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Blüten des Lebensbaumes I: Die Struktur des kabbalistischen Lebensbaumes

Blüten des Lebensbaumes I: Die Struktur des kabbalistischen Lebensbaumes

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Blüten des Lebensbaumes I: Die Struktur des kabbalistischen Lebensbaumes

Länge:
905 Seiten
10 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
8. Apr. 2015
ISBN:
9783738679304
Format:
Buch

Beschreibung

Der kabbalistische Lebensbaum ist eine ca. 40-teilige Struktur, die sich in allen Dingen wiederfindet. Alle Dinge sind entsprechend dieser Struktur aufgebaut: vom Staubsauger bis zur Galaxie, von den Chakren bis zur deutschen Verfassung, und von der Evolution der Einzeller bis hin zur Vektormathematik.

In diesem ersten der drei Bände von "Blüten des Lebensbaumes" wird diese grundlegende Struktur aller Dinge detailliert beschrieben und anhand von vielen Beispielen erläutert.

Diese Struktur beruht im Gegensatz zu der üblichen kausalen Logik auf der Logik der Analogie - diese noch am ehesten aus Hermann Hesses "Glasperlenspiel" bekannte Sichtweise vergleicht und untersucht den Aufbau der Dinge, der in allem, was sich in unserer Welt finden läßt, gleich ist.
Durch diese Betrachtungsweise findet das Denken einen ganz neuen Halt und auch eine neuen Frieden, denn während das kausale Denken mit jedem Verstehen zugleich mehrere neue Fragen entstehen läßt, bringt das Analogie-Denken mit jedem Erkennen mehr Tiefe in das eigene Verständnis.

Diese Art der Betrachtung läßt eine Art von Heimat entstehen, die sowohl im eigenen Inneren als auch im Außen ist. Sie verwandelt nach und nach das Wissen der kausalen Logik in in Weisheit.
Herausgeber:
Freigegeben:
8. Apr. 2015
ISBN:
9783738679304
Format:
Buch

Über den Autor

Ich bin 1956 geboren und befasse mich nun seit 45 Jahren intensiv mit Magie, Religion, Meditation, Astrologie, Psychologie und verwandten Themen. Im Laufe der Zeit habe ich ca. 240 Bücher und ca. 50 Artikel für verschiedene Zeitschriften verfasst. Seit 2007 habe ich meine jahrzehntelange Nebentätigkeit ausgeweitet und bin nun hauptberuflich Lebensberater. Dies umfasst die eigentlichen Beratungen, aber auch das Deuten von Horoskopen, Heilungen, Rituale, Schwitzhütten, Feuerläufe, Hilfe bei Spukhäusern u.ä. Problemen, Ausbildung in Meditation und Feng Shui und vieles mehr. Auf meiner Website www.HarryEilenstein.de findet sich ein Teil meiner Artikel und auch ein ausführlicher Lebenslauf.


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Blüten des Lebensbaumes I - Harry Eilenstein

Schluß

I Die Geschichte des Lebensbaumes

Vor einem Jahr erschien im Rolling Stone, der bekannten amerikanischen Musikzeitschrift, ein Interview mit der Sängerin und Komponistin Madonna, in dem sie hervorhob, wie wichtig für sie die Kabbala sei. Zwei Jahre zuvor gab es in derselben Zeitschrift ein Interview mit Carlos Santana, in dem er unter anderem erzählte, daß er in seinem Haus einen kleinen Tempel habe, in dem er regelmäßig meditiere und dabei unter anderem Kontakt mit Metatron, dem höchsten Erzengel des kabbalistischen Systems habe. Und noch ein paar Jahre zuvor hat der italienische Literaturprofessor Umberto Eco, der durch seinen Mittelalterroman Name der Rose weltbekannt geworden ist, ein Buch veröffentlicht, das auf der Struktur des Lebensbaumes beruht und dessen Kapitel nach den einzelnen Bereichen des Lebensbaumes (Malkuth, Yesod, Hod usw.) benannt sind: Das Focault'sche Pendel. ... die Zeiten, in der die Kabbala und ihr zentrales Symbol, der Lebensbaum, etwas eher Exotisches war, von dem fast niemand schon einmal etwas gehört hatte, scheinen also endgültig vorüber zu sein.

Die Geschichte dieses Symboles, das jetzt wieder in den Blickpunkt eines allgemeineren Interesses zu rücken scheint, reicht sehr weit zurück. Die Grundbedeutung des Lebensbaumes ist die der Verbindung zwischen den Menschen und Gott. Sein allerfernster Ursprung ist die Nabelschnur, die Verbindung von Mutter und Kind vor der Geburt des Kindes. Während der 1,5 Millionen Jahre der Altsteinzeit wird die Nabelschnur mit einiger Wahrscheinlichkeit auch das Symbol der Verbundenheit mit der Mutter, der Quelle und dem Symbol der Geborgenheit inmitten einer Welt voller Gefahren, geblieben sein.

Zum Beginn der Jungsteinzeit vor ca. 35.000 Jahren, als die Menschen den Ackerbau und die Viehzucht entwickelten und in dessen Folge größere Gemeinschaften und eine neue, seßhafte Lebensform entstand, entwickelte sich auch ein neues Weltbild. In den magisch-mythologischen Weltbildern dieser Zeit ist der Baum die Mitte der Welt, die Himmel und Erde, Götter und Menschen verbindet. Dieser Weltenbaum übernahm nun die Stelle der altsteinzeitlichen Nabelschnur als Symbol der Verbindung, des Eingebundenseins und der Geborgenheit. Die Götter, die aus dem Ahnenkult heraus entstanden waren, traten nun neben das Bild der Mutter, die nun als Muttergöttin die Quelle aller Götter, Menschen, Tiere, Pflanzen und aller anderen Dinge war. Neben dem Baum, dem vermutlich ältesten Symbol für diese Verbindung, tauchten bald auch der Turm, die Pyramide, der Berg, der Obelisk, die mittlere Zeltstange, die senkrecht aufsteigende Rauchsäule des Opferfeuers (siehe Kain und Abel) u.ä. auf. Mit der Hilfe dieses Baumes reisten die Seelen der Toten und die Schamanen zu den Ahnen und den Göttern und zu der Muttergöttin hinauf.

Die Schamanen gibt es vermutlich schon so lange, wie es eine Vorstellung über die Seele gibt. Der älteste archäologische Nachweis einer solchen Vorstellung ist ca. 250.000 Jahre alt: Ein Grab aus dieser Zeit ist so angelegt worden, daß ein Kanal aus Rötel, der wegen seiner roten Farbe weltweit von der Altsteinzeit an bis in die historische Zeit hinein als Symbol des Blutes und somit des Lebens benutzt worden ist, von dem Mund des Bestatteten nach draußen führt. Es ist allerdings anzunehmen, daß die Vorstellung, daß es etwas im Menschen gibt, das nach seinem Tod weiterbesteht, noch deutlich älter sein wird und vermutlich in die Zeit der Entstehung der Sprache zurückreicht -zumindest läßt sich aus den ca 30 allen Sprachen gemeinsamen Worten, zu denen wer?, was? und denken gehören, schließen, daß sich die Menschen dieser Frühzeit bereits ihrer selber bewußt waren und daher vermutlich auch über sich selber nachgedacht haben werden. Der gemeinsame Ursprung der heute existierenden Sprachen liegt vor ca. 1.000.000 Jahren in Mittelafrika.

Das Charakteristische an einem Schamanen ist sein Erlebnis eines Beinahe-Todes, verursacht durch einen (Jagd-) Unfall oder eine Krankheit, bei der er, so wie es auch noch heute Personen erleben, die kurzfristig ins Koma gefallen sind, seinen Körper verläßt und zur Grenze des Jenseits reist und dort von seinen bereits verstorbenen Vorfahren und Verwandten begrüßt wird. Durch dieses Erlebnis hat der Schamane die Möglichkeit, später auch absichtlich zu den Ahnen zu reisen, von ihnen Rat bei Krankheiten oder Hungersnöten zu erhalten, und die Seelen gerade Verstorbener auf ihrem Weg ins Jenseits zu begleiten, verlorengegangene Seelenteile (Verdrängtes, Abgespaltenes) zurückzuholen und die Ahnen im Jenseits in Krisenzeiten um Rat zu fragen. Der Schamane ist somit die Urform aller Priester, Propheten, Seher, Therapeuten und Berater.

