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Wunder: Entdeckungen eines Skeptikers

Wunder: Entdeckungen eines Skeptikers

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Wunder: Entdeckungen eines Skeptikers

Länge:
508 Seiten
9 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 9, 2015
ISBN:
9783775172875
Format:
Buch

Beschreibung

"Wunder kann es gar nicht geben." So dachte Eric Metaxas, bis er selbst eines erlebte. Der Bestsellerautor ("Bonhoeffer", "Wilberforce") führt durch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und geht ihnen auf den Grund. Er erzählt von beinahe unglaublichen Erlebnissen, die ihm Menschen aus seinem ganz persönlichen Umfeld berichteten. "Wunder", das bereits in der ersten Woche auf Platz 14 der "New York Times"-Bestsellerliste eingestiegen ist, stellt eine aktualisierte Fassung des 1947 erschienenen Klassikers "Wunder" von C.S.Lewis dar – jedoch persönlicher geschrieben und mit zahlreichen Anekdoten angereichert. Metaxas zeigt, dass sich Wunder viel öfter ereignen, als die meisten denken. Verblüffend, herausfordernd und inspirierend.

"Unvoreingenommen gelesen, könnte auch der skeptische Leser entdecken, dass es Wunder wirklich gibt."
(Kirsten Powers, USA Today)

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Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 9, 2015
ISBN:
9783775172875
Format:
Buch

Über den Autor

Eric Metaxas is the #1 New York Times bestselling author of Bonhoeffer, Martin Luther, If You Can Keep It, Miracles, Seven Women, Seven Men, andAmazing Grace. His books have been translated into more than twenty-five languages. His writing has appeared in the Wall Street Journal, the New York Times, and the New Yorker, and Metaxas has appeared as a cultural commentator on CNN, Fox News, and MSNBC. He is the host of The Eric Metaxas Radio Show, a daily nationally syndicated show aired in 120 U.S. cities and on TBN. Metaxas is also the founder of Socrates in the City, the acclaimed series of conversations on “life, God, and other small topics,” featuring Malcolm Gladwell, Ambassador Caroline Kennedy, Baroness Caroline Cox, and Dick Cavett, among many others. He is a senior fellow and lecturer at large at the King’s College in Manhattan, where he lives with his wife and daughter.


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Buchvorschau

Wunder - Eric Metaxas

Inhaltsverzeichnis ]

Stimmen zu Eric Metaxas’ »Wunder«

»Ein dichter, intensiver und beeindruckender Bericht über die Möglichkeit des Unmöglichen.«

Dr. Markus Spieker, TV-Auslandskorrespondent und Buchautor

»Ein fesselndes Buch, das dem Leser behutsam die Augen dafür öffnet, dass die uns umgebende Wirklichkeit größer ist als das, was wir gemeinhin als ›normal‹ bezeichnen. Obwohl uns das intuitiv klar war, wagten wir doch nicht, es zu denken.«

Dr. Alexander Fink, Leiter des Institut für Glaube und Wissenschaft, Marburg

»Unvoreingenommen gelesen, könnte auch der skeptische Leser entdecken, dass es Wunder wirklich gibt. Und wenn Sie bereits an Wunder glauben, wird dieses Buch sie inspirieren.«

Kirsten Powers, Kolumnistin für USA Today und The Daily Beast

»Auf seine einzigartig unterhaltende Art zeigt Eric Metaxas, dass es in Ordnung ist, an eine Welt zu glauben, in der Gott noch zu uns spricht und sich im Universum und unserem Leben offenbart. Sobald Sie dieses Buch aufschlagen, werden Sie Teil einer göttlichen Verschwörung. Sind Sie bereit?«

Gregory Alan Thornbury, Präsident des King’s College, NYC

»Wunder ist ein Fanfarenstoß für all diejenigen, die wie Dante la speranza dell’ altezza verloren haben. Die vielfältigen Zeugnisse singen ein Lied der Hoffnung und entfachen in uns neu die herrliche Gewissheit, dass es einen liebenden Gott gibt, der uns helfen will.«

Dr. Alice von Hildebrand, lehrte als Professorin für Philosophie am Hunter College, New York City; Trägerin des Gregoriusordens; Autorin von Die Seele eines Löwen

»Ein Lesevergnügen.«

Library Journal

»Mit diesem schönen, bewegenden und nachdenklichen neuen Buch beweist sich Eric Metaxas wieder einmal als ein erstklassiger Schriftsteller … Wunder steckt voller intelligenter Wahrheiten.«

Bret Lott, Autor des Bestsellerromans Das Gewicht der Liebe

»Es gibt zurzeit keinen christlichen Denker, der Vernunft und Geist, Logik und Fantasie besser vereint.«

Joseph Loconte, außerordentlicher Professor für Geschichtswissenschaften am King’s College, New York City, und Autor von God, Locke, and Liberty: The Struggle for Religious Freedom in the West

»Eric Metaxas ist wie C. S. Lewis, nur witziger: intelligent, tiefgründig und geistreich. Metaxas selbst beweist in Wunder, dass Genialität und religiöser Glaube einander nicht ausschließen.«

Susan E. Isaacs, Autorin von Wütende Gespräche mit Gott

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Stimmen zu weiteren Büchern von Eric Metaxas

»Eric Metaxas’ Bonhoeffer ist die Bonhoeffer-Biografie für unsere Generation. Sie ist ein Meisterwerk, das sich wie ein großer Roman liest …«

Martin Doblmeier, Filmemacher (Dokumentarfilm Bonhoeffer), über Bonhoeffer. Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet

»Anschaulich und packend geschrieben, stellt das Buch – gerade für jüngere Menschen – einen wunderbaren Einstieg in die Beschäftigung mit ihm dar.«

Prof. Dr. Peter Zimmerling, Theologe und Bonhoeffer-Experte, über Bonhoeffer. Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet

»Es gelingt Metaxas, den Lebensweg Bonhoeffers in die Zeit eingebettet und vor dem Hintergrund einer selten gewordenen tiefen Religiosität wunderbar zu schildern; das ist großartige Historiografie! Ich bin begeistert von dem Buch, habe es bereits an mehrere Familienmitglieder verschenkt und vielen anempfohlen.«

