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Rückenwind: Atlantik rund - ein Segeltraum in zwei Etappen

Rückenwind: Atlantik rund - ein Segeltraum in zwei Etappen

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Rückenwind: Atlantik rund - ein Segeltraum in zwei Etappen

Länge:
290 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
24. Sept. 2015
ISBN:
9783739277936
Format:
Buch

Beschreibung

Im Mittelpunkt dieses Bordtagebuches steht die Teilnahme an zwei großen Regatten: an der ARC 2011 über den Atlantik in die Karibik und an der ARC Europe 2013, mit der die „SY Paraty“ ins Mittelmeer zurückkehrte.
Einander zuvor unbekannte Menschen wachsen zu einer Crew zusammen und schließen Freundschaft, um gefährliche Segelmanöver gemeinsam zu bewältigen und mit großer Neugier exotische Hafenorte zu erkunden. Spannend und realistisch werden die Herausforderungen eines Segeltörns geschildert, wobei der Autor es vermag, seglerische Fachsprache selbst für Laien nachvollziehbar zu machen. Aber auch die magischen Momente an Bord angesichts der unendlichen Weite des Ozeans kommen nicht zu kurz.
Am Segelsport Interessierte, die noch den letzten Anstoß suchen, aufzubrechen, erfahren hier, wie sie ihren Traum von einer solchen Reise in die Tat umsetzen können und mit welchen Erlebnissen sie dafür belohnt werden. Erfahrene Segler werden die spannende und gleichzeitig realistische Schilderung genießen, und werden nachvollziehen können, wenn der Autor sagt: "Segeln bedeutet auch, sein Boot an den schönsten Plätzen der Erde, oder eben mal mitten auf einem Ozean, ohne Original-Ersatzteile zu reparieren."
Eine Fülle an nützlichen Tipps, inklusive einer Proviantierungs- und Rezepteliste für den nicht zu unterschätzenden Speiseplan an Bord, runden den Handbuchcharakter ab.
Herausgeber:
Freigegeben:
24. Sept. 2015
ISBN:
9783739277936
Format:
Buch

Über den Autor

Peter Menzel, 1968 weit weg von der See in Bad Kreuznach geboren, zog es schon immer ans Meer. Sein Vater schenkte ihm als Kind ein Schlauchboot mit Segelaufsatz. Er brachte sich selbst das Segeln bei und erkundete schon bald die umliegenden Buchten seines Urlaubsortes am Mittelmeer. Als er größer wurde, stieg er auf das Surfbrett um. Nach einem Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg fasste er beruflich in Hannover Fuß, wo er Freunde fand, die ihn wieder für das Segeln begeisterten. Schon bald waren ihm die Chartertörns im Urlaub nicht mehr genug und seine Segelleidenschaft, gepaart mit seinem Fernweh, ließ ihn nach einem größeren Abenteuer suchen. Eine Suchmeldung im Internet nach Mitseglern über den Atlantik führte ihn zur Teilnahme an zwei großen Regatten. Das Buch erzählt die Geschichte seines Sabbaticals voller Abenteuer, grandioser Naturerlebnisse, Freundschaften und Gefahren auf hoher See sowie Begegnungen mit ungewöhnlichen Menschen und Tieren an exotischen Orten.


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Buchvorschau

Rückenwind - Peter Menzel

Inhalt

Vorwort

Ein Törn zum Kennenlernen

Von Barcelona nach Gran Canaria

Mit der ARC 2011 über den Atlantik in die Karibik

Entspannen in der Karibik

Zurück in Deutschland

Vorbereitung auf die zweite Atlantiküberquerung

Mit der ARC Europe 2013 segeln wir die Paraty zurück nach Europa

Ausklang, von Lagos nach Barcelona

Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Wichtige maritime Begriffe und deren deutsche Übersetzung

Buchempfehlungen zur Vorbereitung auf den Törn

Einkaufsliste

Rezepte

Seamen’s Declaration

»Ich wollte Seemann sein, frei von den Banalitäten des Alltags, und träumte von einem freien Leben in der Welt der Männer.«

Jack London (1876–1916)

