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Diego Rivera

Diego Rivera

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Diego Rivera

Bewertungen:
5/5 (1 Bewertung)
Länge:
396 Seiten
2 Stunden
Freigegeben:
Sep 15, 2015
ISBN:
9781783106783
Format:
Buch

Beschreibung

Sie lernten sich 1928 kennen, als Frida Kahlo gerade einundzwanzig Jahre und Diego doppelt so alt war. Er genoss bereits internationale Anerkennung, als sie noch davon träumte.
Aus ihrer stürmischen Beziehung erwuchs vor allem für Frida eine starke Kreativität, doch brachte sie auch großes Leid mit sich. Stets im Schatten ihres Mannes, dessen häufige Untreue sie genau so wie die eigene Eifersucht ertrug, lebte Frida ihren Schmerz auf der Leinwand aus und erlangte so nach und nach das Interesse der Öffentlichkeit. Die beiden engagierten Künstler verkündeten ihre Freiheit in Amerika und Europa und hinterließen hier wie dort die Spuren ihres unglaublichen Talents.
In dieser wundervollen Doppelausgabe stellt Gerry Souter nicht nur die Biographien beider Künstler einander gegenüber, sondern hält dem Leser gleichzeitig mit viel Gefühl das dünne Band vor Augen, das die beiden größten mexikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts zusammen hielt.
Freigegeben:
Sep 15, 2015
ISBN:
9781783106783
Format:
Buch

Über den Autor

Gerry has lived in the Chicago area nearly all his life. His background includes over thirty years' involvement with aviation; he has flown in balloons, jet fighters and single-engine planes and has written about Canadian bush pilots, Arizona crop-dusters and Gulf of Mexico helicopter fleets. Janet Souter shares her husband Gerry's interest in history. She is president of their company, Avril 1 Group, Inc., and edits all of their joint copy. Janet has joined Gerry in balloon, helicopter and light aircraft flights. They are authors of over forty books, histories, biographies and young adult nonfiction. Their most recent book, written for The History Press, is titled Arlington Heights: A Brief History.


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Buchvorschau

Diego Rivera - Gerry Souter

Notes

2. Diego Rivera, Selbstporträt, 1916.

Öl auf Leinwand, 82 x 61 cm.

Museo Dolores Olmedo, Mexiko-Stadt.

Einleitung

Ich kannte den mexikanischen Wandmaler Diego Rivera schon lange, bevor ich den vielen anderen „Diego Riveras" der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begegnete. Als Fotojournalist und Absolvent des Chicago Art Institute nutzte ich auswärtige Aufträge, um mir bedeutende Kunstwerke anzusehen, wo immer es möglich war. In Paris gibt es die Schätze des Louvre und des Centre Pompidou. In Mexiko gibt es Diego Rivera, und zwar überall. Und zu Hause genieße ich den Vorteil, nur fünf Autostunden vom Detroit Institute of Arts und Riveras unglaublichen Wandgemälden für diese amerikanische Industriestadt entfernt zu wohnen.

Während seine Staffeleigemälde und Zeichnungen einen großen Teil seines Früh- und Spätwerks einnehmen, explodieren seine einzigartigen Wandgemälde in einer virtuosen Vorführung verblüffender Organisation geradezu von der Wand. Auf diesen Wänden gehen der Mann, seine Legende und sein Mythos, sein technisches Talent, sein narrativer Fokus und seine tiefen ideologischen Überzeugungen eine untrennbare Verbindung ein.

Bei der Recherche für mein Buch Frida Kahlo: Hinter dem Spiegel fand ich viele Fotografien Diegos, zuerst als lächelnder, erfolgreicher Künstler mit seiner kleinen Braut und am Ende als müder alter Mann hinter Fridas Sarg auf dem Weg zum Krematorium. Obwohl ihre Verbindung sehr eng war, konnte ich ihren Vollzug, sowohl körperlich als auch intellektuell, nicht akzeptieren, noch konnte ich verstehen, welche Anziehungskraft auf schöne Frauen und mächtige Männer eine solche watschelnde Karikatur ausüben konnte. Im Angesicht seiner von der Wand leuchtenden Bilder trat sein Reiz als überlebensgroße Person und Schöpfer jedoch rasch an die Stelle des ersten Eindrucks eines weichen Mannes.

