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Dorfgeflüster: Wenn das die Nachbarn wüssten
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Dorfgeflüster: Wenn das die Nachbarn wüssten
eBook267 Seiten3 Stunden

Dorfgeflüster: Wenn das die Nachbarn wüssten

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Über dieses E-Book

Mary Peters, 36 Jahre jung.
Das Schicksal konnte sie mal kreuzweise. Rückblickend war hier wohl einiges an Karma abzuarbeiten oder an was man auch immer glauben mag. Auf jeden Fall stellte sich Mary die vergangenen 36 Jahre jeden einzelnen Tag den Herausforderungen, die das Leben ihr stellte.

Ihr einziges Ziel war es, zu beweisen - wohl eher mehr sich selbst als anderen - dass sie auf niemanden angewiesen war. Sie war der weibliche Hulk, die erste Hulkine. Die Super-Woman unter den Super-Heldinnen. Die Bateuse unter den Batwomans, die Catwoman unter den fliegenden Underdogs. Eines Tages erhält sie die Rechnung für ihren Lebensstil und ihren Glauben, inklusive Zinsen. Tief ist der Fall aus schwindelerregenden Höhen, sehr tief und sehr rasant. Hart der Aufschlag, knallhart. Autsch!
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum29. Mai 2015
ISBN9783734792342
Dorfgeflüster: Wenn das die Nachbarn wüssten
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Autor

Mary Peters

Mary Peters ist 36 Jahre jung. Sie hielt sich für eine Kämpferin. Eine Frau für alle Fälle. Mary ist eine talentierte Frau, in der Tat. Aber ihr Kampf war aussichtslos. Sie kämpfte gegen die Falschen. Meist gegen sich selbst. Gegen ihr eigenes Glück. Mary hält in ihren zahlreichen Büchern fest, wie sie von der Schattenseiten endlich auch auf die Sonnenseite des Lebens fand. All dies war nur möglich, als sie endlich ehrlich war. Ehrlich zu sich selbst. Nein, es waren nicht die anderen, nur sie selbst hatte es im Griff.

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    Buchvorschau

    Dorfgeflüster - Mary Peters

    Inhaltsverzeichnis

    Nur Mut, es kommt alles gut!

    Mein Zuhause

    Darf man(n) das?

    Darf man(n) das II?

    Der erste Freund

    Die Wende

    Erster Besuch

    Auszüge aus dem Tagebuch

    Sind wir alle Richter?

    Voll normal

    Räumen wir mal auf

    Umzug aufs Land

    Warnung an Mamis Freund (2. Missbrauch mit 13)

    Ich wachse und wachse

    Grenzüberschreitung

    Segen oder Fluch?

    La vie est belle

    Die hilflosen Helfer

    Genesungstagebuch eines geliebten Freundes

    Eine Odyssee seines Gleichen

    Aha!

    Rauchstopp – eine Ära geht zu Ende

    Männer? Nein Danke!

    Ich und Ich

    Welt – Eine, meine Illusion

    Vater vs. Erzeuger

    Ein neues Kapitel?

    Wie heissen Sie?

    Baby Mary

    Die Wende

    Hunger – Hunger und noch mehr Hunger

    Schreib-Pause

    Sterben

    Impressum

    Nur Mut, es kommt alles gut!

    Vor einem Jahr noch, konnte ich diesen Satz nicht mehr hören. Wehe, jemand wagte es, ihn in meiner Gegenwart auszusprechen. Es gab dann genau noch drei Möglichkeiten; entweder ich wäre sofort an die Decke gestiegen und hätte diesen Menschen auf Teufel komm raus zur Schnecke gemacht. Zweite Möglichkeit, ich hätte begonnen, Rotz und Wasser zu heulen. Oder drittens, und was am Wahrscheinlichsten gewesen wäre, dass ich mich einfach umgedreht und davon spaziert wäre.

    Mein Name ist Mary Peters und dies ist meine Geschichte.

    Sätze wie „das wird schon wieder. „Reiss Dich zusammen. „Du hast doch alles, was Du Dir gewünscht hast. „Du bist auch nie zufrieden. „Es gibt Menschen, die haben nicht mal genug zu essen." Und was es in solch einer Situation noch alles so an Vorwürfen und wohlgemeinter Ratschläge sogenannter guter Freunde und Bekannte hagelt, habe ich mir im Verlauf meiner Krankheit öfters anhören müssen. Obwohl diese nicht mal ansatzweise wussten, um was es genau ging. Sie dachten einfach, ich sei faul. Das war auch einer der Hauptbeweggründe, weshalb ich in der schlimmsten Phase nur meinem Partner und meinem Therapeuten wirklich sagen konnte, wie es mir zu diesem Zeitpunkt gerade ging.

