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Psycho-Hund? Kein Problem!

Psycho-Hund? Kein Problem!

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Psycho-Hund? Kein Problem!

Länge:
377 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 12, 2015
ISBN:
9783958309876
Format:
Buch

Beschreibung

Mit dem Buch Psycho-Hund? Kein Problem! hat Marion Friedl einen Leitfaden geschrieben, der nicht nur wertvoll für Hundepsychologen ist, sondern auch so verständlich geschrieben ist, dass Hundebesitzer ebenfalls auf ihre Kosten kommen. In leicht verständlichem Stil wurde aus fundiertem Fachwissen ein kompaktes und zugleich spannendes Ebook, das viele Bereiche abdeckt: Historie zur Abstammung und Domestikation des Hundes, Wissenschaftserkenntnisse, das Verhalten von Wolf und Hund, Hunderassen und ihre Eigenheiten, Hundeerziehung und -training, praxisorientierte Lösungen bei Verhaltensproblemen, sinvolles Zubehör und richtiges Handling, ergänzende Therapiemöglichkeiten, das Gespräch mit dem Tierbesitzer und der Hausbesuch, die Schulung der Aufmerksamkeit (beobachten, zuhören, gekonnt fragen etc.) - all das und viel mehr wird in dem Ebook behandelt.

Nicht ausgespart werden auch die Themen Beratung und Hilfestellungen sowie der wichtige Beistand für Tierbesitzer und Tier, wenn der Abschied für immer naht. Ein Ebbok für Hundepsychologen, Hundebesitzer, Hundefreunde und Hundeversteher oder für Hundefans, die zum Hundeversteher werden wollen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 12, 2015
ISBN:
9783958309876
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Psycho-Hund? Kein Problem! - Marion Friedl

BUCH

I

GESCHICHTE DER VERHALTENSFORSCHUNG UND GRUNDLEGENDES WISSEN ÜBER VERHALTENSWEISEN VON HUND & CO.

Die Wurzeln der Verhaltensforschung - Von Aristoteles und Darwin

Die Ursprünge der Verhaltensforschung bei Tieren reichen sage und schreibe bis zum Naturphilosophen Aristoteles (384-322 v. Chr.) zurück. An dieser Stelle aber wollen wir das Rad der Geschichte nur ein wenig zurück drehen und landen im Jahr 1859: Damals schrieb Charles Darwin (1809-1882) das Buch „Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl". Darwin zufolge haben sich über Millionen von Jahren Lebewesen von einfachen Lebensformen bis hin zum komplexen Wesen Mensch entwickelt. Möglich wurde dies laut Darwin durch ein natürliches Auswahlverfahren (Selektion) bei der Fortpflanzung. Dies bewirkte auch, dass nur die Lebewesen überlebten und sich fortentwickelten, die am besten mit den jeweils herrschenden Umweltbedingungen zurecht kamen. Die Selektion beeinflusste laut Darwin die körperlichen Veränderungen und das Verhalten. 1872 erklärte Darwin, dass der Mensch einst auf der niedrigen Entwicklungsstufe eines Tieres gestanden haben muss, weil verschiedene Gemütsbewegungen von Mensch und Tier ähnlich ausgedrückt werden (z.B. Zähne zeigen bei Wut, aufgerichtete Haare bei Panik). Damit traf er zwar nicht die Meinung aller Menschen seiner Zeit, aber er dürfte den Nagel ziemlich auf den Kopf getroffen haben.

Von Bohnen, Tauben und dem Pawlowschen Effekt

Gregor Mendel untermauerte die Theorien von Charles Darwin in Sachen Genetik: Bei Kreuzungsversuchen mit Bohnen stellte er fest: Es werden Eigenschaften jeder Bohne vererbt und so entsteht eine neue Bohnenvariation. Diese Erkenntnis wurde als „Mendelsches Gesetz" festgeschrieben. 1901 sattelte Hugo de Vries noch eins drauf und machte weiter gehende Erkenntnisse zur Entstehung von Variationen (Mutationstheorie).

