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Karate im Wandel: Eine Kampfkunst zwischen Budogeist und Wettkampfsport

Karate im Wandel: Eine Kampfkunst zwischen Budogeist und Wettkampfsport

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Karate im Wandel: Eine Kampfkunst zwischen Budogeist und Wettkampfsport

Länge:
262 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 20, 2013
ISBN:
9783732227709
Format:
Buch

Beschreibung

Als Karate vor ca. 50 Jahren Eingang in die westliche Sportkultur fand, faszinierten daran zunächst die technische Seite und der Selbstverteidigungswert. Erst Jahrzehnte später begann die Auseinandersetzung mit der geistig-spirituellen Dimension der Kampfkunst Karate. Im Bemühen, zur Essenz des Karate vorzudringen, wurde jedoch häufig vernachlässigt, dass diese Kampfkunst in seiner Traditionslinie schon vielfache Veränderungen und auch Traditionsbrüche erfuhr.

Sowohl die jahrhundertealte asiatische sowie die jüngste westliche Karatetradition zeigen, dass es zu keiner Zeit das Karate gab, sondern dass es – wie jedes Kulturgut – einem ständigen Veränderungsprozess unterliegt. Dieser Wandel wird im vorliegenden Band aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 20, 2013
ISBN:
9783732227709
Format:
Buch

Über den Autor

Wolfgang Brockers, geboren 1950 in Mönchengladbach, studierte Geschichte, Philosophie und Sport in Neuß und Wuppertal. Von 1980 bis 2014 unterrichtete er an einem Mönchengladbacher Gymnasium. Seit den frühen 1960er Jahren ist er bekennender Beatles-Fan. Neben seiner Begeisterung für die Musik der "Fab Four" verfolgte er auch nach der Auflösung der Beatles interessiert den musikalischen und biografischen Werdegang der Ex-Beatles. Mit zunehmender Vertrautheit mit dem Phänomen der Beatles und wachsender Detailkenntnis wuchs allmählich die Überzeugung, dass es immer noch eine lohnenswerte Aufgabe ist, ihre Songs erneut im Kontext der damaligen Zeit näher zu betrachten. Daraus entstand die Idee zu der vorliegenden Arbeit.


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Buchvorschau

Karate im Wandel - Wolfgang Brockers

Anlagen

Shotokan-Ryu Karate

Tradition und Entwicklung des Shotokan-Stils vom Ursprung bis heute

1 Einleitung

Im Deutschen Karate-Verband findet heutzutage eine Vielzahl von Stilrichtungen eine gemeinsame sportpolitische Dachorganisation. Doch hat sich dabei die Karate- und Kampfkunstszene so vielfältig ausdifferenziert und spezialisiert, dass es kaum noch möglich ist, einen Überblick zu bewahren. Zu den etwa 20 im Deutschen Karate-Verband (DKV) vertretenen Stilrichtungen gehören u.a. die vier Haupt-Karatestile Japans Shotokan, Goju- Ryu, Shito-Ryu und Wado-Ryu. Von allen ist jedoch die Stilrichtung Shotokan die mitgliedermäßig am stärksten vertretene und traditionsreichste in der deutschen Karateszene.

Aufgrund der zunehmenden sportpolitischen und wettkampfmäßigen Verflechtungen der Stilrichtungen innerhalb des DKV, aber auch wegen der insgesamt größer und vielfältiger gewordenen Karateszene scheint es so, dass das spezifische Profil der Stilrichtungen unscharf geworden ist. Aus der Sicht der Shotokanvertreter bestand bislang kaum das Bedürfnis einer Stildefinition und –interpretation, zumal Shotokan die größte Stilrichtung war und ist und dazu viele andere, neuere Richtungen darauf aufbauen bzw. davon abgeleitet sind.

Angesichts dieser Situation mit kooperierenden, aber auch konkurrierenden Stilrichtungen stellen sich nun aber doch Fragen, wie etwa: Was macht das Besondere des Shotokanstils aus? oder: „Ist in der heutigen Zeit die Bewahrung einer Reinheit des Karatestils überhaupt noch möglich und überhaupt sinnvoll?"

