Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Kostenlos für 30 Tage, dann für $9.99/Monat. Jederzeit kündbar.

Beim Captains Dinner kam der Tod: Ein bitterböser Hochseekrimi

Beim Captains Dinner kam der Tod: Ein bitterböser Hochseekrimi

Vorschau lesen

Beim Captains Dinner kam der Tod: Ein bitterböser Hochseekrimi

Länge:
251 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 14, 2015
ISBN:
9783739257020
Format:
Buch

Beschreibung

Auf dem Luxusliner OCEAN FANTASY treffen vier uralte Milliardäre zusammen: ein griechischer Reeder, ein Schweizer Banker, ein englischer Öltycoon und ein französischer Werftbesitzer. Sie alle – ehemals Geschäftsfreunde - sind nun miteinander in riskante Transaktionen verstrickt und geraten an Bord in einen heftigen Streit um Geld, Macht und Einfluss. Als das Schiff nach einer irrwitzigen Odyssee endlich New York erreicht, verlassen sie es aber doch in trauter Gemeinschaft – als Leichen! Treffende Milieubetrachtungen der Superreichen, interessante Einblicke in das Bordgeschehen der Kreuzfahrtriesen, bitterböse Dialoge zwischen verfeindeten Greisen und ein wenig rabenschwarzer Humor begleiten den Leser von der ersten bis zur letzten Seite.
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 14, 2015
ISBN:
9783739257020
Format:
Buch

Über den Autor

Sternzeichen Schütze, Körper schlank, Größe 184 cm, Gewicht um 75 kg, Typ umtriebig, interessiert an allem, beweglich und sportlich, freundlich und kameradschaftlich.


Ähnlich wie Beim Captains Dinner kam der Tod

Mehr lesen von Helge Janßen

Buchvorschau

Beim Captains Dinner kam der Tod - Helge Janßen

Buchhandlung

1

Montag, 13 Uhr 10 (UTC +1), auf der Insel Skorpios

Park des Landsitzes Villa Dimitrios

Gärtner Nikos Karamanlis konnte sich nicht daran erinnern, seinen Chef jemals in einer derartigen Verfassung erlebt zu haben. Der Reeder, sonst trotz seines hohen Alters stets aufrechten Ganges, stolperte mehr in das Gewächshaus, als dass er es betrat. Sein finsterer Gesichtsausdruck signalisierte Verzweiflung, Wut - ja, grausame Entschlossenheit.

War etwas passiert? Was konnte der Prinzipal heute von ihm wollen? Dieser Besuch des alten Herrn schien nicht aus einem der sonst üblichen Gründe zu erfolgen. Wohl kam es vor, dass sich Stavros Dimitrios in die Gärtnerei schlich, um – unbemerkt von seiner ständig zankenden und keifenden Gemahlin Maria Carrara – mit ihm heimlich einen Ouzo zu kippen. Oder auch zwei. Und ihm dabei sein Herz auszuschütten und seine Sorgen abzuladen. Natürlich mit der nötigen Distanz zu seinem treuen Diener, die er trotz dessen nun fast fünfzigjährigen Dienstverhältnisses strikt einhielt. Dabei schien es Nikos aber immer öfter, dass es genügte, seinem Chef einfach nur zuzuhören, wenn er über seinen missratenen Adoptivsohn Giancarlo klagte. Über seine ewig nörgelnde Ehefrau. Oder über die immer schlechteren Zeiten, die inzwischen wohl sogar schon den Fortbestand der Reederei gefährdeten. Aber heute schien alles anders als sonst: Was wollte der Chef jetzt von ihm?

Hör´ zu, Nikos: Ich brauch ´ deinen Gabelstapler. Gleich. Wo ist er? Zeig´ mir, wie das Ding funktioniert, ja? Also los, guck nicht so bedeppert, Mann!

„Wie, Chef? Den ... den ... Stapler? Aber ... das kann ich doch machen? Was gibt´ s denn zu tun? Zu stapeln, meine ich?"

Nichts zu stapeln, Nikos, nein.

Die Stimme des Alten klang plötzlich nicht mehr so energisch wie eben. So, als müsse der Chef einen Ausweg finden. Als wolle er den Stapler vielleicht doch nicht fahren. Nikos wurde nicht schlau aus der ganzen Sache. Aber er musste gehorchen.

Also los jetzt!

Na gut. Kommen Sie. Der Stapler steht in der Remise. Ich will nachher die Kutsche anheben. Hab´ extra die lange Gabelzinken montiert. Sie braucht ein neues Radlager, wissen Sie? Für den Ausflug mit Ihrer Familie, Chef. Am Wochenende.