H. J. Kuhlwein von Rathenow, Neffe des Widerstandskämpfers Ewald von Kleist-Schmenzin, über Bonhoeffer. Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet

»Eric Metaxas’ Bildbiografie fasziniert mich in der bebilderten Parallelbeschreibung seines Lebens und des politischen Geschehens. Ich vergleiche dieses vorzügliche Buch mit den Hamburger Ballett-Kreationen von John Neumeier, bei denen auch mehr ausgedrückt wird, als in einem geschriebenen Text möglich ist.«

Hans-Werner von Wedemeyer, Bruder von Maria, der Verlobten Dietrich Bonhoeffers, über Bonhoeffer. Eine Biografie in Bildern

»Ein mit großer Sachkenntnis und publizistischem Gespür für das Wesentliche konzipierter Bildband und eine wirkliche Bereicherung für alle, die ein tieferes Interesse am Leben und Wirken des großen Theologen, Seelsorgers und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer haben. Denn an die Seite des geschriebenen Wortes tritt hier die Macht der Bilder – bereits bekannter, aber auch ganz neuer.«

Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm von Hase, Sohn des Wehrmachtskommandanten und Widerständlers Paul von Hase, einem Onkel Dietrich Bonhoeffers, über Bonhoeffer. Eine Biografie in Bildern

»Großartig, lehrreich und erfahrungsreich, sowohl für den Bonhoeffer-Kenner als auch für einen neuen Bonhoeffer-Interessierten ein eindrucksvolles Dokument, ein wunderbarer Bildband, der neu zum Nachdenken, an vielen Stellen auch zum Nach-Erleben des Menschen und Theologen Dietrich Bonhoeffer anregt. Unbedingt empfehlenswert, vielleicht auch als Geburtstags- oder Festtagsgeschenk auf dem Gabentisch. Und der Preis ist für die optisch hervorragende Präsentation des Ganzen sicher nicht zu hoch.«

Prof. Dr. Axel Denecke, Praktischer Theologe, über Bonhoeffer. Eine Biografie in Bildern

»Dass sich jemand zu einem entschiedenen christlichen Glauben bekehrt und sogleich beschließt, eines der größten sozialen Übel seiner Zeit anzugreifen, mag heute unwahrscheinlich klingen. Und doch kennzeichnet es den Lebensweg von William Wilberforce, dem wichtigsten Vorkämpfer für die Abschaffung der Sklaverei im britischen Weltreich. Metaxas erzählt seine Geschichte spannend und eindringlich und arbeitet besonders die vielfältigen Beziehungen von Wilberforce zur methodistischen Erweckungsbewegung heraus.«

Dr. Walter Klaiber, Bischof i. R. der Evangelisch-methodistischen Kirche, über Wilberforce

»Ein einzigartiges Buch über einen wahren Helden, der durch seinen jahrelangen Kampf gegen die Sklaverei die Welt veränderte und einen Meilenstein in der Geschichte gelegt hat. Eine packende Biografie.«

Martin Lessenthin, Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, über Wilberforce. Der Mann, der die Sklaverei abschaffte

»Die Biografien dienen längst nicht nur als pädagogisch wertvoller Anschauungsunterricht, sondern sind dichter und spannender als jeder historische Thriller.«

Dr. Markus Spieker, TV-Auslandskorrespondent und Buchautor, im Vorwort zu Sieben Männer, die Geschichte schrieben

Für Ed Tuttle –

und mit den besten Wünschen für so ziemlich

alle anderen, die ich kenne.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Vorwort — Wunder, Wissenschaft und Glaube

Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.« Dieser Ausspruch David Ben-Gurions kommt einem in den Sinn, wenn man die Fülle der Wunderberichte dieses Buches auf sich wirken lässt. In oft dramatischen Geschichten wird hier aus erster Hand glaubhaft erzählt, wie Gott sich im Leben von Menschen auf meist ganz überraschende Weise mitteilt.

Doch langsam – kann man denn heute noch so einfach an Gott glauben? An einen Gott, der in der Welt handelt? Sprechen nicht die Erkenntnisse der Naturwissenschaften dagegen? Hat nicht Richard Dawkins den Gottesglauben als Wahn entlarvt und Religionen sogar als gefährlich gebrandmarkt? »Glaubst du noch, oder denkst du schon?«, fragen die Skeptiker und Atheisten der Giordano-Bruno-Stiftung. Und ist es nicht naiv, an Wunder zu glauben, die doch angeblich den Naturgesetzen und aller wissenschaftlichen Erkenntnis widersprechen? Nachdenklich sollte allerdings stimmen, dass eine ganze Anzahl Naturwissenschaftler mit dem Gottesglauben und den Wundern gar keine Probleme hat.

Ehe wir uns auf Wunderberichte einlassen, ist es offenbar gut, die zugrunde liegenden Denkvoraussetzungen herauszustellen und zu überprüfen. Das unternimmt auch Metaxas im ersten Teil seines Buches und stellt sich den vielen kritischen Fragen, die hier aufkommen. Bemerkenswert ist, dass auch der bekannte englische Schriftsteller C. S. Lewis solche Fragen für so grundlegend hält, dass er sein Buch über Wunder eine »vorbereitende Untersuchung« nennt.

Die vorherrschende und tief verwurzelte Weltanschauung unserer Zeit ist naturalistisch und materialistisch geprägt: Die Naturwissenschaften hätten wohl noch nicht alles erforscht, aber – so ist man überzeugt – vermittelten uns doch prinzipiell alles, was man von Natur und Welt wissen könne. Mehr gebe es nicht. Vom Urknall bis zur kulturellen Entwicklung ließe sich alles materiell beschreiben – bottom-up, von den materiellen Grundlagen aufwärts. Alles ginge »mit rechten Dingen« zu. Nach Stephen Hawking reiche das Gesetz der Schwerkraft aus, dass sich das Universum aus dem Nichts erzeuge. Ein Schöpfer, ein handelnder Gott sei überflüssig.

