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Die Anfänge des Baptismus zwischen Harz und Heide

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Die Anfänge des Baptismus zwischen Harz und Heide

Länge:
505 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 16, 2015
ISBN:
9783739275536
Format:
Buch

Beschreibung

Den Anfängen des Baptismus in der Region zwischen Harz und Heide ab Ende der 1830er Jahre wird nachgespürt und seine weitere Ausbreitung bis um 1900 verfolgt. Unterhaltsam und informativ wird eine Zeit voller Entwicklungen und Umbrüche erschlossen. Das kirchliche Miteinander war noch weit entfernt von ökumenischer Zusammenarbeit, dafür umso spannungsgeladener, wenn eine der aufkommenden Freikirchen im Wirkungsfeld einer Landeskirche auftrat.
Die Autoren vermitteln aufgrund ihrer Nachforschungen eine erstaunliche Entwicklung, die ihren Ausgangspunkt in und um Othfresen bei Salzgitter hatte und bis in die ganze Region hinein nachhaltig ausstrahlte. Hier wird ein bisher unbekanntes Stück Kirchengeschichte Ostniedersachsens aufgeblättert.
Dem interessierten Leser wird auf gut lesbare Weise Verständnis vermittelt für die Zusammenhänge des damaligen Geschehens mit der Gegenwart. Durch ihre gründlichen Recherchen nehmen uns die beiden Autoren mit in eine Zeit, die eng verbunden ist mit den Wurzeln der Baptisten-Gemeinden im östlichen Niedersachsen heute.
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 16, 2015
ISBN:
9783739275536
Format:
Buch

Über den Autor

Der Autor (1939 in Berlin geboren) absolvierte in Hamburg ein Theologiestudium und später in Braunschweig ein weiteres für das Lehramt. Er war Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden (Baptisten) in Wuppertal-Elberfeld, Braunschweig und Schöningen. Dort lebt er heute im Ruhestand. Sein letzter Gemeindedienst war ungewöhnlich, denn sein Lehramtsstudium ermöglichte es ihm, zwanzig Jahre lang für die Gemeinde in Schöningen neben seinem Schuldienst ehrenamtlich Pastor zu sein. Aus dieser Kombination ergab sich ein erstaunlich unkonventionelles Modell der Gemeindeentwicklung.


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Buchvorschau

Die Anfänge des Baptismus zwischen Harz und Heide - Peter Muttersbach

Ortsregister

Vorwort

Vor 175 Jahren, im Jahre 1840, wurde die Baptistengemeinde Othfresen, heute Salzgitter, gegründet.

Dieses Gründungs-Jubiläum ist ein willkommener Anlass, die Anfänge von damals und ihre Auswirkungen für die ganze Region genauer ins Blickfeld zu nehmen. Der Ursprung in Othfresen wurde zur Initialzündung für eine Fülle von missionarischen Aktivitäten im Bereich des östlichen Niedersachsen. Bis um 1900 – also nach nur 60 Jahren – sind aus diesem Anfang in Othfresen die Gemeinden Wittingen/Brome, Einbeck, Parsau, Neudorf-Platendorf, Schöningen, Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Peine und natürlich Salzgitter und Goslar hervorgegangen. Seit der Wende zum 20. Jahrhundert entstanden aus diesem Grundstock sechzehn weitere Gemeinden: Braunschweig-Heidberg, Celle, Gifhorn, Halberstadt, Hillerse, Lüchow, Oebisfelde, Salzwedel, Schwülper, Uelzen, Uhry, Unterlüß, Wasbüttel, Wernigerode, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Dabei sind die vielen weiteren „Ableger" Hannovers und Einbecks nicht mitgezählt.

Mit dem vorliegenden Band soll dieser Anfang mit seinen nachfolgenden Entwicklungen bis um 1900 im Bereich zwischen Harz und Heide erhellt werden. Bisher gab es hierzu keine zusammenhängende Darstellung; viele Einzelheiten waren unerforscht. Die Geschehnisse sind aber hoch interessant; es lohnt sich, ihnen nachzugehen und sie zu veröffentlichen. Somit stellte sich uns Autoren die Aufgabe, erst einmal Archivmaterial verschiedenster Art zusammenzutragen, zu sichten und miteinander zu verknüpfen. Das weitete sich zwangsläufig zu einem recht umfangreichen Forschungsprojekt aus. So erschlossen sich aus den Quellen bisher zum Teil völlig unbekannte Vorgänge. Als Beispiel sei eine Reihe von Zwangstaufen in den 1840er und 1850er Jahren genannt. Insgesamt vermitteln die vorliegenden Akten einen erstaunlich guten Einblick in die damalige Denk- und Vorgehensweisen seitens der Landeskirchen und staatlichen Behörden, aber auch in die Vorstellungswelt und das Glaubensverständnis der damaligen Baptisten.

