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Schnelle Colts #1

Schnelle Colts #1

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Schnelle Colts #1

Länge:
485 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 5, 2019
ISBN:
9781516389094
Format:
Buch

Beschreibung

Schnelle Colts #1

von Alfred Bekker & Timothy Kid

Der Umfang dieses Buches entspricht 347 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende drei Romane:

Timothy Kid: Zum Sterben nach Montana

Alfred Bekker: Das Gesetz des Don Turner

Alfred Bekker: Nelsons Rache

ZUM STERBEN NACH MONTANA und zwei andere Western.

Die Schlacht am Little Big Horn

Die ungekürzte Version!

Steve und Phil Mitchell waren Brüder – Söhne eines weißen Trappers und einer Squaw vom Stamm der Sioux. Doch während Steve sich als Indianer fühlte und bei den Sioux lebte, zog es Phil zu den Weißen. Die Jahre zogen ins Land, und die Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Indianern wurden härter und härter. Schließlich erfassten sie auch Steve und Phil Mitchell, und aus Brüdern wurden Todfeinde, deren Fährten sich am Little Big Horn kreuzten – an den Ufern jenes Flusses, der zum Schauplatz der legendärsten Schlacht zwischen Indianern und US-Kavallerie werden sollte…

Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 5, 2019
ISBN:
9781516389094
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Schnelle Colts #1 - Alfred Bekker

Publisher

Schnelle Colts #1

von Alfred Bekker & Timothy Kid

Der Umfang dieses Buches entspricht 347 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende drei Romane:

Timothy Kid: Zum Sterben nach Montana

Alfred Bekker: Das Gesetz des Don Turner

Alfred Bekker: Nelsons Rache

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors ; Cover: Steve Mayer

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

ZUM STERBEN NACH MONTANA

Die Schlacht am Little Big Horn

Die ungekürzte Version!

von Timothy Kid

Steve und Phil Mitchell waren Brüder – Söhne eines weißen Trappers und einer Squaw vom Stamm der Sioux. Doch während Steve sich als Indianer fühlte und bei den Sioux lebte, zog es Phil zu den Weißen. Die Jahre zogen ins Land, und die Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Indianern wurden härter und härter. Schließlich erfassten sie auch Steve und Phil Mitchell, und aus Brüdern wurden Todfeinde, deren Fährten sich am Little Big Horn kreuzten – an den Ufern jenes Flusses, der zum Schauplatz der legendärsten Schlacht zwischen Indianern und US-Kavallerie werden sollte...

1

Tief im Herzen der Black Hills lauerten drei Sioux auf einen einsamen Reiter. Der Mann lenkte sein Tier im Schritt, beiderseits des gewundenen Weges erstreckten sich dichtes Gestrüpp und in der Sonne gleißendes Gestein. Am Horizont ragten bewaldete Höhenkämme und schroffe Berggipfel ins Tiefblau des Himmels.

Zwei der Krieger waren links und rechts des Pfades verborgen, der dritte hatte hinter der nächsten Wegbiegung Stellung bezogen, um den Überraschungsangriff auch von der anderen Seite her zu sichern.

Noch ahnte der Reiter nichts von der tödlichen Gefahr. Er wusste nicht, dass dunkle Augenpaare in bemalten Gesichtern aufmerksam jede seiner Bewegungen verfolgten, und er wusste nicht, dass sich sehnige Fäuste fester um Lanzenschäfte und Messergriffe schlossen.

Die drei Sioux verharrten reglos in ihren Verstecken. Zwei Krieger konnten den Weißen bereits sehen, der dritte, der etwas entfernt lauerte, hörte nur den gleichmäßigen Hufschlag des Pferdes.

Das schulterlange Haar dieses Kriegers war schwarz und seine Augen tiefbraun, doch seine Haut wies eine etwas hellere Tönung auf, als es bei einem Sioux normalerweise der Fall war. Auch sein Name entsprach nicht den üblichen Bezeichnungen für einen indianischen Krieger, sondern war amerikanisch: Steve Mitchell.