Als um 3.000 v.Chr. die Zeit des Königtums und des mit ihm verbundenen Monotheismus begann, veränderten sich die Vorstellungen ein weiteres Mal. In der Altsteinzeit gab es als zentrales, integrierendes Symbol die Große Mutter sowie den Schamanen als den Vermittler zwischen den Menschen und Ihr sowie den Ahnen. In der Jungsteinzeit wurde das Weltbild dann komplexer: 1. der Himmel als die Große Mutter, bei der die Seelen der Ahnen ruhten; 2. die Erde, die in konzentrischen Kreisen aufgebaut war: in der Mitte der Dorfplatz, darumherum das Dorf, um dieses herum die Gemüse- und Obstgärten, um diese herum die Äcker, dann ganz außen die Weiden - eine Insel inmitten der Wildnis; und 3. der Weltenbaum in der Mitte des Dorfplatzes, der Himmel und Erde miteinander verbindet.

Das Königtum, das 3.000 v.Chr. begann, fügte dem nun die Zentralisierung und sekundär dadurch auch die Formalisierung als neue Qualität hinzu: der Aufbau von weit größeren Gemeinschaften als je zuvor (Königreiche), die Erfindung der Schrift )aufgrund der Notwendigkeit der Buchhaltung über die Vorräte innerhalb des Königreiches), die Entstehung einer Verwaltung, und nicht zuletzt die Vorstellung eines Gottes, der über alle Dinge herrscht. Diese Vorstellung hat sich aus dem vergöttlichten Urahn der Könige des betreffendes Reiches entwickelt und sich fast überall mit der Symbolik der Sonne, dem wichtigsten Symbol der Mitte, verbunden. Der Sonnengott wurde dadurch im Laufe der Zeit vom Sohn der Muttergöttin erst zu ihrem Gemahl und schließlich zu ihrem Vater, wodurch der Sonnengott nun der allumfassende Herrscher wurde - und die Macht des Königs als Sohn der Sonne unangreifbar wurde. Dies ist auch der Übergang von der matriachalen und matrilinearen, gemeinschaftsbezogenen Orientierung der Menschen in der Alt- und Jungsteinzeit zu der patriachalen, hierarchischen Orientierung der Epoche des Königtums und der auf diese folgenden materialistischen Epoche. Der König als Sohn des Sonnengottes wurde nun eng mit dem Symbol der Mitte und der Verbindung zwischen Himmel und Erde, dem Weltenbaum, dem Weltenberg und der Pyramide verbunden, wodurch er auch die Stellung der obersten religiösen Autorität erhielt: der Gottkönig. Diese Vorstellung der Verbindung von geistlicher und weltlicher Autorität haben sich beim Papst, beim Dalai Lama, bei den chinesischen Kaisern und in einigen Richtung des Islams zum Teil bis heute gehalten.

Schon in der Altsteinzeit wird es so gewesen sein, das die älteren Schamanen den Menschen, die ein Nahtod-Erlebnis gehabt haben, dabei geholfen haben werden, dieses Erlebnis zu verarbeiten und die Fähigkeit auszubilden, es bewußt und mit Absicht zu wiederholen und es dadurch für die Gemeinschaft nutzen zu können. Möglicherweise stellt sich spätestens an dieser Stelle die Frage, worum es denn da die ganze Zeit bei diesem Ahnenkult eigentlich geht.

Es ist anzunehmen, daß eine solche Institution wie der Schamanismus, der vermutlich fast eine Millionen Jahre auf der Erde existiert hat und der in allen archaischen Kulturen der Erde wiederzufinden ist, einen sehr realen Nutzen für die betreffenden Gemeinschaften gehabt haben muß. Am ehesten kann man diesen Nutzen heutzutage vermutlich erfassen, wenn man Therapien erlebt hat, die in größerem Ausmaß innere Bilderarbeit verwenden, und wenn man einmal an ein paar Familienaufstellungen teilgenommen hat, bei denen, grob gesagt, das Verhältnis zu den Vorfahren geklärt wird und bei dem diese Vorfahren sehr real und intensiv in Erscheinung treten. Die Leiter und Leiterinnen von Familienaufstellungen sind sehr nahe Nachfolger dieser Schamanen.

In der Jungsteinzeit mit ihrer Tendenz, über die Verehrung und den Kontakt zu den Ahnen, an die man sich persönlich noch erinnern kann, hinauszugehen und bestimmte Ahnen auch über viele Generationen hinweg zu verehren und sie als das Urbild, den Ahnherrn der Sippe aufzufassen, zeigt sich auch in der Auffassung vom Schamanismus, in dem das Lernen von älteren Schamanen eine größere Bedeutung erlangt haben wird, so wie aus dieser Zeit auch die erste Differenzierung in Berufe und dem damit verbundenen Weitergeben des Wissens stammt. Hier liegt die Wurzel der Vorstellungen über spirituelle Lehrer, Pandits, Gurus, Lamas usw. Am deutlichsten drücken es die Tibeter mit ihrer Neigung zu einer technischen, sachlichen Ausdrucksweise aus: der Anwärter auf eine spirituelle Laufbahn erhält von seinem Lehrer Belehrung und Kraftübertragung. Das bedeutet, daß der Lehrer, also der ältere Schamane, in seinem Schüler eine Resonanz zu seinen eigenen Fähigkeiten hervorruft (die Kraftübertragung) und ihm erklärt, wie er vorgehen muß, um sie sich zu eigen zu machen und sie bewußt anwenden zu können (die Belehrung). Dadurch tritt das in der Altsteinzeit die Karriere eines Schamanen begründende Nahtod-Erlebnis etwas in den Hintergrund. Das Erlebnis des Todes steht nun nicht mehr am Anfang, sondern es wird zum einen durch die Resonanz des Schülers zu seinem Lehrer und zum anderen durch die Übungen des Schülers, die entweder durch Stille, Versenkung und Abgeschiedenheit oder durch Tanz und Ekstasemethoden geprägt sind, hervorgerufen - sozusagen die Urform der therapeutischen Krise, in der sich das Alte auflöst und das Neue entstehen kann.

In der Epoche des Königtums entsteht nun neu eine Religionsverwaltung, die aus den Priestern der Tempel und dem König als Oberpriester besteht. Diese Priester haben als Voraussetzung die formelle Reinheit, meistens die Zugehörigkeit zu bestimmten Sippen (bei den Juden sind z.B. nur Mitglieder des Hauses Levi Priester oder bei den Indern die Männer, die zur Brahmanenkaste gehören). Die Schamanen, die nicht diese formelle Reinheit benötigen, haben ihre Position aufgrund ihrer Fähigkeit inne. Sie finden sich in den monotheistischen Religionen neben der Priesterhierarchie und meist in Kooperation mit ihr wieder. Sie haben meist eine Funktion bei der Bestattung und in Krisenzeiten, sind oft Einsiedler und für ihre magischen Fähigkeiten bekannt. Beispiele dafür sind z.B. Merlin und Taliesin bei den Kelten und Moses, Elias und Elia in der Bibel. In der Bibel werden auch sehr anschaulich die Übertragung der Kraft vom Lehrer auf den Schüler beschrieben: Moses segnet seinen Nachfolger Joshua (5. Mose 31. 1-23), Elias segnet seinen Nachfolger Elia (2. Könige 2. 10-14) und Johannes der Täufer segnet seinen Nachfolger Christus (Markus 1. 9-11) und dieser wiederum überträgt seine Kraft auf die Jünger (Matthäus 10. 1; Markus 6. 7-13; Lukas 9. 1-2).

Auf archäologischen Darstellungen läßt sich dieser Schamane meist sehr schnell daran erkennen, daß er als Abzeichen seiner magischen Stärke das Fell des größten Raubtieres seines Landes trägt und in der Regel entweder in seiner Versenkung (Meditation) oder in Ekstase (Tanz) dargestellt werden: der Sem-Priester im Alten Ägypten trägt ein Leoparden-Fell, die Tänzer in den anatolischen Tempelgemälden von 7.000 v.Chr. Pantherfelle, Samson in der Bibel ein Löwenfell, die germanischen Berserker ein Bärenfell, der Chilam Balam bei den Mayas ein Jaguarfell usw.

Während des Monotheismus, dessen Grundhaltung die Prägung, Koordination und Integration des Ganzen von einem Zentrum aus ist, und als dessen Geisteshaltung sich dementsprechend die Philosophie findet, wurde das Symbol des Lebensbaumes in mehrfacher Weise weiterentwickelt, wobei die Grundqualität des Baumes, sein Nabelschnurcharakter, also der Weltenbaum als Weg zur Geborgenheit, zum Himmel, zur Muttergöttin, zum Allvater immer erhalten geblieben ist.

