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Sterne fliegen höher: Chronik eines ungewöhnlichen Unternehmerlebens

Sterne fliegen höher: Chronik eines ungewöhnlichen Unternehmerlebens

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Sterne fliegen höher: Chronik eines ungewöhnlichen Unternehmerlebens

Länge:
656 Seiten
7 Stunden
Freigegeben:
Dec 4, 2014
ISBN:
9783842283404
Format:
Buch

Beschreibung

Wilhelm Raabes Dichterwort »Blick auf zu den Sternen, hab acht auf die Gassen!« ist zu einem Leitsatz Rolf Lohbecks geworden. Seine ungewöhnliche Biographie liest sich als fesselnder Zeitbericht einer Persönlichkeitsfindung vom Kriegskind bis zum erfolgreichen Unternehmer, deren Wurzeln sich gleichermaßen im geistigen wie im materiellen Bereich entwickelt haben. Lohbeck ist u.a. Gründer und Inhaber der Hotelgruppe »Privathotels Dr. Lohbeck« und Verfasser mehrerer Bücher. Als Protagonist seiner Zeit zieht er den Leser mit großer Sachkenntnis und lebendiger Erzählkunst in seinen Bann. Anders als Wilhelm Raabe in seiner »Chronik der Sperlingsgasse« hat Rolf Lohbeck die vergangenen siebzig Jahre durch eigenes Erleben und Erfahren einer Retrospektive unterzogen und auf werthaltige allgemeingültige Lebensregeln abgeklopft.
Freigegeben:
Dec 4, 2014
ISBN:
9783842283404
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Sterne fliegen höher - Rolf Lohbeck

Lohbeck

Du kleiner Ort, wo ich das erste Licht gesogen,

den ersten Schmerz, die erste Lust empfand,

sei immerhin unscheinbar, unbekannt,

mein Herz bleibt doch vor allen dir gewogen,

fühlt überall zu dir sich hingezogen,

fühlt selbst im Paradies sich noch aus dir verbannt.

WIELAND

I. IM SUDETENLAND

Grellweiße Blitze durchzuckten die Dunkelheit, und das dumpfe Grollen von heftigem Geschützfeuer machte die Nacht zu einer gefährlichen Furie. Die Explosionen der einschlagenden Sprengbomben ließen die Menschen in der Stadt vor Grauen erstarren. Die feindlichen Terrorbomber verrichteten wieder ihr scheußliches Handwerk.

In dieser Nacht im Mai 1943 luden sie ihre tödliche Fracht über Bochum, der grünen Stadt im Ruhrgebiet, ab.

Der schwarze Peter, eine kleine Stoffpuppe in meinem Arm, hatte mir tief im Schlaf wieder wunderbare Geschichten erzählt. Soeben reichte er mir eine aus meiner Nase gebohrte Traumkugel. Genüßlich schob ich sie in den Mund, als die Riesenfaust einer Explosion das Haus, mein Bett und mich selbst emporhob und die Schwärze der Nacht in ein feurig loderndes Inferno verwandelte.

Mein schöner Traum war jäh geplatzt. Ich selber fand mich einige Meter neben dem Bett auf dem Fußboden wieder und starrte verständnislos auf mein lichterloh brennendes Holzschaukelpferd. Dicht daneben lag mein jüngerer Bruder Rainer, den die Gewalt der detonierten Bombe ebenfalls aus dem Bett geschleudert hatte. Er schrie erbärmlich – wohl auch, weil die Flammen des Schaukelpferdes bereits zu ihm herüberleckten.

Erst das Heranstürmen meiner Eltern, das Hochreißen vom Boden und die Geborgenheit des In-den-Arm-Nehmen beendeten den unfaßbaren und unverstandenen Wachtraum. Mein erstes erinnerliches Kindheitserlebnis begann im Chaos und endete in der tröstenden Liebe fürsorglicher Eltern.

Das Sudetenland war schön. Der Weg dorthin liegt weitgehend im Dunkel meiner Erinnerung. Lediglich ein Zwischenaufenthalt auf einem Bauernhof in Bayern mit vielen Kühen und Schweinen ist mir erhalten geblieben.

Autor Rolf Lohbeck (1943)

Vater Karl Lohbeck mit Söhnen Rainer (l.) und Rolf (r.) in Langenau (1943)

In Langenau, Sudetenland (1944) v. l.: Bruder Rainer Lohbeck, Mami, Autor Rolf Lohbeck

Vor dem Haus in Langenau (1944); v. l.: Bruder Rainer, Autor

Dafür stehen das Dörfchen Langenau und seine Umgebung bis heute im Mittelpunkt meiner Kindheitserinnerungen. Die staubige Dorfstraße mit ihren einfachen ein- bis zweieinhalbgeschossigen Steinhäusern hatte nur wenige Seitenstraßen, in denen die wohlhabenderen Einwohner kleine aber schmucke Einfamilienhäuser errichtet hatten.

Eine kleine Dachgeschoßwohnung in einem Vierfamilienhaus wurde unser neues Zuhause. Ein großer Garten hinter dem Haus – durchflossen von einem schmalen Flüßchen – versprach aufregende Abenteuer, die mich später fast das Leben gekostet hätten.

Zunächst lernten wir jedoch den auch im Hause wohnenden Blockwart Günther Sachs kennen. Er trug eine NS-Uniform mit Reithosen und machte uns mit den übrigen Hausbewohnern bekannt. Meine Mutter, Bruder Rainer und ich waren die einzigen Evakuierten, denen im Herbst 1943 unter den durchaus freundlichen Einheimischen die neue vorübergehende Bleibe zugewiesen wurde.

Wir erfuhren, daß auch die drei übrigen Mietparteien des Hauses nicht zu den Eigentümern gehörten. Das Mietshaus gehörte einem westdeutschen Eigentümer, den wir bis zur Flucht aus Langenau im Mai 1945 nicht kennenlernen sollten.

Bei unserer Ankunft herrschte im Sudetenland Frieden, und das Kriegsgeschehen im Osten war noch nicht wahrnehmbar. Eine Aufnahme in den örtlichen Kindergarten war problemlos, und schnell hatten wir Kinder uns integriert. Entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil gab es auch einige tschechische Jungen, deren slawische Abstammung im gemeinsamen Kindergarten ohne Bedeutung blieb. Dies sollte sich später ändern.

Der Kindergarten mit seinem strengen »Erziehungsfräulein« ist mir jedenfalls nachhaltig in Erinnerung geblieben durch den mittäglichen »Erziehungsschlaf«, bei dem meine Hände an das Bettgitter gebunden wurden, um ein Ausbüchsen zu verhindern. Nun ja, Zucht und Ordnung mußten wohl sein. Einen nachhaltigen Schaden habe ich jedenfalls nicht feststellen können.

