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Hans Memling

Hans Memling

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Hans Memling

Länge:
398 Seiten
2 Stunden
Freigegeben:
Sep 15, 2015
ISBN:
9781783106554
Format:
Buch

Beschreibung

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger van Eyck war Memling, der lange Zeit als ein weniger bedeutender Maler galt, kein Hofmaler, sondern ein Maler des Bürgertums. Memling geriet im 17. und 18. Jahrhundert in Vergessenheit, wird heute aber aufgrund des seine Porträts prägenden perfekten Gleichgewichts aus Realismus und Idealisierung als einer der größten Maler der Vereinigten Provinzen des 15. Jahrhunderts angesehen. Seine Kompositionen, zumeist Diptychen und Triptychen für Altarbilder, offenbaren ein vergleichbares Talent mit dem van Eycks. Sein Auge für Details und seine zeichnerische Präzision, seine technische Meisterschaft und seine kompositorische Begabung brachten so großartige Meisterwerke wie Das Jüngste Gericht (1466-1473), Die mystische Vermählung der Heiligen Katharina (1479) und Die sieben Freuden Mariä (1480) hervor.
Dieses Buch untersucht auf der Grundlage einer reichhaltigen Sammlung aus Reproduktionen von Memlings wichtigsten Gemälden, die die schönen Gesichter und die von den damaligen künstlerischen Konventionen vorgesehenen demütigen Posen unterstreichen, das komplexe Talent dieses bedeutenden Künstlers.
Freigegeben:
Sep 15, 2015
ISBN:
9781783106554
Format:
Buch

Über den Autor


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Hans Memling - Alfred Michiels

Notes

Hans Memling,

Bildnis eines Mannes, um 1470.

Öl auf Eichenholz, 33,3 x 23,2 cm.

The Frick Collection, New York.

Vorwort

Wenn man sich Brügge nähert, sieht man einen hohen, kriegerisch anmutenden Turm, der die Dächer der Stadt überragt und vom Aussehen her eher einem Bergfried als dem Glockenturm einer Kirche ähnelt. Dennoch gehört er zur Kirche Notre Dame. Weder Leisten noch Statuen oder Verzierungen aus Stein schmücken das imposante Gemäuer. Seine mächtigen Mauern ragen stolz empor, ernst wie ein Gedanke aus einer anderen Welt, nackt und trist wie ein Gefängnis. Schwärme von Dohlen umkreisen den Turm und rufen mit kurzen, heiseren Schreien oder lassen sich in einer Reihe auf seiner Spitze nieder wie eine Gruppe mystischer Vögel. Von Norden her taucht die Sonne das Gebäude in ihr fahles Licht und der neblige niederländische Himmel lässt scharfkantige Gebilde daraus entstehen. Vom Turm aus sieht man in der Ferne das mit Schaumkronen bedeckte Meer. Und dieses Bild inspiriert den Betrachter auf ganz natürliche Weise zu poetischen Empfindungen und versetzt ihn in einen Zustand der Meditation.

In der malerischen Stadt Brügge offenbaren sich jedem Liebhaber alter niederländischer Kunst immer wieder wundervolle Überraschungen. Wenn ihre Sehenswürdigkeiten auch nicht mit denen anderer großartiger Städte Europas konkurrieren können, so war die Stadt Brügge doch im 14. und 15. Jahrhundert ein zentraler Warenumschlagplatz und die bedeutendste Hansestadt, in der die Handelsfürsten ihren Wohnsitz hatten. Leider hat sich all dies geändert; heute ist Brügge nicht mehr Tummelplatz der Reichen und hat keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Früher waren die Häuser mit heute über die ganze Welt verteilten Gemälden von Memling und anderen großen Künstlern angefüllt. Heute besitzt Brügge nur noch wenige authentische Werke seiner großen Meister.

