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Edward Hopper

Edward Hopper

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Edward Hopper

Bewertungen:
3/5 (2 Bewertungen)
Länge:
378 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Sep 15, 2015
ISBN:
9781783106523
Format:
Buch

Beschreibung

Hopper stellt in seinen Werken auf poetische Weise die Einsamkeit des Menschen im Angesicht des sich in den 1920er Jahren entwickelnden American Way of Life dar. Inspiriert von Filmen und besonders unterschiedlichen Kameraperspektiven und Haltungen von Filmfiguren decken seine Gemälde die Entfremdung in der Massenkultur auf. Seine Bilder sind in kalten Farben gehalten und von anonymen Charakteren bevölkert und spiegeln auf diese Weise symbolisch die Zeit der Weltwirtschaftskrise wider. Der Autor wirft auf der Basis einer Reihe unterschiedlicher Reproduktionen (Stiche, Aquarelle und Ölgemälde) und mit Hilfe thematischer und künstlerischer Analysen ein neues Licht auf die rätselhafte und gequälte Welt dieses wichtigen Malers.
Freigegeben:
Sep 15, 2015
ISBN:
9781783106523
Format:
Buch

Über den Autor

Gerry has lived in the Chicago area nearly all his life. His background includes over thirty years' involvement with aviation; he has flown in balloons, jet fighters and single-engine planes and has written about Canadian bush pilots, Arizona crop-dusters and Gulf of Mexico helicopter fleets. Janet Souter shares her husband Gerry's interest in history. She is president of their company, Avril 1 Group, Inc., and edits all of their joint copy. Janet has joined Gerry in balloon, helicopter and light aircraft flights. They are authors of over forty books, histories, biographies and young adult nonfiction. Their most recent book, written for The History Press, is titled Arlington Heights: A Brief History.


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Buchvorschau

Edward Hopper - Gerry Souter

DANKSAGUNG

Der Autor möchte besonders Miss Carol Rusk, der Leiterin der Benjamin and Irma Weiss-Bibliothek im Whitney Museum of American Art, Madison Avenue 945, New York, NY 10021 für ihre freundliche Hilfe beim Auffinden der Briefe und anderer Schriften von Edward und Josephine Hopper in der Frances Mulhall Achilles Library, Whitney Museum of American Art danken.

Eine weitere, unbedingt zu erwähnende Quelle ist Edward Hopper – An Intimate Biography von Gail Levin (University of California Press, Berkeley und Los Angeles, Kalifornien, 1995). Dieses Paradebeispiel einer gut geschriebenen Studie basiert in erster Linie auf den Tagebüchern und Briefen von Josephine Nivison Hopper, zu denen Miss Levin 1976 während ihrer Tätigkeit als Kuratorin der Edward Hopper-Sammlung des Whitney Museum of American Art Zugang hatte. Die präzise Dokumentation des Lebens des Künstlers stellt eine ideale Ergänzung zu Miss Levins zahlreichen Büchern über Edward Hoppers Werk dar.

INHALT

DANKSAGUNG

EINLEITUNG

ENTSTEHUNG, EINE WELT AUS LICHT UND SCHATTEN

Paris, Impressionisten und wahre Liebe

WENDEPUNKTE

Rückkehr, Ablehnung und Flucht

Zu seinen Bedingungen

Die Zeiten ändern sich

Suche in der Ferne – Neue Werkzeuge

Das Ätzen einer Druckplatte und die Kaltnadelradierung

Erlösung in schwarzweiß

LIEBE, HEIRAT UND AQUARELLE

Neue Triumphe – Neue Abenteuer

Unterwegs mit Ed und Jo

DAS LEBEN EINER GROßEN ALTEN IKONE

Aufstieg und Niedergang

Ruhm, Ehrungen, Tränen

Konfrontation

Seine Meinung

Die Komödianten

BIBLIOGRAPHIE

LISTE DER ABBILDUNGEN

ANMERKUNGEN

1. Selbstporträt, (Self-Portrait), 1903-1906.

Öl auf Leinwand, 65,8 x 55,8 cm.

