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Herrn Siegmunds abenteuerliche Reisen: Roman

Herrn Siegmunds abenteuerliche Reisen: Roman

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Herrn Siegmunds abenteuerliche Reisen: Roman

Länge:
313 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 10, 2015
ISBN:
9783739272504
Format:
Buch

Beschreibung

Der Mechaniker Siegmund, genannt Sigi, hat auf seiner ersten Flugreise nach London Schwierigkeiten mit der fremden Sprache.
Flugerfahrungen vermittelt ein fremder Fluggast.
Auf seiner zweiten Reise nach China soll eine neue Fabrik entstehen. Das lösen die Chinesen eleganter. Sein Chef bändelt im Hotel mit der Sängerin am Piano an. Es entsteht der kleine Max.
Sigi wird Personenschützer.
Auf seinem ersten Auftrag begleitet er den Firmeninhaber eines bekannten Luftansaug-Unternehmens um die Welt. Sein Auftraggeber Kuno Zauser und Sigi versuchen Krokodillederstiefel für Evelyn zu kaufen. Auf ihrer nächsten Reise nach Ägypten gelingt dieses Vorhaben, trotz erheblichem Einsatzes von Geld und Logistik, auch nicht.
Der nächste Flug geht im Auftrag des Auswärtigen Amtes nach Neuseeland. Sigi beschützt einen Bakteriologen. Mit Brigitte, seiner Braut, erkundet er den Archipel. Mehrer Wochen voller Abenteuer vergehen bei den Antipoden.
Sigis letzte Reise geht nach Akaska. Es ist die verspätete Hochzeitsreise des Ehepaares Siegmund. Sie besuchen die riesigen Braunbären der Aleuten.
Nach Rückkehr in Germany beobachten sie das noble Verhalten eines Edelmannes gegenüber einem armen, fremdländischen Mann.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 10, 2015
ISBN:
9783739272504
Format:
Buch

Über den Autor

Geboren am 18.11.1930 in Bad Landeck/NS. Aufgewachsen von 1932 bis 1941 in Glatz/Schlesien, danach wieder in Bad Landeck wohnhaft. Besuchte das altsprachliche Gymnasium in Glatz. Zu Ostern im Jahr 1946 nach Ostfriesland vertrieben. Drogistenlehre ab 1949 in Lingen (Ems). Danach innerhalb eines Familienunternehmens Aufbau eines Fotogroßlabors und Reorganisation mehrerer fotografischer Betriebe. Fast 45 Jahre Tätigkeit als Prokurist in den Fachbereichen Fertigung, Organisation, Logistik und Umwelt. Seit 1993 im Ruhestand. Berke ist verheiratet mit Frau Gisela, geborene van Kampen. Zwei Kinder Sohn Stephanus und Tochter Claudia. Der Autor fotografierte in zahlreichen Ländern auf mehreren Kontinenten und veröffentlichte Erzählungen, Romane, Fachliteratur, Bildbände und Bildberichte. Werke: Beachten Sie bitte meine Internetadresse: www.berke-online.de Lesungen: Terminvereinbarung über Telefon 0591-63 601


Buchvorschau

Herrn Siegmunds abenteuerliche Reisen - Joachim Berke

INHALTSVERZEICHNIS

Erste Reise des Sigismund Siegmund nach London

Siegmunds zweite Reise nach China

Erste Notiz

Dritte Reise, Sigi fliegt um die Welt

Sigis vierte Reise nach Ägypten

Zweite Notiz

Sigismunds fünfte Reise nach Neuseeland

Dritte Notiz

Sechste Reise des Ehepaares Siegmund nach Alaska

Autor

Erste Reise des Sigismund Siegmund nach London

Er bückte sich ein wenig, als er durch den Türrahmen ging. Fast zwei Meter war er groß, sehr schlank, ausgesprochen dürr. Direktor Naumann starrte auf seine Schuhe, Schnürschuhe, blitz-blank, tiefschwarzer Lack. Die Bändchen fielen exakt in gleicher Länge in Form wohl gerundeter Schleifen auf das Oberleder. Schwarzer Anzug mit dezentem Nadelstreifen, blütenweißes Hemd, ein zarter Geruch eines bekannten Rasierwassers umwehte den Bewerber. Das war also der Mann, den Naumann unbedingt für die Werkstatt haben wollte. Jetzt ging es nur darum, ihn zu günstigen Bedingungen zu bekommen. Der Boss stand auf und reichte dem Besucher seine Hand:

Willkommen bei Hemdenschmitt GmbH und Co. KG, auf das Co legte er Wert, denn schließlich steckte hier sein Geld.