Eine Beschäftigung mit der Methodik der Naturwissenschaften zeigt nun allerdings, dass diese Weltanschauung sich keineswegs so einfach auf Wissenschaft berufen kann: Für die Naturwissenschaften ist der methodische Naturalismus Leitidee und Hintergrundüberzeugung. In der Methodik, also der Vorgehensweise der Forschung, werden alle metaphysischen Fragen ausgeblendet und zurückgestellt. Dies gilt vor allem auch für die Frage nach Gott. Auf diese Weise konnten und können Forscher verschiedener Weltanschauungen konfliktfrei zusammenarbeiten. Zwar wurde aus der erfolgreichen Praxis des methodischen Naturalismus immer wieder ein dogmatischer Naturalismus und Atheismus gefolgert: Über die Natur hinaus gibt es nichts. Dies ist aber keine wissenschaftlich begründbare Schlussweise.

Ganz im Gegenteil geben die Naturwissenschaften immer wieder Anlass zu Fragen, die sie aufgrund ihrer Methodik nicht beantworten können, die aber als Hinweise auf Gott und seine Wirklichkeit angesehen werden können: Warum gibt es überhaupt Gesetzmäßigkeiten in der Natur? Warum können wir sie erkennen und mathematisch formulieren? Warum sind die Naturkonstanten auf Leben hin fein abgestimmt? Was bedeuten Schönheit und Zweckmäßigkeit?

Der hohe Grad der Mathematisierung naturwissenschaftlicher Theorien erlaubt sehr präzise Antworten auf strukturelle Fragen, auf Wie-Fragen: Wie funktioniert etwas? Wie läuft etwas in Raum und Zeit ab? Genau dieses Wissen ermöglicht technische Anwendungen. Auch zur Bewahrung der Schöpfung ist es notwendig. Die Verwendung von Mathematik erlaubt jedoch keine Antworten auf Fragen nach dem Wesen oder nach Qualitäten der Dinge, weil sie nur Relationen, also Beziehungen zwischen Größen herstellt. Auch ästhetische und ethische Urteile oder Sinn- und Zweckaussagen sind mit den Methoden der Naturwissenschaften nicht möglich. Naturgesetze sind weder gut noch böse, weder sinnvoll noch sinnlos – sie gelten einfach.

Überlegungen dieser Art führen zu dem Schluss, dass die Naturwissenschaften die Welt lediglich unter einem ganz bestimmten Blickwinkel betrachten. Sie beschreiben die Welt aspekthaft und perspektivisch. Andere Blickwinkel und Wirklichkeitssichten sind möglich und nötig, damit wir die Welt und uns selbst verstehen lernen. Der Philosoph Wittgenstein hat es in seinem Tractatus so formuliert: »Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind.«

Die Aspekthaftigkeit und damit auch Unterbestimmtheit naturwissenschaftlicher Aussagen erlaubt es, diese deutend, interpretierend, durch andere Sichten zu ergänzen und in durchaus unterschiedliche Gesamtsichten, Weltanschauungen und Bekenntnisse einzubetten.

Und das geschieht auch: Unter den Naturwissenschaftlern finden sich Atheisten, Agnostiker, Pantheisten und Christen ähnlich verteilt wie in der übrigen Bevölkerung. Es besteht offenbar Freiheit und damit auch Verantwortung bei der Wahl meines Bekenntnisses. Wodurch wird meine Wahl beeinflusst? Lebensberichte anderer Menschen können hierbei helfen. Metaxas wirbt mit seinen erstaunlichen Berichten, sich dem lebendigen Gott gegen den Strom naturalistischer Anschauungen anzuvertrauen. Gehen wir dieses Risiko ein?

Doch wie ist das mit den Wundern? Hier gehen ja die Urteile weit auseinander: Der eine bezweifelt grundsätzlich die Möglichkeit von Wundern, der andere berichtet von Wundern im eigenen Leben und rechnet mit weiteren. Wann sprechen wir überhaupt von einem Wunder? Vom Sprachgebrauch her ist es zunächst ein Ereignis, das nicht in meinen Erwartungshorizont passt; ein Ereignis, das ich aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen im Alltag oder auch im Rahmen der Wissenschaft nicht für möglich gehalten hätte. Dabei bleibt zunächst offen, wie es geschehen konnte, wer es vielleicht bewirkt hat und welche Bedeutung es möglicherweise hat.

Manche überraschenden Ereignisse lassen sich durchaus im Rahmen der bekannten Naturgesetze verstehen, ohne dass damit das Wunderbare »wegerklärt« wäre. So wird zum Beispiel das für die Israeliten so zentrale Wunder des Durchzugs durch das Schilfmeer im Alten Testament durch natürliche Vorgänge erklärt, nämlich »durch einen starken Ostwind«. Andere Wunder, wie Heilungen oder gar Totenauferweckungen, scheinen allerdings den Gesetzen massiv zu widersprechen.

Was ist eigentlich ein Naturgesetz? Einer der Väter der Quantentheorie, Erwin Schrödinger, formuliert: »Als Naturgesetz nun bezeichnen wir doch wohl nichts anderes als eine mit genügender Sicherheit festgestellte Regelmäßigkeit im Erscheinungsablauf […].« Naturgesetze sind keine juristischen Vorschriften für Naturabläufe, sondern vielmehr unsere Nachschriften des Beobachteten. Wir formulieren sie als Allsätze. Das sind Sätze, die für alle Naturvorgänge formuliert sind, zum Beispiel: »Energie kann weder erzeugt noch vernichtet werden.« Da wir aber nie alle einschlägigen Prozesse beobachten können, sind wir gegen überraschende abweichende Erfahrungen nicht prinzipiell gefeit (sogenanntes Induktionsproblem). Und vor aller Formulierung von Gesetzen stehen immer Beobachtungen und Messungen, soweit sie zuverlässig und glaubwürdig dokumentiert sind.

