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Windkraft - Vögel - Lebensräume: Ergebnisse einer siebenjährigen Studie zum Einfluss von Windkraftanlagen und Habitatparametern auf Wiesenvögel
Windkraft - Vögel - Lebensräume: Ergebnisse einer siebenjährigen Studie zum Einfluss von Windkraftanlagen und Habitatparametern auf Wiesenvögel
Windkraft - Vögel - Lebensräume: Ergebnisse einer siebenjährigen Studie zum Einfluss von Windkraftanlagen und Habitatparametern auf Wiesenvögel
eBook580 Seiten3 Stunden

Windkraft - Vögel - Lebensräume: Ergebnisse einer siebenjährigen Studie zum Einfluss von Windkraftanlagen und Habitatparametern auf Wiesenvögel

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Über dieses E-Book

Dieses Buch stellt die Ergebnisse eines siebenjährigen Forschungsprojektes zu den Scheuchwirkungen von Windkraftanlagen auf die Vogelwelt vor. Erstmalig ermöglichen die vorgelegten Auswertungen eine Einordnung der Windenergieanlagen in den Kontext zahlreicher weiterer Habitatparameter. Bestandserfassungen, Verhaltensbeobachtungen, Bruterfolgskontrollen, Dichteanalysen auf Zufallsflächen, Vorher-Nachher-Vergleiche und die Analyse der zeitlichen Entwicklung der Habitatqualität sowie eine umfangreiche Literaturauswertung geben ein sehr detailliertes Bild des Einflusses von Windenergieanlagen auf zahlreiche Brut- und Gastvogelarten.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum28. Feb. 2012
ISBN9783844827712
Windkraft - Vögel - Lebensräume: Ergebnisse einer siebenjährigen Studie zum Einfluss von Windkraftanlagen und Habitatparametern auf Wiesenvögel
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Autor

Hanjo Steinborn

Dipl. Landschaftsökologe; selbständiger Umweltgutachter, langjährige Felderfahrung als Ornithologe, zahlreiche Gutachten zum Thema Windkraft und Vögel

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    Windkraft - Vögel - Lebensräume - Hanjo Steinborn

    WKA.

    1      Einleitung

    Art und Umfang möglicher Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Vögel werden auch 20 Jahre nach Einsetzen des Booms dieser regenerativen Energieform immer noch kontrovers diskutiert.

    So betont der Niedersächsische Landkreistag (NLT), dass bei der Prognose und Bewertung von Beeinträchtigungen zu berücksichtigen ist, dass für die meisten Vogelarten bisher nicht exakt gesagt werden kann, wie empfindlich sie generell oder unter bestimmten Umständen auf WKA reagieren. Die meisten der bisher durchgeführten Untersuchungen über „Vögel und WKA" seien in dieser Hinsicht nicht überzeugend, weil nicht alle diese Variablen einbezogen wurden, Vorher-Nachher-Vergleiche oder die Ergebnisse aus Referenzgebieten fehlen oder methodisch nicht vergleichbar sind, so dass die Ergebnisse nicht oder nur bedingt belastbar sind (NLT 2011). Der Deutsche Naturschutzring (DNR) geht davon aus, dass Brutvögel im Allgemeinen eine schnellere und bessere Anpassungsfähigkeit an Windenergieanlagen haben als Zugvögel, da sie sich lediglich auf eine spezifische Situation einstellen müssen und Risiken einschätzen lernen können. Ihre Empfindlichkeit gegenüber den Windrädern ist je nach Art unterschiedlich, überwiegend jedoch gering (DNR 2005).

    In gleicher Weise kommen HORCH & KELLER (2005) in einem Kommentar zum aktuellen Wissensstand über die Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Vögel zu dem Schluss, dass die Heterogenität der Projekte und die Vielfalt der Reaktionen der Vögel bislang keine abschließenden und allgemein gültigen Folgerungen zulassen. Es fehlen grundlegende Untersuchungen in verschiedenen Gebieten nach standardisierter Methode.