Die räumliche Zuordnung – „zwischen Harz und Heide – ist erklärungsbedürftig. Im Blick ist ein Gebiet, das allgemein auch als „Braunschweiger Region oder „Braunschweiger Land bezeichnet werden kann. Das sollte allerdings nicht zu der Verwechslung führen, als sei nur das Herzogtum Braunschweig gemeint. Dies spielt zwar eine wesentliche Rolle, ist aber nur ein Teil der Region „zwischen Harz und Heide. Um als Leser eine Vorstellung zu gewinnen, mag man sich das Gebiet vom Harz bis Wittingen und von Helmstedt bis Peine vorstellen. Damit ist keine exakte Abgrenzung gemeint. Das ergibt sich schon durch die weiterreichende Ausstrahlung der baptistischen Aktivitäten z.B. bis ins Wendland oder in den anhaltinischen Teil des damaligen Preußen. Die Region zwischen Harz und Heide umschließt das Kernland des Herzogtums Braunschweig. Dieser Kleinstaat bestand aus einzelnen größeren und zum Teil ganz kleinen Gebietsinseln. Diese Inseln lagen umgeben entweder vom Königreich Hannover oder dem Königreich Preußen. Reisende in dieser Region mussten deshalb ständig Grenzen passieren. Weil die Aktivitäten der damaligen Baptisten nicht Grenzsteine im Blick hatten sondern Menschen, brachte ihnen das häufig Ärger und oft genug einen Gefängnisaufenthalt ein.

Der hier bearbeitete Zeitraum umfasst vor allem die 1840er Jahre bis zur Jahrhundertwende, wobei den ersten Jahrzehnten das größere Gewicht beigemessen wurde. Dass diese Anfangszeit der Baptisten in der Region konfliktbeladen war, ist typisch für alle entstehenden Freikirchen im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Im Braunschweiger Raum wird deutlich, was auch anderswo geschah: Die Braunschweigische Landeskirche als privilegierte Territorialkirche duldete in ihrem Bereich keine konkurrierenden Angebote, erst recht nicht, wenn die entstehenden Baptistengemeinden ihre Mitglieder aus der Landeskirche gewannen. Viele kirchlichen und behördlichen Abwehrmaßnahmen, die aus heutiger Sicht absurd wirken, waren damals für alle Beteiligten bitterer Ernst.

Der zeitliche Abstand zum damaligen Geschehen versetzt uns heute in die Lage, ohne eigene Verletzungen über das Vergangene nüchterner und im ökumenischen Sinne nachzudenken. Dazu gehört es nicht nur, die Erinnerung wachzuhalten und auszuhalten, sondern es bedarf auch einer wertenden Einordnung. Der im Zusammenhang mit der Reformationsdekade 2017 angestoßene Prozess „Heilung der Erinnerung" als Forschungsprojekt¹ rückt die Geschehnisse des 19. Jahrhunderts in diesem Sinne ins Blickfeld.

Manche Begebenheiten von damals sind schwer nachvollziehbar, wenn man die Lebensverhältnisse des 19. Jahrhunderts nicht kennt. Wer ahnt schon, was es wirtschaftlich für eine Familie bedeutete, 10 Taler Strafe wegen einer Taufverweigerung zu zahlen? Deshalb erläutern einige Kapitel die Lebensumstände aus dieser Zeit. Der weniger geschichtskundige Leser kann so ein besseres Verständnis gewinnen für die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kirchlichen Zusammenhänge mit der baptistischen Mission in dem hier dargestellten Zeit- und Lebensraum.

Ebenso ist in diesem Band ein Teil vorgeschaltet, der allgemein Wissenswertes über Freikirchen und Baptismus enthält. Das erleichtert das Verständnis für die kirchengeschichtlichen Zusammenhänge damals und in der Gegenwart und kann hilfreich sein zur Einordnung des Geschehens auch in die gegenwärtige gesamtkirchliche Landschaft.

Blicken wir zurück in das Geschehen der baptistischen Gemeindegründungen des 19. Jahrhunderts, so lässt sich schlicht festhalten, dass Menschen an sich selbst erlebt hatten, wie durch das Evangelium ihr eigenes Leben eine entscheidende Wende erfuhr. Wie sollten sie anderen dies vorenthalten? So sahen sie sich in den Dienst Gottes gerufen und verstanden sich als Missionare. Sie brachten die Bibel und ihre Botschaft unter die Leute. Das Evangelium sollte zur Erfahrung für jeden Einzelnen werden und neue Formen der Gemeinschaft ermöglichen. Dazu gehörte das Verständnis von der Gemeinde als „Gemeinde der Glaubenden", zu der die gehören, die Christus als ihren Herrn und Retter bezeugen. Weil Glaube und Taufe nach dem neutestamentlichen Vorbild zusammengehören, war die Gläubigentaufe Teil der bewusst begonnenen Nachfolge Jesu und Zugehörigkeit zur Gemeinde. So verstanden sich die Baptisten als Alternative zur damaligen landesherrlichen lutherischen Kirche. Diese zeigte kaum Interesse am persönlichen Glauben des Einzelnen, bestand aber auf seiner Mitgliedschaft – notfalls auch zwangsweise (s. Kap. 6). Die Ausbreitung des baptistischen Einflusses damals war – trotz aller Widerstände – in so kurzer Zeit so gewaltig, dass es sich aus heutiger Sicht nur als segensreiches Wirken Gottes beschreiben lässt. So ist auch die Rückbesinnung auf diese Zeit ein Grund zur Dankbarkeit.

