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Lasst viele Funken sprühen: Biblische Reden und Meditationen 4

Lasst viele Funken sprühen: Biblische Reden und Meditationen 4

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Lasst viele Funken sprühen: Biblische Reden und Meditationen 4

Länge:
98 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 14, 2014
ISBN:
9783735783219
Format:
Buch

Beschreibung

Die biblischen Reden verstehen sich als dialogische Texte.
Sie suchen ihre Basis in einem intensiven kritischen Gespräch mit der biblischen Überlieferung.
Und sie sind daran interessiert, dass die Leser und Hörer nicht Zuhörer bleiben, sondern angeregt werden, ihren Platz in dem Dialog einzunehmen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 14, 2014
ISBN:
9783735783219
Format:
Buch

Über den Autor

Dr. Horst Klaus Berg ist emeritierter Professor für Evangelische Theologie an der Pädagogischen Hochschule Weingarten und Autor grundlegender Werke zur Bibel und ihrer Didaktik sowie zu religionspädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Themen. Nähere Informationen auf seiner Website: www.hkberg@berg-werke.de


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Buchvorschau

Lasst viele Funken sprühen - Horst Klaus Berg

Reden.

Weiter Raum

Psalm 18,37 – mit einem Bild von Sigrid Berg

1. Erste Annäherung: Das Bild

Ich möchte mit Ihnen in diesem Gottesdienst eine Annäherung an den Satz aus Psalm 18 versuchen, den ich schon zum Eingang nannte:

„Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken." (Psalm 18,37)

Als ich meiner Frau von diesem Plan erzählte, gab sie mir ein Bild, das sie vor kurzem gemalt hatte – meine Frau ist Malerin. Und sie meinte: „Ich kann mir vorstellen, dass das Bild mit dem Psalm ins Gespräch kommt".

Jetzt war ich neugierig geworden und fing an, das Bild genauer anzusehen. Dafür braucht man ein bisschen Zeit… das ist bei allen Bildern meiner Frau so. Ich zeige Ihnen, was mir aufgefallen ist. (Damit Sie sich gut beteiligen können, habe ich das Bild für Sie als Postkarten ausgedruckt.)

Der untere Bildraum baut sich aus einer Anzahl von verhältnismäßig kleinen Flächen auf… Aber es ist kein kompakter Bau, der da entsteht. Die Farbflächen scheinen sich manchmal gegeneinander zu schieben; ich gewinne den Eindruck, dass diese Gebilde nicht sehr stabil sind, nicht einheitlich, ein bisschen irritierend. Die Bewegung der Farbflächen setzt sich am rechten Bildrand fort – hier scheinen sie teilweise zur Bildmitte hin auszufransen. Auch der linke Bildrand nimmt die Bewegung auf und setzt dort dann oben noch einmal einen kräftigen Akzent. Vorherrschend sind unterschiedliche Blautöne; aber auch grüne und weiße kleine Formen scheinen wie Spritzer auf.

Sigrid Berg, Blick ins Weite. 1913.

Die Mitte des Bildes nimmt eine große helle Fläche ein, Gelb- und Weißtöne lassen ein helles Licht ahnen. Die leuchtende Fläche wird immer wieder von dunklen Elementen bedrängt, teils spitz, teils kantig. Sie wirken aggressiv. Mir zeigt sich: Das Bild ist eigentlich nicht statisch; da ist viel in Bewegung; wenn ich lange genug vor dem Bild stehe und dem Spiel der Linien, Formen und Farben nachgehe, kann ich diese Bewegung spüren.

Es ist klar: Sigrid Berg malt nicht-gegenständlich, abstrakt.

Was fängt man mit einem solchen Bild an?

Einige, die das Bild gesehen haben, erkannten darin u.a.

eine bewegte Gebirgslandschaft

Ruhe und Unruhe

Kampf zwischen Dunkelheit und Helligkeit

Die zwei Seiten der Zukunft…

Welche Deutung ist „richtig – welche „falsch? Alle – und keine – und weitere.