Schriftsteller, Journalist, Fotograf und Segler

Vorwort

Ich wollte segeln, nicht nur die üblichen Kurztörns, und ich wollte es jetzt gleich, nicht erst warten, bis ich 65 bin. Aber wie konnte ich das bewerkstelligen? Schließlich war ich in meinen Job ziemlich eingebunden. Andererseits sollte ich als Personalleiter in einem internationalen Konzern doch wissen, wie so etwas trotzdem möglich ist. »Sabbatical« ist doch schon seit Längerem in aller Munde, nur wirklich machen tut es kaum einer. Es wird halt von einigen Managern noch als berufliches Versagen und Ende der Karriere angesehen und häufig genug auch so kommuniziert. Ich denke, viele Unternehmen müssen hier umdenken, um mittelfristig noch als attraktiver Arbeitgeber dazustehen. Ich wollte für mich herausfinden, wie mein Vorhaben umgesetzt werden kann, und beweisen, dass es geht. Vorwegnehmen möchte ich hier schon einmal, dass das Feedback, das ich vom ganz überwiegenden Teil meiner Kollegen und Vorgesetzten darauf bekam, ausgesprochen positiv war. Zu meiner Überraschung ist die Firma in den Wochen ohne mich nicht untergegangen. Einige wenige Kollegen gingen mir aber auch noch nach mehreren Wochen aus dem Weg, wahrscheinlich, so vermutete nicht nur ich, aus Neid, weil sie selbst es nicht schafften, mal Abstand vom Beruf und Zeit für die Familie oder für die Erfüllung eines lang gehegten Traumes zu nehmen. Auch mir hat man die Auszeit nicht gerade aufgedrängt. Als ich jedoch klarmachte, wie viel mir die Chance, an der ARC 2011 teilzunehmen, bedeutet, hat sich mein Chef unbürokratisch und konstruktiv gezeigt. Technisch gesehen gibt es viele Möglichkeiten für eine befristete Auszeit. Meine Wahl fiel zunächst auf Urlaub aufsparen, da kamen immerhin 25 Tage bei raus. Zusätzlich wurde mein Vertrag für zwei Monate auf Teilzeit 50 % umgestellt und ich habe in dieser Zeit Vollzeit gearbeitet, was einen weiteren Monat Freizeit erbrachte. Das hatte auch den Vorteil, dass ich weiter sozialversichert war und den Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung erhielt. Inklusive der eingeschlossenen Feiertage kamen so rund zweieinhalb Monate Freizeit zusammen. Im Ergebnis konnte ich also zwei Wochen im Oktober 2011 das Boot mit dem Skipper und Eigentümer sowie weiteren Mitseglern von Barcelona (ich stieg erst in Alicante zu) nach Gran Canaria segeln. Dann musste ich mich noch einmal für zwei Wochen intensiv um das Büro und die Jahresabschlussarbeiten kümmern, so war der Deal mit meinem Chef. Am 5. November begann dann meine Auszeit mit erst einmal einer Woche in Hannover mit Vorbereitungen für das große Abenteuer. Am 13. November ging es nach Gran Canaria, Las Palmas. Bis zum 20. November standen Arbeiten am Boot und das Proviantieren auf dem Programm. Am 20. November fiel dann der Startschuss für die Atlantiküberquerung. Meinen Rückflug hatte ich für den 21. Dezember gebucht, um rechtzeitig zu Weihnachten wieder bei der Familie sein zu können. Was ich damals noch nicht wusste: 2013 sollte die Rückholung des Bootes ins Mittelmeer folgen.