Steve war ein Halbblut, ein Mestize – der Sohn eines weißen Trappers und einer Squaw vom Stamm der Sioux, die sein Vater einst zur Frau genommen hatte – damals, vor mehr als zwanzig Jahren, als die Büffel noch so zahlreich gewesen waren wie die Grashalme der Prärie und kaum eines weißen Mannes Fuß dieses Land betreten hatte.

Steve war mit den Indianern gleichsam als Nachbarn aufgewachsen, die Wildnis hatte er immer schon als seine eigentliche Heimat empfunden. Das abgelegene Blockhaus in den Black Hills und die nahezu endlose Weite der Wälder, Schluchten und Flüsse waren ihm stets der Inbegriff der Freiheit gewesen. Wenn ihn sein Vater Lee jedoch in die Städte der Weißen mitgenommen hatte, hatten diese ihn regelrecht erdrückt. Zu lärmend und schmutzig waren sie ihm gewesen, und auch mit ihren Bewohnern hatte er nie Gemeinsamkeiten entdeckt. Bald schon war klar geworden, dass Steve sich der roten Rasse wesentlich mehr verbunden fühlte als der weißen, dass es das Indianerblut in seinen Adern war, das sein Denken und Handeln bestimmte  – sehr zum Gefallen seines Vaters, der der sogenannten Zivilisation nicht ohne Grund den Rücken gekehrt hatte. So war Steve herangewachsen, und seine Ausflüge zu den Dörfern der befreundeten Sioux waren häufiger und länger geworden, bis er die elterliche Blockhütte schließlich für immer verlassen hatte. Seither lebte er als Krieger in einem Tipi der Hunkpapa-Sioux, kleidete sich wie ein Indianer, sprach fließend ihre Sprache – und beteiligte sich an ihrem Kampf gegen die Bleichgesichter.

Längst schon war ein friedliches Nebeneinander von Weißen und Roten Geschichte, kam es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Völkern. Weiße Einwanderer fielen wie Heuschrecken ins Land der Indianer, und die Stämme des Nordens, allen voran die stolzen Sioux, waren fest entschlossen, nicht weiter zurückzuweichen. Sie griffen erbarmungslos jeden Weißen an, der in ihre Jagdgründe eindrang, und die Intensität ihres Widerstandes machte auch der Kavallerie stark zu schaffen. Der Armee der Vereinigten Staaten war in den Sioux ein ebenbürtiger und gefürchteter Gegner erwachsen, und in den Grenzstädten von Montana erzählte man sich die blutrünstigsten Geschichten über Sitting Bull und Crazy Horse, die beiden berühmtesten Häuptlinge dieses Volkes. Von den Massakern der US-Kavallerie an den Frauen und Kindern der Indianer erzählte man sich dort natürlich nichts, sie wurden als »Siege der weißen Zivilisation« gefeiert.

Manchmal war Steve fast froh, dass seine Mutter das alles nicht mehr miterleben musste. White Cloud war vor drei Jahren gestorben, nachdem sie an der Seite von Steves Vater ein glückliches und erfülltes Leben geführt hatte.

Ein gellender Schrei zu seiner Linken riss Steve Mitchell aus seinen Gedanken. Er war von einem der beiden Sioux ausgestoßen worden, der bisher geduckt auf einem Felsen auf der anderen Seite des Weges gelauert hatte. Gleich darauf drang das schrille Wiehern eines Pferdes an Steves Ohren, hörte er den dumpfen Aufprall zweier Körper und anschwellenden Hufschlag.

Seine Stammesbrüder waren zum Angriff übergegangen!

Das Trommeln der Pferdehufe wurde lauter, im nächsten Moment sprengte das ledige Pferd des Weißen um eine Biegung des Weges. Nach einigen Yards hielt das Tier wieder an.

Steve blickte über das Pferd hinweg nach rechts. Nichts regte sich dort, der Weg lag menschenleer im Licht der Sonne. Ein weiterer Weißer, der sich zufällig von der anderen Seite her genähert hätte, war nirgends zu sehen.

Wenn er seinen Stammesbrüdern jetzt helfen wollte, dann konnte er das am besten tun, indem er ebenfalls in den Kampf eingriff!