In den modernen Naturwissenschaften gibt es – soweit wir wissen – nach wie vor streng gültige Gesetze, wie beispielsweise den Energiesatz. Viele andere Gesetze sind aber nur im statistischen Mittel gültig, enthalten also die Möglichkeit von Schwankungen, Abweichungen. Da ist es nicht sinnvoll, von Durchbrechung von Gesetzen zu reden. Gott könnte hier im Verborgenen wirken. Auch das, was in der wissenschaftlichen Beschreibung als zufällig erscheint, kann Gott in seinen Dienst nehmen. Der mögliche Sinn des Zufälligen ergibt sich erst aus dem Kontext, dem Deutungszusammenhang. Die Formulierung »Gott oder der Zufall«, der man immer wieder begegnet, ist im Grunde ein Kategorienfehler. Der Zufall ist nicht der Gegenspieler Gottes.

Die übliche Rede von der Durchbrechung von Naturgesetzen, die Wunder infrage stellt, ist ganz generell problematisch: Bei allen Vorkommnissen spielen ja meist viele Gesetze zusammen. Wir müssten sie alle kennen, um über eine Verletzung urteilen zu können. Angenommen, wir würden nur das Gesetz der Schwerkraft kennen, aber nicht die Gesetze der Aerodynamik, so wäre jeder Vogelflug eine Durchbrechung dieses Gesetzes. Nun kennen wir mit Sicherheit keineswegs alle Naturgesetze. Es fehlt zum Beispiel eine Vereinigung von Allgemeiner Relativitätstheorie und Quantentheorie, und auch die Gesetze psycho-physischer Wechselwirkungen können wir derzeit wohl nur ahnen. Gott könnte Wunder also auch im Rahmen noch unbekannter Ordnungen der Natur tun.

Für die Christen, die Gott als den Schöpfer des Universums bekennen, ist unsere Welt überdies ein gottoffenes System. Gott kann eingreifen und Überraschendes bewirken. Doch kann man das behaupten? Ist die Welt nicht erwiesenermaßen ein kausal geschlossenes System? Für diese Behauptung gibt es heute keine überzeugenden wissenschaftlichen Argumente. Das suggestive Bild des Uhrwerks gilt nicht mehr.

Die bisherigen kritischen Überlegungen zur Tragweite der Naturwissenschaften bieten dem naturwissenschaftlich geprägten Zeitgenossen mehrere hilfreiche Denkmöglichkeiten für Wunder an. Das ist befriedigend und mag einige Steine der Skepsis aus dem Weg räumen. Doch man sollte Denkmöglichkeiten nicht überschätzen, da sie zeitbedingt sind und sich mit unserem Wissensstand ändern. Aber sie könnten die Voraussetzung schaffen, sich ernsthaft mit den berichteten Wundern und dem dabei handelnden Gott zu beschäftigen. Metaxas lädt uns engagiert dazu ein.¹

August 2015, Prof. i. R. Dr. Peter C. Hägele,

Professor für Physik und Lehrbeauftragter am Humboldt-Studienzentrum für Geisteswissenschaften und Philosophie (HSZ), Universität Ulm

»Portentum ergo fit non contra naturam,

sed contra quam est nota natura.«²

»Wunder sind also nicht wider die Natur,

sondern nur wider die uns bekannte Natur.«³

Aurelius Augustinus

»Gar nicht mystisch hingegen ist mein Glaube daran, dass sich in der menschlichen Geschichte Wunder ereignet haben; ganz wie im Fall der Entdeckung Amerikas glaube ich daran, weil Menschen davon Zeugnis abgelegt haben. In diesem Zusammenhang erinnere ich an ein einfaches logisches Faktum, das nur einmal ausgesprochen und geklärt werden muss. Irgendwie hat sich die erstaunliche Vorstellung herausgebildet, dass diejenigen, die nicht an Wunder glauben, sie kühl und objektiv betrachten, während diejenigen, die an sie glauben, dies nie ohne Berufung auf ein Dogma tun. Tatsächlich verhält es sich genau andersherum. Die Letzteren akzeptieren sie (zu Recht oder Unrecht), weil sie Beweise haben. Die Ersteren bestreiten sie (zu Recht oder Unrecht), weil sie mit einem Lehrsatz gegen sie antreten. Offen, selbstverständlich und demokratisch ist es, einem alten Apfelweiblein zu glauben, wenn es ein Wunder bezeugt – so wie man ihm glaubt, wenn es einen Mord bezeugt. […] Aussagen von Menschen, die Übernatürliches bezeugt haben, gibt es in erdrückender Fülle. Verwirft man sie, so kann man nur zweierlei meinen. Was der Bauer vom Gespenst erzählt, verwirft man bloß deshalb, weil der Mann ein Bauer ist oder weil seine Geschichte eine Gespenstergeschichte ist. Entweder man verneint das Kernprinzip der Demokratie; oder man bejaht das Kernprinzip des Materialismus, die abstrakte Unmöglichkeit von Wundern. Dazu hat man natürlich das Recht, aber dann ist man ein Dogmatiker. Wir Christen akzeptieren alle wirklichen Beweise – während ihr Rationalisten wirkliche Beweise verschmäht, weil euer Glaube euch dazu zwingt. Mich zwingt in dieser Sache überhaupt kein Glaube, und nachdem ich mir einige Wunder des Mittelalters und der Moderne unbefangen angesehen habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sie wirklich geschehen sind. Alle gegen diese unleugbaren Fakten vorgebrachten Argumente sind Zirkelschlüsse. Sage ich: ›Die mittelalterlichen Dokumente bezeugen Wunder genauso, wie sie Schlachten bezeugen‹, heißt es nur: ›Aber im Mittelalter war man abergläubisch‹; und will ich dann wissen, worin der Aberglaube bestand, lautet der einzige abschließende Bescheid, man habe an Wunder geglaubt. Sage ich: ›Ein Bauer hat ein Gespenst gesehen‹, so erwidert man mir: ›Aber Bauern sind doch so leichtgläubig‹; frage ich dann: ›Wieso leichtgläubig?‹, lautet die einzige Antwort: weil sie Gespenster sehen. Island kann es nicht geben, weil nur dumme Seefahrer die Insel gesehen haben; und die Seefahrer sind dumm, weil sie Island gesehen haben.«

