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Der Irrgarten: Antworten zu Lebensfragen unserer Zeit

Der Irrgarten: Antworten zu Lebensfragen unserer Zeit

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Der Irrgarten: Antworten zu Lebensfragen unserer Zeit

Länge:
431 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
30. Jan. 2015
ISBN:
9783844838442
Format:
Buch

Beschreibung

In diesem Buch wird der Versuch unternommen, anhand unseres heutigen Wissens und der über viele Generationen angesammelten Erfahrungen ein plausibles Welt- und Menschenbild darzustellen und Leitlinien für ein auf universeller Ethik basierendes globales Bewusstsein aufzuzeigen.
Die Themen reichen von den Erkenntnissen der Naturwissenschaften, insbesondere der Kosmologie, Evolution, Anthropologie und Hirnforschung über die Kulturgeschichte bis hin zum Geist des Menschen mit den Phänomenen von Psyche, Bewusstsein, Erkenntnisfähigkeit und den sozialen Wertesystemen von Ethik, Gewissen und Moral.
Ausführliche Darstellungen und Bewertungen zu den gesellschaftlichen Leitsystemen von Philosophie und Religion schließen die Analysen ab.
Die einzelnen Themen sind in großer Fülle als Frage und Antwort aufbereitet, sodass sich der Leser gezielt mit bestimmten Fragestellungen auseinandersetzen kann.
Damit liegt ein weitgehend zeitloses Nachschlagewerk vor, das sowohl sachliche Objektivität besitzt, im Gegensatz zu einem Lexikon aber auch die individuellen Erkenntnisse und Erfahrungen des Autors wiedergibt.
Herausgeber:
Freigegeben:
30. Jan. 2015
ISBN:
9783844838442
Format:
Buch

Über den Autor

Arno Rentsch, Jahrgang 1942, Dipl.-Ing. 30 Jahre wissenschaftliche Tätigkeit in der Materialforschung und Mikroelektronik. Interessen: Kosmologie, Evolution, Hirnforschung, Philosophie, Religion, Kunst, Politik, Dialog zwischen Natur- und Geisteswissenschaften.


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Buchvorschau

Der Irrgarten - Arno Rentsch

Inhalt

Vorworte

Warum dieses Buch?

Warum dieser Titel?