    Im internationalen Schrifttum liegen bereits methodische Empfehlungen für die Untersuchung der Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Vögel vor (ANDERSON et al. 1999; LANGSTON & PULLAN 2003; DREWITT & LANGSTON 2006; STRICKLAN et al. 2007). Hiernach wird als methodisches Optimum das BACI-Design (Before-After-Control-Impact = Vorher-Nachher-Studie mit Referenzfläche) mit Untersuchungszeiträumen von 2–3 Jahren vor und 5–10 Jahren nach dem Bau der WKA angesehen.

    HÖTKER et al. (2004) werteten 127 Studien zum Thema Windkraft und Vögel aus. Die Untersuchungsdauer von 70% dieser Studien lag lediglich bei ein bis max. zwei Jahren und der Zeitpunkt der Untersuchungen war überwiegend auf die Zeit nach dem Bau der WKA beschränkt.

    Das BACI-Design bietet demgegenüber den Vorteil, dass die Auswirkungen des Windparks (WP) gegenüber anderen Einflussfaktoren deutlicher erkennbar werden, sofern die sonstigen Umweltbedingungen vor und nach dem Bau sowie zwischen dem Windpark- und dem Referenzgebiet wenigstens annähernd gleichwertig sind. Da jedoch eine absolute Identität nie gegeben ist, müssen unterschiedliche Ergebnisse zwischen Kontroll- und Referenzgebiet nicht automatisch auf den Einfluss des untersuchten Windparks zurückgehen (DE LUCAS et al. 2005). Daher ist es in der Regel erforderlich, weitere Umweltfaktoren einzubeziehen, die neben den Windenergieanlagen ebenfalls einen Einfluss auf die untersuchten Vogelbestände haben.

    Das hier vorliegende Buch stellt die Ergebnisse dieses insgesamt 7 Jahre und 4 Monate umfassenden Projektes vor. Das Untersuchungsgebiet befindet sich im südlichen Ostfriesland im Landkreis Aurich. Hier wurden zwei benachbarte Windparks mit einem zeitlichen Versatz von 3 Jahren errichtet. Seit Bestehen der ersten Anlagen wurden im Untersuchungsgebiet Brut- und Gastvögel kartiert. Durch den Einsatz erweiterter Methoden und Untersuchungsansätze wurde der Einfluss von Windenergieanlagen auf bestimmte Brut- und Gastvogelarten unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert. So wurden zusätzlich zu den reinen Bestandserfassungen Beobachtungen zum Verhalten und zur Raumnutzung sowie Bruterfolgskontrollen durchgeführt. Weiterhin wurde der Einfluss zahlreicher Habitatparameter im Verhältnis zur Wirkung der Windenergieanlagen analysiert.

    Die vorgenommene Unterteilung des Untersuchungsgebietes ermöglichte erweiterte statistische Auswertungen und einen Vergleich zweier Windparkflächen mit einem Referenzgebiet (BACI-Design). Mit diesen umfassenden methodischen und analytischen Ansätzen soll ein Beitrag dazu geleistet werden, den Mangel an systematischen Studien zu Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Brut- und Gastvögel zu beheben.

    2      Untersuchungsgebiet

    2.1      Lage und Abgrenzung

    Das Untersuchungsgebiet (UG) liegt im Nordwesten Niedersachsens südlich von Wiesmoor im Landkreis Aurich. (vgl. Abb. 1).