Der Mestize huschte hinter seinem Felsen hervor und wandte sich nach links. Nahezu lautlos folgte er in seinen Mokassins dem schmalen Pfad, in der Rechten einen klobigen Tomahawk. Das reiterlose Pferd beachtete er nicht, diese Beute war nicht so wichtig wie der Skalp des verhassten weißen Eindringlings!

Nachdem Steve knapp eine Minute gelaufen war, wichen die Bäume zu seiner Linken zurück und gaben den Blick frei auf die Kampfhandlung, in die inzwischen auch sein zweiter Stammesbruder eingegriffen hatte. In einer Entfernung von annähernd hundert Yards rangen die beiden Indianer mit dem Weißen, der sich erbittert wehrte.

Der Sioux, der den Reiter vorhin angesprungen war, lag mit ausgebreiteten Armen auf dem Rücken, benommen von dem Faustschlag, den ihm der Weiße verpasst haben musste. Nun wirbelte der Mann zu dem zweiten Indianer herum, der nur wenige Schritte von ihm entfernt stand, eine zum Stoß bereite Lanze in den Fäusten. Der Colt des Weißen, den er während des Kampfes verloren hatte, lag etwas abseits, das Metall glänzte silbern im Schein der Sonne.

Der Krieger stieß seinen Speer nach vorne, nahezu zeitgleich sprang der Weiße zur Seite. Noch im Ausweichen packte er die haarscharf an ihm vorbeifahrende Lanze.

Er zog den Speer zu sich heran, der Indianer wurde vom eigenen Schwung nach vorne getragen. Seiner Kehle entrang sich ein wütender Schrei, ehe er bäuchlings zu Boden stürzte.

Der Weiße fuhr auf den Absätzen herum und wirbelte die Lanze in die richtige Lage. Zeit zum Aufheben seines Colts blieb ihm jetzt keine mehr, nun entschieden Sekunden über Leben und Tod.

Der Mann hob die Rechte mit dem Speer, bereit, den am Boden liegenden Sioux mit seiner eigenen Waffe zu töten. Dass sich der andere Krieger inzwischen aufgerappelt hatte und verschwunden war, schien er in diesen dramatischen Sekunden nicht zu registrieren.

Die Gegenwart des zweiten Sioux kam ihm erst wieder zu Bewusstsein, als sich von hinten ein kräftiger Arm um seinen Hals schlang und ihm die Luft abschnürte.

Der Weiße ließ den Speer fallen, winkelte den rechten Unterarm an und stieß ihn nach hinten, genau zwischen die Rippen des Sioux. Der stieß einen Schmerzensschrei aus, löste seinen Würgegriff und knickte in den Knien ein. Noch im Fallen riss er den Weißen mit zu Boden.

Der Mann wälzte sich über den Pfad, kroch auf allen vieren in fieberhafter Eile auf seinen Colt zu.

Der Sioux, dem er vorhin den Speer entwunden hatte, war schneller. Er griff wieder nach seiner Lanze, brachte sich mit weiten Schritten an den Weißen heran und stellte sich genau zwischen ihn und seine Waffe. Kalt sah er auf den Mann hinab, den er im nächsten Moment am Boden festnageln würde. Nun gab es kein Entkommen mehr, war der Weiße endgültig verloren!

Während Steve auf die Kämpfenden zugelaufen war, hatte er ihre Gestalten nur ungenau wahrgenommen. Nun aber, da er nur mehr wenige Yards von ihnen entfernt war, sah er sie ganz genau. Die ihm trotz der Kriegsbemalung bekannten und vertrauten Gesichter der Sioux – und das Gesicht des Weißen, das ihm nicht weniger bekannt und vertraut war.

Die jähe Erkenntnis, wer hier von seinen Stammesbrüdern gleich getötet werden würde, traf ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

»Halt, lasst ihn leben!«, rief Steve in der Sprache der Hunkpapas. Seine Stimme schnitt wie ein Messer durch die vor Spannung förmlich knisternde Atmosphäre.

