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Thomas Luckmann

Thomas Luckmann

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Thomas Luckmann

Bewertungen:
2/5 (1 Bewertung)
Länge:
233 Seiten
2 Stunden
Freigegeben:
May 21, 2015
ISBN:
9783864969119
Format:
Buch

Beschreibung

Thomas Luckmann ist ein "Klassiker der dritten Generation".
Thomas Luckmann gilt als kardinaler Bezugsautor für das Wiedererstarken der verstehenden, interpretativen Soziologie in den letzten Jahrzehnten. Die gemeinsam mit Peter L. Berger verfasste "Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" rangiert zusammen mit Werken Max Webers und Emile Durkheims unter den zehn bedeutsamsten soziologischen Büchern überhaupt.
Luckmanns Werk hat eine Wirkung entfaltet, die jedoch weit über die Soziologie hinausreicht. Es umfasst Beiträge zur Methodologie und Lebensweltanalyse, zu Handeln und Wissen, zu Religion, zu Sprache und Kommunikation, sowie zu Identität und Moral.
Der einleitende Band von Bernt Schnettler gibt einen Überblick über das Werk von Thomas Luckmann, das in seinem biografischen und geschichtlichen Kontext dargestellt wird. Hervorgehoben wird die für Luckmann insgesamt prägende, höchst produktive Verknüpfung zentraleuropäischer mit amerikanischen Denktraditionen. Dabei wird deutlich, dass Luckmann nicht nur ein lebendes Beispiel für die Nachkriegsentwicklung der Soziologie insgesamt darstellt, sondern auch für die gelungene Grenzwanderung zwischen unterschiedlichen Kulturräumen und Wissenschaftstraditionen.

Weitere Infos zur Reihe: www.uvk.de/kw
Freigegeben:
May 21, 2015
ISBN:
9783864969119
Format:
Buch

Über den Autor

Gabriela Christmann ist Privatdozentin an der Technischen Universität Dresden. Bernt Schnettler ist Professor für Soziologie an der Universität Bayreuth. Er ist Herausgeber der Schriftenreihe »Klassiker der Wissenssoziologie« (www.uvk.de/kw).


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Buchvorschau

Thomas Luckmann - Bernt Schnettler

Klassiker der Wissenssoziologie

Herausgegeben von Bernt Schnettler

Die Bände dieser Reihe wollen in das Werk von Wissenschaftlern einführen, die für die Wissenssoziologie – in einem breit verstandenen Sinne – von besonderer Relevanz sind. Dabei handelt es sich vornehmlich um Autoren, zu denen bislang keine oder kaum einführende Literatur vorliegt oder in denen die wissenssoziologische Bedeutung ihres Werkes keine angemessene Würdigung erfahren hat. Sie stellen keinesfalls einen Ersatz für die Lektüre der Originaltexte dar. Sie dienen aber dazu, die Rezeption und das Verständnis des Œuvres dieser Autoren zu erleichtern, indem sie dieses durch die notwendigen biografie- und werkgeschichtlichen Rahmungen kontextualisieren. Die Bücher der Reihe richten sich vornehmlich an eine Leserschaft, die sich zum ersten Mal mit dem Studium dieser Werke befassen will.