    Abb. 1   Lage des Untersuchungsgebietes (Kartengrundlage: Bundesamt für Kartografie und Geodäsie, Top 200)

    Grundsätzlich wurde als Grenze des Untersuchungsgebietes ein Abstand von ca. 1000m um die äußeren Windkraftanlagen (WKA) des zu Beginn der Untersuchungen bestehenden Windparks Hinrichsfehn gewählt. Dabei wurde jedoch eine Anpassung an die topographischen Gegebenheiten vorgenommen, um zu sinnvollen Abgrenzungen zu kommen. Das Untersuchungsgebiet wird im Nordosten von den Gartenbaubetrieben und Baumschulen der Ortschaft Hinrichsfehn begrenzt. Wegen der Nähe dieser Flächen musste hier die 1000m-Distanz zu den äußeren Anlagen deutlich unterschritten werden. Im Gegensatz dazu dehnt sich das Untersuchungsgebiet nach Osten bis zu einer Entfernung von mehr als 2km von dem Windpark aus. Hier liegen somit Referenzflächen in ausreichendem Abstand zu den Anlagen. Im Süden reicht das Gebiet bis an das Siedlungsband der K 59, im Westen bis an die Siedlungen Zwischenbergen und Fiebing (vgl. Abb. 2).

    Nach dem Zubau von sieben neuen Anlagen im Jahr 2003 (siehe Kap. 2.2) wurde das Untersuchungsgebiet in drei Teile aufgeteilt: Die Windparks Hinrichsfehn (alte Anlagen) und Fiebing (neue Anlagen) inklusive eines Umkreises von jeweils ca. 500m sowie das Referenzgebiet (übriges Untersuchungsgebiet, siehe Abb. 2). Dabei wurde die Abgrenzung der Windparks an die landschaftlichen Gegebenheiten angepasst. In Bereichen, in denen die Sicht auf die WKA durch Gehölze o.ä. verhindert wurde, wurde der 500m-Abstand unterschritten.

    Im Jahr 2006 wurden weitere fünf Anlagen zwischen die beiden Windparks bzw. zwischen die Anlagen im Windpark Hinrichsfehn gebaut. Für die Auswertung 2007 wurden die beiden Teilgebiete zusammengefasst und als „Gesamtwindpark" bezeichnet (siehe Abb. 3).

    Abb. 2   Abgrenzung der Teilflächen im Untersuchungsgebiet für die Auswertung der Brutvögel bis 2006 und der Gastvögel bis 2005

    Abb. 3   Abgrenzung der Teilflächen im Untersuchungsgebiet für die Auswertung der Gastvögel seit 2006 und der Brutvögel seit 2007

    Die Größen der entsprechenden Untersuchungsgebiete (Brut- und Gastvögel) sowie die der Teilgebiete (Windparks und Referenzgebiete) sind in folgender Tabelle (Tab. 1) zusammengefasst.

    Tab. 1   Größe der Untersuchungsgebiete und der Teilgebiete

    2.2      Windkraft

    Im Untersuchungsgebiet stehen seit dem Winter 1999/2000 elf Windkraftanlagen. Im Jahr 2003 fand ein Zubau von sieben weiteren Anlagen im Südwesten des Untersuchungsgebietes nahe der Ortschaft Fiebing statt (siehe Abb. 2). Im Zuge der Baumaßnahmen wurden im zeitigen Frühjahr bis zum Beginn der Brutzeit einige Gehölze entlang der Zuwegung entfernt und die Wege erneuert. Der eigentliche Bau der Anlagen fand hauptsächlich im Herbst/Winter 2003 mit Restarbeiten in 2004 statt. Daher wird bei der Auswertung der verschiedenen Zeiträume das Jahr 2003 für die Brutvögel als „Vor dem Bau der WKA und für die Gastvögel als „Bauphase angesehen. Im Jahr 2006 wurden weitere fünf Anlagen zwischen die beiden Windparks bzw. zwischen die Anlagen im Windpark Hinrichsfehn gebaut. Auch hier wurden vor der Brutzeit vorbereitende Tätigkeiten durchgeführt, der eigentliche Bau der WKA fand im Herbst/Winter statt. Die technischen Daten der Anlagen sind der folgenden Tabelle (Tab. 2) zu entnehmen.