Der rote Faden

1. Schöpfung

1.1 Der Kosmos

1.1.1 Gibt es einen Schöpfer?

1.1.2 Hat die Schöpfung einen Sinn?

1.1.3 Gibt es einen Schöpfungsplan?

1.1.4 Können Menschen die Schöpfung verstehen?

1.1.5 Was besagt die Urknall-Theorie?

1.1.6 Welche konkurrierenden Theorien gibt es?

1.2 Die Erde

1.2.1 Wie ist die Erde entstanden?

1.2.2 Was wissen wir über den Aufbau der Erde?

1.2.3 Welche Einflüsse verändern die Erde?

1.2.4 Welche Geschichte hat die Erde?

1.3 Die Naturgesetze

1.3.1 Was sind Naturgesetze?

1.3.2 Woher kommen die Naturgesetze?

1.3.3 Welche Naturgesetze gibt es?

1.3.4 Was besagt die Relativitätstheorie?

1.3.5 Was besagt die Quantentheorie?

1.3.6 Wie gut kennen wir die Naturgesetze?

1.3.7 Sind die Naturgesetze unveränderlich?

2. Evolution

2.1 Das Wesen der Evolution

2.1.1 Was ist Evolution?

2.1.2 Wie funktioniert Evolution?

2.1.3 Welche Grenzen hat die Evolution?

2.2 Die Entstehung des Lebens

2.2.1 Was ist Leben?

2.2.2 Wie kam das Leben auf die Erde?

2.2.3 Welche Voraussetzungen benötigte das Leben?

2.2.4 Wie kam es zur Vielfalt von Lebensformen?

2.3 Tod und Wiedergeburt

2.3.1 Was ist der Tod?

2.3.2 Welchen Sinn hat der Tod?

2.3.3 Was kommt nach dem Tod?

2.4 Zufall und Schicksal

2.4.1 Gibt es Zufall?

2.4.2 Gibt es Schicksal?

2.5 Gesundheit und Krankheit

2.5.1 Was ist Krankheit?

2.5.2 Wie entsteht Krankheit?

3. Die Natur des Menschen

3.1 Das Wesen des Menschen

3.1.1 Was ist der Mensch?

3.1.2 Welche Geschichte hat der Mensch?

3.1.3 Ist der Mensch der Evolution ausgeliefert?

3.2 Vererbung und Sozialisation

3.2.1 Was ist Vererbung?

3.2.2 Wie funktioniert Vererbung?

3.2.3 Kann man Vererbung beeinflussen?

3.2.4 Was ist Sozialisation?

3.2.5 Wie funktioniert Sozialisation?

3.3 Triebe, Wille, Freiheit

3.3.1 Was sind Triebe?

3.3.2 Was ist Wille?

3.3.3 Was ist Freiheit?

3.3.4 Welche Bedürfnisse hat der Mensch?

3.4 Rassen, Ethnien, Völker, Nationen

3.4.1 Was ist Rassismus?

3.4.2 Gibt es biologisch verschiedene Menschenrassen?

3.4.3 Welche Geschichte hat der Rassismus?

3.4.4 Was sind Ethnien?

3.4.5Was sind Völker?