Whitney Museum of American Art, New York,

aus dem Nachlass von Josephine N. Hopper.

EINLEITUNG

Edward Hoppers realistische Stiche, Aquarelle und Ölgemälde verschafften ihm von den 1920er bis zu den 1940er Jahren in Amerika eine gewisse Berühmtheit. In seinen letzten 20 Lebensjahren kamen dann die Ehrungen, Medaillen, Retrospektiven und Einladungen zu zahllosen Museums- und Galerieeröffnungen, die er häufig ausschlug. Er lebte zurückgezogen, ein Gefangener seiner ehrgeizigen Erziehung und der erniedrigenden Erinnerungen an die frühere Ablehnung, der Bewohner eines gebrechlichen Körpers und der einzige Vertreter einer dunklen und schweigsamen Philosophie, die fast jeden ansprach, der mit seiner Arbeit konfrontiert wurde. Hoppers schöpferische Bemühungen entdeckten Elemente des amerikanischen Lebens, die zurückgelassene, stille Überbleibsel oder bald eintretende Ereignisse zu sein scheinen. Sein Werk ist seine Autobiografie.

Edward Hopper und seine Frau Josephine – später wurden sie fast nur gemeinsam wahrgenommen, weshalb sie auch in der Kunstgeschichte als Einheit gesehen werden – waren 43 Jahre lang verheiratet. Er war 1,96 m groß, während sie nur 1,55 m maß und kupferrotes Haar hatte. Praktisch ihr gesamtes gemeinsames Leben drehte sich um seine Kunst. Josephine Nivison Hopper verfügte selbst über ein bescheidenes künstlerisches Talent. Sie half ihm durch ihre Kontakte, seine ersten Aquarelle auszustellen. In Hoppers Sonnensystem gab es jedoch nur Platz für einen Künstler – ihn selbst, die Sonne in seinem Mittelpunkt. Aber sie schlich sich in seine selbstbezogene Welt. Nach ihrer Heirat wurden die in Hoppers Bildern erscheinenden Frauen mit wenigen Ausnahmen ausschließlich nach Jos nacktem oder bekleidetem Vorbild gemalt. Neben ihrer Tätigkeit als Modell nahm sie 1933 die Arbeit an einem gnadenlos persönlichen Tagebuch ihres gemeinsamen Lebens auf, das eine Ergänzung zu einer detaillierten Dokumentation seiner Arbeit darstellte, in der sie die Maße, die verwendete Farbe, die Verwendung von Leinwand oder Papier, Öl- oder Wasserfarbe, die jeweilige Galerie und den Verkaufspreis – abzüglich der Provision für den Agenten in Höhe von 33 Prozent – aufzeichnete. Während ihre eigene künstlerische Karriere unter dem Gewicht seines kreativen Schattens und seiner gefühllosen Gleichgültigkeit in Trümmern lag, arbeitete sie mit ihm als Buchhalterin, Tagebuchautorin, Hausdienerin, gesellschaftliche Stütze, Finanzjongleurin und kreative Xanthippe zusammen. Tropf, tropf, tropf – der permanente Fluss ihrer geschwätzigen Ermutigungen durchdrang die Mauern seiner Blockaden, seine Unfähigkeit zu arbeiten, seine tiefen Depressionen. Sie wusste, welche Knöpfe sie bei ihm drücken musste und wie sie seine Schuldgefühle ausnutzen konnte. Er erinnerte sie dafür ständig an ihren zweitrangigen Status in ihrem Haushalt und als Künstlerin. Sie besprühten einander mit ätzendem Spott und berechnenden Sticheleien und prügelten sich anschließend, bis Blut floss, physisch und emotional. Aber ihre gegenseitige Abhängigkeit blieb bestehen.

Edward und Jo hatten auch schöne Zeiten miteinander, als sie, beginnend in den 1920er Jahren, die Ostküste erkundeten und Zwischenstopps einlegten, um Skizzen und Aquarelle anzufertigen. Sie freundeten sich mit den Menschen an, deren Häuser und Boote und Lieblingsorte Edward malte und zeichnete. Sie wanderten gemeinsam durch die Straßen New Yorks, wo sie Kunst studiert hatten und zu der Künstlerszene von Greenwich Village gehörten.

