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Doppelter Mokka

Doppelter Mokka

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Doppelter Mokka

Länge:
226 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 27, 2015
ISBN:
9783738688689
Format:
Buch

Beschreibung

Liebe als Wegwerfware und Sex als Zeitvertreib? Wie arm, wenn Beziehungen da aufhören, wo im Sex die Wiederholung anfängt.

Die Autorin stellt einen unzeitgemäßen Gegenentwurf vor: Das Einmalige und Nicht-Beliebige einer Beziehung anstelle von oberflächlichen sexuellen Erfahrungen.

Was können vertrauensvolle Beziehungen verkraften?

Die spannende Geschichte einer erotischen, literarischen und philosophischen Entwicklung in Liebesdingen, festgehalten in einem Tagbuch und in einem Nachtbuch. Das Interferenzpfeifen zwischen Wirklichkeit und Träumen ist unüberhörbar.

'Der Nachttraum bewegt sich im Vergessenen, Verdrängten, der Tagtraum in dem, was überhaupt noch nie als gegenwärtig erfahren worden ist'. (Ernst Bloch)
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 27, 2015
ISBN:
9783738688689
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Doppelter Mokka - Sigrid Hauff

WAITAWHILE

Tagbuch

Unsere ganze Geschichte ist bloß Geschichte

des wachenden Menschen; an die Geschichte

des schlafenden hat noch niemand gedacht.

(Christoph Lichtenberg)

Sprachlos

Die Zeit, die du mit deiner Rose verloren hast ist es, die deine Rose so wichtig macht. Wirst du zerstören, was dich berührt?

Unausgesprochenes. Ob der eisige Mond weiß, dass ihn die Sonne bestrahlt? Nichts ist nicht, sagt Parmenides. Geh nicht den Weg des Nichts. Ein Alptraum. Klare Sätze, dann überschnell überstürzt eine Wortflut, Gedanken drehen durch als ob ein Tonband zu schnell läuft. In den Momenten, in denen ich etwas verständlich von mir geben kann, rufe ich um Hilfe. Verwirrung. Die Gedanken überlagern sich, sind nur noch Brüche. Nichts als Lärm im Kopf. Dass ich noch warte auf ein winziges Etwas, wenn alles vorbei ist? Das Nichts, das Alles ist – und umgekehrt? Es muss eine Sprachlosigkeit geben, die in Sätze gerinnt. Literatur als Resignation. Loslösung. Gefolgschaft und Eigenständigkeit können nicht zusammengehen. Die uns verlassen haben werden uns fremder von Tag zu Tag. Holz und Stein. Jedes Wort, das mir auf der Zunge liegt, drückt mir die Luft ab. Am schwersten wiegt, dass kein Wort mehr Gewicht hat. Die Falter am Abend drängen zum Licht. Die Glasscheibe, an der sie sich verzweifelt stoßen, hindert sie daran, sich die Flügel zu verbrennen an der Lampe. Den Toten ist es erlaubt, die Lebenden zu besuchen im Traum.

Sie scheint schwer zu tragen an ihrem Kopf, die Rose, die zu welken beginnt.

Ein Wort also, damit ich, wenn du willst, ein Wort von dir bekomme. 27 Jahre Verbindung durch Briefe, mit Unterbrechungen, aber immer noch mehr als Zärtlichkeit für dich, meine Jugend, mein Versagen. Ein Bedauern, das anders ist als sonst.

Es besteht kein Zwang, unter Zwang zu leben. Lachen und philosophieren und sein Haus verwalten und alles Übrige tun. Auf das Leben spucken und auf jene, die sinnlos an ihm kleben. Schmerzen aushalten, wenn sie erträglich sind, wenn aber nicht, mit gleichmütiger Gesinnung aus dem Leben wie aus einem Theater weggehen. Uralte Weisheit, dass Gesundheit von Körper und Seele zusammenhängen. Philosophie als Medizin. Allein in dieser verrückten brutalen Welt, Gedanken, Lasten hinter sich lassen. Gegensätze bedingen sich wechselseitig. Anfang und Ende. Tun, was ich tue, ohne mich bewusst anzustrengen, heiter, aufrichtig. Am Atem lässt sich ablesen, wie es um uns steht. Tiefes Atemholen kostet Kraft. Ich hänge durch. Die Gedanken verfangen sich. Kaum eine Bewegung, kaum eine Regung. Riskierst du Worte, stehst du wehrlos da und verwundbar. Den Dolchstoß kannst du nicht abwehren, indem du in Deckung gehst. Der Kopf wehrt sich. Hände und Füße frieren. Eine Kränkung macht krank. Als ob die Verständigung mit der Welt von der Verständigung mit dem einen abhängt.