Charles Otis Whitman (1842-1910) und Wallace Craig (1876-1954) widmeten sich vergleichenden Verhaltensstudien an Tauben. Die beiden fanden heraus, dass bei zusammenhängenden Handlungsprozessen ein zweckorientiertes Triebverhalten (Appetenzverhalten) zu einer feststehenden, angeborenen Endhandlungsweise führt. Dieses Triebverhalten kann unterschiedlich ablaufen, aber es wird immer mit Kalkül – also zweckorientiert – auf die Endhandlung hingearbeitet. Parallel zu den Erkenntnissen von Whitman und Craig zeigte der Physiologe Sherrington 1906 auf, dass kombinierte einfache Reflexe zu einem koordinierten Verhalten führen können.

In diese Kerbe schlug Sherringtons russischer Kollege Iwan Petrowitsch Pawlow. Dessen berühmt gewordener „Pawlowsche Effekt" basiert auf dem Zusammenspiel von Reiz und Reaktion: Wird immer wieder ein bestimmtes Signal ausgelöst und folgt diesem Signal stets das selbe Ereignis, dann antwortet der Hund mit einem gewöhnungsbedingten Reflex. Klingt umständlich, ist aber mit einem berühmten Versuch von Pawlow ganz einfach erklärt: Der Hund hört bei jedem Versuch einen bestimmten Klingelton und unmittelbar nach diesem Ton gibt es Futter. Bereits nach wenigen Malen zeigte sich: Schon wenn die Klingel ertönte, speichelte der Hund – ihm lief also vor lauter Vorfreude aufs Fressen das Wasser im Mund zusammen und das ist der Pawlowsche Effekt.

Von Konrad Lorenz, Küken, Erbverhalten und Instinkten

Um 1910 fand der Zoologe Oskar Heinroth heraus, dass Gänse und Enten beim Balzverhalten stets dieselben Bewegungen machen und er zog das Fazit, dass dies ein ererbtes, also angeborenes Verhalten sein muss. Wie immer gab es auch diesmal einen hellen Kopf, der diese Erkenntnis genauer untersuchte und fortführte. Studien des Mediziners und Zoologiestudenten Konrad Lorenz (1903-1989) ergaben: Angeborene Instinkthandlungen und erlerntes Verhalten (Dressurverhalten) ergänzen sich. Allerdings: Laut Lorenz kann schon ein einziger, nur geringer Reiz das angeborene Verhalten auslösen. Der Auslöser für das erlernte Verhalten muss jedoch stärker sein. Lorenz fand auch heraus: Mehrere Reize gleichzeitig können sich gegenseitig entweder verstärken oder abschwächen.

Konrad Lorenz untersuchte auch die Prägung. Basierend auf Oskar Heinroths Beobachtung, dass frisch geschlüpfte Küken, die als erstes nur Kontakt mit einem Menschen hatten, diesem Menschen nachliefen wie sie es beim Muttertier tun würden, stellte Lorenz fest: Bei Neugeborenen findet in der ersten Lebensphase ein prägendes Lernen statt und was in dieser Zeit mal gelernt wurde, das wird auch nie mehr vergessen. Ein wichtiges Argument in der heutigen Tierpsychologie, denn Hunde- und Katzenwelpen werden oft recht früh an Besitzer vermittelt. Dabei sollten sie möglichst 12 Wochen beim Muttertier und den Geschwistern bleiben, um in der sogenannten Prägephase das Ausdrucks- und Verhaltensrepertoire der Hunde bzw. Katzen lückenlos zu erlernen.