Dafür erwies sich Langenau als Spielparadies für uns Kinder. Bombenexplosionen, Flakabwehrfeuer und das Dröhnen der Fliegerangriffe in Bochum waren schnell vergessen. Die weite Landschaft des Erzgebirges mit endlosen Blumenwiesen und Feldern, einsamen Bauerngehöften und stillen Wäldern nutzte Mami zu ausgedehnten Wanderungen mit und ohne Kinderwagen für den kleinen Bruder. Die wenigen Kilometer zum Nachbardorf Haida ging es über holprige Feldwege im Sauseschritt. Heute noch sehe ich uns jauchzende Kinder im Kinderwagen, den Mami unermüdlich mit Anlauf durch die Senke des Weges hinauf auf die Wegspitze ins nächste Tal jagen mußte.

Haida war ein besonderes Ziel. Es grenzte an einen riesigen See, an dessen Sandufer das öffentliche Freibad angeschlossen war. Weit draußen im See lag eine verankerte Schwimm-Platt-form, die von geübten Schwimmern in stetem Wechsel angeschwommen wurde. So auch von Mami.

Badevergnügen im See in Haida (1944) v. l.: Bruder Rainer, Papi, Autor Rolf Lohbeck

Was sie an einem dieser herrlich warmen Spätsommertage nicht wissen konnte, war der Überraschungsbesuch unseres Vaters. Als Ingenieur in einem kriegswichtigen Betrieb war er vom Kriegsdienst freigestellt und arbeitete in Oppeln. Bei strahlendem Sonnenschein stand unser Vater im dunklen Anzug plötzlich am Badeufer und winkte seinen Söhnen im Wasser zu. Obwohl beide Nichtschwimmer, paddelte Rainer hinter Mami her, um sie zurückzuholen. Dies hätte er besser bleiben lassen. Schon nach wenigen Metern verlor er den Grund unter den Füßen und trieb auf dem Rücken – aber mit dem Gesicht unter Wasser – in meine Richtung. Unser Vater rief lauthals, ich solle Rainer festhalten, was ich auch eifrig versuchte. Allerdings nur mit dem Erfolg, daß ich ebenfalls den Halt verlor. Sekunden später trieben beide Söhne auf den See hinaus.

Spätestens jetzt wäre es höchste Zeit gewesen für eine konzertierte Rettungsaktion unseres Vaters. Aber wohl aus Rücksicht auf seinen schönen dunklen Anzug, der neu und als Überraschung für Mami gedacht war, verdrängte er die Angst um seine Söhne. Lauthals rief er andere Schwimmer zum Festhalten der dahintreibenden Kinder auf, was schließlich zu unserer Rettung führte. Mami war allerdings von dem Geschrei hinter ihrem Rücken ebenfalls aufmerksam geworden. Schnell hatte sie erkannt, daß ihre Kinder im Mittelpunkt eines Dramas standen. Auch von weitem konnte sie sehen, wie ihre Söhne aus dem Wasser ans Ufer getragen wurden. Mit angstvollen Schwimmstößen eilte sie zum Ufer zurück. Wie groß war ihre Erleichterung, als sie ihre wasserspuckenden Kinder lädiert, aber sonst sehr lebendig in die Arme schließen konnte.

Die kläglichen Erklärungsversuche meines Vaters zu den Ursachen des im letzten Moment verhinderten Unglücks und sein trockener Anzug steigerten die Erregung Mamis bis zum Siedepunkt. Unter eisigen Blicken und einem zornigen Wortschwall stand unser Vater letztlich selbst wie ein begossener Pudel da. Die vorwurfsvollen Blicke der Schaulustigen ließen ihn sichtlich schrumpfen. Seine mitgebrachten Badesachen konnte er jedenfalls vergessen. Für Mami war dieser so sorglos begonnene Badeausflug beendet.

Obwohl die Erleichterung über unsere Rettung, die wir Kinder als weniger dramatisch empfunden hatten, letztendlich überwog, hatte der Vater beziehungsweise Ehemann noch längere Zeit unter Mamis vorwurfsvollen Blicken und Bemerkungen zu leiden. Erst ein späterer Besuch in Oppeln konnte wohl die Wogen zwischen den Eheleuten wieder glätten. Jedenfalls erinnere ich mich noch daran, wie mein Bruder und ich aus der Schlafbaracke unseres Vaters zum Spielen auf die Straße geschickt wurden. Danach herrschte wieder familiärer Frieden, und noch viele gemeinsame Badefreuden im Haidaer See verdrängten das Beinaheunglück und erhielten mir glückliche Kindheitserinnerungen.

Den langen unbeschwerten Sommermonaten folgten ab November fast ebenso lange schneereiche Monate mit eisigen Temperaturen. Natürlich hatten die Wohnungen keine Heizung. Noch heute ist mir das Holzsammeln in den umliegenden Wäldern und das Heranrücken an den kleinen Kanonenofen als einzige Heizquelle für die Wohnung in bester Erinnerung. Trotzdem blieben die oft abenteuerlichen Schlittenfahrten bis in den März hinein unvergessen. Oft war der Kanonenrohrofen bei der Rückkehr kalt und ausgebrannt, dann wurden wir Kinder mit einer Wärmeflasche an den Füßen ins Bett gesteckt und waren schnell wieder aufgewärmt. Meist gab es zuvor noch eine der unvergleichlich guten Pilzsuppen, die uns eine ebenfalls im Haus wohnende Landfrau »zum Probieren« raufbrachte. Eine Köstlichkeit aus selbstgesuchten Pilzen, die mir nie wieder begegnet ist.

Eine solche Pilzsuppe war es später auch, die mich wieder zum Leben erweckte. Ende März, als die ersten Sonnenstrahlen Schnee und Eis zum Schmelzen brachten, spielten Rainer und ich am Flüßchen hinter dem Haus. Eigentlich mehr ein Bachlauf von ungefähr vier Meter Breite und einer Tiefe von fünfzig Zentimetern, wurden wir von der im Sonnenlicht funkelnden Eisdecke des zugefrorenen Baches magisch angezogen. Wagemutig, unter trotzdem ängstlichen Herzklopfen traten wir vorsichtig auf die Eisdecke. Leichtfüßiges, später stärkeres Auftreten zeigte uns, daß die Eisdecke hielt.

Einen kleinen Schneehasen hatte unser Auftritt aus seiner Sasse gelockt. Schnell suchte er quer übers Eis die Flucht vor den Störenfrieden. Während Rainer vorsichtig am Ufer blieb, erwachte in mir als dem älteren Bruder eine Art Jagdtrieb. Übers Eis schlitternd versuchte ich dem Häslein zu folgen, um es zu fangen. Dies hätte ich besser gelassen, denn es kam, was kommen mußte. Ungefähr in der Mitte des Flüßchens erlitt mein Jagdeifer einen jähen Dämpfer. Durch das brechende Eis verschwand ich gänzlich und fand mich rücklings auf dem Bachgrund liegend wieder. Durch das Loch in der Eisdecke blickte ich wie erstarrt in die auf dem Wasser tanzenden Sonnenstrahlen. Unfähig mich zu bewegen, doch ohne das geringste Gefühl einer Angst oder Panik, erlebte ich ein regelrechtes Glücksgefühl und blieb ohne Gegenwehr unter der glasklaren sonnendurchfluteten Strömung des Baches auf dem Rücken liegen.