Ganz in der Nähe dieser heiligen Zufluchtsstätte, im Schatten des Glockenturms, befindet sich ein weiterer Ort, der ebenfalls unter dem Schutz und der Herrschaft des Wortes Gottes steht: das Saint-Jean-Hospital. Seine Gründungszeit ist nicht bekannt, es wird jedoch bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Um das Jahr 1397 nahmen die dort lebenden Mönche die Regeln des Hl. Augustinus an. Sie gelobten, das menschliche Leid zu erleichtern, waren jedoch durch die Gründungsurkunde daran gebunden, nur Bürger aus Brügge und Maldeghem aufzunehmen. In der Folge verbrachten die Ordensleute viel von ihrer Zeit damit, an den Betten der Leidenden zu sitzen und ihnen tröstliche Worte zuzusprechen. In der Zwischenzeit wurde ein Museum daraus, das Gebäude an sich hat sich jedoch kaum verändert. Durch die gotischen Spitzbogenfenster dringt Tageslicht in das Gebäude mit seinen Giebeln und Wasserspeiern. Unter dem Spitzbogengewölbe erwarteten die Kranken das Ende all ihrer Leiden auf Erden. Zwischen den einzelnen Gebäuden befand sich ein ruhiger Innenhof mit saftig-grünen Lindenbäumen und einem kleinen Teich, auf dem Enten schwammen. Einige Patienten genossen hier an schönen Tagen die frische, von einer süßen, tief sitzenden Melancholie erfüllte Luft, die ihren Ursprung in vergangenen Ängsten hat, sämtliche Organe schwächt und von der Hoffnung mit ihren magischen Visionen erheitert wird.

Hans Memling, Bildnis eines Mannes, um 1472.

Öl auf Eichenholz, 35,3 x 25,7 cm.

Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel.

Im Inneren der Hospitalkirche (die Gebäude wurden im 19. Jahrhundert getrennt) stößt man auf den berühmten Reliquienschrein der Hl. Ursula aus dem Jahr 1489 und auf weitere Meisterwerke von Hans Memling. Über fünf Jahrhunderte lang wurden sie sorgsam aufbewahrt, und der von ihnen ausgehende Zauber zieht den Betrachter in seinen Bann und versetzt ihn in längst vergangene Zeiten. Er folgt dem Lauf des ewigen Flusses und entsteigt seinem Boot fernab von unserer Zeit, inmitten von anderen Bauten und anderen Generationen, an Gestaden, die die Menschheit schon längst verlassen hat. Die Menschentypen, Sitten, Trachten, Leidenschaften und Überzeugungen dieser Zeit werden vom Pinsel des Künstlers festgehalten für alle Ewigkeit – genau wie die Natur. Sanftes, gedämpftes Licht erhellt die Gemälde und eine tiefe Stille umgibt den Betrachter; das von draußen hereindringende Raunen unterstreicht die poetischen Empfindungen: Der Wind säuselt und streichelt die Fensterkreuze, Schwalben fliegen zwitschernd um die Dächer, von weitem lärmt es aus der Stadt wie ein reißender Bergbach. In den Gedanken nehmen diese Geräusche Gestalt an und - überwältigt vom Geist der Vergangenheit – meint man, die Stimmen längst vergangener Zeiten zu vernehmen.

Weshalb waren diese Gemälde im Besitz eines Hospizes?

Diese lästige, aber unausweichliche Frage bekümmert jeden Kunsthistoriker, weil es darauf keine befriedigende Antwort gibt. Memling – wie so viele flämische Meister – wurde vor missgünstigen Blicken versteckt und seine Existenz hinterließ keine Erinnerungen. Ein schier undurchdringliches Geheimnis umgibt ihn: Zwar kennt und bewundert man seine Begabung, doch von seiner Biographie ist nichts bzw. kaum etwas bekannt; seine Geschichte setzt sich aus einigen vagen Überlieferungen und nüchternen Aufzeichnungen zusammen. Selbst sein Name war lange Zeit umstritten, so dass dessen Schreibweise erst Anfang 1861 festgelegt wurde.[1]

Hans Memling, Bildnis eines

Mannes der Lespinette Familie, um 1485-1490.

Öl auf Holz, 30,1 x 22,3 cm. Mauritshuis, Den Haag.

Hans Memling, Bildnis eines Mannes mit Brief, um 1475.

Öl auf Holz, 35 x 26 cm. Uffizien, Florenz.