G. K. Chesterton

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Einleitung

Mit diesem Buch betrete ich für viele meiner Leser Neuland, und gegenüber meinen beiden Biografien über Dietrich Bonhoeffer und William Wilberforce ist das Thema in der Tat Neuland. Weder Bonhoeffer noch Wilberforce haben Erfahrungen gemacht, die man als Wunder bezeichnen könnte, zumindest nicht in dem Sinne, in welchem ich das Wort in diesem Buch verwende. Sie waren Männer, die Großes und Vorbildliches leisteten und von einem leidenschaftlichen Glauben an den Gott der Bibel beflügelt waren; doch soweit wir wissen, ist Gott ihnen nie auf eine Weise begegnet, die sich zur Aufnahme in ein Buch wie dieses eignen würde. Vielleicht könnte man ihr Leben geradezu als Beweis dafür anführen, dass man einen Glauben haben kann, der die Welt verändert, ohne Wunder zu erleben – ein hilfreiches Korrektiv zu einem in manchen Kreisen verbreiteten Denken, wonach sich in Wundererlebnissen das Nonplusultra des christlichen Glaubens ausdrückt. Doch das Buch kann ein ebenso hilfreiches Korrektiv für Menschen sein, die Wunder generell für unmöglich halten.

Als ich über den Plan dieses Buches nachdachte, wurde mir bald klar: Ein Hauptteil sollte den Wunderberichten selbst gewidmet sein. Denn was für einen besseren Beweis gibt es für die Existenz von Wundern als die Wunder selbst? (Der Leser, der als Erstes diesen Teil des Buches lesen will und danach erst den einführenden »theoretischen« Teil, hat meinen Segen.) Ich habe mich bewusst auf die Erlebnisse von Menschen beschränkt, die ich persönlich kenne. Das beschneidet natürlich die Bandbreite der Beispiele, hat jedoch den Vorteil, dass ich nicht erst den Charakter und die Glaubwürdigkeit meiner Informanten prüfen musste. Es unterstreicht auch, wie häufig solche Wundererlebnisse sind. Ich habe mich nicht in der halben Welt nach Wundern umgehört, sondern nur Personen befragt, die ich als vertrauenswürdig und seriös kennengelernt habe.

Bewusst habe ich dabei nur einen Teil meiner Freunde und Bekannten gefragt, denn ich merkte bald: Wenn du dich an alle wendest, wirst du von der schieren Masse der Beispiele erschlagen und kriegst dein Buch nie fertig. Dass ich innerhalb eines ziemlich begrenzten Personenkreises so viel Material für mein Buch entdeckte, wirft die Frage auf, wie viele weitere Wundererlebnisse es unter meinen (oder Ihren) Freunden noch geben mag.

Ich habe sämtliche Wunderberichte so sorgfältig wie möglich geprüft. Ich habe mich um größtmögliche Genauigkeit bemüht und nichts in dieses Buch aufgenommen, was nicht eindeutig nach Wunder aussah. Häufig habe ich meinen Informanten Fragen gestellt, um Details zu klären. Oft ließ die Person, die mir ihre Geschichte erzählte, zunächst einmal etwas aus, was ihr selbstverständlich erschien, was aber beim Leser den Eindruck einer Lücke erweckt hätte – ob nun einer Lücke in der Logik der Geschichte oder in ihrer erzählerischen Aufbereitung oder in beidem. Ich stellte die Fragen, die meines Erachtens auch der Leser gestellt hätte, und versuchte, sie beim Erzählen der Geschichte zu beantworten.

Einige der Beispiele, die meine Informanten mir erzählten, waren sehr wahrscheinlich Wunder, hätten aber unter Umständen lediglich Zufall sein können. Beim geringsten Zweifel, ob es sich tatsächlich um ein Wunder handelte, strich ich das betreffende Beispiel. Doch alles in allem hat es mich tief berührt, wie Menschen mir erzählten, wie Gott direkt in ihr Leben eingegriffen hatte. Solche Geschichten zeigen mir, wie groß Gott ist und wie klein dagegen ich als Mensch erscheine. Dass der Schöpfer des Universums sich zu uns hinabbegibt, hinein in die Niederungen unseres Lebens, ist letztlich zu wunderbar, um es begreifen zu können.

Denjenigen unter meinen Lesern, die die Beispiele in diesem Buch als rein subjektive Erzählungen betrachten, mit denen gar nichts bewiesen sei, muss ich erwidern, dass die menschliche Geschichte sich aus lauter subjektiven Erzählungen zusammensetzt. Der Historiker versucht, aus diesen die »objektive« historische Wahrheit herauszufiltern, die als solche immer noch ein Stück weit subjektiv ist. Es steht völlig außer Frage, dass die Erfahrungsberichte von Menschen subjektiv sind. Die eigentliche Frage lautet: Wie zuverlässig sind sie?, und die Antwort auf diese Frage ist selbst immer ein Stück weit subjektiv, hängt sie doch von den Meinungen des Antwortenden ab und davon, welche Annahmen er voraussetzt. Ich will damit nicht sagen, es gebe keine objektive Wahrheit. Ich will den Leser auch nicht in den großen Sumpf des Relativismus locken. Es geht vielmehr darum, die Informationen, die wir haben, sorgfältig zu sichten, gewissermaßen die Glaubwürdigkeit der Zeugen zu prüfen, wie es jeder Richter in einem Gerichtsverfahren tun muss – und eben jeder, der eine Geschichte hört. Diese Aufgabe nimmt uns niemand ab; sich ihr zu verweigern, hieße, sich dem Leben zu verweigern.

Teil I

Die Frage nach Wundern

Teiltitel

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Kapitel 1

An Wunder glauben

Wenn das ganze Universum keinen Sinn hätte, so hätten wir nie dahinterkommen dürfen, dass es keinen Sinn hat. Wir wüssten auch nicht, dass es dunkel ist, wenn es im Universum kein Licht und deshalb auch keine Lebewesen mit Augen gäbe. Dunkel wäre ein Wort ohne Bedeutung.