Der Krieger mit dem Speer sah verdutzt zu Steve hinüber und ließ die Lanze wieder sinken. Auch der zweite Sioux, der bereits sein Skalpmesser gezogen hatte, verhielt abrupt in der Bewegung.

Keuchend hielt Steve vor den dreien an. Sein Blick traf den am Boden liegenden Mann, und nun war er völlig sicher, dass er sich vorhin nicht getäuscht hatte.

Der Mann war niemand anderer als sein Bruder Phil!

Steve Mitchell starrte seinen Bruder an, als wäre er ein Gespenst. Phil seinerseits war von der unerwarteten Begegnung nicht weniger erstaunt und musste erst einmal hart schlucken, ehe er sich wieder aufrappelte. Die beiden Krieger, die ihn eben noch töten hatten wollten, ließen ihn unbehelligt, hielten ihre Waffen aber nach wie vor kampfbereit in Händen. Misstrauisch glitten ihre Blicke zwischen Steve und seinem Bruder hin und her.

Dessen Haut besaß annähernd die gleiche Tönung wie die Steves, aber sein Haar war blond und seine Augen tiefblau. Auch waren seine Backenknochen nicht so hoch angesetzt wie bei Steve. Und während Steve Mokassins, fransenverzierte Leggins, einen Lendenschurz sowie einen knöchernen Brustharnisch trug und eine Feder im Haar stecken hatte, war Phil mit einem ausgewaschenen Hemd, Levis-Hosen und Cowboystiefeln bekleidet. Beide Brüder waren schlank, mittelgroß und Anfang zwanzig, Steve war etwas älter als Phil. 

Dass Phil sich immer schon mehr als Weißer gefühlt hatte, war für Steve nichts Neues. Dieser grundlegende Charakterunterschied zwischen den beiden Brüdern hatte sich schon früh herausgestellt und war mit den Jahren stärker und stärker geworden. Dem Leben in der Wildnis hatte Phil ebenso wenig abgewinnen können wie den Bräuchen der Indianer, ihn hatte es immer schon zu den Weißen gezogen. Noch vor Steve hatte er die elterliche Blockhütte verlassen, um in den Städten des Grenzlandes sein Glück zu versuchen – sehr zum Missfallen ihres Vaters Lee Mitchell. Und im Gegensatz zu Steve hatte er ihren Vater auch nur sporadisch besucht. Zu Steve selbst pflegte er schon seit Jahren keinen Kontakt mehr, denn dazu hätte er in die Dörfer der Sioux reiten müssen – und dort hatte er sich noch nie wohlgefühlt.

Steve trat dicht an Phil heran und sah ihn mit unbewegter Miene an.

»Erstaunt, Bruder? Willkommen in den Jagdgründen der Sioux«, begrüßte er ihn schließlich spöttisch.

Phil war von der Situation noch immer völlig verwirrt. Nicht nur, dass ihm sein unerwartet aufgetauchter Bruder das Leben gerettet hatte – nein, Steve war auch noch zum Indianer geworden! Als Phil vor Jahren das gemeinsame Zuhause verlassen hatte, war Steve im Herzen zwar auch schon ein Sioux gewesen, aber er hatte sich wenigstens noch gekleidet wie ein Weißer.

»Steve, ich... ich danke dir«, stammelte Phil, sichtlich verlegen und nach Worten suchend. »Wenn du nicht gewesen wärst, dann wäre ich... dann wäre ich...«

»Dann wärst du jetzt tot, ein Fressen für die Bussarde«, vollendete Steve ungerührt den Satz seines Bruders. »So wie alle Weißen, die in die Jagdgründe der Sioux eindringen. Hat es sich bei deinem Volk noch nicht herumgesprochen, dass in den Black Hills auf alle Wasichun der Tod wartet? Auch dieser Tomahawk«, Steve hob kurz die Rechte mit der Waffe, »ist bereits einigen Weißen zum Verhängnis geworden. Du kannst von Glück reden, dass ich dich im letzten Moment erkannt habe.«

Steves Worte hallten in Phils Gehirn wider und entfalteten erst nach und nach ihre Wirkung.  Wenn es noch irgendeinen Zweifel gegeben hatte, dass Steve vollständig zu einem Indianer geworden war, dann war dieser Zweifel jetzt beseitigt.

