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Mit Jungs unterwegs auf dem Weg zu einer starken Persönlichkeit: Ein Praxisbuch für die Arbeit mit Jungen zwischen 13 und 17 Jahren

Mit Jungs unterwegs auf dem Weg zu einer starken Persönlichkeit: Ein Praxisbuch für die Arbeit mit Jungen zwischen 13 und 17 Jahren

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Mit Jungs unterwegs auf dem Weg zu einer starken Persönlichkeit: Ein Praxisbuch für die Arbeit mit Jungen zwischen 13 und 17 Jahren

Länge:
506 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
19. Nov. 2014
ISBN:
9783866871250
Format:
Buch

Beschreibung

Wie lernen Jungs? Wie fühlen Jungs? Was brauchen Jungs? Und was macht erfolgreiche Jungenarbeit aus?

Dieses Praxisbuch vermittelt entwicklungspsychologische Basics und pädagogische Konzepte, bietet aber auch viele Praxisbausteine, Tipps und Anregungen. Es geht um gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Wurzeln der Jungenarbeit, Verkündigung, Identität, Erlebnispädagogik, Aggression, Gewalt, Selbstverleztung und gesellschaftliches Engagement. Der große Praxisteil stellt erprobte Projekte und Entwürfe wie Explorer, Radfreizeit oder Actioncamp vor.

Ein Buch aus der Praxis für die Praxis, für alle, die mit Jungs auf dem Weg sind oder mit ihnen auf den Weg machen wollen.
Herausgeber:
Freigegeben:
19. Nov. 2014
ISBN:
9783866871250
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Mit Jungs unterwegs auf dem Weg zu einer starken Persönlichkeit - buchmusik

ejw

Thomas Volz

1. Innovation aus Tradition

Die Geschichte der Jungenschaft in Württemberg

Die Jungenschaft in Württemberg gibt es seit August 1946. Sie entsteht allerdings nicht aus dem Nichts. Mit der beginnenden Industrialisierung Anfang des 19. Jahrhunderts verändert sich die Lebensgrundlage vieler Menschen. Als Gegenpol zur Ausbeutung und Geringschätzung der Einzelnen entstehen Vereine und Kreise, die sich unter Gottes Wort zusammenschließen. Es beginnt die Arbeit der CVJM, die in Deutschland oftmals aus Jünglingsvereinen hervorgeht. 1855 startet die weltweite CVJM-Arbeit, die ihre Grundlage in der Pariser Basis formuliert:

Die Christlichen Vereine Junger Männer haben den Zweck, solche Männer miteinander zu verbinden, welche Jesus Christus nach der heiligen Schrift als ihren Gott und Heiland anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jünger sein, und gemeinsam danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters unter jungen Männern auszubreiten.«

In Württemberg beginnt die Entwicklung bereits gut 50 Jahre früher. Bereits 1805 wird der erste Jungmännerkreis Württembergs in Stuttgart gegründet. 1844 organisiert man die kirchliche Jugendarbeit in so genannten Jünglingsvereinen.

Der erste Weltkrieg verändert auch die Jugendarbeit. Die Mitgliedszahlen der Jugendbünde nehmen zu, die der Jünglingsvereine dagegen ab. 1921 nimmt Erich Stange als neuer Reichswart die Arbeit auf und das Jungmännerwerk verändert sich sichtbar: Evangelistische Straßenkundgebungen, Turn- und Sportwettkämpfe, große Pfadfinderlager, Wimpel und Kleidung künden von einem neuen Anfang. Zur damaligen Zeit wird erstmals öffentlich von einer Aufteilung der Jugendarbeit in Altersstufen gesprochen. Sorgen bereitet, dass zwar eine hoffnungsvolle Jungschararbeit mit den 9- bis 14-Jährigen existiert, aber die Jungen für die daran anschließende Jugendabteilung offensichtlich nicht zu begeistern sind. Mitte der zwanziger Jahre lassen sie sich von Jugendorganisationen begeistern, die sich „vaterländisch" orientiert geben, mit Nachtmärschen, Geländespielen und vor allem Uniformen. Die Kirchliche Jugendarbeit orientiert sich an diesen Formen und nimmt 1925 die Jungvolkarbeit auf. Nachdem der Begriff Jungvolk bereits als fester Begriff etabliert ist, bedient sich hier der Nationalsozialismus und führt den Begriff unter neuer Flagge weiter. Kirchliche Jugendarbeit ist in dieser Zeit nur unter äußerst erschwerten Bedingungen überhaupt möglich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Damals nutzen viele Jugendliche mangels anderer Gelegenheiten kirchliche Räume zu ihren Treffs. Viele der ehemaligen Leiter sind im Krieg gefallen, sitzen in Gefangenschaft oder gelten als verschollen, so dass diese Treffs noch wenig organisiert sind.