3.4.6 Was sind Nationen?

4. Die Menschheitsgeschichte

4.1 Die Zeit der Jäger und Sammler

4.1.1 Wann begann die Zeit der Jäger und Sammler?

4.1.2 Was geschah in der Zeit der Jäger und Sammler?

4.1.3 Wann endete die Zeit der Jäger und Sammler?

4.2 Meilensteine der Kulturgeschichte

4.2.1 Was kennzeichnet die Kulturgeschichte?

4.2.2 Welche Stadien durchlief die Kulturgeschichte?

Das Ende der Eiszeit

Das Auftauchen von Reiternomaden

Die Gründung von Stadtstaaten

Die Achsenzeit

Die Weltmacht Rom

China wird Kaiserreich

Die Völkerwanderung

Die Gründung des Frankenreiches

Das Werden Europas

Die Geburt des Islam

Die Invasionen der Wikinger

Konstantinopel, das 2. Rom

Die Kreuzzüge

Der Mongolensturm

Die Magna Charta

Das Schießpulver

Der moderne Kapitalismus

Der Buchdruck

Der Aufstieg des osmanischen Reiches

Weitere Entwicklungen

4.3 Wesensmerkmale der Geschichte

4.3.1 Welche Gesetze wirken in der Geschichte?

4.3.2 Hat die Geschichte einen Sinn bzw. ein Ziel?

4.3.3 Kann man aus der Geschichte etwas lernen?

4.4 Alte und neue Menschheitsprobleme

4.4.1 Hat die Erde Brot und Wasser für alle?

4.4.2 Können Armut und Elend überwunden werden?

4.4.3 Kann die Zerstörung der Natur aufgehalten werden?

4.4.4 Ist der Krieg Anfang und Ende aller Dinge?

4.5 Die Rolle der Politik

4.5.1 Was ist die Aufgabe der Politik?

4.5.2 Welche Defizite haben die gegenwärtigen Systeme?

4.5.3 Welche Veränderungen sind erforderlich?

5. Der Geist des Menschen

5.1 Stand der Hirnforschung

5.1.1 Wie hat sich das Gehirn entwickelt?

5.1.2 Woher kommt der Geist des Menschen?

5.1.3 Wie funktioniert unser Gehirn?

5.1.4 Was ist Bewusstsein?

5.1.5 Welche Bedeutung haben Emotionen?

5.1.6 Was ist Intelligenz?

5.1.7 Wie frei ist der Mensch?

5.1.8 Was resultiert aus Erkenntnissen der Hirnforschung?

5.2 Stand der Psychologie

5.2.1 Welche Geschichte hat die Psychologie?

5.2.2 Welche psychischen Disziplinen gibt es?

5.2.3 Wie erfolgreich ist die Psychologie?

5.2.4 Wie wird man glücklich?

5.3 Die sozialen Werte Ethik und Moral

5.3.1 Was ist Ethik?

5.3.2 Woher kommt die Ethik?

5.3.3 Was hat Ethik mit Religion zu tun?

5.3.4 Was heißt Beginn und Ende des Lebens?

5.3.5 Darf man Tiere töten, um sie zu verzehren?

5.3.6 Welche Ethik gilt gegenüber der Natur?

5.3.7 Was ist Moral und woher kommt sie?

5.3.8 Welche Arten von Moral gibt es?

5.3.10 Was hat Moral mit Tugend zu tun?

5.3.11 Was hat Moral mit Recht zu tun?

5.3.12 Worauf basiert die Menschenwürde?

5.4 Die Philosophie

5.4.1 Was ist Philosophie?

5.4.2 Welche Erwartungen weckt die Philosophie?

5.4.3 Welchen Fragen beschäftigen die Philosophie?

5.4.4 Welche Disziplinen gehören zur Philosophie?

Metaphysik

Anthropologie

Naturphilosophie

Logik

Erkenntnistheorie

Wissenschaftstheorie

Ethik (vgl. Kap. 5.3)

Religionsphilosophie

Geschichtsphilosophie

Kulturphilosophie

Staatsphilosophie

Philosophie des Geistes

Sprachphilosophie

Ästhetik

5.4.5 Welche Epochen gab es in der Philosophie?

5.4.6 Hat die Philosophie heute noch eine Bedeutung?

5.5 Mythen, Mystik, Religion

5.5.1 Was sind Mythen?

5.5.2 Was ist Mystik?

5.5.3 Was ist Religion?

5.5.4 Was unterscheidet die Religionen?

5.5.5 Welche Argumente hat die Religionskritik?

5.5.6Was sind Sekten?

5.5.7 Was ist Esoterik?

Anhang: Übersicht Weltreligionen

Judentum

Christentum

Islam

Hinduismus

Buddhismus

Bahaismus

Vorworte

Warum dieses Buch?

Dieses Buch soll ein geistiges Vermächtnis an meine Familie und Freunde sowie alle an einem aufgeklärten Weltbild interessierte Menschen sein.

In diesem Werk wird der Versuch unternommen, aus den vielfältigen Erkenntnissen von Disziplinen unserer Kulturgeschichte, wie Kosmologie, Geologie, Evolution, Geschichte, Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften ein kohärentes Welt- und Menschenbild abzuleiten, das Antworten auf eine Fülle von Daseinsfragen erlaubt und in der Konsequenz zu einem globalen Bewusstsein und einer universellen Ethik führt.

Ziel dieses Buches ist es, sowohl den eigenen Standpunkt in vielen relevanten Fragen sicherer und schärfer zu fassen als auch dem interessierten Leser Informationen und Anregungen für die eigene Standortbestimmung zu liefern.

Warum dieser Titel?

Wer unsere heutige globalisierte Welt mit all ihren territorialen, ethnischen, nationalen, religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Konflikten verstehen will, steht vor einem schier unüberwindlichen Gebirge von Fakten, Ereignissen, Ursachen und Entwicklungen, die sich – wie geologische Schichten – durch eine Vielzahl von großen und kleinen Ereignissen über den Zeitraum der Kulturgeschichte der Menschheit durchmischt und hoch aufgetürmt haben.

Ähnlich den großen Naturkatastrophen, wie Meteoriteneinschlägen, Eiszeiten, Kontinentalverschiebungen und Vulkanausbrüchen, die die Erde und ihre Geschöpfe schwer getroffen haben, gab es auch in der Kulturgeschichte Einbrüche und Umbrüche, die zu Paradigmenwechseln führten. Beispiele sind die Übergänge von der Jägerkultur zum Ackerbau, von der Steinzeit zur Bronze- u. Eisenzeit, das Aufblühen und Vergehen großer Kulturen, das Zeitalter der Entdeckungen, die Aufklärung, die Industrialisierung und die bahnbrechenden Erkenntnisse großer Forscher, wie Kopernikus, Newton, Darwin, Einstein und Freud, die das Weltbild ganzer Generationen umgekrempelt haben.