C. S. Lewis

In einem Artikel über Glaube und Religion, der 2014 im New Yorker erschien, schrieb der amerikanische Schriftsteller und Journalist Adam Gopnik: »Wir wissen, dass … es in den Jahrmilliarden der Existenz des Universums keinen einzigen belegten Fall eines Eingriffs in die Naturgesetze durch ein Wunder gegeben hat.«

Das war in meinen Augen eine außergewöhnliche Aussage. Wer je selbst ein Wunder erlebt hat oder Menschen kennt, die eines erlebt haben, oder mit Berichten über Wunder vertraut ist, kann einfach nicht verstehen, wie jemand etwas selbstbewusst vom Tisch fegen kann, was zumindest sehr gut möglich, wenn nicht sogar absolut sicher ist. Nun, als jemand, der in Manhattan lebt und mit der Welt von Journalisten wie Gopnik wohlvertraut ist, war ich dann doch nicht sonderlich überrascht. Und nichtsdestotrotz ist es ein kühner Satz. In dem Artikel fährt Gopnik fort: »Wir brauchen uns gar nicht vorzustellen, dass es keinen Himmel gibt. Wir wissen, dass es ihn nicht gibt und dass, wer Engel sucht, sie niemals finden wird.«

Dass Gopnik so etwas schreiben kann, hängt natürlich mit seiner Grundannahme zusammen, diese physische Welt sei alles, was es gibt. Die bloße Möglichkeit, dass es jenseits von Materie, Raum und Zeit noch etwas geben könnte, wird kategorisch verneint. Wie der 1996 verstorbene Astrophysiker und Sachbuchautor Carl Sagan es klassisch trostlos formulierte: »Der Kosmos ist alles, was ist oder je war oder je sein wird.«⁷ Er versuchte, die Trostlosigkeit etwas zu mildern, indem er hinzufügte, dass wir »also wirklich aus Sternenmaterial« bestehen,⁸ gerade so, als ob es eine Art romantischer Trost für uns sein könnte, dass wir aus denselben Elementen bestehen wie unendlich weit entfernte Zusammenballungen aus brennendem Gas.

Gut, in dem Wort »Stern« schwingen auch Zauber und die Erfüllung von Wünschen mit, aber was haben wir davon, wenn wir gleichzeitig sagen, dass es außerhalb der Welt der Materie nichts gibt und dass es so etwas wie Zauber und Wunder nicht gibt und nur etwas für Märchenstunden ist? Und was sollen wir mit tröstlichen poetischen Worten, wenn wir nichts weiter als eine Anhäufung chemischer Elemente sind? Stellt Sagan mit dem »Sternenmaterial« nicht sein Glaubensbekenntnis auf den Kopf? Will er sich vorsichtshalber nicht zu sehr festlegen? Oder denkt er an die Einschaltquoten und schüttet ein bisschen Puderzucker über seine triste Botschaft?

Wenn jemandem, der solch ein strikt materialistisches Weltbild hat, ein (tatsächliches oder angebliches) Wunder über den Weg läuft, kann er dessen Echtheit nur verneinen. Wenn er darauf beharrt, dass der einzige »Beweis« eines Wunders, der für ihn akzeptabel ist, »naturalistischer« Art sein müsse, schließt er damit logischerweise jeden Beweis aus. Die Forderung ist eine Tautologie – ein klassischer Fall des Hundes, der sich in den eigenen Schwanz beißt, so ähnlich wie die Frage: »Kann Gott einen solch schweren Stein erschaffen, dass er ihn selbst nicht hochheben kann?« Kann man so etwas ernst nehmen?

Im zweiten Teil dieses Buches finden Sie zahlreiche Geschichten, die entweder ein Wunder bezeugen oder – ja, was? Wie soll der Leser sie verstehen? Als ehrliche Halluzinationen? Als bloße Zufälle? Als Lügen? Oder nicht doch als Wunder?

Die Beispiele in diesem Buch stellen nur einen winzigen Ausschnitt aus den Berichten dar, die es über Wunder gibt. Eine systematischere Analyse des Themas »Wunder« (und zahlreiche weitere Beispiele) bietet das zweibändige, 1 200 Seiten starke Standardwerk Miracles von Craig S. Keener. Wer nach einer fundierten, gründlichst recherchierten Widerlegung von Carl Sagans Behauptung sucht, wird hier fündig werden.

Nehmen wir also an, es gibt starke Indizien dafür (manche würden sogar sagen: Beweise), dass ein höchstes Wesen versucht, mit uns Menschen Kontakt aufzunehmen. Nehmen wir weiter an, dass diese Indizien massiv und zahlreich sind, aber von den Medien und den Wissenschaftlern in der westlichen Welt mehr oder weniger ignoriert oder als Humbug abgetan werden. Haben wir es hier mit einer Verschwörung zu tun? Manche würden mit »Ja« antworten. Der Autor dieses Buches würde so weit nicht gehen, doch wäre eine solche Sache nicht auf jeden Fall ein Skandal? Dieses Buch versucht, dem Leser eine beispielhafte Auswahl der Indizien vorzulegen, damit er sich selbst ein Bild machen kann.

Ob man an Wunder glaubt oder nicht, hat nicht zuletzt mit den Denkvoraussetzungen zu tun, mit denen man an das Thema herangeht. Von was gehe ich aus, wenn ich die Frage stelle, ob es jenseits der physischen Welt noch etwas anderes gibt? Wir alle haben unsere Präsuppositionen über das Wesen der Welt und darüber, ob es Dinge gibt, die wir nicht mit unseren fünf Sinnen erfassen können. Manche dieser Denkvoraussetzungen erwerben wir durch unsere Schulbildung, doch mindestens genauso oft hängen sie mit der Kultur zusammen, in der wir aufgewachsen sind.

