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Lempicka

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Lempicka

Bewertungen:
4.5/5 (2 Bewertungen)
Länge:
287 Seiten
1 Stunde
Freigegeben:
Sep 15, 2015
ISBN:
9781783106394
Format:
Buch

Beschreibung

Die Portraits, Akte und Stillleben von Tamara Lempicka (1898-1980) atmen den Geist des Art Deco und des Jazz Age. Sie spiegeln den eleganten und hedonistischen Lebensstil einer glamourösen Elite in Paris in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wider. Ihre Kunst kombiniert eine hervorragende klassische Technik mit Elementen aus dem Kubismus. Lempickas Schaffen ist der Höhepunkt eleganter Modernität und greift gleichzeitig auf Meisterportraitisten wie Ingres oder Bronzino zurück. Das vorliegende Buch befasst sich mit der rationalen Schönheit ihrer besten Werke in den 1920er und 1930er Jahren und der außergewöhnlichen Lebensgeschichte einer talentierten und schillernden Frau. Sie beginnt ihr Leben zur Jahrhundertwende in Polen und dem zaristischen Russland, dann verbringt sie glorreiche Jahre in Paris und eine lange Zeit des Misserfolgs in Amerika, bis sie schließlich in den 70er Jahren wieder entdeckt wird und ihre Bilder den Status einer Ikone und weltweite Popularität erhalten.
Freigegeben:
Sep 15, 2015
ISBN:
9781783106394
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Lempicka - Patrick Bade

BILDVERZEICHNIS

Tamara de Lempicka im Abendkleid, um 1929.

Schwarze und weiße Photographie auf Papier. 22,3 x 12 cm.

EINLEITUNG

Tamara de Lempicka hat mit ihren Bildern einige der größten Kultsymbole des 20. Jahrhunderts geschaffen. Das Werk keines anderen zeitgenössischen Künstlers ziert so viele Buchumschläge wie ihre Porträts und Aktzeichnungen aus den Jahren 1925-1933. Die Verleger wissen sehr wohl, dass diese Reproduktionen die Aufmerksamkeit auf sich lenken und das Interesse der potenziellen Käufer anregen. In den letzten Jahren haben die Originalbilder bei Auktionen von Christie’s und Sotheby’s Rekordsummen eingebracht. Gekauft werden sie nicht etwa nur von Museen, sondern sie sind beliebte Sammlerobjekte von Film- und Popstars.

Im Mai 2004 veranstaltete die Royal Academy of Arts in London eine große Ausstellung der Werke de Lempickas – und dies nur gerade ein Jahr, nachdem die Künstlerin einen zentralen Platz in einer anderen großen Ausstellung des Art déco im Victoria und Albert Museum (ebenfalls in London) eingenommen hatte. Die Besucher kamen in Scharen, trotz kritischer Reaktionen von beispielloser Feindseligkeit gegenüber einer Künstlerin mit solch fundiertem Ruf und Marktwert.

In einer Sprache voll moralischer Verurteilung, wie sie seit Hitlers Denunziation moderner Kunst auf dem Reichsparteitag in Nürnberg und der von den Nazis veranstalteten Ausstellung über Entartete Kunst nicht mehr gehört worden war, wetterte der Kunstkritiker der Sunday Times, Waldemar Januszczak:

Ich hatte sie für eine manierierte und seichte Hausiererin der Art déco Banalitäten gehalten. Aber hier hatte ich Unrecht. Lempicka war viel schlimmer als das. Sie war eine mächtige Kraft des ästhetischen Verfalls, sie korrumpierte einen großartigen Stil auf melodramatische Weise und förderte leere Werte, ein entarteter Clown und eine in Wirklichkeit wertlose Künstlerin, deren Bilder wir zu unserer großen Schande haben absurd teuer werden lassen.

Laut Januszczak kam de Lempicka 1919 nicht als unschuldiger Flüchtling der Russischen Revolution nach Paris, sondern in bösartiger Mission und mit der Absicht, den menschlichen Anstand und die künstlerischen Standards ihrer Zeit zu verletzen. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, was genau die Kunst de Lempickas an sich hat, dass sie solch hysterische Schmähworte provoziert. Vielleicht gibt Januszczaks folgender scharfer Kommentar hier Aufschluss: Luther Vandross sammelt scheinbar ihre Werke. Madonna. Streisand. Diese Art von Leuten. Die Feindseligkeit ist vielleicht eher politisch als ästhetisch motiviert, denn was einige ihrer Kritiker am meisten ärgerte, war der glamouröse Lebensstil sowohl von Tamaras Sammlern als auch ihren Modellen.

DER BEGINN IHRER KARRIERE

Porträt der Baroness Renata Treves, 1925.

Öl auf Leinwand, 100 x 70 cm.

Barry Friedman Ltd., New York.