Wichtig ist dies beispielsweise bei der Begegnung mit anderen Artgenossen: Je länger als Welpe die Kommunikation geübt wurde, umso besser können sich die Tiere untereinander verständigen und Zoff aufgrund von Missverständnissen vermeiden. Deutlich wurde dies übrigens bei meinem Hund Kimba: Er war schon ein halbes Jahr alt, als er mir als Welpe eines Sheltie-Wurfes verkauft wurde. Doch seine Geschwister waren wesentlich kleiner und zudem wurde erwähnt, dass eine Verwandte der Züchterin eine Collie-Zucht habe. Das war die Erklärung für den Größenunterschied und auch dafür, dass Kimba von den anderen angeblichen Familienmitgliedern weggemobbt wurde. Später stellte ich beim Gassi gehen fest: Wenn ihm ein dominanter Hund begegnete, machte er einen weiten Bogen oder suchte Schutz bei mir: Allerdings mit hoch erhobener Rute und nicht – wie es hündisch korrrekt gewesen wäre – mit gesenkter Rute. Was folgte war klar: Streit. Für mich war das ein Zeichen dafür, dass Kimba zu früh von seinem eigentlichen Wurf entfernt wurde und er als Welpe seinen Sprachunterricht in Hündisch nicht abschließen konnte. Kimba und ich hatten jedoch Glück: Wir zogen aufs Land und da schloss er Freundschaft mit einem Retriever-Rüden und ich staunte nicht schlecht, als er binnen weniger Tage mit korrekter Rutenhaltung dominanten Hunden begegnete. Gut, dass ein Hund auch nach der Prägephase noch lernen kann, aber nicht jeder Hund hat das Glück einen Nachbarhund als guten Lehrer und Freund zu finden. Also ist es besser, er hat genug Zeit, um als Welpe im Familienrudel zu lernen.

Doch zurück zum eigentlichen Thema und damit zu Konrad Lorenz: Von ihm stammt auch das „psychohydraulische Modell" mit folgender Erkenntnis: Ein bestimmter Reiz löst den Instinktantrieb aus und dann folgt ein Verhalten erfolgt, das auf die Situation ausgerichtet ist. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Tierbeobachtungen in deren natürlichen Umgebung zeigten nämlich: Ein bestimmtes Verhalten kann auch hormonell – z.B. durch Stress - ausgelöst werden. Ist die Population zu dicht, werden zum Beispiel weniger Tiere geboren; nimmt der Stress weiter zu, gibt es gar keine Geburten mehr. Manchmal legt das Muttertier auch seinen Beschützerinstinkt ab und die Jungtiere sind dann für ihre Feinde leider ein gefundenes Fressen.

Von Erik Zimen, Wölfen und Hunden

Berühmt ist der Verhaltensforscher Erik Zimen (1941-2003): Er stellte umfangreiche Verhaltensbeobachtungen beim Hund und beim Wolf an. Von ihm stammen die Bücher „Der Hund, „Der Wolf und „Wölfe und Königspudel", die für Hundepsychologen ein absolutes Muss sind. Zimen hat nicht nur das Verhalten des Hundes bzw. des Wolfs einzeln erforscht und beschrieben, sondern auch Vergleiche zwischen Verhaltensweisen von Hund und Wolf angestellt. Dabei beobachtete er Königspudel und Wölfe. Er kreuzte für weitergehende Beobachtungen Königspudel mit Wölfen, um das Verhalten dieser sogenannten Puwos zu studieren. Komplett wurden seine Studien mit der Beobachtung von Puwo-Nachkommen.

Generell stellte er viel ererbtes Wolfs-Verhalten beim Hund fest, aber auch verloren gegangenes Erbgut. Die Domestikation veränderte auch das Verhalten des Tieres gegenüber dem Menschen. Es ist für Hundepsychologen unerlässlich, das wölfische Erbe in unseren Hunden zu kennen, denn ein ererbtes Verhalten kann nicht geändert werden. Beispiel: Das Kreistreten der Hunde vor dem Hinlegen. Dies tun Wölfe, um spitze Steine und piekende Äste aus dem Schlafplatz zu entfernen und um die Erde zu ebnen. Der Hund hat dieses Verhalten geerbt – auch wenn er aus einem sauberen, weichen Bettchen oder vom ebenen, gemütlichen Teppich nichts entfernen muss, tritt er im Kreis, bevor er sich zur Ruhe legt. Als Laie könnte man sagen, der Hund tut dies nach dem Motto: Man kann ja nie wissen und schaden kann es auch nicht. In Wirklichkeit kann er einfach nicht anders, weil das Verhalten ein wöfisches Erbe ist und weil er nicht anders kann, kann man ihm das Kreistreten auch nicht austreiben.