Sie waren von den 1920er bis zu den 1960er Jahren Anhänger der Kunstbewegung des amerikanischen Realismus. Während andere Maler und Bildhauer kamen und gingen, stand Hopper wie ein Fels inmitten des Chaos, das die Impressionisten zunächst willkommen hieß, um sie anschließend abzulehnen, so wie er die Expressionisten und Surrealisten und all die anderen entstehenden „-isten" zunächst zurückwies und dann feierte. Sein Werk brauchte kein Manifest und gehörte zu keiner Schule. Ein Hopper brauchte keine Unterschrift und sein Wert nahm niemals ab. Wie die wertbeständigen Werke von Alexander Calder (1898 bis 1976) und Pablo Picasso (1881 bis 1973) fanden, nachdem er seine eigene kreative Note gefunden hatte, auch seine Stiche und Gemälde immer Käufer. Hoppers zweidimensionale Welt reichte von introspektiven Bildern von Booten, Hügeln und Häusern ohne Menschen bis zu einer schwermütigen Sammlung von scheinbaren Allegorien mit einem schweigsamen Ensemble aus leeren Figuren, die dabei eingefangen sind, wie sie gerade etwas noch nicht erledigt oder etwas getan haben, was sie nun bereuen, oder die darauf warten, dass etwas geschieht, das ihr Leben verändert.

Von seiner Geburt in Nyack, New York, im Jahr 1882 bis zu seinem Tod im Alter von 85 Jahren in seinem Stuhl in seiner Atelier-Wohnung in New York City, in der er 50 Jahre lang gewohnt hatte, verbrachte Hopper seine acht Lebensjahrzehnte mit der Beschäftigung mit Licht und Schatten. Er brachte es bei der Wiedergabe der Abbildung unseres Lebens und unserer Umwelt zur Meisterschaft. Dank Josephine, seiner zwar unterdrückten, aber stets aktiven Helferin, verfügen wir über ein kleines und häufig mit ätzender Säure bedecktes Fenster in seine abgeschlossene Welt. Wir sehen eine fruchtbare Reise durch eine schmerzhafte künstlerische Selbstfindung und eine massive Selbstverleugnung. Wir reisen durch die Entwicklung technischer Fähigkeiten in ein schizophrenes Labyrinth voller von dem Wunsch nach Anerkennung genährtem kommerziellen und künstlerischen Erfolg und Selbstverachtung und gelangen schließlich noch zu seinen Lebzeiten zu seiner Anerkennung als einem der unsterblichen Vertreter großer Kunst.

Viele Autoren haben diese Reise unternommen und ich bin ihnen für ihre Entdeckungen dankbar. Noch größere Dankbarkeit gilt den Museen und Institutionen, die seine Werke ausstellen und die in seinem langen Leben angesammelten Papiere archiviert haben. Viel verdanke ich auch meinen Studentenjahren an der Schule des Art Institute of Chicago, wo ich mit dem Pinsel in der Hand mit meinen eigenen Dämonen kämpfte. Jeden Tag ging ich auf dem Weg zu meinen Kursen durch die Galerien. Jeden Tag ging ich an Hoppers Nachtschwärmer vorüber und jeden Tag, an dem mein Geist nicht mit dem Müll der Jugend beschäftigt war, fühlte ich, wie mir der Erfolg als Maler entglitt. Erst später erkannte ich, dass die Kunst schmerzhaft sein muss, wenn man sie richtig betreibt. Die Nachzeichnung von Hoppers qualvoller Karriere rührt an lange verschüttete Erinnerungen.

Jeder Autor beschreibt einen etwas anderen Edward Hopper. Obwohl sein Weg bekannt ist, seine Bekanntschaften dokumentiert sind, alle Daten authentifiziert worden sind und sein Werk katalogisiert worden ist, blicken wir dennoch auf ein Rätsel. Der Mensch und Künstler Hopper bleibt ein Geheimfach mit vielen verborgenen Schiebetüren. An dem letzten geheimen Ort stößt man vielleicht auf den Stein einer Rosette, eine „Rosenknospe, einen Schlüssel zu seiner Arbeit. Da der einzige Weg zu dem „warum eines schöpferischen Künstlers über die hinterlassenen Spuren und das, was der Künstler zu offenbaren beschloss, führt, veranlassen diese verstreuten Spuren neugierige Autoren dazu, bequeme Schuhe anzuziehen und zu beginnen.