Teile dieses Bandes – besonders in den Kapiteln 1, 2 und 9 – sind überarbeitet aus meinem Buch „Wegmarken einer Freikirche. 160 Jahre Baptisten in Schöningen" aus dem Jahr 2010 übernommen worden.

Dem Leser des vorliegenden Buches seien einige Anmerkungen nahegebracht. Im Stil versucht die Darstellung des Geschehens zweierlei Anforderungen gerecht zu werden. Wissenschaftliche Gründlichkeit und Genauigkeit soll sich mit angenehmer Lesbarkeit verbinden. Das ist eine Gratwanderung, aber für interessierte Leser annehmbar.

So sind die vielen Fußnoten unverzichtbar. Ihre Zählung beginnt in jedem Kapitel neu. Sie dienen vor allem dazu, die Herkunft der Informationen zu belegen. Manche bieten auch interessante Zusatzinformationen, die aber den Lesefluss im Haupttext beeinträchtigen würden. Das Schöne an ihnen ist, dass man sie beim Lesen auch einfach ignorieren kann. Trotzdem sei zu ihrer Organisation einiges kurz erläutert: Alle Quellenangaben in den Fußnoten sind bei ihrer ersten Nennung je Kapitel komplett ausgeschrieben. Bei erneuter Angabe erfolgen sie als Kurztitel oder Abkürzung. Der Anhang dieses Buches mit seinem Abkürzungs- und Literaturverzeichnis hilft bei Unsicherheiten, alle Quellen aufzufinden. Das Namens- und Ortsregister ist der Natur des Forschungsgegenstandes entsprechend sehr umfangreich ausgefallen. Es kann so aber dem eigenen Interesse an bestimmten Orten oder Personen sehr entgegenkommen.

Mein Dank gilt besonders denen, die dazu beigetragen haben, den vorliegenden Band zu verwirklichen. In erster Linie ist Gotthard Wefel als Mit-Autor zu nennen. Seine völlig eigenständige Forschungsarbeit über den Beginn der baptistischen Anfänge in und um Othfresen, Salzgitter und Goslar findet im Kapitel 7 („Die Kernzelle Othfresen/Salzgitter) durch ihn selbst ihren sehr ausführlichen Niederschlag. Aber schon das Kapitel 6 („Kirchenaustritte, Taufverweigerungen und Zwangstaufen) wäre ohne seinen wesentliche Beitrag so nicht denkbar.² Er hat gründliche Recherchen in den verschiedensten Archiven durchgeführt und eine Fülle von Material ausgewertet. Auf seine Gründlichkeit geht manche Entdeckung zurück. Gerade sein Beitrag zu den von ihm untersuchten Anfängen baptistischer Missions- und Gemeindearbeit in Othfresen und Umgebung erschließt uns die Wurzeln der Ausbreitung des Baptismus von dort ausgehend in die weitere Region zwischen Harz und Heide.

Ebenso gilt mein Dank den drei Mitstreitern Helmut Fink (Braunschweig), Bernd Kuhrs (Parsau) und Rüdiger Hermes (Tülau). Sie trugen durch ihre Informations- und Dokumentenbeschaffung vor Ort zum Gelingen außerordentlich bei.

Dankbar bin ich für die staatlichen, kommunalen und kirchlichen Archive. Sie bilden mit ihrer Fülle an Materialien dem Forschenden immer wieder Momente enttäuschenden Suchens und entzückten Findens. Besonders erwähnt sei das Niedersächsische Landesarchiv (Hannover und Wolfenbüttel), die Landeskirchen-Archive in Wolfenbüttel und Hannover, die Stadtarchive Salzgitter und Braunschweig, sowie das Oncken-Archiv in Wustermark-Elstal bei Berlin. Von manchem Archiv wünschte ich mir mehr Entgegenkommen, dem Suchenden, wenn er denn gefunden hat, das Material auch mit zeitgemäßer Technik zur weiteren Forschung zugänglich zu machen. Lesesäle sind gut für das Suchen von Informationen. Sie sind aber keine Dauerarbeitsplätze für das Sichten, Auswerten und Sichern umfangreicher Akteninhalte. Loben möchte ich gerade darin das Oncken-Archiv. In seiner Leiterin, Ines Pieper, findet der Archiv-Nutzer eine sehr verständnisvolle Ausnahme. Nicht unerwähnt bleiben sollen die vielen kleinen Gemeindearchive. Sie enthalten oft außerordentlich wertvolles Material (z. B. alte Mitgliedsregister und Protokolle) und sind dadurch wahre Fundgruben. Leider führen sie in der Regel ein unbeachtetes Dasein. Für die Erhaltung des Bestandes sich wirkt das häufig ungünstig aus.

