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Der Sommer in K.: Erzählung aus einem russischen Dorf

Der Sommer in K.: Erzählung aus einem russischen Dorf

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Der Sommer in K.: Erzählung aus einem russischen Dorf

Länge:
46 Seiten
32 Minuten
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 17, 2012
ISBN:
9783844879445
Format:
Buch

Beschreibung

"Ich hatte eine Fährte in Russland. Sie begann unweit des Gemüsegartens und des Kartoffelfeldes, lief zunächst auf dem allgemeinen Weg in Richtung Fluss und bog bald schräg davon nach rechts ab. Mein Pfad führte bis kurz hinter den Horizont. Es war mein eigener Pfad, denn ich hatte ihn selbst eingelaufen und in regelmäßigen Abständen abgeschritten. Auch war ich der Einzige, der ihn dann und wann überhaupt lief: Meinen eigenen Schritten war ich solange gefolgt, bis das niedergetretene Gras als klar erkennbare, dunkle Linie das Wiesenmeer teilte." Jörg Dauscher schildert einen Sommer in einem russischen Dorf: eine poetische Hommage an eine Lebensweise, die im Verschwinden begriffen ist. Die Moskauer Deutsche Zeitung urteilt unter dem Titel "Eine erlesene Idylle" wie folgt: "Jörg Dauscher hat das russische Leben gesucht - und im Dorf K. gefunden." (MDZ vom 22.11.09)
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 17, 2012
ISBN:
9783844879445
Format:
Buch

Über den Autor

Jörg Dauscher ist Jahrgang 1975 und wuchs im Fränkischen auf. Seit Mitte der neunziger Jahre lebt und arbeitet er in Berlin. "Die Invasion der Träume" ist seine dritte Veröffentlichung.


Buchvorschau

Der Sommer in K. - Jörg Dauscher

teilte.

Man könnte sagen, Russland sei das Unbewusste Europas. Ungestaltet und unbegriffen schließt es an geläufigere Formen, Umrisse und Verhältnisse an, breitet sich unförmig nach Norden und Süden aus, streckt sich weiter um den Erdball und verliert sich in unbekannten Küstenlinien, Flussläufen und Ebenen.

Russland lässt sich schlecht abbilden, schlecht zusammenfassen und schlecht mit einem einheitlichen Maßstab messen. Und wer von Russland spricht (und nicht aus Russland kommt), der meint meist das Imperium, die regierenden Cliquen und die Verlautbarungen von Pressesprechern: von Politik und Verbrechen. Aber er spricht nicht vom Land selber. Das flache Land jedoch, allein der europäische Teil (die Ebenen vom Baltikum und Schwarzmeer bis zum Ural), ist so weitläufig, vielgestaltig und gleichzeitig formlos, wer wollte es überblicken und von welchem Aussichtspunkt aus? Wer wollte über es schreiben und aus welcher Perspektive? Besser man bleibt auf dem Boden, übersieht nur ein kleines Stück und schreibt von ihm. Am besten man schreibt von einem Detail und begrenzt den Gegenstand auf einen Ort, einen Ort ohne Attraktionen oder Sensationen, einen verwunschen, verlorenen, verschwindenden Ort.

Wir, Mirjam und ich, waren eingeladen, den Sommer in K. zu verbringen, einem kleinen Dorf im Kreis Krasnogorodsk, unweit der lettischen Grenze und daher, wie es hieß, ganz gut zu erreichen. Dort gäbe es ein Haus, welches uns aufnehmen würde, wie es in den fünf Jahren zuvor schon etliche jüngere Leute aus allen möglichen Ländern aufgenommen hatte: eine Datsche mit deutschem Besitzer und wechselnden Bewohnern. Tobias, einen Freund des Eigentümers und unseren Gastgeber, würden wir dort treffen und später kämen noch zwei Moskauer hinzu, Maria und Anton.

Am frühen Abend verlassen die Züge Riga, um anderntags möglichst zeitig in Moskau einzulaufen. Der Takt der meisten Verbindungen nutzt die Nacht, um Kilometer zu machen.

Zügig und gleichmäßig geht es durch die lettische Ebene in Richtung Grenze. Draußen schieben sich ferne Dörfer vorüber, Wälder und Sümpfe, Ebene um Ebene zieht vorbei. Die Gegend bleibt sich gleich – manchmal die Andeutung von ein paar Hügeln, dann ein Flusslauf, ein Holzhaus nahe an der Strecke, erst Birken und Kiefern, dann Kiefern und Birken.

Das Abteil (dritter Klasse) ist voll fast bis auf den letzten Platz, die Luft wird immer dichter, statt Schlaf stellt sich dumpfes Dösen ein. Der Kopf lehnt gegen die Wand, die Glieder beginnen zu zerren. Die Nacht ist da, die Vorhänge werden zugezogen, nur das Notlicht bleibt an. Alles ist geregelt, alles ist in bester Ordnung. Man ist der Angestellte einer Zeit, die stehengeblieben ist, und von der Fahrt lässt sich nur sagen, dass sie fortschreitet.

Die Grenze setzt eine brutale Zäsur: Grell gehen die Lichter an, die Menschen schälen sich aus dem Halbschlaf, sie angeln nach ihren Pässen und halten Visa und Einreisekarten bereit. Dann

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