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LOUD! Die Geschichte der Rockmusik
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eBook897 Seiten7 Stunden

LOUD! Die Geschichte der Rockmusik

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Über dieses E-Book

Von ihren Anfängen in den fünfziger Jahren bis ins neue Jahrtausend verfolgt dieses Buch die gesamte Entwicklung der Rockmusik: Welche Einflüsse gab es, welche Verbindungen? Was wiederholte sich? Was war wirklich neu? Und – was eigentlich ist Rockmusik? Wie eng dürfen die Grenzen gefasst sein? Zählen Girls Groups dazu? Oder Rapper? World Music und Casting Shows? Vom Rock'n'Roll der fünfziger Jahre über den bluesigen Hardrock der Siebziger, über die New Wave of British Heavy Metal bis hin zum Grunge, Crossover und Classic Rock – dieses umfangreiche Kompendium deckt alles ab.
SpracheDeutsch
HerausgeberXinXii
Erscheinungsdatum16. Feb. 2014
ISBN9783927447042
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    Buchvorschau

    LOUD! Die Geschichte der Rockmusik - Corinne Ullrich

    LOUD!

    Die Geschichte der Rockmusik von 1950 bis 2010

    von

    Corinne Ullrich

    Phantom Verlag, Berlin

    www.phantomverlag.de

    LOUD!