Ich heiße Friedrich Naumann, setzen Sie sich doch!

Guten Tag, mein Name ist, Sigismund Siegmund. Sie können, wie alle Anderen, mich gern Sigi nennen!

Ja, ja, ich weiß, Sie sind doch angemeldet! Setzen Sie sich! Frau Schneider hat mir noch einmal ihre Unterlagen hereingereicht.

Der Herr Direktor quetschte seine Leibesfülle hinter den Schreibtisch, griff sich eine Zigarre aus einem Kästchen, langte noch einmal hinein und legte die zweite in der Nähe des Besuchers auf die Tischkante.

Für Sie, mein Lieber, damit wir in Ruhe plaudern können!

Danke, ich bin Nichtraucher.

Seine blauen Augen leuchteten auf, denn vor drei Jahren hatte er sich mit großer Quälerei das Rauchen abgewöhnt.

Ich darf doch?

Sigismund nickte zustimmend. Der Chef paffte los und stieß Rauchkringel in die Luft. Gleichzeitig begann er in den Unterlagen des Bewerbers zu blättern. 1950 in Suhl, Thüringen geboren, dann mittlere Reife, Lehre als Feinmechaniker in einem VEB, bis 1969 im Lehrbetrieb, 1982 Flucht in die BRD, danach Anstellung bei der Firma Pfaff .

Ich muss schon sagen, Sie haben sehr gute Zeugnisse. Donnerwetter! Respekt! Nur hier fehlt mir sehr viel Zeit, es sind die Jahre 1969 bis 1982. Was war denn damals? Haben Sie nicht gearbeitet? Sigismund wurde blass. Das hatte er sich gedacht. Er überlegte, kniff seinen schmalen Mund noch enger, schnüffelte voller Unruhe mit seiner großen Nase und hustete in die Stille hinein.

Herr Direktor, damals lebte ich im Osten. In Thüringen, DDR. Ich sage es Ihnen einfach, wie es war. Ich habe gesessen. In Bautzen. Zehn Jahre haben sie mir verpasst, Republikflucht, Verwahrlosung, Defätismus. Wegen guter Führung bekam ich 24 Monate erlassen. Habe als Monteur im Elektro- und Mechanikerbereich gearbeitet. Müsste eigentlich ein Stückchen Papier bei meinen Unterlagen liegen, machte meine Gesellenprüfung, damals in Bautzen.

Naumann starrte die ganze Zeit auf Sigismunds Schuhe. Immer wieder dachte er, wie macht es der Kerl nur, dass die Bändchen so liegen? Inzwischen hatte er endlich die Deutsche-Demokratische-Republikanische-Bescheinigung gefunden.

Das liest sich ja gut, mein Lieber. Ausgezeichnete Noten! Sogar ein schriftliches Lob und ein kleiner Orden! Na bitte, war wohl von Herrn Honnecker? Ha, ha, sollte ein Scherz sein!

Sigismund lächelte gequält, fuhr sich mit den Fingern seiner rechten Hand durch schütteres, braunes Haar und antwortete:

Nach dieser Zeit bin ich in den Westen gekommen. Abgeschoben, Gott sei Dank! Hatte hier immer Arbeit gehabt und habe sehr gutes Geld, vor allem bei der Firma Pfaff, verdient.

Das können Sie auch bei uns. Daran soll es nicht scheitern. Wir machen einen Arbeitsvertrag. Die Probezeit beträgt ein halbes Jahr. Das reicht, dann wissen wir, was Sie können und wer Sie sind. Sie starten am ersten April 1984. Schlagen Sie ein.