Heute Morgen deine Handschrift. Gibt es Zeiten im Leben, wo man Bilanz macht? Jedes Jahr das vergeht, versteckt und verschiebt das Bild von einem Glück, das nicht kommen will. Sicher kann ich es mir nicht ausmalen, oder aber ich bin zu wählerisch. Wieder ganz allein, die Jahre vergehen. Ich denke zurück an 26 oder 27 Jahre mit Begegnungen, 26 oder 27 Jahre mit verpassten Treffen. Zwei Leben nebeneinander. Kein Bedauern, das wäre zu leicht. Du weißt sehr wohl, dass meine scheinbare Wankelmütigkeit immer eine Angst versteckt hat, Angst zu enttäuschen, Angst vor einem weiteren Versagen. Erinnere dich. Frickenhausen. Paris. Algerien. Wieder Paris. Kabul. Wieder Paris. Wieder Schweigen. Wieder rufe ich dich. Wieder Schweigen. Kennst du jemanden, der so treu ist in seinem Verschwinden und Wiederkommen? Habe ich das Recht, oder die Schamlosigkeit, dir das zu sagen?

Als ob die Welt sich nie aus den Angeln heben könne. Ein nichthysterisches Verhältnis zur möglichen Apokalypse. Die falsche Bewegung durchschauen. Frist bis zum Schlussakt. Bis dahin: sprachlose Gegenwart. In einem Alter, wo die Lehrer sterben und die Eltern gebeugt gehen. Ein Philosoph, der nach der Tragödie des Lebens auch die Komödie des Lebens erfasst hat, lacht. Logische Notwendigkeit gibt es nicht in den menschlichen Verhältnissen. Aber es ist ein traumatisches Erlebnis, den Traum zu verlieren. Das Du, dem keiner Du werden kann. Hier ist der Rand des Lebens. Ein Unerfülltes ist hier in den wahnwitzigen Schein einer Erfüllung geflüchtet; nun tastet es in den Irrgängen umher und verliert sich immer tiefer. C’est sans issue. Der Weg nach draußen führt durch die Tür. Wer schafft noch irgendetwas und ist von vornherein einverstanden, dass es vergeht, vergänglich ist, flüchtig, Ausdruck eines einzigen Augenblicks, der sich nicht festhalten lässt.

Nicht mehr 25 Jahre alt. In meinem Kopf habe ich von uns beiden das Bild von einem Hund, der sich in den Schwanz beißen will, der es schafft, dann nicht mehr, dann wieder, dann nicht mehr. Ein Hin und Her. Es ist nicht mehr schlimm, da das Leben allmählich dem Ende zugeht und die Zukunft hinter uns liegt. Die einzige positive Eigenschaft die ich habe ist, dass ich mir meiner Unbeständigkeit bewusst bin und Angst habe, diejenigen, die ich liebe, mit in den Abgrund zu stürzen.

Zurückblicken. Die Wunde schmerzt nicht mehr, wenn sie dir wohl gefällt. Der Mensch ist von Natur still. Aber nur das lebendige Wort hat magische Kraft, bewegt. Mitmenschen erkenne ich an winzigen Gesten. Nicht verlogen, sondern verschwiegen. Zwiespältig? Den Spalt schließen. Ich sitze da und verjage die Fliegen. Jeder bewirkt selbst seinen Himmel und seine Hölle, hier und jetzt. Leiden ist Widerstand gegen Umstände, ein Problem der Einstellung zu dem, was passiert. Jeder kann die Welt nach seiner Vorstellung verändern und gestalten, er braucht nur sich selbst zu ändern.

Dass ich den Mut nicht finde, den Faden abzuschneiden, der mich an dieser Welt festhält, die man ‚zivilisiert’ nennt. Ich glaube, es ist der Schritt der Menschheit nach vorn, der meinen nach rückwärts so schrecklich schwer macht. Meine Träume sehe ich jeden Tag ein wenig zusammenschmelzen, wie Eiswürfel in einem Glas Schnaps.

Außerordentliche Kraft der Feder und der Schrift. Ich kann Stunden mit dir sprechen, da du da bist, auch wenn du nicht da bist. Heute Abend werde ich mich neben dich hinlegen, wie oft, meinen Kopf auf mein Kissen legen als ob es deine Brüste seien, dein Bauch, oder dein Geschlecht, ganz einfach so, den Kopf in deiner Körperwärme – ohne mich zu rühren.

Krankheit und Leiden als ein Zustand der körperlichen und psychischen Transformation, Schmerz als Mittel der Bewusstseinsveränderung. Die Sprache der anderen Wirklichkeit ist Poesie. Tanz. Energie. Um möglichst viel wahrzunehmen, muss man sich selbst vergessen können. Wir besitzen keine Sprache für die innere Welt. Ich stolpere jeden Schritt über meinen Kopf. Es sei denn, ich tanze. Was bildet sich der Mensch ein, er dürfe den Schafen zwei Beine zusammenbinden, dass sie sich derart durchs Leben plagen müssen. Wandel der Perspektive.

