Genießen Sie von Millionen von eBooks, Hörbüchern, Zeitschriften und mehr - mit einer kostenlosen Testversion

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Si. Man nennt mich Mimì: Das Jahr der Liebe, der Freundschaft, der Musik, der Medizin: In Wien!
Si. Man nennt mich Mimì: Das Jahr der Liebe, der Freundschaft, der Musik, der Medizin: In Wien!
Si. Man nennt mich Mimì: Das Jahr der Liebe, der Freundschaft, der Musik, der Medizin: In Wien!
eBook217 Seiten2 Stunden

Si. Man nennt mich Mimì: Das Jahr der Liebe, der Freundschaft, der Musik, der Medizin: In Wien!

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Vorschau lesen

Über dieses E-Book

Ein Jahr der Liebe und der Freundschaft, des Aufgehens in Musik, Kunst und Kultur.

Eingebettet im medizinischen Background Wiens wird von der behutsamen Annäherung zweier Menschen berichtet, die ihre berufliche Einstellung, ihre Kulturbeflissenheit und den Willen zur Gegenwartsbewältigung auch artikulieren können, das Gemeinsame erkennen und Trennendes zusammenführen. Einige, fast als eigenständige Essays aufzufassende und auch in die Vergangenheit führende Textsequenzen fügen sich als integrale Bestandteile in die Erzählung ein. Vieles mag als biografisch eingestuft werden. Und noch manches bleibt, muss offen bleiben!
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum31. Juli 2015
ISBN9783739274386
Si. Man nennt mich Mimì: Das Jahr der Liebe, der Freundschaft, der Musik, der Medizin: In Wien!
Vorschau lesen
Autor

Rudolf Schandalik

Rudolf Schandalik, Jg. 1947, war über 40 Jahre Arzt, davon 25 Jahre Vorstand einer chirurgischen Abteilung. Sein ganzes Leben war durch die Medizin erfüllt, sodass die Liebe zur Musik, zur Kunst, zur Literatur zu kurz kommen musste. Nun kann er sich dem widmen, was, in seiner Meinung, das Leben erst stimmig, harmonisch, wertvoll macht: Kultur genießen, ohne auf die Uhr schielen zu müssen. Die Welt der Oper öffnet ihm die Erfüllung der jahrzehntelang zurückgestellten Träume. Der Besuch einer Ausstellung, eines Konzertes, die Literatur, all dies runden seinen Kulturhunger ab, der auch von seiner Frau mit Freude mitgetragen wird.

Mehr von Rudolf Schandalik lesen

Ähnlich wie Si. Man nennt mich Mimì

Ähnliche E-Books

Verwandte Kategorien

Rezensionen für Si. Man nennt mich Mimì

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

Die Rezension muss mindestens 10 Wörter umfassen

    Buchvorschau

    Si. Man nennt mich Mimì - Rudolf Schandalik

    Rudolf Schandalik

    Ja. Man nennt mich Mimì, doch mein Name ist Lucia.

    Meine Geschichte ist kurz "

    Titel nach „La Boheme", Giacomo Puccini. Arie aus dem 1.Akt: Mimì: Sì. Mi chiamano Mimì, ma il mio nome è Lucia. La storia mia è breve.

    Dank an alle die geholfen haben:

    Komponisten

    Dirigenten

    Sängerinnen und Sänger

    Regisseure

    Staatsoperndirektoren

    Freunde der Wr. Staatsoper

    Spitäler

    Ärzte

    Schwestern

    Eltern

    Maria-Louisa und Tullio

    Geschwister

    Struppi, der Oleander

    Der Schweizer

    Wiener Märkte

    Buchhandlungen

    Dichter

    Kritiker

    und an meine geliebte Frau!

    Inhaltsverzeichnis

    Erstes Kapitel

    Zweites Kapitel

    Drittes Kapitel

    Viertes Kapitel

    Fünftes Kapitel

    Sechstes Kapitel

    Siebentes Kapitel

    Achtes Kapitel

    Neuntes Kapitel

    Zehntes Kapitel

    Elftes Kapitel

    Zwölftes Kapitel

    Dreizehntes Kapitel

    Vierzehntes Kapitel

    Fünfzehntes Kapitel

    Sechzehntes Kapitel

    Siebzehntes Kapitel

    Achtzehntes Kapitel

    Neunzehntes Kapitel

    Zwanzigstes Kapitel

    Einundzwanzigstes Kapitel

    Zweiundzwanzigstes Kapitel

    Dreiundzwanzigstes Kapitel

    Vierundzwanzigstes Kapitel

    Fünfundzwanzigstes und letztes Kapitel

    Erstes Kapitel

    ,Andante con brio’