Dieser Band versteht sich nicht als Erbauungsliteratur. Der interessierte Leser soll mit Gewinn Einblick erhalten in die Anfänge des Baptismus in der Region. Die häufigen Zitate eröffnen aber auch gute Einblicke in die Art, damals zu glauben, zu denken und zu reden bzw. zu schreiben. Gerade dieser gelebte und manchmal erstrittene und erlittene Glaube an Christus, mag eine Anfrage an uns Heutige sein, wie ernsthaft, gut begründet und hingebungsvoll wir Nachfolge Jesu leben.

Mir schien es angebracht, trotz des wissenschaftlichen Anspruches nicht ganz auf kommentierende Bemerkungen zu verzichten. Manches bietet sich geradezu an, eine Brücke der Nachdenklichkeit zwischen dem Geschehen von damals zur Gegenwart zu schlagen. – Es sei jedem Leser gewünscht, die vorgelegte Arbeit mit Gewinn zu lesen.

Peter Muttersbach


1 Vgl. epd-Dokumentation (9/2014) des Symposions „Heilung der Erinnerungen. Das Verhältnis der evangelischen Frei- und Landeskirchen im 19. Jahrhundert", Hachenburg/Westerwald vom 20.–21.09.2013.

2 Darin begründet sich die gesonderte Kennzeichnung zur Autorenschaft für Kapitel 6 und 7.

I. Allgemeine Entwicklungen

1.  Freikirchen – Baptisten – Ökumene

³

Die Entwicklung baptistischer Gemeinden in der Region zwischen Harz und Heide geschah nicht aus heiterem Himmel und ohne Zusammenhang mit anderen Einflüssen. Um die Vorgänge – besonders für „Nicht-Insider – einordnen zu können, soll hier der Bezugsrahmen erläutert werden. Alle Kirchen waren und sind an den gesellschaftlichen Prozessen beteiligt und umgekehrt von ihnen betroffen. So ist es logisch, in diesem Zusammenhang nach der Rolle, dem Selbstverständnis und der Wirkung einer kirchlichen Gruppierung zu fragen, erst recht, wenn sie sich nicht nahtlos einpasst in das, was „man macht und denkt.

So wird immer wieder die Frage gestellt, was eigentlich Baptisten seien, was eine Freikirchen ist und wie sich das alles einordnen ließe in das heutige Spektrum der Kirchen usw. Um die nachfolgenden Kapitel zur Anfangsgeschichte der Baptistengemeinden im östlichen Niedersachsen aus einer erweiterten Perspektive sehen zu können, soll deshalb auf die eben genannten Fragen eingegangen werden.

1.1  Freikirchen

Schon ab dem Mittelalter gab es verschiedene christliche Bewegungen, die recht unabhängig von kirchlichen Vorgaben eigene Ideen zur Verwirklichung christlichen Lebens ins Spiel brachten. Das war die Zeit vieler Ordensgründungen, die einen Verbleib innerhalb der Kirche ermöglichten. Andere gerieten mit ihren Ansichten schnell in den Geruch, aus dem kirchlichen Rahmen zu fallen, also Ketzer zu sein. Häufig stellte sich die Frage, wie ein erneuertes Christsein auch die Strukturen der Kirche erfassen kann. Das führte zu entsprechenden Konflikten. An den Reformbemühungen Luthers und Zwinglis wird das deutlich. Aus den gleichen Beweggründen entstand in dieser Zeit der Reformation die Täuferbewegung.

Im Allgemeinen beschränkt sich die Kenntnis der Täuferbewegung auf wenige, dafür aber irreführend plakative Elemente: das „Täuferreich zu Münster mit seinem Terror und dessen ebenso grausamer Niederschlagung, sowie Luthers unglaubliche Polemik gegen alles, was er unter „Wiedertäufer und „Schwärmer" miteinander vermengte und verdammte. Kaum bekannt ist die eigentliche, die schweizerisch-süddeutsche Täuferbewegung.⁴ Sie wollte nichts anderes sein als eine dem Neuen Testament entsprechende Gemeindebewegung.⁵ In der Konsequenz strebten die Täufer eine Trennung von staatlich-kirchlichen Vorgaben an, wollten nur mündige Menschen taufen und mit ihnen Gemeinden bilden. So entstand der „linke Flügel der Reformation".⁶ Nach ihrer Meinung blieben die Reformatoren mit ihren Bestrebungen auf halbem Wege stecken.