Ich stelle das voran, um auch anderen Mut zu machen, ihre Träume trotz Berufsalltag in Angriff zu nehmen. Es ist eine Inspiration und Kraftquelle, wie ich sie so intensiv noch nicht erlebt habe. Mit einigen Monaten Abstand zu dem Erlebten muss ich allerdings auch warnen, denn es macht irgendwie Lust auf mehr. Aber eins nach dem anderen …

Ein Törn zum Kennenlernen

Wie kam es überhaupt dazu, dass ich die Chance bekam, an der ARC¹ teilzunehmen? Schließlich habe ich selbst kein eigenes Boot, und einen Platz auf einem der vielen Teilnehmerboote zu bekommen ist nicht so einfach und meist auch gar nicht so billig. Auch werden die Boote häufig voll belegt, also jeweils mit zwei Personen in einer Kajüte, das ist mir bei so einem langen Törn einfach zu eng. Wie haben sich also Skipper, Boot und Crew gefunden? Das Internet macht es möglich. Immer mal wieder schaute ich in Internetbörsen wie »Hand gegen Koje« rein und suchte nach interessanten Angeboten, fand aber nie etwas, das eine Auszeit wirklich attraktiv gemacht hätte. Dann, an einem Tag im April 2011, las ich das Inserat: »Echte Hand gegen Koje, ich will kein Geld verdienen … Wer hat Interesse, die ARC mitzusegeln? André«. Sofort habe ich mich per E-Mail gemeldet und noch am selben Abend einen Anruf bekommen. André, ein Holländer, der beruflich viel in der Welt herumgekommen ist und eine 25 Jahre alte Grand Soleil 46 mit Liegeplatz in der Marina Port Ginesta, Castelldefels Amarre besitzt, plante einen Probeschlag zum Kennenlernen, der in gerade mal zehn Tagen beginnen sollte. Ich kann nur jedem raten, einen solchen Törn zum Kennenlernen zu machen. Wir haben einige Crews im Rahmen der ARC kennengelernt, die sich dadurch viel Ärger hätten ersparen können. Teilweise konnte man die Auseinandersetzungen der Crew mit ihren Skippern sogar in der Zeitschrift Yacht mitverfolgen. Unfassbares Glück, dass ich in diesem Zeitraum gerade mal keine unverschiebbaren Termine hatte, also schnell Urlaub geblockt. Das mit dem Flug hat schließlich auch noch geklappt und so traf ich André und drei weitere Bewerber um einen der begehrten Plätze in dem Yachthafen nahe Barcelona. Am kommenden Tag sollte es weitergehen nach Mallorca, das sind ca. 120 sm. Ich kam erst um 22:00 Uhr im Hafen an, als André und die Crewanwärter schon ein gemeinsames Abendessen zum Kennenlernen eingenommen hatten. Auch die Kojen waren schon vergeben, so blieb mir nur die kleine Behelfskoje in der Kajüte des Skippers. Bei meiner Körperlänge von 1,91 Meter nicht wirklich komfortabel. Außer mir waren noch ein Vater mit seinem Sohn und eine weitere Person dabei. Also Koje beziehen und schlafen gehen, morgen wollten wir früh raus.

Der nächste Morgen erwartet uns mit warmen Temperaturen und Sonnenschein, aber leider auch kaum Wind, und so wird fast ausschließlich motort. Seglerisch nicht das, was wir uns erhofft haben, aber schließlich geht es um das gegenseitige Kennenlernen, und das geht auch unter Motor. Wir bekommen Besuch von einer Delfinschule, die eine ganze Zeit lang um unseren Bug herum spielt. Auf große Entfernung sehen wir den Blas eines Wales und einige merkwürdige Flossen an der Wasseroberfläche, die sich langsam hin und her bewegen. Was kann das bloß sein, Haiflossen jedenfalls nicht. Eine Recherche im Internet ergibt zu meiner Überraschung, dass es sich um Mondfische handelt. Ich wusste gar nicht, dass diese skurrilen, bis zu drei Meter großen Knochenfische im Mittelmeer vorkommen. Abends laufen wir in die Bucht von Sóller im Nordwesten von Mallorca ein und ergattern den letzten freien Liegeplatz am Kommunalsteg, werden aber von einem deutschen Segler wieder vertrieben, da sein Bekannter, ein Motorbootfahrer, dem der Platz gehört, noch am selben Abend kommen soll. Also verholen wir uns an die Mole, an der auch die Tankstelle ist, und gehen erst mal gemütlich essen. Es gibt leckeren Fisch und dazu Weißwein. Als wir am nächsten Morgen um 8:00 Uhr für die Nacht bezahlen wollen, bevor wir nach einem gemütlichen Frühstück nur wenige Seemeilen weiter in die Nachbarbucht von Pollensa segeln, macht uns der Tankstellenwart darauf aufmerksam, dass das Übernachten in der Nähe der Tankstelle verboten ist und eine empfindliche Strafe nach sich ziehen kann. Der Skipper kann ihn jedoch davon überzeugen, dass wir das nicht wussten und natürlich sofort ablegen werden. Er lässt sich darauf ein, und so ziehen wir überhastet und ohne Frühstück ab, bevor die Polizei kommen kann, die vielleicht weniger verständnisvoll ist.