    Tab. 2   Technische Daten der Windkraftanlagen

    2.3      Naturräumliche Ausstattung und landwirtschaftliche Nutzung

    2.3.1     Naturräumliche Gliederung

    Das Untersuchungsgebiet liegt innerhalb der naturräumlichen Haupteinheit der „Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest" (MEYNEN et al. 1962). Geomorphologisch wird dieser Bereich gekennzeichnet durch eine fast ebene Oberflächenform, deren Geländehöhen selten mehr als 20m erreichen, wobei natürliche Höhenunterschiede im Gelände kaum wahrnehmbar sind (ebd.). Geprägt wird diese Landschaft durch die zwei Hauptelemente Grundmoräne und Hochmoor. Anthropogen bedingte Höhenunterschiede im Gelände wurden durch einen unterschiedlichen Abtorfungsgrad der Flächen hervorgerufen. Dies ist besonders im Nordwesten des Untersuchungsgebietes entlang der Gartenbaubetriebe der Ortschaft Hinrichsfehn der Fall. Nach BELTLE & SCHOON (1997) handelt es sich hier um einen Streifen weitgehend abgetorfter Flächen, während der übrige Teil des Untersuchungsgebietes noch eine Torfmächtigkeit von 2m und mehr aufweist. Die abgetorften Flächen haben ein wesentlich geringeres Wasserhaltevermögen, so dass – neben einer ackerbaulichen Nutzung – auch eine intensivere Grünlandnutzung möglich ist, die jahreszeitlich auch früher einsetzen kann.

    2.3.2     Böden

    Das innerhalb einer Niederungsebene liegende Untersuchungsgebiet ist geprägt durch Hochmoore, in den Bachniederungen am Rande des Gebietes sind auch Niedermoorböden vorzufinden. Im westlichen Randbereich bilden außerdem von Ausläufern der Geschiebelehmverbreitungsgebiete gebildete Pseudogley-Podsole den vorherrschenden Bodentyp (NLFB 1997).

    2.3.3     Vegetation und Nutzung

    Der Bereich wird potenziell durch baumfreie Hochmoorgebiete bzw. fast baumlose Torfmoosdecken mit Heidekrautgewächsen geprägt (NIEDERSÄCHSISCHES MINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN 1978).

    Heute ist das Untersuchungsgebiet im nördlichen und südwestlichen Teil vorwiegend durch eine offene Landschaft charakterisiert, während im südlichen Bereich eine stärkere Gliederung durch lineare Gehölze entlang von Wegen und Flurstücksgrenzen vorherrscht. Einzelne Gehölzreihen sind jedoch im gesamten Untersuchungsgebiet verteilt.

    Das Untersuchungsgebiet wird vorwiegend durch landwirtschaftliche Nutzflächen geprägt (vgl. Abb. 4). Der Anteil der Grünlandflächen (inkl. binsenreichem Grünland) liegt bei über 70%, während ackerbaulich genutzte Flächen rund 10% des Untersuchungsraumes ausmachen. Angebaut werden vor allem Mais und Wintergetreide. Größere ackerbaulich genutzte Bereiche finden sich im siedlungsnahen Norden des Gebietes. Gehölzstrukturen und Baumbestände nehmen lediglich einen sehr geringen Anteil des Untersuchungsgebietes ein.

    Siedlungen oder infrastrukturelle Einrichtungen spielen im Gebiet eine untergeordnete Rolle. Es handelt sich hierbei um einige einzeln gelegene landwirtschaftliche Betriebe mit Wohnhäusern und versiegelte und unversiegelte Feldwege. Größere Straßen finden sich vereinzelt randlich außerhalb des betrachteten Raumes. Direkt südlich an das Untersuchungsgebiet schließen sich die Ortschaften Fiebing und Neufirrel an, während sich im Nordosten die Siedlung Hinrichsfehn mit stark durch Gartenbau geprägten Strukturen befindet.