Um auf solche Fragen eine Antwort zu finden, ist es nötig Klarheit über seinen Karatestil hinsichtlich seines Ursprungs, seines Anspruchs, seiner Entwicklung und seiner Rolle innerhalb des Sportverbandes zu gewinnen. Darum sollen nun nachfolgend die Wurzeln und die Traditionslinien des Shotokan sowie das spezifische technische Profil dieser Stilrichtung aufgezeigt und erläutert werden. Dabei wird es zwangsläufig auch um die Person Funakoshis, des Vaters und Namensgebers des Shotokan-Karate, gehen müssen, um sein Karate und um sein Verständnis seiner Kampfkunst.

2 Traditionslinien des Shotokan-Karate

2.1 Wurzeln in Okinawa

Die Wurzeln des Shotokan-Karate liegen – wie die anderer Stilrichtungen auch - in Okinawa. Seit Jahrhunderten hatte Okinawa durch politische, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen aus China Kampfkunstimpulse aus dem „Quan-fa erhalten, sowohl von den nördlichen „langen wie auch von den südlichen „kurzen Stilen. Diese bestanden maßgeblich in der Übermittlung verschiedener Kata. Die chinesische Kampfkunst wurde mit dem bereits auf Okinawa existierenden Verteidigungssystem „Tode - offenkundig eine sprachliche Modifikation der älteren Bezeichnung „tangte (China-Hand mit Bezug zur Tang-Dynastie), was auch auf einen chinesischen Einfluss auf die alte okinawanische Kampfkunst hinweist – verbunden. Daraus entstand das „Okinawa-te, woraus sich Karate entwickeln sollte. Dieses Okinawa-te basierte auf einem Grundpool von 24 Kata unterschiedlichster Charakteristik und wurde verstärkt in drei Zentren, in den Orten Naha, Tomari und Shuri, im Geheimen aus-geübt und gelehrt. Daher spricht man auch vom Naha-te, das maßgeblich vom südlichen chinesischen Stil beeinflusst war und woraus sich später das Shorei-Ryu Karate ableitete, sowie vom Shuri-te und Tomari-te, die mehr der nördlichen chinesischen Linie folgten und die das Shorin-Ryu Karate bildeten. Die heute bekannten insgesamt ca. 60 Kata basieren als Abwandlungen oder Variationen, die als solche auf Okinawa entstanden, auf den ursprünglich 24 Kata. Aus diesem Basispool der Kata wählten die Lehrer einige wenige Kata – manche sogar nur eine – und machten diese zur Grundlage ihrer Lehre bzw. ihres Kampfstils. So entstanden zwar unterschiedliche Schulen innerhalb der Okinawa-te Kampfkunst, doch sahen sich diese Schulen als Teil des Gesamtsystems und nicht als eigene Stilrichtung. Da man nur heimlich übte, zunächst um den verhassten japanischen Herrschern keine Kenntnis des Okinawa-te zu geben und später aus Rivalität der Schulen untereinander, gab es nur spärliche Kontakte der Schulen untereinander und so war es unvermeidlich, dass aufgrund der unterschiedlichen Interpretationen und Lehrweisen viele Kata Veränderungen erfuhren. So gab es mindestens vier verschiedene Versionen der Kushanku-Kata (Kanku-dai), die von einem chinesischen Diplomaten gleichen Namens einst nach Okinawa gebracht wurde. Die Geheimhaltung des Okinawa-te wurde erstmals im Jahr 1901 für eine Demonstration anlässlich des Besuchs eines japanischen Schulkommissars aufgehoben. Aufgrund seines Berichts wurden von Anko Itosu die fünf Pinan (Heian) Kata als künstliche Kata aus den traditionellen Kata geschaffen und 1905 zur Körperertüchtigung an den Schulen eingeführt, was mehrere Meister Okinawas schon als Verrat ansahen und Itosu deswegen anfeindeten.

2.2 Funakoshi Gichin, Azato und Itosu

Funakoshi Gichin (1868-1957) wurde als einziger Sohn einer Samurai-Familie in Shuri geboren. Schon im Grundschulalter begegnete er Meister Anko Azato, dem inneren Schüler der Matsumura-Linie des Shuri-te, und begann bei ihm den Unterricht. Azato war ein reicher Gutsherr mit einer nahezu fürstlichen Stellung auf Okinawa. Er hatte es nicht nötig, für Geld zu unterrichten; daher hatte er keine Schule, sondern nur einzelne Privatschüler, die er abends und nachts unterrichtete. Als Nachfolger Matsumuras übte Azato wie dieser auch den Schwertstil „Jigen-Ryu", einen äußerst dynamischen sowie körper- und kampfbetonter Stil. Funakoshi bezeichnete Azato später als den größten Karate-Experten seiner Zeit.