Heiner Völker (geboren am 22.10.1907) war vor 1933 einer dieser Jungvolkführer. Er organisiert 1946 die großen Lager mit rund 1000 Jungen auf der Nordalb, die nur mit Unterstützung der Amerikaner gelingen konnten. Hier entstand auch der Name Jungenschaft. Auf diesen Lagern stellt Heiner Völker gemeinsam mit Arnold Dannemann, den er auf der Sekretärsschule in Kassel kennen lernt grundsätzliche Überlegungen an, um die Jungen und ihre Situation ganz konkret in den Blick zu nehmen: zur damaligen Zeit sind die Straßen voll von jungen Menschen, die auf der Suche sind, nach ihren Familien, aber auch nach echter Gemeinschaft. Die leitenden Überlegungen fasst Heiner Völker später, als alles in etwas geordneteren Bahnen verläuft, in der Schrift „Die neue Straße" zusammen. Daraus ist folgender Anstoß entnommen:

Wir brauchen für unsere Jungenarbeit, wie einst die Väter, eine feste, fordernde, verpflichtende Form, nicht zuletzt um des Jungen willen, der sie verlangt. […] Die Jungenschaft ist insofern eine neue Sache, als sie sich auf den Jungen von heute einstellt und zwar auf den Durchschnittsjungen, indem sie versucht, ihn durch ihr Wollen anzusprechen und mit dem Arbeitsprogramm „Mehr können – wissen – erleben" zuletzt zeitnah aktuell sein. […] Jungenschaft bedeutet nicht Festlegung auf ewige Zeiten, denn schließlich heißt zeitnah-und-aktuell-seinwollen auch aufgeschlossen bleiben für die künftigen Dinge. […] Kein Jungenführer sollte übersehen, dass es vor allem vier Dinge sind, die der Junge dieser Altersstufe sucht. Wir können und dürfen an diesen Gegebenheiten nicht vorbeisehen und -handeln: Ein Junge sucht nach Verstehen, hungert nach Liebe, braucht Gemeinschaft mit Gleichaltrigen und sucht zuletzt das Erleben. […] Jungenschaft ist nur ein Teil von dem, was ein Jungmännerleben und ein Mannesleben ausmacht. Darum ist sie nur Durchgangsstadium zum jungen Manne und zum Manne hin.«

Soweit die Schrift aus den 1950er Jahren. Vom Vokabular erkennbar aus vergangenen Tagen, vom Inhalt überraschend aktuell. Dass sich dieser Ansatz tatsächlich mehr als ein halbes Jahrhundert weiterverfolgen lässt macht deutlich, was der Anspruch der Jungenarbeit war und ist: Die Innovation als Tradition.

Zentrales Anliegen war und ist der junge Mensch als ganze Person und die Frage, wie man zu seiner Gedanken- und Gefühlswelt Zugang bekommen kann. Denn nur wer hier Zugang findet, trifft auf offene Ohren und ein offenes Herz für die Botschaft des Evangeliums.

Von diesem Weg sollen nun einige Themen stichwortartig aufgeführt werden, um zu zeigen, wie sich dies praktisch äußerte:

Sichtbare Zeichen der Jungenschaft: Das Fahrtenhemd und die Jungenschaftsschnur.