Viele Menschen verlieren aufgrund der Fülle und Komplexität unseres heutigen Wissensstandes und angesichts der chaotischen Zustände der globalisierten Welt die Orientierung. Sie wähnen sich in einem riesigen Irrgarten den keiner mehr versteht und aus dem keine glaubhaften Wegweiser hinausführen. Erklärungsversuche von Politikern, Kirchenführern und Medien greifen meist zu kurz, da sie nur auf die eigenen Interessen bezogen sind, nicht jedoch objektiv und konzeptionell auf das Ganze mit seinen vielfältigen Wurzeln und Wechselbeziehungen. Von einem einheitlichen Welt- und Menschenbild und einer daraus resultierenden Weltsicht mit globalem Bewusstsein und konzertierten Aktionen zur Bewältigung der großen Menschheitsprobleme sind die Völker der Erde auch heute noch meilenweit entfernt, obwohl es solche Denkmodelle schon länger gibt.

Dies ist die Ausgangssituation für meinen Versuch, anhand unseres heutigen Wissens und meinen persönlichen Erfahrungen ein ganzheitliches Panorama von Welt und Mensch zu skizzieren und damit – um im Bild zu bleiben – aus dem Irrgarten die Vision eines wunderbaren Parks zu entwickeln.

Der rote Faden

Meine These ist, dass es heute genug Erkenntnisse aus sämtlichen Wissensgebieten gibt und dass genug Erfahrungen aus der Geschichte vorliegen, um aus diesem Fundus ein plausibles Welt-und Menschenbild sowie ein globales Bewusstsein und die Prioritäten politischen und sozialen Handelns auf allen Ebenen abzuleiten.

Der rote Faden beginnt bei der Kosmologie, wo alles angefangen hat. Daran schließt sich das faszinierende Thema Evolution an, das uns verrät, wie es zu der Vielfalt und Komplexität der Arten kommen konnte. Daraus resultiert die Natur des Menschen mit all seinen Facetten von individueller und sozialer Vielfalt. Das Kapitel über die Menschheitsgeschichte behandelt Meilensteine der Entwicklung sowie alte und neue Menschheitsprobleme und ihre Lösungsmöglichkeiten. Das letzte Kapitel behandelt den Geist des Menschen, also Psyche, Bewusstsein, Erkenntnis sowie Wertesysteme, wie Gewissen, Moral und Ethik. Philosophie und Religion als Leitsysteme für die Menschheit schließen dieses Kapitel ab.

Als fachliche Quellen habe ich neben diversen Büchern und Lexika eine Fülle von Fachartikeln aus diversen Zeitschriften und Zeitungen verwendet, die ich systematisch über viele Jahre gesammelt und archiviert habe. Das vorliegende Werk soll zwar möglichst fachlich korrekt sein, aber kein Lexikon im herkömmlichen Sinne. Vielmehr sollen Antworten auf Sinnfragen und Interpretationen zu komplexen Zusammenhängen, die so in keinem Lexikon stehen, anhand nachvollziehbarer Erkenntnisprozesse dargestellt werden.

Die einzelnen Themen sind daher als Frage und Antwort aufbereitet worden. Dies bietet den Vorteil, dass jederzeit entsprechende Ergänzungen eingefügt werden können.

1. Schöpfung

1.1 Der Kosmos

1.1.1 Gibt es einen Schöpfer?

Dies ist eine der Schlüsselfragen, die das Weltbild eines Menschen bestimmen.

Bis zum Zeitalter der Aufklärung war schon diese Frage eine Gotteslästerung und brachte den Fragesteller ins Abseits.

Erst die Entdeckung, dass die Erde nicht das Zentrum des Universums ist und erst recht die Feststellung, dass auch der Mensch nur ein Produkt der Evolution ist, provozierte diese Frage und zerstörte das bis dahin geltende Auslegungsmonopol der Kirche.

Dennoch hat die Vorstellung eines Schöpfergottes bei religiös geprägten Menschen eine ungebrochene Popularität. Dies resultiert aus der Art menschlichen Denkens, allen Geschehnissen Analogien aus der Erfahrungswelt menschlichen Zusammenlebens zuzuordnen und so eine bildliche Gestalt zu geben. Dass dies ein sehr eingeschränktes und subjektives Empfinden ist, wird nicht reflektiert.