    Die Geschichte der Rockmusik von 1950–2010

    © Corinne Ullrich, 2001 und 2013

    ISBN 978-3-927447-04-2

    Phantom Verlag, Berlin

    www.phantomverlag.de

    veröffentlicht im Januar 2014

    E-Book Distribution: XinXii

    http://www.xinxii.com

    Inhaltsverzeichnis

    DIE FÜNFZIGER JAHRE

    ROCK’N’ROLL

    ROCK’N ‘ROLL IN EUROPA: ENGLAND

    DEUTSCHLAND

    DIE SECHZIGER JAHRE

    Die sechziger Jahre im Überblick

    MERSEYBEAT

    DIE BRITISCHE INVASION

    DEUTSCHLAND

    DIE LONDON-BLUESSZENE

    AMERIKAS ANTWORT

    FOLK

    POLITIK UND DROGEN

    1967 – THE SUMMER OF LOVE

    FREMDE KULTUREN: INDIEN UND MAROKKO

    RADIKALE POLITIK

    DEUTSCHLAND: ROCK UND REBELLION

    POLITISCHE UND MUSIKALISCHE UNRUHEN

    ART- ODER PROG-ROCK VORLÄUFER

    ROCK-GIGANTEN

    DIE SIEBZIGER JAHRE

    Die siebziger Jahre im Überblick

    TOD UND GEWALT

    MITTELALTER IN DER ROCKMUSIK

    SINGER/SONGWRITER

    COUNTRY UND FOLK

    POLIT-ROCK IN DEUTSCHLAND

    LET IT ROCK

    GLAM-ROCK

    ELEKTRONISCHE MUSIK IN DEUTSCHLAND

    JAZZROCK

    GLAM ROCK

    SINGER-SONGWRITER

    DIE SUPERGROUPS DER SIEBZIGER

    PROGRESSIVE ART ROCK

    ROCK IN AMERICA

    KALTER NEW YORK-SOUND

    DEUTSCHLAND: DEUTSCHE TEXTE

    AMERICAN ROCK

    HEAVY METAL

    ADULT-ORIENTED ROCK IN AMERIKA

    MELODIÖSER ROCK

    ROCK IN DEUTSCHLAND

    ROCK POMPÖS

    TOD DER IKONEN

    DISCOMUSIK

    REGGAE

    PUNK

    ROCK LADIES

    ELEKTRONIK

    HEAVY METAL

    SONGWRITER

    ROCKMUSIK IN DEUTSCHLAND

    DIE ACHTZIGER JAHRE

    Die achtziger Jahre im Überblick

    BEGINN DER DEKADE

    TECHNISCHE ENTWICKLUNG

    ROCKGIGANTEN

    ROCKABILLY

    COMEBACKS

    BLUES

    GITARRISTEN

    HEAVY METAL

    NEW WAVE OF BRITISH HEAVY METAL

    METAL IN AMERIKA

    SPEED-, THRASH- UND DEATH METAL

    GLAM METAL

    PROGRESSIVE METAL

    HARDROCK UND HEAVY METAL IN DEUTSCHLAND

    FRAUEN IM HARD ROCK

    HARD ROCK IN AMERIKA

    HIP HOP UND RAP

    MEGA-STARS OF POP

    ELETRONIC ROCK

    DIE AUSLÄUFER DES PUNK

    GOTHIC

    NEW ROMANTICS

    NEW WAVE

    HARDCORE

    THE MISERABLE ELITE

    DEUTSCHER PUNK

    NEUE DEUTSCHE WELLE

    DEUTSCH-ROCK

    MULTI KULTI

    DIE MEGASTARS DER ACHTZIGER

    AMERICAN ROCK

    BENEFIZKONZERTE

    SINGER/SONGWRITERINNEN

    POLIT-ROCKER

    SKA – BRITISCHER REGGAE-MIX

    AMERICAN ROCK

    DIE NEUNZIGER JAHRE

    Die neunziger Jahre im Überblick

    POLITISCHER ROCK

    GRUNGE

    BLUES-ROCK

    ALTERNATIVE ROCK

    FESTIVALS

    CROSSOVER

    CROSSOVER IN DEUTSCHLAND

    HARDCORE

    PUNK

    DEATH METAL

    SCHOCK ROCK

    HEAVY METAL

    INDUSTRIAL ROCK

    ROCK’N’ROLL

    BLUES

    ALTE GARDE

    TODESFÄLLE

    SUPERSTARS

    US-ROCKER

    ROCKLADIES

    INNOVATION

    BRIT-POP

    DEUTSCHLAND IN DEN NEUNZIGERN

    TECHNO

    DEUTSCHER HIP HOP – RAP IN DEUTSCHLAND

    GANGSTA RAP UND HIP HOP

    TRIP HOP

    DEUTSCHLAND: DIE NEUE DEUTSCHE HÄRTE

    MILLENIUM – DAS NEUE JAHRTAUSEND

    Das neue Millenium im Überblick

    SUPERSTARS UND GRENZGÄNGER

    UNERWARTETE COMEBACKS

    NU METAL

    DIE FOLGEN DES BRIT-POP

    GIGANTEN: ZURÜCK ZU DEN WURZELN

    REVIVAL OF ROCK

    RAP UND HIP HOP

    DEUTSCH-ROCK GRÖSSEN

    DER AMERIKANISCHE ALPTRAUM

    KONZERTE

    HERAUSFORDERUNG INTERNET

    HEAVY METAL

    MITTELALTER-ROCK IN DEUTSCHLAND

    METAL IN DEUTSCHLAND

    GOTHIC SZENE IN DEUTSCHLAND

    REGGAE AUS DEUTSCHLAND

    SOUL IN DEUTSCHLAND

    HIP HOP UND RAP

    ROCK IN DEUTSCHLAND

    DEUTSCHE SINGER-SONGWRITER

    EUROVISION HYPE

    CASTING SHOWS

    ENGLANDS ROCK-IKONEN

    ROCK IN DEN USA

    ENGLAND

    NEWCOMER

    FRAUENPOWER

    RETROMANIA

    RESÜMEE

    Danksagungen

    Quellenverzeichnis

    CHART Bücher

    MAGAZINE

    DIE FÜNFZIGER JAHRE

    ROCK’N’ROLL

    Amerika in den Fünfzigern: Der Krieg war gewonnen, die Wirtschaft wuchs, das Leben war schön, etabliert und verlief in geordneten Bahnen. Zum ersten Mal konnte sich auch der Mittelstand „etwas leisten", konnte die breite Masse einen Lebensstandard erreichen, von dem frühere Generationen nur hatten träumen können.

    Luxusgüter wie Kühlschrank und Waschmaschine erleichterten das Leben der Hausfrauen, enthoben sie der Mühsal und Plackerei früherer Generationen, erlaubten ihnen sich selbst zuzuwenden, sich zu pflegen und zu verwöhnen, zu cremen, zu maniküren, zu frisieren. Man war stolz auf den errungenen Wohlstand. Transportiert wurden diese Werteunter anderem über das Fernsehen, das innerhalb kürzester Zeit zu einem Massenmedium in Amerika geworden war.