— Gerry Souter

Arlington Heights, Illinois

„Niemand kann die Richtung, die die Malerei in den nächsten Jahren einschlagen wird, korrekt vorhersagen, aber mir scheint es eine Abscheu vor der Erfindung willkürlicher oder stilisierter Entwürfe zu geben. Ich glaube, es wird einen Versuch, wieder die Überraschungen und Zufälle in der Natur einzufangen, sowie eine intimere und einfühlsamere Untersuchung ihrer Stimmungen zusammen mit einem erneuten Erstaunen und einer neuen Demut derjenigen Menschen, die zu einer solch einfachen Reaktion fähig sind, geben." [1]

— Edward Hopper, 1933

Notes on Painting (Exzerpt)

2. Jo beim Malen (Jo Painting), 1936.

Öl auf Leinwand, 46,3 x 41,3 cm.

Whitney Museum of American Art, New York,

aus dem Nachlass von Josephine N. Hopper.

3. Der Louvre und die Seine (Le Louvre et la Seine), 1907.

Öl auf Leinwand, 59,8 x 72,7 cm. Whitney Museum of

American Art, New York, aus dem Nachlass von Josephine N. Hopper.

4. Le Pont Royal, 1909. Öl auf Leinwand, 60,9 x 73,6 cm.

Whitney Museum of American Art, New York,

aus dem Nachlass von Josephine N. Hopper.

ENTSTEHUNG, EINE WELT AUS

LICHT UND SCHATTEN

Edward Hopper wurde am 22. Juli 1882 in der mittelgroßen, wohlhabenden Stadt Nyack, New York, am Hudson geboren. Seine Mutter, Elizabeth Griffiths Smith Hopper, hatte englische und walisische Vorfahren, während sein Vater, Garrett Henry Hopper, englische und holländische Wurzeln hatte. Hoppers Vater versuchte sein Glück als Händler und eröffnete schließlich einen Kurzwarenladen, der allerdings kein großer Erfolg wurde. Edward kam zwei Jahre nach seiner Schwester Marion als zweites Kind der Familie auf die Welt.

Während sich Hopper senior mit Knöpfen, Stoffballen und Zelluloidkragen abmühte, versorgte Edwards Mutter ihren Sohn und ihre Tochter mit kreativen Werkzeugen aus der Welt der Kunst und des Theaters. Kreide und eine Schiefertafel stellten für den jungen Edward schon früh ein wertvolles Besitztum dar. Er konnte nach Herzenslust zeichnen und auswischen, aber dafür mangelte es auch gelungenen Schöpfungen an Dauerhaftigkeit. Er begann früh damit, Skizzen zu zeichnen und zu malen und nahm sein Skizzenbuch auf seinen häufigen Ausflügen in die nahe gelegene ländliche Umgebung mit.

Das Haus der Hoppers am North Broadway 82 gehörte Elizabeths verwitweter Mutter, Martha Griffiths Smith, und war 1879 der Schauplatz der Heirat von Liz und Garrett gewesen. Es handelte sich um ein zweistöckiges, von Bäumen geschütztes, mit Simsen dekoriertes Haus, das an der Vorderseite eine Veranda hatte und dessen Wände unter tief sitzenden Dachvorsprüngen Fenster mit Fensterläden aufwies. Für Edward verkörperte dieser Ort mit seinen dunklen Fenstern, die nichts von dem Leben innen verrieten, sein Zuhause, persönliche Einsamkeit und einen Zufluchtsort in seinen frühen Jahren. In seinen Bildern sollten häufig Pendants dieses Hauses zu sehen sein.