Andererseits sind auch Erbanlagen verloren gegangen, wie etwa die natürliche Scheu vor dem Menschen. Die Domestikation wiederum brachte scharfe Wachhunde hervor, die laut Zimen z.B. schon beim Nahen des Postboten Aggression zeigen, während sich der Wolf ängstlich zurück zog – und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie pinkelten sich sogar ängstlich in die nicht vorhandene Hose.

Vieles in diesem Buch basiert auf den Erkenntnissen von Erik Zimen. Übrigens: Erik Zimen gründete 2001 das Canis Zentrum für Kynologie.

Für Tierpsychologen ist das Beobachten das A und O

Die Ethologie befasst sich mit dem Verhalten. Verhaltensforscher erstellen bei ihren Tierbeobachtungen Ethogramme. Dies ist sozusagen die Buchführung über ein komplettes Verhaltensrepertoire einer Tierart und bildet die Grundlage der Tierpsychologie. Das heißt: Eine genaue Buchführung ist schon die halbe Miete.

In der Ethologie spielen vor allem Bewegungen, Laute und Körperhaltungen des Tieres eine Rolle. Aber es geht auch um offensichtliche Veränderungen, mit denen Tiere einer Art untereinander kommunizieren und womit sie beim Artgenossen ein bestimmtes Verhalten hervor rufen können. Beispiele sind das Absetzen von Duftstoffen oder das Totstellen. Das bedeutet: Um ein Verhalten zu zeigen, muss sich das Tier nicht unbedingt bewegen. Ein weiteres Beispiel aus dem Hundeverhalten: Ein dominanter Rüde will nicht, dass sein Frauchen von einem anderen Hund kontaktiert wird. Deshalb stellt er sich dem Konkurrenten starr in den Weg und hält ihn so von Frauchen fern. Das heißt: Der dominante Rüde zeigt ein eindeutiges Verhalten, obwohl er in einer unbeweglichen Körperhaltung verharrt. Und noch ein Beispiel aus der duftenden Hundewelt: Die Hundenase erschnuppert eine Botschaft – also eine Duftmarke von einem anderen Hund. Sofort wird über diese Botschaft gepinkelt, um diese zu übertünchen oder um auf die gesetzte Duftmarke zu antworten. Ärgert sich ein dominanter Hund darüber, dass in seinem Revier ein Rivale herumpinkelt, dann fällt die Antwort entsprechend aus: Der Hund wächst quasi über sich hinaus und streckt sein Bein so hoch empor, dass er noch höher pinkelt als sein Vorgänger: Was so viel heißt, wie: Sieh mal, ich kann noch höher pinkeln, weil ich größer bin als Du und deshalb habe ich hier das Sagen. So sind sie halt, die Hunde...

Verhaltensweisen müssen hinterfragt und eingeordnet werden

Wie gesagt: Das genaue Beobachten ist für jeden Tierpsychologen das A und O. Es ist wichtig zu wissen: Wann zeigt sich ein bestimmtes Verhalten? Wo tritt es auf? Was passiert, wenn sich das Verhalten zeigt? Wer ist in diesem Moment dabei? Welche Aktionen folgen dem Verhalten? Wie wird auf das gezeigte Verhalten und auf die darauf folgenden Aktionen reagiert? Was passiert dann? Nur wenn genau beobachtet wird und wenn Verhaltensweisen, Aktionen bzw. Reaktionen hinterfragt werden, kann eine Ursache erkannt und eine entsprechende Therapie entwickelt werden.

Auch der Therapieplan basiert auf Fragen - zum Beispiel: Was passiert, wenn ich die Situation ändere? Was tut sich, wenn ich die Reaktion des Menschen verändere? Was geschieht, wenn ich Anreize zu bravem Verhalten setze? Wie verhält sich das Tier, wenn ich sein Fehlverhalten ignoriere? Was bewirkt Ablenkung? Welche Reaktion erfolgt auf Tadel?