Einheitliche Kleidung ist „in zur damaligen Zeit, darum gibt es auch Bedenken bei den Pfadfindern, die das graue Hemd und das Halstuch als ihr Markenzeichen reklamieren und bemängeln, dass die Jungenschaft in der Öffentlichkeit nicht von den Pfadfindern unterscheidbar ist. So legt Heiner Völker fest, dass als einheitliche Kluft der Jungenschaft das grüne Fahrtenhemd zu wählen ist. Es bleibt den Gruppen trotzdem freigestellt, ob sie das Fahrtenhemd tragen. Keine Uniform, verpflichtend zu tragen, sondern Identifikation soll das Hemd sein. 1952 setzt er mit der Jungenschaftsschnur ein Gegengewicht zu den Halstüchern der Pfadfinder. Die Jungenschaftsschnur ist ein drei Meter langer Strick mit einem Schnapphaken am einen und einem Verkürzungsholz am anderen Ende. Ein ungemein nützliches Utensil, das zur damaligen Zeit als Zier um den Hals getragen wird. Auf den Hemden war genügend Platz für Aufnäher, mit denen Heiner Völker allerdings mehr verbunden wissen wollte, als bloßes Zeichen der Mitgliedschaft und so entsteht der „Zeichenträger. Nur die Jugendlichen bekommen das Webabzeichen, die sich im persönlichen Gespräch zu den Zielen der Jungenschaft, der so genannten „Lebensordnung" verpflichten. Denn das Zeichen sollte mehr Verpflichtung als Auszeichnung darstellen.

Anfang der 1970er Jahre kommt das Fahrtenhemd etwas außer Mode und so wird das „Trägermaterial" für die Webabzeichen etwas rar. Daraufhin wird das Übergabeverfahren so abgeändert, dass zum Webabzeichen auch noch die Anstecknadel ausgehändigt wird. Dem allgemeinen Trend folgend werden in dieser Zeit Aufkleber produziert und der Versuch unternommen, einen Jungenschaftspullover zu etablieren, was nur wenige Jahre gelingt, dafür aber in ordentlichen Stückzahlen.

Die Lebensordnung

Bereits „Die neue Straße enthält den Gedanken, dass zu äußeren Merkmalen einer Jungenschaft die innere Ordnung hinzukommen muss und stellt deshalb eine „Lebensordnung vor, die kurz und prägnant zusammenfasst, was das besondere der Jungenschaft ist. Diese erste Lebensordnung, die bis in die 1970er Jahre in dieser Form Gültigkeit hatte, lautet:

Als Junge, der den Ruf Christi gehört hat, will ich lernen zu leben in Wahrhaftigkeit, in Reinheit, in Treue, in Zucht und Ordnung. Hilfe zu solchem Leben soll mir sein: das Hören auf Gottes Wort in der persönlichen Morgenwache, beim Bibelabend der Jungenschaft und in der Gemeinde, die Einordnung in die Lebensgemeinschaft der Jungenschaft durch treuen Besuch der Veranstaltungen, durch Mitarbeit und Opfer an Zeit und Geld.«

Die Sprache der Jugendlichen ändert sich allerdings im Laufe der Jahre, so dass 1971 nach intensiver Vorarbeit die neue Lebensordnung publiziert wird. Sie lautet:

Jesus Christus ist der Herr. Er will auch für mich da sein. Er will mich wie seinen besten Freund behandeln. Immer und überall kann ich mit ihm rechnen. Darüber bin ich froh. Er lässt sich von mir anreden. Darum suche ich Verbindung mit ihm im Gebet. Er sagt mir worauf es ankommt. Darum lese ich regelmäßig in der Bibel. Er gibt meinem Leben ein großes Ziel. Darum werde ich nach Kräften mitarbeiten, dass Gottes Name geheiligt werde, sein Wille geschehe und sein Reich komme. Er bietet mir Gemeinschaft mit anderen. Darum sind mir solche die entscheidende Hilfe, die das gleiche Ziel haben.«

Von 1984 bis 1987 wird gemeinsam mit den Fachausschüssen Mädchen und Koedukation an einem gemeinsamen Papier gearbeitet. Schließlich erscheinen Ende 1987 die „Leitsätze junger Christen", hier im Original-Wortlaut:

