacher, beim Autor kurzerhand eine psychische Störung diagnostizierte. Was nicht natonormal ist, wird eben krank gemacht.

Besonders mit Beginn des Konfliktes in der Ukraine wurden diese Verbindungen führender deutscher Propagandisten und NATO-Mietmäuler, wie sie mittlerweile wenig schmeichelhaft, aber leider nicht ganz zu Unrecht geschimpft werden, noch einmal besonders deutlich. Natürlich existierten sie schon vorher - wer die Berichte zu den Militäreinsätzen im Irak, in Afghanistan, Libyen, Syrien und Mali aufmerksam verfolgt hat, ist den Kummer extrem einseitiger, verzerrter Informationsflüsse von FAZ bis Welt ja gewohnt - allerdings ist der Tonfall der Propaganda hier noch etwas tiefer in das Tabasco-Fässchen des Tendenziösen, Suggestiven und Manipulativen abgetaucht und wurde zunehmend schärfer, bisweilen sogar bedenklich demagogisch und schrammte mit Aufmachern wie Stoppt Putin jetzt! ( Der Spiegel, Ausgabe 31/2014) nicht nur haarscharf, sondern im Abstand eines Kohlenstoff-Nanoröhrchens an Straftatbeständen vorbei. Denn laut Grundgesetz und Strafgesetzbuch ist es in Deutschland verboten, zu Angriffskriegen aufzurufen oder sich an deren Vorbereitung zu beteiligen. Anlaß war der Abschuß einer Passagiermaschine der Malaysian Airlines, einer Boeing 777 mit der Flugnummer MH17 über dem Gebiet der Ostukraine. Dies geschah am 17. Juli 2014. Gleich am nächsten Morgen - noch bevor überhaupt feststand, was genau eigentlich vorgefallen war, noch vor Beginn jedweder Untersuchung, titelten z.B. englische Zeitungen aus dem Presse-Imperium Rupert Murdochs, eines Befürworters des stramm bellizistischen außenpolitischen Kurses der sogenannten Neocons, der zur Amtszeit George W. Bushs seine Chefredakteure anwies, Kritiker des Präsidenten möglichst nicht zu Wort kommen zu lassen und im Falle wiederholter Dissidenz sogar zu feuern, Putin bzw. Russland sei für den Abschuß verantwortlich. Mit Aufmachern wie Putin's Missile (Putins Rakete, The Sun, 18. Juli 2014)⁴ oder Putin has murdered my son (Putin ermordete meinen Sohn, The Daily Mail, 18. Juli 2014)⁵ feuerten die Propagandakanonen der Pressemitteilungen aus dem NATO-Hauptquartier ganz neutral und objektiv abtippenden Qualitäts-Hofsänger wuchtige Breitseiten auf Moskau. Sicherheitshalber nochmal: Am Morgen des 18. Juli, nur wenige Stunden nach dem Unglück (!), noch bevor es auch nur eine einzige gesicherte Erkenntnis zu den Ursachen des Absturzes gab, erschienen bereits solche Hirnweichschlagzeilen. Das paßt zwar recht gut zum Selbstverständnis der transatlantisch gedrillten Presse-Sandmännchen als Lieferanten für hochqualitatives Augenstreu, ist allerdings auch höchst verräterisch. Man braucht kein erfahrener Medienkritiker oder -philosoph vom Schlage eines Jean Baudrillard oder Marshall McLuhan zu sein, man benötigt keinerlei Expertise auf dem Gebiet der Medienforschung, um sich seinen Teil dazu denken zu können. In diesem Stile ging es munter weiter. Wer sich erkühnte, der tagtäglich mit aller publizistischen Macht betriebenen Hollywoodisierung Russlands als Urquell alles Bösen in der Welt nach dem Muster fünftklassiger Actionstreifchen nicht zu folgen oder gar Kritik am US-außenpolitischen Kurs der letzten Jahre, vor allem seit 9/11 zu üben und zu bedenken gab, daß man statt tollwütig monokausaler Ursachenanalyse und - trivialisierung doch auch den kriegerischen Kurs der von einem Verteidigungs- leider zu einem Angriffsbündnis mutierten NATO als nicht ganz unwichtigen Faktor zur Erklärung der Ukraine-Politik Moskaus nicht übersehen sollte, war sofort ein Putin-Versteher oder gar Putin-Flüsterer. Überall Russen-Propaganda! Der am 16. August 2014 leider verstorbene Publizist und Journalist Peter Scholl-Latour - einer der wenigen verbliebenen Kommentatoren geopolitischer Ereignisse und echten Journalisten, der diesen Titel auch verdiente, statt ihn durch machtelitäre Darmkriecherei zu entwerten und besudeln - faßte den erschreckenden Niveauverlust in den deutschen Massenlobotomedien ganz vortrefflich zusammen: Wir leben in einem Zeitalter der Massenverblödung, besonders der medialen Massenverblödung.⁶ Ganz herzlichen Dank übrigens, Peter, daß Du mich mit diesen Spinnern alleine gelassen hast! Nein Quatsch. Gott hab' Dich selig. Du hast über Jahrzehnte durch profunde Kenntnisse der Gagaisierung unserer Presse entgegenzuwirken versucht und dabei einen erstklassigen Job gemacht. Ruhe in Frieden!