    Vor dem ‚Kleinen Café' am Franziskanerplatz, dem wirklich kleinen Café, mit einigen Tischchen draußen am Platz, unbehelligt von Touristen, die sich kaum in diese abgelegene Ecke der Wiener Innenstadt verirren, sitzt Richard. Er hatte in der Ärztekammer einen Weg zu erledigen, in der Weihburggasse, gleich nebenan. Richard ist ein ‚Kaffeehausgeher’, schon in seiner Studienzeit hatte er Stunden, auch lernend, in Grazer Cafés verbracht. Heute, heute nach dem Dienst, am späten Nachmittag, ist ihm die Decke auf den Kopf gefallen, die kleine Wohnung wurde zu eng. Unter den Sonnenschirmen, das schmale grüne Kaffeehausportal hinter sich, vor sich die so einfach gehaltene Fassade der Franziskanerkirche, der Mosesbrunnen in der Mitte des kleinen Platzes, ruhig, kein Auto kann zufahren. Ein Plätzchen für die Kunst und Kultur. Das Café wird von einem Künstler betrieben. Und noch etwas, in dieser Kirche befindet sie die älteste, noch bespielbare Orgel Wiens! Und, wenn man furchtlos ist, kann das ’Hackl im Kreuz’ in der linken Schulter einer Madonna betrachtet werden, ein Relikt aus früheren Zeiten. Ein wenig morbid! Ja dann kann es schon einmal passieren, zum Ausgleich, wenn man viel, viel Glück hat, dass eine der ganz Großen der Soprankunst, die Anna Netrebko, um die Ecke schaut, „andante con brio", ‚schreitend mit Schwung und Feuer!’

    Mit ein, zwei Tageszeitungen aus dem Lokal, nur die großformatigen! Richard liebt es, die in der Halterung eingespannten Seiten schräg aufgerichtet vor sich zu halten, umzublättern, dahinter sich geradezu versteckend, mit der rechten Hand, den Blick vom Blatt kaum abwendend, tastend die Kaffeeschale zu erreichen. Und, nicht zu vergessen, das herrlich gewürzte Ei-Brot, das hier zubereitet wird!

    ‘Nach der Wahl ist vor der Wahl’, ‘Sylvias Liebesglück’, ‘Kanzlerdämmerung’, ‘Das nächste Debakel bei der Hypo’, all die so wunderbar informativen Schlagzeilen, die schon von sich aus es unterbinden, den Artikel auch nur anzulesen. Da ist es schon spannender, über die Premieren, Konzerte informiert zu werden, besonders liebt er, die Kritiken in den Blättern zu vergleichen. Manchmal hat Richard das Gefühl, dass die Kritiker in verschiedenen Veranstaltungen gewesen sein müssen. Die Kritiken heute der ,Presse’ und im ‚Kurier’ nach einem Konzert der Wiener Symphoniker unter Francois-Xavier Roth, Strauss’s „Vier letzte Lieder", einer Ouvertüre von Berlioz und noch ein Stück von Camille Saint-Saëns, sind schon erstaunlich: Was Herr Weidringer in ‚Der Presse’ übermäßig positiv, die Sopranistin Anja Harteros als aus dem Vollen schöpfend und das Orchester genießerisch und doch sensibel begleitend, die ‚fein schattierten Farben in gleichsam cremiger Intensität erblühen lassend’, wird für Marion Eigl im ‚Kurier’ zur Themenverfehlung, blanke Enttäuschung, ohne dass der Zuhörer auch nur einen Hauch von Ergriffenheit vermittelt bekommt, die Stücke völlig gleichförmig dahinfließend, und Harteros auf verlorenen Posten kämpfend, beschrieben.

    Die Welt der Kunst und deren Beschreibungsmöglichkeit ist doch so schön vielfältig! ,Wem soll ich, wem darf ich nun glauben, jedes Konzert kann man doch wirklich nicht besuchen, nur um sich selbst ein Bild zu machen. Arbeiten muss man doch auch, und das nicht zu knapp‘, grummelt Richard vor sich hin.

    ‘Lobbyist im Häfen eingerückt!’, ‘Steht erste Anklage bevor?’! Die schon sattsam bekannten Stories und die Aufmacher sind wahrlich zum Kotzen, Richard will schon weiterblättern, dann aber beginnt er sich doch zu interessieren. Der ausführliche Bericht wandert vom eigentlich Betroffenen weiter zu den in den letzten Jahren zu Tage gekommenen Fällen, die oftmals noch immer gerichtsanhängig sind, offenbar noch lange bleiben müssen. Da war von all nur denkbaren Spielarten schräger Geschäfte die Rede, auch von Schmiergeldern, die die Runde durch die ‘ehrenwerte Gesellschaft’ gemacht hatten.