Der Boss reichte dem Techniker seine Rechte, dieser griff zu und drückte kräftig die fremde, etwas wabbelige Hand. Das Geschäft war perfekt. Friedrich Naumann war mit sich zufrieden. Plötzlich, wie ein Blitz, fiel ihm der unbarmherzige Konkurrenzkampf in der Textilbranche ein. Er musste sich von dem Bewerber eine Zusicherung geben lassen.

Auf ein Wort, Herr Siegmund, ich bitte Sie um strengste Vertraulichkeit, noch ist alles Zukunftsmusik. Unsere Auftragslage ist hervorragend und wir überlegen, die Fertigungskapazitäten zu erhöhen, das geht nur über einen Erweiterungsbau. Andererseits ist Ihnen sicherlich der Verdrängungswettbewerb bei uns Textilern bekannt. Die Ersten beginnen schon damit, die Fertigung auszulagern, Hongkong, Singapur, China, Bangladesh, der ganze Osten will für uns arbeiten. Also, im Vertrauen, unser Vorstand, die Herren Schmitt und Schneider sind drüben, in Ostasien. Sollten wir dort geschäftlich einsteigen, brauchen wir echte Kerle, Pioniere, die für die Firma durch das Feuer gehen! Wie sieht es mit Ihnen aus, würden Sie mitmachen?

Wenn das Geld stimmt, bin ich immer dabei! Passt ganz gut, bin noch ledig, frei wie ein Vogel!

Toll, wir zählen auf Sie!

Sigismund erhob sich, dankte und verabschiedete sich. Als er durch die Empfangshalle ging, meldete er sich bei der hinter einer Balustrade sitzenden Dame:

Ich geh noch in die Fertigung zu Bernhard Bauer!

Ist in Ordnung, Sie wissen ja Bescheid.

Sigismund stieß das schwere, Feuer hemmende Stahltor zur Fertigung auf. Lärm, zuckender, ratternder Nadelstichkrach von 120 Arbeitsplätzen schlug ihm entgegen. Staub tanzte in Sonnenstrahlen, er holte tief Luft, bevor er in diese Arbeitswelt eintauchte.

Dann wandte er sich nach links, durchschritt den Quergang, vorbei am getrennten Zuschneidebereich bis hin zur östlichen Lauffläche und marschierte auf dieser bis zur Werkstatt nach Süden, dort bis zum Büro des Fertigungsleiters. Unterwegs, er kannte die von Nord nach Süd stehende Halle, da er als Pfaff-Mechaniker hier oft arbeitete, hörte er weibliche Stimmen:

Sigi ist wieder da!

In sich hinein lächelnd öffnete er die einfache Bürotür zu Bernhard. Sie kannten sich, sie duzten sich. BB, die Betriebsbezeichnung des Fertigungsleiters von Bernhard Bauer, hatte der Verwaltungschef, ein fanatischer Kürzelschreiber, erfunden. Nach der Begrüßung bot Bauer dem Besucher seinen einzigen Stuhl an, ein altes, schäbiges, abgesessenes Möbel, das als armer Sünderstuhl in der Halle bekannt war.

Berichte, was gibt es Neues? eröffnete BB das Gespräch.

Mein Lieber, zum ersten April fange ich bei euch an! Der Herr Naumann hat mich als Leiter der Technik eingestellt. Das angebotene Gehalt stimmt, ist immerhin knapp 30% mehr bei Pfaff und da habe ich gleich eingeschlagen. Außerdem scheint mir die Firma für die Zukunft gut gerüstet zu sein! Was sagst du dazu?

Bernhard strahlte über das ganze Gesicht.

Toll! Herzlichen Glückwunsch! Wird auch Zeit, dass etwas in der Technik sich rührt, sind total überlastet, die Jungs, haben keine Organisation in ihrer Bude, aber das wirst du hinkriegen. Auf gute Zusammenarbeit!

Bernhard reichte Sigismund die Hand, sie sahen sich in die Augen und grinsten.

Da werden sich unsere Burschen wundern, setzte Bernhard das Gespräch fort, die Sechs machen so ungefähr alles, was sie wollen, vor allem Murks. In der Frühschicht ist einer von den Dreien fast immer krank und in der Spätschicht sieht es nicht besser aus. Manchmal weiß ich nicht, wie ich durchkommen soll!