»Thomas Luckmann« von Bernt Schnettler

»Marcel Mauss« von Stephan Moebius

»Alfred Schütz« von Martin Endreß

»Anselm Strauss« von Jörg Strübing

»Robert E. Park« von Gabriela Christmann

»Erving Goffman« von Jürgen Raab

»Michel Foucault« von Reiner Keller

»Karl Mannheim« von Amalia Barboza

»Harold Garfinkel« von Dirk vom Lehn

»Émile Durkheim« von Daniel Šuber

»Claude Lévi-Strauss« von Michael Kauppert

»Arnold Gehlen« von Heike Delitz

»Maurice Halbwachs« von Dietmar J. Wetzel

»Peter L. Berger« von Michaela Pfadenhauer

Weitere Informationen zur Reihe unter www.uvk.de/kw

Meinem Lehrer und Freund Hubert Knoblauch

Inhalt

Einleitung

Thomas Luckmann: Grenzgänger zwischen Europa und Amerika

Einflüsse, Lehrer und Weggenossen

Die phänomenologisch-anthropologischen Grundlagen der Sozialtheorie

Wirklichkeit als gesellschaftliche Konstruktion

Handeln und Wissen

Neoklassische Religionssoziologie

Sprache und Kommunikation

Wirkung

Literatur

Zeittafel

Personenregister

Sachregister

Einleitung

Dieses Buch führt in das soziologische Werk Thomas Luckmanns ein. Damit soll das Schaffen eines – glücklicherweise noch lebenden – ›Klassikers der Soziologie‹ (2005a) für einen breiteren Leserkreis aufgeschlossen werden. Dies ist verbunden mit der Absicht, das Œuvre eines Soziologen vorzustellen, dessen Schriften zu den wohl am häufigsten zitierten Grundlagen der jüngeren verstehenden Soziologie zählen.¹ Thomas Luckmanns Arbeiten haben eine Wirkung entfaltet, die weit über den engen Kreis der Soziologie hinausgeht. Das gemeinsam mit Peter L. Berger verfasste Buch Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit (engl. 1966b, dt. 1969) wurde zum Ausgangspunkt einer paradigmatischen Wende in der Soziologie, die mit der Dominanz des strukturfunktionalistischen Denkens brach. Zugleich manifestierte sich hier die – für Thomas Luckmann insgesamt prägende – produktive Verknüpfung zentraleuropäischer Denktraditionen mit amerikanischen Strömungen.

Angesichts der enormen Bedeutung Luckmanns für die gegenwärtigen Sozialwissenschaften wird eine große Diskrepanz offenkundig: Zwar sind alle Hauptwerke Luckmanns glücklicherweise noch verfügbar und sind zudem in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Mit einer unlängst herausgegebenen Aufsatzsammlung (2002) wurde ein weiterer Schritt unternommen, die wichtigsten der teils recht verstreut publizierten späteren Arbeiten Luckmanns vereint verfügbar zu machen.² Eine in das Werk einleitende Übersicht, die Interessierten den Zugang erleichtert, fehlte allerdings bislang. Darauf zielt dieses Buch. In ihm wird das Schaffen des Autors biografisch und sozialgeschichtlich kontextuiert, was es erlaubt, die Beiträge zur soziologischen Theorie und Forschung vor dem Hintergrund des bewegten Lebenswegs Luckmanns zu rekonstruieren. Dabei wird offenkundig, dass dieser Autor nicht nur ein höchst vitales Beispiel für die Nachkriegsentwicklung der Soziologie insgesamt darstellt. Die Beschäftigung mit Luckmann ist vor allem deswegen besonders lohnend, weil er als ein exemplarischer Autor für eine neue Art der Soziologie angesehen werden kann, welche die engen (Denk-)Räume nationalkultureller Traditionen überwindet. Das äußert sich, wie ich im Folgenden detailliert zeige, in seiner gelungenen – und explizit intendierten – Grenzwanderung zwischen unterschiedlichen Kulturräumen und Wissenschaftstraditionen. Angesichts seiner Lebensgeschichte zwischen den Kontinenten, seiner dezidiert mehrsprachigen Publikations- und Lehrpraxis, vor allem jedoch aufgrund der internationalen Wirkung seines Œuvres erscheint es deshalb als keineswegs übertrieben, von Luckmann als dem ersten wirklich transkulturellen Sozialtheoretiker zu sprechen.