In Ägypten sah man den Weltenbaum als das Rückgrat des Osiris, des Gottes des Todes und der Auferstehung, an und stellte ihn somit symbolisch in die Mitte der altägyptischen Weltanschauung sowie in die Mitte der mythologischen Geographie (der heilige Ort der Mitte - die Urinsel, die Pyramide) und vor allem auch in die Mitte des damit verbundenen Wertesystems.

In Indien wurde aus dem Weltenbaum der dreifache Kanal der Lebenskraft, die in diesen Kanälen die Rückenwirbel emporsteigt und dabei die sieben Chakren wie Lotusblumen an der Vorderseite des Körpers und auf dem Scheitel erblühen läßt - die Urform der Anatomie der Strukturen der Lebenskraft im menschlichen Körper.

In Mesopotamien stellten die Stufen der Pyramide (Turm zu Babel) die sieben Planeten, die den Weg zu Gott markierten und in einzelne Schritte einteilten, dar. Dieselbe Symbolik hatte hier später die Himmelsleiter, von der Jakob (1. Mose 28. 10-19) träumt, und auch die siebensprossige Leiter (= sieben Planeten) im Mithraskult.

Auch die siebenstufige abendländische Tonleiter und die siebentägige Woche hängen mit dieser Sphärenharmonie auf dem Weg von der Erde zu Gott zusammen.

Die Hebräer schufen aus dem Symbol des Weltenbaumes und der sieben Planetenstufen auf der Himmelsleiter eine graphische Darstellung von 10 Kugeln und 22 sie verbindenden Pfaden, wobei die Kugeln den Planeten und den zehn Namen Gottes im hebräischen Original des Alten Testamentes entsprechen. Dadurch war der Lebensbaum der Kabbala, der jüdischen Geheimlehre, gleichzeitig eine Darstellung Gottes und eine Beschreibung des Weges zu ihm. Ein bekanntes Bild aus der Bibel für diese Verbindung zwischen Gott und den Menschen ist auch die Flammensäule, die Mose und die Israeliten durch den Sinai leitete, und die bisweilen auch als Rauchsäule erschien wie z.B bei Moses Tod (5. Mose 31. 15).

Ein wesentlicher Impuls zur Weiterentwicklung des kabbalistischen Lebensbaumes kam um ca. 800 n.Chr. aus Indien, wo eine der Grundfragen des Monotheismus, nämlich Wenn Gott alles ist und es nichts gibt außer Gott, was ist dann meine Seele? dadurch gelöst worden war, daß man die Seele als Teil Gottes, als Funken seines unendlichen Feuers auffaßte. Dies bedeutete aber, daß es möglich sein mußte, schon im Diesseits Gott zu erleben und eins mit ihm zu werde. Diese Vision ließ eine neue mystische Bewegung entstehen: In Indien einige Yoga-Schulen, in Nordindien und in Tibet den tantrischen Buddhismus, im Islam die Sufis, im Christentum die Mystiker und im Judentum die Kabbalisten, die den Lebensbaum nun explizit als Weg zu Gott auffaßten und benutzten.

Es handelt sich bei diesem Vorgang jedoch im Grunde genommen nicht um eine Neuentdeckung, sondern um eine Integration der Reisen der Schamanen zu der Muttergöttin bzw. dem obersten Gott in das monotheistische System und das mit ihm verbundene philosophische Weltbild. Dadurch wurde in das tendenziell sehr formalisierte Weltbild des Königtums und des Monotheismus wieder das persönliche Erleben und der Wert der persönlichen Fähigkeiten eingeführt. Da dies zwei sich im Grund widerstrebende Geisteshaltungen sind (formalisierte Zentralverwaltung und individuelle, spirituelle Verwirklichung), gab es des öfteren Auseinandersetzungen und Verbote bzw. Wiederversöhnungen zwischen der offiziellen Religion und ihrer individual-spirituellen Fraktion, also den Nachfolgern der Schamanen.

Seit etwa 1910 n.Chr. gibt es vereinzelte Ansätze, den Lebensbaum als logische Struktur, die eine umfassendere Bedeutung hat, darzustellen (Orden des Golden Dawn, Dion Fortune, Gareth Knight, Shimon Z'ev ben Halevi).

Nun ließ sich nachweisen, daß der Lebensbaum eine komplexe Analogie-Struktur ist, die man in allen Dingen wiederfinden kann (Eilenstein: Die Logik der Analogie, 1982). Die Möglichkeit des Wiederfindens einer immer gleichen Struktur in allen Dingen hat zur Folge, daß so etwas wie ein Heimatgefühl im Bereich des Wissens entsteht, ganz so wie der Weltenbaum die tragende Mitte der Mythen ist und die Dorflinde den vertrauten Ruhepol der dörflichen Gemeinschaft darstellt.

Das Grundgefühl der Geborgenheit, also das Urvertrauen, das das Ziel jeder Reise den Weltenbaum hinauf zur obersten Gottheit ist, bleibt also auch bestehen, wenn man den Lebensbaum als ein Hilfsmittel beim Denken in Analogien benutzt. Dies geschieht dadurch, das der kabbalistische Lebensbaum die Hilflosigkeit und und Haltlosigkeit angesichts des anscheinend grenzenlosen Einzelwissens durch seine Struktur, die in allem wiederzufinden ist, integriert und dadurch alle Erscheinungen etwas Bekanntes in sich tragen und man in allem dieselbe Dynamik wiederfinden kann.

Aus den vielen Einzelstimmen der verschiedenen Erscheinungen wird dadurch allmählich ein Konzert erkennbar - in den kausallogisch ablaufenden einzelnen Handlungen und Ereignissen wird nach und nach das analogielogisch verfaßte Drehbuch deutlich, die Übereinstimmung zwischen allen Dingen, auf denen Orakel wie Astrologie, I Ging oder Tarot beruhen. Diese Analogiestruktur kann man am deutlichsten daran erleben, daß nichts, was geschieht und was man erlebt, rein zufällig und sinnlos ist

Das Erkennen von Analogiestrukturen bringt das trockene Wissen zum Klingen, verwandelt nüchterne Beschreibungen in bedeutungsvolle Bilder, löst die Grenze zwischen Betrachtetem und Betrachter auf ohne dabei seinen Blick zu trüben - die Weite des Wissens gewinnt an Tiefe und kann dadurch vielleicht einmal zu Weisheit werden. Das nüchterne Denken wird durch das Erkennen von Analogien zu einem schwingenden, lyrischen Erkennen.

II Die Logik der Analogie

Der in in den ersten zwei Bänden dieser kabbalistischen Betrachtungen beschriebene Aspekt des Lebensbaumes ist seine Verwendung als Hilfsmittel beim Denken in Analogien. Nun ist diese Art von Denken ja bei weitem nicht so bekannt wie das Denken in kausalen Zusammenhängen, also das Denken von der Art wie Wenn ich 500g Yoghurt, 30g geriebenen Ingwer, 2 gemuste Bananen, einen halben gestrichenen Teelöffel Vanille, den Saft einer Zitrone und 2 Eßlöffel Honig miteinander mische und kaltstelle, erhalte ich eine leckere Nachspeise. Dieses kausale Denken betrachtet zeitliche Abläufe, also Ursachen und die sich daraus ergebenden Wirkungen.

Das Denken in Analogien betrachtet hingegen das Verhältnis von Dingen zueinander. Daher spielt die Zeit hierbei, ganz im Gegensatz zum kausalen Denken, nur eine untergeordnete Rolle. Am bekanntesten sind vielleicht noch die Gleichnisse aus dem Neuen Testament, das aus einer Zeit stammt, als das Denken in Analogien noch nicht ganz in den Hintergrund getreten war. Analogien beruhen auf dem Vergleichen. So gibt es z.B. in altägyptischen Texten, die den Pharao preisen, eine geläufige Redewendung, die eine anschauliche Analogie darstellt: Der Pharao ist in seinem Palast - die Sonne ist am Himmel. Heute würden wie noch das Wörtchen wie einfügen - aber die alten Ägypter waren sehr sparsam mit Präpositionen. In einer Analogie werden also zwei Bereiche miteinander verglichen und eine Parallele in der Struktur hervorgehoben - wobei in diesem Fall durch den Vergleich mit der Sonne natürlich die unangreifbare Wichtigkeit und Macht und die zentrale und übergeordnete Stellung des Pharaos betont werden soll. Diese Analogie liegt auch noch dem Titel Sonnenkönig zugrunde, den sich Ludwig XIV von Frankreich einige tausend Jahre später selber verlieh.