„Ach, der Ausflug! Vergiss es, Nikos. Und das Radlager auch. Ich bring´ das jetzt hinter mich. Und dann bin ich erstmal weg! Werde mir ein paar schöne Tage an Bord meines neuen Schiffes machen".

Mit diesen Worten kletterte Stavros Dimitrios, ein wenig mühsam mit seinen 93 Lebensjahren, auf das Fahrzeug und in den Schwingsitz hinter das Streuer und streckte die Hand nach dem Zündschüssel aus. Der Motor sprang sofort an. Nikos erklomm das Trittbrett neben dem Steuer.

„Was haben Sie denn vor, Chef? Wo fahren wir denn hin?"

„Das brauchst du nicht zu wissen, Nikos. Am besten weißt du von gar nichts, ja? Was ist dieser Hebel hier? Der Vorwärtsgang?"

„Ja Chef. Einfach nach vorn drücken. Und etwa Gas geben. Ist Automatik. Aber wieso ...".

„Gut. Und jetzt – wie geht die Gabel hoch? "

Der kleine Hebel links am Lenkrad. Wenn Sie den heranziehen, geht sie ´rauf. Wie hoch soll sie denn?

Der Alte zog nun den Hebel, bis die Gabel ungefähr gut einen halben Meter über dem Boden ankam und ließ ihn dann los.

„Aber – sie soll nicht so nach oben zeigen. Ich brauch´ sie waagerecht, verstehst du?"

„Nein Chef, das versteh´ ich nicht. Was wollen Sie denn damit machen? Mit der Gabel?"

In diesem Augenblick ertönte von der Parkallee her das heisere Gebrüll eines hochtourig gefahrenen Rennmotors, das sich – begleitet vom Kreischen geschundener Autoreifen auf heißem Asphalt – zu einem wahren Inferno steigerte. Stavros musste jetzt brüllen, um sich verständlich zu machen.

„Das wirst du gleich sehen, Nikos!. Steig ´runter. Und geh´ mir aus dem Weg!"

Das Kreischen der Reifen brach ab, als der zu dem Rennmotor gehörende Wagen den Asphalt der Pinienallee verließ und in einer hellgrauen Staubwolke heranschleudernd den sorgfältig geharkten schwarz weißen Kies der Auffahrt zum Schloss verwüstete. Und als das knallrote Ferrari Coupé endlich vor den Stufen der Freitreppe zum Stehen kam und sein Fahrer mit triumphierendem Lachen aus dem Wagen sprang, da stieß Stavros Dimitrios auf seinem Gabelstapler mit Vollgas von der Beifahrertür aus zu. Die beiden scharfen Gabelzinken durchbohrten mit einem hässlich ächzenden Krachen die rechte Wagentür, rissen den Sitz aus seiner Schiene und machten auch vor dem Mitteltunnel der Bodengruppe nicht halt, bis der Stapler gegen die Türschweller der Beifahrertür prallte. Nun zog der Alte den kleinen Hebel links vom Lenkrad zu sich heran und ließ die Gabel mit dem traurigen Rest des herrlichen Sportwagens in den Himmel steigen, bis die Hydraulikzylinder den maximalen Hub erreichten. Dann gab er erneut Gas, schlug die Hinterradlenkung scharf ein und ließ den Stapler drei, vier Mal um seine eigene Achse kreisen, bis die Fliehkräfte den Rest des Ferrari von der Gabel herab in das Rosenrondell schleuderten, wo er in einer hässlichen Staubwolke auf dem Dach schaukelnd liegen blieb.

Für ein paar Sekunden herrschte eine lähmende Stille, weil weder Maria Carrara-Dimitrios auf dem Balkon ihres Schlafzimmers, noch ihr vor dem Wrack kniender Sohn Giancarlo und die herbeieilenden Bediensteten das Unbegreifliche zu fassen vermochten. Dann aber explodierte das italienische Temperament der ehemaligen Operndiva mit schrill kreischendem Diskant in einer gewaltigen Hasstirade, die ihr in besseren Zeiten Beifallsstürme ihres Publikums in der Mailänder Scala beschert hätte.

Aber auch auf dieser eher bescheidenen Bühne vor der Kulisse des alten, schon ebenso deutlich wie seine Bewohner in die Jahre gekommenen Herrenhauses trat sie noch einmal in gewohnter Dramatik gekonnt auf. Die dicken Arme theatralisch gen Himmel ringend schrie sie ihren Gram mit gewaltiger Wucht heraus, sodass sich alle bis auf den Prinzipal gleichsam ängstlich duckten.