    Die Werbung zeigte glückliche Familien mit wohlerzogenen bravgescheitelten Kindern, Männern, die zur Arbeit gingen und Frauen, die ihre höchste Erfüllung darin sahen, für ihre Familie ein schönes Heim zu schaffen. Es regierte der schöne Schein, was unter der Oberfläche brodelte wurde negiert und ignoriert.

    Dahinein explodierte mit unbändiger Kraft und wilder Rauheit eine Musik, die die hübschen Bilder der glücklichen Welt zerfetzte, die an Instinkte appellierte, die das Leben bei den Wurzeln packte, kompromisslos Leidenschaften ansprach, die unter der Oberfläche existierten. Das neue Lebensverständnis war fasziniert vom Ungehobelten und Rebellischen, zeigte Menschen, die den Mut hatten, die Brüche und die innere Zerrissenheit darzustellen, die sie alle kannten – doch sich normalerweise nicht zu zeigen trauten.

    Schauspieler waren in dieser Hinsicht die ersten ‚Rock‘n‘Roll‘-Stars. In „Der Wilde (1953) und „Die Faust im Nacken (1954) zeigte Marlon Brando zum ersten Mal eine grobe Seite, hinter der doch immer eine große Empfindsamkeit offensichtlich wurde. DAS Idol schlechthin aber wurde der sensible James Dean, der in jedem seiner drei Filme so offensichtlich am Leben scheiterte, der mit enthüllender, geradezu erschreckender Offenheit eine Emotionalität auf die Leinwand brachte, die die Jugendlichen in ihrem Innersten traf.

    Ein Film war es auch, der für die Verbreitung des Rock‘n‘Roll sorgte: „Saat der Gewalt" (Blackboard Jungle, 1955): Ein Lehrer (Glenn Ford) muss an einer New Yorker Berufsschule mit brutalen Jugendlichen fertigwerden. Der Film erhielt gleich vier Oscar-Nominierungen. Bill Haley und seine Band, die Comets hatten mit 'Rock Around The Clock' den Titelsong des Filmes und damit DIE Hymne der Jugend geschrieben. Als der Film und mit ihm der Song im Frühjahr 1955 in die Kinos kam, elektrisierte ihre Aggressivität die Jugend in der ganzen Welt. Hier sprach jemand ihre Sprache, mit Worten ebenso wie mit dem hämmernden Rhythmus.

    Schon im April 1954 hatte Bill Haley mit seiner Band, den Comets, „Rock Around the Clock aufgenommen – ohne damit großes Aufsehen zu erregen. Erst als der Song, mit dem Film in die Kinos kam, schlug er voll ein: Krawalle bei den Filmaufführungen und Berichte über tobende Teenager, die das Kino auseinandernahmen, erweckten den Eindruck der Song sei ein Aufruf zur Rebellion, und so wurde er zur Hymne aufmüpfiger Teenager weltweit. Haley fasst es so zusammen: „Sinatra war passé, Glenn Miller war passé ( …) und wir bieten einen ganz einfachen Beat, zu dem die Kids tanzen konnten.

    Schon die Wahl des Wortes Rock‘n‘Roll fasste das wesentliche Element der Musik zusammen und war eine Provokation: Rock‘n‘Roll war ein Slangausdruck für Sex haben – wie beispielsweise der Song „Sixty Minute Man" von den The Dominoes 1951 deutlich machte! Der DJ Alan Freed benutzte den Ausdruck als erster für die neue Musikrichtung und machte ihn salonfähig. Und die Art ihn zu singen, und die Bewegungen, die die Musiker bei den Auftritten machten, bei denen sie das Becken kreisen ließen, machte sehr deutlich, dass sie sich dieser Bedeutung bewusst waren.

    Musikalisch war Rock‘n‘Roll die weiße Version des Rhythm and Blues. Viele Kritiker hielten ihn deshalb für ‚gefährlich‘, da er laut, explosiv, gewalttätig, war, sehr sinnlich und vor allem für Anhänger der Rassentrennung viel zu schwarz. Anfangs kam es bei vielen Konzerten zu Ausschreitungen. Ordner und Polizisten versuchten die begeisterten Fans davon abzuhalten, auf die Stühle zu steigen und in den Gängen zu tanzen. „Es ist die Dschungelmusik, die sie so aufstachelt", meinte ein Beamter des Waffenlagers der Nationalgarde nach Ausschreitungen im Juni 1956.

