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In 100 Tagen um die Welt: Trotz Giglio mit Costa

In 100 Tagen um die Welt: Trotz Giglio mit Costa

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In 100 Tagen um die Welt: Trotz Giglio mit Costa

Länge:
145 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 1, 2015
ISBN:
9783739269504
Format:
Buch

Beschreibung

Eine Reederei trifft das größtmögliche Unglück: Im Mittelmeer kentert das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia und sinkt. Der Kapitän flieht als einer der ersten von Bord. Es gibt zahlreiche Tote. Droht der Reederei der Konkurs? Aber die Weltreise eines ihrer größten Schiffe – der Costa Deliziosa - ist ausgebucht und muss stattfinden. Wird die Reise mit skeptischen Passagieren und einer frustrierten Mannschaft gelingen?

Ein spannender neuer Tatsachenroman von Helge Janßen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 1, 2015
ISBN:
9783739269504
Format:
Buch

Über den Autor

Sternzeichen Schütze, Körper schlank, Größe 184 cm, Gewicht um 75 kg, Typ umtriebig, interessiert an allem, beweglich und sportlich, freundlich und kameradschaftlich.


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Buchvorschau

In 100 Tagen um die Welt - Helge Janßen

Bordtechnik

1

Am Nachmittag des 6. Januar 2014 erreicht auch ein Zubringerbus vom Flughafen in Mailand den Terminal der Kreuzfahrtschiffe im italienischen Hafen von Savona, der 52 Passagiere aus Deutschland an Bord der Costa Deliziosa bringt.

Unter ihnen ist das Ehepaar Jan und Liske Helgessen. Sie sind Pensionäre und leidenschaftliche Reisende auf allem was fliegt, schwimmt und fährt und Jan Helgessen schreibt darüber. Er verfügt über Schifffahrtskenntnisse aus seiner Seefahrtszeit und als Seesegler. Seine Bücher interessieren Leser, die einerseits selbst weit gereist sind und sich in seinen Texten wiederfinden. Andererseits liest ihn mancher, der die Welt erst noch erobern will. Oder wenigstens im Geiste mitreist.

Sie beziehen eine Außenkabine auf Deck 4 an Steuerbordseite. Dort erwarten sie ihr umfangreiches Gepäck von vier Koffern, was einige Zeit dauert, denn sie haben es gleich nach dem Check-In im Gepäckpool des Terminals zurücklassen müssen, wo es durchleuchtet und für den Weitertransport in die Kabinen bereitgestellt wird.

Zunächst klopft aber schon mal ihr Kabinensteward zaghaft an die Tür. Er ist ein blutjunger smarter Indonesier, nennt sich David und befestigt sein Namenskärtchen in einem Rahmen innen an der Tür. Es ist seine erste Reise als Kabinensteward auf solch einem Schiff, aber er spricht recht gut Englisch, zeigt und erklärt freundlich die Inneneinrichtungen der Kabine und verlässt die Beiden unter vielen Verbeugungen. Er will sich sofort um das Gepäck kümmern, das auch wenig später eintrifft.

Liskes Befürchtungen wegen der begrenzten Stauräume in den diversen Wandschränken, Schubladen und Borden in der 18 m²großen Kabine verfliegen schnell. Die geleerten Koffer verschwinden unsichtbar unter dem großen Kingsize Doppelbett. Damit ist die geschmackvoll eingerichtete Behausung bewohnbar und die Beiden gehen neugierig erst mal auf Entdeckungsreise.

Dabei wollen sie mit Menschen sprechen, Meinungen, Wünsche, Hoffnungen und Träume skizzieren, aus denen sich ein Gesamtbild davon ergibt, wie „Das Schiff" funktioniert. Jan benutzt dazu ein kleines Notebook und seine kleine digitale Kamera mit denen er aufzeichnen wird, was die Beiden erleben.