Große, feuchte, weiche Froschaugen über einem einen Hang zum Genuss ausdrückenden Mund blicken erwartungsvoll unter schweren Lidern hervor und erinnern an ein Mondgesicht auf einem fleischigen, tränenförmigen Körper. Aber dieser große Mann, der Türen ausfüllte und Stühle unter sich ächzen ließ, hatte kleine, an Kinder erinnernde Hände. Er wirkte sanft und träge, arbeitete häufig aber 18 Stunden auf einem Gerüst an seinen Wandgemälden. Sein Privatleben war ein einziges Chaos aus Politik, Affären, Partys, Reisen, Ehen und der Arbeit an seinem eigenen Mythos. Aber an der Wand choreographierte er erfolgreich seine schöpferische Arbeit mit den zeitkritischen Erfordernissen der Wandmalerei.

3. Frida Kahlo, Xochítl, Blume des Lebens, 1938.

Öl auf Metall, 18 x 9,5 cm. Privatsammlung.

Seinen Memoiren zufolge lobte der sich mühende junge Künstler Rivera Picasso dafür in den Himmel, dass er die Maler aus der Umklammerung der Stagnation befreit hatte. Seinen Freunden gegenüber allerdings machte er Picasso den Vorwurf, Elemente seiner kubistischen Technik von ihm gestohlen zu haben, und Rivera kochte geradezu, als Picasso Erfolge feierte und er selbst sich in Paris immer noch ohne einen eigenen Stil abmühte. Rivera war zeitlebens ein Anhänger der Ideen des Kommunismus und stritt seine gnadenlose Realität zumeist ab. Wie konnte jemand die strenge Ideologie des Kommunismus propagieren und gleichzeitig für reiche Kapitalisten arbeiten? Während der unruhigen 1920er, 1930er und 1940er Jahre bewegten sich Riveras politische Einsichten auf dem Niveau, mit dem ihn die meisten seiner Zeitgenossen identifizierten – dem eines großen Kindes. Er schloss überall, in Mexiko, Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland, Russland und den Vereinigten Staaten, Freundschaften, während die Eifersucht auf seinen Erfolg und kontroverse politische Andeutungen in seiner Kunst ihm gleichzeitig erbitterte Feinde einbrachten. Rivera trug viele Jahre lang einen großkalibrigen Colt bei sich, angeblich, um Anschläge auf sein Leben abzuwehren.

Diego Rivera spielte viele Rollen, einige besser als andere, aber tief in seinem Herzen trug er – auch wenn er dies erst nach etwa einem Drittel seines Lebens erkannte – Mexiko in sich, die Sprache seiner Gedanken, das Blut in seinen Adern, den azurblauen Himmel über seinem Zufluchtsort. Nachdem sich der Sturm und Drang eines quasi im Galopp gelebten Lebens gelegt hatten, er seine meisterliche Technik entwickelt hatte und sich endlich seinen schöpferischen Zielen widmete, war da Mexiko, seine Geschichte und seine Geschichten. Diese Geschichten und das Leben Diego Riveras vermischen sich so miteinander, wie ein Fluss die Erde in sich aufnimmt.

Gerry Souter

Arlington Heights, Illinois

4. Frida Kahlo, Selbstporträt, ca. 1938.

Öl auf Metall, 12 x 7 cm. Privatsammlung, Paris.

5. Diego Rivera, Landschaft, 1896-1897.

Öl auf Leinwand, 70 x 55 cm.

Sammlung Guadalupe Rivera de Irtube.

Von der Lehre zum Meister der Kunst

Seine ersten Schritte

Rivera gestaltete bewusst sein Leben so, dass selbst sein Geburtsdatum von Mythen umrankt ist. Seine Mutter María, seine Tante Cesárea und die standesamtlichen Dokumente nennen den 8. Dezember 1886 um 19.30 Uhr als sein Geburtsdatum, d.h. den Tag der Feier der Unbefleckten Empfängnis. In den Kirchendokumenten von Guanajuato ist den Unterlagen über seine Taufe allerdings zu entnehmen, dass der kleine Diego María Concepción Juan Nepomuceno Estanislao de la Rivera y Barrientos Acosta y Rodríguez tatsächlich am 13. Dezember das Licht der Welt erblickte.

Riveras eigene, Jahrzehnte später abgegebene Schilderung seiner Geburt beschreibt ein grandioses Melodram. Seine Mutter hatte bereits drei Totgeburten hinter sich. Nun erwartete sie Zwillinge. Nachdem sie Diego auf die Welt gebracht hatte, erlitt sie Blutungen. Diego war dürr und lethargisch und man gab ihm kaum Überlebenschancen. Doktor Arizmendi, ein Freund der Familie, warf ihn deshalb in einen in der Nähe stehenden Dungeimer und wandte sich dem zweiten Kind zu. Diegos Zwillingsbruder kam auf die Welt und schien der zerbrechlichen María, die nun ins Koma fiel, die letzte Kraft geraubt zu haben.