    Rock‘n‘Roll erreichte die Jugendlichen in ihrem Selbstverständnis. Er machte Schluss mit den „Lügen", den Lebenslügen der Eltern, zeigte das Leben echt und ungeschminkt – und kreiierte doch genau damit wieder einen eigenen, anderen Mythos. Rock‘n‘Roll zeigte: Das Leben war aufregend! Es bestand nicht nur aus dem leckeren Sonntagskuchen, dem adretten Kleid, dem frisch gewienerten Auto und dem hübschen Häuschen in der Vorstadt. Es bestand aus dem Rumhängen im ‚Diner‘, weil da die coolsten Jungs und heißesten Mädchen standen, es bestand aus Röhrenjeans und Lederjacken und hautengen T-Shirts, unter denen die Jungs die Muskeln spielen lassen konnte. Und aus Papas Auto – wo sonst sollte man mit seinem Mädchen Liebe machen, ohne gleich zu heiraten, wie es das puritanische Amerika eigentlich vorsah? In der letzten Kinoreihe konnte man höchstens wild knutschen.

    Genau diese Themen in ihrer Alltäglichkeit und Unmittelbarkeit griffen die Sänger des Rock‘n‘Roll auf – direkt und prägnant in der Wortwahl, treibend, aufregend und laut im Rhythmus. Und die Hörer fanden sich in ihnen wieder. Ob Chuck Berry das erlösende Gefühl beim Klingeln der Schulglocke beschrieb („School Days) oder sich über nervige Nebenjobs ausließ („Too Much Monkey Business). Ob Eddie Cochran beschrieb, wie er im Haus der Eltern eine Party steigen lässt, („C‘mon Everybody), mit Papas Auto durch die Straßen kreuzt. Oder ob Little Richard die ganzen heißen Mädchen besang, auf die er scharf war („Good Golly Miss Molly, „Long Tall Sally").

    Dem weißen mittelständischen Amerika war die neue Musik aus vielerlei Gründen ein Dorn im Auge. Die Aggressivität, die sich nicht nur in der Musik – sondern auch tatsächlich immer wieder in Krawallen äußerte sowie die unverhüllte Sexualität vieler Songs in Texten und Darbietungen, rief Amerikas Sittenwächter auf den Plan.

    Nicht nur Pfarrer wetterten empört von der Kanzel gegen die „Negermusik", auch Lehrer, Politiker, Elternsprecher ereiferten sich über die unmoralische Musik, die – das hatten sie ganz zu Recht erkannt – die niedrigsten Instinkte ihrer Kinder und Jugendlichen ansprach: Zum ersten Mal wurde Sexualität wenig verhüllt thematisiert.

    Keine säuselnden Versprechen von ewiger Liebe, keine heillosen Romanzen, sondern jugendliche Realität pur: männliche Rivalitäten um ein Mädchen („Cut Across Shorty), Knutschen im Kino, wilde Partys und Schulschwärmereien („Highschool Confidential).

    Die weiße Bürgerorganisation „Citizens‘ Council of Greater New Orleans forderte ganz direkt auf: „STOP Rettet die Jugend Amerikas. Kauft keine Negerschallplatten. Wenn Sie in Zukunft nicht für Neger in ihrem Geschäft arbeiten wollen, dann drehen Sie das Radio ab, wenn Negerschallplatten gespielt werden, und entfernen Sie diese Platten aus Ihrer Jukebox. Das idiotische Geschrei und die primitive Musik auf diesen Platten untergräbt die Moral der weißen Jugend Amerikas. Rufen Sie die Firmen an, die auf Negermusik-Sendern werben und beschweren Sie sich bei ihnen. Lassen Sie Ihre Kinder weder Negerschallplatten kaufen noch hören.