    Abb. 4   Landwirtschaftliche Nutzung 2001 und 2007

    Vergleicht man die Nutzungsanteile der sieben Untersuchungsjahre miteinander, so haben sich insgesamt geringe Veränderungen ergeben (Abb. 5). Auffällig ist dabei, dass im Bereich des Grünlandes der Anteil binsenreicher Grünländer nach einer starken Zunahme im Jahr 2002 zunächst wieder zurückgegangen ist und seitdem wieder zugenommen hat. 2007 lag der Grünlandanteil (ohne Binsen) nur noch bei 57% gegenüber 76% in 2001. Dagegen hat sich der Anteil des binsenreichen Grünlands im Laufe der Untersuchungen mehr als vervierfacht. Die augenscheinliche Zunahme der Gehölze im Jahr 2003 ist auf eine unvollständige Kartierung von Hecken in den Jahren 2001 und 2002 zurückzuführen. Insgesamt hat der Getreide und Raps-Anteil leicht abgenommen, der Mais-Anteil leicht zugenommen.

    Abb. 5   Anteile verschiedener Nutzungstypen im Untersuchungsgebiet in den Jahren 2001 bis 2007 (bezogen auf das Brutvogel-Untersuchungsgebiet)

    3      Methode

    3.1      Bestandserfassung

    3.1.1     Brutvögel

    3.1.1.1     Revierkartierung

    Die Erfassung des Brutvogelbestandes erfolgte in den Jahren 2001 bis 2007 mit der Methode der Revierkartierung (FLADE 1994; BIBBY et al. 1995; Projektgruppe „Ornithologie und Landschaftsplanung" der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft 1995) durch 10–15 Begehungen zwischen Ende März und Anfang Juli im Abstand von durchschnittlich 10–14 Tagen (vgl. Tab. A.1 im Anhang). Damit wurde den methodischen Empfehlungen einschlägiger Literatur gefolgt (SINNING & THEILEN 1999; REICHENBACH et al. 2000; WINKELBRANDT et al. 2000), die auch aktuell noch angewendet wird (NLT 2011).

    Der Schwerpunkt der Erhebungen lag auf den Vögeln des Offenlandes, da diese Arten als besonders empfindlich gegenüber Windenergieanlagen gelten (HÖTKER et al. 2004; REICHENBACH et al. 2004). Hierzu wurde das Untersuchungsgebiet während der Erfassung auf sämtlichen Wegen befahren. Alle 100–300m wurde ein Beobachtungsstopp eingelegt, um die umliegenden Flächen mit Fernglas und Spektiv nach Vögeln abzusuchen. In Bereichen, in denen nicht alle Flurstücke von Wegen aus einsehbar waren, wurden die Flächen zusätzlich zu Fuß begangen. Mit dieser Vorgehensweise konnten die oft auffälligen und über größere Entfernung sichtbaren Wiesenvogelarten gut erfasst werden.

    Zur besseren Erfassung von dämmerungs- bzw. nachtaktiven Arten wie Rebhuhn, Bekassine und Wachtel wurden zusätzlich ein bis fünf Begehungen in den späten Abendstunden durchgeführt. Im Jahr 2006 konnten zudem weitere Brutvogeldaten während einer Fledermauskartierung in einem Teilbereich des Untersuchungsgebiets gewonnen werden. Im Jahr 2007 wurde für die Erfassung der Wachtel eine Begehung in die frühen Morgenstunden (ca. 2 h vor Sonnenaufgang) gelegt.