Bin ich wie der Esel, der nichts frisst, weil er weiß, dass er stirbt, ganz gleich, ob er den Hafer aus dem rechten Kübel frisst oder die Körner aus dem linken? Will ich alles, und drei oder vier Zielen nachlaufen ist unmöglich oder außergewöhnlich oder höheren Wesen vorbehalten? Was du mir geben kannst? Das fragst du mich? Wenn du wüsstest.

Auf jede Frage kann ich mit ja und mit nein antworten. Hilflose Koseworte, zur Probe, aus Mitleid. Nicht am Alleinsein verzweifeln wir, sondern dass wir den andern nicht in unser Alleinsein hineinziehen können. Ich falle in mich zurück. Immer fluchtbereit. Daher die ständige Suche nach Auswegen. Ich will freiwillig bleiben. Wir wissen voneinander, was der See vom Berg weiß, der sich in ihm spiegelt. Wir treffen uns. Unsere Welten treffen sich nicht. Sie bleiben zurück. Wir bleiben zurück. Wir verlassen unsere Welten und treffen uns. Der Dialog wird zum Monolog. Scheitern schweigend hinnehmen? Die eigentliche Versuchung des denkenden Menschen ist die, zu verstummen. Sprachlosigkeit zwingt sich in Worte. Löcher in der Mauer. Der Heilungsprozess beginnt mit der Trostlosigkeit, die wir in Sätze füllen. Eine überschaubare Welt aus Papier, das rundum brennt, so dass zu erwarten ist, dass das Feuer sich immer mehr zur Mitte hin durchfrisst. Hörst du wie ich verstumme? Sprachlos warte ich auf Antwort.

Ich glaube nicht, dass du ein Traum bist. Drei Jahre vergehen und ich nehme das Gespräch wieder auf, als ob nur drei Tage vergangen wären. Treu wie ein alter Hund. Keine Zeit mehr zu lügen, uns zu verstellen. Es wäre leicht, morgen Abend schon bei dir zu sein. Zu leicht. Ich genieße dieses Warten. Es ist mir ein Vergnügen, zu warten, mich vorzubereiten.

Eine Frage der Perspektive, ob wir das Leben als Kreislauf oder als Einbahnstraße sehen. Die Frage ist, ob Ausgangspunkt und Endpunk nicht ineinander fallen. Es liegt mir nicht, zurückzublicken. Wenn ich in der Sonne stehe, wünsche ich mir nicht, im Schatten zu sein. Als wäre die Welt ein Paradies ohne die Fußspuren der Vergangenheit. Clarifies itself in turning. Begreifen in Ableitungen. Der Verkehr rast auf der Überholspur vorbei. Aus der Vogelperspektive betrachtet gibt es kein Ziel. Ich fliege, unberührt. Ein Weg, bis an den Horizont. Staubig. Mit Radspuren. Rechts und links Steppe. Weit. Still. Sonne brennt auf den Wanderer, und er erinnert sich an eine Quelle, die so fern liegt, dass die Erinnerung daran schon fast versickert ist.

Es ist fast so, als ob wir einer Katastrophe entkommen wären, als einzige Überreste der Menschheit. Eine andere Welt kommt zum Vorschein, ein anderes Theaterstück wird gespielt. Mache ich die Reise in umgekehrter Richtung zu den andern? Auch wenn die Zeit die Wirklichkeit ein wenig in Falten legt, bin ich sicher, dich aus einer Menschenmenge herauszufinden. Die Jahre vergehen, und ich werde als alter Mann mit weißen Haaren ankommen, mit einer Haut, die so faltig ist wie ein alter Apfel.

Ich fühle mich sehr in die eigene Falle gegangen und sage mich los. Breche aus. I found a thing that made me think I could die if I wanted to. Ein Balkon zum Hinabstürzen. Ein Fenster zum Hinausspringen. Löcher in der Mauer, durch die man Neuland sieht. Als ob ich, wenn mich die Vernunft auch nur einen Moment im Stich lässt, vom Turm springe oder mich irgendwo fallenlasse. Was hält mich zurück? Der Ruck, der noch fehlt. Warum stehe ich da mit hängenden Armen? Ich habe immer Mühe, mir selbst nachzukommen. Panischer Widerwille gegen Unveränderliches, Eingefrorenes. Wahrscheinlich auch gegen Glück, denn das ist ähnlich. Alle Bürden lege ich ab auf diesem letzten Weg. Ich kehre von Drüben zurück, eine Existenz auf willkürlichen Abruf. Lastfrei, leicht, heiter.

Dass ich endlich den Schritt auf dich zu mache. Dieses Mal. Wie ich dieses Geheimnis für mich behalten habe, um dir nicht zu schaden. Ich habe dich mit so viel Leidenschaft, mit

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