Obwohl Steve von einem weißen Vater abstammte, sprach er nicht von seinem Volk, sondern von Wasichun – so lautete die Bezeichnung der Sioux für die Weißen. Und in seinen Worten vom Tod, der alle Weißen in den Black Hills erwartete, klang nicht die Spur eines Bedauerns mit, sondern die felsenfeste Überzeugung, dass dies das einzige Richtige sei! Phil zweifelte keine Sekunde daran, dass Steve ihn nicht gerettet hätte, wäre er ein anderer gewesen. Und obwohl er Steve das Leben verdankte, spürte Phil jetzt in seinem Inneren eine Abneigung gegen seinen Bruder. Es war ihm schlichtweg unbegreiflich, dass jemand freiwillig wie ein Indianer lebte, die Phil eigentlich nur als primitive Wilde ansah.

Die beiden Sioux bedrohten Phil nun nicht mehr mit ihren Waffen. Offenbar verstanden sie so viel Amerikanisch, dass sie begriffen, in welchem Verhältnis Steve und Phil zueinander standen. Immer aber noch musterten sie Phil mit finsteren Blicken.

»Du musst verstehen, dass ich etwas erstaunt bin.« Phil zwang sich ein Lächeln ab, um so die Situation etwas zu entkrampfen. »Immerhin habe ich dich seit Jahren nicht mehr gesehen, und du hast dich doch... nun, etwas verändert.«

»Dass du mich seit Jahren nicht mehr gesehen hast, liegt alleine an dir«, erwiderte Steve frostig. »Und dass du dich verändert hättest, kann man wirklich nicht behaupten. All die Bemühungen unserer Eltern haben bei dir nichts gefruchtet, du hast dich schlussendlich doch für die falsche Seite entschieden!«

Phil zuckte die Achseln, hob seinen Revolver auf und ließ ihn ins Holster gleiten. »Die falsche Seite vielleicht für dich – aber nicht für mich, Steve. Jeder Mann muss wissen, wo er hingehört – und zu Männern sind wir ja mittlerweile geworden, wenn wir uns auch sonst sehr voneinander unterscheiden.«

»Die weißen Männer gehören jedenfalls nicht in die Jagdgründe der Sioux – auch wenn es hier Unmengen des gelben Gesteins gibt, nach dem die Wasichun so verrückt sind«, beharrte Steve. »Das ist doch der wahre Grund für das Eindringen der Weißen  – seit General Langhaar im Sommer des Vorjahres von riesigen Goldvorkommen in den Black Hills berichtet hat.«

Phil überlegte. Mit General Langhaar konnte Steve eigentlich nur George Armstrong Custer meinen, den Kommandeur der siebenten Kavallerie. Eigentlich war er kein General, sondern Oberstleutnant, den Rang eines Generals hatte er nur während des Bürgerkrieges innegehabt. Dennoch ließ er sich immer noch liebend gerne mit »General« ansprechen, wie ihm überhaupt ein äußerst arroganter und eitler Ruf vorauseilte. Heute galt Custer als bester Indianer-Kämpfer der Armee, seit er 1868 bei der so genannten  »Schlacht am Washita River« das Dorf des friedfertigen Cheyenne-Häuptlings Black Kettle dem Erdboden gleichgemacht hatte. In Wahrheit war es keine Schlacht gewesen, sondern ein blutiges Massaker an Frauen, Kindern und Greisen. Sogar die Ponys der Indianer hatte Custer erschießen lassen, nachdem die ahnungslosen Cheyennes unter dem Kugelhagel der Soldaten gestorben und die Tipis ein Raub der Flammen geworden waren. Die Stämme des Nordens hassten ihn seither wie keinen anderen Offizier der Kavallerie, er verkörperte für sie den Inbegriff des »schlechten weißen Mannes«.

Vor einem Jahr nun, 1874, hatte Custer eine so genannte »wissenschaftliche Expedition« in die Black Hills geführt, um den Tier- und Pflanzenbestand dieser Gegend zu erforschen. Allerdings waren an dem Unternehmen wesentlich mehr Geologen als Naturkundler beteiligt gewesen, und die hatten bald gefunden, wonach man eigentlich suchte: Gold!