Es geht nach Puerto Cocodrilo de Bonaire in der Bahía de Pollensa. Mittags sitzen wir im Hafenrestaurant. Hier stößt noch ein Österreicher hinzu, womit alle fünf Kandidaten zusammen sind und wir uns nach einem kurzen Kennenlernen auf den Weg zurück nach Barcelona machen. Der Neuankömmling zieht sich, kaum dass wir offenen Seeraum erreichen, mit Anzeichen von Seekrankheit in die Koje zurück und lässt sich auch für den Rest der Überfahrt nur sehr sporadisch an Deck blicken. Außerdem halten sich Vater und Sohn aus der ruppigen Rückfahrt fast ganz heraus. Dafür bekommen wir auf halber Strecke einen Besucher: Eine scheinbar entkräftete Schwalbe versucht auf der Reling zu landen, schafft es aber nicht, da der Wind ordentlich bläst und das Boot stark schaukelt. Nach mehreren erfolglosen Versuchen machen wir uns etwas Sorgen um den Vogel, der gibt aber nicht auf und schafft es schließlich. Er verharrt kurz auf dem obersten Draht des Seezauns und fliegt los, kommt aber gleich darauf wieder. Er wollte scheinbar nur sehen, ob er etwas von uns zu befürchten hat, denn bei seinem nächsten Anflug landet er im Cockpit auf dem Fuß des Skippers. Von dort geht es auf den Rahmen des geöffneten Backbordkojenfensters und schließlich in den Salon, wo er sich hinter den Vorhang eines Fensters verzieht und gleich einnickt. Der Vater folgt dem Beispiel des erschöpften Vogels und bettet sich um 17:00 Uhr zum Schlaf, um sich bis nach Mitternacht nicht mehr zu rühren. Wir fahren mit fast Vollzeug in die untergehende Sonne. Wind immer so um die 15 bis 18 kn, schönes Segeln bei etwa halbem Wind und relativ kurzer Welle. Als es schon dunkel ist, nimmt der Wind langsam, aber stetig zu. Wir reffen die Genua etwa zur Hälfte, bis plötzlich nichts mehr geht. Wir haben die Genua über die Rollreffanlage mit Druck im Tuch eingeholt, wodurch sie sich sehr eng aufrollte, und jetzt ist die Rollreffleine zu Ende, sie ist also zu kurz dimensioniert. Das kommt sofort auf die To-do-Liste. Wir sind als Team nicht eingespielt, und so unterlassen wir das Reffen des Großsegels, denn dazu müsste mindestens eine Person an den Mast. Bis um die 20 kn Wind sollte es bei dieser Besegelung ohne Probleme klappen. Es wird stündlich frischer, wir frieren. Junior hält bis ca. 21:00 Uhr durch, bevor auch er der Meinung ist, einen Schönheitsschlaf zu benötigen, zudem kann er so der Kälte entgehen. Jetzt sind wir nur noch zu dritt im Cockpit. Gegen 22:00 Uhr haben wir schon 20, in Böen 24 kn Wind. Eine Stunde später sind es schon 25, in Böen bis zu 28 kn. Trotz – nach meiner Ansicht – etwas zu viel Segelfläche läuft die SY Paraty ohne zu viel Lage, das ist sicher auch den 2,5 m Tiefgang zu verdanken. Diese Nachtfahrt gibt mir auf jeden Fall schon einmal Vertrauen in die Stabilität und Qualität des Bootes, aber auch das Bewusstsein, dass wir uns noch um die Segelmanöver kümmern müssen. Anders als bei den meisten Charterschifen lässt sich das Groß nicht aus dem Cockpit reffen, sondern nur klassisch auf dem Vorschiff mit Großfall fieren, Refkausch am Reffhaken des Mastes einhaken, Segel wieder durchsetzen und so weiter. Als wir uns der Küste von Barcelona nähern, ist diese in der Nacht hell erleuchtet, sodass man die Lichter der Stadt nicht von Seezeichen oder anderen Booten unterscheiden kann. Plötzlich erkennen wir, dass ein einfaches weißes Licht vor uns ein Boot ist, das auf uns zukommt. Es hat nur das Toplicht an, eine Farbenlaterne ist nicht zu erkennen. Es ist ein Katamaran, der uns weniger als 50 m an Backbord passiert. Wir sind echt sauer auf die schlechte Seemannschaft auf dem Kat. So entstehen Unfälle.