[Die Täufer] suchten nach Alternativen zur reformbedürftigen Kirche Roms und, mehr noch, nach Alternativen zu den reformatorischen Kirchen, die nicht bereit waren, mit der Kritik an der alten Kirche auch die engen Bindungen zwischen Kirche und Obrigkeit, zwischen christlicher Gemeinde und bürgerlicher Kommune zu lösen.

Der Konflikt drehte sich also weniger um das Taufverständnis als um „zwei sich gegenseitig ausschließende Auffassungen von der Kirche."⁸ Das vertraten die Täufer friedlich, ja sie entsagten ausdrücklich jeglicher Gewalt.⁹ Da sie sich schnell ausbreiteten, galten sie als Gefährdung von kirchlicher und staatlicher Ordnung, was zu brutalen Ausrottungsfeldzügen gegen sie als „Ketzer" führte.¹⁰ So wurde z.B. Felix Mantz (geb. 1498) am 5. Januar 1527 als erster Märtyrer unter evangelischer(!) Herrschaft durch geradezu jämmerliches Ertränken in der Zürcher Limmat hingerichtet. Damit war der Beginn einer grausamen Verfolgungszeit gegen die Täufer eingeläutet.

Titel der „Schleitheimer Artikel", dem ersten Glaubensbekenntnis der Täufer von 1527

Mit dem Wunsch nach Trennung von Kirche und Staat wird ein Grundanliegen von Freikirchen deutlich. „Freikirche" als Begriff stammt allerdings aus dem angelsächsischen Raum und wurde erstmalig in Schottland benutzt.¹¹ Das geht zurück auf eine Entwicklung von Reformbewegungen in England und Schottland am Ende des 16. Jahrhunderts. Deren Vertreter bezeichnete man zunächst als „Dissenters oder „Nonkonformisten. Sie sprachen dem König das Recht ab, Oberhaupt aller Christen im Lande zu sein. Zu ihnen gehörten die Puritaner, aus denen die Presbyterianer, Kongregationalisten und Baptisten hervorgingen. Eine schottische Abspaltung von der Church of Scotland nannte sich durchaus sinnfällig Free Church of Scotland. Diese Begrifflichkeit „Frei-Kirche" übertrug sich später auf die meisten neuen Kirchengemeinschaften, weil die Unabhängigkeit vom Staat ihr gemeinsames Grundanliegen war.

Dass sich Freikirchen mit ihrer Forderung nach Trennung von Kirche und Staat bei denen unbeliebt machten, die bei dieser Trennung ihren Machtverlust befürchten mussten, dürfte klar sein. Wie Mächtige auf drohenden Machtverlust reagieren, ist aus der Geschichte hinlänglich bekannt. Bemerkenswert in dem Zusammenhang ist, dass z.B. in den USA unter diesem Gesichtspunkt alle Kirchen Freikirchen sind, auch Lutheraner und Katholiken. Dort gibt es keine Staats- oder Landeskirchen. Wer deshalb Freikirchen mit Sekten gleichsetzt, ordnet die Dinge nicht sachgerecht ein.

Da wir in Deutschland heute keine Staatskirche mehr haben, stellt sich die Situation anders dar als früher.¹² Ein Unterschied zu den aus dem Staatskirchen-Denken hervorgegangenen Landeskirchen ergibt sich schon von Anfang an in der Freiwilligkeit der Mitgliedschaft in den Freikirchen.¹³ Damit verbindet sich auch die Tauffrage. Die meisten Freikirchen taufen keine Säuglinge. Getauft wird, wer sich zu Christus als seinem Herrn bekennt und damit bewusst als Christ leben will. Das gilt auch für die Kinder der Mitglieder.¹⁴ Freikirchen sind deshalb immer auch Missionskirchen nach dem Prinzip: erst das Evangelium verkünden und zum Glauben einladen, dann den gläubig Gewordenen taufen¹⁵ und als Glied der Gemeinde aufnehmen. Das entspricht ganz schlicht dem, was im Neuen Testament erkennbar und nachvollziehbar wird.

Dadurch wird sicher auch klar, weshalb gerade am Beginn des Baptismus in Deutschland – und damit auch in diesem Band – von „Missionaren die Rede ist. Traditionell verbindet sich mit dieser Begrifflichkeit eine Tätigkeit in der Außenmission. Aber vergessen wir nicht ähnliche Begriffe und Anliegen in der „Inneren Mission und in der „Stadtmission".