    Er hatte ihn nicht kommen gesehen. Da steht Ferry vor dem Tischchen, „Servus, wie geht’s?" Nach einigen Begrüßungsworten und Entschuldigungen, insbesondere wegen der Verspätung, gibt Richard zum Besten, was er gerade gelesen hatte. Noch ganz in Rage ist er.

    „Wir leben ja ein einem westlichen, einem demokratischen, aufgeklärten, ehrlichen Land! Wenn Du die Zeitungen durchblätterst, kommt es einem aber nicht so vor!"

    „Ach, Richie, lies lieber nur den Kulturteil! Aber auch hier ist Vorsicht geboten: lass jeden Artikel weg, wo das Reizwort ‘Burgtheater’ vorkommt!"

    Richard legt die Zeitung beiseite, „Was gibt’s Neues bei der Kuvert-Geschichte?"

    „Das bisschen Geld in dem Kuvert, das ist doch nichts gegenüber den Millionen, die da oben verschoben werden!"

    „Aber meinst Du nicht auch, ein ,bisschen’ ist mehr als kein Geld im Kuvert? Ein wenig sich korrumpieren lassen, ist doch auch mehr als gar nicht!"

    „Na ja, irgendwo hast Du ja recht, eigentlich sollte man dies nicht machen, Geld zu nehmen für etwas, was man ja sowieso als seine Arbeit erledigen muss. Aber wahrscheinlich liegt es in der Psyche des Menschen, dass man den kleinen Splitter im eigenen Auge nicht sieht, weil die großen Balken den Blick verstellen! Richie, da fällt mit das ‚Wort des Jahres ein’, das ‚Situationselastisch’, ich habe mich in dieser Situation doch etwas zu elastisch verhalten! Ich nützte die Möglichkeit, etwas Geld zu bekommen, ohne die Rechtmäßigkeit dessen zu bedenken."

    Und Ferry lässt noch nicht locker, „Eigentlich hab ich doch nur das gemacht, was seit Ewigkeiten schon gemacht worden war, das war doch nie ein Verbrechen, oder siehst Du in mir einen Verbrecher?"

    „Natürlich nicht, wir sind aber schon im 21. Jahrhundert angelangt! Wenngleich das so manche nicht begriffen haben!"

    Dr. Richard Schubert, sein bester Freund, hängt an: „Ferry, Du bist ein hervorragender Chirurg, Dein Chef mag Dich, wir alle, zumindest die meisten, mögen Dich. Du wolltest doch nicht wegen eines solchen Blödsinn die Karriere aufs Spiel setzen?"

    Ein sehr fähiger Mann, der Dr. Ferdinand Lechner! Hat sich in den Jahren, die er nun in diesem Krankenhaus schon tätig ist, einen sehr guten Namen gemacht. Auch konnte er sich die Anerkennung des Chefs und der meisten Kollegen erarbeiten, wurde vom Chef, Prof. Dr. Martin, auch auffallend gefördert. Hat schnell reüssiert, durch Können und Innovationsgeist!

    Nein, er hat keinen Fehler bei einer Operation gemacht, hat niemand geschadet! Und die kleine, ganz unbedeutende Wundheilungsstörung, ist keine Tragik, kommt immer wieder vor, wird klaglos ausheilen, was sogar Richard, der Internist, versteht.

    Lechner hat Geld genommen, nein, nicht im Spital unterschlagen, Dr. Lechner hat Geld für die Durchführung einer Operation durch ihn, Lechner selbst, genommen! „Sie wissen, dafür bin ich d-e-r Spezialist im Haus – dann könnten Sie sich dafür auch erkenntlich zeigen und ..." , soll er gesagt haben. Und das Kuvert war gut gefüllt gewesen, sogar sehr gut gefüllt!

    Der Patient, korrekterweise dessen Gattin, hat nun verkündet, dass diese Wundheilungsstörung schrecklich sei, nicht sein dürfte, nicht auftreten hätte dürfen. „Mein Mann hatte doch einen nicht unbeträchtlichen Betrag dem Dr. Lechner gegeben"!