    Sämtliche Sichtungen der untersuchten Vogelarten wurden punktgenau in Karten der Maßstäbe 1:7.500 eingetragen. Ergänzend wurden alle brutrelevanten Verhaltensweisen vermerkt. Die Auswertung dieser Tageskarten wurde nach BIBBY et al. (1995) vorgenommen, indem den einzelnen Beobachtungen Brutterritorien zugeordnet wurden. So entstanden artspezifische Bestandskarten, in denen das jeweilige angenommene „Revierzentrum" oder der nachgewiesene Brutplatz eingetragen wurde. Für Kiebitz und Uferschnepfe wurden zusätzlich alle Einzelsichtungen der Kartierdurchgänge digitalisiert, um auch die Raumnutzung dieser beiden Arten auswerten zu können. Beim Großen Brachvogel ist aufgrund der großen Revierausdehnung eine Punkt-Eintragung als Revierzentrum nicht sinnvoll. Bei dieser Art wurde aus sämtlichen Einzelsichtungen während der zehn (Tages-) Erfassungstage der gesamte genutzte Raum dargestellt.

    Für die Bestandsermittlung wurde zunächst zwischen den verschiedenen Statusangaben differenziert, die im Niedersächsischen Tierartenerfassungsprogramm für Brutvögel (Meldebogen „Brutvogelbestandsaufnahme", Stand 1/96) vorgesehen sind. Dort werden unterschieden:

    Brutnachweis (Junge gesehen, Nest mit Eiern, Altvögel tragen Futter oder Kotballen, brütende Altvögel u. Ä.),

    Brutverdacht (Nestbau, Angst- oder Warnverhalten, Balzverhalten, Feststellung von Territorialverhalten an mind. 2 Tagen mit wenigstens einwöchigem Abstand u. Ä.),

    Brutzeitfeststellung (singendes bzw. balzendes Männchen während der Brutzeit im möglichen Brutbiotop).

    Zur quantitativen Bestimmung des Brutbestandes (Anzahl der Brutpaare bzw. Reviere) wurden bei den wiesenbrütenden Limikolen (Kiebitz, Uferschnepfe, Austernfischer und Großer Brachvogel) Brutnachweise und Brutverdachte addiert. Brutzeitfeststellungen blieben unberücksichtigt, da bei diesen im Gelände sehr auffälligen Arten der Erfassungsgrad bei zehn bis 15 (Tages-)Begehungen so gut ist, dass einmalige Sichtungen keine Wertung als Brutpaar erlauben. Dies gilt ebenfalls für die gut erfassbaren Singvogelarten Braun- und Schwarzkehlchen.

    Anders verhält es sich bei den meisten untersuchten Singvögeln des Offenlandes (z. B. Feldlerche, Wiesenpieper, Rohrsänger u. a.). Diese Arten sind im Gelände wesentlich weniger auffällig als Limikolen (vor allem im binsenreichen Grünland). Deshalb wurde hier bereits eine Brutzeitfeststellung als ausreichend für die Einstufung als Revier angesehen.

    Damit entspricht diese Vorgehensweise nicht den methodischen Vorgaben von SÜDBECK et al. (2005). Da das Ziel dieser Untersuchung jedoch nicht die standardisierte Bewertung als Brutvogellebensraum war, sondern potenzielle Auswirkungen von WKA auf die Revierverteilung der Brutvögel beurteilen sollte, ist die abweichende Definition des Brutbestandes gerechtfertigt. Zudem musste eine einheitliche Auswertung über den gesamten Zeitraum beibehalten werden, Änderungen nach Erscheinen des Standardwerks von SÜDBECK et al. (2005) waren daher nicht möglich.

    3.1.1.2     Bruterfolgskontrolle

    Seit dem Jahr 2002 wurde zusätzlich zur Brutvogelerfassung eine Kontrolle des Bruterfolges von Kiebitz und Uferschnepfe vorgenommen. Diese beiden Arten wurden ausgewählt, weil eine Ermittlung der Anzahl geführter Jungen vom Weg aus möglich war. Eine Kontrolle der Nester in Bezug auf Gelegegröße fand nicht statt, um zusätzliche Störungen zu vermeiden.