Lass mal gut sein, das kriegen wir schon hin! Wünsch dir noch einen guten Tag!

Ja, mach es gut!

Sigismund schaute noch in der Technik vorbei, die beiden Anwesenden guckten verdutzt, als er ihnen erklärte, dass er hier als ihr Chef anfangen würde. Kaum war er verschwunden, steckten sie die Köpfe zusammen und berieten die neue Lage.

Der erste April kam und der Leiter der Technik stand pünktlich um sechs Uhr zum Beginn der Frühschicht vor dem Eingangstor von Hemdenschmitt. In den folgenden Monaten wurde Sigi streng überwacht. Arbeitskollegen, besonders der Betriebsratsvorsitzende, aber auch Abteilungsleiter und die Geschäftsleitung bildeten sich ihre Meinung von dem neuen Mann. Immer kam dieser äußerst korrekt gekleidet und pünktlich zur Arbeit. Alles an ihm war exakt, gerade, sauber, rein, adrett, klar und die Schuhbändchen lagen immer in genau gleichen Schleifen auf der Fußbekleidung. Er sprach beherrscht, vermied Flüche und redete in kurzen, verständlichen Sätzen. Sigi war ein Tüftler, der stundenlang Maschinenfehler suchen konnte und diese anschließend mit sehr viel Geduld reparierte. Seine Mitarbeiter führte er geschickt, aber auch streng durch die Arbeitszeit und schon nach wenigen Wochen gingen die Krankmeldungen zurück, ab Juli waren sogar alle Herren gesund und arbeiteten voller Eifer. Sigismund hatte seine Leute derart eingeteilt, dass die in jeder Schicht jeweils ein Techniker für ein Förderband und den daran angeschlossenen Arbeitsplätze zuständig war. Also Band A der Techniker A, Band B und Band C jeweils ein anderer von den Burschen. So entstand gesunder Wettbewerb unter den Mechanikern. Hatte B seinen Laden in Ordnung, konnte er lässig die Schicht absitzen, während sein Kollege von Maschine zu Maschine raste. Eine weitere Neuerung war das 10-Prozent-Prinzip. Der gesamte Maschinenpark wurde entsprechend erweitert. Zu den sechs Knopflochmaschinen kam eine weitere hinzu und die 114 Nähmaschinen vermehrten sich sogar auf 130 Einheiten. So konnten die notwendigen größeren Reparatur- oder Wartungsarbeiten in Ruhe in der Werkstatt durchgeführt werden und die Kriecherei und das Fluchen am direkten Bandarbeitsplatz gehörten der Vergangenheit an. Traten bei den Förderbändern Probleme auf, so musste selbstverständlich vor Ort der Fehler behoben werden. Dies waren immer schlechte Bedingungen, da dann 40 Arbeitsplätze ausfielen. Die organisatorischen Verbesserungen wurden von der Geschäftsleitung, aber auch von Bernhard Bauer und den anderen Führungskräften, besonders von den Bandleiterinnen, sehr gelobt.

Der technische Leiter arbeitete in der Frühschicht und darüber hinaus bis weit in die frühen Abendstunden hinein. Um seine Leute zu kontrollieren, begann er in seiner sechsten Arbeitswoche damit, überraschend um zwölf Uhr aufzutauchen, blieb aber dann bis zum Schichtende um 10 am späten Abend. Seine Abteilung war bald vorbildhaft für das ganze Unternehmen.

Am zweiten Freitag im September ließ Direktor Naumann durch seine Vorzimmerdame, Frau Schneider, beim Leiter der Produktion, Herrn Bauer anrufen und darum bitten, zu einer kurzen Besprechung um elf in sein Büro zu kommen. Er solle Herrn Siegmund mitbringen. Schon eine halbe Stunde vor dem Termin ging der Produktionsleiter in die Technik. Sigi und er rätselten herum, was der Boss von ihnen wolle. Sie überlegten, ob sie genügend gut gekleidet wären, kamen aber zu der Ansicht, dass Arbeit nicht schändet und sie ohne weiteres im Blaumann und Bauer im weißen Kittel in das Allerheiligste gehen konnten. Sigi allerdings band seine Schuhbändchen neu. Fünf Minuten vor der Zeit standen sie bei Frau Schneider im Büro.