Erst einmal öffentlich geworden, hatte sich die Nachricht vom Goldfund wie ein Lauffeuer verbreitet. Ausgerüstet mit Waschpfanne und Pickel, strömten seither Tausende Weiße in die Black Hills, von der Armee am Vordringen ins Indianerland nur halbherzig gehindert. Und das war ein glatter Bruch des einst feierlich abgeschlossenen Vertrages, der den Sioux das nördliche Montana für alle Zeiten zugesichert hatte.

Die nahezu unerschlossene Wildnis bis zur kanadischen Grenze war nicht nur reich an Wildtieren und fruchtbarem Land, hier lagen auch die den Sioux heiligen Black Hills, die Schwarzen Berge, die sie ehrfurchtsvoll »Paha Sapa« nannten. Sie stellten den Mittelpunkt ihrer spirituellen Welt dar, sie waren nach dem Glauben der Indianer der Sitz Manitous. Wer hier eindrang, war nicht nur ein Landräuber und Vertragsbrecher – er war auch ein Frevler!

Das alles wusste Phil Mitchell, trotzdem glaubte er sich nicht im Unrecht. Abgesehen davon, dass er den Glauben der Sioux für lächerlichen Hokspokus hielt – war nicht auch er hier aufgewachsen? Floss nicht auch in seinen Adern das indianische Blut seiner Mutter? Und schließlich war er auch nicht in die Black Hills gekommen, um hier nach Gold zu schürfen, sondern um seinen Vater zu besuchen.

»Der Grund meines Erscheinens ist nicht das Gold«, antwortete er trotzig und sprach damit die Wahrheit. »Ich möchte unseren Vater besuchen, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe.«

»Du warst lange fort, Bruder, zu lange«, erwiderte Steve, und seine Worte klangen seltsam mehrdeutig. »Seit deinem letzten Besuch ist vieles geschehen, was du noch nicht weißt. Vieles, was sich nicht mehr ändern lässt.«

Phil sah Steve misstrauisch an. Was wollte ihm sein Bruder sagen?

Einen Moment später gab ihm Steve die Antwort auf die unausgesprochene Frage.

»Unser Vater ist tot, Phil. Er starb letzten Winter und weilt seitdem bei White Cloud, unserer Mutter.«

Die Worte seines Bruders trafen Phil Mitchell wie ein Guss kalten Wassers. Zum zweiten Mal innerhalb eines Tages, zum weiten Mal innerhalb von Minuten, wurde er mit einer Wahrheit konfrontiert, die ihn bis in sein Innerstes erschütterte.

Zuerst hatte er feststellen müssen, dass Steve zum Indianer geworden war – und nun teilte ihm sein Bruder auch noch mit, dass ihr Vater gestorben war!

»Wie ist er... gestorben?«, wollte Phil zögerlich wissen. Immer noch bereitete es ihm Mühe, das Unfassbare auszusprechen. »Haben ihn die Sioux... «

»Nein, die Sioux haben ihn nicht getötet!«, fiel Steve ihm zornig ins Wort. »Warum hätten sie ihn auch als ihren Feind ansehen sollen? Unser Vater war einer der wenigen Weißen, den sie in ihren Jagdgründen respektierten. Er lebte mit einer indianischen Frau zusammen und jagte stets nur so viel Wild, wie er für sich und seine Familie brauchte. Das alles weißt du ganz genau.«

»Warum aber musste er dann sterben?«, setzte Phil nach. »Er war erst Anfang fünfzig und strotzte immer nur so vor Gesundheit!«

»Man merkt, dass du dich lange Zeit keinen Deut um ihn geschert hast«, sagte Steve, und der Vorwurf in seinen Worten war unüberhörbar. »Was die feigen Crows nicht schafften, was weder Bären noch Wölfen gelang, schaffte ein einziger harter Winter voll Schnee und Frost. Vater ist an einer Lungenentzündung gestorben.«