    Bis 2005 fand die Kontrolle auf definierten Probeflächen (2002 zwei Flächen, 2003 und 2005 vier Flächen, 2004 drei Flächen) statt, die auf Grundlage der Ergebnisse der ersten Kartierdurchgänge nach möglichst großer Vergleichbarkeit der Lebensraumstrukturen ausgewählt wurden. Es wurden jeweils Flächen innerhalb und außerhalb der Windparks ausgewiesen. An vier (2002) bzw. sechs (2003 bis 2005) Terminen wurden sämtliche Paare auf den Probeflächen auf die Anwesenheit von Jungvögeln kontrolliert.

    In den Jahren 2006 und 2007 wurde die Kontrolle auf das gesamte Untersuchungsgebiet ausgedehnt. Es wurden alle Kiebitz- und Uferschnepfenreviere, die während der ersten Brutvogelkartierungsdurchgänge festgestellt wurden, in die Bruterfolgskontrolle einbezogen. Diese Reviere wurden während der Brutvogelerfassung intensiv beobachtet und auf einen möglichen Bruterfolg hin untersucht. Ziel war die Einbeziehung einer möglichst großen Brutpaarzahl in die Bruterfolgskontrolle, um Stichprobengröße und damit die Aussagekraft im Vergleich zu den Vorjahren wesentlich zu erhöhen.

    3.1.2     Gastvögel

    Zur Erfassung der Gastvögel wurden vom 25.09.2000 bis 20.12.2007 insgesamt 233 Begehungen durchgeführt (inklusive der Begehungen während der Brutzeit). Die Anzahl der Begehungen je Untersuchungsjahr entspricht damit den Mindestempfehlungen von EIKHORST & HANDKE (1999) sowie SINNING & THEILEN (1999), die von 30 bzw. 24 Erfassungstagen ausgehen, bleibt allerdings unter den Anforderungen von WINKELBRANDT et al. (2000) und NLT (2011) von 40 bzw. 52 Begehungen pro Untersuchungsjahr. Dies wird mit dem zu erwartenden Artenspektrum in diesem Raum begründet: Der Standort liegt nicht in bekannten Rast- und Überwinterungsgebieten von Gänsen oder Pfeifenten, was eine intensive Erfassung in den Wintermonaten erforderlich machen würde. Aus diesem Grund ist in den Monaten Dezember und Januar mit geringerer Häufigkeit gezählt worden.

    Die Erfassung erfolgte bei verschiedenen Wetterlagen, um ein möglichst repräsentatives Bild des Gastvogelgeschehens im Jahresverlauf zu erhalten (vgl. Tab. A.2 im Anhang). Das gesamte Untersuchungsgebiet wurde auf sämtlichen Wegen befahren, um alle Flächen mit dem Fernglas bzw. Spektiv nach Vögeln abzusuchen. Nicht einsehbare Flächen wurden zusätzlich zu Fuß aufgesucht.

    Der Schwerpunkt der Erfassung lag auf Arten, die sich in Trupps (z. B. Kiebitze, Stare, Drosseln) oder einzeln (z. B. Graureiher, Mäusebussarde) auf den offenen Flächen aufhielten. Von diesen wurden zusätzlich auch die Flugbewegungen aufgenommen. Kleinvögel in den Gehölzstrukturen wurden hingegen nicht erfasst. Eine genaue Zählung von Kleinvögeln auf den offenen Flächen (z. B. Steinschmätzer) oder von Arten, die sich in deckungsreichem Gelände aufhalten, ist mit dieser Methode nicht möglich (HANDKE & EIKHORST 1996). Im Hinblick auf die Fragestellung – Auswirkungen von Windenergieanlagen – ist diese Vorgehensweise jedoch gerechtfertigt und auch gängige Praxis.

    3.2      Auswertung

    3.2.1     Datenaufbereitung

    Alle erfassten Daten der Brutvogelkartierungen wurden im ArcView-GIS (Version 3.3, ESRI) in eine georeferenzierte Kartengrundlage eingetragen.