Sehr schön, die Herren, der Alte wartet schon. Bringe auch gleich Kaffee.

Dann tippte sie auf ihre Gegensprechanlage und meldete die Beiden an. Verzerrt quakte Naumann aus dem Lautsprecher:

Herein mit ihnen!

Frau Schneider huschte aus ihrem Sessel, sprang zur gepolsterten Tür des Chefzimmers, riss diese auf und meldete:

Herr Bauer und Herr Siegmund!

Direktor Naumann kam ihnen entgegen, gab jedem die Hand und bat darum, Platz zu nehmen. Wieder schaute er auf die exakten Kringel von Sigis Schuhbändchen. Er begann:

Meine Herren, die Sommersaison geht zu Ende und ich möchte Ihnen mein Lob für ihre ausgezeichnete Leistung aussprechen! Weiter so! In ungewöhnlich vielen Überstunden haben Sie, Herr Siegmund, hervorragend organisatorische Maßnahmen eingeführt und Sie, Herr Bauer, ihren Stellvertreter, Herrn Meyerlein, ausgezeichnet in die Spätschicht eingearbeitet. Gratulation! Als kleine Anerkennung dachte ich, Sie fahren nach London! Was sagen Sie dazu? Sie können doch Englisch?

Sigi antwortete gleich mit "Selbstverständlich", Bauer aber blieb stumm.

Dann ist ja alles klar. Frau Schneider besorgt die Reservierungen, die Flugtickets, Hotels und Spesen in englischen Pfundnoten. Nehmen Sie sicherheitshalber ihr Scheckheft mit!, hier grinste der Herr Direktor etwas und fuhr fort: "In der ersten Oktoberwoche wird im Alexandra Palast eine kleine Messe für Stoffe, Ausrüstung und Verarbeitung stattfinden. Ich fand den Hinweis im Blatt unserer Industrie- und Handelskammer. Sie sollten diese Gelegenheit nutzen, sich über die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet zu informieren. Frau Schneider besorgt Ihnen die Eintrittskarten für den dritten und vierten Oktober von der IHK in Osnabrück. Sie können am zweiten Oktober von Bremen fliegen und kommen am fünften des Monats zurück. Was halten Sie davon?"

Bauer dachte, typisch Boss, Belohnung mit Arbeit verbinden! Doch ehe er etwas sagen konnte, platzte Sigi schon heraus:

Prima, das machen wir gern! Danke!

Naumann strahlte, Bernhard dankte ebenfalls und murmelte etwas von dem Vertrauen, dass der Herr Direktor in sie setze.

Frau Schneider wusste schon, dass sie reisen würden, denn aus Neugier hatte sie ihre Gegensprechanlage nicht ausgeschaltet. Als beide Herren zurück waren, der Produktionsleiter saß schon wieder an seinem Schreibtisch und Sigi auf dem Armensünderstuhl, fragte Bernhard:

Kannst Du wirklich gut Englisch? Ich kann kein Wort!

Sigi antwortete lässig:

Na klar, mach Dir mal keine Sorgen, hab ein paar Semester Volkshochschule hinter mir!

Der Tag der Reise war schneller da, als die beiden Mitarbeiter von Hemdenschmitt dachten. Sie mussten am frühen Morgen los. Die Lufthansamaschine startete um 7.30 und bis zur alten Hansestadt im Norden benötigten sie mehr als eine Autostunde. Die Fluggesellschaft bestand darauf, dass sich die Passagiere eine halbe Stunde vor dem Start am Abflugschalter einzufinden hatten. Also um vier Uhr, mitten in der Nacht, aus dem Bett, Berni schauerte es. Duschen, frühstücken, gute Ratschläge anhören, Frau beruhigen und schon eine Viertelstunde vor fünf hupte Bernhard Bauer vor der Tür vom Sigi. Trotz einzelner frühherbstlicher Nebelschwaden kamen sie zügig durch und schon kurz vor sechs parkte Bernhard den Wagen auf der großen, grünen Wiese in der Nähe des Airports.