Nach allem, was wir heute wissen, bleibt die Entstehung des Kosmos mehr denn je ein großes Geheimnis.

Klar ist lediglich, dass es eine Schöpfungsenergie gegeben haben muss, die den Prozess der kosmischen Entwicklung angestoßen hat. Die daraus resultierenden unvorstellbaren Dimensionen von Raum und Zeit sowie die verschwindende Größe der Erde und die Kurzlebigkeit und Anfälligkeit organischen Lebens auf ihr lassen die Vorstellung eines Schöpfergottes, der die Welt um des Menschen willen gemacht hat als äußerst naiv erscheinen.

1.1.2 Hat die Schöpfung einen Sinn?

Wenn man an einen Schöpfer glaubt, macht natürlich auch die Schöpfung einen Sinn.

Wenn aber – wie oben erläutert – die Schöpfung ein großes Geheimnis ist, bleibt auch der Sinn dieser Schöpfung verborgen.

Was man feststellen kann, ist, dass der Ablauf kosmischer und irdischer Prozesse insofern sinnvoll ist, als er den im Schöpfungsakt angelegten Gesetzmäßigkeiten folgt, was über die Milliarden von Jahren zu dem komplexen und immer noch hoch dynamischen Prozessen geführt hat, die wir heute beobachten und inzwischen auch weitgehend verstehen können.

Der Mensch empfindet die Naturvorgänge auf der Erde als äußerst sinnvoll, da er ja selbst aus diesen Prozessen hervorgegangen und daran angepasst ist.

Wenn man jedoch das Kausalitätsprinzip (Abhängigkeit von Ursache und Wirkung) anerkennt und auf die Geschichte der Erde und der Biosphäre schaut, wird sehr schnell klar, wie zufällig menschliches Dasein ist und dass der Mensch keinesfalls zwangsläufig entstehen musste.

1.1.3 Gibt es einen Schöpfungsplan?

Schöpfungspläne sind essentielle Bestandteile religiöser Vorstellungen.

Alle Religionen, von den frühen Naturreligionen bis hin zu den etablierten Weltreligionen, haben ihre Mythen über die Schöpfung und den Plan der Götter mit den Menschen.

Diese Geschichten sind so vielfältig und bunt wie die unzähligen Kulturen, die diese identitätsstiftenden Vorstellungen hervorgebracht haben. Die ungeheure Vielfalt dieser Vorstellungen sowie ihre Widersprüchlichkeit und häufig auch offensichtliche Naivität entwertet solche Schöpfungspläne als reine Fantasieprodukte.

Ein glaubwürdiger Schöpfungsplan müsste sich aufgrund seiner Zielrichtung, Einheitlichkeit und Verträglichkeit mit den Naturgesetzen von diesen Mythen deutlich unterscheiden. Diese Kriterien finden sich jedoch in keiner der vielen Religionen oder Welterklärungen.

Im Rückblick auf die Geschichte erscheinen manche Entwicklungen zielgerichtet. Dabei wird aber ausgeblendet, dass diese Entwicklungen auch ganz anders hätten verlaufen können, was im nachhinein auch sinnvoll erschienen wäre.

Der Verlauf der Geschichte hängt von unzähligen Faktoren ab, deren Einfluss und gegenseitige neutralisierende oder synergetische Wirkung unvorhersehbar ist.

Letztlich können nur die Überlebenden subjektiv für sich einen sinnvollen Pfad erkennen.

Die vielen Verlierer und Opfer haben keine vernehmbare Stimme mehr.

1.1.4 Können Menschen die Schöpfung verstehen?

Sei jeher war es das Privileg der Religionen, den Menschen die Schöpfung zu erklären. Solange diese Erklärungen nicht hinterfragt und überprüft werden konnten, nahmen die Menschen auch die abenteuerlichsten Erklärungen als bare Münze hin.

Erst als eine unabhängige Wissenschaft Werkzeuge und Methoden der objektiven Beobachtung einsetzen konnte, wurden die Irrtümer religiöser Deutungen offenkundig. Die oft blutigen Rückzugsgefechte der religiösen Dogmatiker beförderten letztlich nur deren eigenen Untergang.