Ich finde am besten einen Zugang zu nichtgegenständlichen Bildern durch einen Hinweis des Lyrikers Walter Helmut Fritz. Er meint, die „höchste Leistung eines Kunstwerks sei, „dass es uns bei uns ankommen lässt. Will sagen: ein Bild kann unseren Erfahrungen und Gefühlen Sprache geben, uns behilflich sein, sie zu erkennen und uns selbst besser kennen zu lernen. Ich erkenne also nichts, was ich schon kenne: Bäume, Häuser, Menschen… aber ich habe die Möglichkeit, zu erkennen, was wirklich wichtig ist: Mich selbst.

Ich gehe darum so an ein Bild heran, dass ich frage: Wo ist mein Platz darin? Ich bleibe also nicht vor dem Bild als neutraler Beobachter stehen, sondern gehe hinein, als Angesprochener und Beteiligter.

Mir ist bald klar, dass ich irgendwo in dem Gemenge der blauen Formen meinen Ort finde… und zwar sehe ich mich ziemlich klein.

Welche Erfahrungen und Gefühle könnten hier ins Bild kommen?

Ich fühle mich an Lebenslagen erinnert, wo etwas größer, mächtiger war – oder ist – als ich. Wo ich mich beengt und hilflos fühle. Wo es keine Eindeutigkeit gab oder gibt, wo sich kein klarer Weg zeigt.

Für den einen sind solche Erfahrungen vielleicht mit Schwäche oder Krankheit verbunden, für andere mit Unsicherheit in einem Streit – oder gerade für Kinder und Jugendliche damit, dass sie Aggressionen und Mobbing ausgesetzt sind.

Das alles kann von den dunklen, unruhigen, bedrängenden Teilen des Bildes abgerufen werden.

Aber es gibt ja auch die große helle Fläche – hier ist es hell und weit. Auch hier kann ich vorkommen… der Titel des Bildes deutet es an: „Blick ins Weite". Hier kommt die Sehnsucht nach Weite ins Spiel: Wie gern möchte ich oft heraus aus dunklen, bedrängenden Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen – hinaus in befreiende, freundliche Erfahrungen, die ermutigen und beleben.

Meine Frau hatte vorgeschlagen, dass der Psalm und das Bild ins Gespräch kommen. Jetzt sehe ich, das das Gespräch schon längst angefangen hat – ein Gespräch mit dem Bild – oder das Bild im Gespräch mit mir – oder das Gespräch mit mir selbst. Solche Begegnungen mit uns selbst will Kunst öffnen.

2. Zweite Annäherung: Der Psalm

Versuchen wir jetzt, dem Psalmwort näher zu kommen.

Der 18. Psalm, aus dem unser Vers stammt, ist einer der vielschichtigsten und bilderreichsten: Der Sänger – heute würden wir vielleicht sagen: Der Liedermacher – schildert in immer neuen Bildern Bedrängnis, Angst und Not. Dabei vermischt er offensichtlich Erfahrungen eines Königs mit persönlichen. Von gewaltigen Wassern ist die Rede, von kriegerischer Gewalt, von den Fesseln der Unterwelt, den Schlingen des Todes. Und dann unser Vers:

„Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.

So spricht einer, der etwas von Enge und Bedrängnis weiß! Gehen wir dem noch ein wenig nach.

Ich denke, Angst entsteht immer aus der Erfahrung von Enge, - die beiden Wörter gehen ja auch auf die gleiche sprachlich e Wurzel zurück! - dem Gefühl, eingefangen, eingesperrt zu sein.

Das kann durch andere geschehen, die mich nicht zur Entfaltung und damit zu mir selbst kommen lassen. Sie sind so etwas wie Gefängniswärter.

Solche „Gefängniswärter" gibt es aber auch in uns selbst.

Wie ist das zu verstehen? Das sind Urteile, Normen, Vorschriften, die ich mir zu eigen mache und die mich auf enge Sichtweisen und Verhaltensweisen festlegen.

Beispiele: „Die Jugend" ist oberflächlich und egoistisch! – Die Arbeitslosen sind nur zu bequem, um sich anzustrengen…

Zu den „Mauern gehört auch mangelndes Zutrauen zu eigenen Fähigkeiten: „Das kann ich nicht!

Oder auch die Macht der Routine, die Entdeckungen verhindert.

Leute in meinem Alter müssen unbedingt neugierig und offen für neue Ideen und bleiben Verhaltensweisen bleiben, sonst geraten sie ins Gefängnis der Mutlosigkeit - Angst kommt

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