    Ganz falsch lagen die Sittenwächter mit ihren Anschuldigungen nicht. Charles Connor, Schlagzeuger von Little Richards Begleitband, den Upsetters, berichtete: „Die Küche war an Konzertabenden geschlossen. Als die Mädchen nach den Shows den Backstagebereich stürmten, trafen wir unsere Wahl. Wir hatten mit ihnen überall in der Küche Sex. Sie saßen auf Barhockern herum und warteten auf uns – manche von ihnen waren fast nackt. Vor der Tür schrien noch hundert andere, die auch hereinkommen wollten. Little Richard hatte manchmal seine Freunde dabei, manchmal sah er einfach nur zu. (…) Wenn Richard auf der Bühne war, schien das Publikum jegliche Kontrolle zu verlieren. Das lange Haare, das über sein Gesicht flog, und der Schweiß, der von seinem Körper spritzte, trieb die Fans zur Raserei. Tausende Frauen zogen ihre Schlüpfer aus und waren sie auf die Bühne (…) Manchmal landete ein Schlüpfer auf einem meiner Becken, dann hob ich ihn mit meinem Drumstick auf und winkte damit wie mit einer Fahne. Das machte die Frauen noch verrückter und sofort ging ein neuer Schlüpferregen auf uns nieder."

    Little Richard schockierte auch durch sein androgynes Image. Er trug glitzernde Capes, Hosen mit funkelnden Satinstreifen, schminkte sich die Lippen und türmte sich die Haare auf wie eine Frau. Auf der einen Seite war er deutlich männlich und Macho. Und nur deshalb konnte er vielleicht so mit seiner Sexualität spielen. Viele seiner zweideutigen Stilmerkmale seine Spielerei mit Geschlechterrollen und seine aufreizende Art sich zu kleiden, wurde in den sechziger Jahren sowohl von den Vertretern des Glam Rock aufgegriffen als auch in den Achtzigern von Prince.

    So wenig wie Erwachsene später Techno und Rap verstanden, sie als sinnloses Gewummere und monotones, unmelodisches Soundgemisch bezeichneten, so wie die Erwachsenen in den siebziger Jahren Hard Rock und Heavy Metal ablehnten, weil er in ihren Ohren dumpfer Lärm war, so reagierte die Erwachsenenwelt mit völligem Unverständnis auf den Rock’n’Roll. Sir Malcolm Sargent, Dirigent des Symphonieorchesters der BBC sprach aus, was die meisten über 18 dachten: „Diese Musik ist nichts weiter als primitives Tom Tom-Geklopfe. Und wird im Dschungel schon seit Jahrhunderten gespielt."

    Ein wesentlicher Grund für die Ablehnung lag in den Rassenproblemen der USA, und der Tatsache, dass Schwarze auf einmal im Rampenlicht standen und Stars in eigener Sache waren.

    Noch bis in die vierziger Jahre firmierte schwarze Musik unter dem Begriff Race Music, erst später erhielt sie den wertfreieren Namen Rhythm and Blues. Bis auf einige wenige Big Bandmusiker wie Duke Ellington und Count Basie wurden schwarze Musiker bis 1958 nicht in weißen Radiosendern gespielt. Wer schwarze Musiker hören wollte, musste sich deren Platten kaufen oder die Konzerte der ständig tingelnden Musiker besuchen. Bluesmusiker wie Muddy Waters und B.B. King, Rhythm and Blues-Künstler wie Little Willie John waren pausenlos unterwegs.

    Rassentrennung gab es sogar bei den Jukeboxes, den Musikautomaten, die für Schwarze und Weiße anders bestückt waren – und dass beide jeweils andere Clubs besuchten, verstand sich von Selbst.

    In der Musikszene selbst waren die Grenzen allerdings schon des Öfteren überschritten worden: nicht nur, dass die Weißen die Songs der Schwarzen nachspielten und meist zu einem Erfolg machten – es ging auch andersherum: Weiße, wie das erfolgreiche Leiber/Stoller (Text/Musik), Team schrieben Songs für Schwarze!

    Leiber und Stoller stammten aus der weißen Arbeiterklasse der amerikanischen Ostküste, ihre Familien zogen nach Los Angeles, als beide noch Teenager waren. Hier hingen sie in den Jazzkneipen der Central Avenue herum, dem schwarzen Vergnügungsviertel von L.A. und hatten sogar schwarze Freundinnen. Komponist Stoller studierte an der UCLA und beschäftigte sich mit atonaler Zwölftonmusik.