Mamma mia, Stavros, du Wahnsinniger, bist du denn vollkommen durchgedreht? Was hast du gemacht, du ... Scheusal? Du ... du ... Gangster ... du ... Mörder! Was hat dir Giancarlos neues Auto getan? Oder wolltest du ihn umbringen, den armen Jungen? Hast du uns noch immer nicht genug gedemütigt mit deinem Hass und deinem Geiz?

Doch der Reeder konterte nicht minder lautstark:

„Das fragst du noch, du ... du alte Xanthippe? Ihr seid es doch, die mich zum Irrsinn treiben! Du ewige Querulantin! Niemals kannst du mit irgend etwas zufrieden sein, was ich dir, was ich für euch erarbeitet habe! Kannst nicht damit fertig werden, dass dich die ach so fantastische Scheinwelt des Theaters vergessen, nein – verstoßen hat!"

Jetzt wandte sich Stavros seinem Stiefsohn Giancarlo zu und fuhr in unermindertem Zorn fort:

„Und dann deine Missgeburt von Sohn! Guck ihn dir an, wie er da hockt vor der großkotzigen Karre. Ein lächerliches Häufchen Elend, zu faul und zu dumm, um endlich seinen Mann zu stehen neben mir in der Reederei, die in immer schwierigere Gewässer gerät! Ach - hätte ich mich damals bloß nicht von deiner Mutter erpressen lassen und ihr versprochen, dich zu meinem Geschäftsführer und Erben zu machen, bevor sie sich herabließ, mich endlich zu heiraten! Anstatt zu arbeiten wie ein Pferd, verprasst du seitdem mein Geld mit teuren Nuttenschaukeln, Saufgelagen, Drogenpartys und billigen Weibern - pfui!"

Giancarlo nutzte die kurze Atempause, die der alte Herr benötigte, um zu einer lahmen Entschuldigung auf die Beine zu springen:

„Aber ... aber Vater – ich habe doch gar nicht dein Geld ausgegeben. Der Ferrari ... es war doch nur eine Probefahrt. Ich ... wollte ihn doch nur leasen! Und ich hab´ ihn noch nicht mal angezahlt ...".

Das aber war endgültig zuviel für Stavros Dimitrios. Er schlug sich die Hand vor die Stirn:

„Oh Gott - auch das noch! Ich fass es nicht! Du schwachsinniger Schnösel. Was hast du bloß in deinem dämlichen Kopf außer einem Haufen Stroh mit Eselscheiße? Die Gene deiner übergedrehten Mutter? Und jetzt verschwinde, Mensch! Sobald du diesen Schrotthaufen hier beseitigt und den Kies geharkt hast, wirst du meine Insel verlassen und noch heute dein Büro in der Reederei räumen. Wage es nicht, mir noch einmal unter die Augen zu treten, du … du jämmerlicher Versager! Und im Übrigen ... ihr könnt mich alle mal. Ich hau jetzt ab. Seht zu, wie ihr fertig werdet. Auch meine Geduld ist irgendwann zu Ende."

Den Schlussakkord überließ der Reeder der Alten auf dem Balkon, indem er sich abwandte und die Bühne verließ. Sie aber ergriff dankbar die Gelegenheit zum tragisch dargebrachten Abgesang:

„Mamma mia – ich werd ´ noch verrückt in diesem Irrenhaus mit dir ... du Teufel! Ach, ich kann nicht mehr, ich sterbe noch vor Gram ... hilft mir denn niemand aus meiner Not? Mein armer Giancarlino, was soll nur aus uns werden ...".

Sie begleitete ihren Abgang aus der dramatischen Szene mit einem gekonnten Aufschluchzen aus wogender Brust. Und in der gleichen Sekunde, als sie die Balkontür hinter sich zuwarf, da entzündete sich mit einem dumpfen Knall das auslaufende Benzin am heißen Auspuff des roten Schrotthaufens zu einem imposanten Feuerball, der sowohl mit der Wagenfarbe als auch mit der der plattgewalzten Rosen erstaunlich gut harmonierte. Selbst die sofort weithin sichtbare pechschwarze Rauchwolke, die wie ein Leichentuch im Winde waberte, passte trefflich zu diesem erster Klasse Begräbnis.

Vom Dorf her läuteten schon die Feuerglocken herauf, um die freiwillige Wehr zu alarmieren. Vor der brennenden Autoruine versuchten Gärtner Nikos und das Hauspersonal den Wagen zu löschen und den kopflosen Jungen zu trösten, dessen Statussymbol auf so schändliche Weise vernichtet vor sich hin qualmte.