Morgens um kurz vor 3:00 Uhr, wieder in Port Ginesta, pflücken wir die Schwalbe von dem Vorhang und entlassen sie ins nächtliche Festlandspanien.

Zu der Zusammensetzung der Crew habe ich mir eine für mich abschließende Meinung bilden können. Allerdings trifft André als Skipper die Entscheidung, wofür er sich aber vorher in Gesprächen die Meinung von jedem Einzelnen einholt. Doch zunächst schlafen wir uns erst einmal so richtig aus. Dann wird in kleinen Grüppchen gefrühstückt, gerade so, wie wir wach werden. Am späten Nachmittag holt uns André mit seinem Wagen ab und zeigt uns Barcelona. Wir essen in einer sehr modernen Tapas-Bar, danach bummeln wir die Rambla entlang, die Flaniermeile von Barcelona, vorbei am Stadthafen bis hinunter zum Stadtstrand. Dort sind, direkt an der Promenade, zahlreiche Bars und Restaurants. Barcelona zieht mich in seinen Bann. Ich bin begeistert von dem pulsierenden Leben dieser Stadt. Es wird 1:00 Uhr, bis wir zurück auf dem Boot sind, obwohl zu dieser Uhrzeit das Nachtleben eigentlich erst so richtig anfängt. Am nächsten Morgen geht mein Flieger zurück nach Hannover.

Eine Woche später die erlösende E-Mail von André, dass er sich entschieden hat, ohne Vater und Sohn, dafür aber mit uns drei anderen die ARC zu bestreiten. Ich werde also dabei sein. Er hat es dem Vater auch schon mitgeteilt, was sicherlich keine schöne Aufgabe war. Das Team steht also. Neben André, dem Holländer und Eigner der SY Paraty, und Franz, dem Österreicher, sind noch Markus und ich aus Deutschland dabei. Wir sind alle in den Vierzigern, das passt ziemlich gut.


¹ Am Ende des Buches werden die im Text verwendeten Abkürzungen erklärt. Dort finden sich auch die maritimen Begriffe auf Englisch mit ihrer Übersetzung ins Deutsche und es werden noch einmal alle im Text aufgeführten Gerichte zum Nachkochen beschrieben. Außerdem gibt es dort eine Einkaufsliste mit den benötigten Lebensmitteln sowie Buchempfehlungen zum Thema.

Von Barcelona nach Gran Canaria

Endlich ist es so weit. Am 29. September 2011 verlässt die Paraty ihren Heimathafen nahe Barcelona. Ich kann erst zwei Tage später, am 1. Oktober, in Alicante dazustoßen.