Die Sprache der Tiere und die Bedeutung der Funktionskreise

Wichtig ist natürlich, das Verhaltensrepertoire der Tierart zu kennen, mit der man sich befasst, denn dies ist die Sprache der Tiere. Und Sie werden diese Sprache gut verstehen, denn die Vokabeln der Hunde werden Sie noch in den nachfolgenden Kapiteln pauken. Mehr noch: Hin und wieder taucht in diesem Ebook auch die Katze auf, denn es schadet gar nichts, wenn man auch die Sprache der Katze kennenlernt, zumal in manchen Haushalten Hund & Katz‘ zusammenleben und es auch mal Zoff zu schlichten gilt, der meist auf dem unterschiedlichen Vokabular – also unterschiedlichen Verhaltensweisen – beruht.

Nicht weniger wichtig ist es für Tierpsychologen, die Verhaltenskomplexe und deren Funktionskreise zu kennen und diese auf Ursachen zurück führen zu können. Nicht immer gibt es für ein bestimmtes Verhalten auch nur eine Ursache. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht. Zwei Beispiele: Beißen: Das kann eine aggressive Handlung sein oder auch ganz natürlich bei der Nahrungsaufnahme passieren. Gähnen: Entweder ist das Tier wirklich müde oder es ist verunsichert und schindet mit dem Gähnen Zeit, um sich für eine Handlungsweise zu entscheiden. Sehen wir uns doch mal die verschiedenen Funktionskreise in den Verhaltenskomplexen an:

Ich bin schneller, Du kriegst mich nicht - Funktion: Bewegung

Von einer spontanen Fortbewegung spricht man, wenn das Tier ohne erkennbaren Grund losrennt. Was für uns grundlos aussieht, liegt aber häufig am exzellenten Hörsinn vieler Tiere. Wahrgenommen werden oft Geräusche im Ultraschallbereich, die der Mensch gar nicht hört. Wird nun ein Ultraschallton wahrgenommen, setzt sich das Tier in Bewegung – dies kann zum Beispiel beim Pferd eine Fluchtreaktion sein, während der Hund beispielsweise beim Klang der Hundepfeife zu seinem Herrn zurück läuft. Auch ein Geruch kann eine Bewegungsreaktion auslösen. Beispiel: Der Kater riecht an der Urin-Duftmarke, dass ein Rivale im eigenen Revier ist – und schon macht er sich auf den Weg, um den Konkurrenten zu finden und raus zu schmeißen.

Es gibt aber auch eine reaktive Fortbewegung. Das heißt der Hund gibt wegen eines erkenbaren Grundes Gas und seine Rennerei wurde durch eine bestimmte Reizquelle ausgelöst. Beispiel: Der Hund flüchtet immer unter die Couch, wenn es donnert. Die Reizquelle ist der Donner und der Grund für die Flucht unter die Couch ist die Angst vor dem Donner.

Übrigens: Auch das Ruhen ist eine Bewegungsform – auch wenn sich der Hund dabei nicht bewegt. Der Grund für diese zunächst paradox erscheinende Zuordnung: Beim Ruhen werden bestimmte Körperhaltungen eingenommen und beibehalten. Beispiel: Der Hund rollt sich gemütlich zum Schlafen zusammen oder er streckt sich für sein Nickerchen aus.

Bitte einmal putzen und kratzen - Funktion: Körperpflege und Wohlbefinden

Sowohl Hunde als auch Katzen lecken am Fell. Aber es ist ein Unter-schied, ob sich Tiere selbst belecken, ob sie sich gegenseitig belecken oder ob sie Gegenstände benutzen. Beispiele: Leckt der Hund seine Pfoten ab oder kratzt er sich, dann ist dies ein Solitärverhalten. Lecken sich Hunde gegenseitig ab, ist es ein Sozialverhalten. Schubbert sich ein Hund am Teppich, dann ist es ein Komfortverhalten. Alles klar? Wahrscheinlich nicht ganz, also sehen wir uns das Ganze einfach genauer an:

Das Solitärverhalten wird alleine ausgeführt und es dient zur Reinigung des Fells, zur Beseitigung von Parasiten, zum Entfernen von Haaren und verfilzten Fellteilen oder zur Anregung der Körperwärme.