    Aber auch dort war es nicht immer möglich, denn ich wusste die meiste Zeit selbst nicht, wie ich mich gerade fühlte. Regelrecht verloren hatte ich mich, spürte nichts mehr, keine Trauer, keine Wut, nichts. Da war einfach nur noch gähnende Leere, ein schwarzes tiefes Loch. Tief und dunkel, ja dunkel war es.

    Bei Sonnenschein musste ich die Vorhänge zuziehen. Ich konnte es nicht ertragen, dieses Licht. Je schöner der Tag, umso dunkler war es in mir. Nachts war es am schlimmsten, ich schlief zwar, aber erholsam war es keineswegs. Sobald ich mich ins Bett legte, ging es los. Seltsame Gedanken schwirrten in meinem Kopf herum. Wo es tagsüber so ruhig war, schrie es nachts förmlich irgendwelch wirres Zeugs, völlig zusammenhaltlos. Ich fühlte mich beobachtet, konnte wochenlang nur noch mit Licht schlafen. Ohne Licht hatte ich eine Zeit lang das Gefühl, dass plötzlich ein abgetrennter Kopf neben mir auf dem Kissen lag. Nächtelang quälte mich diese „Erscheinung".

    Nein, es war nicht meiner, es war ein fremder Kopf, der Kopf eines Mannes. Die Decke wurde mir in manchen Nächten weggezogen, jemand strich mir übers Haar. Aber niemand war zu sehen. Sie denken, ich hätte zu viele schlechte Filme geschaut? Aber genau das Gegenteil war der Fall. Um aus meiner Krankheit zu flüchten, habe ich mir stundenlang TV-Serien, komplette Staffeln angeschaut. Immer wieder neue Serien. Schöne Serien. Geschichten von Freundschaft, Zusammenhalt. Serien, bei denen eine heile Welt gezeigt wurde. Einfach raus aus diesem Dunkel, weg in eine Welt in der Menschen lachen, lieben, sich streiten und unterhalten. Raus aus diesem kaputten Dunkel.

    Besonders schlimm waren zwei Erlebnisse. Eines davon geschah im Februar 2011 und das zweite im Februar 2012. Und zwar spielten sich diese wie folgt ab. Ich lag im Wohnzimmer auf der Couch in meiner Wohnung. Niemand war sonst in der Wohnung. Plötzlich kam ein Gefühl von Sehnsucht über mich und ich hörte eine Stimme: „so jetzt einfach sterben, diese dunkle Welt verlassen, nach Hause gehen, ertönte in meinem Kopf. Ja in der Tat hat es sich auch so angefühlt, als konnte ich endlich „nach Hause gehen, dort, wo ich mich geliebt und geborgen fühlte. Wow, das war ein wunderschöner Moment.

    Aber ich konnte nicht gehen. Minuten später lag ich immer noch auf der Couch. Nichts hatte sich verändert, im Gegenteil, mir ging es noch schlechter, alles um mich herum war noch dunkler, die Leere in mir war noch grösser, das Loch in das ich gefallen war noch tiefer. Diese Sehnsucht, diese Liebe, die ich spürte und der ich nicht nachgehen konnte, der ich nicht einfach folgen konnte, leerte mich nun vollends. Denn sie war wieder weg. Einfach weg. Nichts war mehr übrig. Sie hinterliess ein grosses Nichts. Ich konnte mich auch nicht mehr an das Gefühl erinnern, nicht einmal mehr die Sehnsucht nach diesem Gefühl war geblieben.

    Im Nachhinein kann ich sagen, dass diese Erlebnisse mir neuen Lebensmut gaben. Auch wenn es sich zum damaligen Zeitpunkt anders anfühlte. Während den paar Minuten, oder vielleicht waren es auch Stunden, ich kann es nicht genau sagen, fühlte ich mich so sehr geborgen und geliebt wie noch nie in meinem Leben. Ich weiss nicht, wer oder was es war, aber das Gefühl „gehen zu können, „nach Hause gerufen zu werden, werde ich nie mehr vergessen. Es tröstet mich, zu wissen, dass da etwas ist, das wartet.