01.10.2011

Mit 15 Minuten Verspätung komme ich am Flughafen Alicante an, um dann noch einmal 45 Minuten auf mein Gepäck zu warten. Ein Taxifahrer bringt mich zum Hafen, leider in die falsche Marina, die Marina Alicante Puerto Deportivo und nicht in den Real Club de Regatas, das merke ich allerdings erst zu spät, als das Taxi schon weg ist. Mit 23 kg Gepäck auf dem Rücken und weiteren 15 kg in der Hand suche ich mir erst einmal eine gemütliche Bar und nehme ein eiskaltes Tonic Water. Dann muss ich das Gepäck wieder schultern, erneut auf Taxisuche gehen und mich auf die andere Seite zur richtigen Marina fahren lassen. Auf dem Weg dorthin sehe ich eine Segelyacht mit ARC-Stander einparken – ist das die Paraty? Kann eigentlich nicht sein, denn André wollte sich eine Stunde vor Ankunft per SMS bei mir melden. Also gehe ich erst einmal in den Club auf die Terrasse. Herrliches Wetter, Sonne, 25 Grad und eine ziemlich steife Brise. Vor der Hafenmole geht eine enorme Welle, da hatte die Crew der Paraty sicherlich einen heißen Ritt. Dann kommt die SMS von André: »Steg F, Liegeplatz 606«, kurz und präzise. 15 Minuten später bin ich an Bord und habe noch nicht alle Hände geschüttelt, aber schon ein eiskaltes Estrella in der Hand. Ich gucke in strahlende Gesichter, die ersten beiden Segeltage waren wohl trotz – oder wegen – des Nachttörns, starken Winds und hoher Wellen ein voller Erfolg. An Bord sind André und Franz, der gerade erst seinen Sportbootführerschein See erfolgreich absolviert hat. Von der Stammcrew für die Atlantiküberquerung fehlt jetzt also nur noch Markus, der kann allerdings erst im November auf Gran Canaria dazustoßen. Zur Unterstützung sind außerdem noch an Bord: Samuel, ein Student Anfang zwanzig und Schwager von André, sowie Michael, ein Freund von Franz. Nur kurz das Gepäck verstauen und dann geht es, auf der Suche nach einem Restaurant, zu Fuß entlang des Hafenbeckens wieder auf die andere Seite, an der ich vor wenigen Stunden gestrandet bin. Dafür weiß ich aber jetzt, dass dort das eine oder andere ganz gut aussehende Restaurant zu finden ist. Wir entscheiden uns für eines der offenen Hafenrestaurants mit Stofftischdecken. Wir nehmen Patatas mit scharfer Tomatensoße und Gambas in Knoblauchöl als Starter. Dann eine Paellapfanne für fünf Personen und eine schöne Flasche Weißwein, oder waren es zwei? Zurück an Bord noch ein Bier und engagierte Gespräche über »Wie machst du denn das mit der ganzen Freizeit?«, aber auch viel über Segeln, das Boot und meine neue Angelausrüstung. Wir verteilen sogar schon Aufgaben für das Rausholen, Töten und Filetieren der Fische, die wir noch gar nicht gefangen haben. Außerdem werden Rezepte für deren Zubereitung besprochen. Leider fehlen in der Pantry noch Limetten, Sojasoße, Knoblauch, Wasabi, Klebreis, Noriblätter, Weißwein und einiges mehr. In unserem nächsten Hafen mit Supermarkt werde ich wohl erst einmal diese Pantry-Basics einkaufen müssen. André hat nur Fertignahrung eingepackt, er ist eben kein begeisterter Koch. Ich dagegen habe mich als Smutje geradezu aufgedrängt. Ich werde im Verlauf der Reise schon noch sehen, was ich davon habe.

02.10.2011

Es ist schon nach Mitternacht, als wir uns in unsere Kojen legen. Sammy und Michael beziehen je eine Seite der Sitzflächen im Cockpit und schlafen unter freiem Himmel. Die Stechmücke in meiner Achtern-Steuerbord-Kabine nervt, aber schließlich siegt die Müdigkeit. Ich schlafe gut und fest bis 7:30 Uhr. Um 8:30 Uhr sind auch alle anderen wach. André holt schnell ein paar Baguettes. Instantkaffee bzw. Cola light und etwas Chorizo oder Marmelade auf das Baguette auf der Hand, das ist ein pflegeleichtes Frühstück ganz nach meinem Geschmack. Ich bin auf dem Boot, zugegeben auch zu Hause, nicht der Mensch für ein ausgedehntes Frühstück am Tisch.