Als ich ein Junge war, waren Wunder in meiner Umgebung so gut wie kein Thema. Auch nicht in der Kirche in New York City – im Corona-Viertel in Queens –, in die meine Familie jeden Sonntag ging. Wunder, das waren (so sie denn nicht erfunden waren) Relikte aus einer fernen Vergangenheit. Niemand schien auf die Idee zu kommen, zu fragen, warum es vor zweitausend Jahren Wunder gegeben hatte, doch heute nicht mehr. Es war wie eine traurige stillschweigende Übereinkunft. Wunder? Vielleicht früher einmal, aber nicht heute. So war das nun mal, da ließ sich nichts machen …

Ich weiß noch, wie ich mit fünf oder sechs Jahren in meiner Sonntagsschulgruppe saß und ein Bild mit einer Szene aus der Bibel ausmalte. Ich weiß nicht mehr genau, was alles auf dem Bild war, aber ich glaube mich zu erinnern, dass es sich um einen bärtigen Erzvater und einen Engel handelte. Und dass ich von einer plötzlichen Sehnsucht gepackt wurde nach dem, was die Menschen damals, vor so langer Zeit hatten: eine echte Verbindung mit Gott und den Engeln, mit Wundern und allem, was dazugehörte. Warum konnten wir das heute nicht auch haben? Ich wusste es nicht, doch irgendwie spürte ich, dass in mir etwas war, das für die Verbindung mit dieser jenseitigen Welt geschaffen war – für den Kontakt mit etwas, das wirklicher, wahrer und lebendiger war als alles, was ich in dieser Kirche erlebte und hörte.

Wenn ich mich so nach dieser Welt sehnte, dann musste es doch einen Grund dafür geben! Warum sollte ich mich nach etwas sehnen, das es gar nicht gab? Woher stammte diese Sehnsucht? Sie war so tief und fest verwurzelt, dass sie mir aus einer Welt zu kommen schien, die realer, wahrer und lebendiger als meine eigene war. Es war gerade so, als ob sie zu meinem wahren Wesen gehört hatte, bevor irgendetwas sie verschüttet hatte – als ob sie eine Erinnerung an das war, was ich eigentlich war und eines Tages wieder sein würde. Ich kam mir wie ein Prinz aus einem fernen Königreich vor, der im Exil lebt und jedes Mal, wenn er etwas sieht, das ihn an seine Heimat erinnert, hofft, eines Tages wieder zurückkehren zu können.

Manche würden sagen, diese Sehnsucht sei ein Überbleibsel aus unserer Kindheit – und mehr nicht. Wenn wir klein sind, sehnen wir uns nach dem Weihnachtsmann oder dem Christkind, aber dann werden wir erwachsen und treten in die wirkliche Welt ein und erkennen, dass es den Weihnachtsmann ja gar nicht gibt. Wir sind allein im Universum – einem Universum ohne Ziel und Sinn –, und dieser Tatsache müssen wir uns halt stellen, wenn wir keine kleinen Kinder mehr sein wollen. Diese Welt der Materie mit ihren Atomen und Molekülen und allem, was wir mit unseren fünf Sinnen erfassen können, ist alles, was es gibt, was es je gegeben hat und was es je geben wird. Unser Leben hat nur den Sinn, den wir ihm geben, doch einen Sinn an sich gibt es nicht, und jeder Wunsch danach ist ebenfalls sinnlos. Wer kann solche Gedanken ertragen? Es sei denn, sie wären wahr. Doch wenn sie wahr wären, was wäre dann Wahrheit? Könnte es überhaupt Wahrheit geben, wenn die Welt keinen Sinn hätte?

Was in uns rebelliert gegen diese Lüge von der Sinnlosigkeit des Lebens – gegen diese gigantische Lüge, die gegen alles steht, was wir in unserem Innersten als wahr und gut und schön erahnen? Warum kommen wir uns manchmal wie Wesen vor, die aus einem herrlichen Heimatland vertrieben worden sind? Was verbirgt sich hinter diesem Gefühl tief in uns, das Menschen aller Kulturen, Jahrhunderte und Kontinente kennen? Wir können unser Leben damit verbringen, es zu verdrängen, doch jede Faser in uns schreit, dass diese Verdrängung eine Lüge ist; ja, das Verlangen nach dieser anderen Welt und nach Sinn ist größer als unser Bedürfnis nach Essen, Trinken und Luft zum Atmen. Wir sind für dieses Andere geschaffen und kommen nicht zur Ruhe, bis wir es wiedergefunden haben.

Bevor ich als Erwachsener den Glauben und diese andere Welt entdeckte, wusste ich kaum etwas über C. S. Lewis, jenen großen christlichen Denker des 20. Jahrhunderts. Als Dozent in Oxford wandte er sich vom Atheismus zum Glauben an Gott. Ein wichtiger Meilenstein auf dieser inneren Reise war ein Abend im Jahre 1931, als er zusammen mit seinem Freund J. R. R. Tolkien durch den Park hinter dem Magdalen College spazierte.⁹ Es sollte noch viele Jahre dauern, bis Tolkien den Herrn der Ringe schrieb und Lewis seine berühmten Narnia-Geschichten. Die beiden waren zwei junge Männer, die die Hölle des Ersten Weltkrieges mit seinen Schützengräben und Gasangriffen überlebt hatten und jetzt als junge Dozenten in Oxford ihren Weg machten.

Doch zwischen den persönlichen Überzeugungen dieser Männer, die ihr Gespräch im Park bis weit nach Mitternacht in Lewis' College-Räumen weiterführten, lagen Welten. Tolkien glaubte fest, dass diese Welt nicht alles sei, sondern dass es jenseits von ihr noch eine andere Welt gebe. Lewis widersprach. Für ihn hatte nicht zuletzt das Elend des Krieges bewiesen, dass diese hässliche Welt alles sei, was es gibt und jemals geben würde, und dass man sich mit dieser traurigen Erkenntnis einfach abfinden müsse. Obwohl Lewis – oder Jack, wie seine Freunde ihn nannten – sich wahrscheinlich manchmal fragte, warum diese Einsicht traurig stimmte. Wenn jenseits der irdischen Welt tatsächlich nichts existierte, warum wehrten wir uns dann im tiefsten Inneren dagegen? Was stand hinter unserer Sehnsucht nach mehr, der Sehnsucht nach Sinn?

