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Harzer Pferdezucht im Spiegel der Geschichte

Harzer Pferdezucht im Spiegel der Geschichte

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Harzer Pferdezucht im Spiegel der Geschichte

Länge:
147 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 22, 2015
ISBN:
9783738698114
Format:
Buch

Beschreibung

Zahlreiche Forst- und Flurnamen in der Harzregion deuten auf Pferde und ihre Haltung hin. Wenig wissen wir allerdings über diese Harzer Pferdezucht, trotz der vielen relevanten Toponyme (Örtlichkeitsnamen).
Heute hat die Pferdezucht und Pferdehaltung in der Harzregion fast keine Bedeutung mehr – ausgenommen das Bad Harzburger Gestüt. Dass war aber im Mittelalter und auch schon davor ganz anders. Obwohl wir dazu nur wenige historiografische Belege haben und die Archäologie uns diesbezüglich wenige aussagekräftige Befunde geliefert hat, ist der geschichtlichen Pferdezucht in der Harzregion ein hoher Stellenwert zuzuweisen – der Harz war Pferdezuchtgebiet.
Die Bedeutung des Pferdes als Reit- und Transportmittel bestand über einige tausend Jahre und wurde erst vor hundert Jahren durch unsere modernen motorbetriebenen Transportmittel abgelöst. Somit kann dem Pferd für die kulturhistorische Entwicklung des Menschen eine bedeutende Rolle zugeschrieben werden.
Nur einige wenige Harzforscher haben sich in der Vergangenheit diesem Thema gewidmet: Rudolf Allman, Walter Grosse, Georg Stolte, Richard Wieries und Ed. Jacobs. Ich habe deren Forschungen aufgegriffen und versucht das Puzzle "Harzer Pferdezucht" etwas zusammenzufügen. Es ist mir sicherlich nicht ganz gelungen, einige Puzzle-Teile sind noch nicht da, wo sie wohl hingehören. Ich habe jedoch die Arbeit meiner Vorgänger fortgesetzt und hoffentlich einige neue Erkenntnisse, aber auch Denkansätze, zu diesem Thema einbringen können.

Auf den 112 Seiten des Buches sind 5 farbige und 32 schwarz-weiß Abbildungen zum Thema Pferdezucht eingefügt.
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 22, 2015
ISBN:
9783738698114
Format:
Buch

Über den Autor

Bernd Sternal geboren 1956 in Gernrode/Harz. Bernd Sternal hat schon einiges in seinem Leben gemacht: Er ist Dipl.-Ingenieur, war als Manager, Geschäftsführer, Unternehmer, Unternehmensberater tätig, ist im Besitz zahlreicher Patente und anderer gewerblicher Schutzrechte. Mit dem Schreiben begann er im Jahr 2005, indem er für das von ihm betriebene Harzer Tourismusportal http://www.harz-urlaub.de redaktionelle Beiträge verfasste. Das Schreiben hatte ihn schnell infiziert. Im Jahr 2010 gründete er den Verlag Sternal Media, in dem er auch seine eigenen Publikationen herausgibt. Schwerpunkt-Themen von Bernd Sternal sind geschichtlicher, technischer, naturwissenschaftlicher, touristischer sowie gesellschaftskritischer Art.


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Harzer Pferdezucht im Spiegel der Geschichte - Bernd Sternal

2015

1. Die Evolution der Pferde

Die ersten nachgewiesenen Vorfahren unserer heutigen Pferde stammen aus dem Eozän vor 56 Millionen Jahren. Hyracotherium (früher Eohippus) wird diese ausgestorbene Gattung der Unpaarhufer genannt, die in Eurasien und Nordamerika beheimatet war.

Diese Pferdeartigen starben dann in Europa und Asien aus; angenommen wird, aufgrund klimatischer und geologischer Veränderungen. In Amerika ging die Entwicklung des Pferdes allerdings weiter. Im Pliozän, vor etwa 3 Millionen Jahren, hatte sich der Einhufer (Pliohippus) in Nordamerika entwickelt, er starb jedoch vor 2,6 Millionen Jahren aus.