»Wo liegt er begraben?«

Steve beschrieb mit seiner Linken eine weit ausholende Geste. »Er ist nirgends begraben. Sein Geist ist hier, überall in den Black Hills, in den Wipfeln der Bäume genauso wie an den Ufern der klaren Bäche! Die tapferen Hunkpapa-Sioux, deren Stamm auch ich angehöre, haben unseren Vater auf einem indianischen Totenbett verbrannt. Ich nahm an diesem Begräbnis teil, und meine Hand hielt auch die Fackel, mit der seine letzte Ruhestätte in Brand gesteckt wurde, auf dass sein Geist eingehen könne in die Ewigen Jagdgründe!« Das Gesicht des Halbbluts nahm bei diesen Worten einen stolzen Ausdruck an.

»Ich werde meinen Weg trotzdem fortsetzen«, erklärte Phil entschlossen und wies voraus, wo sich sein Pferd befinden musste.  »Wenigstens einmal möchte ich noch den Ort sehen, an dem ich aufwuchs – auch wenn ich mich dazu entschlossen habe, dieser Welt den Rücken zu kehren.«

Steve nickte. »Dieser Wunsch sei dir gestattet. Reite zur verlassenen Blockhütte unseres Vaters, sprich mit seinem Geist, wenn du dazu als Weißer überhaupt fähig bist und deine Sinne noch nicht völlig abgestumpft sind – und verlasse dann die Black Hills für immer. Ich bin ein Sioux, du aber bist ein Wasichu, und zwischen diesen beiden Völkern ist kein Friede mehr möglich. Die Hunkpapas werden dich ungestört ziehen lassen, bis der Zweck deiner Reise erfüllt ist und du die Paha Sapa wieder verlassen hast. Solltest du in Zukunft allerdings noch einmal unsere Jagdgründe betreten, liegt dein Schicksal in Manitous Hand.«

4

Wenige Tage nach jener schicksalshaften Begegnung befand sich Steve Mitchell viele Meilen entfernt von seinem Dorf in der Wildnis der Black Hills. An seinen Bruder Phil, den er so unverhofft wieder getroffen hatte, verschwendete er keinen Gedanken mehr. Phil hatte sich für die Weißen entschieden, und Steve hatte ihm das Leben gerettet, damit er noch einmal an den Ort ihrer gemeinsamen Kindheit zurückkehren konnte – damit war die Angelegenheit erledigt. Für Steve gab es jetzt Wichtigeres, denn auch er wollte seinen eingeschlagenen Weg fortsetzen – im Sinne eines Siouxkriegers. An Kampf dachte er jetzt jedoch nicht, sein Vorhaben war geistiger Natur.

Der Mestize saß mit untergeschlagenen Beinen auf der Kuppe eines Felsens, den Oberkörper gerade aufgerichtet, die Ellenbogen auf den Oberschenkeln liegend. Vor ihm fiel das Land flach ab, erstreckte sich ein grasbewachsenes Tal, das an drei Seiten von dichtem Wald gesäumt wurde. Die Sonne brannte heiß vom wolkenlosen Himmel, Steves nackter Oberkörper glänzte vor Schweiß.

Während der letzten drei Tage hatte Steve keinen Bissen zu sich genommen und nur spärlich getrunken. Er war völlig allein durch die Wildnis gestrichen, hatte fast nicht geschlafen und kein Wort gesprochen – nur gelauscht hatte er. Auf das Rauschen der Wälder, das Murmeln der Bäche – und auf die Stimme Manitous. Diese hatte ihm schließlich den Platz auf dem Felsen zugewiesen, wo das Halbblut schon seit Stunden verharrte, entspannt und doch auch konzentriert zugleich.

Dass Steve all das tat, hatte seinen Grund in den Bräuchen der Sioux. Ein junger Mann, der zum Krieger werden wollte, musste nicht nur seinen Mut beweisen, er musste sich auch in den Zustand der Trance versetzen, um vom Großen Geist eine Vision zu empfangen. Vom Inhalt dieser Vision leitete sich der zukünftige Name des Kriegers ab, und sie gab ihm oft auch zu verstehen, in welchen Bahnen sein Leben von nun an verlaufen würde.