Ich habe die Gute Nachricht von Jesus Christus gehört: Er führt mich auf einem guten Weg. Er ist geduldig und gnädig, auch wenn ich versage. Er ist bei mir, wenn ich mich fürchte und nicht mehr kann. Durch ihn bekommt mein Planen, Arbeiten und Lieben einen Sinn. Ich möchte dem Herrn Jesus Christus vertrauen und nach seinem Willen leben: Er leitet mich durch sein Wort. Darum lese ich regelmäßig in der Bibel. Er hört mich, wenn ich danke, bitte, frage und klage. Darum beginne und schließe ich den Tag mit Beten. Er stellt mich in die Gemeinschaft mit anderen Christen. Darum gehe ich in die Jugendgruppe, zum Gottesdienst und will mich in der Gemeinde einsetzen, so gut ich kann. Er bringt der Welt Frieden und Gerechtigkeit. Darum will ich für ein gerechtes und friedfertiges Miteinander eintreten.«

Der Jungenschafts-Ausweis

Mit diesem wird die Zugehörigkeit zur Jungenschaft weiter gestärkt und außerdem eine pfiffige Methode gefunden, die „Lebensordnung auf einem Schriftstück zu verankern, das der Jungenschaftler bei sich trägt. Das Pendant für die Gruppenleiter ist ebenfalls eine Zeit in Umlauf unter dem Namen „Jungführer-Pass. Weil aber hier der Umsatz hinter den Erwartungen zurückbleibt, werden neue Wege gesucht und das „Leiter-Testament" erfunden. Hier wurden kleine neue Testamente im Westentaschenformat mit wenigen Sonderseiten hergestellt. Auf diesen Sonderseiten ist die Jungenschaftsordnung abgedruckt, auf der Seite daneben ist zu lesen:

Als Kraft und Hilfe für deinen Dienst in der Jungenschaft, denn Christus spricht: „Ohne mich könnt ihr nichts tun"«

Des Weiteren ist Platz für die persönlichen Daten des Mitarbeiters, den Vermerk „eingesetzt am … als …, die Unterschriften des Vorstands/Leiters des örtlichen Werkes und des „Obmannes der Jungenschaft in Württemberg.

Die Jungenschafts-Fahne

Nachdem die alte Jungenschafts-Fahne des Jungmännerwerks nach der Fusion mit dem Mädchenwerk zum Evangelischen Jugendwerk nicht mehr verwendet werden konnte und mehrere Jahre aus diesem Grund „nur" die offiziellen kirchlichen Fahnen zum Einsatz kommen, entscheidet man sich Ende der 1980er Jahre zum Entwurf einer eigenen Jungenschafts-Fahne, die bis heute im Einsatz ist.

Die Jungenschafts-Postkarte

Im Mai 1987 beschäftigt sich der Fachausschuss erstmals mit der Idee, Jungenschafts-Postkarten zu drucken, damit die Mitarbeiter ihren Teilnehmern als persönliches Geschenk oder besonderen Gruß etwas Spezielles überreichen können. Das Motiv jener Postkarten wird aus mehreren Einsendungen ausgewählt. Gedruckt wird schließlich eine Gruppe im Wald, bei der das Sonnenlicht von rechts auf den Weg einfällt. Viele Jahre später gibt es noch einmal eine Neuauflage mit verändertem Motiv.

Der Steigbügel

Im März 1946 erscheint das erste Heft mit Programm-Vorschlägen für Jungenschaften unter dem Titel „Der Steigbügel quasi als Probe-Nummer. Im Mai 1946 folgt die Ausgabe Nr. 1. Bis zur Nummer 5 im Juli 1951 erscheint das Heft unregelmäßig, danach wird es bis zur Nummer 291 im Januar 1999 alle zwei Monate ausgeliefert, seither alle drei Monate, dafür mit entsprechend mehr Seiten. Der Redaktionskreis bezeichnet die Zeitschrift gern als „Ideenschleuder in grün, denn Markenzeichen sind die grünen Innenseiten des Hefts und der Innovationsgehalt der Artikel. Mit ganz wenigen Ausnahmen sind die Artikel ohne viel weitere Arbeit der Gruppenleiter direkt in der Praxis einsetzbar und die meisten Vorschläge sind relativ zeitlos, so dass es sich auf jeden Fall lohnt, die alten Hefte zu archivieren oder gar nachträglich zu erwerben, um einen großen Fundus an Vorschlägen für den Gruppenabend, das Wochenend-Programm oder die Freizeit vorrätig zu haben. Um mit der Zeit zu gehen, wird der Steigbügel rückwirkend bis zur Nummer 250 (im Jahre 1992 erschienen) digitalisiert und auf CD-Rom angeboten. Den Nutzern wird damit auch eine komfortable Such-Funktion angeboten.

Mit dem Wechsel der Schriftleitung von Helmut Häußler zu Alma Ulmer entwickelt sich der Steigbügel von der Arbeitshilfe der Jungenarbeit zur Arbeitshilfe für Gruppenarbeit im Bereich der 13- bis 17-Jährigen.

Das Fahrtenliederbuch

Das Singen unterliegt in all den Jahrzehnten noch mehr als alles andere dem Wandel. Nach dem Krieg ist die Gitarre als Begleitinstrument noch äußerst selten, setzt sich dann aber mehr und mehr durch. Marschmusik und Heldenlieder sind verpönt und so ist ganz praktisch die Frage zu klären, was überhaupt gesungen werden soll. Man greift mit den bündischen Liedern eine Musikrichtung wieder auf und entwickelt diese mit eigenen Liedern weiter.

Als Gesangbuch etabliert sich „Unser kleines Liederbuch. 1954 erscheint der zweite Teil mit dem Titel „Unsere Fahrtenlieder. 1960 gibt es dann die Möglichkeit beide Liederbücher in einem Gesamtband zu erwerben. 1972 fällt im Fachausschuss der Startschuss zum Unterausschuss „Liederbuch", mit dem Ziel eine vollständig überarbeitete Version des Fahrtenliederbuches auf den Markt zu bringen. Die Vorarbeiten sind im September 1973 abgeschlossen und trotzdem verzögert sich die Auslieferung bis ins Frühjahr 1976. Dieses Buch findet reißenden Absatz und wurde in insgesamt fünf Auflagen gedruckt. Doch 1984 muss festgestellt werden, dass eine Anpassung notwendig wird. Alte Titel sollen entfallen und neue, die landauf landab gesungen werden, müssen aufgenommen werden.

Im Frühjahr 1986 ist das neue Werk auf dem Markt. Auch hier wird schnell eine weitere Auflage fällig. Doch durch Erscheinen vieler weiterer Liederbücher und noch viel schnellere Veränderung der Singgewohnheiten sinken die Verkaufszahlen beständig. Eine nochmalige Überarbeitung wird noch ein paar Mal diskutiert aber nicht in Angriff genommen.

Freizeiten/Dobelmühle

Da die Jungenschaft quasi auf einem Lager ins Leben gerufen wurde, gehört die Freizeitarbeit fest zum Programm. Bis in die 1960er Jahre wird die Sommerfreizeit häufig in Naturns/Südtirol durchgeführt, denn ein eigener Lagerplatz steht zu dieser Zeit nicht zur Verfügung. Dann folgen ein paar Jahre auf den „legendären Cevennenlagern bei Chambonin in Südfrankreich. Parallel dazu gibt es auch „Heimatlager z. B. in Beuron. Im Winter dagegen ist man lange Zeit zu Gast in Unterjoch. Mitte der 1970er Jahre muss festgestellt werden, dass durch die weite Entfernung und damit die hohen Kosten die Sommerlager vermehrt von Einzelpersonen genutzt werden und die Gruppen zurückgehen. Daraufhin versucht man einen geeigneten Zeltplatz zu finden, der näher liegt. 1977 wird ein geeignetes Gelände gefunden, die Herzogsägmühle in Oberbayern. Zwei Jahre wird geplant, dann kommt 1979 das Aus für dieses Projekt, ehe dort das erste Lager stattgefunden hat. Nachdem sechs weitere Objekte teilweise schon verhandelt wurden, taucht 1980 das neue Traumgelände auf, die Dobelmühle in Aulendorf, die im Oktober dann auch erworben werden kann. Mit viel finanziellem und noch mehr persönlichem Einsatz bei Bauwochen und -aktionen wird gewerkelt, ehe 1982 die erste Freizeit auf dem neuen eigenen Gelände startet. Bereits in der Anfangsphase macht man sich Gedanken um die Auslastung außerhalb der Sommerferien. Die Überlegungen reichen von „Bibelschule bis „Baustelle Leben. Schließlich startet im November 1990 die „Lebensschule, die aber nach relativ kurzem Bestand feststellen muss, dass Freizeitbetrieb und „Lebensschule zu stark kollidieren, und man deshalb für die „Lebensschule" ein neues Zuhause suchen muss, was gelingt. Nach einigen weiteren Anläufen, die Auslastung zu steigern, sieht man sich schließlich – auch aufgrund zurückgehender Teilnehmerzahlen auf den Freizeiten – gezwungen, sich von der Dobelmühle zu trennen, und so geht sie im Oktober 2002 in ein neues Betreiber-Modell über, wird aber vom ejw weiterhin umfangreich genutzt.