Die Tatsache, dass Edwards Vater es sich nicht leisten konnte, mit seiner Familie in ein eigenes Haus umzuziehen, hatte Auswirkungen auf Edwards Kindheit, da man in der damaligen Zeit von den Männern erwartete, allein für den Unterhalt ihrer Familie aufzukommen. Edwards Großmutter Smith gehörte nicht nur das Haus, sondern sie beanspruchte auch die moralische Führung in der Gemeinde, in der ihr Vater, der Reverend Joseph W. Griffiths, 1854 die Nyack Baptist Church gegründet hatte. Die weibliche Seite der Familie Hopper sorgte durch Einnahmen aus Mieten und Hypothekenzahlungen für andere Immobilien in Nyack auch für den Unterhalt der Familie.

Edward und seine ältere Schwester Marion besuchten Privatschulen und kamen heim in die von einer irischen Dienstmagd geputzten Räume. Botenjungen brachten Lebensmittel und andere in der Stadt getätigte Einkäufe ins Haus. Während der gesamten High School hatte Edward überdurchschnittliche Zensuren. Französisch war eines seiner Lieblingsfächer und er erlernte diese Sprache so gut, dass er sein ganzes Leben hindurch Französisch lesen konnte.

Zu einer Zeit, als der durchschnittliche erwachsene Mann gut 1,70 m groß wurde, war der junge Edward schon mit zwölf Jahren über 1,80 m groß. Er schien nur aus Armen und Beinen zu bestehen, so dass seine Freunde ihm den Spitznamen „Grashüpfer" gaben. Er liebte Scherze auf Kosten anderer und war oft genug wütend, wenn er bei Spielen verlor. Viele Freunde erinnerten sich an seinen Hang, andere Menschen zu hänseln, ein Charakterfehler, der, noch dazu häufig mit einer gewissen sadistischen Note, bis in das Erwachsenenalter anhielt. Er war von Natur aus schüchtern, ragte stets über die Köpfe seiner Mitschüler hinaus und stand auf Fotografien immer in der letzten Reihe.

Hopper verbrachte seine Kindheit und die Pubertät mit Spaziergängen am Ufer eines nahe gelegenen Sees, an dem im Winter Eis abgebaut wurde. Er skizzierte die Boote, die Menschen und die Landschaft. Die Bootsindustrie florierte in Nyack und die Docks am Fluss wurden für Edward und seine Freunde beliebte Aufenthaltsorte. Sie gründeten den Boys Yacht Club und segelten mehr oder weniger gut. Edward erhielt sich sein ganzes Leben hindurch eine Liebe zum Meer und zu Booten.

5. Flussboot (River Boat), 1909. Öl auf Leinwand,

96,3 x 122,2 cm. Whitney Museum of American Art,

New York, aus dem Nachlass von Josephine N. Hopper.

Gemeinsam mit elektrischem Licht und gepflasterten Straßen war die Eisenbahn eingeführt worden und veränderte insofern das Aussehen der Stadt, als sie mehr Verkehr, kleine Geschäfte und vor allem irische Einwanderer brachte. Die eleganten viktorianischen Häuser am Hudson gehörten den reichen Industriebaronen, deren holländische Vorfahren große Vermögen angehäuft hatten. Edward lebte am Ende des 19. Jahrhunderts in einer idyllischen Jungenwelt.

Hoppers religiöse Erziehung in der baptistischen Sonntagsschule bildete einen Kontrast zu der Freiheit seiner Jugend. Er sog die Lehren über den Lohn einer bescheidenen Lebensführung und die rechtschaffene Notwendigkeit auf, sich von den Freuden der Lust und Sexualität und anderem „unmoralischen Verhalten" fern zu halten. Die Baptisten hielten bei schlechtem Benehmen viel von der Hickorygerte, aber Edward wurde scheinbar nur selten für seine Missetaten bestraft. Er war der junge Prinz, der talentierte Unantastbare. Er entwickelte jedoch eine sehr introvertierte Persönlichkeit, so als schäme er sich angesichts der bescheidenen Situation seines Vaters inmitten des in der oberen Mittelschicht etablierten matriarchalischen Smith-Clans für diese Position. Diese Zurückhaltung und sein häufig lang anhaltendes Schweigen gingen später in Phasen tiefer Depression über, wenn seine von ihm selbst erkannten Fähigkeiten ihn im Stich ließen und seinen Ehrgeiz nicht länger stützen zu können schienen. Er hatte schon in seiner Jugend eine gelassene Maske entwickelt, hinter der er sich verstecken konnte und hinter der er die seine Karriere prägenden Dämonen scheinbarer Unzulänglichkeit einsperren konnte.