Abbildung 1: Funakoshi Gichin

Funakoshi wurde einer von zwei Schülern Azatos. Darüber hinaus war er oft Gastschüler von Itosu, einem brillanten Lehrer des Shuri-te, der durch viele Veränderungen und Neuinterpretationen der Kata das Shuri-te perfektionierte. Auf ihn geht das heutige Shito-Ryu Karate zurück. Auf diese Weise wurde der junge Funakoshi Gichin von zwei der bedeutendsten Meister ausgebildet. 1891 wurde er als Hauptschullehrer nach Naha versetzt, wo er mit den Meistern Aragaki und Higashionni trainierte, ohne dass sein Kontakt zu Azato und Itosu abriss. Dadurch erhielt er eine umfassende Ausbildung im Okinawa-te Karate. 1913 gab er seine Lehrertätigkeit auf und widmete sich ausschließlich den Kampfkünsten. 1921 kam es anlässlich des Besuchs des japanischen Erbprinzen, des späteren Kaisers Hirohito, zu einer Vorführung der Meister Okinawas, was eine Einladung des japanischen Kultusministeriums bewirkte, das okinawanische Karate in Tokyo vorzustellen. Diese Einladung war an die Vereinigung der Kampfkünste Okinawas ergangen. Nach langen Beratungen wurde Funakoshi für diese Aufgabe ausgewählt. Er hatte die Kampfkunst Okinawas auf hohem Niveau gemeistert, war ein Mann von hoher Bildung – er war Kenner des Konfuzianismus und des Zen, sowie ein Meister der Dichtung und Kalligrafie – und sprach japanisch. Er schien der geeignete Botschafter zu sein, die Kampfkunst Okinawas in Japan zu verbreiten und damit einen Brückenschlag zwischen den lange Zeit verfeindeten Ländern Okinawa und Japan zu leisten.

2.3 Funakoshi Gichins Shotokan Karate und die Japanisierung des Okinawa-te

Im Mai 1922 präsentierte Funakoshi anlässlich der „Ersten jährlichen Sportschau" in Tokyo mit Demonstrationen, Bildern und Schriften die Kampfkunst Okinawas. Damit erregte er – besonders bei der japanischen Budo- Prominenz – großes Aufsehen. Selbst der legendäre Judogründer Kano wollte bei ihm Karate lernen, und wenige Tage später wurde Funakoshi von Kano ins Kodokan eingeladen und etwa einhundert ausgewählten Judokas vorgestellt.

Dazu erreichten ihn Einladungen und Aufforderungen von verschiedenen Institutionen, wie etwa der Militärakademie, der Richtervereinigung oder der Hochschule für Körpererziehung, in Tokio zu bleiben, um Vorträge zu halten und Demonstrationen zu geben. Deshalb unternahm er zu diesem Zweck viele Reisen in Japan und kehrte nicht, wie er ursprünglich geplant hatte, nach Okinawa zurück. Trotz dieser positiven Resonanz gelang es ihm erst 1924 und 1926, erste Karate-Clubs an Universitäten zu gründen; 1927 gar mehrere an verschiedenen Hochschulen. Allerdings musste Funakoshi sich mit unerwarteten Schwierigkeiten auseinandersetzen. Die Mentalität der Japaner war völlig verschieden von der der Okinawaner. Die Japaner waren seit der Öffnung zum Westen auf Vergleich, Konkurrenz, Wettkampf und Leistungssteigerung orientiert, wie dies Kano, der dem westlichen Sport und insbesondere der Erneuerung der olympischen Bewegung sehr zugetan war, mit der Versportlichung des Judo schon umgesetzt hatte. Daher fand Funakoshi bei seinen jungen japanischen Schülern für seine traditionelle Lehrweise mit Kata, Bunkai, Makiwara- und Abhärtungstraining wenig Gegenliebe. Es gab bald Interessenskonflikte und einige Schüler, die Wettkampfkonzepte verfolgten, wurden von ihm des Dojos verwiesen. Der Widerspruch zwischen den Schülerinteressen und Funakoshis Auffassung führte auch dazu, dass sein von ihm geschätzter Schüler Otsuka sich von ihm trennte und das spätere Wado-Ryu gründete. Dennoch sah sich Funakoshi gezwungen, Kompromisse einzugehen und von seiner strengen Lehrweise abzurücken, die weniger auf praktische Nutzanwendung als auf ganzheitliche Persönlichkeitsreife incl. moralischer und spiritueller Aspekte ausgelegt war. Dies belegen die Aussprüche „Karate ist die Kampfkunst der Tugendhaften und „Faust und Zen sind eines knapp aber sehr deutlich.