An seinem Werk lässt sich dann auch, in besonders ertragreicher Weise, die Verschränkung von so unterschiedlichen Traditionslinien wie das phänomenologische Denken von Edmund Husserl und Alfred Schütz, die Wissenssoziologie von Karl Marx, die philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen und Helmuth Plessner mit den theoretischen Ansätzen des Pragmatismus im Gefolge von William James und John Dewey, dem symbolischen Interaktionismus und die Auseinandersetzung mit den später entstehenden ethnomethodologischen Ansätzen studieren. Gerade aus diesem Grund erweist sich Luckmann geradezu als ein ›Klassiker‹ der Soziologie par excellence, der es dem Studierenden erlaubt, sich von Luckmann aus eine Reihe von Zugängen zum Feld der Soziologie zu erschließen – einer Disziplin, die in ihren Theorien und Forschungsbeiträgen nicht nur inzwischen ein höchst ausdifferenziertes Wissensgebiet darstellt, sondern auch über ein gerüttelt Maß an miteinander konkurrierenden und teilweise sehr widersprüchlichen Ansätzen verfügt. Dabei geht es aber nicht darum, einen ›neutralen‹ Blick, gewissermaßen vom bequemen Standort eines gedachten ›exterritorialen‹ Beobachters aus zu gewinnen. Andere Theorieansätze mögen mit solchen Gedankenexperimenten kokettieren. Luckmann, der immer betont, – privat wie in seiner Arbeit als Soziologe – mit beiden Füßen auf festem Boden geblieben zu sein, verleitet nicht zum Eklektizismus oder zum wahllosen Aneinanderfügen inkompatibler Theorieansätze. Sich mit Luckmanns Hilfe auf das Terrain der Soziologie zu begeben, beinhaltet vielmehr den unschätzbaren Vorteil, nicht nur eine Art von Soziologie im Gepäck zu führen, die es für bedeutsam hält, dass es in dieser Wissenschaft auf den Menschen ankommt (genauer gesagt, auch ankommt und immer von ihm auszugehen ist – wobei zugleich einer verkürzenden Lesart des Luckmannschen Ansatzes im Sinne einer auf die Subjektivität reduzierte Theorieanlage heftig zu widersprechen ist.) Es hat ebenso den Vorzug, den Pfad in diesem oft unüberschaubaren und heimtückischen Gelände gewiesen zu bekommen. Dieser Weg ist aber alles andere als der voll ausgebaute komfortable achtspurige Highway, auf dem so manche PS-starke Sattelschlepper der so genannten ›Großtheorie‹ unterwegs zu sein glauben. Er ähnelt wohl eher dem steinigen Pfad, der mit den Mühen exakten und kritischen Nachdenkens – und vor allem: harter empirischer Forschung – gepflastert ist. Gleichwohl führt dieser Weg, wenn auch zähe Arbeit und einigen Wagemut vorausgesetzt, durchaus auf die ›Kammlagen‹ soziologischer Theoriebildung herauf.

Im Folgenden wird vor allem die Entstehung des Luckmannschen Werkes betrachtet. Dies dient dazu, einen ersten Überblick zu gewinnen. Eine tiefer gehende Exegese ist nicht das Ziel. Hier soll es um eine ›Geschichte‹ gehen, deren Aufgabe darin besteht, die Ansätze Luckmann für die gegenwärtige und zukünftige Soziologie voranzutreiben – sei es in Hinblick auf die weitere Entfaltung der Gesellschaftstheorie, ihrer phänomenologischen und anthropologischen Begründung oder die Arbeit in den materialen Gegenstandsbereichen wie Identität, Moral, Kommunikation, Religion, etc. – und die vorliegenden Ansätze aus dem Luckmannschen Werk aufzunehmen. Luckmann setzt sich einer Historisierung des Fachs und seiner Philologisierung ebenso strikt entgegen wie der Bildung einer (möglich gewesenen aber nie vorhanden) ›Luckmann-Schule‹ und hat sich durch seine wahrlich militante Bescheidenheit in der Selbstdarstellung vor jeder Gefahr der Idolatrisierung und des Personenkultes bewahrt. Ihm ist wohl lediglich in der Weise zu ›folgen‹, dass wir in dem Berufe, den wir uns als Soziologinnen und Soziologen auszuüben bemühen, den ›gesunden Menschenverstand‹ nicht gering schätzen, uns um klare Formulierung bemühen – und im Übrigen versuchen, dem Zeitgeist nicht zu erliegen.

Damit sind schon die wesentlichen Gründe für dieses Buch benannt – und ebenso die Ausrichtung der Reihe angesprochen, die dieser Band eröffnet. Der Anlass dafür, sie mit Thomas Luckmann zu beginnen, liegt nicht nur darin, dass er mein Lehrer in Konstanz war. Allerdings ist das der Ursprungsgrund, denn wäre ich ihm nicht begegnet, wäre ich heute nicht Soziologe.