Ihr Abenteuer beginnt mit einer heutzutage von jeder Reederei strikt und unerbittlich angeordneten Pflicht, die zur Routine am Beginn jeder Seereise gehört:

Energische Lautsprecherdurchsagen in fünf Sprachen und sämtlichen Räumen des Ozeanriesen ordnen das Anlegen der Rettungswesten an, die jeder Fahrgast in seiner Kabine vorfindet.

Nach dem schrecklich grellen und einprägsamen Alarmsignal aus einem langen und sieben kurzen Tönen aus den besagten Lautsprechern quellen die langen Gänge vor den Türen der Kabinen der Passagierdecks vier bis acht und alle Treppenhäuser bald über von abenteuerlich aussehenden grellroten Monstern, die zu den Manöverstationen drängen, um zu „ihrem" Rettungsboot auf Deck 3 zu gelangen.

Die Stimmung lässt sich mit wenigen Worten nicht beschreiben, den sie reicht von den bangen Mienen und Gedanken an Schiffbruch Weniger über den Übermut der ob der kuriosen Verkleidung Verzückter bis hin zu den Routiniers, die die Übung stoisch über sich ergehen lassen.

Eine halbe Stunde mag vergangen sein – dann nehmen Jan und Liske vor dem Abendessen einen ersten Drink an der zentralen Hauptbar. Die befindet sich in einem riesigen Schacht, der in der Mitte des Schiffs in schwindelnder Höhe von Deck 3 bis zum Deck 11 hinaufreicht und eine sowohl schiffbauliche als auch innenarchitektonische Meisterleistung ist. Blickfang darin sind die drei gläsernen goldenen Aufzüge, die an der vorderen Wand des Schachtes wie von Geisterhand bewegt und scheinbar schwerelos zwischen den Decks auf-und abschweben.

Von der Hauptbar gelangt das Ehepaar durch elegante offene Gesellschafträume mit großen Außenfenstern und ledernen Sitzgruppen zum Hauptrestaurant am Heck der Costa Deliziosa, wo es zur ersten Sitzung kurz vor 19 Uhr eintrifft.

Das große Restaurant über zwei Etagen ist typisch italienisch bunt-elegant designed mit rechteckigen Tischen für zwei, vier, sechs und acht Personen.

Im Foyer des Restaurants empfangen drei „Pinguine" ihr Publikum: würdige Herren in schwarzen Fracks, deren Aufgabe darin besteht, die Gäste zu begrüßen, zu ihren Tischen zu geleiten und ihnen einen netten Abend zu wünschen.

Natürlich soll das Outfit dieser drei auch etwa unpassend gekleidete Reisende an die erwünschte Kleiderordnung gemahnen, die man in dem täglich erscheinenden und in jeder Kabine ausgelegten Infoblatt TODAY auf der ersten Seite ganz oben vorfindet und es erinnert daran, dass lange Hosen und Hemden Shorts und T-Shirts vorzuziehen sind.

In froher Erwartung auf eine erfreuliche Tischrunde mit netten Mitreisenden – denen man in der Regel zumindest für einige erste Tage ausgesetzt sein wird - folgt das Paar seinem Pinguin zum Tisch Nummer 44.

Dort sitzt bereits eine zierliche Dame unschätzbaren Alters mit blonder Kurzhaarfrisur und zu einem Strich zusammengekniffenen Lippen, die blicklos abwesend auf das hellgelbe Tischtuch starrt.

Neben ihr kauert mit krummem Rücken und gesenktem Kopf ein Herr um die sechzig, der offenbar nicht zu der Dame gehört.

Ihm gegenüber gibt es einen weiteren - nun ja – hageren Mann mit dürrem Haar über einem knochigen Gesicht, das ernst in eine Karte stiert.

Und der Sechste im Bunde der künftigen Tischrunde Nummer 44 scheint dieser ältere massige weißhaarige Herr zu sein, der jetzt mühsam auf seinen Gehstock gestützt den Stuhl neben Jan Helgessen ansteuert. Liske nimmt Platz an der Seite der Dame und sagt artig „Guten Abend".