Funakoshis Ausbildungskonzept basierte auf den Kata gemäß der Itosu- Schule, wobei er zunächst eine Auswahl von ca. 25 Kata, die möglichst das gesamte Karate Okinawas repräsentieren sollten, vornahm. Er stellte jedoch bald fest, dass dies zu umfangreich und zu anspruchsvoll war. Darum reduzierte er die Zahl und legte schließlich einen für sein Karate klassisch gewordenen Kanon von folgenden Kata fest, nämlich

Heian (Pinan) 1 - 5

Tekki 1 -3

Empi

Jitte

Bassai-dai

Jion

Kanku-dai

Hangetsu

Gangaku

Dazu nannte er die von ihm konzipierte „Ten no Kata" als Kumiteform, die insbesondere im Partnertraining Timing und Distanz schulen sollte.

Während die Mehrzahl der ausgewählten Kata aus der Tomari-te- bzw. Shuri-te-Schule stammten, nahm er die Tekki, Jitte, Jion und Hangetsu aus der Naha-te-Linie. Die Auswahl der Kata und ihre Charakteristika zeigen, dass er sich bemühte, das gesamte Karate Okinawas weiterhin exemplarisch zu repräsentieren und durch die Praxis dieser Kata einen Zugang zu Okinawas Gesamtsystem zu ermöglichen.

Angeregt durch Funakoshi, der das Okinawa-Karate in Japan verbreitete, folgten ihm andere Meister aus Okinawa. Allerdings gingen sie nicht nach Tokyo, weil dort schon Funakoshi lehrte, sondern nach Osaka, Kobe oder Wakayama. Zu dieser Zeit konnten Shito Ryu von Meister Mabuni und das Goju-Ryu von Meister Miyagi als eigenständige Karatestile in Japan Fuß fassen. Viele Karatelehrer aus Okinawa kamen nach Japan und ließen sich als „Stilgründer bezeichnen, ohne jedoch etwas substanziell Neues in der Karatekunst bieten zu können. Entsprechend negativ äußerte sich Funakoshi dazu, wenn man versuchte, sein Karate als besonderen Stil zu bezeichnen: „Ich habe dem Karate, welches ich studiere, nie einen Namen gegeben, aber einige meiner Schüler nennen es Shotokan-ryu. (Funakoshi, in: Karate-Do Nyumon, S. 34) Der Name Shotokan resultierte aus dem Künstler- bzw. Kosenamen „Shoto für Funakoshi, womit er seine Dichtungen und Kalligrafien signierte, und der Bezeichnung „kan für Halle, Raum, wo er lehrte.

Ein besonderes Problem hatte Funakoshi damit, sein Karate von der mächtigen halbstaatlichen Dachorganisation für japanische Kampfkünste „Butokukai, die fest in der Hand von Politik und Militär war, anerkennen zu lassen. In jener Zeit des überschwänglichen japanischen Nationalismus und der traditionellen Feindschaft zu China konnte keine okinawanisch-chinesische Kunst Anerkennung finden. Dafür forderte man die Einführung eines Gürtelgradsystems (Funakoshi besaß keinen solchen Grad), einer Prüfungsordnung, eines Karategis, was Funakoshi alles akzeptierte. Vor allem aber wurde die Änderung des Schriftzeichens für die Bezeichnung von Funakoshis Kampfkunst gefordert, denn die alte Schreibweise wurde als „China-Hand gelesen. Mit der Hilfe des mit ihm befreundeten Abts Asahina Sogen des Zenklosters Engakuji änderte Funakoshi schließlich die Schreibweise für Karate so, dass sie nun als „leere Hand" gelesen wurde. Damit wurden einerseits der Charakter der waffenlosen Kunst und andererseits der Bezug zu den Werten des Zen-Buddhismus hervorgehoben, denn der Begriff der Leere ist ein zentraler Begriff der buddhistischen Philosophie. Funakoshi begründete die Änderung auch damit, dass sein Karate-Do, wie er seine Kampfkunst seit seiner Lehrtätigkeit in Tokyo nannte, keine Ähnlichkeit mehr mit den chinesischen Künsten wie dem Shaolin-Kempo habe. Mit diesen Änderungen, die faktisch die Japanisierung des Karate bedeuteten, wurde das Shotokan-ryu Funakoshis als japanische Kampfkunst anerkannt und galt damit bald neben den anderen inzwischen etablierten Stilrichtungen wie Goju-Ryu, das sich aus der Naha-te-Schule entwickelte, Wado-Ryu und Shito-Ryu, das sich aus der Itosu-Linie entwickelte, als Hauptstilrichtung des Karate. Andere Stilrichtungen, die sich nicht den Forderungen des Butokukai unterwarfen, wurden allmählich an den Rand der Szene gedrängt.