    Und dies verkündete sie im Beisein einiger Mitarbeiter, auch eine Krankenschwester hörte es. Ein Spital ist wie ein kleiner Kosmos, schnell wird weitergetragen, aufgebauscht. Bis es dann dem Chef hinterbracht worden ist, wird daraus ein Riesenbetrag. Man hält zusammen, aber irgendwer plappert doch. Ein Abteilungschef kann sehr viel beheben, nicht nur im fachlichen, nein auch im ‚menschlichen’ Bereich. Und sein Chef steht hinter ihm, solange es nur möglich ist! „Dem würde ich sogar zutrauen, dass er helfend eingreift. Ist ein anderer Chef, ein toller Typ, nicht so ein Einschleimer, der ständig der Spitalsdirektion irgendwo hineinkriecht, wie es mein Chef ist", gibt Richard gegenüber Ferry kund.

    „Weißt, Richie, es ist mir alles über den Kopf gewachsen, Marie bekommt ein Baby, wir brauchen eine größere Wohnung, das geht doch ins Geld! Und die Wahrheit ist: Verlangt habe ich nichts, das musst mir glauben, hab mich aber auch nicht wirklich gegen das Kuvert gewehrt, leider!"

    „Ferry, auch das ist ein ‚No-Go’! Wenn wir uns im Kleinen so verhalten, wie es so manche ‚Hohe Herren’ im großen Umfang machen, stehen wir mit ihnen auf der gleichen Stufe, halt nur viele Stufen darunter!

    Zweites Kapitel

    ,Moderato con moto’

    „Hast Du heute abends Zeit, Marie ist bei ihren Eltern, wir könnten uns zusammensetzen und ein, zwei Glaserl trinken".

    Ferry war immer mein bester Freund, auch die Matura, die, meinem Gefühl nach schon Jahrhunderte zurückliegen muss, haben wir gemeinsam bestanden. Richard und Ferry, wir waren schon ein verrücktes Team gewesen. Ferry und Marie, das schönste Paar in Wien!

    Momentan bin ich selbst nicht oder kaum gebunden, vor einigen Monaten, zu Frühlingsbeginn, eigentlich die Zeit aufkeimender Gefühle: Abends nach einem Opernbesuch hat mir Susi, ihre rote Haarmähne schüttelnd, gesagt, ‚ich will eine Auszeit, irgendwie picken wir ständig beieinander’. Da hat sie gar nicht so unrecht gehabt, die Sue, ‚ein bisschen bist Du mir eh schon mit dem ewigen Geplapper über Deine künstlerischen Ambitionen auf die Nerven gegangen’! Eine Antwort, die zu absoluter Funkstille geführt hatte, was unsere Beziehung betrifft. Naja, nicht das erste Mal, dass wir uns gestritten haben!

    In der Wohnung, man sieht es überall, dass hier Marie Hand anlegt, so aufgeräumt, alles so korrekt, aber doch anheimelnd behaglich, Richard empfindet es jedes Mal wieder. Eigentlich ist Marie Ferry’s Freundin, die „fixe" Freundin. Es wirkt einfach so richtig gemütlich! Nicht wie bei mir, nur Bücher und CD’s in Regalen, am Boden gestapelt oder kunterbunt herumliegend. Marie ist keine so überdrehte ‚Kunstbetriebsnudel’ wie Susi, Marie ist hübsch, sogar außerordentlich, hätte mir auch gefallen! Hat aber leider nur Augen für Ferry gehabt. Hübsch, sogar attraktiv war Sue auch gewesen, aber so anders! Und nun ‚sind wir gemeinsam mit dem Ausbrüten der schönsten Tochter aller Zeiten beschäftigt’, sagte Marie unlängst. Und das ‚gemeinsam mit dem Ausbrüten’ hat sie lachend betont, Ferry war voll Glück, hat gestrahlt. Hat es gut getroffen mit seiner Freundin, unser Ferry, sie ist ein toughes Mädchen, steht mit beiden Beinen am Boden, hat auch einen ‚ehrbaren’ Beruf.

    Zwei Gläser eines guten Sauvingon Blanc vom Tement, aus unser beider Heimat, stehen vor uns. Maria hat ein paar Brötchen für den ‚Herrenabend’, unter diesen Titel hat Ferry mein Kommen angekündigt, vorbereitet und ist dann, inklusive ihrem schon sich abzeichnenden Babybauch zu ihren Eltern nach Grinzing gefahren. Vor einigen Wochen konnte ich das schon etwas ältere Ehepaar in ihrer kleinen, aber umso schöneren Villa in der Himmelstrasse kennenlernen, reizende Leute! „Wissen Sie, Herr Dr. Schubert, wir haben nur ein Kind, unsere Marie, wir würden alles für sie machen, was möglich ist. Unser größter Wunsch ist, wenn die kleine Julie, wie unsere Enkeltochter einmal heißen wird, wenn die Julie erst nach der Hochzeit zur Welt käme. Die Jungen aber zeigen gar keine Eile, wir sind schon etwas traurig, trauen uns aber nichts zu ihnen sagen, wollen sie nicht bevormunden, nicht unsere Meinung aufdrängen", sagte ihr Vater zu mir.