Sigi und er suchten ihr Reisegepäck zusammen und schlenderten zum Haupteingang des Flughafengebäudes. Ein etwas seltsames Pärchen, denn schon ihre Größe, aber auch ihre Figuren, waren recht ungewöhnlich. Bernhard, nur 170 cm groß, dazu schon etwas beleibt, mit schütterem Haar, daneben Sigi, der lange, dürre Lulatsch mit fast 2 Metern. Dem Herrn Produktionsleiter war alles etwas peinlich, obwohl weit und breit kein Mensch zu sehen war. Sein Kollege trug einen alten, fleckigen Rucksack, auch seine Reisetasche war nicht neu. Zusätzlich schleppte Sigismund eine Doppel-Acht-Filmkamara von Bauer mit, die er schon beim Anmarsch auf das Terminal einsetzte. Die Morgendämmerung hatte erst begonnen, sodass der Techniker im Halbdunkel das aus sich leuchtende Gebäude aufnahm, Bernhard aber sicher war, dass dies wohl nichts werden würde. Er beschloss, sich auf der Reise vom Techniker fern zu halten, so zu tun, als ob sie nicht zusammen gehörten.

Heute Morgen war es empfindlich kühl, nur fünf Grad waren vorher gesagt, auch blies ein kräftiger Wind, in Böen bis Stärke neun hatte das Autoradio gemeldet. Vielleicht wird nicht geflogen, dachte Bernhard, als er die Halle betrat. Sein Kumpel stolperte die breiten Stufen hoch, denn er guckte nur noch durch den Sucher seines schnurrenden Apparates. Nach einigen Minuten, in denen sie versuchten, sich zurecht zu finden, sahen sie den Schalter der Luftlinie. Er war noch nicht geöffnet. Unschlüssig blieben beide in der Nähe stehen, denn sie waren neu, ahnungslos, wie die ganze Sache ablaufen würde. Bernhard nahm sich vor, sicher aufzutreten, kein Mensch sollte merken, dass dies sein erster Flug war. Er wollte sich doch nicht blamieren. Zu Sigismund gewandt fragte er:

Bist du denn schon mal geflogen?

Na klar, Segelflugzeug, damals im Thüringer Wald! War ein guter Pilot, wollte mit einem Kameraden in den Westen abhauen, einfach so, du weißt doch, über den Wolken..., ging aber nicht, die Schweine von der NVA hatten alle Startplätze gesperrt!

Da hast du ja deine Erfahrungen gemacht!

Nach wenigen Minuten tauchten zwei bildschöne Damen in gut sitzenden, blauen Kostümen auf, schlossen Türen und Klappen mit Schlüsseln auf, schalteten das Licht an und das Telefon ein.

Wollen Sie nach London einchecken?, riss die kleinere Maid Bernhard aus seinen Beobachtungen.

Ja, ja, ich denke schon. Hier geht es doch nach England, direkt nach London? Ich bin doch richtig?

Na klar, junger Mann. Sie sind wohl noch nicht so oft mit uns geflogen? Macht nichts, wir passen auf!

Sie strahlte Berni an. Er wurde rot, richtig rot, bis über beide Ohren. Er dachte, halt die Klappe, sonst machst du dich noch lächerlicher. In diesem Augenblick drängte sich Sigismund neben ihm an den Schalter.

Ich will auch mit! Wir gehören doch zusammen! Muss doch auch nach London!

Ganz ruhig bleiben! Jeder kommt hier dran, immer nach der Reihe!, die Kleine wurde richtig amtlich.

Ihr Ticket und ihren Pass bitte!, herrschte sie Bernhard an, Sie kommen gleich dran, schnurrte sie ihn Richtung Sigi. Ihre Kollegin grinste, sie konnte ihr Lachen kaum unterdrücken. Bernhard kramte seine Unterlagen aus seiner Jacketttasche und reichte ihr die Papiere.

Oh, der Pass ist noch ganz neu, ist wohl ihr erster Flug? Gleich so weit weg! Richtig unternehmerisch, ich muss schon sagen weltmännisch!, dabei kniff sie ihrer Kollegin ein Auge zu. Berni fühlte sich etwas verarscht, doch blieb er ruhig und auch die Röte zog aus seinem Gesicht.

