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Masurische Begebenheiten
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eBook104 Seiten41 Minuten

Masurische Begebenheiten

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Über dieses E-Book

Ein Büchlein voller seltsamer Begebenheiten.
Warum hockt der Karl Szpak beharrlich auf seinem Dach?
Warum suchst du, wenn bei ihm eine Kuh kalbt, das Kälbchen vergebens?
Was ist eine Babe und wo hausen die Seelen der Pruzzen?
Du erfährst, dass die Katzen in Masuren lügen und Altersstarrsinn letztendlich zum Ziel führt.
Du fragst dich, ob ein Masure für sein Pferd mehr empfindet als für seine Frau, er andererseits so zärtlich Namen wie meine "Wegwarte" flüstert.

"Masurische Begebenheiten" ist das liebevolle Porträt einer Landschaft und seiner Menschen, voller Erinnerungen, aber nie wehmütig.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum27. Juli 2015
ISBN9783739290430
Masurische Begebenheiten
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Autor

Detlef Kristeleit

19. Nov. 1940 in Königsberg geboren 1957 Schulbesuch in Zeitz 1960 Staatliche Abschlussprüfung als Lehrer Tätigkeit im Schuldienst 1966 Studium Kunsterziehung in Erfurt und Dresden 1969 Diplomabschluss als Kunsterzieher Tätigkeiten im Schuldienst 1994 Freiberufliche Tätigkeit Werbe- und Messegrafik, Buchillustrationen, freie Grafik und Malerei 2007 erste literarische Texte

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    Buchvorschau

    Masurische Begebenheiten - Detlef Kristeleit

    Altersstarrsinn

    Anmerkungen und Erläuterungen

    Niemiez - Deutscher

    Piwo z sokiem - Bier mit Saft

    Kawaler - Junggeselle (wörtlich: Kavalier)

    Sklep - Geschäft, Dorfladen, meist mit kleinem Rastplatz

    Gniefke - (ostpr.) Geizkragen

    Panna Kotka - Fräulein Katze

    Szpak - Star

    Dlaczego - Warum?

    Murarz - Maurer

    Kurka - Pfifferling

    wszystko jedno - einerlei, ganz egal

    Orte

    Domek Kukułka - Kuckucksheim

    Stara Budka - Alte Hütte

    Kryjówka - Schlupfwinkel

    Babie Lato - Altweibersommer

    Niezapominajka - Vergissmeinnicht

    GUTEN MORGEN

    Guten Morgen

    grüßten die kleinen weißen Wolkenhümpel zu mir herunter und schwebten lächelnd über den Hügel mit dem Keulenbaum.

    Erst viel später, mittags, abends, nachts, wenn ich die Augen schloss, fühlte ich, sie sind immer noch da. Seitdem wohnen sie bei mir: die kleinen Wolkenhümpel, der grüne Hügel und der alleinstehende Keulenbaum. Sie sind mein Bild von Masuren.

    Ich wohne in einer Blockhütte, stabil und rustikal. Wenn morgens die Kühe ausgetrieben werden, Karl Szpaks Kühe, dem hier alles gehört, das Gehöft, das Land, die Stallungen, die Wiese mit der Blockhütte und der See, die Hunde und Katzen, die Fische und der Angelkahn am Steg, wenn ich also höre, dass die Kühe ausgetrieben werden, stehe ich auf. Ich setze mich vor die Blockhütte, eine weite Stille umarmt mich, und wenn mir nun kein anderes Wort einfällt als ausgerechnet abartig, dann weiß ich, ich bin angekommen. Masuren.

    Dort, wo der Asphalt der Straßen endet, wo Feldwege von Sand und Steinen dich durch ein Spalier von blau leuchtenden Wegwarten und weißen Margeriten führen, dort, wo die kleinen irdenen Häuser sich unter die Bäume ducken, das Rot der Dächer verblichen, das Holz der Verkleidung verwittert, dort, genau dort, sind die kleinen bescheidenen masurischen Dörflein, hocken in der Landschaft, als seien sie Teil derselben. Sie haben ansprechende klangvolle Namen wie etwa Kryjówka, Niezapominajka, Domek Kukułki oder Stara Budka. Und nicht zu vergessen, fast immer findet hier ein Storchenpaar sein Nest.

    Wo du auch bist, Wasser ist immer in deiner Nähe, ein See, ein Fluss, ein Bach, ein Kanal. Wie Adern durchzieht es das Land zwischen den Hügeln, nährt alte Torfniederungen, gibt Fischen, Krebsen, Bibern und Vögeln Lebensraum, verlockt Angler und Segler. Dunkel fallen die Schatten der Uferbäume über das Glitzern des Gewässers. Später, in der abendlichen Ruhe, kräuselt sich das Wasser. Aber nur an manchen Stellen. Wie kann das sein? Wer macht das? Es ist doch Windstille. Der große orangerote Spiegel des Sees zersplittert in tausend kleine Scherben.

    Und du steigst langsam in das Wasser, langsam, willst das Bild nicht zerstören, tauchst ein und hast das Gefühl, du gehörtest dazu, wärest selber See und Ufer und Himmel, wärest ein Stück dieser Natur, wärest Masuren.

    Du triffst in diesen masurischen Dörfern einfache, stille und bescheidene Menschen. Reichtum ist spärlich gesät. Freundlich erwidern sie deinen Gruß. Wer von ihnen einmal mit dir zusammen dem Knistern des Lagerfeuers lauschte, das Glas mit dir leerte, der wird dich nicht vergessen. Der vertraut dir, und dem kannst du vertrauen. Du wirst seine innere Würde spüren, seine Herzlichkeit und bei der nächsten Begegnung seine Umarmung und den Kuss auf beide Wangen.

    DIE NEUE ZEIT

    Die neue Zeit

    ist durch die kleinen masurischen Dörfer gefegt. Seitdem fahren die Kinder in die Stadt zur Schule. Von der Post blieb der Briefkasten übrig. Der Dorfkrug ist geschlossen, die Mühle verfallen, und auf der Rampe unter dem überhängenden Dach der alten Milchabgabestelle stehen längst keine Kannen mehr.

    Wenn die Zeit müde wurde, machte sie Rast, schaute sich um und gab Ratschläge. »Willst du so leben?«, fragte sie die jungen Leute mit Blick auf die Schwere der Arbeit der Alten, die sich vom Ertrag der kleinen Bauernwirtschaften immer weniger leisten konnten. Und die Jugend zog hin, wo sie eine andere Arbeit fand.

    Manch einem der aufgeweckten Masuren zwinkerte die Zeit zu, machte ihm Mut, neue Wege zu gehen, die Wirtschaft zu vergrößern, zu modernisieren. Hier und dort stolperte sie. Immer dann, wenn sie die Schönheit der Landschaft bewunderte. Stolperte und verlor dabei diesen oder jenen brauchbaren Gedanken wie beispielsweise: Reiterhof, Agrotouristik, Marina.

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