    Die Sehnsucht, die Erde zu verlassen, begleitet mich mein ganzes Leben schon. Manchmal fühlte sich alles so falsch, so kaputt und schwer an. Mein ganzer Lebensweg war ein einziger Kampf. Auf der einen Seite liebte ich das Leben und war ein – wie Freunde immer sagte – „Sonnenschein und auf der anderen Seite war da diese Sehnsucht, doch endlich „nach Hause gehen zu dürfen. Wo genau dieses „Zuhause" war, konnte ich mir nur vorstellen. Wissen tue ich es bis heute nicht.

    Ich möchte aber anmerken, dass ich zu keiner Zeit aktive Suizidgedanken oder dergleichen hatte. Dazu liebte ich das Leben einfach zu sehr. Das Interesse an meiner eigenen Lebensgeschichte und meinem Weg war zu gross. Neugier war mein ständiger Begleiter. Neugier auf das Leben, das da noch kommen mag. Es war eine Achterbahn der Gefühle. Auf der einen Seite war ich ein Lebemensch, liess nichts aus, versuchte, was ich nicht schon kannte. Und auf der anderen Seite wollte ich einfach nur gehen, nach Hause.

    Mein Zuhause

    Um mich von meiner Sehnsucht nach dem einen Zuhause abzulenken, habe ich „mein zuhause" in anderen Menschen gesucht. Viele kamen und gingen die meine Sehnsucht aber nicht stillen konnten. Angefangen hat die Suche schon ganz früh.

    Ich habe einen Zwillingsbruder. Mein Bruder und ich haben das Licht der Welt mit zwei Minuten Abstand, während eines Kaiserschnitts erblickt. Damals, während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt kämpfte ich immer wieder den Kampf „hier auf der Erde zu bleiben oder „nach Hause zu gehen. Auch nach der Geburt gab es einige Komplikationen. Ich musste als Säugling noch einige Zeit auf der Station bleiben. Irgendwie wollte ich als Baby nicht so recht ins Leben hier auf dieser Erde finden. Wie man an dem Geschriebenen aber unschwer erkennen kann, hat die Neugier auf das Leben gesiegt. Aber der Kampf ums „Überleben bzw. die Sehnsucht nach „zu Hause ist geblieben.

    Sofern meine Zeilen Sie, lieber Leser, liebe Leserin bis hierhin fesseln konnten, wissen Sie nun in etwa, was mein Lebensthema bis zu meinem 36. Geburtstag war. Es würde mich freuen, wenn Sie und ich gemeinsam eine Zeitreise unternehmen können. Vielleicht finden Sie sich in der einen oder anderen Aussage wieder, vielleicht einen Freund, eine Freundin oder das hier geschriebene unterhält sie und sie lassen sich von den Worten auf eine Reise in die Vergangenheit tragen.

    Bevor wir die gemeinsame Reise antreten, möchte ich Ihnen offenbaren, dass ich heute im Jahre 2014, als ich diese Zeilen wieder und wieder lese, der Geschichte mit Spannung und dem Erzählten mit einer gesunden Distanz begegnen kann. Ja in der Tat fühlt es sich manchmal so an, als sei die kommende Geschichte das Leben einer anderen Frau, nicht meines. Ich bin heute an einem Punkt angelegt, an dem ich ohne zu übertreiben sagen kann, dass es mir gut geht, dass ich glücklich bin, hier zu sein. Die Frau zu sein, die ich bin und dankbar für das Erlebte. Denn dies hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich habe „mein Zuhause" auf dieser Erde gefunden. Bin angekommen. Fühle mich geliebt und geborgen.

    Ich habe auch gelernt, mit meiner „Sehnsucht nach zu Hause umzugehen. Jedoch braucht es dazu immer wieder ein Innehalten meinerseits, viel Ruhe und Zeit mit und für mich selbst sowie eine gute und gesunde Abgrenzung nach aussen. Früher lebte ich eher extrovertiert, war überall und doch nirgends so richtig anwesend. Für Jedermann/-frau 24 Std. am Tag zu erreichen und hatte für mein komplettes Umfeld immer einen guten Rat parat und eine helfende Hand oder auch zwei. Aber wie sagt man so schön „Guter Rat ist teuer. Ich selbst zahlte paradoxerweise einen sehr hohen Preis dafür.