Man kann nun mit etwas Aufmerksamkeit viele solcher Analogien entdecken: a) der Fahrer im Auto, der Kapitän im Schiff, der Pilot im Flugzeug usw. - also die Struktur Lenker und Gelenktes; b) Tag und Nacht, heiß und kalt, hell und Dunkel, Winter und Sommer, Ausdehnung und Zusammenziehung, Mann und Frau ... - in diesem Falle also die Struktur Gegensatz; c) Herz und Blut und Puls, Mond und Meer und Gezeiten, Geiger und Geige und Ton - in diesem Fall ist die gemeinsame Struktur Verursacher/Beweger und bewegte/beeinflußte Substanz und Rhythmus/Schwingung in der bewegten Substanz.

Es lassen sich viele verschiedene solcher Analogiestrukturen finden bzw. erfinden. Das praktische an dem Lebensbaum ist zum einen, daß er fast alle diese Strukturen in seinem komplexen Aufbau enthält, und zum anderen, daß seine Struktur so aufgebaut ist, daß er auf alle Bereiche anwendbar ist. Diese allgemeine Anwendbarkeit ist in den drei oben genannten Beispielen nicht enthalten. Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Ansätzen, eine dieser einfachen Analogiestrukturen allgemein anzuwenden wie z.B. das Prinzip des Gegensatzes in den chinesischen Vorstellungen über den Ergänzungsgegensatz von Yin und Yang und den sich aus ihm ergebenden ewigen Wandel. Nah damit verwandt ist die Grundstruktur, die in den Schriften von Rudolf Steiner immer wieder auftaucht: das zusammenziehende Prinzip (Ahriman), das ausdehnende Prinzip (Luzifer) und zwischen ihnen das zentrierende und pulsierende Prinzip (Christus). Auch das philosophische Konzept der Dialektik von These - Antithese und Synthese beruht auf dem Prinzip des Gegensatzes und dem sich aus seiner Überwindung bzw. Integrierung ergebenden Neuen.

Es gibt auch noch einen eher unbewußten Bereich, in dem wir ständig Analogien verwenden: das Vorurteil und alle seine Verwandten. Diese Vorurteile beruhen darauf, daß man mehrere Erlebnisse mit einer bestimmten Sache oder Personengruppe hatte und dann davon ausgeht, daß diese Erfahrungen auch auf alle anderen entsprechenden Dinge oder Personen dieser Gruppe zutreffen. Im positiven Sinne ist ein Vorurteil also eine Vermutung, die bei der Orientierung in der Welt helfen soll. In diesem Sinne ist sie ja auch durchaus nützlich. Ein Hindernis in dem Sinne, wie das Wort Vorurteil in der Regel auch benutzt wird, ist es erst dann, wenn die aus den bisherigen Erlebnissen gewonnenen (Vor-)Urteile stärker sind als die Wahrnehmung. Wenn man also aus irgendeinem Grund mehrmals nacheinander die Erfahrung gemacht hat, daß Hunde bissig und aggressiv sind, ist es durchaus sinnvoll davon auszugehen, daß auch der nächste Hund, der einem begegnet, bissig sein könnte. Wenn man nun aber so fest in seinem Urteil ist, daß man dann gar nicht mehr erkennen kann, daß ein bestimmter Hund lammfromm ist, ist dieses Vorurteil keine Hilfe mehr, sondern untergräbt den Realitätsbezug.

Auch noch in einem anderen Bereich findet sich ständig die Benutzung von Analogien: in der Magie und allen verwandten Bereichen. Die Astrologie beruht beruht auf dem Gleichnis zwischen dem Stand der Planeten am Himmel und dem Charakter des zu dem betreffenden Zeitpunkt geborenen Menschen. Die Tarotkarten stellen ein Abbild der Welt als Ganzes dar - und stehen somit in Analogie zu ihr, weshalb sich aus den gezogenen Karten etwas über die Situation sagen läßt, in der die Karten gezogen werden. Und wer kennt nicht die Methode der Woodoo-Püppchen? -Man stelle aus Stoff, Hölzern, Wachs u.ä. eine Puppe her, die der Person, die man beeinflussen will, möglichst ähnlich sieht, und steche sie mit Nadeln, wenn man ihr schaden will, oder hülle sie in ein Seidentuch, wenn man sie beschützen will.

Neben dem Denken in kausalen Zusammenhängen und dem Denken in Analogien gibt noch das philosophische Denken und das Denken in Assoziationen.

Das Denken in Assoziationen ist die urtümlichste Form des Denkens, die zur Altsteinzeit gehört und die unterste Schicht unserer psychischen Konstitution bildet. Eine Assoziation bedeutet ganz einfach, daß man bestimmte Dinge miteinander verbindet, weil man sie zusammen erlebt: Mutter - Kind - Milch - Brüste - Geborgenheit - Geburt ... oder Nacht - Gefahr - wilde Tiere - Tod ... oder Sonne - Wärme - Offenheit - Gedeihen ... Das Zentrum all dieser Assoziationen ist die Mutter - sowohl damals in grauer Vorzeit als auch noch heute. Die wichtigste soziale Person neben der Mutter war in dieser Zeit der Schamane, der ja auch uns noch als der Fährmann, der die Toten über den Fluß zum Jenseits bringt, bekannt ist - und der sich in der Gestalt des schützenden Heiligen Christopherus auch heute noch wie in der Altsteinzeit großer Beliebtheit erfreut.

Das Denken in Analogien ist während der Jungsteinzeit entstanden, als das Leben komplexer wurde und man z.B. nicht mehr wie vorher in der kleinen Sippe von ein bis zwei Dutzend Personen jede einzelne Person der nun viel größeren Gemeinschaft kennen konnte und daher neben den einzelnen Namen auch Analogiebezeichnungen wie Fischer, Bäcker, Wächter usw. zur Orientierung benötigte. Auch die zu dieser Zeit entstandenen Mythen sind Analogiestrukturen, die etwas beschreiben, was sich ständig wiederholt wie z.B. der Ackerbau im Laufe der Jahreszeiten. Die Grundstruktur in diesen Mythen ist der Gegensatz von Dorf/Kulturland und Wildnis, und die zentrale Analogie ist die Parallelsetzung von 1. Keimen - 2. Wachsen - 3. Ernte - 4. Ausaat - 5. Keimen mit 1.Geburt - 2. Leben - 3. Tod - 4. Zeugung - 5. Tod. Der dieses Gleichnis verkörpernde Gott des Getreides und der Todes war in dieser Zeit die zentrale Gottheit - auch bei uns ist ja noch des Bild des Schnitters, des Sensenmannes allen wohlbekannt: die Sense, die das Totenskelett in der Hand hält, erntet das Getreides und bringt den Menschen den Tod.

Mit Beginn des Königtums entstand das philosophische Denken, daß alles von einem Prinzip her ableitete und alles von diesem Prinzip her bewertete. Das Ziel dieses Denkens war die logische Geschlossenheit, also die Widerspruchsfreiheit des Gedankengebäudes, also die vollständige Integration. Dieser Vorgang entspricht der Ausbildung des bewußten Ichs, also der inneren Instanz, die die ganze eigene Persönlichkeit wahrnimmt, annimmt und all die verschiedenen Neigungen und Wünsche miteinander zu einer lebensfähigen und handlungsfähigen und in diesem Handeln erfolgreichen Einheit verbindet. Das Urbild dieser Epoche sind die Sonne und der König - der König als Sohn der Sonne oder als Sonnenkönig - das strahlende Ich.

Das kausale Denken begann um ungefähr 1.500 n.Chr. an Bedeutung zu gewinnen, als man verstärkt damit begann, die Natur quantitativ zu betrachten, als mit Maß und Zahl zu beschreiben und nach Harmonien im Beobachteten zu suchen, also letztlich eine mathematische Beschreibung des Beobachteten anzustreben. Die Ergebnisse dieser Betrachtungsweise waren dann die Naturwissenschaften sowie ihre praktische Anwendung, die Industrie.

Jede dieser Arten von Denken ist Teil eines Systems, das aus 5 Elementen besteht: 1. dieser Art zu Denken , 2. der ihr zugrundeliegenden Betrachtungsweise, 3. dem sich aus dem Erleben dieses Systems ergebende ihm zugrundeliegenden Gesetz, 4. der praktischen Anwendung dieses Systems und dieser Weltsicht, sowie 5. der Art von Beziehung, die sich aus diesem System ergibt, und die der Einzelne als wichtig erlebt.