Von Stavros war indes nichts mehr zu sehen. Er hatte sich in sein Schlafzimmer zurückgezogen, wo er hastig die Medikamente gegen seinen immens hohen Blutdruck und die sich verschlimmernden Kopfschmerzen geschluckt, sich dann auf sein breites Bett geworfen und abgewartet hatte, dass sich sein Zustand soweit besserte, um auf die Reise gehen zu können.

Der geleaste Helikopter startete noch am gleichen Nachmittag ein letztes Mal von der Wiese hinter der Vila, um ihn zum Flughafen nach Athen zu bringen. Neue Sorgen plagten ihn. Dort würde ein Gerichtsvollzieher auf das Flugzeug warten, um es zu beschlagnahmen. Vielleicht hätte er sich auch mäßigen sollen in seinem Zorn. Zu weitreichend waren schon die geschäftlichen Vollmachten, die er Giancarlo während des letzten Jahres allzu leichtfertig eingeräumt hatte. Der konnte noch allerlei Dummheiten machen während seines Abwesenheit. Doch nun war es zu spät.

Der Alte steckte den Kopf in den Sand, stieg in die Boeing um und verschlief die Probleme auf dem Linienflug nach London und auch den Weiterflug nach Southampton. Seine Stimmung besserte sich erst, als sein Taxi dort in den Hafen rollte. Denn da lag sie, die nagelneue Ocean Fantasy: Sein neuestes – und wohl auch sein letztes - Schiff! Majestätisch, wie ihr Eigner!! Sein ganzer Stolz. Fertig zur Jungfernfahrt. Um die ganze Welt!

Er brauchte sich beim Check In nicht auszuweisen, als er an Bord ging, denn selbst in dem Trubel der Einschiffung der fast dreitausend Passagiere erkannte ein Schiffsoffizier den hochgewachsenen Patriarchen mit den schwarzen Augen unter dem immer noch vollen Silberhaar sofort. Hilfsbereit nahm man ihm seinen kleinen Koffer ab und wollte ihn zur Rezeption auf Deck fünf geleiten. Doch er lehnte lächelnd ab.

„Danke sehr. Ich werde mich doch auf meinem eigenen Schiff auskennen, nicht?"

Gleich darauf stand er dem ersten Zahlmeister gegenüber und streckte ihm jovial die Hand entgegen.

„`n Abend Miller! Mein Gepäck bitte gleich in die Owners Suite, ja? Ich werde mich noch ein bisschen an Deck ergehen nach der langen Anreise. Also bis später dann!".

Komisch, wie der Mann ihn anstarrte! Als kenne er ihn gar nicht. Na ja, der hatte ja auch einen besonders stressigen Tag heute.

Aber das allein war es nicht, was Zahlmeister Miller so nervös machte ...

2

Montag, 14 Uhr (UTC)

Auf der Werft in St.Nazaire an der Loire

Im eleganten Konferenzraum der Werft hoch über dem Fluss herrschte angespannte Stille. Yvonne Girardet, mit ihren gerade mal 33 Jahren nicht nur eine absolute Augenweide, sondern als zweifache Doktorin des Schiffsbaues und der Wirtschaftswissenschaften auch die anerkannte Chefin der Großwerft an der Mündung der Loire, beendete ihren Vortrag zur finanziellen Lage des Unternehmens.

„Sie sehen, meine Herren, dass wir in eine äußerst bedrohliche Situation geraten, wenn wir nicht sofort energisch gegensteuern. Drei Punkte sind zu erledigen:

Baunummer 551, der Containerfrachter, muss von der Helling, egal ob Olympic Navigation ihn nun abnimmt und bezahlt oder nicht. Wir brauchen den Platz für den Neubau der Superyacht für Sir John Branniff. Also bauen sie den Frachter in Rekordzeit schwimmfähig und dann ab ins Wasser und hinten an den Ausrüstungskai, wo er nicht weiter stört, ja?

Gleichzeitig finden Sie bitte mit Hochdruck einen Charterer für die Ocean Fantasy, die ich vorgestern als Sicherheit für die nicht gezahlte letzte Rate von 150 Millionen Euro von der Reederei zurückgenommen habe. Zwar ist sie heute ausgebucht, aber die Suche nach künftigen zahlungskräftigen Fahrgästen ist nicht unser Bier. Das muss jetzt ein Reisekonzern mit Kreuzfahrterfahrung machen, klar?