    Die Daten der im Gebiet angetroffenen Gastvögel wurden anhand einer speziell entwickelten Access-Datenbank (MS Office 2003) kontinuierlich erfasst und ausgewertet. Zur räumlichen Orientierung im Untersuchungsgebiet diente ein Raster, welches im ArcView-GIS über die georeferenzierte Kartengrundlage gezogen wurde. Die Größe der durchnummerierten Rasterzellen beträgt 2 ha. Jede Gastvogelbeobachtung (Art, Anzahl, Datum, Witterung) wurde mit einer entsprechenden Rasterzellen-Nummer in die Datenbank aufgenommen.

    Die Flugbeobachtungen der Gastvögel wurden analog in die Kartengrundlage im ArcView-GIS übernommen.

    Definition

    In der vorliegenden Arbeit gilt das Signifikanzniveau von p=0,05. Für hochsignifikante Ergebnisse gilt p<0,01.

    3.2.2     Bestandsentwicklung

    Um Aussagen über die Bestandsentwicklung der Brutvögel machen zu können, wurde neben der Anzahl der Brutvögel auch die Brutpaardichte (Anzahl der Brutpaare pro 10 ha) der verschiedenen Vogelarten innerhalb der Teilgebiete für alle Untersuchungsjahre berechnet.

    Für die Auswertung der Gastvogeldaten wurden analog dazu die Summen der Individuen und die Dichten der Individuen für die verschiedenen Teilgebiete berechnet.

    Die Bestandsentwicklungen der Brut- und Gastvögel wurden für das von Windkraftanlagen unbeeinflusste Referenzgebiet, den Windpark Hinrichsfehn, den Windpark Fiebing und den Gesamtwindpark getrennt betrachtet. Dabei wurden für die Windparks Hinrichsfehn und Fiebing die Daten der ersten sechs Untersuchungsjahre (bis zum Bau von fünf weiteren WKA) und für das Referenzgebiet sowie für den Gesamtwindpark die Daten aller sieben Untersuchungsjahre verglichen.

    Weiterhin wurde eine lineare Regressionsanalyse der Bestandsdichten über alle Untersuchungsjahre durchgeführt, um Bestandstrends zu verdeutlichen. Für die Regression wurde die Software R (R DEVELOPMENT CORE TEAM 2008) verwendet.

    3.2.3     Räumliche Verteilung in Bezug auf die Windkraftanlagen

    Zur Auswertung der Daten im Hinblick auf eine mögliche Abhängigkeit der Verteilung der Brut- bzw. Gastvögel von der Entfernung zur nächstgelegenen Windkraftanlage wurden rund um die jeweiligen Anlagen Entfernungszonen mit einem Abstand von jeweils 100m gezogen. So entspricht beispielsweise die 100-m-Entfernungszone dem Bereich zwischen 0 und 100m rund um die WKA.

    Da in der Literatur übereinstimmend davon ausgegangen wird, dass ein Einfluss durch Windkraftanlagen auf die im Untersuchungsgebiet zu erwartenden Brutvögel über 500m hinaus nicht mehr stattfindet (HÖTKER et al. 2004; REICHENBACH et al. 2004), wurden die Bereiche ab 500m zur nächsten WKA als Referenzgebiet betrachtet. Lediglich dort, wo Feldgehölze oder -hecken die Sicht auf die WKA verhindern, wurde der Abstand von 500m unterschritten.

    Auch für die im Untersuchungsgebiet zu erwartenden Gastvögel kann davon ausgegangen werden, dass keine Beeinträchtigungen durch die WKA über 500m hinaus stattfinden (HÖTKER et al. 2004; REICHENBACH et al. 2004). Die ersten Untersuchungsjahre, für die bei der Auswertung noch keine Abgrenzung eines Windparkbereichs vorgenommen wurde, lassen ebenfalls keine weiterreichenden Störwirkungen erkennen (REICHENBACH & SCHADEK 2001, 2003).

    Sowohl

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