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An sein Innerstes erinnert sich keiner: Nicht ganz dichte Gedichte

An sein Innerstes erinnert sich keiner: Nicht ganz dichte Gedichte

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An sein Innerstes erinnert sich keiner: Nicht ganz dichte Gedichte

Länge:
158 Seiten
52 Minuten
Herausgeber:
Freigegeben:
28. Juli 2015
ISBN:
9783739274324
Format:
Buch

Beschreibung

Dieses Poesiealbum gibt die Welt nicht durch Worte wieder, sondern stellt Dinge durch Worte erst her. Diese Gedichte, eingebettet in poetische Kurzprosa, zerlegen die bekannte Welt in ihre Bestandteile und fügen die Bestandteile zu neuen und neuartigen Welten zusammen.

Komm zur Sache, die aus nichts als Sprache gemacht ist!
Und die kühle Sprache hebt charakteristische Details aus warmen Gesamteindrücken heraus, ohne diese dabei zu zersetzen und zu zerstören.

Darin liegt die Poetologie dieser Lyrik.
Herausgeber:
Freigegeben:
28. Juli 2015
ISBN:
9783739274324
Format:
Buch

Über den Autor

Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie. Systemanalytiker in der Atom- und Raumfahrtindustrie. Zahlreiche Veröffentlichungen von Erzählwerken, Gedichten, Aphorismen, Essays und Abhandlungen.


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An sein Innerstes erinnert sich keiner - Rolf Friedrich Schuett

FEMMILLE

Hommage a Proust

Die Vorstellung einer endlosen Zeit,

jener Zeit,

die in künftige Jahrtausende hinein

sich ausziehen läßt, ohne

auf eine Wirklichkeit zu stoßen,

die sie überwinden müßte oder

an der sie zuschanden werden könnte,

vermittelt einen Anflug von Wärme,

die trügerische Wärme teilzuhaben

an den unabzählbaren Möglichkeiten,

die darin Platz finden,

die wir als die unseren zu denken geneigt sind und

deren keine uns entgehen zu können scheint,

da die unmenschliche Konsequenz,

mit der unser Verstand den Strahl der Zeit

ins Unabsehbare vorauseilen läßt,

uns die Gewißheit zu verdecken übt,

mit der unser Tod

uns daran hindern wird,

die Entfernung

zwischen uns und jener Ewigkeit

durch unser Leben einzuholen.

Meta-Möwen in Balbec

Sie wenden mir flüchtig ihren Kopf zu, für einen Moment fühle ich mich auf dem Grunde ihrer Augen existieren, dann ist alles wie ausgewischt, da jede Form von Gedächtnis sie überfordern würde, und sie tauchen zurück in ihre Tabus, ich drehe mich um. Die Januarsonne schmilzt auf dem Wasser, breitet sich aus, ein weichgeränderter Streifen von der Mole drüben bis dicht an mich heran. Die Promenade, eine sanft geschwungene Sichel, legt sich dem Wasser entgegen, um es in seiner Nachgiebigkeit müde laufen zu lassen. Und wirklich legen sich die Wellen im Deicharm zur Ruhe, der sich nicht heben mag aus Furcht, der Fluß könne erwachen. In der Luft steht dieses gefrorene Sausen, reißt an der Mole ab und sammelt sich dahinter wieder in seine Gleichgültigkeit. Dieser Wind ist keine Bewegung, er ist nur eine kühle Beschaffenheit der Luft. Kaum bringt er meine Haare in Unordnung, nichts sieht mich, dieser kalte Winterhimmel macht sich keine Gedanken über mich, er ist nicht einmal mit sich selbst beschäftigt. Ich füge dem Wasser etwas hinzu, wenn ich sein Schmatzen höre. Mein Bewußtsein erlegt sich all diesen Dingen auf, aber nichts schlägt Alarm. Welche Mühe sich die Möwen jetzt auch geben würden, keiner ihrer Schreie fiele heraus aus der Gutmütigkeit, in der ich uns alle wieder leben lasse.

Warum sollten die Vögel nicht spüren, daß von mir keine Gefahr droht, durch sie gerechtfertigt werden zu wollen? Sie fügen uns nie eine Wunde zu, die sie nicht heilen können. Und immer wird sich jemand finden, dem nur sie die Welt zurückgeben können. Sie mußten fliegen lernen, vielleicht wider Willen, damit wir gehen lernten mit dem Wunsch zu fliegen, aber dieser Wunsch hat uns nicht daran gehindert zu vergessen, daß wir diese Vögel wie so vieles andere in uns hinter uns ließen, als wir vor undenkbarer Zeit wagten, mehr als nur fliegen zu können. Was könnten sie uns heute noch sein, wenn sie uns nicht einst dazu verhelfen hätten, mehr als sie zu sein, durch ihren Verzicht — oder ihre Angst — uns dorthin zu folgen, wo wir nicht gern an die Opfer erinnert werden, die uns gebracht werden mußten, an die Krücken, die wir wegwarfen, die Betriebsunkosten unseres Aufstiegs, die Glieder, die wir uns abhauten, damit nicht unser ganzer Leib verdürbe, und denen wir dafür nichts als die Fähigkeit beließen, vergebens an unsere Fähigkeit zu appellieren, ein uraltes Unrecht wiedergutzumachen. Mit dem Recht meiner Erinnerungen darf ich der Welt wohl ein seltsames Mißtrauen entgegenbringen. Um mich zu entlasten, habe ich selber den Dingen befohlen, auf dieselbe vage Weise wie ich selbst zu existieren. Das Gebäude der Strandhalle ist ja aus demselben weichen Material wie die teigige Schlaffheit, aus der ich bestehe. Das fahle Licht des Behagens träumt auf dem faulen Wasser, der Abgrund, den die Treppe, die ich hinaufgehe, unter ihren Steinfalten verbirgt, ist überbrückt, die rote Backsteinmauer hat die Dunkelheit ihres Seins mit einem Frieden patiniert, der mich sanft weiterreicht an die verwunschenen Bänke, die dem Fluß leer entgegengeformt sind. Wer nicht von den verwalteten Offenbarungen der Religion leben und doch nicht auf die Suche nach den verlorengehenden Fluchtlöchern aus dieser Welt verzichten kann, sieht sich auf jene flüchtigen Sekunden verwiesen, in denen sich auf einige wie auserwählte Dinge des Alltags ein Hauch vom Schimmer einer Ahnung legt und über sie einen Ausnahmezustand verhängt, der sich allerdings rascher aufhebt als die unerhörte Neuheit technischer Erfindungen veraltet: Alltagsfliegen des Jenseits. Immer dann, wenn einer zu müde geworden ist, um seine Überzeugung im Element des Denkens zu erhalten, immer dann, wenn jemand ratlos ermattet in seinen Verstrickungen liegt, kann es geschehen, was weder Wunder noch Wille ist, daß etwas Lächerliches, etwas verschämt Unauffälliges, dem wir nie zugetraut und

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