Indiaca

1955 wird das Indiaca-Spiel bei der Jungenschaft eingeführt, denn in den Bergen erweist sich dieses Sportgerät ausgesprochen überlegen gegenüber Ballspielen. Von dort erobert das kleine weiße Ledersäckchen mit den 3 roten Federn die Szene. Es kommt zu Württembergischen und Deutschen Meisterschaften, sowie einigen Regeländerungen, bevor 1992 das Eichenkreuz die Betreuung dieser Sportart übernimmt, nachdem nicht mehr nur Jungenschaften in diesem Bereich aktiv sind.

Kilometerstein

1965 treffen sich Karl-Heinz Tretel (JU-Obmann vom CVJM-Westbund), Christian Schobert (Bundeswart der Pfalz) und Adolph Luckan (Landesjugendwart vom ejw) und starten ein gemeinsames Projekt, dass mehr als 30 Jahre durchgeführt wird: Den Kilometerstein. Dabei handelt es sich um einen Wanderwettbewerb. Die Organisatoren suchen geeignete Touren für Tages- oder auch Wochenend-Touren aus, und die Gruppen, die eine dieser Strecken gemeinsam gewandert sind, melden dies der Landesstelle und erhalten dafür eine Plakette für jedes Gruppenmitglied. In den besten Jahren werden so mehr als 1000 Plaketten ins Land verschickt. Mitte der 1980er Jahre wird der Kilometerstein um einen Rad-Kilometerstein erweitert, bei dem eine Fahrrad-Klingel als Trophäe zu erhalten ist. Hier war man jedoch bei der Herstellung etwas zu euphorisch, die Meldungen blieben in diesem Sektor weit hinter den Erwartungen zurück.

Jungenschaftstage

Genau lässt sich der Ursprung der Jungenschaftstage nicht festlegen, denn bereits auf den Jungmännertagen, die alljährlich auf dem Stuttgarter Killesberg stattfinden, gibt es die „Stunde der Jungenschaft", die als Plattform für diese Arbeitsgruppe und das gegenseitige Wahrnehmen geschaffen wurde.

Nachdem dieses in den 1970er Jahren nicht mehr stattfindet, wird 1976 vom Fachausschuss ein Unterausschuss gegründet, mit dem Ziel einen Tag speziell für die Jungenschaften Württembergs zu entwerfen. Dieser Unterausschuss definiert zunächst die Zielsetzung: 1. den Sport in der Gruppe fördern, 2. für alle Mitglieder einer Gruppe gleich attraktiv sein, 3. zur Gemeinschaftsbildung beitragen, 4. ein Höhepunkt im Programm sein, 5. eine für die Gruppen gemeinsame Aufgabe sein, 6. die größere Bruderschaft und Gemeinschaft fördern. Dies wird sehr rasch mit zwei Modellen konkret, einer Art „Jungenschafts-Olympiade und einem „Jungenschaftslauf, einem Stationenlauf mit 10–15 km, auf dem Aufgaben möglichst verschiedener Disziplinen zu lösen sind. Die Abstimmung erfolgt zugunsten des Modells „Jungenschaftslauf, der dann bereits am 31.10.1976 als „1. Württembergischer Jungenschaftstag durchgeführt wird. Zunächst nur als Probelauf mit den Bezirken Göppingen und Schorndorf. Das Modell hat sich so bewährt, dass es sich – von kleinen Modifikationen und Jahren mit „Alternativ-Programm" abgesehen – bis heute erhalten hat. Hier die Übersicht der bisherigen Jungenschaftstage:

1976 Heiningen

1977 Heiningen

1978 Großsachsenheim

1979 Schorndorf

1980 Altensteig

1981 Gerstetten

1982 Renningen

1983 Tübingen

1984 Dettingen/Erms

1985 Dopfi (Dobelmühle)

1986 Dettingen/Teck

1987 Crailsheim

1988 Mundelsheim

1989 Denkendorf

1990 Nagold

1991 Dobelmühle

1992 Güglingen

1993 InderCity Stuttgart

1994 Sulz/Neckar

1995 Markgröningen

1996 Welzheim

1997 Freudenstadt

1998 Explorer (Dobelmühle)

1999 Dobelmühle

2000 Kirchheim/Teck

2001 Mössingen

2002 Nagold

2003 Explorer (Dobelmühle)

2004 Crailsheim

2005 Level 7 (Stuttgart)

2006 Göppingen

2007 Explorer (Dobelmühle)

2008 Beutelsbach

Der erste Jungenschaftstag mit „Alternativ-Programm" ist das Dopfi 1985, das Dobelmühle-Pfingstlager. Aus Anlass des 10. Jungenschaftstages werden hier die Highlights der vergangenen Jahre als Spielstationen auf dem Gelände der Dobelmühle verteilt und der Lauf zugunsten von mehr Spielstationen fallengelassen. 1991 findet sich kein Bezirk der den Tag ausrichten will, so dass der Fachausschuss den Tag auf der Dobelmühle ausrichtet. Allerdings mit je einem Ort als Verantwortlichen für eine Teilaufgabe. Bereits 1993 wiederholt sich das Problem. Diesmal entscheidet sich der Fachausschuss für ein gegenteiliges Modell.

InderCity ist ein Riesen-Stadtspiel in Stuttgart mit integrierten Spielstationen, für die sich wieder einzelne Orte verantwortlich zeigen. 1998, 2003 und 2007 findet der „Explorer" statt, von dem in einem eigenen Artikel ausführlicher berichtet wird. (S. 78) Der ausgefallenste Jungenschaftstag ist aber sicher der zum Wintercamping Silvester 1999/2000 auf der Dobelmühle (DoSi). Hier sind dann leider nur sechs Gruppen vor Ort. 2001 werden die Gesellschaftsspiele „Scotland-Yard und „Auf Achse kombiniert und auf die Mössinger Innenstadt als Spielgebiet übertragen. 2005 wird eine „Schnitzeljagd mit der U-Bahn gespielt. Dazu sind an 64 Haltestellen die Aushänge mit Spiel-Plänen erweitert, die jeweils eine bis drei Möglichkeiten ausweisen, wo die „Schnitzeljagd hinführen könnte.

ju-line

Da es für die Ausrichtung der Jungenschaftstage zunehmend schwieriger wird, geeignete Bezirke zu finden, tagt immer wieder einmal ein Unterausschuss, der sich Gedanken um einen modifizierten Jungenschaftstag machen soll. Dabei soll die Initiative der Gruppen stärker genutzt werden: „Die Aktion wird so gut, wie die Gruppen bereit sind, sich zu investieren. Allerdings ist aus diesem Ansatz (bisher) noch kein Jungenschaftstag entstanden, dafür die Spielaktion ju-line, die als „Fax-Spiel startet und mit zunehmender Verbreitung von Internet und e-mail auf online umgestellt wird. Der oben erwähnte Ansatz beschreibt schon recht gut die Grundidee: Jede Gruppe, die sich anmeldet stellt allen anderen Gruppen, gegen die sie antritt, Fragen zu ihrem eigenen Ort und stellt eine Aktionsaufgabe, welche die anderen Gruppen bei sich vor Ort durchführen. Ziel ist es „knifflige, aber lösbare Aufgaben" zu finden. Dies wird über die Art der Bewertung geregelt. Die Gruppen erhalten ihre Punkte zur Hälfte durch das Lösen von Aufgaben der Gegner, zur anderen Hälfte aber durch die Bewertung der von ihnen gestellten Aufgaben. Kann sie keine andere Gruppe lösen, sind sie zu schwierig und es gibt keine Punkte. Lösen sie alle, sind sie zu leicht und es gibt wenige Punkte. Die Maximalpunktzahl wird erzielt, wenn genau eine Gruppe in der Lage ist, die Aufgaben zu lösen, denn dann war sie für die anderen zu knifflig, aber sie war lösbar.

Durch diese Spielaktion können Gruppen, die sich weder räumlich je begegnen würden (der CVJM-Westbund und CVJM Landesverband Bayern beteiligen sich ebenfalls an der Aktion), noch zeitlich, da sich eine Gruppe z. B. immer montags trifft und die andere z. B. freitags, gegeneinander spielen und den Wochensieger ausspielen. Außerdem ist hier erstmals eine Spielaktion entstanden, bei der sich mittlerweile neben Jungenschaften auch Mädchengruppen und gemischte Gruppen beteiligen.

Der Fachausschuss

Im Frühjahr 1953 konstituiert sich der Jungenschaftsbeirat. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die hauptamtliche Kraft des ejw – anfänglich Landesjugendwart, später Landesreferent genannt – zu unterstützen, bei den vielfältigen Aufgaben rund um die Jungenarbeit in Württemberg. 1971 bittet das Gremium um Umbenennung in „Beirat für Jungenarbeit, ehe durch eine Neustruktur des ejw 1972 alle bisherigen Beiräte in Fachausschüsse umbenannt werden. Die Aufgaben, die sich über die Jahre erhalten haben sind die Vorbereitung und Durchführung von Freizeiten, von Mitarbeiter-Fortbildungen (Rüsttreffen genannt und mangels besserer Alternativen bis heute so bezeichnet) und Seminaren, Verantwortung und gelegentlich Durchführung in Eigen-Regie von Jungenschaftstagen. Anfänglich ist der Steigbügel noch ein Unter-Gremium, heute ist dies ein eigenständiger Redaktionskreis. Auch die Betreuung des Indiacasports und die Ausrichtung der Landesmeisterschaften gehören zum Fachausschuss, bis diese Aufgabe 1992 zum Eichenkreuz wechselt. Es bleiben noch Unterausschüsse zu erwähnen, die ein konkretes Projekt betreffen, z. B. eine Sommer- oder eine Winterfreizeit, die Vorbereitung des „Kilometersteins oder des Fahrtenliederbuches.

Kurz gesagt: Die Jungen in den Blick zu nehmen, ihre Interessen wahrzunehmen und zu vertreten und sich mit ihnen gemeinsam auf den Weg zu machen, dieser Aufgabe widmet sich der Fachausschuss.

Männer der Jungenarbeit

Zusammenfassung

In den letzten über 60 Jahren ist vieles ausprobiert worden und manches hat man auch fallen gelassen. Meistens ist man gerade da erfolgreich, wo es gelingt – wie eingangs erwähnt – den ganzen jungen Menschen mit all seinen Bedürfnissen in den Blick zu bekommen. Denn Christsein gehört mit Gemeinschaft, Gemeinschaft gehört mit Grenzerfahrungen und Grenzerfahrungen gehören mit gemeinsam Spaß haben untrennbar zusammen. Zumindest im Altersbereich pubertierender Jungs. Mit einem Zitat von Heiner Völker wird dies auf den Punkt gebracht:

Wer einen Jungen fischen will, muss sein Herz an die Angel hängen«

Auf dem Jungenschaftstag 2008 war der frühere Baden-Württembergische Ministerpräsident Lothar Späth als Schirmherr persönlich anwesend. Er berichtete aus seiner Biografie, dass ihm die Freundschaften, die in seiner Jungenschaftszeit entstanden sind, deshalb so wichtig sind, weil einige davon Jahrzehnte des Auf und Ab überdauerten. Das wiederum zeugt von starken Eindrücken, die jungen Menschen vermittelt werden konnten. Dass dies heute anders geschehen muss als 1946 versteht sich, das Ziel aber bleibt dasselbe: Junge Menschen zu einer lebendigen Verbindung mit dem Schöpfer und Retter unserer Welt einzuladen.

Eine große Aufgabe mit lohnendem Ziel!

Rainer Oberländer

2.

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