    „Und was ist, wenn sie überhaupt nicht heiraten werden? So viele Paare sind heute ohne Trauschein und haben manchmal schon mehrere Kinder! Wäre doch kein Weltuntergang! Julie ist trotz fehlendem Trauschein der Eltern Ihre vielgeliebte Enkeltochter!"

    Ihr Vater hatte mich gleich etwas in Beschlag genommen, der ältere Herr, zu mir als den besten Freund seines ‚leider noch immer nicht Schwiegersohnes’ Kontakt gesucht.

    „Da haben Sie schon recht, aber schöner wär es halt doch, wenn die beiden heirateten. Aber wir lieben Marie und Ferry jetzt genau so, wie wenn sie vermählt wären!"

    Ferry und ich erzählen uns wieder einmal alte Geschichten aus der Steiermark, von unseren Lehrern wird das Lustigste, zum wiederholten Male, aufgewärmt. Der so süffige, heimatliche Wein ist rasch getrunken, eine zweite Flasche geöffnet. Ferry wird plötzlich still, wie in sich gekehrt, hört mir kaum mehr zu. „Ach wie gut hast Du es auf der Inneren, schaust tagelang wildfremden Menschen in den Magen, in den Darm, und die soll ich dann operieren! Hast keinen Stress, keine Kitzel, keine verständnislose OP-Schwester, die die ganze Zeit auf den eh` schon überstrapazierten Nerven herumtrampelt", fällt er mir plötzlich ins Wort, gerade hatte ich die Uralt-Story von Schneider, unserem Lateinprofessor, begonnen.

    Ferry geht aus sich heraus, wie ein Sturzbach sprudeln die Worte aus ihm. Es scheint, dem heimatlichen Wein sei Dank, und er ist im Beichtstuhl, wohlgemerkt in meinem Beichtstuhl, noch dazu im Beichtstuhl eines Internisten!

    Ich hab Ferry schon immer gern gehabt, irgendwie war er wie ein Bruder für mich, den ich leider nie hatte. Ferry ist ein hübscher Bursche. Damals, früher an der Uni in Graz, dachte ich, es wäre doch super, wenn er meine, von mir auf das Innigste geliebte kleine Schwester, die Franzi, heiratet. Da hatte aber Franzi abgewunken, „weißt, Richard, zu Hause wurde ich immer korrekt mit Richard angesprochen, „attraktive Männer sind zum Schmusen, oder auch etwas mehr, aber nicht zum Heiraten und eine Familie gründen, meinte meine kleine Franzi, Wochen, nachdem ich ihr, wir waren alle schon in Graz auf der Uni, Ferry vorgestellt hatte. Na, ein wenig glaubte ich damals, hat es schon etwas gefunkt, zwischen den beiden. Ja, mein damals schon so altkluges Schwesterchen!

    Sie hat aber es auch erreicht, eine Familie zu gründen, ein Mathe-Student hat sie noch an der Uni, knapp vor dem Studienabschluss, Mutterfreunden entgegensehen lassen. Sie aber dann korrekt geheiratet und nun führen sie ein, von meiner ‚Wiener Warte’ aus gesehen, ein vollkommen geregeltes, etwas fades Leben eines Professorenehepaares in einer steirischen Kleinstadt. Sie ‚Englisch, Geografie’, er den Kindern ‚Mathe, Turnen’ beibringend, sind auch schon beim zweiten Kind angelangt.

    „Ich fühle mich immer unter Strom stehend", beginnt er seinen Monolog, „die Spannung belastet mich, frisst mich langsam auf! Und der Nachtdienst ist für mich eine besondere Belastung, ich habe oft Angst, nicht fachlich, da fühl ich mich ausreichend mit Können gewappnet, ich habe Angst, einfach Angst. Vor dem Alleinsein, davor, dass Marie mich verlassen könnte, dass ich zu wenig verdienen könnte, damit ich ihr ein gutes Leben bieten kann. Am Anfang unserer Beziehung war es ganz arg, ich konnte nicht zur Ruhe kommen, ich habe mir immer

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1