Zurück blieb ein Vakuum, das auch die Wissenschaft nicht ausfüllen konnte. Schon Platon wies in seinem Höhlengleichnis darauf hin, dass wir die Wirklichkeit nicht direkt erfassen können, sondern nur die Schatten deuten, die auf die Höhlenwand fallen. Wir haben jedoch heute ein ungeheures Potential an Erfahrungen und Werkzeugen, um diese Deutungen auf ihre universelle Gültigkeit und Verträglichkeit untereinander zu prüfen. Durch unzählige Beobachtungen und Experimente ist dabei ein modernes Weltbild entstanden, das uns die Phänomene der Natur vom Atomkern bis zum Kosmos und von der DNS bis zu den komplexesten Lebewesen und Ökosystemen plausibel beschreibt.

Erst durch diese Erkenntnisse haben wir eine Ahnung davon bekommen, wie wunderbar vollkommen die Natur ist und welche Rolle der Mensch in ihr einnimmt. Dieser Prozess des Verstehens ist noch lange nicht zuende, denkt man an Phänomene wie Quantenphysik und Relativitätstheorie. Nur sehr wenige Menschen können hier noch folgen. Genau aus diesem Grund haben auch wieder die großen Vereinfacher mit ihren naiven Erklärungsmodellen Konjunktur.

1.1.5 Was besagt die Urknall-Theorie?

Das heutige Standardmodell für die Entstehung und Entwicklung des Kosmos ist die Urknall-Theorie. Sie besagt, dass die Sterne und Galaxien durch Explosion aus einer ungeheuren punktförmigen Energiekonzentration (Singularität) mit unendlich hoher Temperatur hervorgegangen sind. Bereits nach 10-10 Sekunden waren aus Quarks Protonen und Neutronen entstanden sowie die wesentlichen Naturkräfte, die wir heute kennen: Gravitation, starke und schwache Kernkraft sowie die elektromagnetischen Wechselwirkungen.

Bis zur Entstehung erster Galaxien dauerte es jedoch noch ca. 1 Mrd. Jahre.

Auch wir Menschen bestehen demnach aus Sternenstaub, denn die Atome in unserem Körper sind das Resultat unzähliger Kernfusionen und Sternexplosionen.

Die wichtigsten Belege für diese Theorie sind die gemessene kosmische Hintergrundstrahlung (das Echo des Urknalls), die Expansion des Universums, gemessen als Rotverschiebung der fluktuierenden Sterne und Galaxien sowie die Spektralanalysen unterschiedlich alter Sterne und Galaxien. Aus diesen Daten ergibt sich ein Alter des Universums von ca. 14 Mrd. Jahren und eine mit der Zeit zunehmende Anzahl chemischer Elemente im Kosmos.

1.1.6 Welche konkurrierenden Theorien gibt es?

Die Urknall-Theorie kann einige Phänomene, wie die Dunkle Materie, die Dunkle Energie und die Gravitation nicht erklären.

Dunkle Materie ist nicht direkt beobachtbar, da deren Gravitationswirkung so groß ist, dass selbst Licht nicht entweichen kann. Man nennt solche Materieballungen Schwarze Löcher. Sie machen ca. 30% der Masse in Galaxien aus. Extrem große Schwarze Löcher vermutet man im Zentrum von Galaxien, wo sie wegen ihrer enormen Gravitationswirkung den Zusammenhalt und die Rotation der Galaxien bewirken.

Die Dunkle Energie steckt im Vakuum und enthält ca. 70% der gesamten Energie des Kosmos. Das Vakuum ist also keinesfalls ein absolut leerer und toter Raum, wie man lange glaubte, sondern ein brodelnder See voller Energie. Dies wurde bereits experimentell nachgewiesen, so schwer das auch vorstellbar ist. Die durch die Dunkle Energie getriebene Expansion des Universums vergrößert kurioserweise die Summe der Dunklen Energie. Dadurch erfolgt eine Beschleunigung der Expansion, wie neuerdings auch nachgewiesen wurde. Ob das ewig so weitergeht, ist derzeit nicht klar.