Skelett eines Messel-Urpferdchens = Propalaeotherium parvulum, Eozän; Grube Messel bei Darmstadt. Gehört zu einem frühen, ausgestorbenen Seitenzweig des Pferde-Stammbaumes, Zeichnung von Dr. Elke Gröning

Auch die Gattung Equus (unsere heutige Pferdegattung) entstand in Nordamerika und gelangte vor etwa 1,5 Millionen Jahren über die Bering-Landbrücke nach Eurasien. Bei zahlreichen Equus-Formen des mittleren und späten Pleistozäns ist unklar, ob es sich bereits um Unterarten des heutigen Wildpferdes (Equus ferus) handelte oder ob sie noch eigenständige Arten darstellten. Die verschiedenen Arten werden meist nur aufgrund der Körpergröße unterschieden. Auch die besonders große Form des Spätpleistozäns (Equus ferus germanicus), die in Mitteleuropa beheimatet war, wird allgemein als eigenständige Art betrachtet. Alle Pferdearten des amerikanischen Kontinents starben vor rund 10.000 Jahren aus bisher ungeklärten Gründen aus.

Wann der Mensch begann, wilde Pferde zu domestizieren, ist umstritten. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass die ersten Domestizierungsversuche vor etwa 6.000 Jahren in der östlichen Ukraine stattfanden. Auch der Einsatz von Pferden als Reittier kann bisher zeitlich nicht exakt eingegrenzt werden. Halten wir uns an den ältesten bekannten Beweis für das Reiten: Ein Pferdeskelett mit Trense aus der Ukraine, das auf etwa 4.000 v. Chr. datiert wird – also 500 Jahre vor Erfindung des Rades. Einen weiteren Hinweis stellt eine Ritzzeichnung aus dem Orient dar, die auf etwa 2.800 v. Chr. datiert wird.

Im eurasischen Raum entwickelten sich im Spätpleistözan zwei Formen des Wildpferdes. Der westliche Typ Equus ferus ferus wird als Tarpan bezeichnet, war westlich des Urals verbreitet und verschwand im Laufe des 19. Jahrhunderts. Der östliche Typ Equus ferus przewalskii wird als Przewalski-Pferd bezeichnet und ist in geringer Anzahl bis heute erhalten geblieben. Einige davon sind neuerdings im Außengelände des Paläons in Schöningen zu bewundern.

2. Der Beginn der Domestizierung

Dass Pferde bereits in der Altsteinzeit ein bevorzugtes Jagdwild in der Harzregion waren, ist wissenschaftlich durch die umfangreichen archäologischen Forschungen am Tagebau Schöningen eindrucksvoll nachgewiesen worden. Das Forscherteam um Dr. Hartmut Thieme fand inmitten eines Jagdlagerplatzes mehr als 10.000 Knochen von Wildpferden sowie sieben Holzspeere, weitere Speerbruchstücke, eine Lanze und ein Wurfholz. Der Fund und besonders die Speere blieben Dank der ungewöhnlich günstigen geologischen Verhältnisse gut erhalten. Sie wurden auf etwa 300.000 Jahre datiert und sind damit die ältesten und vollständig erhaltenen hölzernen Jagdwaffen der Welt.

Wann in Deutschland begonnen wurde, Pferde zu domestizieren, ist unbekannt. Gezüchtet aus den heimischen Wildpferden dienten diese Nutztiere zunächst als Fleischreserve und als Arbeitstiere. Schon die Steinzeitmenschen erkannten dann aber wohl, dass der Pferdenachwuchs von in Gefangenschaft lebenden Tieren sich ähnlicher war als der von Wildpferden – vielleicht hatten sie diese Erkenntnis auch bereits von der Domestizierung anderer Nutztiere, wie der des Hundes, erlangt. So wurden bestimmte Tiere gepaart, um spezielle Eigenschaften hervorzuheben – dies war die Geburtsstunde der Züchtung. Diese Entwicklung begann zeitlich wohl schon vor der Erfindung von Rad und Wagen und wird dem Ende der Steinzeit zugesprochen. Waren zuvor von den Jägern die Wildpferdebestände stark reduziert worden, so nahmen diese mit der Domestizierung wieder zu.