Was den eigentlich ganz banalen Vorwurf der Russenpropaganda betrifft: Ja, natürlich gibt es sie. Wie jede andere politische Machtelite hat auch die russische selbstverständlich ein Interesse an einer Berichterstattung und öffentlichen Meinungsbildung ganz in ihrem Sinne - im Falle Russlands über ihre Staatsmedien. Das ist doch gar keine Frage. Und ja, es gibt auch im Internet - in den alternativen Medien - einige prorussische Agitatoren, die es sich ein wenig zu einfach machten, als sie den Kreml-Chef zum völlig unschuldigen Picknicker auf dem Seitenstreifen der Geschichte erklärten, der zwischen zwei Schlucken Borschtsch dem mit Vollgas geopolitische Massenkarambolagen verursachenden US-Monstertruck doch nur ganz verwundert hinterherwinke, ja ihn sogar - kein Scherz - für den Friedensnobelpreis (!) vorschlugen. Nichts für ungut, die Herrschaften: Russland steht nach wie vor auf Platz Zwei der größten Waffenproduzenten und -lieferanten der Welt, direkt nach den USA. Ich stelle hiermit in Zweifel, daß Putin schon deshalb friedensnobelpreiswürdiger sein soll als Barack Obama, weil er pro Jahr vielleicht ein paar Gewehre, Granaten, Raketen oder gepanzerte Fahrzeuge weniger vertickt als sein amerikanischer Amtskollege. Grund für die etwas voreilige Idolisierung Putins war sein Widerstand gegen die US-Kriegspläne in Syrien. Was die vor lauter Bewunderung ob des vermeintlichen Pazifismus glühende Fanmeile des russischen Staatschefs dabei nicht selten verschwieg: dieser Widerstand speiste sich keineswegs nur aus den edelsten Motiven im Bemühen um den Weltfrieden, sondern aus handfesten Interessen Russlands in der Region. Es ging um eine geplante Gaspipeline, die auch durch Syrien verlaufen und Europa mit dem begehrten Stoff versorgen sollte - was den Gasinteressen Moskaus in der EU natürlich zuwiderlief. Außerdem liegt in der syrischen Hafenstadt Tartus die russische Kriegsmarine vor Anker, es ist der einzige Stützpunkt des Kreml im Mittelmeer. Der dem syrischen Staatspräsidenten Baschar al-Assad nun auch nicht aus lupenreinem Altruismus moderne Luftabwehrsysteme des Typs S-300 lieferte.

Selbstverständlich darf man all das als Journalist kritisieren, ja das muß man sogar, denn es gehört ja gerade zum Aufgabenbereich des guten Journalismus als sogenannter Vierter Gewalt, über solches Treiben zu wachen und es kritisch und politisch möglichst unabhängig zu kommentieren. Gerade nach den desaströsen Erfahrungen, die Deutschland während der Zeit des Dritten Reiches sammeln durfte, sollte diese Vierte Gewalt laut Selbstdefinition ein Schutzwall gegen staatliche Übergriffe, gegen Versuche der Einflußnahme auf die freie Berichterstattung, ihrer Manipulation, Gängelung, Behinderung oder - schlimmstenfalls - gar einer Gleichschaltung der Presse sein. Nicht umsonst wurde ein entsprechender Passus ins Grundgesetz aufgenommen:

"Artikel 5

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

Dasselbe gilt für die ideologisch stramm gedrillten Kaderpressen der DDR oder der UdSSR, die ebenfalls auf traurige und tragische Weise vorgemacht haben, was passiert, wenn eine kleine Funktionärselite bestimmt, was ihre Untertanen erfahren dürfen oder nicht. Das sollte sich nie wiederholen. D'accord!

Leider sieht die heutige Realität anders aus - und das nicht nur in Russland oder China, den beiden Ländern, die in den letzten Jahren von der westlichen Presse, auch der deutschen, am häufigsten ins Visier genommen und teils völlig zu recht kritisiert, teils aber auch auf eine maßlos übertriebene Weise dämonisiert und als grellstmöglich überzeichnete Zerrbilder zur Ablenkung von eigenen, bedenklichen politischen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen in massenmediale Gruselkabinette gestellt wurden.