Seine Tapferkeit hatte Steve bereits unter Beweis gestellt – er hatte die Krieger der feigen Crows ebenso im Kampf besiegt wie einige Wasichun, die in die heiligen Berge der Sioux eingedrungen waren. Nun harrte er seiner Offenbarung durch den Großen Geist, die ihn endgültig zu einem Indianer machen sollte. Denn nur wer im Herzen ein Sioux war, zu dem sprach auch Manitou.

Steve wusste nicht, wie lange er schon auf dem Felsen saß, als er einige hundert Yards voraus am Waldrand eine Bewegung wahrnahm. Zuerst schien es, als würden sich die Bäume zu regen beginnen, dann aber erkannte er, dass zwischen ihren Stämmen Gestalten auftauchten und in den Sonnenschein eines grünen Tals traten.

Es waren vierbeinige Gestalten mit pelzigen grauen Körpern und zottigen Schwänzen, Hunden nicht unähnlich, nur deutlich größer.

Es waren Wölfe! Ein ganzes Rudel Wölfe, wie sie in jenen Tagen überall durch das Land strichen.

Steve wusste nicht, dass die Wölfe dort vorne nicht wirklich existierten, dass sie nur ein Produkt seines Gehirns waren, entstanden durch die Trance, die nun bei ihm einsetzte. Aber das war für das Halbblut jetzt auch nicht wichtig. Die Grenze zwischen Illusion und Realität gab es für Steve nicht mehr, er starrte nur wie gebannt voraus, wo die Wölfe in das Tal schlichen, misstrauisch nach allen Seiten witternd.

Eines der Tiere fiel Steve besonders auf. Sein Fell war nicht grau wie das seiner Artgenossen, sondern wies eine rot-weiße Zeichnung auf, wie Steve sie noch nie bei einem Wolf gesehen hatte. Nur der Schädel des Tier war komplett mit rotem Fell bedeckt.

Der gefleckte Wolf schien unter seinen Artgenossen eine besondere Stellung einzunehmen, denn die übrigen Wölfe hielten sich ständig in seiner Nähe und wichen nicht von seiner Seite. Immer wieder richteten sie ihre Blicke auf das rot-weiße Tier, das auch Steve so faszinierte.

Plötzlich kam Unruhe in das Rudel. Die Wölfe drängten sich dicht zusammen, begannen bedrohlich zu knurren und wandten ihre Schädel dem Waldrand auf der anderen Seite der Lichtung zu.

Dort trat nun ebenfalls ein Wolfsrudel zwischen den Bäumen hervor! So wie vorher die anderen Tiere, pirschten auch diese Jäger der Wildnis in das Tal, näherten sich langsam ihren Artgenossen.

Obwohl beide Rudel der gleichen Tierart angehörten, begegneten sie einander mit offenkundiger Feinseligkeit. Die Wölfe beider Gruppen sträubten ihr Fell, knurrten und fletschten die scharfen Zähne.

Nun erkannte Steve, dass sich auch bei dem neu aufgetauchten Rudel ein rot-weiß gezeichnetes Tier befand, dessen Schädel allerdings ein komplett weißes Fell aufwies. Und ebenso wie der andere gefleckte Wolf, musste auch dieses Exemplar bei dem Rudel eine besondere Rolle spielen. Vermutlich handelte es sich bei den beiden Gefleckten um die Leitwölfe.

Die Wolfsrudel schlichen aufeinander zu, bis nur noch wenige Yards sie voneinander trennten. Dann hielten sie an und verstärkten noch ihre Drohgebärden.

Der Wolf mit dem weißen Schädel verließ nun sein Rudel und strich vor den gegnerischen Wölfen knurrend auf und ab, so als wollte er sie zum Kampf auffordern. Und das Raubtier, dem diese Herausforderung galt, nahm sie auch an.

Der Körper des anderen gefleckten Wolfes löste sich aus der Mauer der grauen Leiber. Die zurückgezogenen Lefzen des Tieres ließen ein mächtiges Gebiss erkennen, seine Augen funkelten wie Bernstein

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