Aus der Abneigung gegen Kirchenhierarchien folgert ein anderes Merkmal: Freikirchen regeln ihre Angelegenheiten selbst. So ergibt sich aus der Freiwilligkeit der Mitgliedschaft auch die Freiheit – aber ebenso die Verantwortung – zur Mitsprache, Mitarbeit und Mitfinanzierung. Eine Kirchensteuer statt der freiwilligen Spenden widerspräche dem freikirchlichen Selbstverständnis. Die Ortsgemeinden haben in der Regel einen besonders hohen Stellenwert. In den meisten Freikirchen ist die Gemeindeversammlung das höchste Gremium (Kongregationalismus). Das zeigt schon eine völlig andere Struktur als sie in ein Obrigkeitsdenken früherer Jahrhunderte passen würde. So können sich die Freikirchen als die eigentlichen Förderer von demokratischen Gemeinwesen sehen in einer Zeit, in der dies als staatsgefährdend galt. Sehr viele mussten deshalb in früheren Jahrhunderten nach Amerika auswandern. Dort konnten sie die Geschichte der USA entscheidend beeinflussen.¹⁶ In der weiteren Entwicklung haben deutsche Freikirchen allerdings für ein gesellschaftliches Engagement oft nur geringes Interesse gezeigt.

Theologisch basieren alle evangelischen Freikirchen auf den Grunderkenntnissen der Reformation und können zu Recht als „Kinder der Reformation bezeichnet werden. Allerdings verstehen sie sich auch als Kinder einer „unvollendeten Reformation¹⁷. Gerade darin zeigt sich, welche Bedeutung für sie das reformatorische Anliegen hat, denn dieses Anliegen gilt es für sie nicht nur als Erbe zu bewahren, sondern in biblisch begründeter Konsequenz weiterzuführen.

1.2  Baptisten

Mit rund 37 Millionen Mitgliedern¹⁸ stellen die Baptisten eine der größten protestantischen Gruppierung in der Welt dar. Ihr Anfang geht auf das Jahr 1609 zurück. Eine kleine Gruppe von englischen Separatisten wich wegen der staatlichen Verfolgung nach Holland aus. In Amsterdam bekamen sie Kontakt zu niederländischen Mennoniten, einer historisch direkt mit der Täuferbewegung der Reformationszeit im Zusammenhang stehenden Gemeinde. Für die kleine Flüchtlingsgruppe verdichtete sich die Erkenntnis, dass nur getauft und der Gemeinde hinzugetan werden sollte, wer zuvor durch die Verkündigung des Evangeliums an Christus gläubig geworden war. Weil in anderen Punkten Uneinigkeit mit den Mennoniten bestand,¹⁹ gründeten sie eine eigene Gemeinde. In ihr praktizierten sie nun, was Baptisten „Gläubigenstaufe nennen. Weil nach außen diese Praxis so auffällig war, bekamen die Leute später den Spitznamen „Baptisten, also Täufer. Genau genommen sind Baptisten aber keine Taufbewegung, sondern – wie schon die Täufer der Reformationszeit – eine Gemeindebewegung.

Baptisten waren und sind bei weitem keine einheitliche Kirche. Schon in ihrer Geschichte gab es verschiedene Spielarten. Leider gibt es auch gegenwärtig manchmal auch recht abwegige Gruppierungen, die aber nicht zum Weltbund der Baptisten gehören. Das ist gut zu wissen, wenn in den Medien Berichte auftauchen, in denen genüsslich oder besorgt über christlich-fundamentalistische Gruppen informiert und häufig polemisiert wird, die sich Baptisten nennen, aber recht wenig mit dem zu tun haben, was die Mitgliedskirchen des Baptistischen Weltbundes vertreten.

In unserem Land nennt sich der Gemeindeverband der Baptisten Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland.²⁰ Er besteht nicht nur aus Baptistengemeinden. Zu ihm gehören auch Gemeinden mit pfingtlerischer Herkunft (Elimgemeinden), sowie ein größerer Anteil aus Gemeinden der Brüderbewegung. Dadurch war ein Name sinnvoll, der alle mit einschließen kann. Das ändert aber nichts an der eigenen Tradition und auch nichts an der Zugehörigkeit zum Baptistischen Weltbund.

Für den Baptismus – wie wir ihn verstehen und leben – sollen hier einige Grundanliegen²¹ zusammengefasst werden:

1. Das Evangelium von Jesus Christus sehen wir als ein Geschenk der Liebe Gottes zu uns Menschen. Wir sind eingeladen, dieses Geschenk ganz bewusst im Glauben anzunehmen. Damit geschieht durch Gottes Gnade etwas völlig Neues im Leben eines Menschen. In seiner Taufe wird dies bestätigt und bekräftigt durch Gott selbst, durch die Gemeinde und durch das Zeugnis des Täuflings. Somit ist die Taufe wie schon in den Zeiten des Neuen Testamentes stets Missionstaufe geblieben. Von daher erklärt sich die Reserviertheit der Baptisten gegenüber der Säuglingstaufe.²²

2. Zum Glauben des Einzelnen gehört immer auch die Gemeinde der Glaubenden.

– In ihr gilt die Bibel als Richtschnur für Glauben und Leben.

– Sie lebt und fördert das „Priestertum aller Glaubenden".

– Sie organisiert ihre Angelegenheiten selbstverantwortlich.

– Sie tritt ein für die Freiheit von Glauben und Gewissen, für soziale Gerechtigkeit²³ und die Trennung von Kirche und Staat.