In der Altsteinzeit bzw. der untersten Schicht der Psyche wird beachtet, was gemeinsam auftritt und daher zusammengehört. Daraus ergibt sich die Strukturierung der Welt durch Assoziationen, die alles umfassen, was den Menschen umgibt. Jede Assoziation, also jede Verbindung wird als tatsächliche Verbindung auf der Ebene der Lebenskraft erlebt - so wie Mütter spüren, wenn mit ihrem Baby etwas nicht stimmt, selbst wenn sie nichts Auffälliges hören oder oder sehen. Die einfachste praktische Anwendung dieser Verbindung durch die Lebenskraft ist das Heilen durch Handauflegen, also die Übertragung von Lebenskraft. Die intensivste Beziehung eines Menschen auf diese Ebene besteht zur Mutter, darüberhinaus gibt es Verbindungen zu allen Menschen, Tieren, Pflanzen und allem, was ihn umgibt.

In der Jungsteinzeit bzw. der zweituntersten Schicht der Psyche wird beachtet, welche Dinge innerhalb gleicher Strukturen stehen - es wird also verglichen und zur Orientierung nach Gleichnissen, Parallelen, also Analogien gesucht. Entsprechend dem Beispiel von dem Woodoo-Püppchen stehen Dinge, die in Analogie zueinander stehen, miteinander in Verbindung, erleben also dasselbe, befinden sich qualitativ in derselben Situation. Die wesentliche Beziehung des Menschen ist hier die zu den Göttern und den Ahnen, die beide die Tradition, das richtige Verhalten beschreiben, und zu den Menschen ihrer Gemeinschaft.

In der Zeit des Königtums bzw. in der dritten Schicht der Psyche wird betrachtet, welches Ding das Wichtigste ist und dann von diesem ausgehend ein in sich schlüssiges System entwickelt, das die gesamte Welt beschreibt und dem einzelnen Menschen Klarheit über den von ihm einzuschlagenden Weg gibt. Dieses in sich schlüssige System, daß sich von einer einzigen Grundannahme ableitet, ist die Philosophie. Die zentrale Beziehung innerhalb dieses Systems ist die zwischen dem Einzelnen und Gott, dem Herrn der Welt - und entsprechend hier auf Erden die Beziehung des Einzelnen zum König, des Stellvertreters Gottes auf Erden. Daraus ergibt sich als das erstrebenswerteste Ziel die Einheit mit Gott, die durch die Identifizierung mit Ihm, also durch die Mystik erreicht wird.

In der Zeit des Materialismus bzw. der derzeit obersten Schicht der Psyche wird betrachtet, welche Ursache zu welchem Ergebnis führt. Die Methode dazu ist die Analyse des als Objekt erlebten Untersuchungsgegenstandes. Das Subjekt zieht sich dabei auf einen winzigen Punkt im Innersten zurück, während die ganze Welt einschließlich des eignen Körpers zum Objekt, also zu etwas im Außen wird. Die Technik und die Industrie - also die Warenproduktion, die Vermehrung nützlicher Objekte, sind die praktische Anwendung dieser Geisteshaltung. Entsprechend dieser Objektivierung der Welt mit der damit einhergehenden Schrumpfung bzw. Auflösung des Subjekts entsteht eine Beziehungslosigkeit des Ichs, die Vereinsamung: wenn alles Objekt ist, gibt es keine Zusammenhänge mehr.

In den jungsteinzeitlichen, durch Magie und Mythologie geprägten Kulturen gibt es überall eine zentrale Wertvorstellung, die man mit Schönheit, Frieden, Harmonie, Richtigkeit übersetzen kann. Im Alten Ägypten hieß diese Qualität Ma'at, in Sumer Me, in Indien Rita oder Dharma, in Tibet Taschi, in China Tao, bei den Navahos Hozhong ... Diese Vorstellung ist auch der Ursprung des arabischen Wortes für Frieden Shalom. Auch das lateinische pax, das ebenfalls Frieden bedeutet, geht auf diese Vorstellung zurück. Im Deutschen drückt vielleicht noch am ehesten der Begriff Seelenfrieden diese Qualität aus.

Diese von den Alten Ägyptern Ma'at genannte Qualität beinhaltet, daß es für alles eine richtige Art, einen richtigen Ort, eine richtige Zeit gibt. Dadurch, daß man dieses Richtige erkennt und befolgt, steht man in Harmonie mit der Welt, steht man in Resonanz zu den Göttern, gelingen die Vorhaben, gehen die Wünsche in Erfüllung. Das Entstehen von Ma'at durch das aufmerksam Beachten dessen, was richtig ist, hat seinerseits zu Folge, daß das Leben von Freude erfüllt wird - man erlebt sich als mit allem verbunden, man schwingt in dem Lied der Welt mit. Dadurch, daß man die Ma'at anstrebt, steht man in Einklang mit der Welt - und es gibt keine Hindernisse mehr, nichts, was einen verletzten könnte. Diese Qualität und dieser Zustand der Freude und der Harmonie und des Einklanges mit der Welt ist das, was in diesen Kulturen als das höchste Ziel angesehen wird.

Wenn man in Ma'at ist, wird das Leben mühelos, denn alles, was verzerrt und verbogen war, ist wieder zu seiner wahren Form zurückgekehrt. Wenn man in Ma'at ist, geht das, was man sich wünscht, fast sofort in Erfüllung, denn dann kommen die Wünsche aus dem Herzen und das ja zu dem Erwünschten ist nicht mehr durch ein Ja, aber .. behindert. Wenn man in Ma'at ist, ereignet sich ständig sinnvolle Zufälle im eigenen Leben, weil man in Resonanz zu allem steht, was dem eignen Wesen und somit dem eigenen Streben und den eignen Wünschen entspricht. Das eigene Leben wird dann wie der Sprung einer Katze: mühelos, geschmeidig, kraftvoll, elegant, präzise ...

Auch abgesehen von diesen ganz persönlichen wünschenswerten Auswirkungen des Strebens nach Ma'at gibt es auch noch weitergehende wünschenswerte Auswirkungen der Ma'at. Zum einen setzt das Streben nach Ma'at, das auf einer Betrachtung der Welt unter dem Blickwinkel von Analogien beruht, alles mit allem in Beziehung und beendet somit eines der Hauptleiden der materialistischen Epoche: die Einsamkeit der Menschen. Zum anderen wird durch ein solches Denken auch das Ergreifen der Verantwortung für die ganze Erde gefördert, da man sich mehr als isoliert, sondern mit allem verbunden erlebt. Insofern ergibt sich aus dem Denken in Analogien und dem Streben nach Ma'at auch ein verstärktes Streben nach einem friedlichem Miteinanderleben, nach einem Fördern der Ökologie und nach einer gemeinsamen, kooperativen Suche nach den vielen globalen Problemen, die auf der Erde derzeit herrschen.

Das Denken in Analogien hat Ähnlichkeit mit der Algebra. In der Algebra hat man ein Gleichheitszeichen und auf beiden Seiten dieses Zeichens muß immer dasselbe geschehen, denn sonst wird die Gleichheit gestört. Während in der Algebra die Analogie auf die denkbar kleinste Qualität, eben auf die Gleichheit (=) reduziert wird und sich in dem, was verglichen wird, die ganze Handlung d.h. Rechnung abspielt, ist bei den Analogien die Qualität der Analogie (z.B. Gegensatzergänzung oder These/Antithese/Synthese) das eigentlich Variable, das, was untersucht wird und das was vielfältig ist.

Man kann den Lebensbaum wie ein großes Gleichheitszeichen auffassen, das nur weitaus komplexer als ein Gleichheitszeichen ist - beide, Gleichheitszeichen und Lebensbaum, markieren eine Analogiebetrachtung, wobei das das Gleichheitszeichen die denkbar einfachste Form einer Analogie ist und der Lebensbaum die komplexeste bekannte Form einer Analogie ist.

Das folgende ist ein Rituallied der Navahos, das gesungen wird, um die Essenz der Betrachtung der Welt mithilfe von Analogien, also die Qualität der Schönheit, des Friedens, der Harmonie und der Richtigkeit, herbeizurufen:

Ich gehe in Schönheit vor mir,

Ich gehe in Schönheit hinter mir,

Ich gehe in Schönheit über mir,

Ich gehe in Schönheit unter mir,

Ich gehe in Schönheit rings um mich,

Während ich mein Leben auf dem Pfad der Schönheit gehe;

Meine Gedanken sind alle von Schönheit erfüllt,

Meine Worte sind alle von Schönheit erfüllt,

Meine Taten sind alle von Schönheit erfüllt,

Während ich mein Leben auf dem Pfad der Schönheit gehe.