Nach ein, zwei Semestern Soziologie Anfang der 90er-Jahre sah ich mich einer zunehmenden Wirrnis gegenüber. Der sich bei mir langsam verdichtende Eindruck, in einer überaus komplizierten, ebenso ungeordneten wie verwickelten Wissenschaft gelandet zu sein, ließ mich heftig an meiner Studienwahl zweifeln. Heute weiß ich, dass das wenig verwunderlich ist und zum üblichen verborgenen Initiationsritus unserer Disziplin gehört. Das war mir damals aber nicht klar. Vermutlich hätte ich den Entschluss gefasst, die Soziologie aufzugeben – wäre ich nicht auf Luckmann gestoßen (Ob es für diese Wissenschaft nicht besser gewesen wäre, ich hätte mich, sagen wir, der Erforschung der Grenzflächeneigenschaften von semipermeablen Membranen oder der Restitutionsvermögensverordnung zugewandt, können nur andere beurteilen.)

Dass ich bei Luckmann landete, war Zufall. Mehr noch: Ich ging in sein Seminar – all meiner Vorurteile zum Trotz. Denn Luckmann setzte sich damals zu Zeiten des Jugoslawienkrieges politisch für seine Heimat Slowenien ein. Dass er dies auch auf einer vom Bund der Reservisten veranstalteten Podiumsveranstaltung tat, machte ihn, der zudem unter den Studenten durchaus als ›konservativ‹ galt, mir als überzeugten Antimilitaristen, der geradewegs aus der Weltanschauungsgemeinschaft der bekennenden gewaltfrei Friedliebenden an die Universität strebte, nicht gerade anziehender. Wie sehr ich mich getäuscht hatte, und wie kurz ich davor gestanden haben mag, Opfer der eigenen Vorurteile zu werden, wurde mir erst vor Augen geführt, als ich zum ersten Mal eines seiner Seminare zur Handlungstheorie besuchte. Mich beeindruckte nicht nur seine überaus klare und verständliche Rede, sein Bemühen um Präzision im Denken sowie im Ausdruck der Gedanken, sondern vor allem seine große Befähigung, dies alles an die konkrete Alltagserfahrung zurück zu binden. Später erst sollte mir klar werden, dass dies kein simpler didaktischer Kniff war, um Studierende länger wach zu halten, sondern mit dem Primat der Strukturen des Alltagsdenkens zu tun hatte, die in seiner Theorie eine solch zentrale Rolle einnehmen. Es war diese Klarheit, sein Verzicht auf eine prätentiöse Sprache und die nur scheinbare Schlichtheit der Gegebenheiten, die behandelt wurden, welche sich vom unverdaulichen Geschwätz und der Wirrnis, die ich in so manch anderen Seminaren über mich ergehen lassen musste, so deutlich abhoben und mich faszinierten – und seitdem nicht mehr losgelassen haben. Wenn es gelingen sollte, auf diesem Wege eine ebensolche, wenngleich über die Lektüre vermittelte, richtungweisende orientierende Erfahrung bei auch nur einem Bruchteil der Leser auszulösen, dann ist schon das wesentliche Ziel dieses Buches erfüllt.

Dass die folgende Darstellung subjektive Züge aufweist, ist also nicht etwa ein Unfall. Die persönlichen Züge sind vielmehr Ausdruck des Programms: einer Soziologie, die auf das Subjekt bekanntlich nicht verzichten mag und dem Subjektiven einen Stellenwert einräumt, der in anderen Theorien keinen Platz hat. Ebenso bringt das gewählte Genre gewisse Personalisierungsnotwendigkeiten mit sich. Ein einführendes und auf geschichtliche und biografische Kontextuierung angelegtes Porträt kommt ohne die Person nicht aus.³