Mit dem Finger ständig nur auf andere zu zeigen, birgt die Gefahr des Wachsamkeitsverlustes gegenüber eigenem Fehlverhalten, es ist Ausdruck mangelnder Selbstreflexivität. Das gilt nicht nur im individualpsychologischen, mikrosozialen Bereich, sondern erst recht im makrosozialen, auf dem Feld der internationalen Politik. Hier ist es sogar noch schlimmer, denn während im individuellen Bereich das Projizieren von Eigenversagen auf andere in Form von Schuld zur Entlastung von Eigenverantwortung oftmals gar keiner bewußten Boshaftigkeit entspringt, sondern lediglich einer mangelnden Fähigkeit zur Selbsteinsicht, berechnet es sich auf der Schauprozeßbühne der großen Politik aus machtmathematischem Kalkül; dort ist es Ausdruck ganz bewußter machtelitärer Selbsterhaltung. Geht etwas gehörig schief, muß ein Sündenbock gefunden werden, auf den man alles abwälzen und an dem man es auslassen kann, damit die lieben Kleinen, von politischen Eliten gerne auch als Schutzbefohlene betrachtet, keine unbequemen Fragen über eine mögliche Verantwortung der heimischen Machthaber stellen, sondern ihr Augenmerk auf den Σ∞ ��=1 bö�� Feind richten. Kurz, es geht ums Sammeln moralischer Bonusmeilen aus PR-strategischen Gründen. Ob auf innenpolitischer bzw. intra-elitärer Ebene ein Kanzlerkandidat der Opposition im Wahlkampf natürlich stets nur die eigenen tatsächlichen (oder vermeintlichen) Verdienste herauskehrt, die regierende(n) Partei(en) für alles Schiefgelaufene verantwortlich macht und den Wählern vollmundig verspricht, unter seiner Aufsicht verwandle sich das Land in eine Tüte Gummibärchen, oder auf internationaler bzw. inter-elitärer die Regierung eines Landes bei zunehmenden häuslichen Problemen ein Nachbarland (oder irgendeine Terrorgruppe, doch dazu später mehr ...) auf die Zielscheibe malt, bleibt sich gleich. Sehr schön zu beobachten zum Beispiel im Falle Frankreichs, das seine Schuldenprobleme schon seit Jahren nicht in den Griff bekommt und aufgrund eigener politischer Versäumnisse unter einer zunehmend bedrohlichen wirtschaftlichen Kreislaufschwäche leidet, die der Eurozone noch gewaltige Kopfschmerzen bescheren könnte - und die Verantwortung dafür immer wieder gerne auf das starke Deutschland schiebt, das die europäische Wirtschaft bedrohe.

Noch besser zu beobachten im Falle des Ukraine-Konfliktes, der natürlich rein zufällig, aufgrund einer bloßen Laune der Geschichte, zu einer Zeit ausbrach, da mehrere prominente Köpfe aus der Führungsetage Brüssels und auch der deutschen politischen Altherrenriege eindringlich warnten, sollte es so weitergehen mit den zunehmenden Widerständen gegen das Friedensprojekt EU und die Knebelwährung Euro - in einigen südeuropäischen Ländern gingen Menschen bereits zu Tausenden auf die Straße - drohe das Projekt zu scheitern, ja, man müsse schlimmstenfalls sogar mit - wortwörtlich - Bürgerkriegen in Europa (sic!) oder, man höre bitte genau hin, einer Situation wie kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges (!) rechnen. So machte Jean-Claude Juncker, einer der Architekten des Vertrages von Maastricht, Gouverneur beim IWF (Internationaler Währungsfonds), von 1989 bis 2009 Finanzminster, von 1995 bis 2013 Premierminister Luxemburgs und seit Juli 2014 Präsident der Europäischen Kommission, am 7. Januar 2013 auf einem Neujahrsempfang für die luxemburgische Presse in seiner Ansprache einige mysteriöse Bemerkungen, die in der internationalen Presse für Stirnrunzeln sorgten, in den deutschen Medien jedoch praktisch totgeschwiegen wurden. Juncker erinnerte an die Bedeutung des Jahres 1913 als Vorkriegsjahr; 2013 jähre es sich zum hundersten Mal; 1913 sei viel geschehen, das nicht ohne Parallelen mit dem Jahr 2013 sei. Auch damals hätten die Menschen an Frieden geglaubt, der aber schon ein Jahr später mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges jäh

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