Verzweifelt weinte Don Diego Rivera über seiner leblosen Frau. Es mussten Vorbereitungen für ihre Aufbahrung getroffen werden. Die alte Matha, die Doña María stets geholfen hatte, wollte ihre kalte Stirn küssen. Plötzlich trat die alte Frau zurück. Marías „Leiche" atmete! Der Arzt entzündete sofort ein Streichholz und hielt es unter Marías Ferse. Es bildete sich eine Brandblase. Doña María lebte tatsächlich noch. Und aus dem Dungeimer kamen Krächzer, die zeigten, dass der kleine Diego ebenfalls noch lebte, woraufhin man ihn aus dem Eimer holte.

Doña María erholte sich, beschäftigte sich später mit der Geburtsheilkunde und wurde schließlich eine professionelle Hebamme. Diegos Zwillingsbruder Carlos starb eineinhalb Jahre später, während der unter Rachitis und schlechter Gesundheit leidende Diego unter die Obhut seiner in den Bergen der Sierra lebenden indianischen Kinderfrau Antonia gestellt wurde. Diego zufolge verabreichte sie ihm dort Kräutermedizin und praktizierte heilige Rituale, während er Ziegenmilch frisch aus dem Euter trank und mit allen möglichen Tieren wild in den Wäldern lebte.

Aber was immer auch die Wahrheit über seine Geburt und frühe Kindheit sein mag, die mexikanischen, spanischen, indianischen, afrikanischen, italienischen, jüdischen, russischen und portugiesischen Wurzeln Diegos statteten ihn mit einem klaren analytischen Intellekt aus. Sein Vater, Don Diego, brachte ihm das Lesen „…nach der Froebel-Methode bei".[1]

Friedrich Froebel (1782 bis 1856) gilt als der „Vater des modernen Kindergartens". Dieser deutsche Pädagoge schuf im Jahr 1839 überhaupt erst diesen Begriff. Froebel wandte sich gegen die Idee, Kinder als kleine Erwachsene zu behandeln und trat für ihr Recht ein, die Kindheit zu genießen, spielen zu können und sich mit Kunst, Musik und dem Schreiben zu beschäftigen. Die Erklärung der Moral einer Geschichte ermöglichte es Froebel zufolge den Kindern z.B. nicht, ihre eigenen Schlüsse aus dem Gelesenen zu ziehen. Es ist auffällig, dass spätere nicht gegenständlich und unabhängig denkende europäische Künstler wie Georges Braque (1882 bis 1963), Wassilij Kandinsky (1866 bis 1944), Paul Klee (1879 bis 1940) und Piet Mondrian (1872 bis 1944) häufig ebenfalls nach Froebels Konzepten arbeitende Kindergärten besucht hatten.[2]

Diego Rivera wurde in eine durch eine auf Abstammung und politische Verbindungen gegründete Klassengesellschaft hineingeboren. Die Epoche wurde nach der Regierung des autokratischen Präsidenten Don Porfirio Díaz (1830 bis 1915) Porfiriato genannt. Diegos Vater war ein gebildeter Mann, ein Lehrer und politischer Liberaler, der bei der herrschenden politischen Partei als Unruhestifter galt. Er war darüber hinaus ein criollo, ein mexikanischer Bürger von privilegierter, „reiner europäischer Abstammung. Sein Dienst in der mexikanischen Armee, die die französische Herrschaft unter Maximilian beendet hatte, verschaffte ihm ebenfalls eine quasi kugelsichere Position innerhalb von Díaz’ „loyaler Opposition.

Der allgemein verehrte Präsident Benito Juárez (1806 bis 1872) hatte Mexiko mit Díaz an seiner Seite von der französischen Herrschaft befreit. Nach Juárez’ Tod entriss Díaz dem unfähigen gewählten Führer Sebastián Lerdo (1823 bis 1889) im Jahr 1876 die Herrschaft. Juárez’ die Bauern begünstigende Landreformen wurden im Verlauf der Zeit einkassiert und Díaz ging ein Bündnis mit reichen ausländischen Investoren und konservativen, wohlhabenden mexikanischen Familien ein. Er modernisierte Mexiko mit Hilfe der Elektrizität, der Eisenbahn und durch Handelsabkommen und glich den mexikanischen Haushalt unter internationalem Beifall aus. Die obere Schicht der mexikanischen Gesellschaft nahm französische Sitten, die französische Küche, Unterhaltung und Sprache an. Die mexikanischen Landarbeiter am unteren Ende der Pyramide wurden sich selbst und ihrem kargen Dasein überlassen.