    Freundschaften, wie „normale" Menschen sie kennen und pflegen, sind für mich nur schwer möglich. Ich brauche sehr viel Zeit alleine, besonders in der freien Natur, kann und möchte mich nur begrenzt negativen Energien aussetzen. In der Zwischenzeit habe ich in verschiedenen Ausbildungen sehr viele Tools erlernt, wie ich mich gegen negative Einflüsse aller Art schützen kann. Sie können sich das so vorstellen, ich war ein Schwamm der durch die Welt wandelte und alles, aber auch alles in sich aufsaugt, auswertete, analysierte und eine Lösung bereitstellte. Alle Probleme dieser Welt waren meine Probleme. Die Last war tonnenschwer und meine Schultern fühlten sich bleiern und schmerzvoll an. Ja ich weiss, dies war nicht meine Aufgabe, aber ich tat es, weil ich es so gelernt hatte.

    Das hat mein komplettes Leben, aber auch das Zusammenleben mit anderen und auf deren Seite das Zusammenleben mit mir nicht einfach gestaltet. Im Gegenteil. Für mich war dies aber ein normaler Zustand. Ich konnte ja nichts anderes. Ich war so aufgewachsen. Wenn ich anderen helfe, wenn ich für sie da bin, dann lieben sie mich. Dann werde ich geliebt, akzeptiert, respektiert und erhalte Anerkennung. Ach wie habe ich danach gelechzt. Nie war es mir genug. Manchmal habe ich die Probleme förmlich gesucht. Und alles nur, um nicht zu mir zu kommen. Um nicht bei mir hinzuschauen was denn bei mir so alles im Argen lag.

    Ja und schlussendlich wurde ich zu einem „hilflosen Helfer", wie man dies so treffend nennt. Es wurde mir aber erst so richtig bewusst, als ich eine Anstellung im Gesundheitswesen annahm und um mich herum lauter Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten, Pfleger, etc., die sich unendlich verloren hatten und sich derart mit ihrem Job identifizierten, dass sie sich beinah darin auflösten.

    Auf jeden Fall musste ich durch ein tiefes Tal gehen, um all dies zu verstehen. Auch heute noch, wenn ich wieder zu viel „gebe und nicht auf mich achte, meine Bedürfnisse nicht mehr wahrnehme, wird es gefährlich, da ich dann umgehend wieder einen Grund habe, „nach Hause zu gehen. Weil ich müde bin. Dies bedeutet auch, dass ich mir wenig bis keine Medienberichte anschauen kann. Bilder die zeigen, was auf dieser Welt alles geschieht. Ich diskutiere auch nicht mit anderen darüber, was wir Menschen uns auf dieser Erde gegenseitig antun. Ich weiss, manch einer ist der Meinung, dass ich die Augen vor der Realität verschliesse. Aber, ist dies wirklich die Realität; Mord, Vergewaltigung, Massaker, Terroranschläge? Oder ist es nur ein Spiegel des Inneren eines jeden Menschen auf dieser Erde? Aber dies ist ein anderes Thema und hat hier keinen Platz. Dazu werde ich mich vielleicht ein anderes Mal äussern.

    Was mich in meiner Krankheit noch kränker werden liess, ist heute das, was ich brauche, Licht, Ruhe und Natur. Tägliche Abgrenzungsübungen ermöglichen mir langsam wieder vermehrt unter Menschen zu gehen. Wobei ich nach wie vor am liebsten alleine oder mit meinem Partner unterwegs bin. Menschen, die ihr Leben unachtsam verbringen, ständig in Eile sind und nicht wahrlich innehalten können, stimmen mich sehr traurig. Mein Herz weint, wenn ich sehe, was wir uns als Erdenbürger antun. Wie verloren wir uns haben, verloren in einer Welt, die wir selbst kreiert haben.

    Denn ich weiss, dass man das Erdenleben anders Leben kann und auch sollte. Auch ich zählte bis zu meiner Erkrankung zu den ständig „Suchenden, ständig „fahrend und niemals Ankommenden. Heute muss ich mich ganz rigoros vor solchen Menschen schützen. Immer wieder tanke ich mich auf und dies geht in absoluter Ruhe, Stille und innerem Frieden. Aber auch auf den ausführlichen Spaziergängen in der wunderschönen Natur mit meiner Hündin oder auch mal alleine, nur mit mir. Klar, auch ich haue ab und zu auf den Putz, bzw. nutze meine Kraft, z.B. beim Rasenmähen oder der sonstigen Gartenarbeit. Beim Spielen mit unserem Hund, beim Fahrradfahren, beim Fitness. Aber diese Momente des Auspowerns sind dann gewählt und von mir so gewollt. Nicht mehr fremd bestimmt.