III Die Struktur des Lebensbaumes

Die Struktur des Lebensbaumes wirkt auf den ersten Blick ziemlich komplex und unübersichtlich, aber sie läßt sich doch recht gut erfassen, da sie nicht willkürlich ist, sondern sich aus einer inneren Logik heraus ergibt. Sie beginnt mit dem Paar Einheit/Gott/Idee und Vielheit/Welt/Konkretes als Grunddynamik.

Daraus ergeben sich dann als nächstes Betrachtungen über die einzelnen Schritte bzw. Übergänge zwischen diesen beiden Polen. Diese Schritte haben abwechselnd den Charakter einer Kraft und einer Form, wodurch ein Rhythmus entsteht.

Je drei der Sephiroth (Sphären, Kreise) haben eine gemeinsame Dynamik, die in etwas dem Prinzip These - Antithese - Synthese entsprechen und auf diese Weise die Struktur deutlicher werden lassen.

Diese Dreiergruppen sind voneinander und von den beiden einzelnen Sephiroth am Fuß (Vielheit) und an der Spitze (Einheit) des Lebensbaumes durch Übergänge getrennt, die die Verwandlungsvorgänge auf dem Lebensbaum markieren.

Die jeder Sephirah zugeordnete Farbe, Zahl und Planet geben schließlich dem Wesen jeder einzelnen dieser Sephiroth eine deutlichere Kontur.

Die Verbindung zwischen den Sephiroth werden Pfade genannt - sie sind die Übergänge zwischen den Zuständen der verschiedenen Sephiroth und haben somit einen eher dynamischen Charakter.

Schließlich kann man den Lebensbaum noch entweder von oben nach unten hin unter dem Aspekt der Schöpfung betrachten, der durch das Symbol des Blitzstrahles ausgedrückt wird; oder man kann ihn von unten nach oben hin unter dem Aspekt der Erkenntnis betrachten, der durch das Symbol der Schlange der Weisheit ausgedrückt wird.

Letzten Endes ist diese Struktur kein abgeschlossenes System, von dem man irgendwann sagen könnte, daß man alle seine Facetten verstanden habe, denn man kann jede Sephirah (Kreis) und jeden einzelnen Pfad und jeden Übergang zwischen den Dreiergruppen in seiner ganz besonderen Dynamik immer detaillierter erforschen oder man kann auch immer wieder neue Symmetrien feststellen, mit denen man gar nicht gerechnet hat, wenn man den Lebensbaum auf einen neuen Bereich anwendet.

1. Abbildung

Vom Aufbau her sieht der Lebensbaum immer gleich aus, das Verhältnis der Größen der Pfade und Kreise sowie die Winkel zwischen den Pfaden innerhalb dieser Graphik findet sich jedoch in vielen verschieden Varianten. Am häufigsten wird der Lebensbaum in der Form dargestellt, in der die Durchmesser der Kreise, die senkrechten Entfernungen der Kreise voneinander und die im 30°-Winkel nach oben oder unten zum nächsten Pfad führenden Kreise gleich groß sind, wodurch sich ein harmonisches Gesamtbild ergibt, das vor allem durch die auf diese Weise entstehenden gleichseitig-gleichwinkligen Dreiecke und die häufige Wiederholung dieses einen Längenmaßes entsteht. Dies ist zwar kein inhaltliches, sondern ein ästhetisches Kriterium, aber da die durch den Lebensbaum ausgedrückte Grundqualität die Ma'at, also die Schönheit, die Harmonie, der Frieden und die Richtigkeit ist, ist die Ästhetik der Darstellung der Lebensbaumstruktur in diesem Fall genauso wichtig wie die Richtigkeit dieser Struktur.

Die Kreise auf dem Lebensbaum werden in der Einzahl Sephirah, in der Mehrzahl Sephiroth genannt, und die Verbindungslinien tragen den Namen Pfad. In alten Schriften werden sowohl die Sephiroth als auch die Pfade als Intelligenzien bezeichnet, also als bewußte Wesen, Aspekte von Gottes Bewußtsein - man könnte auch Engel sagen.

Die zweite Sephirah von oben auf der mittleren Säule wird oft gar nicht oder nur gestrichelt eingezeichnet - sie wird die unsichtbare Sephirah genannt.

Die Sephiroth tragen, wenn sie durchnummeriert werden, in der Regel lateinische Zahlen: I, II, II ... IX, X. Die unsichtbare Sephirah hat keine Zahl, sondern tragt den Buchstaben D als Bezeichnung, mit dem ihr Name (Daath) beginnt.

Die hebräischen Namen der Sephiroth, zu denen je einer der Namen Gottes aus dem Alten Testament und einer der Erzengel gehört, haben folgende Bedeutung:

Der Name YHVH ist identisch mit dem Namen Jehovah, der bei den Zwölf Stämmen Israels zur Zeit des Alten Testaments und auch danach nicht ausgesprochen werden durfte. Daher wurde er entweder als YHVH buchstabiert (wobei die Vokale wie in den meisten semitischen Sprachen nicht mitgeschrieben werden), was als Yod-He-Vau-He ausgesprochen wird, oder er wurde Tetragrammaton, also der Vierbuchstabige genannt. Diese vier Buchstaben entsprechen den vier Elementen in der Folge Feuer - Wasser - Luft - Erde.

Zu der verborgenen Sephirah Daath gibt es keine traditionelle, aus dem Alten Testament stammende Zuordnung eines Gottesnamen oder eines Erzengels, aber da Daath die Pforte des Paradieses und den Ort der Verkündigung darstellt und der Erzengel Gabriel sowohl in der Bibel (Vertreibung aus dem Paradies, Verkündigung an Maria) als auch im Koran (Verkündigung der Suren an Mohammed) an der Pforte des Paradieses oder als verkündender Erzengel auftritt, und es zudem viele Verbindungen zwischen Daath und Yesod, der Gabriel traditionellerweise zugeordnet ist, gibt, scheint es durchaus sinnvoll, einen Verbindung zwischen Daath und Gabriel anzunehmen.

Da aus der Anwendung des Lebensbaumes auf die verschiedensten Themen Daath auch als ein Ort der Differenzierung bekannt ist, liegt es nahe, den Gottesnamen, der die Differenzierung in die vier Elemente bezeichnet, also YHVH, für diese Sephirah zu benutzen - zumal der verborgene und unaussprechliche Gottesname doch gut zu der verborgenen und unsichtbaren Sephirah zu passen scheint. Seit bereits ca. 200 Jahren, eventuell auch schon deutlich länger, wird der Name YHVH für die Sephirah Daath in der Meditation der Mittleren Säule benutzt, sodaß diese Zuordnung zwar nicht aus dem Alten Testament stammt, aber doch schon einige Tradition hat.

Die Namen der Sephiroth zu kennen ist ganz hilfreich, wenn man über den Lebensbaum spricht, während die Gottes-und Erzengelnamen zunächst nicht von so großer Bedeutung sind und eher im Zusammenhang mit Meditationen oder Ritualen wichtig werden.

Einige Name wie Yehovah (oder Jahwe), Adonai oder der Herr Tzabaoth (=Elohim Tzabaoth) sind weitgehend bekannt, ebenso einige der Erzengelnamen, während die übrigen wie Schaddei el-Chai oder Tzaphkiel normalerweise unbekannt sind. Möglicherweise erinnert man sich bei dem Namen Adonai ha-Aretz (=Herr der Erde) auch an die letzten Tagesnachrichten, in der die große israelische Tageszeitung ha-Aretz (=Die Erde) erwähnt wurde.

Aber noch etwas, was weniger offensichtlich ist, steht mit diesen Namen in Verbindung: das Ende des Vaterunsers, bei dem sich Christus auf den Lebensbaum bezieht. Die einzelnen Worte des Ende des Vaterunsers beziehen sich auf die Sephiroth oder auf die Gottesnamen und bilden ein Kreuz:

Das dem entsprechende Schlagen des Kreuzes weicht von dem heute in den christlichen Kirchen etwas ab:

Diese Art, das Kreuz zu schlagen, trägt den Namen Kabbalistisches Kreuz und wird benutzt, um ein Ritual oder eine Meditation zu beginnen und zu beenden.

Im Aramäischen, also in der Sprache, die Christus gesprochen hat, lauten diese Verse:

Die Herkunft des Hebräischen aus dem Aramaischen ist noch deutlich zu erkennen: malkutha - Malkuth (Reich); wa -ve (und); l'ahlâm - le-Ohlam (Ewigkeit); amên - Amen.