Nach dem physikalischen Gesetz, dass gegensätzliche Energiepotentiale, wie z. B. unterschiedliche Temperaturen, zum Ausgleich streben, würde der Kosmos eines Tages den Kältetod sterben und alles zur Ruhe kommen.

Eine andere Vorstellung geht von einem zyklischen Universum aus, das zwischen Urknall- Expansion und Kontraktion infolge Gravitation hin- und her pendelt.

Schließlich gibt es noch die Idee, dass Schwarze Löcher, die alle Materie um sich herum einsaugen, das Licht im Kosmos völlig verschwinden lassen oder am Ende gar mit ihren Wurmlöchern neue Universen hervorbringen .

Die Physiker suchen daher nach einer übergreifenden Theorie, die neben den bekannten Naturkräften auch das Phänomen der Dunklen Materie/Energie und die Geschehnisse beim Urknall beinhaltet. Dazu fehlt noch der Nachweis des hypothetischen „Higgs-Teilchens", das der Theorie nach den Elementarteilchen ihre Masse verleiht. Mit Hilfe des größten Teilchenbeschleuniger der Welt, dem LHC (Large Hydron Collider), der vom Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) bei Genf, tief unter der Erde, in Kürze seinen Betrieb wieder aufnehmen soll, hofft man, dieses Teilchen nachweisen zu können. Gelingt das, könnte man die Geschehnisse beim Urknall und danach berechenbar machen und so die Urknalltheorie endgültig bestätigen. Findet man das Teilchen nicht, geht das Rätselraten weiter.

Populär ist in dieser Hinsicht derzeit die String-Theorie, der zu folge alle atomaren und subatomaren Teile aus winzigsten Teilchen, den sogenannten Strings bestehen, die in sehr komplexen Mustern schwingen. Eine Konsequenz aus dieser Theorie mit ihren 11 Dimensionen ist, dass es nicht nur ein Universum geben kann, sondern viele.

Derzeit sind die konkurrierenden Theorien noch so spekulativ, dass sie das Urknall-Modell noch nicht ernsthaft infrage stellen.

1.2 Die Erde

1.2.1 Wie ist die Erde entstanden?

Die Erde ist – wie alle Planeten – ein Satellit eines Zentralgestirns, in unserem Fall also unserer Sonne.

Nach der Urknall-Theorie entstanden aus der expandierenden heißen Materiewolke eine Vielzahl von Clustern als Vorläufer der Galaxien. In diesen Clustern bildeten sich in dichteren Zonen Gravitationszentren, die immer mehr Materie aus der Umgebung anzogen und damit schwerer und heißer wurden.

War genügend Materie verfügbar, wurde dieser Materieball schließlich so groß, dass es in seinem Inneren bei ca. 15 Mio. °C zur Zündung nuklearer Fusionsprozesse kam und eine Sonne geboren wurde.

Die Energien und Temperaturen der Fusionsprozesse dieser ersten Sonnen reichten aber nur zur Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium. Das zeigen Spektralanalysen der ältesten Sonnen.

Zur Erbrütung der nächst folgenden, leichteren Elemente sind wesentlich höhere Temperaturen von einigen 100 Mio. °C erforderlich. Solche Prozesse laufen bei Supernovaexplosionen, dem Kollaps und der nachfolgenden Explosion großer Sterne ab, deren Lebenszyklus durch Verbrauch der Fusionsmasse an sein Ende gekommen ist. Durch den fehlenden Expansionsdruck der Fusionsenergie fällt der Stern in sich zusammen und erhitzt sich aufgrund der Gravitation der riesigen Masse so stark, dass die Atomkerne zu höheren Elementen verschmelzen können, ehe die abstoßenden Kräfte zur Explosion des Sterns führen. Dabei wird eine gewaltige Materiewolke mit extremer Geschwindigkeit ins All abgestoßen, während ein extrem verdichteter Materiekern aus reinen Neutronen zurückbleibt.

Aufgrund des gewaltigen Expansionsdrucks der abgestoßenen Materiewolke können sich in dieser Materiepartikel verdichten und aufgrund der Gravitation zu größeren Agglomeraten entwickeln. Damit ist ein Teil der nächsten Sterngeneration geschaffen.