    Zurück zu meiner Lebensgeschichte. Einen kurzen Abriss der Schwangerschaft meiner Mutter und unserer Geburt habe ich Ihnen bereits gegeben. Was in diese Zeit und die Jahre danach noch mitwirkte, können Sie auf den nächsten Seiten lesen. Es würde mich freuen, wenn sie mich begleiten. Und los geht die Zeitreise! Machen Sie es sich gemütlich und lassen Sie sich entführen…

    Darf man(n) das?

    Es ist dunkel, einzig der Fernsehbildschirm wirft abwechselnd helles, dann wieder dunkleres Licht in den Raum. Oh, was ist denn das? Ich spüre eine Hand auf meinen Schenkeln. Die muss ihm gehören. Wo geht er denn jetzt hin mit seiner Hand? Moment mal, da hat mich noch nie jemand berührt. Wieso zieht er jetzt seinen Pyjama aus? Was, wie, wo muss ich meine Hand hinlegen. Langsam führt er meine kleine unsichere Hand zwischen seine Beine. Was ist denn das komisches? Das hab ich bei meinem Bruder schon mal gesehen, aber das hier ist viel grösser und es fühlt sich ganz hart und feucht an. Langsam rutscht er über mich rüber, auf mich drauf, er ist schwer und atmet auch sehr tief und lauter als sonst. Er spielt mit dem Ding an einem Ort, wo mich noch nie jemand berührt hat. Es fühlt sich nass und glibberig an. Wieso merkt Mama denn nichts? Ich schaue zu ihr rüber. Sie schläft tief und fest mit dem Rücken zu uns. Sie merkt nichts. Ok, dann muss das in Ordnung sein, was er da gerade tut. Gut, dann komme ich morgen wieder her, um gemeinsam mit ihm und meiner Mama fern zu schauen. Wenn er dann wieder diese komischen Sachen macht und Mama merkt nichts oder sagt nichts dazu, dann muss das ja in Ordnung sein.

    Wie lange das so ging, fragst Du? Keine Ahnung, als meine Mutter sich im Schlaf eines Abends umgedrehte, weil er so komische Geräusche von sich gab, ist sie aufgesprungen, hat mich in mein Zimmer gezogen, wo mein Bruder auch schon tief und fest schlief und hat die Zimmertüre hinter uns dreien verriegelt. Als mein Stiefvater dann, nach aber tausenden von entschuldigenden Worten und anschließenden Beleidigungen mir gegenüber, ich hätte das ja auch gewollt und ich sei freiwillig zu ihm ins Bett gekommen, endlich auch schlief, ist meine Mutter die Treppe hinunter zum Telefon geschlichen und hat jemanden angerufen. Nach einer, wie es mir schien, endlos langen Zeit kam unsere grosse Schwester mit einem Lieferwagen angefahren. Wir haben alles, was nötig war, eingepackt und sind über Nacht aus diesem Haus ausgezogen. Ich weiss nicht mehr genau, über wie lange das Ganze ging. Denn ich war 5 Jahre alt, als meine Mutter es bemerkt hatte!

    Darf man(n) das II?

    Mama ist in ihrem Zimmer in unserem Ferienhaus am Fernsehen schauen. Sie spricht mit ihrem Freund, der im Haus rumwandert. Ich schlafe draussen im Wohnzimmer im Bett, welches sie für mich dahin gestellt hat. Mein Bruder schläft auf der anderen Seite des Raumes an der Wand. Ihr Freund setzt sich, während er sich auf Italienisch mit meiner Mutter unterhält, zu mir aufs Bett. Er beginnt, meinen Körper unter dem Laken überall zu streicheln. Seine Finger wandern, während er immer noch mit meiner Mutter diskutiert, zwischen meine Beine, genau wieder da, wo mich bis vor acht Jahren noch nie jemand berührt hatte. Meine Mutter merkt und sieht nichts, da die Türe zu ihrem Zimmer nur einen kleinen Spalt offen steht, damit uns der Fernseher nicht „aus dem Schlaf reisst". Er fasst mich immer noch an, dort, wo mich bis vor einigen Jahren noch nie jemand berührt hat. Anscheinend muss das so sein. Ich weiss es nicht, ich bin 13 Jahre alt.