Um seine finanzielle Lage zu verbessern, investierte Diegos Vater in die Erzförderung aus den eigentlich längst erschöpften Silberminen in der Umgebung von Guanajuato. Diese einst blühende Industrie konnte aufgrund versiegender Vorkommen jedoch nicht wiederbelebt werden, und die Familie Rivera häufte nur Schulden an.

Diegos Mutter María verkaufte daraufhin das Mobiliar der Familie, die nun in eine ärmliche Wohnung in Mexiko-Stadt ziehen und von neuem beginnen musste. María war eine kleine und zerbrechliche Mestizin mit europäischem und indianischem Blut. Sie verfügte aber über eine gute Ausbildung, die es ihr ermöglichte, ihre medizinischen Studien zu betreiben und eine professionelle Hebamme zu werden.

Durch all diese Schwierigkeiten hindurch wurde der junge Diego jedoch verhätschelt. Er konnte schon mit vier Jahren lesen und hatte damit begonnen, Wände zu bemalen. Der Umzug nach Mexiko-Stadt eröffnete ihm eine völlig neue Welt. Die Stadt erhob sich auf einem Hochplateau oberhalb eines alten Seebettes am Fuße zweier schneebedeckter Vulkane, des Iztacchuatl und des Popocatépetl. Nach den staubigen Landstraßen und den Häusern von Guanajuato mit ihren flachen Dächern die gepflasterten Straßen der Hauptstadt mit ihrer eleganten französischen Architektur und der mit den schönsten Boulevards Europas konkurrierende Paseo de Reforma – Diego war überwältigt.

Diego hatte mittlerweile eine jüngere Schwester, María del Pilar, aber sein in Mexiko-Stadt geborener Bruder Alfonso war schon eine Woche nach der Geburt gestorben. Das Leben in den ärmeren Stadtvierteln war hart, und etwa die Hälfte der Neugeborenen starb innerhalb der ersten Woche nach der Geburt. Aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse, des Fehlens fließenden Wassers und der Überbevölkerung waren Typhus, Pocken und Diphterie weit verbreitet.

Diego litt ebenfalls unter Typhus, Scharlach und Diphterie, aber seine hartnäckige Konstitution und Marías medizinische Ausbildung sorgten dafür, dass er überlebte.

6. Diego Rivera, Beginisches Kloster

in Brügge oder Sonnenuntergang in Brügge, 1909.

Kohle auf Papier, 27,8 x 46 cm. Sammlung INBA,

Museo Casa Diego Rivera, Guanajuato.

7. Camille Pissarro, Weidelandschaft, Pontoise, 1868.

Öl auf Leinwand, 81 x 100 cm. Privatsammlung, New York.

8. Diego Rivera, Landschaft mit einem See, ca. 1900.

Öl auf Leinwand, 53 x 73 cm.

Sammlung Daniel Yankelewitz B., San José.

9. Gustave-Courbet, Das Mühlwehr, 1866.

Öl auf Leinwand, 54 x 64,5 cm. Alte Nationalgalerie,

Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin.

Diegos Vater schluckte, um für seine Familie sorgen zu können, seine moralische Entrüstung über die Korruption der Regierung herunter und nahm einen Posten als Büroangestellter im Gesundheitsministerium an. Er hatte eine für jede sich den Anliegen der unteren Gesellschaftsschichten widmende revolutionäre Bewegung bittere Wahrheit erkannt: die Veröffentlichung von Artikeln, die den Armen helfen sollten, wurde durch den weit verbreiteten Analphabetismus behindert – sie konnten schlicht nicht lesen.