Tamara de Lempickas Herkunft und ihr frühes Leben sind geheimnisumwoben. Unser Wissen über ihre Herkunft setzt sich aus einigen höchst unzuverlässigen und lückenhaften autobiografischen Fragmenten sowie den Äußerungen ihrer Tochter, Baroness Kizette de Lempicka-Foxhall, gegenüber de Lempickas amerikanischem Biografen Charles Phillips zusammen. De Lempicka war eine Meisterin im Erfinden von Geschichten und im Mythologisieren ihrer eigenen Person; sie war durchaus in der Lage, ihre eigene Tochter und sogar sich selbst zu täuschen. Ein großer Teil ihrer Geschichte, wie ihre Tochter sie erzählt, erinnert an einen Liebesroman oder ein Drehbuch und ist wohl in vieler Hinsicht auch nicht viel authentischer.

Sowohl Geburtstort als auch Geburtsdatum de Lempickas variieren von Erzählung zu Erzählung. Darin braucht man jedoch weiter nichts zu sehen als die Eitelkeit einer schönen Frau. (Zu Tamaras Lebzeiten hatten Opernsängerinnen mit dem Titel Kammersängerin im Österreichisch-Ungarischen Reich offiziell das Recht, ihr Geburtsdatum um bis zu fünf Jahre nach hinten zu korrigieren.)

Schon eher bedeutsam ist, dass sie ihren Geburtsort von Moskau nach Warschau verlegte, wie dies zumindest manche behaupten. Es wurde darüber spekuliert, dass de Lempicka auf väterlicher Seite jüdischer Herkunft gewesen sei, und dass die Verschleierung ihres Geburtsortes helfen sollte, diese Tatsache zu verdecken. Ohne Frage war de Lempickas Fähigkeit, sich an neuen Orten immer wieder neu zu erfinden, wie sie sich im Laufe ihres Lebens öfters manifestierte, ein Überlebensmechanismus, den sie mit vielen Juden ihrer Generation teilte. Die Vorahnung der von Nazi-Deutschland ausgehenden Gefahr einer ansonsten unpolitischen Frau und ihr Wunsch, Europa 1939 zu verlassen, geben ebenfalls Grund zur Vermutung, dass sie Halbjüdin war.

Der offiziellen Version zufolge kam Tamara Gurwik-Gorska als Tochter wohlhabender Eltern der polnischen Oberschicht im Jahre 1898 in Warschau zur Welt. Nach drei Teilungen gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde ein Großteil Polens, und somit auch Warschau, Teil des Russischen Reiches. Der im 19. Jahrhundert aufkommende Nationalismus brachte fortlaufende Auflehnungen gegen die russische Herrschaft mit sich und resultierte in immer härteren Versuchen, die Polen zu russifizieren und ihre polnische Identität zu unterdrücken. Tamara scheint sich nie mit den kulturellen und politischen Bestrebungen des polnischen Volkes identifiziert zu haben. Sie fand sich im Gegenteil in der herrschenden Klasse des zaristischen Regimes wieder, das Polen unterdrückte. Die Tatsache, dass sie nach ihrer Flucht aus dem bolschewistischen Russland zusammen mit tausenden russischen Aristokraten das Exil in Paris dem Leben im gerade befreiten und unabhängigen Polen vorzog, scheint für sich zu sprechen.

Die Familie ihrer Mutter, Malvina Decler, war wohlhabend genug, um die Saison in St. Petersburg verbringen und in die mondänen Kurbäder Europas reisen zu können. Auf einer dieser Reisen sollte Malvina Decler ihren zukünftigen Ehemann Boris Gorski treffen. Über ihn ist außer der Tatsache, dass er als Anwalt für eine französische Firma arbeitete, sehr wenig bekannt. Aus welchem Grund auch immer, Boris Gorski war nicht jemand, den Tamara in den Erzählungen über ihr frühes Leben besonders hervorzuheben pflegte.

Aus Tamaras späteren eigenen Äußerungen lässt sich schließen, dass sie zusammen mit ihrem älteren Bruder Stanczyk und ihrer jüngeren Schwester Adrienne eine glückliche Kindheit verbrachte. Ihr eigensinniges Temperament, das sich schon in jungen Jahren zeigte, wurde eher gefördert als gezügelt. Als Tamara im Alter von zwölf Jahren für ihr Porträt sitzen soll, wird dies zu einem wichtigen und offenbarenden Ereignis. "Meine Mutter traf die Entscheidung, mein Porträt von einer berühmten Frau malen zu lassen, die mit Pastellfarben arbeitete. Ich musste stundenlang am Stück still sitzen, es war eine Tortur. Später würde ich andere quälen, die für mich Modell sitzen mussten. Als sie fertig war, konnte ich dem Bild nichts abgewinnen, es war nicht ... präzise.