3. Baptisten sehen sich als Teil der weltweiten Kirche Jesu Christi. Das verbindet sie mit allen, die an Christus glauben – unabhängig von ihrer Konfessionszugehörigkeit.

1.3  Ökumene

Hier soll nur die Einbindung der Baptisten als Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in die kirchliche Landschaft und deren Netzwerke dargestellt werden. Die ökumenische Zusammenarbeit ergibt sich zunächst aus der Zugehörigkeit zur Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), deren Mitbegründer die Baptisten sind. Die VEF ist praktisch die Ökumene zwischen den Freikirchen. Typisch sind die Gemeinsamkeiten. In den Kernaussagen der Präambel zur Ordnung der VEF heißt es:

Sie [die Freikirchen] bekennen Jesus Christus als Haupt der Gemeinde sowie als Herrn und Heil der Welt. Mit allen Kirchen der Reformation bezeugen sie die Errettung der Sünder um Jesu Christi willen aus Gottes freier Gnade allein durch den Glauben.

Sie verstehen die Kirche bzw. Gemeinde Jesu Christi als Gemeinschaft der Gläubigen, geschaffen durch das Wort Gottes und gestaltet als Lebensund Dienstgemeinschaft im Sinne des Priestertums aller Gläubigen.

Sie erwarten von den Gliedern ihrer Gemeinden ein Bekenntnis des persönlichen Glaubens an Jesus Christus sowie die ernsthafte Bereitschaft, ihr Leben dem Willen Gottes entsprechend zu führen.

Sie halten an der rechtlichen und organisatorischen Unabhängigkeit vom Staat fest und finanzieren ihre Arbeit durch freiwillige Beiträge der Mitglieder.²⁴

Darüber hinaus gehört der BEFG zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), an der neben den im Ökumenischen Rat vertretenen Kirchen auch die römisch-katholische Kirche beteiligt ist.

Unter „ökumenisch" hat sich in den letzten Jahren die Vorstellung verstärkt, als ginge es um die zweiseitige Beziehung zwischen den evangelischen Landeskirchen und der römisch-katholischen Kirche. Das ist eine typisch deutsche Vorstellung, weil sie von der staatskirchlichen Geschichte und den volkskirchlich geprägten Größenordnungen ausgeht. Im weltweiten Rahmen (siehe Ökumenischer Rat der Kirchen) entspricht dies ohnehin nicht der Wirklichkeit. Obendrein kann man aus der Geschichte der Landeskirchen (besonders vor 1945) nicht entnehmen, dass diese ausgeprägte ökumenische Ambitionen gehabt hätten. Das erklärt sich schon aus deren Prägung als privilegierte Territorialkirchen.

Ebenso gibt es zurzeit eine Diskussion über Möglichkeiten einer engeren Kirchengemeinschaft im Bereich der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Die sehr gründlichen Gespräche darüber führten – besonders mit der lutherisch geprägten Seite – bisher zu einer Annäherung in zentralen theologischen Fragen (Rechtfertigung, Glauben, Kirche, Amt, Abendmahl). Lutheraner wie auch Baptisten verstehen sich als protestantische Kirchen, deren Auslegung des Evangeliums von den Prinzipien der Reformation geleitet ist: sola fide, sola gratia, sola scriptura und solus Christus.²⁵ Der Problemfall ist aber immer noch die Taufe. Keine Kirche bezweifelt die Gültigkeit einer Gläubigentaufe. Sie wird ohnehin von den meisten Freikirchen vertreten. Das Problem ergibt sich aus der Praxis der Säuglingstaufe bei den Volkskirchen. Biblisch-theologische Einsichten dazu liegen auf beiden Seiten recht nahe beieinander. Aber deren Umsetzung in der Praxis scheint für eine Volkskirche grundsätzlich inakzeptable Konsequenzen zu haben. Deshalb bleibt es zunächst beim status quo. Aber das schließt eben auch die bisher praktizierte Gesprächsbereitschaft ein und den Willen, weiterhin ökumenisch zusammenzuarbeiten.


3 Dieses Kapitel ist in überarbeiteter Fassung übernommen aus: Peter Muttersbach: Wegmarken einer Freikirche. 160 Jahre Baptisten in Schöningen, Norderstedt 2010, 9-17.

4 Beginnend im Zusammenhang der Reformation Zwinglis in Zürich um 1523/24 mit der dann folgenden ersten Gemeindegründung 1525.

5 Sie nannten sich „Gemeinde Gottes oder „Brüder in Christo.

6 Vgl. Heinold Fast: Der linke Flügel der Reformation. Klassiker des Protestantismus, Bd. 4, Bremen 1962. Allgemein werden dem „linken Flügel der Reformation" auch die Bauernbewegungen zugerechnet. Das ist berechtig, wenn man beide Bewegungen als Folge oder Begleiterscheinung der Reformation ansieht. Es gibt auch eine gegenseitige Beeinflussung, jedoch wäre es historisch unzulässig, beide Bewegungen miteinander zu vermengen.