    Der erste Freund

    Mein Leben ging weiter. Als ich dann im Jahre 1994 meinen ersten Freund kennenlernte, war ich richtig stolz, dass es doch noch jemanden gab, der auch anderweitig an mir interessiert war. Zuvor war ich einige Male sehr unglücklich verliebt und hatte das Gefühl, von den Jungs nie richtig wahrgenommen zu werden. Mein erster Freund und ich hatten eine spannende Zeit zusammen. Er wohnte damals in einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche, war 5 Jahre älter als ich und hatte ein rebellisches Wesen, was mir natürlich sehr gefiel. Obwohl er mit seinen strahlend blauen Augen, seiner blassen Haut und den hellblonden Haaren mehr an einen Engel erinnerte als an einen Guerilla.

    Die Zeit im Wohnheim hatte etwas Beruhigendes. Wir hatten unsere Rituale. Die Wochenenden liefen meist immer gleich ab. Das tat mir gut. Nach einiger Zeit durfte er in eine WG in einer Aussen-Wohngruppe des Areals umziehen. Unsere erste gemeinsame Wohnung. Unser WG-Partner war ein angenehmer kiffender und daher eher ruhiger Geselle und liess uns die meiste Zeit in unserem jungen Glück in Frieden. Nachdem mein Freund seine Abschlussprüfung als Metallbauer erfolgreich bestanden hatte, zogen wir weg vom Areal in die Stadt in eine 2 Zimmer Wohnung. Ich war damals schon in der Ausbildung zur Bürokauffrau.

    Während meinen Abschlussprüfungen kam mein Freund zwei volle Tage nicht nach Hause. Ich erreichte ihn auch telefonisch nicht. War ihm etwas zugestossen? Da ich aber mitten in den Prüfungen stand, konnte ich mich nicht gross darum kümmern. Ich hatte keine Zeit ihn zu suchen und wo sollte ich auch anfangen? In Ordnung fand ich sein Verhalten natürlich nicht und meine Freundinnen meinten schon, dass er vielleicht eine „neue" habe und bei ihr sei. Dies wollte ich jedoch nicht so richtig glauben. Wieso denn auch, uns ging es doch gut zusammen. Für mich war es so in Ordnung, für ihn sicher auch. Ich sollte mich hier jäh täuschen.

    Am zweiten Tag seiner Abwesenheit hörte ich plötzlich, wie sich der Schüssel im Schloss drehte. Er spazierte in die Wohnung in einer Selbstverständlichkeit, als wäre nichts gewesen, als wäre er nicht gerade zwei Nächte nicht nach Hause gekommen. Auf meine Frage hin, wo er war, antwortete er abweisend „nirgends. Den restlichen Abend sprach er kein Wort mehr mit mir und ging mir so gut es halt in einer kleinen Wohnung ging, aus dem Weg. Am nächsten Tag schloss er sich im Badezimmer ein und telefonierte. Da wusste ich, was geschlagen hatte. Ich sprach ihn durch die geschlossene Türe an, bat ihn, mir zu sagen, was Sache ist und er tat so, als hörte er nichts und telefonierte munter weiter. So, das war’s. Meine Nerven lagen ohnehin schon blank wegen den Abschlussprüfungen, aber ich sah nun nicht mehr nur rot, sondern dunkelrot. Alle meine Sicherungen hatten einen Kurzschluss. Mit einem für mich heute noch unerklärlich starken Fusstritt kickte ich die Badezimmertür aus den Angeln. Bzw. die Türe samt Halterung aus dem Türrahmen. (Hier möchte ich erwähnen, dass sich die Wohnung in einer Neubausiedlung befand und die Türen daher neu und sehr robust waren) Das Bild, das sich mir dann bot, war einfach nur noch erbärmlich. Er sass auf dem Klodeckel, das Telefon in Händen und telefonierte mit seiner „Neuen: Mit jener Frau, mit der er mich, wie es später rausstellte, schon einige Monate betrog. Sie war noch einige Jahre jünger als ich und wohnte noch bei ihrer Mutter, wobei er sich natürlich nicht mehr im Rahmen

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