Das Sozialverhalten wird gemeinsam vollzogen und stärkt das Band zwischen den Tieren, schafft Vertrauen, zeigt Zuneigung und Fürsorge, fördert den Zusammenhalt, tröstet und beruhigt auch mal und kann Ängste abbauen oder eine aufgeheizte Stimmung beschwichtigen. Muttertiere belecken ihre Neugeborenen auch, um deren Kreislauf auf Touren zu bringen und natürlich werden die Jungtiere auch laufend beleckt, um die Mutter-Kind-Bindung zu erhalten und um das Kleine sauber zu halten. Übrigens: Wenn wir ein Tier streicheln, kommt dies dem Sozialverhalten gleich, das die Bindung zueinander fördert. Das heißt: Wie schön! Streicheln gehört zum harmonischen Miteinander – auf geht’s zur nächsten Streichelrunde!

Das Komfortverhalten hilft zum Beispiel Juckreiz bzw. Parasiten an Körperstellen zu beseitigen, die mit der Zunge oder Pfote nicht erreicht werden können. So rubbelt der Hund seinen Rücken schon mal wohlig auf dem Teppich oder die Katze streift am Kratzbaum entlang - und schon hört es auf zu jucken. Aber Achtung: Gerade das Komfortverhalten ist für Tierpsychologen wichtig! Stress, Frust, Vernachlässigung und nicht artgerechte Haltung kann sowohl beim Hund als auch bei der Katze zu manischem Nagen und Kratzen sowie zur Selbstverstümmelung führen. Beispiele: Ein Hund hat wund gebissene Pfoten und Beine, der Tierarzt kann keine Krankheit feststellen und der Besitzer ruft den Tierpsycholo-gen. Dieser erfährt vom Besitzer, dass der Hund täglich 6 Stunden allein ist, weil Herrchen arbeiten muss. Der Tierpsychologe rät dazu, den Hund tagsüber bei Verwandten unterzubringen und siehe da: Die Beißerei hat ein Ende. Ein weiteres Beispiel: Vernachlässigung, Langeweile und Frust kann auch die Ursache sein, wenn Tiere zum Beispiel ihren Schwanz fangen und dabei hinein beißen. Das ständige Nagen und Kratzen wird auch als übertriebenes Körperpflegeverhalten bezeichnet und es muss stets daran gedacht werden, dass dieses Verhalten womöglich an einer nicht artgerechten Unterbringung bzw. Haltung liegt. Über diese fatalen Verhaltensstörungen werden Sie später noch mehr erfahren.

Das regelt mein Körper selbst - Funktion: Stoffwechsel

Verschiedene Verhaltensweisen dienen dem Stoffwechsel. So kann man an der Atmung viel ablesen: Ist sie tief und ruhig und die Frequenz (= Häufigkeit der Atemzüge) niedrig, befindet sich das Tier in einer Schlaf- oder Ruhephase. Die Atemfrequenz steigt bei Erregung. Bei körperlicher Belastung und bei Schmerzzuständen ist die Atmung tief, aber die Frequenz hoch.

Ein Verhalten, das der Regulierung der Körpertemperatur dient, wird Klimaverhalten genannt. Beispiele: Rollt sich ein Hund zusammen, speichert er die Wärme. Streckt sich der Hund im Liegen aus, gibt er überschüssige Wärme ab. Auch der Wechsel vom Sonnenbad in den Schat-ten und umgekehrt dient der Thermoregulation. Tiere, die sich gut ver-stehen und durch ein enges Band verbunden sind, kuscheln sich auch aneinander, um sich gegenseitig zu wärmen.

Der Stoffwechsel profitiert auch von Verhaltensmustern der Jagd, denn schließlich wird gejagt, um sich zu ernähren. Verhaltensbeispiele: Anschleichen an das Beutetier (Katze) bzw. Jagen in der Meute und Biss ohne vorheriges Drohen (Hund). Letzteres ist für Tierpsychologen wichtig zu wissen, denn fällt ein Hund einen Menschen ohne vorheriges Knurren, Bellen oder Zähnefletschen an, ist dieses Verhalten eindeutig dem bei der Jagd üblichen Beutefang zuzuordnen.

Kot, Harn und hormonelle Stoffe werden von Hund & Katz’ abgegeben, um Reviere, Gegenstände, Artgenossen oder auch ihre Menschen zu markieren. Die hormonähnlichen Stoffe spielen aber auch eine große Rolle beim Sexualverhalten der Tiere (weibliche Tiere informieren damit über ihre Paarungsbereitschaft, männliche Tiere regen damit den Sexualtrieb des Weibchens an).