Wenn Garrett Hopper seinem Sohn überhaupt etwas hinterließ, so seine Leseleidenschaft. Während Hopper senior sich mit seinen Konten und Geschäftsbüchern abmühte, fühlte er sich in seiner Bibliothek mit Regalen voller englischer, französischer und russischer Klassiker wirklich wohl. In den „fröhlichen 90ern" fanden tief greifende soziale Umwälzungen statt, und die Ablösung des viktorianischen religiösen Rigorismus durch freidenkerische Auffassungen war eine von ihnen. Edward flüchtete sich in die Bücher von Tolstoi, Turgenjew und Hugo, um Worte für die Gefühle zu finden, die er nicht offenbaren konnte. Er nutzte die Bücher seines Vaters als Zufluchtsort und suchte sich seine besten Freunde auf Buchseiten, nicht im Leben. Häufig laut gesprochene Zitate wurden zu seinen Ersatzantworten.

Bereits 1895 kam Hoppers natürliche Begabung in seinen technisch gut ausgeführten Ölbildern deutlich zum Ausdruck. Er fand großen Gefallen an Details in seinen makellosen Zeichnungen von Marineschiffen und der sorgfältig beobachteten Takelage der in den Werften von Nyack gebauten Rennjachten. Sein ganzes Leben hindurch kehrte er immer wieder zum Meer und zur Küste zurück, zu dem sich auf unterschiedlichen Blautönen immer wieder in Weiß neu darstellenden Himmel und zu den wellenförmigen Felsen vor sich lang hinziehenden und mit Gräsern bedeckten Dünen.

Im Jahr 1899 hatte er die High School abgeschlossen, und er wandte seinen Blick nun auf die große Stadt den Hudson hinunter, das Zentrum der amerikanischen Kunst. Hoppers Mutter achtete darauf, dass Edward und Marion mit Hilfe von Büchern, Drucken, Zeitschriften und Abbildungen Bekanntschaft mit der Kunst machten. Sie gab eine beträchtliche Summe für Farben, Kreide, Pinsel, Bleistifte, Malpapier, Tuschefedern und Skizzenbücher aus. Während Marion sich mehr für das Schauspiel interessierte, praktizierte Edward unterschiedliche Kunsttechniken. Er beobachtete, wie das Licht den Gegenständen Kontur verlieh oder diese nahm und wie die Linien Formen erschufen und das Auge lenkten. Während seiner Schulzeit kopierte er die Zeitschriften-Titelbilder der großen Illustratoren der damaligen Zeit, Edwin Austin Abbey, Charles Dana Gibson oder Gilbert Gaul sowie die Skizzen alter Meister wie Rembrandt und Jean-Auguste-Dominique Ingres. Hopper absorbierte all diese großartigen Vorbilder, erhielt sich aber seinen Sinn für Humor, quasi als Sicherheitsventil, um unter Druck einige der hohen Erwartungen ablassen zu können. Seine Karikaturen und spöttischen Schriften blieben ihm auch erhalten, als sein der Welt zugewandtes Antlitz mit zunehmendem Alter immer härter wurde. Auf diese Weise artikulierte er häufig tief empfundene Emotionen, aber verkleidet durch Witz, um die Aufmerksamkeit nicht auf den Menschen hinter dem Bleistift zu lenken.

6. Ile Saint-Louis, 1909. Öl auf Leinwand, 59,6 x 72,8 cm.

Whitney Museum of American Art, New York,

Schenkung von Josephine N. Hopper.

7. Nachmittag im Juni oder Nachmittag im Frühling

(Après-Midi de juin oder L’Après-Midi de printemps), 1907.

Öl auf Leinwand, 59,7 x 73 cm. Whitney

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