Die höheren Elemente, wie die Metalle, benötigen jedoch zu ihrer Entstehung noch größerer Energien als es Supernovaexplosionen leisten können. Dazu sind Kollisionen der Neutronensterne erforderlich, bei denen Temperaturen im Bereich von Milliarden °C auftreten. Auch dabei erfolgt zunächst eine Fusion der Neutronen zu schwereren Elementen mit einer nachfolgenden gigantischen Explosion des Systems. Dabei werden ein Teil der erbrüteten Elemente ringförmig in den Weltraum abgestoßen und dabei partiell verdichtet.

Aus diesen Materietrümmern bilden sich durch Gravitation erneut Sonnen, Planeten und interstellare Objekte, wie Meteoriten und Kometen.

Unsere Sonne ist eine späte Generation dieser kosmischen Zyklen, denn sie weist in ihren Spektren nahezu alle natürlichen Elemente auf, die auch unsere Erde auszeichnen. Damit ist ein etwa gleiches Alter von unserer Sonne und Erde plausibel.

Das Alter unserer Sonne beträgt ca. 5 Mrd. Jahre. Die Erde ist mit ca. 4.6 Mrd. Jahren nur wenig jünger. Daraus lässt sich schließen, dass sich Sonne und Planeten in unserem System nahezu gleichzeitig gebildet haben, wobei die Sonne wegen ihrer Größe etwas mehr Zeit benötigte und durch ihre wachsende große Anziehungskraft auch die Bildung der Planeten aus der ursprünglichen Staubwolke beschleunigte.

Dies wäre der frühen Erde beinahe zum Verhängnis geworden, denn ein auf die Sonne zurasender großer Materiebrocken traf die Erde und schlug aus ihr all die Materie heraus, aus der sich dann unser Mond bildete.

Nachdem diese Wunde verheilt war, nahm die Erde nach und nach ihre heutige Gestalt an und bildete eine sehr empfindliche Biosphärenschicht auf ihrer Oberfläche, unseren Lebensraum.

1.2.2 Was wissen wir über den Aufbau der Erde?

Bereits um 240 vor Christus postulierte der Grieche Eratosthenes die Kugelgestalt der Erde und berechnete ihren Umfang bis auf 1 % genau.

Dieses Wissen ging jedoch verloren, und noch zu Zeiten von Kolumbus im 15. Jh. schätzte man den Umfang der Erde viel zu klein.

Erst nach der bewussten Entdeckung Amerikas 1507 durch Amerigo Vespucci ahnte man die wirkliche Größe.

Bis vor wenigen Jahrzehnten jedoch war aber noch völlig unbekannt, wie unsere Erde im Inneren aufgebaut ist und welche Vorgänge sich dort abspielen.

Erst die Erforschung und Deutung von Erdbebenwellen in den 30er Jahren öffneten erste Fenster ins Erdinnere. Die richtige Deutung seismischer Wellen konnte erst erfolgen, als man Versuche zu Laufgeschwindigkeit und Reflexionsverhalten in flüssigem und hoch verdichtetem Gestein durchführen konnte.

Die von dem Deutschen Alfred Wegener 1912 aufgestellte Theorie der Plattentektonik, die noch bis in die 50er Jahre heftig angezweifelt wurde, dann aber durch viele geologische Forschungen (z. B. die Entdeckung des Vulkanismus an den Plattenrändern) grandios bestätigt wurde, brachte endlich den Durchbruch zum Verständnis des Gesamtsystems Erde. Demnach gab es vor 250 Millionen Jahren nur einen Großkontinent „Pangäa und einen Ozean „Panthalassa. Pangäa teilte sich nach und nach in die heutigen Kontinente auf, die seitdem weite Strecken auf unserem Globus verdriftet sind und sich immer noch weiter bewegen.

Pangäa und Panthalassa hatten in der langen Erdgeschichte mehrere Vorläufer, d. h. in Abständen von mehreren 100 Mio. Jahren kommt es immer wieder zur Bildung von Großkontinenten und Superozeanen.

Nach dieser Erkenntnis konnte man endlich Phänomene, wie Erdbeben, Vulkanismus, Gebirgsbildung, Kontinentaldrift, erdgeschichtliche Epochen und Klimaänderungen in einen plausiblen

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