Und zum Schluss mein dringender Auftrag an die Führungskräfte in der Konstruktionsabteilung und beim Einkauf: Wir müssen sparen – sparen – sparen! Denken Sie sich was aus! Das Controlling will schon beim nächsten Neubau 10 Prozent weniger Kosten sehen und das ist erst der Anfang. Ich selbst habe mich übrigens gestern von unserem Direktions- Bentley samt Chauffeur getrennt. Die Beiden passen nicht mehr in diese Zeit.

Noch Fragen ihrerseits? Dann erwarte ich Ihre konkreten Planungen in der nächsten Wochenkonferenz am Montag. Denken Sie bitte auch über einen freiwilligen Gehaltsverzicht nach. Das hilft mir, Kündigungen zu vermeiden. Danke sehr!"

Die sieben Herren der erweiterten Geschäftsleitung von Chantier Naval St. Nazaire verließen den eleganten Konferenzraum in gedrückter Stimmung. Man zischelte hinter vorgehaltener Hand.

„Dieses Biest!"

„Ja – aber mit allerhand Verstand".

„Frauen mit Verstand haben mir schon immer Angst gemacht".

„Hat die eigentlich keinen Kerl?"

Man weiß nichts über Kerle. Vielleicht ist sie ja....

„Das wäre aber schade. In diesem Fall würde ich sie glatt ...".

„Vergiss es – du verbrennst dir den Schwanz!"

„Meinst du, sie ist so heiß?"

„Na – guck sie dir doch mal an. Dieser Hintern. Diese Beine. Und erst diese ...".

Yvonne stellte ihren Becher unter die Kaffeedüse des Automaten, drückte zweimal auf die Mokkataste, warf fünf Stück Süßstoff hinterher und stöckelte in ihr Büro. Dort ließ sie sich in den schwarzledernen Chefsessel fallen, schleuderte ihre beängstigend hohen Pumps von sich und legte ungeniert die Endlosbeine auf den Schreibtisch, wobei ihr ohnehin nicht zu langer enger Rock auch den Rest ihrer Oberschenkel entblößte.

Yvonne Girardet überdachte die vergangene Stunde und legte sich selbst Rechenschaft über ihr Verhalten ab. War sie nicht doch zu rabiat mit den Herren umgesprungen?

Sie hatte viel erreicht und einen hohen Preis dafür bezahlt. Zu hoch? Vielleicht! Seit Kindertagen hatte ihr Vater Alain sein einziges Kind auf ein Leben mit seiner Werft vorbereitet. Sein Plan hatte sich allerdings eher auf eine Heirat mit einem kompetenten und möglichst betuchten Nachfolger gerichtet, der sein Lebenswerk weiterführen konnte. Aber sie hatte nicht nur niemanden gefunden, der dieser Vorstellung entsprach, sondern sich aus lauter Pflichtbewusstsein und Liebe zu ihrem Vater gleich selbst auf den Weg in die Führungsetage gemacht. Ihr kräftezehrendes Studium des Schiffsbaues und der Betriebswirtschaft hatte ihr kaum Zeit und Gelegenheit zu amourösen Begegnungen gelassen.

Die wenigen Männer, die ihr gefielen, konnten ihrem Intellekt nicht genügen und so blieb es bei einigen rein erotischen Kontakten ohne Tiefgang und Zukunft. Damit war sie eine Zeit lang zufrieden. Aber immer öfter fehlte ihr die innige Zweisamkeit mit einem Mann, mit dem sie eine Familie gründen könnte. Der musste ihr nicht unbedingt an Intelligenz und Strebsamkeit ähneln, die sie ja selbst besaß. Aber ein liebevoller und ansehnlicher Begleiter im gesellschaftlichen Leben und – vielleicht - der Vater ihrer Kinder, das wäre es schon gewesen.

Das Telefon riss sie aus ihren tiefsinnigen Betrachtungen. Madame, ein Herr für Sie. Sein Name ist Giancarlo Carrara-Dimi... Dimo... äh ... .

Yvonne musste laut lachen.

„Ist gut, Babette, ja, er heißt Dimitrios. Er ist ein Italiener, der von einem Griechen adoptiert wurde. Von dem Reeder, für den wir schon viele Schiffe gebaut haben. Komm, stell´ ihn durch, ja?"

Giancarlo atmete erleichtert auf, als er Yvonnes fröhliche Stimme hörte.

„Hallo Yve. Dir geht´ s gut, was? Mir

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Beim Captains Dinner kam der Tod denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen