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Identitätsbescheinigung: Eine deutsch-deutsche Zeitgeschichte

Identitätsbescheinigung: Eine deutsch-deutsche Zeitgeschichte

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Identitätsbescheinigung: Eine deutsch-deutsche Zeitgeschichte

Länge:
180 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 11, 2013
ISBN:
9783732265732
Format:
Buch

Beschreibung

Dieses Buch schildert die unterhaltsame, aber auch zum Nachdenken anregende Geschichte eines männlichen Paares im geteilten Deutschland, das letztendlich die schändliche Teilung auf eigenartige, teils abenteuerliche Weise überwindet. Es gewährt aber auch interessante, sonst kaum beschriebene Einblicke in das Leben von Randgruppen und Intellektuellen in einem totalitären, kommunistischen System.
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 11, 2013
ISBN:
9783732265732
Format:
Buch

Über den Autor

Der Autor, geboren 1943 in Ostdeutschland,, war viele Jahre als Arzt tätig. Unzählige Reisen führten ihn durch fast alle Länder der Erde. In seinen Büchern, bisher erschienen ebenfalls im BoD – Verlag "Die Metamorphose des Jünglings Nicola" und "Identitätsbescheinigung - eine deutsch/deutsche Zeitgeschichte", beschäftigt er sich überwiegend mit gesellschaftlichen Randgruppen.


Buchvorschau

Identitätsbescheinigung - Bernd Helge

Dieses Buch schildert die unterhaltsame, aber auch zum Nachdenken anregende Geschichte eines männlichen Paares im geteilten Deutschland, das letztendlich die schändliche Teilung auf eigenartige, teils abenteuerliche Weise überwindet. Es gewährt aber auch interessante, sonst kaum beschriebene Einblicke in das Leben von Randgruppen und Intellektuellen in einem totalitären, kommunistischen System.

Für Jörg, Bernd, Peter und all die Anderen, besonders aber für Eve, die uns in Liebe und Freundschaft geholfen haben, diesen oft steinigen und auch gefährlichen Weg zu gehen.

Alle Figuren dieses Buches sind Erfindungen des Autors, keine ist identisch mit einer lebenden oder einer toten Person. Ebenso wenig decken sich beschriebene Episoden mit tatsächlichen Vorgängen, es sei denn, es handelt sich um erlebte Zufälle.

Eine sächsische Industriestadt war mit Sicherheit zu kommunistischen Zeiten keine Augenweide. Der Bahnhof, den ich soeben betreten hatte, schockierte den Besucher jedoch regelrecht durch seine ungepflegte Atmosphäre. Für den Schmutz fand sich kaum noch ein freier Fleck, überall strotzte es vor Abfällen. Die MITROPA-Kneipe links vom Eingang spuckte ihren Lärm und reichlich Tabakqualm in die Bahnhofshalle. An der rechten Seite des Bahnhofsvorraumes klappte fleißig die Toilettentür, einen beißenden Geruch nach Pisse ausstoßend.

Zwei, drei jugendliche Stricher, in enge Jeans gezwängt, tänzelten emsig zwischen MITROPA und Klappe hin und her. Aber das Angebot an Freiern schien nicht rosig zu sein. Wenigstens solange ich auf den Zug wartete, ging keiner der Jungs ab.

Im Moment kündigte eine blecherne Frauenstimme durch quietschende und knarrende Lautsprecher eine voraussichtlich dreißigminütige Verspätung des Zuges, auf den ich wartete, an.

Unbeabsichtigt, offensichtlich aus purer langer Weile heraus, hatte ich einen der Jungs, einen hübschen großen Blonden, etwas zu lange angeschaut. Als ich wegen der Verspätung zu meinem Auto ging, um die Parkuhr zu verlängern, folgte der Junge mir auf den Fersen. Aber ich hatte etwas Anderes vor, hoffentlich nichts so Eindeutiges, sondern etwas Prickelndes.

Nachdem ich die Parkuhr eingestellt hatte, ging ich zurück in die Bahnhofshalle. Dieselbe Frauenstimme gab die Ankunft des verspäteten Zuges bekannt. Mit einem flüchtigen Lächeln verabschiedete ich mich von meinem stillen, mir jedoch nicht angenehmen Begleiter und schritt schnell auf den Bahnsteig zu. Zum wiederholten Male griff ich in meine Jackentasche, mehrmals hatte ich das in den letzten Tagen schon getan, um mir das kleine Passbild, das ER mir geschickt hatte, nochmals vor Augen zu führen.

Aussagekräftig war es nicht gerade: Ein junger Mann, blondes halblanges Haar, einen etwas melancholischen Zug auf den vollen Lippen, eine Nickelbrille, sympathisch.

Würde ich ihn wohl erkennen in dem Gewühl der Aussteigenden?

Natürlich hatte ich ihm auch ein Bild von mir geschickt, ebenfalls ein Passbild, auch nicht aussagekräftig: ein nicht mehr ganz so junger Mann, blondes halblanges Haar, einen etwas melancholischen Zug auf den vollen Lippen, eine Nickelbrille, sympathisch.

Bestanden etwa Ähnlichkeiten, nur, dass ich einen kleinen nicht gerade besonders gepflegten Schnauzbart trage? Eine neue schwarze Lederjacke, natürlich aus dem Luxusgeschäft Exquisit, komplettierte meine Erscheinung. Diese Jacke war eines der Erkennungsmerkmale; die ich ihm gegeben hatte. Dass ich sie mir extra wegen ihm angeschafft hatte, habe ich verschwiegen. Aber die alte Jacke war beim besten Willen nicht mehr dazu geeignet, einen guten Eindruck zumindest zu erwecken.

So ausgestattet dürfte doch eigentlich nichts mehr schief gehen!

Ächzend und quietschend kam die gewaltige Diesellok russischer Bauart, im Schlepp zwei Post- und viele Personenwagen, am Bahnsteig zum Stehen.

Bitte alle aussteigen, dieser Zug endet hier!

Viele Leute, große und kleine, dicke und dünne, junge und alte, drängten aus den sich öffnenden Türen ins Freie und überfluteten den maroden, schmutzigen Bahnsteig.

Er war nicht schwer zu erkennen, da er alle um einen Kopf, und der war nicht unsympathisch, überragte. Das nicht aussagekräftige Foto, das ich ja regelrecht auswendig gelernt hatte, sagte nun doch etwas aus. Es war ihm zumindest ähnlich und brachte mich auf den richtigen Weg, zur richtigen Person.

Hi?

Hi?

Da bist Du also.

Du auch.

Schweigen.

Dann von weit oben herab: Hast mich gleich erkannt?

Ich nickte. Er hat doch gemerkt, dass es so war!

Wir schoben uns durch die quirligen Leute, durchquerten die Bahnhofshalle und waren dann nach wenigen Schritten am Parkplatz bei meinem frisch polierten Auto angelangt. Gesprächig war er ja nicht, das kann ein heiteres Wochenende werden.

Gott sei Dank, nichts Mädchenhaftes.

Ein Mietwagen wäre allerdings nicht nötig gewesen.

Was tut man nicht alles, um für einen wohlhabenden Eindruck zu sorgen?

Erst als er wieder abreiste, wusste der Neue, dass der Wagen mein Eigentum war.

Ja, ich war eine gute Partie und dazu erst Anfang dreißig!

Beim Einsteigen legte der Ankömmling seine College Fashion Jacke aus leichtem Tuch ab und verstaute sie auf dem Rücksitz.

Ob man wohl mit den schön anzuschauenden Rundungen im oberen Teil der Jeans auch etwas anfangen konnte?

Jedenfalls prickelte es, zumindest bei mir.

In den zwanzig Minuten Fahrt bis zu meiner kleinen Wohnung sprudelten die Worte wahrlich nicht aus uns heraus. Für einen Studenten war er ziemlich einsilbig. Auch bei mir tröpfelten die Worte nur spärlich aus dem Mund. Das war aber nichts Außergewöhnliches.

Vielleicht verschlugen mir auch die gut sitzenden, verblichenen Jeans einfach die Sprache, was durchaus möglich war.

Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Der Neue war rundum mein Typ, obwohl er dreizehn Jahre jünger war als ich.

Aber das war bei meinen Bekanntschaften immer so, dass sie jünger waren. Bestenfalls waren sie gleichaltrig.

Was er über mich dachte, und welchen Eindruck ich bei ihm hinterließ, verriet sein melancholisches Jungengesicht nicht. Zumindest war es wenigstens nicht unfreundlich.

So haben wir uns kennengelernt, das waren unsere ersten Minuten.

Ob daraus wohl etwas werden kann? Wenn man das nur vorher wissen könnte! Auf alle Fälle wollte ich mir große Mühe geben, das Pflänzchen zu gießen, ohne Schönfärberei. So war ich eben, und ich hatte den Eindruck, dass es meinem Gegenüber nicht anders ging, und ihm das auch nicht unrecht war.

Nachdem ich ihm kurz die Wohnung gezeigt hatte, man musste ja schließlich wissen, wo die Toilette ist, platzierten wir uns, in gehöriger Entfernung voneinander, auf der kleinen Polsterlandschaft, die in coolem Stahlblau, man hätte sie allerdings auch in einem Grauton bestellen können, im sogenannten Wohnzimmer zum mehr oder weniger bequemen Sitzen animierte.

Den absoluten Luxus eines solchen Möbelstückes verdankte ich einem Bekannten, den alle wegen seiner Haarpracht und dem markanten dichten Schnauzbart Stalin nannten, und der zusammen mit seinem jugendlichen Geliebten ein Möbelgeschäft führte, das einer älteren Dame aus Zürich gehörte.

Dafür musste ich oft die Wogen zwischen den beiden Freunden glätten. Offensichtlich war ich also auch so etwas wie eine Vertrauensperson oder habe zumindest so getan als wenn…

Aber jetzt hatte ich ganz andere Probleme, denn inzwischen knurrten unsere Mägen. Zu essen konnte ich nur Würstchen im Kunstdarm mit Bautzener Senf, Schwarzbrot und Bier anbieten. Normalerweise reicht das ja auch.

Ich muss gestehen, dass ich nicht gerade ein begnadeter Kochkünstler bin, obwohl ich doch die biometrische Methode des Eierkochens erfunden hatte! Diese bestand darin, den Herd abzustellen, wenn das Wasser zu sprudeln begann und die Eier abzuschrecken, wenn sich das Wasser beruhigt hatte. Das ergab fantastische Dreiminuteneier, für die ich fast berühmt war, und man benötigte dazu nicht einmal einen Kurzzeitwecker oder einen dieser neureichen Eierkocher!

Das Problem ging schon damit los, nein nicht, wie man Brot schneidet, das wusste ich schon, sondern wie man diese Würstchen warm macht. Natürlich hatte ich sie mit dem Kunstdarm ins Wasser geschmissen. Der Effekt war eine amorphe Masse, die an der Folie klebte.

So viel Dämlichkeit hat meinem ansonsten muffligen Gast, nennen wir ihn Robert, nun doch ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Aber das stand ihm auch ganz gut.

Hatte ich erst Bedenken wegen des Altersunterschiedes, so verflogen dieselben während unseres Gespräches sehr schnell.

Denn im Wesen ähnelten wir uns mehr, als wir es erwartet hätten. Später sagten unsere Bekannten oft, das wäre auch äußerlich der Fall. Ich empfand das zwar nicht so, fühlte mich aber trotzdem geschmeichelt. Wer sehnt sich nicht nach einem Jungbrunnen? Wir hatten uns viel zu erzählen, über unsere Familien, über Reisen, über das Lesen, über Kunst und Kultur allgemein. Trotz der unterschiedlichen Themen, oder vielleicht auch gerade deshalb, wurde das Gespräch niemals langweilig. Und ich staunte gehörig, mit welchem Sachverstand er die meisten Themen betrachtete.

So nebenbei floss so manches Bierchen der heimischen Marke Braustolz durch unsere Kehlen.

Inzwischen hatte sich die sittsame, räumliche Distanz auf der Sitzlandschaft nicht nur als Folge der intensiven Dispute verringert, und mein Blick wanderte immer öfter über die kräftigen Beine und was sich dazwischen abzeichnete. Zärtlich fuhr ich, fast schüchtern, mit einem Anschein von Zufälligkeit, mit der Hand über die feste Wölbung des etwas breiten Jünglingsgesäßes, als Robert uns beiden einen Gin mit Tonic mixte, zu dem wir inzwischen übergegangen waren. Ganz wie von selbst legte sich mein rechter Arm um seine Schultern, spielten meine Lippen mit seinem Nackenhaar. Es war nicht zu übersehen, dass das uns beiden nicht unangenehm war.

Intermezzo

Gelöst und locker erfasste uns ein Ansturm ungeahnter Zärtlichkeit, der Gluthauch der Begierde. Wir enthüllten uns gegenseitig mit flinken Händen. Die kühle, samtene Haut des Anderen erregte und steigerte das Verlangen. Man staunte nicht schlecht über das, was sich uns, allen kleinen Daumen und einer kleinen Nase zum Trotz, dick und lang entgegenstreckte. Wir benötigten lange, um uns gegenseitig zu entdecken, tastende Hände, ein neugieriger Mund, und immer wieder die Haut, kühl, glatt, kaum behaart, erfanden wir immer neue Spiele…

Frisch geduscht betrachteten wir mit interessierten Augen unsere Adamskostüme und amüsierten uns über das wabbelige Genital, das vor einigen Minuten noch ganz anders war!

Um den Abend gelöst zu beenden, mixte uns Robert noch einen sehr strengen Gin mit Tonic, vielleicht, nein ganz bestimmt, waren es auch zwei. Dann schliefen wir, mein Gesicht in seinem Nacken vergraben, auf der Seite liegend, eng aneinandergepresst, ein.

Am Sonntagmorgen unter der Dusche betrachtete ich mir den wohl anzuschauenden Jünglingskörper und versuchte, eine kleine Unregelmäßigkeit in der linken Leiste einzuordnen. Wie lange hast Du die Beule dort schon? fragte ich ihn und deutete auf seine Leistengegend.

Den Leistenbruch habe ich schon ein paar Tage, ich muss mal zur Behandlung gehen.

"Aber Halsschmerzen hast Du auch, wie Du mir gestern sagtest. Zumindest bist

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