Aufgewacht bin ich erst durch die Wiederbelebungsversuche des Blockwarts Sachs und durch sein heftiges lautes Fluchen, das ihn auch bei sonstigen aufregenden Vorkommnissen auszeichnete. Nachdem ich auch das überflüssige Flußwasser wieder losgeworden war, wurde mir eine der vorab erwähnten köstlichen Pilzsuppen eingelöffelt. Sicher auch ein Grund, der zu meiner schnellen Erholung und zur bleibenden Erinnerung an sudetendeutsche Pilzsuppe führte.

Eine weitere nachhaltige Kindheitserinnerung ist ebenso unvergessen geblieben. Waren die besagten Pilzsüppchen eine Delikatesse, so blieb auch die allgemeine Lebensmittelversorgung in dem ländlichen Gebiet ohne Beeinträchtigung. Was an Lebensmitteln im Dorfladen nicht erhältlich war, konnte bei einem der zahlreichen Bauern der Umgebung direkt erstanden werden.

Da gab es den Milchbauern am Dorfrand, bei dem Mami regelmäßig frische Milch kaufte, während wir Kinder den Kuhstall erforschten. Von dort führte eine Jaucherinne über den Hof direkt in eine riesige Jauchegrube. Auf einer langen stabilen Holzdiele, die teilweise bis über die Grube führte, entsorgte der Bauer mit einer Schubkarre den festen Kuhmist.

Kinderphantasie kennt keine Grenzen. Nach dem Milchkauf hielt Mami das übliche Schwätzchen mit der Bauersfrau. Dies gab uns Kindern die Möglichkeit zu unbeobachteten Entdeckungen.

Es war der unwiderstehliche Gestank der Jauchegrube, der uns anlockte. Die Jauchegrube wurde in der Phantasie ein kleiner See. Die braune unappetitliche Gülle erschien als etwas schlammiges Naturgewässer. Auf jeden Fall versprach die darüberragende Transportdiele als Sprungbrett eine herrliche Gelegenheit zum Wippen. Da Bruder Rainer ängstlich war, stellte ich ihn als Gegengewicht auf den auf dem Land liegenden Bohlenteil. Dann wagte ich mich auf den über den »See« hinausragenden Dielenteil, bis es nicht mehr weiterging. Nichts passierte – Rainers Gegengewicht hielt. Nun begann der eigentliche Spaß, nämlich das Wippen. Noch etwas zögernd, dann höher und höher sprang ich auf dem Bohlenende in die Luft. Bei jedem Aufkommen federte die Diele nach unten und wurde durch Rainers Gegengewicht wieder ins Gleichgewicht gebracht.

Irgendwann wurde Mami durch unser ausgelassenes Juchzen aufmerksam. Ein entsetzter Blick und ihr »Macht ihr wohl, daß ihr da runterkommt!« ließen Rainer augenblicklich reagieren. Mich völlig vergessend, sprang er vom Brett herunter und eilte zur Mutter. Ich hatte gerade zum wagemutigen Sprung angesetzt, landete auf meinem »Sprungbrett« und anschließend im hohen Bogen im »kleinen See«. Augenblicklich erkannte ich den Unterschied zwischen Phantasie und Realität, vor allem, weil ich mindestens einmal untertauchte und anschließend den Mund voller Gülle mit festen Bestandteilen hatte. So konnte ich noch nicht mal einen Hilfeschrei ausstoßen. Dies taten dafür Mami und die Bauersfrau umso lauter. Es war schließlich der herbeieilende Bauer, der sich in die Jauchegrube wagte und mich an Land zog. Wieder einmal wurde ich gerettet!

Trotz der anschließenden Generalreinigung war mein schöner Gamaschenanzug völlig verdorben und stank mit mir darin wie ein wandelndes Güllefaß. Die Rückkehr durchs Dorf erfolgte im Laufschritt, und jede Begegnung mit anderen Dorfbewohnern wurde zur schamhaften Peinlichkeit. Diese wurde noch übertroffen, als unser Vater uns schon von weitem freudig zuwinkte. Er wollte uns mit einem Kurzurlaub überraschen. In meiner Erinnerung war die Überraschung dann mehr auf seiner Seite, als er beim Herankommen die Ursache des nachhaltigen Gestankes entdeckte. Hinter Mami in Deckung bleibend, mußte diese das dramatische Geschehen ausführlich schildern. Nun war es an der Zeit, daß unser Vater nicht mit heftigen Vorwürfen gegenüber Mami sparte, da doch wohl der »zum Himmel stinkende Unfall« nur durch die Unachtsamkeit der Mutter habe passieren können. Dadurch wurde ich zum Opfer erklärt, dem die mitleidvolle Aufmerksamkeit des Vaters zuteil wurde. Die befürchtete Strafe ging jedenfalls an mir vorbei, und auch das schlechte Gewissen angesichts des stillen Vorwurfs in Mamis Augen war schnell vergessen.

Das anschließende Geburtstagsessen im Haus werde ich ebenso wenig vergessen, da es sich um meinen fünften Geburtstag am 30. März 1945 handelte. Nach meinem Kleiderwechsel und einem Bad in der üblichen Zinkwanne saßen wir erwartungsfroh am Küchentisch, auf dem Mami das Geburtstagsessen auffüllte. Es gab gebratene Leber mit Kartoffelpüree und Apfelmus. Über den Kartoffelbrei wurde eine dicke Schicht Mohnkörner gestreut, eine sudetendeutsche Variante der »Leber nach Berliner Art«.

Die Teller waren noch nicht leergegessen, als eine gewaltige Explosion das Haus erschütterte. Wie von einer Riesenfaust erfaßt, wurden wir Kinder vom Stuhl geschleudert und fanden uns unter dem Tisch wieder. Die Eltern rissen uns hoch und rannten die Treppe hinunter in den Hausflur. Hier hatten sich schon die übrigen Hausbewohner versammelt und warteten angstvoll auf mögliche weitere Bombenexplosionen.

Zum Glück blieben diese aus, und man hörte nur noch, wie das Geräusch der Flugzeugmotoren immer leiser wurde. Offensichtlich hatte der Krieg jetzt auch das Sudetenland erreicht, und auch wir Kinder spürten durch die aufgeregten Gespräche der Eltern und Mitbewohner, daß Unheilvolles geschehen konnte. Da keine weiteren Bombenabwürfe erfolgten und das Haus die Erschütterungen ohne Schaden überstanden hatte, saßen wir einige Zeit später wieder am Geburtstagstisch und konnten das Geburtstagsessen ohne weitere Störungen zu Ende genießen.

Wenige Tage später, der Vater war wieder zurück nach Oppeln gefahren, tauchte am hellichten Tag über dem Dorf ein russischer Tiefflieger auf. Im Sturzflug setzte er zum Angriff an und pflügte mit einem Geschoßhagel die Dorfstraße auf. Mami hatte uns Kinder im letzten Moment von der Straße gerissen und Schutz unter dem Holzdach des Zigarettenlädchens gefunden, wo sie gewöhnlich Tabak und Zigarettenpapier einkaufte. Auch dieser einzelne Angriff blieb für das Dorf ohne weitere Folgen, außer, daß die allgemeine Unsicherheit der Menschen zunahm.

Es war eine der beliebten Wanderungen heraus aus dem Dorf in die umliegenden Wiesen und Wälder, auf der ich einen einfachen Eisenhammer mit zerbrochenem Holzstiel fand. Ich steckte ihn heimlich in die Hosentasche, um ihn als versteckten Schatz mit nach Hause zu bringen. Schließlich hatte es bei Fundstücken ähnlicher Herkunft immer geheißen: »Schmeiß das wieder weg!«

Auf dem Rückweg durchs Dorf wurde Mami von einer Bekannten angesprochen, die vor einigen Monaten mit ihrer kleinen Tochter Else ebenfalls nach Langenau evakuiert worden war. Während des Gesprächs der beiden Mütter spielten Rainer und ich mit Else auf der Dorfstraße. Nach kurzer Zeit gesellte sich ein tschechischer Junge, mit dem ich gemeinsam den Kindergarten besucht hatte zu uns, um mitzuspielen. Dies gefiel mir gar nicht, da ich Else für das gemeinsame Spiel für mich allein beanspruchte. Lediglich Bruder Rainer wurde dabei toleriert. Der offensichtlich als Rivale empfundene Mitspielbewerber ließ sich nicht vertreiben. Schließlich gab ein Wort das andere, und da mein Kontrahent größer und vielleicht auch stärker war als ich, zog ich den abgebrochenen Hammer aus meiner Tasche und drohte mit Zuschlagen, falls er nicht umgehend verschwinde.

Else starrte mich bewundernd an, was meiner Standhaftigkeit zusätzlich Gewicht verlieh. Aber auch der tschechische Kontrahent wollte nun Stärke zeigen. Seiner Hausforderung »Du traust dich ja doch nicht« folgte mein wütendes »Sag das noch einmal!«. So ging es einige Male hin und her. Noch heute kann ich nicht nachvollziehen, wie die verbale Eskalation zu einer derart brutalen Reaktion eines Fünfjährigen führen konnte, als ich dem Gleichaltrigen plötzlich mit voller Wucht den Hammer ins Gesicht schlug. Auch gegenwärtig entsetzt mich noch die Erinnerung an den Blutschwall, der aus der getroffenen Wange des tschechischen Jungen bis auf meine eigene Kleidung spritzte.

Schreiend lief Pawel, ich glaube mich an diesen Namen zu erinnern, zum Haus seiner Eltern. Dieses lag in unmittelbarer Nähe. Pawels Mutter stürzte ans Fenster, sah ihren blutenden und schreienden Sohn, sah auch uns und erfaßte sofort die Situation. Laut schimpfend und unter drohenden Gesten gegen uns holte sie ihren Sohn ins Haus.

Mami und ihre Bekannte waren inzwischen ebenfalls auf das Geschehen aufmerksam geworden, verhindern konnten sie es nicht mehr. Die Mutter Elses machte sich nach hastigem Abschied mit ihrer Tochter davon. Mami verließ mit ihren beiden Söhnen ebenfalls in Eile den »Tatort«.

Später erst erfuhr ich, daß diese Eile aus Angst vor der Rachsucht der Tschechen durchaus begründet war. Nur die Stationierung weniger deutscher Soldaten in der Nähe gab der deutschen Bevölkerung noch einen gewissen Schutz. Als dieser infolge des Frontzusammenbruchs mit der anschließenden »bedingungslosen Kapitulation« wegfiel, ließ ein Teil der tschechischen Dorfbewohner seinem aufgestauten Haß gegen die deutsche Bevölkerung freien Lauf. Noch während der späteren Flucht und Vertreibung erfuhr Mami, daß Blockwart Sachs auf der offenen Dorfstraße erschlagen und anschließend an die Hauseingangstür gekreuzigt worden war.

Wenige Tage nach meiner »Bluttat«, Mami hatte sich inzwischen bei Pawels Mutter tausendmal für ihren mißratenen Sohn entschuldigt, kam unser Onkel Siegfried zu Besuch. Uns Kindern war er völlig fremd. Erst eine Dose Landserschokolade löste die Spannung. Mit fast 18 Jahren hatte er sich von der Schulbank weg freiwillig zur Wehrmacht gemeldet und als Panzerfahrer den gesamten Rußlandfeldzug mitgemacht. Mehrmals abgeschossen hatte er trotzdem überlebt. Sein Gesicht war voller Granatsplitter, er zog ein verwundetes Bein nach und sah für uns Kinder in seiner schwarzen Uniform nicht gerade wie ein lieber Onkel aus, eher zum Fürchten.

Onkel Siegfried (l.) als Panzerfahrer

Zwei Tage hatte er Kurzurlaub von der Front bekommen. Dieser Besuch ist mir deshalb unvergeßlich geblieben, weil ich von Onkel Siegfried die erste durchaus kräftige Ohrfeige meines Lebens erhielt.

Die einzige Verbindung zur Außenwelt stellte damals das Radio dar. Auch bei uns stand ein solcher Volksempfänger mit schwarzem Bakalitgehäuse, dem einzigen damals existierenden Kunststoff, in einem Wandregal. Während Onkel Siegfried in einen Erholungsschlaf auf der Couch gefallen war, spielte ich am Radio. Sei es Zufall, oder weil Mami das Gerät so eingestellt hatte, auf jeden Fall ertönte plötzlich der bei Todesstrafe verbotene »Feindsender« der sowjetischen Propaganda-Armee, zuerst ein siebenmaliges Sekundenzeichen, danach die Stimme mit den Worten »Alle sieben Sekunden stirbt ein deutscher Soldat!«.

Zufällig hatte ich auch noch eine nicht zu überhörende Lautstärke erwischt, so daß unser Onkel wie von der Tarantel gestochen hochfuhr.

Natürlich hatte ich keine Angst vor Mithörern oder schlimmen Folgen, der Onkel dafür umso mehr! Er machte sich erst gar nicht die Mühe, den Apparat auszustellen. Mit einer Armbewegung wischte er das Gerät aus dem Regal, so daß es beim Aufprall in mehrere Teile zerbrach. Mami mußte dann die Überreste des eventuellen Corpus delicti umgehend entsorgen. Gleichzeitig erhielt ich die reflexartig verpaßte Ohrfeige. Von da an hatte ich für spätere Begegnungen mit dem Onkel ein nachhaltiges Mißtrauen entwickelt.

Am Tag darauf verließ uns Onkel Siegfried. Er mußte zurück zur Front. Zuvor hatte er Mami dringend geraten, möglichst umgehend Langenau zu verlassen und sich nach Westen durchzuschlagen. Mit Berichten über Greueltaten russischer Soldaten gegen deutsche Zivilisten konnte er Mami nachhaltig überzeugen. Da die noch in der Nähe stationierten deutschen Truppen im Aufbruch zur nahen Front waren und damit auch der letzte Schutz der deutschen Bevölkerung entfiel, war der Entschluß zur Flucht schnell gefaßt.

Zwei Tage später saßen Bruder Rainer und ich auf dem Heuhaufen eines Pferdefuhrwerks. Mami saß neben unserem Milchbauern auf dem Bock, und im gemächlichen Pferdetempo verließen wir Langenau für immer. Zwei Koffer und der Kinderwagen waren unter dem Heu versteckt. Alles mußte wie eine Ausflugstour zum Bauernhof aussehen, da Fliehen offiziell noch immer verboten war.

Auf Umwegen gelangten wir nach vielen Stunden zur etwa dreißig Kilometer entfernten Kreisstadt Böhmisch Leipa. Vor einem mehrstöckigen Mietshaus mitten in der Stadt hielt unser heimlicher Retter sein Fuhrwerk an und brachte uns in eins der oberen Stockwerke. Hier wohnten Verwandte von ihm, die uns eine kleine leerstehende Wohnung nebenan überließen.

Oft erzählte uns Mami in späteren Jahren, wie dankbar sie für die selbstlose Hilfe des Bauern und seiner Verwandten war. Wenige Wochen später, nach der Kapitulation am 8. Mai 1945, galt für die meisten Deutschen das Prinzip »Rette sich wer kann!«.

Eines Morgens, wir hatten uns in der einen Woche nach Langenau soeben an die neue Bleibe gewöhnt, hatte Mami das Haus zum Einkaufen und Milchholen verlassen. Nur wenige Minuten sollten wir in der Wohnung auf sie warten. Durch sehr laute und noch nie gehörte Fahrgeräusche wurden Rainer und ich aufmerksam und stürzten zum Fenster. Wir sahen lange Panzerkolonnen die Straße herunterrasseln. Ihre Kanonenrohre schwenkten bedrohlich hin und her. Neben den Panzern liefen Soldaten mit Gewehren in der Hand.

Ohne die Zusammenhänge zu erkennen, erahnten wir Kinder instinktiv die Gefahr und das Unheimliche des Geschehens. Wir liefen spontan aus der Wohnung, die Treppen herunter und durch die Haustür auf den Bürgersteig, um Mami zu finden. Nur sie konnte uns schützen und das Geschehen erklären. Niemand schien außer den russischen Truppen und Panzern auf der Straße zu sein, die Bürgersteige waren wie leergefegt.

War es Zufall, war es Fügung? Auf jeden Fall kam Mami aus dem nahegelegenen Geschäft herausgestürmt, in der einen Hand die Milchkanne, in der anderen eine Einkaufstüte. Obwohl russische Soldaten hinter ihr herriefen und drohend die Gewehre hoben, konnte uns Mami unbehelligt erreichen und in die Arme schließen. Das Ungefährliche dieser Situation mag wohl die Soldaten beruhigt haben. Sie zogen an uns vorbei, und Mami beeilte sich, mit uns in der Sicherheit des Hauses zu verschwinden. Daß auch diese Sicherheit sehr trügerisch war, durften wir wenige Tage darauf erleben.

Hinter dem Haus erstreckte sich ein ausgedehnter Park mit einem großen ummauerten Brunnen. Daran schloß sich ein großer Kasernenkomplex an, der nunmehr von den russischen Besatzern eingenommen war. Morgens und abends kamen russische Soldaten aus der Kaserne in den Park, um sich am Brunnen zu waschen. Dem oft übermütigen Plantschen und sich gegenseitig Bespritzen der jungen Soldaten vom Fenster aus zuzusehen, war für uns Kinder schon interessant genug.

Doch erst richtig spannend wurde es, als die Soldaten nach dem morgendlichen Bad ganze Seifenstücke auf dem Brunnenrand liegenließen. In Windeseile und unter großem Herzklopfen eilten Rainer und ich in den Park, schlichen um den Brunnen herum und hatten im Nu beide Hände voller eroberter Seifenstücke. Mami brach der kalte Schweiß aus, als wir ihr stolz und freudestrahlend unsere Beute präsentierten. Was uns wie eine bestandene Mutprobe erschien, war tatsächlich unter schwerer Strafe stehender Diebstahl an der Besatzungsmacht.

Trotzdem fielen mir noch weitere Mutproben ein, die dem Spielbedürfnis von fünfjährigen Kindern entsprechen. Der »Seifenklau« war ohne Folgen geblieben, und auch Mami hatte sich schnell an die russische Kernseife gewöhnt, die, wie sich später herausstellte, ohnehin aus deutschen Beständen stammte.

Rainer und ich hatten kleine und mittelgroße Steine aus dem Park gesammelt und mit in die Wohnung genommen. Am Abend zelebrierten die russischen Soldaten die übliche Reinigungszeremonie am Brunnen. In der beginnenden Dämmerung des Abends glaubten wir Kinder uns unerkannt, öffneten die Wohnungsfenster im vierten Stock und begannen, die Soldaten mit unseren gesammelten Steinen zu bombardieren. Tatsächlich müssen wir wohl einige getroffen haben, wobei die Wurfhöhe aus dem vierten Stock beim Getroffenen durchaus Wirkung erzeugt haben kann. Jedenfalls räumten die ahnungslos Badenden unter wilden Flüchen und mit drohend gegen das Haus geschüttelten Fäusten das Feld und verschwanden schimpfend in Richtung Kaserne. Mami hatte von allem nichts mitbekommen.

Eine knappe halbe Stunde später war die Hölle los. Schwerbewaffnete russische Soldaten umstellten das Haus. Starke Scheinwerfer tauchten die Wände in gleißendes Licht. Laute Kommandorufe ließen die Hausbewohner vor Schreck erstarren. Unten wurde die Haustür rüde aufgestoßen, schwere Soldatenstiefel dröhnten durchs Treppenhaus.

In jeder Etage mußten die Bewohner umgehend die Wohnung verlassen und auf dem Treppenpodest Aufstellung nehmen, bewacht von mehreren mit Maschinenpistolen bewaffneten Soldaten. Erst ein russisch sprechender tschechischer Mitbewohner konnte erfahren, daß aus dem Haus auf Rotarmisten im Park »geschossen« worden sei. Darum würden jetzt sämtliche Hausbewohner erschossen!

Man vermutete versteckte deutsche Soldaten im Haus! Wie Mami später erzählte, war in der Wohnung unserer Nachbarn tatsächlich ein deutscher Landser versteckt, allerdings in Zivil. Seine Uniform steckte im oberen Etagenklo des Treppenhauses. Die Toilette konnte nicht benutzt werden, da die Uniform den Abgang verstopft hatte.

Ein regelrechtes Wehklagen mit weinenden Frauen und Kindern durchdrang das Treppenhaus auch bis zu unserer Etage. Dazwischen die lauten Kommandos, wonach jede Wohnung durchsucht wurde. Das Entsetzen der Menschen kannte keine Grenzen, fühlten sich doch alle zu Recht völlig unschuldig, bis auf unsere Nachbarn. Zum Glück steckte keiner der Soldaten seinen Kopf in eine Kloschüssel.

Irgendwie schwante mir inzwischen, daß unser Steineschmeißen auf die Soldaten im Park etwas mit dem Geschehen zu tun haben könnte. Also nahm ich Mami an die Hand und gestand ihr leise unsere Schandtat. Es gelang Mami, mit dem tschechischen Hausbewohner zu sprechen und diesen offensichtlich zu überzeugen, daß nicht versteckte deutsche Soldaten, sondern vielmehr zwei ungeratene Kinder die Ursache eines großen Mißverständnisses seien. Tatsächlich konnte der Tscheche den russischen Kommandeur nach vielem Hin und Her bewegen, sich die Kinder, die Mutter und die Wohnung wenigstens anzusehen.

Als erstes entdeckte er am Handgelenk Mamis deren Armbanduhr. Zwar unter Protest, aber unter dem Eindruck einer vorgehaltenen Maschinenpistole überreichte Mami ihre Uhr. Beim Überstreifen der Uhr auf seinen Arm war dieser bereits mit mehreren Armbanduhren bedeckt. Eine Flasche mit goldenem Inhalt erregte sein weiteres Interesse. Erst beim zweiten Schluck merkte er, daß es sich um Bratöl handelte. Danach verließ er schimpfend die Wohnung, warf uns Kindern noch einen finsteren Blick zu, gab ein lautes Kommando, und das Haus wurde wieder geräumt. Der Schrecken war ausgestanden, aber ihre Armbanduhren waren alle Hausbewohner losgeworden!

Ende Mai 1945 – inzwischen hatte die Tschechen weitestgehend die Zivilverwaltung übernommen – erging der erste Ausreisebefehl für alle Deutschen. Seinerzeit Evakuierte hatten dabei den Vorrang. Sehr früh morgens sammelten sich Tausende von Deutschen, die meisten Frauen mit Kindern, auf dem Bahnhof von Böhmisch Leipa. Zwei Tage dauerte es bis zur Ankunft eines Zuges. Bis dahin wurde auf dem Boden geschlafen. Verpflegung gab es nur durch Mitgebrachtes.

Nie vergessen werde ich, wie ein tschechischer Miliztrupp auf unsere Dreiergruppe losstürmte und Mami aus unserer Mitte riß. Weinend klammerten wir Kinder uns an die Mutter. Es half alles nichts; Mami mußte unter wüsten Beschimpfungen mitkommen. Auf den schwachen Versuch einer Gegenwehr wurde Mami vor aller Augen mit einer Art Drahtpeitsche geschlagen und in das Bahnhofsbüro gezerrt. Mitleidige andere Deutsche kümmerten sich derweil um uns Kinder.

Jahre später erzählte uns Mami, warum sich die Tschechen ausgerechnet unsere kleine Gruppe vorgenommen hatten. Mami hatte uns Kindern einen grünen Janker mit Eichenlaubaufsetzern auf der Brust und weißen Kniestrümpfen angezogen. Sie wußte nicht, daß diese Kleidung zur Nationaltracht der Sudetendeutschen gehörte. Eine ungeheure Provokation in den Augen der nationalstolzen Tschechen!

Irgendwann fuhr dann doch ein Zug in den Bahnhof Böhmisch Leipas ein. Dieser wurde von den verzweifelten Menschen regelrecht gestürmt. Bei der Abfahrt waren die Trittbretter und Dächer mit Menschen besetzt. Rainer und ich wurden trotz unseres Schreiens nach Mami mit in einen Waggon geschoben. Von Mami noch immer keine Spur. Erst als der Zug anfuhr – unsere Verzweiflung kannte keine Grenzen –, wurde Mami aus dem Bahnhofsbüro gestoßen. Nie hat sie darüber gesprochen, was ihr dort angetan wurde.

Irgendwie muß Mami unsere verzweifelten Rufe aus den offenen Wagenfenstern gehört haben. Von außen geschoben und drinnen gezogen, gelangte Mami in waagerechter Position in den Zug. Wir alle waren grenzenlos glücklich und erleichtert über die »Wiedervereinigung« in letzter Minute.

Dieses Glück blieb Millionen deutschen Flüchtlingen und Heimatvertriebenen versagt. Von rund vierzehn Millionen geflüchteten und vertriebenen Deutschen nach dem Krieg haben mehr als zwei Millionen ihr Leben verloren und Zehntausende von Kindern verloren auf der Flucht ihre Eltern. Das Schicksal der sogenannten »Wolfskinder« bleibt unvorstellbar.

Unsere Fahrt mit dem Personenzug war nicht von langer Dauer. Hinter einem auf offener Strecke wartenden Güterzug wurde angehalten, und sämtliche Reisenden wurden von tschechischen Milizen aus dem Personenzug in die Viehwaggons des Güterzuges getrieben. So auch wir. Auch hier herrschte qualvolle Enge in den völlig überfüllten Wagen, in denen sich die Menschen auf den Waggonböden auf einer dünnen Strohschicht zusammendrängten. Während der endlosen Fahrt mit stundenlangen Unterbrechungen wurden Rainer und ich mit Scharlach und Paratyphus infiziert. Wie verzweifelt muß Mami mit zwei schwerkranken Kleinkindern ohne Medikamente und ärztliche Hilfe gewesen sein. Ein Verlassen des Zuges war wegen der mitfahrenden tschechischen Milizen nicht möglich. Ein schwacher Trost, daß es vielen nicht besser oder sogar noch schlimmer erging.

Irgendwann wachte ich in einem Krankenhaus in Chemnitz auf, wo mein Bruder Rainer und ich in bedenklichem Zustand aufgenommen worden waren, nachdem der Zug sein Endziel Chemnitz erreicht hatte. Mami hatte im Krankenhaus eine kurzfristige Anstellung als medizinisch-technische Angestellte bekommen, was erst unsere Aufnahme in die Klinik ermöglich hatte.

Nach einigen Wochen Krankenhauspflege waren Rainer und ich wieder gesund. Mamis Anstellung ging ebenfalls zu Ende. Im Krankenhaus hatte Mami erfahren können, daß die Eltern beziehungsweise Großeltern in Schwelm in Westfalen lebten. Von Ehemann und Vater oder ihres Geschwistern hatte sie nichts gehört.

Das Kriegsende mit seiner bedingungslosen Kapitulation hatte alle Nachrichtenverbindungen unterbrochen. Millionen Menschen irrten ohne Wissen um das Schicksal ihrer Angehörigen durch das von den Siegermächten in vier Besatzungszonen geteilte Deutschland. Ein Überschreiten der Grenzen der einzelnen Besatzungszonen war ohne Genehmigung unter schweren Strafen streng verboten.

Trotzdem hatte sich Mami zur Flucht aus der sowjetisch besetzten Zone nach Westen entschlossen. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter zogen wir eines Morgens los. Allerdings begann unsere Flucht als Fußmarsch, da ein geordneter Zugverkehr nicht mehr existierte.

Stundenlanges Laufen, meist entlang einer Bahnlinie oder auf den Holzschwellen der Gleise, sind mir in Erinnerung geblieben. Nachhaltiges Betteln um Eßbares bei einsam gelegenen Bauernhöfen, Schlafen in Heuschobern oder in einem verlassenen Bahnwärterhäuschen und ein ständiges Hungergefühl werden mir bis ans Ende des Lebens unvergessen bleiben.

Von der anfangs großen Flüchtlingsgruppe war nur noch ein Grüppchen Frauen mit Kleinkindern übriggeblieben. Sie konnten wie auch wir mit dem Tempo der Stärkeren nicht mithalten und hatten schließlich eine eigene Gruppe gebildet.

Im Spätsommer 1945 kamen wir immer wieder an verwilderten Kartoffeläckern vorbei, die noch nicht völlig abgeerntet waren. Wie glücklich waren die Fluchtgefährten, als Mami aus ihrem Rucksack eine Bratpfanne holte. Kartoffelernte, Braten in der Pfanne und sich endlich wieder sattessen trug zur Hoffnung auf ein erfolgreiches Ende der Flucht maßgeblich bei.

Trotzdem stand uns der gefährlichste Teil der Flucht noch bevor: das Verlassen der sowjetisch besetzten Zone. Irgendwo hinter Wernigerode erreichte die kleine Restgruppe die Zonengrenze. Erst bei Dunkelheit sollte es weitergehen. Unterhalb einer großen Burg- oder Festungsanlage führte ein Weg vorbei, der nur sporadisch von russischen Wachsoldaten kontrolliert wurde – so hieß es in Flüchtlingskreisen.

Wir Kinder wurden zu absoluter Ruhe ermahnt, als es mitten in der Nacht endlich losging. Die Gruppe hatte sich nochmals geteilt, wobei die Mütter mit Kleinkindern auf dem Arm den Anfang machten. Dies war ein fataler Fehler. Wir waren erst wenige Minuten unterwegs, als weiter voraus ein Baby laut zu plärren begann und die verzweifelte Mutter es zu beruhigen suchte. Kurz darauf leuchteten starke Scheinwerfer auf und laute Kommandorufe, »Stoij, stoij«, ertönten.

Als dann noch Schüsse durch den Wald hallten, gab es kein Halten mehr. Alle gerieten in Panik, rannten teilweise zurück oder wie wir Kinder, die Mami mit sich in den stockdunklen Wald riß, wie gehetzt in Richtung Westen. In meiner Erinnerung war es ein endloses Durch-den-Wald-Irren. Irgendwann hatten die Schüsse aufgehört, und wir erreichten bei Tageslicht ein Dorf, das bereits zur amerikanischen Besatzungszone gehörte. Als wir auch noch etwas zu essen erhielten, kannte unsere Freude und Erleichterung keine Grenzen mehr.

Wir wanderten zur nächsten Stadt – den Namen habe ich längst vergessen –, wo es einen Bahnhof gab, von dem ab und zu ein Zug nach Westen fuhr. Wir hatten wohl Glück, denn wir gelangten per Bahn bis nach Hagen in Westfalen.

Im November kamen wir endlich bei starkem Schneetreiben in Schwelm an. Die Entfernung von Hagen bis Schwelm legten wir auf der offenen Ladefläche eines Lasters zurück, dessen Fahrer uns auch wegen unseres erbärmlichen Aussehens aus Mitleid mitgenommen hatte.

Halbverhungert und unendlich erschöpft ließen wir uns von den Großeltern in Schwelm in die Arme nehmen. Endlich fühlten wir uns wieder geborgen.

Die Schrecken der letzten Monate waren zu Ende. Schwelm war das neue Zuhause und Beginn einer neuen Hoffnung.

Jeden Morgen geht die Sonne auf

in der Wälder wundersamer Runde

und die schöne, scheue Schöpferstunde

jeden Morgen nimmt sie ihren Lauf.

HERMANN CLAUDIUS

II. NEUE HEIMAT SCHWELM

Es ist richtig, daß Kinder wohl zum eigenen Schutz schnell vergessen und sich ebenso schnell an neue Verhältnisse in neuer Umgebung anpassen können. So erging es auch Rainer und mir. Nach monatelangem Schlafen auf Holz- oder Steinböden waren wir nach ungestörtem, angstlosem Schlaf unter herrlich warmen Federbetten wie in einer neuen Zeit aufgewacht. In dieser herrschten allerdings auch Zucht und Ordnung.

Diese Prinzipien wurden von unserem Großvater nachhaltig eingehalten.

Im Schlafzimmer der Großeltern standen einige Obstregale, in denen Äpfel und Birnen lagerten. Noch vor dem Einschlafen nach unserer Ankunft hatte ich wohl aus Sorge um zukünftige Verpflegungsengpässe einen Vorrat von drei Birnen unter meinem Kopfkissen angelegt. Das Fehlen dieser drei Birnen wie auch ihr neuer Lagerplatz war vom Großvater noch während unseres Erholungsschlafes entdeckt worden.

1879 geboren, war er als Unteroffizier und Rekrutenausbilder durch die harte Militärschule des Kaiserreiches gegangen. Im Ersten Weltkrieg hatte er die Grabenkämpfe von Sedan mitgemacht. Später erzählte er, wie sie auf den Leichen der eigenen Kameraden in den Gräben beim Kampf Mann gegen Mann die französischen Angriffe abwehren mußten. Von der Ehre der französischen Soldaten hielt er nicht viel, denn diese hätten sie sogar auf den Latrinenbalken beschossen!

Als Vater von vier Kindern wurde ihm die Offizierslaufbahn verwehrt, da Offiziere, vom Leutnant bis zum Hauptmann, bei Angriffen auf den Feind immer als erste ihre Soldaten zum Angriff führen mußten. Ein hoher Blutzoll der unteren Offiziersränge war die Folge. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges konnten diese Verluste nie mehr ausgeglichen werden.

1916: rechts hinten Urgroßmuter Corvey, links hinten Großmutter Fromme, davor Marlene Lohbeck, die Mutter des Autors

Hochzeit der Großeltern Corvey/Fromme 1910 in Schwelm, Mittelstr. 5 4. v. l. Urgroßvater Heinrich Fromme

Mittelgroß und von kräftiger Statur, schneeweißes militärisch kurzgeschnittenes Haar mit sauberem Mittelscheitel, stand er damals vor mir und hielt dem eingeschüchterten Enkelsohn eine Strafpredigt über Ehrlichkeit, innere Haltung und mit dem später noch oftmals abschließenden Spruch: »Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!« Ein preußischer Beamter durch und durch!

Großvater Corvey als kaiserlicher Feldwebel

Eingeschüchtert und mit schlechtem Gewissen lernte ich meine erste Lektion, daß nämlich auch der kleinste Diebstahl eben ein Diebstahl bleibt. Von erlaubtem Mundraub war natürlich keine Rede. Möglicherweise glaubte mein Großvater seit dieser Begebenheit, in mir die charakterlichen Fehlanlagen eines Diebes erkannt zu haben.

Seine erste erzieherische Gegenmaßnahme war, daß er mich eines Tages – wohl auch aus großväterlichem Stolz – zu seiner Dienststelle mitnahm. Als Leiter des Schwelmer Postamtes führte er mich als seinen ältesten Enkelsohn seinen Mitarbeitern vor. Natürlich wurde ich von allen freundlich begrüßt, insbesondere, nachdem mein Großvater über die Leiden unserer Flucht berichtet hatte. Dieser Dienststellenbesuch blieb nicht der einzige, da anschließend ein Kontrollbesuch des großelterlichen Mehrfamilienhauses in der nahegelegenen Mittelstraße stattfand.

Dieses zweieinhalbgeschossige bergische Schieferhaus mit grünen Schlagläden und angrenzendem großen Garten war mit mehreren Flüchtlingsfamilien vollgestopft, die durch Ausbombung und Flucht ihre Wohnungen verloren hatten. Die Folge war, daß meine Großeltern nach ihrer eigenen Ausbombung in Bochum 1943 nicht ins eigene Haus einziehen konnten. Sie waren in einer Mietwohnung in der Max-Klein-Straße in Schwelm untergekommen, als mein Großvater nach Schwelm dienstversetzt worden war.

Familienfeier Weihnachten (1928)

v. l.: Onkel Rudi, Omi, Mami, Tante Hanna, Onkel Siegfried, Opi

Dieser Grundbesitz stammte aus dem großmütterlichen Familienerbe, einer alten Schwelmer Familie. Der mit 81 Jahren bereits 1914 verstorbene Heinrich Fromme, Omis Vater und mein Urgroßvater, war Barbier und Bader gewesen, also eine Art Heilkundiger mit praktischen Fähigkeiten, die bis zum Zähneziehen reichten. Immerhin hatte er es, mit beachtlichem kaufmännischen Talent ausgestattet, zu vielfachem Haus- und Grundbesitz in Schwelm geschafft. Dies versetzte ihn in die Lage, seinen Lebensabend sorgenfrei als Rentier zu verbringen und meiner Großmutter die Ausbildung zur Lehrerin zu ermöglichen.

Durch Notverkäufe in der großen Inflation 1923 und später waren von dem Immobilienvermögen nur noch der Besitz Mittelstraße und ein größeres Gartengrundstück am Schwelmer Westfalendamm übriggeblieben. Besonders dieses Gartengrundstück trug in den ersten Nachkriegsjahren entscheidend zur Nahrungsversorgung der Familie bei. Wertvollstes Hilfsmittel war ein im Besitz verbliebener mittelgroßer Holzleiterwagen mit langer Deichsel, mit dem wir Kinder an der Spitze während der Pflanz- und Erntezeiten fast täglich zum Gartengelände zogen.

Das Leiterwagenziehen unter Aufsicht der Erwachsenen wurde für uns Kinder mit der Zeit eine langweilige Pflichtübung. Erheblich größeren Anreiz versprach das Leiterwagenfahren ohne Kontrolle. Dies war natürlich nur möglich, während Opi im Dienst und damit der Leiterwagen ohne Aufsicht war.

Die stark abschüssige Max-Klein-Straße führte am Max-Klein-Park vorbei, der von schmalen Spazierwegen durchzogen war. Hier wollten Rainer und ich dann Kurvenfahren üben. Schnell und heimlich hatten wir den Leiterwagen aus seinem Verschlag geschoben, wobei ich mich vorne plaziert hatte, die Beine fest um die Deichsel als Lenkhilfe geschlungen und mit beiden Händen den Querrahmen umklammernd. Rainer schob uns auf die Straße und hurtig ging es bergab. Rainer sollte den Bremser spielen.

Völlig unterschätzt entwickelte die Schußfahrt des Leiterwagens eine Eigendynamik, gegen die Rainers verzweifelte Bremsversuche wirkungslos verpufften. Ängstlich ließ er den Leiterwagen schließlich los. Nunmehr ungebremst, aber noch unter meinem Lenkungseinfluß, sauste ich die Max-Klein-Straße hinunter. Ein schneller Blick nach hinten bestätigte meine Vermutung, der Bremser hatte losgelassen und mich meinem Schicksal überlassen.

Bevor es den unteren, erheblich steileren Teil der Max-Klein-Straße herunterging, gelang mir ein fahrerisches Meisterstück. Trotz aufkommender Panik konnte ich die Deichsel im letzten Moment noch rechts in den Max-Klein-Park einlenken, durchbrach mehrere Gebüschreihen, bis der Zusammenprall mit einer kräftigen Parkeiche für ein abruptes Ende der unkontrollierten Schußfahrt sorgte.

Die Wagendeichsel zersplitterte in handliche Brennholzteile, die beiden Vorderräder rollten, selbständig geworden, noch einige Meter weiter. Ich selber flog in hohem Bogen haarscharf am Eichenbaum vorbei, touchierte mit hartem Aufprall den Rasenboden und kam nach etlichen unfreiwilligen Überschlägen in einem Parkbusch zum Liegen. Benommen rappelte ich mich wieder auf. Bis auf blutende Schrammwunden und Verstauchungen an Hand und Fußgelenken war ich heil geblieben. Mein Schutzengel hatte Schlimmeres verhindert.

Rainer war inzwischen auch eingetroffen und fragte besorgt: »Hast du dir wehgetan?!« – »Natürlich habe ich mir wehgetan, du Feigling! Alles ist nur passiert, weil du den Wagen losgelassen hast! Du siehst doch wie ich blute!«

Wenige Augenblicke später kam Mami mit wehenden Rockschößen um die Parkecke gerannt. Aufgeschreckte Nachbarn hatten sie wohl mobilisiert. Jetzt flossen reichlich unsere Tränen, und Mamis tröstender Zuspruch schob den Blick auf die eigentliche Schadensbilanz etwas hinaus.

Erst der zweite Blick auf den zertrümmerten Leiterwagen ließ Mami entsetzt innehalten. Sie erkannte sofort, welch folgenschwerer Verlust der Wegfall des Leiterwagens für die Familienversorgung bedeutete. Nicht abzusehen auch die zu erwartende Reaktion des Großvaters.

Zum Glück war dieser noch im Dienst. Wir Kinder wurden nach Reinigung und Versorgung meiner oberflächlichen Verletzungen ins Bett gesteckt und damit zunächst vor Großvaters gefürchteter Reaktion – sprich Strafe – in Sicherheit gebracht.

Natürlich war die Strafe nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben, denn Strafe mußte sein. Den ersten Wutanfall meines durchaus jähzornigen Großvaters konnten Mami und Omi unter Hinweis auf unseren Genesungsschlaf noch abwehren. Aber jeder Schlaf geht auch zu Ende.

Gegen Abend hatte Opi nach Dienstschluß die Reste seines Leiterwagens sichergestellt und eine machbare Reparatur in Eigenleistung beschlossen.

Dann wurde unser Genesungsschlaf beendet, und die Erziehungsstrafpredigt begann. Bruder Rainer kam als der vom älteren Bruder »Verführte« mit milden Ermahnungen davon, was sich später noch bei vielen Gelegenheiten zu seinem Vorteil wiederholte.

Mir selber zeigte Opi erstmals seinen schweren Spazierstock, den er bei sich wiederholender Missetat zur Strafe als Prügelstock auf meinem Hinterteil einzusetzen drohte. Nachhaltig wies er darauf hin, daß auch in der kaiserlichen Rekrutenausbildung vor dem Ersten Weltkrieg die Prügelstrafe eingesetzt wurde.

Dieser Teil der Strafandrohung stieß allerdings

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