I. Memlings Anfänge

In der Zeit des italienischen Quattrocento schlossen sich die nordeuropäischen Künstler nicht einer einzigen Kunstrichtung an, sondern entwickelten sich schnell und beständig weiter. Wenn auch die Werke einiger Künstler Ähnlichkeiten aufweisen, so gibt es in den Gemälden der großen Meister dieser Epoche, wie beispielsweise Jan van Eyck (um 1390 bis 1441), Rogier van der Weyden (um 1399 bis 1464), Hugo van der Goes (um 1440 bis 1482) oder auch Hans Memling (um 1433 bis 1494) doch grundlegende Unterschiede. Jeder von ihnen steht auf seine Weise für die „alte bzw. „neue Schule. Wenn auch das XV. Jahrhundert in Flandern gelegentlich als „einfache Skizze des blühenden XVII. Jahrhunderts eines Rembrandt Harmens van Rijn (1606 bis 1669) oder eines Jan Vermeer van Delft (1632 bis 1675) dargestellt wird, so bleibt es doch eine reiche und einzigartige Epoche. Die vorangegangenen Jahrzehnte dieser bewegten Zeit waren von Migrationsbewegungen der niederländischen Künstler geprägt, die zwar den Ruhm ihrer Kunst mit sich brachten, aber in gewisser Hinsicht auch das Ende der „alten Schule kennzeichneten. Hans Memling war einer von ihnen. Und unter all den großen Namen, die ihr angehörten, ist es Memling, auf den Brügge ganz besonders stolz sein kann.

Und dennoch war er bereits hundert Jahre nach seinem Tod in dem Land, das er mit so vielen seiner Werke bereichert hatte, in völlige Vergessenheit geraten. In seinem 1604 veröffentlichten Buch Buch der Maler (Het Schilder-Boeck), einer wertvollen Sammlung von Biographien deutscher und niederländischer Künstler des XV. und XVI. Jahrhunderts, erwähnt Carel van Mander (1548 bis 1606) nur, dass Hans Memling ein großer Meister seiner Zeit, d.h. vor der Zeit Pieter Pourbus’ (um 1523 bis 1584), also vor 1540, war. Ihm zufolge stammte Memling aus der Stadt Brügge[2], während er nach Auffassung von Jean-Baptiste Descamps (1714 bis 1791) in Damme geboren sein soll.

Zweifellos war er jedoch deutscher Herkunft. Von allen Autoren und in allen Dokumenten wird er einhellig als „Meister Hans" betitelt, was als Beweis ausreichen sollte: Hans ist die deutsche Bezeichnung für Jean: in den Niederlanden wird daraus Jan, ausgesprochen wie Yann, da der Laut „j" in den germanischen Sprachen unbekannt ist und stattdessen die Verkleinerungsform Hanneken.[3] verwendet wird. Im Übrigen wird dies von dem Maler und Biographen Marc van Vaernewyck (1518 bis 1569) noch bestätigt: „In Brügge, so sagt er, „sind nicht nur die Kirchen, sondern auch besondere Gebäude mit Gemälden von Meister Hugues, Meister Rogier und von Hans dem Deutschen, geschmückt.[4]

Wenn Brügge auch nicht Geburtsort vieler renommierter Maler war, so zog es doch in der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts zahlreiche Künstler in diese Stadt, die einen guten Kunstmarkt und eine hohe Lebensqualität zu bieten hatte. Die berühmtesten – und diejenigen, deren authentische Werke dort aufbewahrt wurden – waren wahrscheinlich die Brüder Hubert (1370 bis 1426) und Jan van Eyck. Der Ältere lebte dort zu Beginn des Jahrhunderts, später ließ er sich in Gent nieder. Jan hingegen lebte zunächst nur von Mai bis August des Jahres 1425 in der Stadt. Im Jahr 1431 ließ er sich dann endgültig dort nieder, bis zu seinem Tod im Jahr 1441.

Auch der aus Baarle stammende Peter Christus, ein Schüler der Brüder van Eyck, lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1473 (bzw. 1474) in Brügge. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die Familie Memling in diese Stadt zog. Die Mutter des Künstlers könnte jedoch flämischer Herkunft gewesen sein - der ausgeprägte Charakter der Gemälde lässt es vermuten. Seine deutsche Abstammung bestätigt sich schließlich durch die Entdeckung einer Eintragung ins Bürgerregister von Brügge vom 30. Januar 1465 unter dem Namen Jan van Mimmelynghe, Sohn des Hamman, geboren im hessischen Seligenstadt, einer der ältesten Städte in Deutschland. Allerdings gibt es noch einige Alternativnamen für ihn, so etwa Jan van Memmelynghe, Jean van Memlync und Johannes Memelinc. Im Register von Seligenstadt wird Memling als einer der großen Söhne dieser Stadt geführt. Es kann durchaus sein, dass Memling bereits ein bedeutender Maler war, als er sich in Brügge niederließ: Die Tatsache, dass er in keinem Register der Brügger Malergilde eingetragen ist, zeigt, dass er seine Kunst wahrscheinlich ohne jede Einschränkung ausüben konnte.

Memling wurde vermutlich im Jahr 1435 geboren. Der Arzt und Kunsthistoriker Don Giovanni Morelli (1816 bis 1891) hat die Aufzeichnungen eines anonymen Reisenden veröffentlicht, nachdem er im Jahr 1521 bei Kardinal Grimani ein Selbstportrait des Künstlers gesehen hatte, auf dem er etwa siebzig Jahre alt war. Da er im Jahr 1494 verstarb, müsste er somit etwa 1424 geboren worden sein. Als er sich aber vor dem Spiegel selbst porträtierte, war er wohlbeleibt und von blühendem Aussehen, so dass die Annahme, dass er das Bildnis in seinem Todesjahr fertig stellte, doch sehr gewagt scheint. Es ist daher wahrscheinlicher, dass er zu diesem Zeitpunkt noch nicht am Ende seiner Laufbahn angelangt war und man somit seine Geburt zwischen 1433 und 1440 vermuten kann. Man kann sich vielleicht auf das Jahr 1433 festlegen, damit seine Hochzeit mit der Frau, mit der er drei Kinder hatte, nicht zu spät erfolgt.

Zwar wuchs Memling zweifellos nach niederländischer Tradition auf, seine Lehrzeit und die Identität seines Meisters werfen jedoch zahlreiche Fragen auf. Da er erst acht Jahre alt war, als Jan van Eyck im Juli des Jahres 1441 verstarb, kann man wohl kaum davon ausgehen, dass er unter dessen Anleitung die Malkunst erlernte: Überdies weisen die Werke der beiden Künstler grundlegende Unterschiede auf. Trotz allem muss er ihn wohl viele Male in den Straßen der Stadt, in den Kirchen oder bei öffentlichen Veranstaltungen an Feiertagen getroffen und ihn mit dem frühreifen Instinkt, der allen Hochbegabten zu Eigen ist, studiert haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach war er auch bei seinem Begräbnis in den Gewölben von Saint-Donat zugegen. Eine sichtlich bewegte Menschenmenge umgab den schlichten Sarg Jan van Eycks, während die Orgel mit ihren klagenden Tönen die Kirchenschiffe vor erhabener Verzweiflung erzittern ließ und die Priester während der Totenmesse die folgenden schönen Worte sangen: „Was aus der Erde kommt, kehrt zur Erde zurück, was von Gott kommt, kehrt zu Gott zurück!"

Hans Memling, Bildnis eines jungen Mannes,

um 1480-1485. Öl auf Holz, 26,7 x 19,8 cm.

Kunsthaus Zürich, Zürich.

Raffael (Raffaello Sanzio), Bildnis des

jungen Pietro Bembo, 1504-1505.

Öl auf Leinwand, 54 x 39 cm.

Museum of Fine Arts, Budapest.

Hans Memling, Bildnis eines Mannes,

um 1465-1470. Öl auf Holz, 41,8 x 30,6 cm.

Städel Museum, Frankfurt.

Hans Memling, Bildnis eines jungen Mannes

vor einer Landschaft, um 1475-1480.

Öl auf Holz, 26 x 20 cm.

Galleria dell’Accademia, Venedig.

Doch schon sehr bald wird Memling vom Historiker Francesco Guichardin (1482 bis 1540), vom Maler, Bildhauer und Architekten Giorgio Vasari (1511 bis 1574) und auch vom Biographen und Historiker Filippo Baldinucci (1624-1696/1697) zu den Schülern von Rogier van der Weydens[5] gezählt. Vasari spricht von einem «Ausse disciple de Rogier»[6] („großen Schüler von Rogier); Guichardin nennt ihn «Hausse» („den Großen) und Baldinucci „Ans di Brugia. Wenn auch die im Laufe der Jahrhunderte gesammelten Informationen und die angebliche „Verwandtschaft zwischen bestimmten Werken der beiden Meister diese Verbindung zu bestätigen scheinen, so spricht doch der beträchtliche stilistische Unterschied zwischen Memlings Jugendwerken und den späten Werken eines van der Weyden gegen diese Hypothese. Und wenn auch sein Stil größere Ähnlichkeit mit dem von Hugo van der Goes aufweist, so spricht doch die Tatsache, dass die beiden der gleichen Generation angehören, eindeutig gegen ein Meister-/Schüler-Verhältnis.

Im Herrschaftshaus der Margarete von Österreich (1480 bis 1530) war im XVI. Jahrhundert ein Triptychon zu sehen, dessen Hauptgemälde von Rogier van der Weyden selbst, die beiden Flügel jedoch von einem seiner Schüler gemalt worden waren. Auf dem Mittelteil ist die Hl. Jungfrau dargestellt, wie sie den toten Christus in ihren Armen hält; die Innenseite der Flügelteile zeigt zwei trauernde Engel, auf der Außenseite ist Grau in Grau die Verkündigung abgebildet.[7] Memlings Gemälde sind eindeutig von Rogier van der Weyden beeinflusst, als der alternde Künstler seine zweite Arbeitsphase durchlief. So kann man sich auch vorstellen, dass Memling Brügge verließ, um unter van der Weyden in Brüssel zu arbeiten, der ihm nicht nur den Umgang mit Stift und Pinsel beibrachte, sondern ebenso die Kunst der Ölmalerei. Descamps behauptete jedoch, dass Memling nicht gewillt war, die neue Methode anzuwenden und seine Farben weiterhin in Eiweiß und Leinöl anrührte.

Zu jener Zeit war Tempera die am häufigsten verwendete Maltechnik, wobei die speziellen Zutaten in unterschiedlich großer Menge miteinander vermengt wurden. Durch Hinzufügen von Bier, Essig oder Honig konnte man den Flüssigkeitsgrad der so entstandenen Substanz regulieren, die Farbe erhielt man durch das Auftragen von Farblack: Dieser hatte einen doppelten Vorteil, er verlieh zum einen der Masse ihren Farbton und ihre Strahlkraft, zum anderen schützte er die Tempera vor schädlichen Umwelteinflüssen. Lange Zeit traf diese Fehleinschätzung auf offene Ohren: Nie zuvor hatte es eine Meinung gegeben, die so falsch war und den Leser so täuschte. Wie hätte ein so fähiger Mann, ein Mann, der in alles Schöne verliebt war und die Verhältnisse so gut einschätzen konnte, eine so wunderbare Methode ablehnen können, um an seiner alten Arbeitsweise festzuhalten? Diese Hypothese erschien sehr unwahrscheinlich und widersprach im Übrigen den Fakten. Einige, wahrscheinlich durch seine Lehrzeit im Rheinland beeinflusste, Gemälde wurden mit Tempera begonnen und später in Öl fertig gestellt. Auf diese Weise betonte der Meister die Hauptlinien seiner Kompositionen, vervollständigte das Übrige mit unendlicher Zartheit, während seine Farben – wie einer unverrückbaren Regel folgend – so licht erschienen, dass die Originalzeichnung sie zu durchdringen schien.

Doch kaum haben uns diese geringfügigen Informationen einen kurzen Blick auf den feinen Koloristen gewährt, da

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