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Die Geheimnisse des FBI

Die Geheimnisse des FBI

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Die Geheimnisse des FBI

Länge:
418 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 28, 2012
ISBN:
9783864700729
Format:
Buch

Beschreibung

Welche Geheimnisse ruhen seit Jahrzehnten in den tiefsten Kellern des FBI? Welche Abenteuer, Blamagen und Skandale verbergen sich in den Aktentresoren der mächtigen US-Bundespolizei? Und welche Indiskretionen über Stars und Sternchen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat die legendäre Behörde im Laufe der Jahrzehnte angesammelt? Nun liegen die Antworten auf diese Fragen in Buchform vor. Ihr Autor: Ronald Kessler, einer der profundesten Kenner der Nachrichtendienst- und Secret-Service-Szene der USA. Gestützt auf seine hervorragenden Kontakte in die Welt der Geheimoperationen führt er den Leser ganz weit hinein in "Die Geheimnisse des FBI".
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 28, 2012
ISBN:
9783864700729
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Die Geheimnisse des FBI - Ronald Kessler

FBI-Zentrale.

1

TACOPS

WENN TACOPS-AGENTEN IN PRIVATIMMOBILIEN ODER BÜROS einbrechen, versuchen sie, möglichst keine Hintertüren zu nutzen. Da Hintertüren nur selten genutzt werden, könnten dort Sprengladungen versteckt sein. Als TacOps-Agenten Abhörwanzen in einem Elektronikzubehörunternehmen in Philadelphia installieren mussten, hinter dem sich ein Treff für eine kriminelle Drogenbande verbarg, entschieden sie sich daher, durch die Vordertür zu gehen.

Die Agenten kamen zu dem Schluss, dass die beste Zeit für einen Einbruch zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens sei. Danach würden die Männer von der Müllabfuhr vorbeikommen, und diese könnten die Agenten beim Einbruch sehen. Das einzige Problem war, dass sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Bar mit Sitzplätzen im Freien befand. Die Gäste der Bar würden sehen, wie das FBI-Team an der Vordertür die Schlösser knackte und das Alarmsystem deaktivierte.

Die TacOps-Agenten liehen sich also einen Stadtbus und fuhren damit zu dem Elektronikzubehörunternehmen. Sie parkten den Bus vor der Vordertür und taten so, als hätte der Bus eine Panne. Als der FBI-Agent, der den Bus fuhr, die Motorhaube hob, stürzten die Agenten aus dem Bus, um die Schlösser zu bearbeiten und einzubrechen. Beobachter auf der anderen Straßenseite konnten sie hinter dem Bus nicht sehen.

Sobald die Agenten in dem Zielgebäude waren, fuhr der Bus weg. Als die Agenten mit dem Installieren der elektronischen Wanzen fertig waren, holte der Bus sie wieder ab. Doch der Bus rauschte an zwei betrunkenen Gästen aus der Bar vorbei, die an einer Bushaltestelle in der Nähe warteten. Als der Bus vor dem Geschäft hielt, rannten die beiden wütenden Gäste zum Bus und sprangen hinein. Da viele Agenten aus verschiedenen FBI-Außenstellen kamen, nahm jeder zunächst an, dass die beiden Männer zu dem Einsatz gehörten.

„Wir warten, bis wir ein paar Häuserblocks entfernt sind, und legen dann unsere Ausrüstung ab", sagt FBI-Agent Louis E. Grever, der zwölf Jahre lang zum TacOps-Team gehörte. „Wir tragen alle Waffen und Funkgeräte und die beiden Kerle sitzen da und sagen: ‚Was ist denn hier los?‘ Sie fangen an, zu klingeln. Ding, dong! Sie wollen raus. Ding, dong! Nun war der Busfahrer, der aus der örtlichen Außenstelle kam, kein besonders guter Busfahrer. Ich glaube, er hat etwa 20 Minuten geübt, um den Bus zu fahren. Beim Abbiegen warf er Mülleimer um. Er ruft nach hinten: ‚Hey, hört auf, mit der Klingel rumzuspielen! Ich hab’ schon genug Mühe damit, den Bus zu fahren!‘ Andere Agenten im Bus begriffen allmählich, dass die beiden Männer, die läuteten, weil sie aussteigen wollten, überhaupt nicht zum FBI gehörten. Vor jedem Einsatz treffen sich alle Agenten und nun schien es klar, dass diese beiden unbeabsichtigterweise Hochstapler waren.

„Einer unserer Leute – er hatte zufällig gerade eine Schrotflinte an seinem Schulterriemen hängen – stand auf, sagt Grever. „Er geht also zu ihnen rüber und sagt: ‚Kennen wir euch?‘

Grever fährt fort: „Sie klingeln wirklich die ganze Zeit. Ding dong, ding dong, ding dong! Und wir begreifen, dass diese Leute nicht zu uns gehören. Also rufen wir: ‚Hey, Phil, halt an! Wir haben hier ein paar Fahrgäste!‘"

Der Fahrer wandte sich um, warf einen Blick auf die Fahrgäste und erkannte, dass sie keine Agenten waren. Fluchend hielt er an und machte die Türen auf.

„Sie steigen aus und wir haben nie mehr etwas von ihnen gehört, sagt Grever. „Sie hatten keine Ahnung, was los war. Sie waren nur zufällig in den falschen Bus gestiegen.

Damals im Jahr 1992 hatte Grever, ein Mann mit blauen Augen und extrem kurz geschnittenem rötlichem Haar, von der Tactical Operations Section noch nie gehört. Aber sein Vorgesetzter in der Außenstelle in Jackson, Mississippi, Billups „Bill" Allen, fragte ihn, ob er dort anfangen wolle. Damals war Grever vier Jahre beim FBI gewesen. Er rechnete eigentlich damit, nach New York oder Los Angeles versetzt zu werden.

In Bezug auf die Tätigkeit von TacOps gab Allen sich zugeknöpft. Stattdessen machte er Grever mit Mike McDevitt bekannt, einem früheren Kollegen aus der Marine, der bereits Mitglied des Teams war.

„Wie ist Ihr Familienleben?", fragte McDevitt ihn.

Von der Antwort überrascht antwortete Grever: „Gut."

„Haben Sie Kinder?"

„Ja."

„Macht es Ihnen etwas aus, wenn Sie sie nicht sehen, weil Sie viel unterwegs sind?"

„Nein, sagte Grever, „ich gebe alles für den Einsatz.

„Gut, wir haben bereits den Bericht über Sie, sagte McDevitt. „Wenn Sie willig sind, den Anforderungen gerecht werden und Ihre Mitbewerber aus dem Feld schlagen, haben Sie hier bei TacOps vielleicht eine Zukunft.

Als Grever sich mit dem TacOps-Team auf dem Campus der FBI-Akademie in Quantico, Virginia, traf, erfuhr er, dass das Team streng geheime, gerichtlich genehmigte Einbrüche durchführt, um versteckte Mikrofone und Videokameras zu installieren und um in Computern und Schreibtischen in Häusern, Büros, Autos, Jachten, Flugzeugen und Botschaften zu spionieren. Jedes Jahr führt TacOPs 400 sogenannte verdeckte Einbrüche durch. Davon werden 80 Prozent in Fällen der nationalen Sicherheit mit Bezug zu Terrorismus und Spionageabwehr durchgeführt. Der Rest wird in Kriminalfällen durchgeführt, bei denen es um organisierte Kriminalität, Wirtschaftsverbrechen und Korruption in der Politik geht. Wie sich herausstellte, war Grever auch teilweise deshalb eingestellt worden, weil er während seiner College-Zeit für ein Technikunternehmen im Bereich Zugangskontrolle und elektronische Sicherheit gearbeitet hatte. Als Mitglied des SWAT ⁵-Teams der Außenstelle war er einmal Polizist gewesen. Bevor er durch Allen eingestellt wurde, hatte TacOps ihn gründlich überprüft.

„Vor allem wollten sie herausfinden, ob ich in der Lage wäre, in einem Team zu arbeiten, sagt Grever. „Wenn man einen Großteil seines Lebens mit einer sehr eng verbundenen Truppe wie TacOps verbringt, dann wollen sie sicherstellen, dass man die Herausforderungen bestehen kann. Vielleicht wird man über längere Zeiträume mit ihnen eingeschlossen, zum Beispiel in einem Lagerbehälter oder oben auf einem Aufzug. Man führt ein Doppelleben und darf mit der Familie und den Freunden nicht über die Arbeit reden. Man macht etwas, was man vielleicht am besten als verrückt bezeichnen könnte.

Bei seiner Arbeit als „Einbrecher mit staatlicher Genehmigung", wie er es nennt, gehörte Grever zu einem von sieben Teams, von denen jedes aus etwa zehn Agenten bestand, die im Land herumreisen und gerichtlich genehmigte Einbrüche durchführen. Er leitete oder beaufsichtigte etwa 1.000 verdeckte Einbrüche.

Aufgrund seiner Vorkenntnisse wurde Grever zunächst ein Aufsichtsführender Agent⁶, der sich auf die Deaktivierung von Alarmsystemen konzentrierte. Er stieg zum Chef von Tactical Operations auf, einer FBI-Abteilung mit einem bewusst unklaren Namen. In seiner Kurzbiografie auf der FBI-Website wird die Abteilung nur als „Einsatzteam, das für die technische Unterstützung von nationalen Schwerpunktprogrammen zuständig ist" beschrieben. Im Oktober 2008 wurde Grever vom FBI-Direktor Robert S. Mueller III zum geschäftsführenden stellvertretenden Direktor für die Abteilung Naturwissenschaft und Technologie ernannt.

Damit war er für das FBI-Labor, für Fingerabdrücke und Biometrik sowie für die Abteilung Operative Technologie verantwortlich. Zur Abteilung Operative Technologie mit ihren etwa 1.000 – teilweise auch freien – Mitarbeitern gehören sowohl TacOps als auch die Technische Forschungseinrichtung ⁷ in Quantico. Dort stellt das FBI auf den Einzelfall abgestimmte Abhörgeräte, Aufspürgeräte, Sensoren und Überwachungskameras her, um Kriminelle zu beobachten und ihre Aktivitäten aufzuzeichnen. Ebenso werden Methoden entwickelt, um in Computer einzudringen, Schlösser zu knacken und Überwachungskameras sowie Alarm- und Zugangskontrollsysteme auszuschalten.

Art Cummings traf sich täglich mit dem 50-jährigen Grever, um innovative Methoden zu besprechen, mit denen die Gespräche von schwierigen Zielpersonen abgehört werden konnten, und um seine Prioritäten in Fällen der nationalen Sicherheit darzulegen.

„Bevor er 100.000 Dollar für eine Lösung ausgibt, lasse ich ihn wissen, dass wir eine gerichtliche Anordnung haben, und ich helfe ihm, auf der Grundlage unserer Bedürfnisse Prioritäten zu setzen", sagt Cummings.

Cummings betrachtete TacOps als entscheidend bei der Terrorismusbekämpfung. „TacOps sammelt Informationen gegen Terroristen, solange sie sich noch im Planungsstadium befinden, solange sie sich noch nicht in Acht nehmen, sodass wir sehen können, was wirklich vor sich geht, sagt Cummings. „Zusammen mit anderen Informationsbeschaffungsmethoden, wie dem Aufbau von Informanten, der Prüfung anderer Berichte sowie der physischen Personenüberwachung, ist TacOps ein wesentlicher Bestandteil eines integrierten Informationsbeschaffungsplans, der ein tief greifendes, mehrdimensionales Verständnis der Bedrohung ermöglicht.

Wenn das FBI eine einfache Abhörschaltung für ein Festnetztelefon oder ein Handy braucht oder wenn es eine Abfangeinrichtung für E-Mails benötigt, dann verhandeln Grevers Techniker in der Abteilung Operative Technologie direkt mit dem Provider. Normalerweise kann die Telefongesellschaft in wenigen Minuten eine gerichtlich angeordnete Abhörschaltung einrichten, indem sie die Zieltelefonnummer in ihre Computer eingibt und das Gespräch über eine verschlüsselte Breitbandverbindung an eine beliebige FBI-Außenstelle weiterleitet. Wenn jedoch ein physischer Einbruch erfolgen soll, übernimmt TacOps.

In Interviews mit Grever und anderen Agenten, die aktuell bei TacOps beschäftigt sind oder früher dort beschäftigt waren, enthüllte das FBI zum ersten Mal in seiner Geschichte, wie es verdeckte Einbrüche durchführt, die geheimste und am besten gehütete Methode der Behörde. Selbst für Kongressabgeordnete und Regierungsbeamte mit einer „Top Secret-Sicherheits-Unbedenklichkeitsbescheinigung ist dieser Einsatz tabu. In einigen Fällen kann das FBI Gespräche belauschen, ohne einzubrechen, indem es Parabolmikrofone oder Laserstrahlen nutzt, um Schallwellen von Fenstern abzuhören. Um sich vor solchen Angriffen zu schützen, ist Grevers Büro im siebten Stock der FBI-Zentrale zu einem Innenhof hin gerichtet, sodass niemand von außen seine Gespräche abhören kann. Ein solcher Abhörversuch von außen wird als „Belagerungs-Informationsbeschaffung bezeichnet. Sowohl diese Methode als auch verdeckte Einbrüche zur Installierung von Wanzen und zur Ausspionierung von Computern und schriftlichen Aufzeichnungen werden als „Direktangriffe" bezeichnet.

Das FBI kann auch einen Strohmann anheuern, der an einem Gespräch teilnimmt oder in einem Büro oder Haushalt arbeitet, um dort einen Trojaner einzuschleusen – zum Beispiel ein fast unsichtbares Abhörgerät, das in eine Lampe eingebaut ist, die anstelle der vorhandenen angebracht wird. Mithilfe von Fotos, die durch ein Fenster aufgenommen wurden oder von einem FBI-Agenten, der sich als Kammerjäger, Hygienekontrolleur oder Telefonservicetechniker ausgibt, fertigt TacOPs eine genaue Nachbildung der Lampe in dem ins Visier genommenen Büro oder Haushalt an.

In den meisten Fällen ist jedoch ein verdeckter Einbruch notwendig, der zu den besten Ergebnissen führt. Andererseits bringt dieser aber auch das höchste Risiko mit sich, erwischt zu werden und eventuell von einem Hauseigentümer, Wachmann, Polizisten oder Geheimdienstagenten eines anderen Landes, der den Agenten für einen Einbrecher hält, erschossen zu werden.

Bei der Auswahl der Agenten für TacOps-Teams sucht das FBI Männer und Frauen, die über entsprechende Erfahrungen verfügen und bereits verdeckt ermittelt haben, denn diese Agenten können besonders gut die Fassade aufrechterhalten. Zu den Teams gehören Agenten mit allen ethnischen Hintergründen, damit diese sich in ein bestimmtes Umfeld mischen können. Von den 13.807 Agenten des FBI sind 20 Prozent Frauen. Sie nehmen an der ganzen Palette von TacOps-Aktivitäten teil. Dazu gehören die Durchführung verdeckter Einbrüche, der Dienst in Umkreisüberwachungsteams und die Teilnahme an „schnellen Eingreifteams", die herbeieilen, um eine gefährliche Situation unter Kontrolle zu bringen.

Um Agenten eine glaubwürdige Tarnung zu geben, dürfen Männer und Frauen zusammen unterwegs sein und Händchen halten. Grever sagt jedoch: „Anders als in den James-Bond-Filmen dürfen unsere Agentinnen eine Zielperson jedoch nicht mit Sex manipulieren oder kontrollieren, und sie werden auch nicht dazu aufgefordert. „Ein Flirt und ein Lächeln zum richtigen Zeitpunkt sind absolut in Ordnung, aber nichts Körperliches.

Bei der Durchführung von Überwachungen dürfen Agenten jede Art von Auto benutzen – ein Feuerwehrfahrzeug, einen Rolls-Royce oder ein Postauto. Den Agenten werden ihre Einsätze auf Zufallsbasis zugewiesen. „Man kann ebenso gut dem Robert-Hanssen-Fall wie dem Aldrich-Ames-Fall, dem John-Gotti-Fall, dem Umar-Abdulmutallab-Fall oder dem Zacarias-Moussaoui-Fall zugewiesen werden", sagt Grever.

Im Lauf der Jahre hat das FBI erfolgreich verdeckte Einbrüche in der russischen und chinesischen Botschaft oder in anderen offiziellen diplomatischen Vertretungen dieser Länder sowie in den Privatimmobilien ihrer Diplomaten und Geheimdienstoffiziere durchgeführt. Da es sich offensichtlich um geheime Vorgänge handelt, wollen Grever und andere aktuell beim FBI tätige Agenten über diese Einsätze nicht sprechen. Beim Einbruch in eine Botschaft versucht das FBI vielleicht, einen Insider aufzubauen, der beim Einbruch hilft. Wenn ein Einbruch gelungen ist, sind Codebücher oder elektronische Verschlüsselungscodes die größte Beute.

Agenten in den TacOps-Teams haben sogenannte tiefe Decknamen. Das bedeutet, dass bei einer Kontrolle ihres Führerscheins oder ihrer Sozialversicherungsnummer die entsprechenden Behörden ihre fiktive Identität bestätigen werden.

„Wenn unsere Leute zu Hause bei ihren Familien sind, heißen sie einfach Spezialagent ⁸ John oder Jane Doe, aber sobald sie das Haus verlassen und insbesondere wenn sie im Einsatz sind, wird aus ihnen Jim Brown, Hector Garcia oder Andrea Simmons. Dazu gibt es dann auch alle entsprechenden Dokumente, einschließlich Führerschein, Pass und Kreditkarten, die auf den Decknamen ausgestellt sind, sowie die passenden Geschichten, einschließlich einer falschen Familie, eines falschen Berufs und einer falschen Biografie, wobei all dies voll legendiert wird", sagt Grever.

Bei ihrer Rückkehr nach Hause stellen die verdeckt ermittelnden Agenten sicher, dass ihnen niemand gefolgt ist. Wenn sie wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung von der Polizei angehalten werden, geben sie sich nicht als Agenten zu erkennen.

Das nötige Zubehör für verdeckte Einsätze wird durch ein FBI-Programm zur Verfügung gestellt, das den Codenamen Stagehand trägt. Wenn bei verdeckten Ermittlungen zwei Millionen US-Dollar in bar als Vorauszahlung nötig sind, wird die Summe von Stagehand bereitgestellt. Wenn eine Jacht oder ein Flugzeug als Requisite gebraucht wird, kann Stagehand eines besorgen, das in einem Kriminalfall beschlagnahmt wurde. Stagehand gründet Unternehmen als Deckadressen, damit Agenten Visitenkarten aushändigen können, die zeigen, dass sie dort arbeiten. Die Unternehmen haben echte Büros mit Personal, das tatsächlich für das FBI arbeitet. Stagehand gründet auch Unternehmen als Deckadressen, damit Agenten Zugang zu einem Zielobjekt bekommen.

„An einem Tag sind wir Joe’s Plumbing⁹, komplett ausgestattet mit einem weißen Lkw, Firmenaufschrift, Arbeitskleidung und Telefonnummer, sagt Grever. „Wenn jemand anruft, meldet sich das FBI-Personal und sagt: ‚Joe’s Plumbing, was kann ich für Sie tun?‘ An einem anderen Tag sind wir Joe’s Survey and Excavations Services¹⁰, wobei auf dem gleichen hohen Niveau eine Legendierung erfolgt.

Eine vollständige Garderobe mit etwa 50 verschiedenen Uniformen hängt auf Kleiderständern im TacOPs Support Center. Ein Grafikexperte entwirft maßgeschneiderte Uniformen, gefälschte Ausweise und Abzeichen sowie Folien mit gefälschten Nummernschildern für Lkws. Die Agenten geben sich als Aufzugkontrolleure, Feuerwehrleute oder Angestellte der Stadtwerke aus. Alternativ können sie sich auch als Touristen ausgeben, indem sie kurze Hosen tragen und Schnappschüsse machen. Sie könnten auch als Obdachlose auftreten und lumpige Kleidung tragen. Die Agenten ziehen bevorzugt Kleidung in Übergröße an, damit sie darin ihre Einbruchswerkzeuge verstecken können. Und sie gehen bei Einbrüchen mit gezogener Waffe in das Gebäude.

„Normalerweise üben wir Tarngeschichten im Voraus ein, sagt Grever. „Wenn einer von uns verhört wird und eine Tarngeschichte erzählt und ich im Anschluss daran verhört werde, könnte ich sonst vielleicht eine andere Geschichte erzählen.

Um ethische Probleme zu vermeiden, geben TacOps-Agenten sich nicht als Mitglieder des Klerus oder als Journalisten aus. Sie dürfen sich aber als Telefonservicetechniker oder als FedEx- oder UPS-Boten ausgeben. Allerdings versuchen sie, möglichst nicht als Angestellte eines echten Unternehmens aufzutreten, denn bei kritischer Nachfrage „kann unsere Tarngeschichte schnell zusammenbrechen, wenn jemand seine örtliche FedEx- oder UPS-Niederlassung anruft und fragt, ob wir wirklich dort arbeiten", sagt Grever. Wenn die Identität eines TacOps-Agenten aufgedeckt wird, weil er oder sie vor Gericht über einen Einbruch aussagen muss, dann kann dieser Agent nicht mehr in Teams arbeiten, die verdeckte Einbrüche durchführen.

Die Strategie- und Notfallpläne für jeden Einbruch werden in Einsatzbefehlen dargelegt. Die Agenten müssen die gerichtliche Anordnung, die den Einbruch genehmigt, lesen, damit sie genau wissen, was sie tun dürfen und was nicht.

Ein erfolgreicher Einsatz erfordert eine wochenlange Planung – zur Bestimmung der zeitlichen Abläufe und Gewohnheiten der Bewohner, zur Prüfung der Alarme und Überwachungssysteme, die ausgeschaltet werden müssen, sowie zur Planung von Fluchtstrategien.

Die Agenten von TacOps und von den örtlichen Außenstellen sind in vier Gruppen unterteilt: erstens eine Überwachungsgruppe, die den Ort gründlich ausspäht und prüft; zweitens eine Technikgruppe, die Schlösser und Safes knackt und Post öffnet; drittens eine Elektronikgruppe, die sich auf Computer und Blackberrys konzentriert; viertens eine „Flaps and Seals"-Gruppe, die sich auf spezielle Methoden konzentriert, die die Bewohner verwenden könnten, um Eindringlinge zu entdecken. Diese Gruppe ist auch für die Wiederherstellung des Zielobjekts zuständig, indem sie sicherstellt, dass das Team keine Spuren hinterlässt, die auf die Anwesenheit von Agenten hindeuten. An einem Einsatz können über 100 Agenten beteiligt sein.

„Wir schicken Agenten hin und sie beobachten tagelang das Zielobjekt sowie den Lebensrhythmus der Bewohner, bei Tag und Nacht, an Wochenenden und Werktagen, sagt Grever. „Wir interessieren uns für die Schlafgewohnheiten der Leute und dafür, wann sie sich in der Tiefschlafphase befinden, sodass ein lautes Geräusch sie nicht unbedingt aufweckt. Wir verfolgen alles, weil – das ist jetzt nicht melodramatisch ausgedrückt – unser Leben davon abhängt.

Manchmal setzt das FBI fingierte Preise aus, um die Bewohner zum Verlassen des Zielobjektes zu bringen.

„Wir geben den Leuten die Gelegenheit, zu reisen und exotische Dinge zu tun, sagt Grever. „‚Sie haben im Lotto gewonnen! Sie haben eine Reise, ein Gratis-Abendessen gewonnen! Glückwunsch, wir haben Ihre Visitenkarte aus einem Behälter gezogen!‘ Natürlich war das kein Glück. Das waren wir mit unserem Versuch, eine Gelegenheit zu bieten.

Um Geräusche zu verdecken oder die Aufmerksamkeit von Beobachtern abzulenken, kann das FBI auch mit Müllautos durch die Straßen fahren und Krach mit den Mülleimern machen. Es kann auch einen Holzhäcksler anschalten oder mit einem Presslufthammer auf ein Stück Beton losgehen, das an den jeweiligen Ort geliefert und auf der Straße abgeladen wurde. Es kann Hochdruckwasserdüsen zur Reinigung der Bürgersteige verwenden und so die Passanten in die Flucht schlagen. Die Agenten können die örtliche Polizei hinzuziehen, die ihre Streifenwagen mit Blinklicht in der Nähe parken. Wenn die Passanten ein Polizeiauto sehen, werden sie annehmen, dass die Person, die eine Leiter erklimmt, um in eine Wohnung oder in ein Büro einzubrechen, kein Einbrecher sein kann.

Die Agenten können auch aus der Ferne das Bild auf Video-überwachungsanlagen einfrieren, sodass Wachleute, die nach Eindringlingen Ausschau halten, diese nicht sehen. Während des Einsatzes tut mindestens einer der Agenten nichts anderes, als die Fenster und Türen zu beobachten, um sicherzustellen, dass niemand kommt. Den Zeitraum, während dessen sie sich innerhalb einer Überwachungsanlage befinden oder Schlosssysteme knacken, bezeichnen die TacOps-Agenten als die „Expositionszeit".

Zwar sind Wachleute ein Problem, aber „am meisten fürchten wir uns offen gesagt vor unschuldigen Dritten wie einem Nachbarn mit einem Schlüssel zu dem Anwesen und einer Waffe", sagt Grever. Vielleicht ist ein Verdächtiger übers Wochenende verreist und lässt seinen Schlüssel bei einem Nachbarn.

„Der Nachbar ist vielleicht neugierig und sitzt untätig herum, sagt Grever. „Wenn er etwas Ungewöhnliches hört, versucht er, das Eigentum des Nachbarn mit einer Waffe zu verteidigen, anstatt dass er die Polizei ruft. Das ist dann der Moment, wenn die Tennisschuhe, mit denen man schnell weglaufen kann, sehr praktisch sind.

Wenn der Nachbar die Polizei ruft, ist das nicht unbedingt schlecht: Das FBI fragt die Entsendung von Polizisten ab und fordert normalerweise die Hilfe von örtlichen Polizisten an, die gemeinsamen Einsatzgruppen zugewiesen sind. Dann taucht nicht das entsendete Polizeiauto auf, sondern ein mit dem FBI verbundener Polizist erscheint auf der Bühne und gibt vor, eine Anzeige aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Agenten längst fort.

Als Sicherheitsvorkehrung bringen die Agenten Geräte mit, mit denen man unter Türen hindurchsehen kann. Sie prüfen, ob irgendwo Sprengstoff ist und ob radioaktive oder biologische Gefahren bestehen. In einigen Fällen soll mithilfe des Einbruchs festgestellt werden, ob Verdächtige Bomben bauen oder Massenvernichtungswaffen entwickeln, wie es während der Ermittlungen im Fall der mit Milzbranderregern verseuchten Postsendungen der Fall war.

Drogendealer deponieren in ihren Gebäuden versteckte Sprengsätze, um Konkurrenten und Diebe abzuwehren. Sie manipulieren zum Beispiel eine Glühbirne, sodass diese beim Einschalten explodiert und Benzin oder Dynamit entzündet.

Anstatt bei Nacht in ein Bürogebäude oder eine staatliche Einrichtung einzubrechen, können die Agenten auch ein sogenanntes „Einsperren" inszenieren. Sie verstecken sich im Inneren des Bürogebäudes, bis die Angestellten es am Abend verlassen haben, und brechen dann in das anvisierte Büro ein. Dabei verstecken sie sich vielleicht in einer Abstellkammer neben dem Telefonverteilerkasten oder oben auf einem Aufzug. In einem solchen Fall, bei dem es um Terrorismus ging, fuhren TacOps-Agenten stundenlang auf einem Aufzug auf und ab.

„Das Gebäude wurde schließlich für die Nacht abgeschlossen, erinnert sich Grever. „Überwachungsteams im Freien und in benachbarten Hochhäusern, wo wir Räume angemietet hatten, konnten das Gebäude beobachten und die Bewegungen des Sicherheitspersonals melden. Als der richtige Zeitpunkt gekommen war, holten wir unseren Aufzug auf das Stockwerk, das genau unter unserem Ziel lag. Dabei verwendeten wir Regler, die wir aus der Ferne bedienen konnten, indem wir sie an die Steuerschaltungen des Aufzugs anschlossen. Wir verwendeten unsere eigenen Aufzugsteuertasten, öffneten die Türen von innen und machten uns unentdeckt in unseren anvisierten Büros an die Arbeit.

Nach getaner Arbeit positionierten die Agenten sich wieder oben auf dem Aufzug und warteten darauf, dass das Gebäude am Morgen geöffnet wurde.

„Nachdem wir wieder unsere Businesskleidung angezogen hatten, gingen wir mit den anderen Leuten hinaus, die das Gebäude an diesem Morgen besuchten", sagt Grever.

In einigen Fällen werden Agenten in einem verschlossenen Versandkarton zu einem Gelände befördert. Mitten in der Nacht kommen sie wie Soldaten aus einem trojanischen Pferd heraus und brechen in das Zielobjekt ein. So wird zum Zweck des Einbruchs in ein Haus zum Beispiel ein Agent in einem verschlossenen Kühlschrankkarton vor die Eingangstür befördert. Dort schützt der Karton ihn vor den Blicken der Passanten, während er an den Schlössern arbeitet. „Normalerweise bauen wir Transportbehälter, die nicht einmal die misstrauischsten Fracht- oder Hafenarbeiter ohne viel Mühe und hohen Zeitaufwand öffnen könnten, sagt Grever. „Selbst wenn sie versuchen würden, unseren Transportbehälter zu öffnen, würde unsere Eingreiftruppe – herbeieilende uniformierte FBI-Agenten – rechtzeitig da sein, um eine Konfrontation zu verhindern.

Um sicherzustellen, dass die Agenten nicht erwischt werden, sorgt TacOps dafür, dass Agenten von Außenstellen oder spezielle Überwachungsteams – man nennt sie „Keyholder – den Bewohnern von Häusern oder Personen aus Büros folgen. Sie werden beobachtet, um zu sehen, ob sie nicht zurückkehren. Falls dies der Fall ist, teilen die Agenten, die ihnen folgen, per Funk mit, dass sie zurückkommen, und schätzen, wie lange es dauert, bis sie vor Ort sind. Die Agenten, die in dem Anwesen tätig sind, kennen ihre eigene „Abbauzeit, das heißt, wie lange sie brauchen, um ihre Ausrüstung zusammenzupacken und spurlos zu verschwinden.

„Wenn die Abbauzeit fünfzehn Minuten beträgt und die Zielperson fünf Minuten entfernt ist, dann haben wir einen Plan, wie wir sie aufhalten können, sagt Grever. „Da wir uns in unserem eigenen Terrain befinden, können wir die Polizei, die Feuerwehr, Beamte mit Zuständigkeit für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit, das Amt für Stadtreinigung oder die US-amerikanische Post einschalten.

Vielleicht gebe es einen „plötzlichen Verkehrsstau, sagt Grever. Oder es könnte einen „Unfall direkt vor ihnen geben, oder die Polizei könnte sie anhalten. Es könnte eine kleine örtliche Naturkatastrophe geben – ein Feuerwehrhydrant wird angeschaltet und überflutet die Straße, und dann müssen sie den Rückzug antreten. Eine weitere Strategie besteht darin, die Luft aus Reifen herauszulassen.

Während eines Einbruchs hat ein Agent die Aufgabe sicherzustellen, dass anschließend wieder der Normalzustand hergestellt wird. Zu Beginn des Einsatzes fotografiert er die Räume, sodass alles wieder an seinen Platz zurückgestellt werden kann. Wenn ein Stuhl oder Sofa weggerückt werden soll, befestigen die Agenten zunächst Klebeband auf dem Boden, um die Position der Beine zu markieren.

„Ausgebildete Auslandsgeheimdienstoffiziere stellen Fallen, die sie vor einem Einbruch warnen, indem sie eine Tür in einem bestimmten Winkel offen stehen lassen oder Zeitungen auf eine bestimmte Weise anordnen", bemerkt Grever. Manchmal wird eine bestimmte Schublade an einem Schreibtisch nie geöffnet, aber im Inneren wird ein Gegenstand aufgestellt, der beim Öffnen der Schublade durch einen Eindringling umfällt und so einen Hinweis auf den Einbruch gibt. Das FBI arbeitet mit der CIA zusammen und befragt Überläufer, um etwas über die speziellen Methoden zu lernen, die die Gegner zur Aufdeckung von FBI-Einbrüchen verwenden. Alle 14 Tage trifft Grever sich mit seinen Kollegen von der CIA, um Erfahrungen mit den neuesten Abhör-und Überwachungsgeräten auszutauschen.

Damit nichts zurückbleibt, wird jedes bei einem Einsatz verwendete Werkzeug nummeriert und markiert, um es dem jeweiligen Agenten zuzuordnen, der es verwendet. Bevor die Agenten gehen, machen sie eine Bestandsaufnahme, um sicherzustellen, dass sie alle ihre Werkzeuge haben. Die Agenten nehmen einen kleinen Rechen, um Spuren zu beseitigen, die ihre Schuhe auf Teppichen hinterlassen haben könnten.

„Wir verwenden eine Speziallampe, um zu sehen, ob Staubspuren verwischt wurden oder nicht, sagt Grever. „Wir haben auch einen Staubvorrat dabei. So können wir etwas zusätzlichen Staub streuen, wenn das nötig ist, um alles so aussehen zu lassen, wie es war.

2

OMERTÀ

FÜR TACOPS-AGENTEN, DIE IN PRIVATIMMOBILIEN, BÜROS UND Botschaften einbrechen, stellen Hunde die größte Gefahr dar. Dabei kann es sich entweder um Wachhunde oder Haustiere handeln. Beide bedeuten Ärger.

„Wenn ein Hund bellt, ist das ein ebenso großes Problem, wie wenn ein Alarm angeht, sagt Louis Grever. „Es gibt verschiedene Methoden, mit Tieren umzugehen, aber die wichtigste besteht darin, ihnen aus dem Weg zu gehen, soweit dies möglich ist.

Unter Umständen freunden die Agenten sich über den Zeitraum einiger Wochen mit den Hunden an, indem sie diese füttern. Während eines Einsatzes können sie die Hunde in schalldichte Käfige sperren, die mit Futter und Wasser ausgestattet sind. Oder sie sedieren die Hunde mit einem Sedierungspfeil aus einer Betäubungswaffe. Wenn der Einsatz beendet ist, geben sie ihnen eine Aufwachspritze. Die jeweilige Dosis wird im Voraus von einem Vertragstierarzt festgelegt.

„Wir stellen dem Tierarzt Bilder und eine Beschreibung des betreffenden Hundes zur Verfügung, sagt Grever. „Unter Berücksichtigung von dessen Größe und Alter teilt der Arzt uns mit, welches Mittelchen wir für ihn mischen müssen. Wir haben einen Koffer mit allen Narkotika und Sedativa dabei. Es geht absolut nicht darum, den Hund zu töten, denn damit würden wir riskieren, entdeckt zu werden.

Auf einen besonders aggressiven Hund können die

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