Wir wollen zusammen sitzen!, krähte Sigi dazwischen, doch die Maid blieb cool, wir haben freie Sitzwahl an Bord, da müssen Sie schon selbst sehen!, zu Bernhard gewandt erklärte sie:

Also, dies hier ist das Gate 7 B, ihr Warteraum, dabei hielt die Kleinere einen Streifen Papier vor seine Nase, tippte mit ihrem Kugelschreiber auf eine eingekreiste Stelle und sie müssen um halb sieben dort sein. Den Raum finden Sie diesen Gang rechts entlang bis zu seinem Ende, dann links um die Ecke, danach gerade aus. Das ist ihre Bordkarte, nicht verlieren, sonst bleiben Sie hier in Bremen. Ihr Gepäck bekommen Sie in London, dort müssen Sie das entsprechende Laufband suchen! Ich wünsche Ihnen einen guten Flug und alles Gute!

Die Luftbodenabfertigungsdamen tuschelten miteinander, nette Paxe, diese beiden Grünhörner, und die Große meinte Hast du die Schuhbändchen von dem Langen gesehen? Gleiche Schleifen auf schwarzem Lackleder, vornehm! Bernhard Bauer aber, war etwas durcheinander ging zurück in den Gang, wartete auf Sigi. Der kam bald und beide wandten sich zum linken Flur, liefen los. immer weiter, alle Luftlinien der Welt schienen hier ihre Schalter zu haben. Sie erreichten das Ende des Gebäudes, ihren Warteraum 7 B allerdings nicht. Sie waren auf der falschen Seite. Also umgedreht, zurück, andere Richtung, Sigi filmte schon wieder, hielt den Filmapparat an die Fensterscheibe an der rechten Seite. Vorbei an den Lufthansatanten, die winkten, hatten Zeit, keine Paxe in Sicht. Beide Herren liefen nun schneller, rechts vom Eingang den langen Gang entlang, dann links um die Ecke, geradeaus, ah, da waren sie, endlich! Gate 7 B. Hinter einer Theke zwei Damen, in Blau, sie grinsten, als sie den Kurzen und den Langen sahen.

Langsam, langsam, begann die Linke sie anzusprechen, wir haben genügend Zeit! Ihre Bordkarten bitte!

Bernhard zog als Erster seine Karte, dann Sigismund, die Blaue sagte okay und rein mit Ihnen und sie waren drin, im Gate, im Warteraum zum großen Glück! Auf in Reihen aneinander gekoppelten, schwarzen Plastiksesselchen warteten schon einige Fluggäste. Rechts neben dem Eingang stand ein fahrbares Gestell, behangen mit Beuteln in Taschenform, darüber der Hinweis:

Lufthansafrühstück - Bitte bedienen Sie sich!

Jeder der Beiden schnappte sich ein Täschchen, fast gleichzeitig schauten sie hinein, eine Orange, ein Getränk in Plastik, ein belegtes Minibrötchen eingewickelt in Kunstofffolie, das war die ganze Herrlichkeit. Dann fand Sigi noch ein Probiertäfelchen Milka-Schokolade, das er auf der Stelle vernaschte.

Bald wurde es unruhiger, viele der Wartenden versammelten sich vor einer Tür, über der pausenlos LONDON in den Raum blinkte.

Der Flug LH 51 nach London ist nun zum Einsteigen bereit. Heute ist freie Sitzwahl. Bitte drängeln Sie nicht!

Die Mitarbeiter der Firma Hemdenschmitt klebten in ihren Sesseln. Abwarten war ihre Devise, denn sie wussten nicht, was hinter der Tür auf sie wartete. Sie waren die Letzten, die sich bei einer der blauen Damen vorbei drängten. Diese riss von ihren Bordkarten zwei Drittel des Papiers ab und zählte dabei die Reisenden.