Eine dem kabbalistischen Kreuz ganz ähnliche Symbolik findet sich im Buddhismus wieder: Der senkrechte Balken wird durch den Kernsatz der buddhistischen Weltanschauung Leere ist Form und Form ist Leere dargestellt, wobei Leere mit Einheit (Kether) und Form mit Vielheit (Malkuth) identisch ist. Der waagerechte Balken des Kreuzes findet sich in der Haltung des Buddhas Amithaba wieder, der im Lotussitz sitzt und vor sich beide Hände wie Schalen ineinander liegen hat, wobei die rechte in der Linken liegt: die Stärke der rechten Hand (Geburah = Stärke) wird von der Weisheit (Gedulah = Herrlichkeit /Chesed = Barmherzigkeit) geführt.

2. Einheit und Vielheit

Einheit und Vielheit sind die beiden Pole auf der senkrechten, mittleren Achse des Lebensbaumes. Sie geben dem gesamten Baum seine Ausrichtung und definieren letzten Endes alle seine Bestandteile. Auf der Mittleren Säule des Lebensbaumes, also auf den fünf übereinanderstehenden Sephiroth in der Mitte des Lebensbaumes, befinden sie sich also an folgenden Plätzen:

Man könnte statt Einheit und Vielheit auch das Ganze und seine Details oder Gott und die Welt oder in buddhistischer Terminologie Leere und Form sagen. Einer der zentralen Weisheitssprüche der jüdischen Geheimlehre, also der Kaballa, lautet Malkuth ist Kether und Kether ist Malkuth, aber auf eine andere Weise. Dieser Spruch besagt, daß Gott (Eheieh) die Welt (Malkuth) ist und die Welt Gott ist, daß also Gott und die Welt identisch sind. Beides sind nur zwei verschiedene Betrachtungsweisen einundderselben Sache. Man könnte sagen, daß alles, was existiert, vom Standpunkt Kethers aus ein Wald ist, während es vom Standpunkt Malkuths aus gesehen viele einzelne Bäume sind.

Eine andere Möglichkeit, dies zu betrachten wäre der Gegensatz Bewußtsein und Materie. Nun ist Bewußtsein ja etwas Inneres und Materie etwas, das man im Äußeren sieht. Das Bewußtsein läßt sich zunächst einmal auf den ganzen Körper ausdehnen, man kann den Körper also von innen her wahrnehmen. Wenn man schon einmal telepathische Wahrnehmungen hatte, weiß man, daß sich das Bewußtsein auch über den eigenen Körper hinaus ausdehnen kann. In den Berichten von Weisen, Yogis, großen Heilern, Heiligen und ähnlichen spirituell weit fortgeschrittenen Menschen finden sich immer wieder Schilderungen von Erlebnissen, bei denen sich diese Menschen immer größerer Bereiche bewußt geworden sind, sodaß sie wahrnehmen konnten, was an den verschiedensten Stellen des Landes, in dem sie sich befanden, gerade geschah. Wenn man diese sehr konkret gemeinte Bewußtseinserweiterung nun ins Unendliche weiter ausdehnt, ergibt sich eine Beschreibung für Kether: man kann Kether als das Bewußtsein, also den Blick von innen her auf das Ganze auffassen - also Gott als eine Form von Bewußtsein, die alles durchdringt und sich aller Details bewußt ist. Die Vielheit hingegen wäre der Blick von außen auf die Welt, durch den man ihre viele einzelnen Bestandteile wahrnimmt.

Zu diesen zwei Möglichkeiten der Wahrnehmung, also dem Blick von innen her auf die Welt (Kether: die Welt als Objekte im Bewußtsein) und dem Blick von außen auf die Welt (Malkuth: die Welt als materielle Objekte), gibt es eine interessante Entdeckung aus der Kernphysik: In den letzten Jahrzehnten hat sich zunehmend gezeigt, daß alle Dinge miteinander zusammenhängen: Raum und Zeit und Gravitation (Relativitätstheorie), Materie und Schwingung (Quantenmechanik), Materie und Energie (Relativitätstheorie), die drei Grundarten der Kräfte (vereinheitlichte Theorie der Kräfte) - es wird zur Zeit an der mit dem typischen Humor der Physiker Theorie für alles genannten Beschreibung der Welt gearbeitet (Superstringtheorie).

Es ist in den letzten Jahrzehnten in der Kernphysik deutlich geworden, daß sich alles (Energie, Materie, Raum, Zeit) ineinander verwandeln läßt - was bedeutet, daß es letztlich nur ein dem allen zugrundeliegendes Etwas gibt, das alle diese Gestalten annehmen. Es gibt also nur dieses eine Etwas, in dem eine große Vielzahl von Prozessen abläuft. Dieses eine Etwas ist offensichtlich Kether und Malkuth ist das Ergebnis all dieser vielen Prozesse, die sich dann als die bunte Vielfalt der Welt zeigen.

Diese Betrachtungsweise findet sich auch im tibetischen Buddhismus wieder. In einem der zentralen Texte, dem Herz-Sutra, heißt es Form ist Leere und Leere ist Form. Die Form entspricht ganz offensichtlich Malkuth, der bunten Vielheit der Welt, und die Leere entspricht ebenso deutlich Kether, der Einheit, dem Ungegliederten, dem einen Einheit und Vielheit sind die beiden Pole auf der senkrechten, mittleren Achse des Lebensbaumes. Sie geben dem gesamten Baum seine Ausrichtung und definieren letzten Endes alle seine Bestandteile. Auf der Mittleren Säule des Lebensbaumes, also auf den fünf übereinanderstehenden Sephiroth in der Mitte des Lebensbaumes, befinden sie sich also an folgenden Plätzen:

Etwas, das die Physiker sich derzeit zu beschreiben bemühen. Selbst die Form der hebräischen und der tibetischen Aussage über den Zusammenhang zwischen Einheit und Vielheit ist gleich aufgebaut: Kether ist Malkuth und Malkuth ist Kether - Form ist Leere und Leere ist Form.

Nun gibt es zu dem hebräischen Weisheitsspruch noch den Zusatz aber auf eine andere Weise. Dieser Zusatz ist leicht zu verstehen: wenn man von Kether nach Malkuth blickt (Kether ist Malkuth), hat man sozusagen die Perspektive Gottes, man blickt gewissermaßen in die Richtung der Erschaffung der Welt; wenn man hingegen von Malkuth nach Kether blickt (Malkuth ist Kether), hat man die Perspektive eines Geschöpfes dieser Welt, das erkennt, daß es Teil des Ganzen ist, daß es im Innersten Gott ruht.

Wenn man sich nun die Struktur des Lebensbaumes weiter betrachtet, liegt es natürlich nahe, sich zu fragen, was denn genau zwischen der Einheit und der Vielheit steht. In den kabbalistischen Sprüchen der Weisheit wird diese Sephirah (Tiphareth) die vermittelnde und zentrierende Intelligenz genannt. Wenn man Kether als Gott ansieht und Malkuth als die Welt ansieht, ergibt sich für die Sephirah in der Mitte des Lebensbaumes, daß sie die Seelen darstellt. Tiphareth ist bei der Anwendung des Lebensbaumes auf ein bestimmtes Thema immer das zentrale, steuernde und bestimmende Element: die Seele, das Selbst, der Atomkern, der Zellkern, der Kanzler, das Herz ... Daraus ergibt sich dann der folgende Aufbau für die Mittlere Säule, wobei die Vielheit dem menschlichen Körper und das Zentrum der Seele entspricht, wenn man den Menschen als das Beispiel für diese Darstellung wählt:

Die nächste Frage wäre nun, was sich zwischen der Mitte, beim Menschen also seine Seele, und der Vielheit, beim Menschen also sein Körper, befindet. Grob gesagt, ist dies seine Psyche, sein Unterbewußtsein. Daraus ergibt sich, das Malkuth das normale Tagesbewußtsein ist, Yesod sein Unterbewußtsein, das man auch Traumbewußtsein nennen könnte, und daß Tiphareth dann etwas ist, was man das Überbewußtsein, das Seelenbewußtsein oder das erwachte Bewußtsein nennen könnte - also ein Zustand in dem man voll und ganz erkennt, wer man ist, und in dem man folglich auch vollkommen im Einklang mit seiner innersten Essenz, mit seiner Seele handelt.