María fand auch immer mehr Arbeit als Hebamme, und sie konnten bald aus ihrem Armenviertel in eine bessere Unterkunft wechseln. Sie landeten schließlich in einer Wohnung im zweiten Stockwerk an der Calle de la Merced („Marktstraße"). Dieses Viertel gruppierte sich um zwei große Märkte. Ihre Farbenpracht, das vielfältige Warenangebot, der Trubel und die Menschenmenge aus Indios, Landarbeitern und Kunden aus allen Gesellschaftsschichten boten ein reiches Bild, das Diego bis ins hohe Alter begleitete. Für den Jungen bedeutete dieser gesellschaftliche Aufstieg, dass er nun ohne Unterbrechungen zur Schule gehen konnte. Er trat mit acht Jahren in das Colegio del Padre Antonio ein. „Diese kirchliche Schule war die Wahl meiner Mutter, die unter den Einfluss ihrer frommen Schwester und Tante geraten war."[3] Er blieb drei Monate lang, versuchte es dann im Colegio Católico Carpentier – wo er heruntergestuft wurde, weil er nicht häufig genug badete – ein leider sein gesamtes Leben hindurch anhaltendes hygienisches Problem – und ging schließlich auf das Liceo Católico Hispano-Mexicano. „Hier bekam ich sowohl Essen als auch freien Unterricht, Bücher, verschiedene Werkzeuge und andere Dinge. Ich wurde in die dritte Klasse gesteckt, aber da ich durch meinen Vater gut vorbereitet worden war, wurde ich bald in die sechste Klasse versetzt."[4]

10. Diego Rivera, Landschaft mit einer Mühle,

Landschaft von Damme, 1909. Öl auf Leinwand, 50 x 60,5 cm.

Sammlung Juan Pablo Gómez Rivera, Mexiko-Stadt.

Die Schulform Lyceum war, wie von Präsident Díaz gewünscht, direkt französischen Modellen entlehnt. Nachdem er die Franzosen 1867 aus Frankreich vertrieben hatte, verbrachte Díaz die folgenden sechs Jahre seiner Regierung damit, die von Benito Juárez etablierte Demokratie aufzulösen und die französische und internationale Kultur wieder als Modell für Fortschritt und Zivilisation zu propagieren. Die Kehrseite dieser Politik bestand in der Verunglimpfung der einheimischen Gesellschaft, Kunst, Sprache und politischen Kultur. Er überließ die Armen ihrem Schicksal, während die Reichen hofiert wurden, weil sie über Geld verfügten und es schätzten, wenn sie es behalten konnten. Der Wille der herrschenden Klasse wurde den Armen mit Hilfe von nützlichen „wissenschaftlichen" Prinzipien aufoktroyiert, die von einem los Científicos genannten Kreis aus Pseudo-Sozialwissenschaftlern entwickelt worden waren. Es handelte sich um lupenreinen Sozialdarwinismus.

In demselben Jahr, in dem Díaz und Juárez die Franzosen aus Mexiko vertrieben, erschien der erste Band von Karl Marx’ Das Kapital: Kritik der Politischen Ökonomie. Dieses Ergebnis eines lebenslangen wissenschaftlichen Studiums der politischen Ökonomie der Arbeiterklasse ersetzte die üblichen, die grundlegenden Prinzipien des Sozialismus begründenden populistischen Aufrufe an die unterdrückten Arbeiter durch klare Schlussfolgerungen. Wenn es jemals eine autokratische Regierung gegeben hat, die für einen starken, von intellektuellen Säulen der sozialistischen Ideologie gestützten Untergrund reif war, so handelte es sich um Mexiko. Die kulturelle und ökonomische Philosophie der Regierung Díaz fokussierte sich auf das Konzept, zunächst Reichtum zu schaffen, bevor man sich den Interessen der Armen widmete, die zum Leidwesen der die Politik bestimmenden mexikanischen Cientificos im Vergleich zu ihrer Geburtenrate nicht rasch genug starben.

11. William Turner, Wolverhampton, Staffordshire, 1796.

Aquarell auf weißem Papier, 31,8 x 41,9 cm.

Wolverhampton Arts and Museums Service, Wolverhampton.

Mitten hinein in diese die Landarbeiter und campesinos (Kleinbauern) unterdrückende Verschwörung zugunsten der die Taschen der Reichen füllenden internationalen Investoren im Gegenzug für Handelsprivilegien und mit der Bereitstellung sehr billiger Arbeitskräfte und der durch die Gleichgültigkeit der katholischen Kirche gestützten mexikanischen Regierung trat der junge Diego Rivera. Sein Vater nutzte unterdessen auf Kosten seiner persönlichen politischen Überzeugungen seine gute Bildung, um in der Verwaltung eine bessere Position als Gesundheitsinspektor zu bekommen. Das Wachstum der Stadtbevölkerung hatte es María del Pilar gleichzeitig ermöglicht, ihre Praxis als Hebamme auszuweiten und sogar eine gynäkologische Klinik

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Rezensionen

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Leser-Rezensionen

  • (5/5)
    A wonderful companion to Salma Hayek's film "Frida."