Aber doch ist mir wichtig hervorzuheben, dass dies nicht die tragenden Begründungen sind. Die wirklich ausschlaggebende ist: Luckmann zählt zweifellos zu den bedeutsamsten noch lebenden soziologischen Denkern der Gegenwart, der die Wissenssoziologie zu einer Allgemeinen Sozial- und Gesellschaftstheorie umgeformt hat. Das ist der Hauptgrund für dieses Buch. Eine weitere Absicht, die ich damit verbinde, soll jedoch nicht verschwiegen werden. Anstoß zu dieser Reihe insgesamt gab des Weiteren die Absicht, einen kleinen Beitrag zur Soziologiegeschichte zu leisten – einer Teildisziplin unseres Faches, die sich leider noch immer in einem recht bedauerlichen Zustand befindet. Die einzelnen Probleme soziologiegeschichtlicher Forschung können hier nicht vertieft werden. Mikl-Horke (2001: 2) betont aber völlig zurecht, dass sich Soziologiegeschichte weder als ahistorische Rekonstruktion des theoretischen oder empirischen Fortschritts des Faches, noch als voneinander unabhängig fortschreitende Ideen-, Theorie- bzw. Methodengeschichte betreiben lässt. Vielmehr ist eine Perspektive anzulegen, die man als Sozial- bzw. Kulturgeschichte des Faches bezeichnen kann. Denn auch »soziologische Theorien entstehen aus der Zeit heraus« und gerade die Soziologie als reflexive Wissenschaft sollte sich Auskunft über die gesellschaftlichen Entstehungsbedingungen geben, die zu der Formulierung ihrer Wissensbestände beigetragen haben. Wie Endreß (2001: 64) folgerichtig formuliert, hat die Soziologie von der ›grundlegenden Historizität ihrer Gegenstände‹ auszugehen. Aufgrund ihres konstitutiven Bezogenseins auf Vergangenes ist sie strukturell auf Selbstthematisierung angelegt. In diesem Sinne orientiere ich mich an seiner Forderung nach einer Soziologisierung der Soziologiegeschichtsschreibung, die ich ebenso wie er, als eine Form »angewandter Wissenssoziologie« begreife, die darauf zielt, der Bedingungen der Konstruktion bestimmter Wissensbestände in unserem Fach zu rekonstruieren. (ebd.: 83)

In Anlehnung an den Vorschlag von Lothar Peter zu einer systematischen Methodologie soziologiegeschichtlicher Forschung (vgl. Peter 2001) sollen im Folgenden soziale, kognitive und wirkungsgeschichtliche Dimensionen untersucht werden. Geleistet wird dies schwerpunktmäßig im ersten Kapitel, wobei ich eine Akzentuierung der biografischen Dimension vornehme. Denn die biografische Methode ist mittlerweile in der Soziologie eine anerkannte sozialwissenschaftlicher Methode. Die qualitative Forschung hat inzwischen große Kompetenz in der Analyse biografischer Interviews erworben, die eine Anwendung dieses Fachwissens nahe legen. Kohli (1981) betont vor diesem Hintergrund den Gewinn, den eine Auseinandersetzung mit den (auto-)biografischen Texten führender Fachvertreter für die Aufarbeitung der Geschichte des Fachs mit sich bringt. Einem geläufigen Vorurteil zufolge hat es für die Selbstdeutung der modernen Wissenschaften zentral um die ›Sache‹ und nicht um die ›Person‹ zu gehen. Die Auffassung, daraus erwachse streng genommen eine Schweigepflicht, wenn es um Persönliches gehe, entlarvt allerdings Kohli als ein dem positivistischen Denken entspringendes rationalistisches Vorurteil (1981: 428). Wenn man demgegenüber »Wissenschaft als Produkt handelnder Subjekte« versteht (ebd.: 441), erweist sich eine Auseinandersetzung mit deren Lebensweg nicht nur als sinnvoll, sondern lassen sie wegen der Notwendigkeit einer inmanenten Rekonstruktion und der Analyse der Genesebedingungen wissenschaftlicher Erkenntnisse sogar geboten erscheinen.

Zum vorliegenden Band

Der biografischen Kontextuierung (Kapitel I) schließt sich eine Skizze der drei bedeutendsten wissenschaftlichen Kollegen Luckmanns an (Kapitel II). Entsprechend der oben ausgeführten Akzentuierung nehmen diese beiden Abschnitte den Hauptumfang des Bandes ein. Darauf folgend werden die einzelnen Gebiete des wissenschaftlichen Werkes einleitend dargestellt: der Konstitutionslogik gemäß beginnend mit der an Schütz anschließenden Strukturanalyse der Lebenswelt als eine Protosoziologie zur phänomenologischen und anthropologischen Grundlegung der Sozialwissenschaft (Kapitel III). Dem folgt ein Abschnitt zur gemeinsam mit Peter Berger entworfenen These der Gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit (Kapitel IV). Das

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