Ich finde mich perfekt zurecht - Funktion: Räumliche Orientierung

Zur räumlichen Orientierung werden die Sinnesorgane benutzt: Das Tier kann dabei geradeaus schauen oder die Ohren gerade aufgerichtet (bei Schlappohren: nach oben gespitzt) haben: Dann befindet sich die Reizquelle geradlinig vor dem Tier. Wendet das Tier den Kopf und blickt zur Seite bzw. werden die Ohren seitlich ausgerichtet (besonders gut bei Stehohren zu sehen), deutet dies auf eine Reizquelle hin, die sich in genau dieser Blick- oder Hörrichtung befindet. Selbstverständlich spielt auch die Nase eine große Rolle bei der räumlichen Orientierung: Ein ausgebüxter Hund beispielsweise geht so schnell nicht verloren, denn er geht sozusagen seiner Nase nach und läuft auf seiner eigenen Spur wieder zurück. Ebenso gute Dienste leistet ihm die Nase, wenn er eine Fährte aufnimmt und das zu diesem Geruch passende Wild aufstöbert. Die Katze benutzt ebenfalls ihre Nase: Sie lokalisiert damit Beutetiere, Reviereindringlinge und natürlich auch (ebenso wie der Hund), dass es in der Küche verführerisch nach Fressbarem riecht.

Verschlafen ist fast unmöglich - Funktion: Zeitliche Orientierung

Wenn Organismen in einem bestimmten Rhythmus funktionieren, dient dies der zeitlichen Orientierung. Einfacher gesagt: Es ist die innere Uhr, die tickt. Beispiel 1: Der Hund läuft jeden Tag zur selben Zeit zu seinem Napf, weil es eben um diese Zeit immer Futter gibt. Beispiel 2: Der Hund läuft pünktlich jeden Tag um sechs Uhr abends zur Wohnungstür, denn immer um diese Zeit kommt Herrchen heim. Dass diese Zeit verpasst wird, kann auch mal passieren. Dann allerdings ist der Mensch dran schuld, weil er für die Sommerzeit bzw. Winterzeit an der Uhr gedreht hat.

Es gibt aber noch weitere Rhythmen: Tagaktive Tiere laufen tagsüber auf vollen Touren, nachtaktive Tiere eben nachts. Bei Wildtieren richtet sich das Brunstverhalten nach den Jahreszeiten. Natürliche Rhythmen können sich aber auch durch äußerliche Einflüsse verändern: Die Katze ist eigentlich nachtaktiv, aber sie lebt nun mal mit einem tagaktiven Menschen zusammen und hat sich deshalb auf den menschlichen Rhythmus umgestellt. Schließlich will man ja was voneinander haben.

Rück mir nicht auf den Pelz - Funktion: Schutz, Verteidigung, Angriff

Wenn sich Tiere verstecken, tun sie dies aus unterschiedlichen Beweggründen: Es kann sein, dass sie sich vor einem Feind verstecken bzw. einer Standpauke aus dem Weg gehen wollen. Ein Verhalten, das sowohl Hund als auch Katze zeigt. Das Verstecken kann aber auch gut für den Jagderfolg sein. Duckt sich die Katze im Gebüsch und ist so nicht zu sehen, kann sie in aller Ruhe abwarten, bis die Beute nah genug ist, um zuzuschlagen. Hunde- und Katzenbesitzer kennen das Faible ihrer Lieblinge für Versteckspiele: Die Katze sitzt mucksmäuschenstill im Schrank, bis sie gefunden wird. Man ruft den Hund und er kommt einfach nicht – stattdessen sitzt er mit gespitzten Ohren regungslos unter einem Busch und springt Frauchen freudig vor die Füße, wenn sie direkt vor dem Busch steht.

Drohgebärden sind unmissverständliche Aggressionen: Die Katze faucht und zeigt die Zähne, wenn ihr etwas nicht passt. Der Hund knurrt und fletscht die Zähne,

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