    Zwar war es Elvis Presley, der „Hound Dog Mitte 1956 zu einem Hit machte, ursprünglich aber hatten Stoller und Leiber den Song für die Blues-Sängerin Big Mama Thornton geschrieben. Und den überwiegenden Teil ihrer Songs schrieben sie von 1957 – 59 für die schwarze R&B-Vokal-Gruppe The Coasters: „Searchin‘, „Yakety Yak, „Charlie Brown, „Along Came Jonesund „Love Potion No.9 für die Clovers.

    Die Situation der Schwarzen und auch deren eigenes Selbstbewusstsein veränderten sich in den fünfziger Jahren zunehmend. 1955 hatte ein schwarzer Prediger namens Martin Luther King sich an vorderster Front für die Rechte der Schwarzen eingesetzt und den Busstreik in Montgomery/Alabama angeführt. Anlass für den fast 400 Tage dauernden Boykott war damals die Inhaftierung der farbigen Rosa Parks, die sich geweigert hatte, ihren Sitzplatz für einen Weißen zu räumen. Der Erfolg zeigte sich darin, dass der Oberste Gerichtshof 1956 die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln für gesetzwidrig erklärte. Immer mehr eroberten sich die Schwarzen ihren Platz in der amerikanischen Gesellschaft und im Bewusstsein des gesamten Landes. Bis hin zur Musik.

    1957 verabschiedete der Kongress die ersten Bürgerrechtsgesetze seit achtzig Jahren, innerhalb der nächsten acht Jahre traten drei weitere Gesetze in Kraft, die die Diskriminierung von Schwarzen in Hotels, Theatern und Bussen verboten, jede Behinderung in der Ausübung des Wahlrechts untersagten Institutionen, die weiterhin an der Rassentrennung festhielten, wurde die staatliche Unterstützung unterzogen.

    Die Wurzeln des Rock’n’Roll gingen auf den Blues zurück und zu der hinterließ bereits Anfang der fünfziger Jahre seinen Eindruck in weißen Kreisen: Schon 1952 wurde der Radio-Moderator Gene Nobles von den – natürlich weißen – Studenten der University of Memphis zum beliebtesten DJ gewählt, und er spielte bei WLCA in Nashville größtenteils schwarze Musik. Den R&B-Song „Lawdy Miss Clawdy 1952 von Lloyd Price aufgenommen, kauften auch die weißen Damen – angeblich „für das Hausmädchen. Im Frühjahr desselben Jahres veranstaltete der Radio-DJ Alan Freed in der Cleveland Arena den „Moondog Coronation Ball" – die erste Rock’n’Roll Show, die dann auch prompt in Ausschreitungen endete, weil die Arena nicht genug Platz für alle bot.

    Alan Freed war einer der wenigen weißen Radio DJs, die auf ihren Sendern hauptsächlich schwarze Musik spielten, sein Arbeitgeber war WABC. Die Macht über das Programm hatten die DJs; sie spielten, was ihnen gefiel oder worum das Publikum sie bat. Auch örtliche Bands konnten im lokalen Radiosender Sendezeit bekommen, Songs konnten auf regionaler Ebene zu Hits werden. In den fünfziger Jahren gab es kaum Fernseher Zuhause, Radiostationen sendeten noch nicht um die Uhr, die Programme wurden live produziert, die Bands und Musiker kamen ins Studio und sangen vor Ort.

    Am 20. April 1955 veranstaltete Freed seine ersten Rock’n’Roll Show in New York mit schwarzen Stars wie Fats Domino, Joe Turner und die Drifters, vor einem vorwiegend weißen Publikum es kamen mehr als 15.000 Besucher. Später veranstaltete er mit den „Moondog Parties" regelrechte Rock’n’Roll-Tourneen.

    DJs hatten Mitte der fünfziger Jahre die Macht über das Radioprogramm. Sie spielten, was ihnen gefiel oder worum das Publikum sie bat, auch örtliche Bands konnten im lokalen Radiosender Sendezeit bekommen, Songs konnten auf regionaler Ebene zu Hits werden. Die Programme wurden live produziert, die Bands und Musiker kamen ins Studio und sangen vor Ort. In den fünfziger Jahren gab es kaum Fernseher Zuhause, Radiostationen sendeten noch nicht um die Uhr.