Die Neulinge hatten wenig Bordgepäck, Berni eine ältere Aktentasche seines Vaters, Sigi die stark abgeschabte Einkaufstasche aus der DDR. Zusätzlich die Frühstücksbeutel der Fluggesellschaft. Draußen vor der Tür stand ein großer langer Autobus, ein Ungetüm, mit einem beweglichen Teil in der Mitte. Sehr viele Fahrgäste standen in dem Vehikel, obwohl die meisten Sitzplätze frei waren. Die Männer von der Firma Hemdenschmitt setzten sich auf die letzte Bank. Einige Reihen vor ihnen kicherten drei super aufgemachte Dämchen, Models, meinte Sigismund, er musste es ja wissen. Sie trugen Mäntel in den Farben Rosa, Blau und Türkis. Neben ihnen standen zwei Herren im schlichten grauen Flanell, entsprechend abgestimmten Krawatten, sehr edel, vornehm, obwohl die Damen eher an Papageien denken ließen.

Bald fuhren sie beim Flugzeug vor. Vor den Fahrzeugtüren entstand Gedränge, alle schoben und drückten hinaus, eilten zu zwei fahrbaren Treppen, über die in den Flieger eingestiegen wurde. Die Ersten fanden die besten Plätze, wo aber saß man am Schönsten, am Sichersten? Die Hemdenschmittmänner standen unschlüssig an der vorderen Treppe, irgendwie waren sie irritiert. Sie kletterten zuletzt nach oben, der lange Sigismund voran, tief bückte er sich und knickte den Oberkörper ab. Dahinter, klein, erhobenen Hauptes, der Produktionsleiter. Der Herr Techniker lief noch immer im rechten Winkel zwischen den Sitzplätzen nach hinten. Fluchte innerlich vor sich hin, so eng und so verflucht niedrig hatte er sich die Überdruckkabine nicht vorgestellt. Rechts und Links waren alle Plätze belegt, nur ganz hinten am Schwanz, wo die Bordtoilette stank, winkte ein Herr und deutete neben sich, dieser Sitz war noch frei. Sigi krabbelte weiter in der Röhre, angekommen murmelte er etwas von am Fenster sitzen, wegen Filmen, schlängelte sich auf die vom winkenden Herrn gegenüber liegende Seite auf den freien Fensterplatz. Sein Kollege setzte sich neben den Fremden, nachdem er seine Aktentasche und den Frühstücksbeutel in die offene Gepäckablage gelegt hatte. Der Essenbeutel platzte auf, die Orange fiel dem Vordermann auf den Kopf, von da auf den Boden der Maschine und kollerte irgendwo hin, weit nach vorn. Alle drehten sich um, starrten ihn an, auch die aufgedonnerte in Rosa. Sofort kam eine Stewardess in Blau und knurrte:

Sie Greenhorn, können Sie nicht aufpassen? Ihr Frühstück können Sie doch in den Händen halten und die alte Tasche gehört unter den Sitz des Vordermannes! Die rutscht doch hin und her, dort können Sie besser einen Fuß darauf stellen!

Wieder war er rot geworden. Sein Sitznachbar redete auf ihn beruhigend ein:

Nun setzen Sie sich erst einmal hin! So sind die hier mal, alles halb so schlimm. Jeder muss mal mit der Fliegerei anfangen. Hier, wollen Sie auch einen Schluck?

Berni starrte entgeistert auf das Bommi-Portionsfläschchen in der Hand seines Nachbarn. Es schüttelte ihn.

Nee, danke, ist noch zu früh.

Ich schluck auch nur zur Beruhigung das Zeug. Flugangst, wissen Sie!

Dann setzte er das Fläschchen an den Hals und gluckerte in sich hinein.

Prost!, entfloh es dem Herrn Produktionsleiter Bauer.

Ja, ja, danke, wissen Sie, ich fliege viel, aber trotzdem immer Schiss! Vor kurzem musste ich nach Lissabon, bin damals mit den Spaniern geflogen! Mann, die hatten einen tollen Rotwein! Bei der alten, klapprigen Mühle fiel über Frankreich das linke Triebwerk aus! Ich sag Ihnen, die haben nachgeschenkt, die Mädels, wir konnten gar nicht so schnell schlucken, wie die mit der nächsten Sendung neben uns standen! Wir waren alle stockbesoffen, alle im Flieger, als wir ankamen, mein Lieber, ist eine ältere Dame auf allen Vieren in die Zollabfertigung gekrochen!

Bernhard staunte nur.

Inzwischen rollte die Maschine zum Start. Vorn,

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