Die Linien waren nicht fournies, nicht sauber gemalt. Das war nicht ich. Und ich beschloss, dass ich das besser konnte. Ich kannte die Technik nicht. Ich hatte nie gemalt, aber das war unwichtig. Meine Schwester war zwei Jahre jünger. Ich nahm mir die Farbe. Ich zwang sie, für mich Modell zu sitzen. Ich malte und malte, bis ich endlich ein Ergebnis vorliegen hatte. Es war imparfait, aber ähnelte meiner Schwester mehr, als das Bild der berühmten Künstlerin mir ähnelte."

Bauernmädchen beim Gebet, um 1937.

Öl auf Leiwand, 25 x 15 cm. Privatsammlung.

Das polnische Mädchen, 1933.

Öl auf Holz, 35 x 27 cm. Privatsammlung.

Wurde Tamaras Berufung, wie sie hier behauptet, in diesem Augenblick geboren, so verstärkte sich ihr Interesse noch mehr, als sie ihre Großmutter im Jahr darauf auf einer Reise nach Italien begleitete. Laut Tamaras Angaben versuchte sie zusammen mit ihrer Großmutter ihre Familie davon zu überzeugen, dass die Reise aus gesundheitlichen Gründen notwendig sei. Das junge Mädchen heuchelte eine schlechte gesundheitliche Verfassung vor und ihre Großmutter war nur zu bereit, sie in wärmere Regionen wie Rom, Florenz und Monte Carlo zu begleiten, um ihrer Spiellust zu frönen. Die ältliche polnische Frau und ihre atemberaubend schöne Enkeltochter müssen einen ähnlich exotischen Eindruck gemacht haben wie die polnische Familie, die Aschenbach in Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig beobachtet. Besuche der Museen von Venedig, Florenz und Rom hinterließen bei Tamara eine lebenslange Leidenschaft für die Kunst der italienischen Renaissance, die ihre besten Arbeiten in den 1920er und 30er Jahren beeinflusste. Ein zerrissenes und geknicktes Foto aus Monte Carlo zeigt sie als typisches junges Mädchen de bonne famille der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Ihr sorgfältig gekämmtes Haar fließt in präraphaelitischer Fülle über ihre Schultern und reicht fast bis zu ihrer Taille. Sie posiert beim kindlichen Diabolospiel, aber ihre üppigen Lippen und ihr kühler selbstbewusster Blick täuschen über ihr Alter von dreizehn Jahren hinweg. Es würde sicher nicht mehr lange dauern, bis sie für das nächste große Abenteuer in ihrem Leben bereit war – für die Zeit der Umwerbung und Ehe. Vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs und des Todeskampfs der russischen Monarchie ist die Geschichte, die durch Tamara und ihre Tochter überliefert wurde, wie so oft in de Lempickas Leben, reif für einen populären Liebesroman oder Film.

Als Tamaras Mutter erneut heiratet, zieht die Tochter als Ausdruck ihrer ablehnenden Haltung zu ihrer Tante Stephanie und ihrem wohlhabenden Ehemann, einem Bankier, nach St. Petersburg, wo sie durch den Ausbruch des Krieges und die anschließende Besetzung Warschaus durch die Deutschen festsitzt. Kurz vor dem Ausbruch des Krieges, Tamara war gerade fünfzehn, hatte sie in der Oper einen gut aussehenden jungen Mann gesehen, der von wunderschönen und gebildeten Frauen umgeben war, und sie hatte sofort beschlossen, ihn für sich zu gewinnen. Sein Name war Tadeusz Lempicki. Obwohl zum Rechtsanwalt ausgebildet, war er so etwas wie ein Playboy und stammte aus einer wohlhabenden Familie, die große Güter besaß. In ihrer üblichen Dreistigkeit und ohne jegliche Hemmungen setzte sich das junge Mädchen über sämtliche Konventionen hinweg, näherte sich Tadeusz und machte vor ihm einen kunstvollen Knicks. Tamara hatte die Möglichkeit, den Eindruck, den sie auf Tadeusz bei ihrem ersten Treffen gemacht hatte, noch zu verstärken, als ihr Onkel etwas später im selben Jahr einen Kostümball gab, zu dem Lempicki eingeladen war. Zwischen den eleganten und gebildeten Damen in ihren modernen, von Poiret inspirierten Kleidern erschien Tamara als bäuerliche Gänsemagd, eine lebendige Gans an der Leine führend. Selbst Barbara Cartland und Georgette Heyer hätten sich keinen besseren Trick einfallen lassen können, um die Aufmerksamkeit des gut aussehenden Helden zu gewinnen. In einer Darstellung, die der Wahrheit ziemlich nah zu kommen scheint, gestand Tamara ein, dass das Aushandeln ihrer Hochzeit mit Tadeusz durch ihren Onkel alles andere als romantisch war. Der wohlhabende Bankier suchte den gut aussehenden jungen Mann in der Stadt auf und sagte: "Hören Sie mir zu. Ich werde meine Karten auf den Tisch legen. Sie sind ein gebildeter junger Mann, aber sind nicht sonderlich vermögend. Ich

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