    Auch wenn die schwarze Musik im „offiziellen" weißen Radio überhaupt nicht gespielt wurde, gab es genügend schwarze Stationen. Im Gegensatz zum europäischen Radio, das größtenteils auf einem staatlichen Rundfunk basierte, gab es in Amerika eine Unzahl kleiner privater und somit unabhängiger Stationen. Darunter waren auch schwarze Stationen, die sich vor allem in den Großstädten konzentrierten: Der Sender WDIA in Memphis hatte ein schwarzes Musikformat, WLCA in Nashville spielte viel Rhythm and Blues, erdigen Delta Blues ebenso wie städtischen R&B, weitere waren WINS, WLIB, WNJ, WWRL in L.A. Chicago, Detroit, Cleveland und natürlich New York.

    Die elektrisierende Wirkung, die von der ungehobelten schwarzen Musik ausging, entging auch der Musikindustrie, nicht. In diversen Aufnahmen bügelten weiße Musiker die schwarzen Songs glatt – zu groß war die Angst vor Imageschäden und Absatzeinbrüchen. So durfte Pat Boone „Ain’t That A Shame von Fats Domino singen und Gail Storm „I Hear You Knockin‘ von Smiley Lewis. Und Bill Haley „Shake Rattle and Roll" von Joe Turner (1954).

    Joe Turners Version war schwerfälliger, langsamer und bluesiger. Und während Joe Turner sang: „Well, get outta that bed and wash your face and hands …, heißt es bei Bill Haley: „Get outta that kitchen and rattle those pots and pants …

    Schon vor „Rock Around The Clock" gab es somit Rock’n’Roll Songs, und Rockmusik. Und auch der Sänger Bill Haley war zuvor mit anderen Songs erfolgreich: 1953 erreichte er mit „Crazy Man Crazy die Spitze der amerikanischen Charts, im Herbst 1954 hielt sich „Shake Rattle and Roll zwölf Wochen lang in den Charts.

    Aber „Rock Around The Clock katapultierte mit einem Schlag diese neue Musik in das Bewusstsein der Massen und der gesamten amerikanischen und in kürzester Zeit auch westeuropäischen Öffentlichkeit. Er wurde zum ersten internationalen Hit des Rock‘n’Roll. hielt sich 19 Wochen in den Charts – acht davon auf dem ersten Platz, und wurde zur umsatzstärksten Rocksingle aller Zeiten. Und gilt damit als Geburtsstunde des Rock’n’Roll. Das Besondere an Haleys Songs: Er verband Blueselemente mit dem stampfenden Country. Seine Stilmittel: ein sehr strenger harter Rhythmus, der seine Songs extrem tanzbar und extrem eingängig machte. Das wurde unterstützt durch die entweder leichte Wiederholbarkeit der Songtitel, die fast formelhaft, leicht zu merken und somit leicht mitzusingen waren. Die eingängigen Refrains, wie „See You Later, Alligator oder „Go Man Crazy, eigneten sich gut als Schlachtrufe. Meist waren sie schlichte Aufforderungen zur Party und zum Tanzen „Rock This Joint.

    Bill Haley hatte in Swing Orchestern und Dixieland-Bands gespielt, seine private Liebe galt dem Country & Western. Vielleicht lag genau hierhin auch der Grund für Bill Haleys Erfolg: Er kam aus der Country-Musik und nahm Elemente dieser amerikanischen weißen Volksmusik mit auf! Und so wurde Rock’n’Roll für die weiße Mittelschicht zugänglich!

    Ebenso wie durch Elvis Presley. 1950 hatte ein weißer Musikproduzent namens Sam Phillips den Phillips Record Service auf der Union Avenue 706 in Memphis gegründet, den er 1953 in „Sun umbenannte. Sein Werbeslogan: „We record anything – anywhere – anytime. Was er tat – so auch einen halbwüchsigen weißen Jungen, der am 3. Januar 1954 in seinen Laden schlenderte und einen Song für seine Mutter aufnehmen wollte.