An dieser Stelle lohnt es sich innezuhalten und festzustellen, dass, bedingt durch die äußeren Umstände, Funakoshi sein ursprüngliches Karate aus Okinawa schon erheblich verändert hatte, insbesondere was die äußere Erscheinung betraf. So ist es bemerkenswert, dass er selbst konstatierte, dass sein Karate nichts mehr mit den chinesischen Ursprüngen zu tun gehabt habe – wahrscheinlich entgegen besseren Wissens. Vielleicht ist dies aber auch der geistigen Mentalität der Japaner jener Zeit geschuldet, die negativ allem Chinesischen gegenüber eingestellt waren und aus dem gleichen Grund bis heute den Zen-Buddhismus aus Indien ableiten und nicht anerkennen wollen, dass Zen ein eindeutiges Produkt des chinesischen Geistes ist.

2.4 Shotokan-Ryu - die Veränderung des Stils durch Funakoshi Yoshitaka

1936 wurde in Tokyo Funakoshis erstes privates Dojo eröffnet. Dadurch, dass Funakoshi sich an den angesehensten Universitäten etabliert und seine Schüler sorgfältig ausgesucht hatte, genoss er in den besten Kreisen Tokyos einen guten Ruf. Inzwischen leiteten seine Meisterschüler Hironishi und Egami, insbesondere sein dritter Sohn Yoshitaka (Gigo), das Training unter seiner Aufsicht. Ab 1938 wurde Yoshitaka der Hauptausbilder. Mit der heranwachsenden dritten Meistergeneration stieg wieder der Druck in Richtung Wettkampf, so dass Funakoshi nach und nach Kumiteformen wie Gohon-, Sanbon- und Ippon-Kumite und später sogar Jyu-Kumite zuließ, aber Wettkampf weiterhin beharrlich ablehnte, weil er darin eine Gefahr für das Wesen seines Karate-Do sah: Das Streben nach Sieg und das Triumphieren über andere verkehre die inneren Werte des Do und des Zen ins Gegenteil, denn dabei suche man den Weg der Bescheidenheit und Demut bis hin zur meditativen Aufgabe des Egos, um zur Einheit mit dem „Tao bzw. „Do zu gelangen. Wie Zeitgenossen berichteten, gab es häufig Streit zwischen Vater und Sohn, weil Yoshitaka zunehmend andere, kämpferische Elemente ins Training einbrachte und damit Funakoshis Karate, das bis dahin ausschließlich der Itosu-Schule folgte, immer mehr veränderte. Zusammen mit Egami und Hironishi schuf Yoshitaka schließlich einen ganz neuen Stil, der völlig andere Bewegungsprinzipien verfolgte als die anderen bis dahin bekannten Stile. Yoshitakas Shotokan war viel körperbetonter, dynamischer und kämpferischer als das seines Vaters und ähnelt dem heutigen Shotokan sehr. Da nicht anzunehmen ist, dass Yoshitaka dieses System selbst kurzfristig entwickelt hatte, ist man sich in Fachkreisen weitgehend einig, dass er diesen Stil eigentlich nur von seinem Vater – quasi als geheime innere Lehre – gelernt haben konnte. So spricht vieles dafür, dass es sich um den Stil Azatos handelte, der stark vom Schwertstil Jigen-Ryu und vom Samuraikampf beeinflusst war und den Funakoshi Gichin nie in Japan gelehrt hatte. So war unter den Augen des alternden Meisters dessen Karate-Do durch seinen Sohn grundlegend verändert worden. (Vgl. Lind, 1995, S. 198 ff)

Folgt man Funakoshi Gichins Selbsteinschätzung, wonach er keinen eigenen Karatestil vertrat und die Namensgebung Shotokan nur auf seine Person bzw. sein Dojo bezogen war, dann muss man einräumen, dass

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