Keine Reaktion. Es geschieht nichts bis Jan nach einigen peinlichen Sekunden des Schweigens anhebt:

„Tja, meine Dame, meine Herren – ich darf einfach mal so frei sein und das Wort ergreifen? Wir sind das Ehepaar Liske und Jan aus Norddeutschland. Wir haben die ganze Weltreise gebucht und … hm … hoffen auf eine fröhliche Tischgesellschaft mit Ihnen…."

Erneute Pause.

Die zierliche Dame hebt als erste das Köpfchen und ringt sich ein schnelles Lächeln ab: „Emilie aus Bayern, ` n Abend."

Das knochige Gesicht des Hageren blickt vorsichtig in die Runde, erhebt sich ein wenig linkisch halb aus seinem Stuhl und murmelt in gebrochenem Deutsch, es sei Tscheche und heiße Valentin.

Inzwischen hat sich der offenbar von Schmerzen geplagte massige Herr mit Jans spontaner Hilfe in seinem Stuhl zurecht gerückt. Er wischt sich mit einem Taschentuch die feuchte Stirn und erklärt ächzend, dass er Dieter heiße und vom Rhein sei.

Nun wäre wohl der krumme Rücken an der Reihe, die Vorstellung zu vervollkommnen. Als er es unterlässt, wendet sich mutig-fröhlich Jan direkt an ihn. „Und wie dürfen wir Sie ansprechen, Herr…?"

Alle sehen - jetzt doch schon ein wenig gelockert und interessiert - den Gebeugten an. Und ernten eine nun ganz unerwartete Antwort in tiefstem Schwäbisch: „Bitte lassen Sie mich in Ruhe. Ich bin müde und möchte nicht angesprochen werden."

Peng!

Zum Glück erscheint in Gestalt eines baumlangen Kerls mit schwarzen Augen und ebensolchem Haar ein in dunkle Hose und rotes Jäckchen gekleideter Tischkellner, der sich über das ganze Gesicht strahlend als Viktor aus Manila vorstellt und zügig die Menükarten verteilt, die er einzeln aufschlägt und jeweils mit einer tadellosen Verbeugung überreicht. Offenbar haben ihn die Pinguine gebrieft, denn er weiß, dass es Deutsche sind und entschuldigt sich sogleich, dass „deutsche nixe so gutt" sei, wobei er zweifellos nicht die Gäste sondern seine Sprache meint. Nun lächeln - fast - alle am Tisch und nicken ihm wohlwollend zu.

Das Eis scheint endgültig gebrochen, als Viktor der Runde seinen sehr jungen smarten Hilfskellner Bruno präsentiert, der für die Getränke zuständig sein wird.

Die Getränkewünsche jedes Einzelnen geben erste Hinweise über deren Gelüste und werden von jedermann interessiert, aber noch unkommentiert zur Kenntnis genommen.

Emilie aus Bayern bestellt natürlich Weizenbier.

Der gebeugte Unbekannte will stilles Wasser.

Valentin Pfefferminztee (?).

Dieter vom Rhein Kölsch.

Liske einen trockenen Weißwein und Jan halbtrockenen Rosé.

Aha!

Inzwischen hat sich ein jeder mit der Menükarte auseinander gesetzt und seine Wahl getroffen, die wiederum alle wissbegierigneugierig vernehmen. Und schon outen sich die ersten Personen dieser Runde deutlich und sorgen damit sogar für unvermuteten Gesprächsstoff, wobei Valentin den Vogel abschießt: Er verschmäht Fleisch und Fisch, ordert mit leiser Stimme stattdessen Salate, Brot, eine Gemüse Julien und ein Kompott zum Nachtisch. Jemand sagt in die Stille: „Ahh – ein Vegetarier!" Aber zwei andere Tischgäste erklären ihn umgehend zum Veganer und erhalten Valentins freudige Zustimmung, wobei sich eine zarte Röte in sein Gesicht schleicht.

Weitere Tischgespräche, die vielleicht hätten geführt werden können, unterbricht das Schiff im nächsten Moment auf seine

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