Lewis wie Tolkien kannten und liebten die mythische Welt der alten Kulturen. Sie waren in den Sagen der Griechen und Römer bestens bewandert, sie schätzten die alten germanischen Götterlegenden. In seiner Autobiografie Surprised by Joy (deutscher Titel: Überrascht von Freude) erinnert sich Lewis, wie es ihm einen Stich versetzte, als er in den Nordischen Balladen von Henry Wadsworth Longfellow auf folgende Stelle stieß:

I heard a voice, that cried,

»Balder the Beautiful

Is dead, is dead!«

Ich hörte eine Stimme rufen:

»Balder der Schöne

ist tot, ist tot!«¹⁰

Warum bewegte ihn ein Gedicht aus dem 19. Jahrhundert über einen Sagenhelden so sehr, dass er eine Sehnsucht von »quälender Intensität« spürte – nach etwas, das er »niemals hätte beschreiben können«?¹¹ Nach dem Tod seiner Mutter und den Schmerzen des Lebens und den Schrecken des Krieges hatte er den Gedanken beiseitegeschoben, seine Sehnsucht könne einen tieferen Sinn haben, und glaubte, diese alten Geschichten seien zwar schön, aber eben nichts weiter als schöne Geschichten.¹²

Tolkien sah das anders. Er ahnte – nein, er wusste –, dass all diese schönen alten Sagen und Geschichten ein Widerhall von etwas waren, was größer und wahrer war als sie selbst. Sie erinnerten daran, dass die Menschheit um eine andere Welt wusste, die einst existiert hatte und wieder existieren würde, ja die es gegenwärtig gab, doch in einer anderen Sphäre, außerhalb der Zeit. Tolkien kannte sie, die Mythen, in denen Götter sich in den Opfertod gaben, um danach wieder zum Leben zu erwachen, doch für ihn waren sie nicht von der realen Welt abgekoppelt, sondern vielmehr Echos einer größeren Wirklichkeit, die einmal in die Welt der Geschichte eingebrochen war.

Und so stellte er in der nächtlichen Stille seinem Freund Jack die Frage, die dessen Leben verändern sollte: ob es nicht möglich sei, dass dieser Mythos geschichtliche Wirklichkeit geworden war, sich Ewigkeit in Raum und Zeit ereignet hatte. Dass der Mythos des sterbenden und auferstehenden Gottes der Widerhall einer größeren Geschichte sei – der vielleicht größten Geschichte aller Zeiten. Tolkien war dieser Meinung. Zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt sei jene andere Wirklichkeit in unserer dreidimensionalen Welt erschienen, wie ein Krokus durch die Schneedecke bricht und dadurch den Frühling einläutet und die winterliche Welt für immer verändert. Diese Möglichkeit hatte Lewis noch nie in Betracht gezogen. Jetzt ließ er sich darauf ein. Was, wenn Tolkien recht hatte? Was, wenn es sich um geschichtliche Tatsachen handelte? Wie konnte man diese Fragen beantworten?

Könnte es sein, dass all die Mythen und Sagen auf etwas deuten, das realer ist als alles, was wir in dieser Welt kennen? Dass wir in ShadowlandsF1 leben, einem »Schattenland«, eigentlich geschaffen für eine andere, realere Welt? Was, wenn unsere Sehnsucht nach ihr ein Hinweis auf Gott wäre, der die Menschen erschaffen hat und sie liebt; der sich einen Weg in unsere Welt gebahnt hat und uns die Botschaft überbringt: Wenn du meine Hand ergreifst, kann ich dich dahin zurückbringen, wo du einst lebtest und wonach du dich sehnst? Sind Sie bereit, Gottes Hand zu ergreifen und sich dorthin führen zu lassen? Können Sie das Wunder glauben, dass er in unserer Welt erschienen ist? Können Sie wenigstens so weit an Wunder glauben? Denn wenn Sie an dieses Wunder glauben, öffnet es Ihnen die gesamte Welt der Wunder, die Wegweiser zu der Quelle sind, der sie entspringen.

Wenn wir ehrlich sind, führt kein Weg daran vorbei, über diese Dinge nachzudenken. Letztlich können wir nicht anders als zu staunen – über das Phänomen des Lebens im Allgemeinen und über unser eigenes. Staunen ist gesund, es gehört zu unseren Grundbedürfnissen. Es geht ums Staunen. Waren Sie als Kind vom Weihnachtsmann begeistert? Stellen Sie sich einmal vor, er sei nicht nur unserer kindlichen Fantasie entsprungen. Es gebe ihn zwar nicht, wie es Sokrates gab, doch unser Wunsch, es möge ihn geben, sei ein Fingerzeig auf jene andere Wirklichkeit, nach der auch Sokrates sich sehnte. Liegen Menschen, die an irgendetwas x-Beliebiges glauben, vielleicht nur teilweise falsch, weil ihr Wunsch zu glauben, ein solcher Fingerzeig ist?

Könnte es sein, dass auch diejenigen, die glauben, es gebe den Weihnachtsmann nicht, nur teilweise falsch lägen? Vielleicht zeigt sich in ihrer Ablehnung dieses kindischen Glaubens der Wunsch, nur das zu glauben, was mehr ist als eine Geschichte aus den Kindertagen. Etwas, das genauso wahr ist wie die Daten und Fakten in Geschichtswerken und genauso real wie die Atome und Moleküle aus unseren Physikbüchern.

Ist es vielleicht möglich, dass diese beiden »Halbwahrheiten« sich treffen: unsere Sehnsucht nach dem ganz Anderen und ebenso nach greifbaren, sichtbaren Tatsachen? Könnte es sein, dass wir so zu der vollständigen Wahrheit gelangen, die wir suchen?

Diesen Fragen geht das vorliegende Buch nach.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Kapitel 2

Was ist ein Wunder?

Es gibt keine allgemein anerkannte Definition des Wortes »Wunder«. Was ein Wunder ist und was nicht, ist, ohne es näher definiert zu haben, eine äußerst subjektive Sache. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist es fruchtbar, sich darüber Gedanken zu machen. F2

Das Duden-Wörterbuch der deutschen Sprache definiert ein Wunder als »außergewöhnliches, den Naturgesetzen oder aller Erfahrung widersprechendes und deshalb der unmittelbaren Einwirkung einer göttlichen Macht oder übernatürlichen Kräften zugeschriebenes Geschehen«.¹³ C. S. Lewis hat es plastischer als einzigartiges Geschehen definiert, das eine Gesetzmäßigkeit durchbricht, die so selbstverständlich ist, dass wir uns kaum vorstellen können, dass sie je durchbrochen würde. Als Beispiel nennt er den biblischen Bericht über

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