10:00 Uhr auslaufen. Wir haben gerade die Leinen losgeworfen, da ruft uns der Stegnachbar zu, dass unser Motor kein Kühlwasser spuckt – das geht ja gut los. Also schnell wieder zurück an die Mooring. André geht die gängigsten Fehler durch, angefangen mit dem Seeventil für den äußeren Kühlkreislauf. Bingo! – Ich habe zusätzlich zu den Nasszellenventilen auch noch das Kühlwasserventil geschlossen. Aufatmen, und ich habe gleich eine wichtige Sache gelernt, das werde ich bestimmt nicht mehr verwechseln. Los geht es auf ca. 160 sm. In meinem gerade mal 13 Jahre währenden Seglerleben auf Dickschiffen – es beschränkte sich bisher im Wesentlichen auf 14 Tage Chartersegeln pro Jahr und einige Fun-Regatten – wird das erst mein dritter Nachttörn sein, ich bin gespannt. Direkt nach der Hafenausfahrt haben wir halben Wind mit 17 kn Stärke. Das bedeutet Rauschefahrt mit ca. 7,5 sm/Std. (= kn) erst Süd-, später Südwest-Kurs. Ich baue die Angel zusammen und wir probieren sie auch gleich aus. Angelerfahrung, insbesondere auf dem Meer, hat keiner von uns. Ich hatte einen ca. 30 Minuten kurzen Schnellkurs erhalten von Eric, einem Freund aus Hannover, der schon alle Arten schwerttragender Fische gefangen hat. Er half mir auch bei der Auswahl der Rute und steuerte gleich noch eine Kurbel, Köder und ein Gaff als Leihgabe bei. Wie gelernt wird der Köder, eine Tintenfischattrappe (Squid), ausgebracht und drei Bootslängen hinter dem Boot knapp unter der Wasseroberfläche hinterhergezogen. Dann wird die Bremse der Rolle so eingestellt, dass man mit der Hand noch Schnur abziehen kann. Jetzt heißt es warten. Ich will unter Deck gehen, um mir etwas zu trinken zu holen, da macht es »Drrrrrrrrrr«. Der Köder ist keine fünf Minuten draußen und schon haben wir den ersten Biss. Alle sind ganz aufgeregt, was es wohl für ein Fisch ist und ob wir ihn auch an Bord bekommen. Es gelingt uns. Hilfreich beim Anlanden ist, dass André einen ziemlich großen und professionellen Kescher an Bord hat. Wir haben eine ca. 35 cm lange und schätzungsweise 600 bis 800 g schwere Goldmakrele am Haken. Von diesem Fisch habe ich schon viel gelesen, aber noch nie einen gesehen, nicht einmal auf mediterranen Fischmärkten, dabei ist das ein hervorragender Speisefisch, der sich auch vor Thunfisch nicht verstecken muss. Der Fisch kämpft zwar anfangs, hat aber keine wirkliche Chance, denn schließlich wird er nach Zudrehen der Bremse von uns mit ca. 6 kn Speed einfach hinterhergeschleppt. Mit großer Angelkunst hat das nichts zu tun und passionierte Angler werden wahrscheinlich bei diesen Zeilen den Kopf schütteln. Dafür fangen wir die Fische nicht aus Spaß oder bloßem Zeitvertreib, wir ehren sie und danken ihnen, indem wir sie schnell und tiergerecht töten und dann lecker zubereiten. Eine Goldmakrele wollte ich unbedingt bei der Atlantiküberquerung fangen, und nun können wir diesen Punkt schon an meinem ersten Segeltag im Mittelmeer abhaken. Noch ein Beweisfoto machen, dann mit dem Gaff auf den Kopf schlagen und filetieren. Absprachegemäß übernimmt Franz diesen Part, das ist nicht so meins. Wir brauchen unbedingt noch ein gutes, scharfes Messer. Die Zubereitung ist dann wieder meine Sache. Leider ist an der Goldmakrele (auch als Dorada, Dolphinfish oder Mahi-Mahi bekannt) weniger dran als an einem gleich großen Bonito, denn sie ist im unteren Bauchbereich sehr dünn und daher weniger ergiebig. Es reicht aber, um für alle einen kleinen, leckeren, warmen Happen auf den Tisch zu bringen. Diesmal nur mit feinstem spanischen Olivenöl, frisch

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