7 Hans-Jürgen Goertz: Die Täufer. Geschichte und Deutung, München 1980, 11.

8 Franklin H. Littell: Das Selbstverständnis der Täufer, Kassel 1966, 33.

9 Die aus ihnen hervorgegangenen Mennoniten gelten als klassische Friedenskirche. Das „Täuferreich zu Münster (1534/35) ist ein trauriges Gegenbeispiel, wird aber leider als bezeichnend für „die Täufer bzw. „Wiedertäufer" herangezogen.

10 Goertz: Die Täufer, 128ff.

11 Vgl. Erich Geldbach: Freikirchen – Erbe, Gestalt und Wirkung, Göttingen ²2005, 30f.; vgl. auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Freikirche.

12 Diskussionswürdig bleiben aber die aus der Geschichte hervorgegangenen Privilegien der Landeskirchen.

13 Hier ist verallgemeinernd von den sog. „klassischen" Freikirchen die Rede. Zu ihnen zählen die Mennoniten, Methodisten, Baptisten (in Deutschland Evangelisch Freikirchliche Gemeinden), die Freien evangelischen Gemeinden. Diese vier genannten Freikirchen decken nicht das gesamte gegenwärtige Freikirchen-Spektrum ab.

14 Das hat oft missverständliche statistische Auswirkungen, da aus diesem Grunde in den Mitgliederzahlen nicht automatisch die Kinder enthalten sind.

15 Das gilt in dieser Weise für die täuferisch gesinnten Freikirchen. Die anderen verfahren zwar ebenso, können aber eine schon empfangene Säuglingstaufe akzeptieren bzw. praktizieren sie selbst (z. B. Methodisten).

16 Der Gründer des Staates Rhode Island/USA, der Baptist Roger Williams, entwarf um 1643 eine Verfassung, in der zum ersten Mal in der Geschichte die völlige Trennung von Staat und Kirche und damit auch Religionsfreiheit verankert war. Diese Verfassung bildete später eine Grundlage zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Schon 1683 wurde die Sklaverei verboten.

17 Walter Fleischmann-Bisten: Kinder einer unvollendeten Reformation, in: Freikirchenforschung (FF) 20 (2011), 12-29.

18 Dies ist nur die Zahl der im Baptistischen Weltbund zusammenarbeitenden Baptistenbünde. Da Baptisten keine Säuglingstaufe praktizieren, bezieht sich die Zahl nur auf die gläubig getauften Mitglieder, also ohne Kinder und weitere Angehörige.

19 Mennoniten verweigerten jeden Eid, sowie die Übernahme politischer Ämter.

20 Mit fast 82.000 Mitgliedern in 694 Gemeinden und über 70.000 Gottesdienstbesuchern (Jahrbuch des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland von 2013).

21 Ausführlicher in: „Rechenschaft vom Glauben", Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Hg.), Kassel 2004.

22 Der Zusammenhang verdeutlicht: Nicht die Taufe ist heilsentscheidend, sondern die gnädige Zuwendung Gottes zum Menschen. Sie wird im Glauben empfangen (Römer 5,1). In der Taufe wird dies dem Täufling bestätigt. Somit gehören Glaube und Taufe stets zusammen (nach Markus 16,16).

23 Das ist leider z. T. mehr Wunsch als Wirklichkeit.

24 http://www.vef.de/unsere-ordnung.

25 „Allein aus Glauben, allein aus Gnaden, allein die Schrift [Bibel], allein Christus. Auf beiden Seiten, scheint es, hat sich das Gewicht verschoben zugunsten von „allein die Taufe. Hier könnte eine Rückbesinnung auf die reformatorischen Grundlagen hilfreich sein.

2.  Die Anfänge des Baptismus in Deutschland

²⁶

Baptisten gibt es schon seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Die Entstehung der Baptistengemeinden in Deutschland zwei Jahrhunderte später ging aber auf jemanden zurück, der gar kein Baptist war, Johann Gerhard Oncken (1800–1884). Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen in Varel/Oldenburg. Ein englischer Kaufmann nahm sich des damals 14-Jährigen an und nahm ihn mit in die Lehre nach England. Das brachte Oncken offensichtlich bei seinen vielen Reisen eine erhebliche Horizonterweiterung ein. Durch eine Predigt in einem Londoner Methodistengottesdienst hatte er 1820 ein Bekehrungserlebnis. Das machte ihn nicht nur zu einem überzeugten Christen, sondern auch zu einem Menschen, der die Gute Nachricht von der Liebe Gottes auch anderen zukommen lassen wollte.

Im Auftrag verschiedener überkonfessionell arbeitender britischer Bibelgesellschaften ließ Oncken sich 1823 in Hamburg nieder. Seine Aufgabe war nun die

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