Mit dem Bau einsatzfähiger Streit- und Transportwagen wuchs die Anzahl der Pferde weiter stark an. Etwa 2.000 v. Chr. kamen in Kleinasien, Arabien und Ägypten zwei- oder vierspännige Wagen zum Einsatz. Für den kriegerischen Einsatz wurde der Pferdewagen (Streitwagen) ab etwa 1.600 v. Chr. eingesetzt. Der Wagenlenker war dann zugleich Bogenschütze oder hatte einen Bogenschützen dabei. Diese Streitwagen entwickelten sich schnell zur gefürchteten Kriegswaffe. So ist von der Schlacht bei Kades (Syrien) zwischen Hethitern und Ägyptern im Jahr 1.296 v. Chr. überliefert, dass neben 17.000 Fußsoldaten 3.000 Streitwagen zum Einsatz kamen.

Für die norddeutsche Region stellt der Kultwagen von Peckatel das erste Abbild eines Wagens dar. Der Bronzewagen ist eine Skulptur und Grabbeigabe aus der Nordischen Älteren Bronzezeit und wahrscheinlich um 1.300 v. Chr. entstanden. Er wurde im Jahre 1843 östlich von Schwerin bei Grabungen in der Feldmark der namensgebenden Ortschaft Peckatel entdeckt.

Etwa zur gleichen Zeit, ca. 1.350 v. Chr., entstand im Hethiterreich (Syrien, Libanon, Türkei) die Trainingsanleitung des Kikkuli. Gefunden wurden die Texte in der Hethiter-Hauptstadt Hattusa (Türkei); sie beschreiben das Training von Pferden für den Streitwagen.

Im eurasischen Raum gewann das Reiten auf Pferden um 800 v. Chr. erheblich an Bedeutung. Etwa zu dieser Zeit begannen in den riesigen Steppengebieten Nomadenvölker der Skythen und Assyrer Reitertruppen zu bilden. Diese Reitervölker waren kriegstechnisch den anderen Völkern weit überlegen und fluteten raubend und mordend über Europa. Falls die Siedlervölker den Nutzwert des Pferdes als Reittier bis dahin noch nicht erkannt hatten, erfuhren sie diesen nun auf schmerzliche Art und Weise.

Die europäischen Völker, allen voran die Griechen und Römer, hatten ihre Lektion aber anscheinend schnell gelernt. Und nicht nur im Krieg spielte die Reiterei fortan eine Rolle. Bei den 71. Olympischen Spielen der Antike im Jahr 496 v. Chr. gab es ein Wettrennen auf Stuten. Auch im Römischen Reich war der Einsatz von Pferden bei den Spielen zur Belustigung des Volkes beliebt.

Der antike griechische Politiker, Feldherr und Schriftsteller Xenophon, Sohn einer wohlhabenden athenischen Familie, schuf um etwa 370 v. Chr. die vollständig erhaltene Reitvorschrift „Peri hippikes („Über die Reitkunst). Ihre ethischen Leitlinien sind noch immer gültig – und das, obwohl sich Xenophons Werk auf die Ausbildung von Kriegspferden bezieht.

Beispielsweise ist es Xenophon wichtig, dass Harmonie zwischen Reiter und Pferd herrscht, welches er als Individuum ansieht. Denn: „Was unter Zwang erreicht wurde, wurde ohne Verständnis erreicht (...)."

Besonders die Römer perfektionierten dann die militärische Reiterei und entwickelten und bildeten Reitereinheiten mit spezieller Bewaffnung aus, die als Ala bezeichnet zu den Auxiliartruppen zählten. Diese Kavallerie-Einheiten umfassten etwa 500 Reiter, die in Turmae (Schwadronen) zu etwa 30 Reitern gegliedert waren. Ursprünglich war die römische Armee als Infanterie konzipiert. Jede Legion umfasste etwa 6.000 Fußsoldaten, der zunächst eine kleine Aufklärungseinheit, bestehend aus der Legionsreiterei, zugeordnet war. Diese Kavallerie-Einheiten umfassten zwischen 120 und 300 Reiter. Sie stammten in den Anfängen des Römischen Reiches allerdings nicht aus den eigenen Reihen, sondern aus verbündeten Hilfstruppen oder Truppen aus eroberten und unterworfenen Ländern. Anscheinend verfügten die Römer in ihrer Frühzeit noch über keine ausreichende Pferdezucht. Auch in der Kaiserzeit kamen die meisten Pferde anscheinend aus fremder Zucht, vorrangig aus Dalmatien, Spanien und Gallien. Besonders die Camargue-Pferde hatten es offensichtlich den Römern angetan. Diese kleinen

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