Dabei fällt auf, daß der Körper etwas relativ Festes, gut Definiertes ist und ebenso auch die Seele etwas Klares, Einfaches und daher Festes hat, während die Psyche eher einen schwimmender Bereich ohne klare Grenzen mit vielen Bildern, Gefühlen und Gedanken, die sich ständig ändern können, darstellt.

Es liegt daher die Vermutung nahe, daß auch Daath, die Sephirah zwischen der Einheit von Kether und der Mitte von Tiphareth ein solcher schwimmender Bereich ist. Man kann ihn als Gottes Psyche auffassen. Es stellt sich natürlich die Frage, was denn Gottes Psyche wohl sein mag. Da man Gott zunächst einmal vor allem als den Schöpfer der Welt ansehen kann, ist anzunehmen, daß sich in seiner Psyche sozusagen der Schöpfungsentwurf befindet, das Urbild der Welt und aller Dinge, die in ihr sind. Traditionell wird Daath als das Tor zum Paradies aufgefaßt. Nun könnte man ja das Paradies als das Innere von Gottes Psyche auffassen und das Tor zum Paradies als den Punkt, wo Gottes Vision von der Welt, die er gerade erschafft, nach außen tritt und nun konkretes Einzelnes wird.

Wenn man den Lebensbaum auf die Vektormathematik anwendet, findet man ein anschauliches Bild für diesen Bereich. Ein Vektor ist grob gesagt ein Pfeil, also die graphische Darstellung eines mathematischen Gebildes, das eine bestimmte Größe (Länge des Pfeiles) und eine bestimmte Richtung hat. Nun hängt der mögliche Charakter eines solchen Pfeiles natürlich sehr von dem Bezugsrahmen ab, in dem er auftritt. Ein Pfeil auf einer Fläche wird in Bezug auf seine Richtung durch zwei Komponenten festgelegt: oben/unten und links/rechts. Ein Pfeil im Raum hingegen wird durch drei Komponenten festggelegt: oben/unten, links/rechts und vorne/hinten. Innerhalb dieses Vektor-Beispieles wäre Gott der gesamte Raum und Daath wäre der sogenannte Basisvektor. Dieser Basisvektor beschreibt, was eigentlich möglich ist, d.h. bei einer Fläche gibt er an, daß der Vektor sich innerhalb von zwei Richtungskomponenten aufhalten kann, bei einem Raum gibt er an, daß sich der Vektor innerhalb von drei Richtungskomponenten aufhalten kann. Der Basisvektor ist sozusagen die keimhafte Definition von allem, was im Folgenden geschehen kann. Er ist sozusagen das Grundgesetz, der Schöpfungsgedanke, der Ur-Impuls. In diesem Beispiel ist dann Tiphareth in der Mitte ein einzelner Vektor und Malkuth die Darstellung dieses Vektors durch seine einzelnen Richtungskomponenten, also als eine Vielheit von Bestandteilen.

Nun ist die Mittlere Säule vollständig geworden:

Nun gibt es noch die die beiden äußeren Säulen oder, anders betrachtet, die drei waagerechten Paare. In der traditionellen Beschreibung des Lebensbaumes findet man fast nur die senkrechte Gliederung in die drei Säulen, aber die Betrachtung der Paare ist zunächst deutlich leichter zu erfassen.

Das unterste Paar befindet sich zwischen der menschlichen Psyche (Yesod) und der Seele (Tiphareth). Es ist nicht schwer zu erkennen, welche Qualitäten dort angesiedelt sein müßten - es sind das Denken und das Fühlen. Wenn man sich diese beiden einmal genauer betrachtet, wird ein grundlegender Unterschied deutlich: während das Denken Maß und Zahl hat und eher sachlich-neutral einfach Zusammenhänge betrachtet, ist es beim Fühlen gerade umgekehrt: es besteht aus Impulsen, die in der Regel zwar eine deutliche Richtung haben, die aber nicht über eine bestimmte Größe, also ein Maß verfügen. Das Denken hat ein Maß, aber keine Richtung (es ist der neutrale Beobachter), und das Gefühl hat eine Richtung, aber kein Maß (das Streben nach etwas Bestimmtem).

Wenn man wieder den Lebensbaum auf die Vektormathematik anwendet und sich dieses Paar anschaut, findet man als Entsprechung zum Denken die Größe des Vektors, also sein Maß, während man als Entsprechung zum Gefühl die Richtung des Vektors findet, was dem Impuls des Gefühles entspricht, der auf das angestrebte Ziel zu zeigt.

Wie die Zahlen der Sephiroth zeigen, haben diese Sphären eine bestimmte Reihenfolge. Das Gefühl und der Verstand müssen also den Sephiroth Nr. 7 und Nr. 8 entsprechen - doch was entspricht welcher Nr.? Es ist anzunehmen, daß derjenige Teil des Paares Gefühl - Verstand die Nr. 7 erhält, der näher an der Seele, also an der Essenz ist. Die Sachlichkeit, mit der man über alles nachdenken kann, läßt eine gewisse Distanz zur Essenz vermuten. Das Gefühl hingegen ist immer eine Beschreibung über das Verhältnis zwischen der Essenz und der Welt: Das will ich näher an mich heranziehen und jenes will ich weiter von mit fortstoßen. Die Gefühle sind also ein direkterer Ausdruck der Essenz als der Verstand, der mit seiner beschreibenden Beobachtung näher an der Außenwelt ist. Daher ist das Gefühl die Entsprechung von Netzach, der Sephirah VII, und der Verstand die Entsprechung von Hod, der Sephirah VIII.

Daraus wird der Lebensbaum nun wieder ein wenig vollständiger und enthält jetzt zusätzlich zur Mittleren Säule die ersten beiden Hilfsfunktionen für die Vorgänge auf der Mittleren Säule:

Das nächste Paar, das sich waagerecht zwischen der Seele und Gottes Psyche befindet, kann man am ehesten erfassen, wenn man es in Analogie zu dem unteren Dreieck (Netzach/Gefühl, Hod/Verstand und Yesod/Psyche) betrachtet. Von der Seele, dem Selbst, dem Kern der Individualität (Tiphareth) gehen Impulse aus, die sich als Gefühle (Netzach) zeigen, die durch den Verstand (Hod) verarbeitet und zu konkreten Situationseinsschätzungen und Handlungsmöglichkeiten weiterentwickelt werden und sich schließlich als bildhafte Bestandteile der Psyche (Yesod) wiederfinden.

Da anfangs Yesod etwas ungenau als die menschliche Psyche beschrieben worden ist, aber nun Denken und Fühlen ja Teile der Psyche sind, ist es sinnvoll, im Folgenden Yesod als das Unterbewußtsein aufzufassen, das zusammen mit dem dem Denken und dem Fühlen das Dreieck der Psyche darstellt.

Es stellt sich also die Frage, was könnte von Gottes Psyche (Daath) ausgehen, was die Impulse, die aus ihr kommen, weiterverarbeitet und dann zur Seele werden läßt.

Dies ist leichter zu erfassen, wenn man den Lebensbaum auf einen anderen Bereich anwendet. Dieser Lebensbaum unterscheidet sich nur wenig von dem oben dargestellten. In dem bisherigen Beispiel führt der Weg vom Körper und dem Wachbewußtsein nach innen durch die Psyche und den Bereich der Seele sowie den Bereich der Psyche Gottes bis hin zur Einheit, Gottes Allbewußtheit.. Fast derselbe Lebensbaum ergibt sich, wenn man ebenfalls vom Körper ausgeht, aber nicht den inneren Weg des Bewußtseins, sondern den äußeren Weg der Materie einschlägt und daher dann in Kether bei der Außenseite der Welt als Ganzer angelangt, also bei dem Etwas der Physiker, der Raumzeit der Superstring-Theoretiker.

Dieser Lebensbaum beginnt ebenfalls mit dem Körper (Malkuth), und auch bei ihm folgt dann die Psyche des Menschen, die in diesem Fall aber nicht von innen her erlebt, sondern von außen her betrachtet wird. Daher ist das Dreieck der Psyche in diesem Fall das Dreieck der Psychologie (Netzach, Hod, Yesod). Das nächsthöhere Dreieck beschreibt dann übergeordnet das Zusammenleben der Individuen und kann als das Dreieck der Soziologie (Chesed, Geburah, Tiphareth) bezeichnet werden - wobei in diesem Fall der Begriff Soziologie sehr weit gefaßt ist und auch Politik, Ökonomie, Ökologie usw. umfaßt. Darauf folgt dann ganz oben (Sephiroth II bis D: Chokmah, Binah und Daath)

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