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Verrückte Vögel: Geschichten vom großen Flattern (GEO eBook)

Verrückte Vögel: Geschichten vom großen Flattern (GEO eBook)

Von GEO

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Verrückte Vögel: Geschichten vom großen Flattern (GEO eBook)

Von GEO

Länge:
167 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 18, 2012
ISBN:
9783652001670
Format:
Buch

Beschreibung

Geschichten über Vögel gehören seit Jahren zu den Lieblingsthemen der GEO-Reporter. Denn zwischen Himmel und Erde flattern oft wahre Wundertiere - und manchmal sind auch die Menschen, die Ornithologie betreiben, ziemlich schillernde Vögel...

In diesem eBook bieten wir Ihnen eine Auswahl von elf Reportagen (als pure Lesestücke) über Vögel auf der ganzen Welt: Solchen, die man so gut wie niemals sieht (Elfenbeinspecht / USA); solchen, die sich nur mit unglaublich großer Mühe aufspüren lassen (Paradiesvögel / Papua), und solchen, die gleich tausende Birdwatcher auf einmal begeistern können (Kraniche / Deutschland).


Kapitel

Kakapo: Der langsame Brüter

Elfenbeinspecht: Zaubervogel, wo steckst du?

Paradiesvögel: "Haute Nature" in Papua

Philippinenadler: Auge in Auge

Laubenvogel: An der Küste der Bilder

Kranich: Besuch der grauen Eminenzen

Basstölpel: Auf dem Felsen der hunderttausend Flügel

Vogelzug: Odyssee nach Plan

Birdrace: Showdown auf Helgoland

Im Federlabor: Vogel oder Flugzeug - wem gehört der Himmel?

Archaeopteryx: Urvogel? Ausgeflogen!
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 18, 2012
ISBN:
9783652001670
Format:
Buch

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Buchvorschau

Verrückte Vögel - GEO

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Kakapo

Der langsame Brüter

Der Kakapo ist einer der seltensten Papageien der Welt, der seltsamste überdies: Er spricht nicht, fliegt nicht, und Sex hat er nur durch Zufall. Das Porträt eines komischen Kauzes

Von Markus Wolff

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Der Patient ist über den Berg. Seit seiner Einlieferung zwei Monate zuvor hat der auf 1,2 Kilogramm abgemagerte Körper deutlich an Gewicht zugelegt, mehr als 500 Gramm. Entlassung und Heimreise nach Codfish Island stehen daher kurz bevor. Das Ärzteteam ist sehr zufrieden, heißt es in einem Zeitungsbericht mit Foto, das den Genesenen zeigt. Noch etwas grünlich im Gesicht zwar, aber mit zuversichtlichem Blick.

Dabei ist Patient Lee seit seiner Einweisung für die behandelnden Mediziner kein einfacher Fall gewesen. Jede Mahlzeit aus der Klinikküche lehnte er kategorisch ab, weshalb er mit spezieller Kost durch ein Schlauchsystem ernährt wurde. Auch verhielt er sich bei der Suche nach der Krankheitsursache wenig kooperativ. Er sagte kein Wort, zumindest kein verständliches, so wie man es gemeinhin von Papageien, den mithin redefreudigsten unter allen Tieren, hätte erwarten können.

Nun ist Lee allerdings auch ein Kakapo, ein eigentümlicher neuseeländischer Vogel. Von Landesunkundigen wird dieser leicht mit dem Nationaltier verwechselt, dem Kiwi. Gleicht dieser jedoch eher einer Kokosnuss mit Schnabel, ist der Eulenpapagei Strigops habroptilus nur schwer mit einer Frucht zu verwechseln. Es sei denn, diese ist etwa 60 Zentimeter groß und trägt ein gelblich-grünes Federkleid. Obendrein besitzen Kakapos Flügel, was nur für die wenigsten Früchte zutrifft. Allerdings waren die Tiere in Neuseeland einst so zahlreich, dass man sie förmlich ernten konnte. „Um an Kakapos zu kommen, schrieb im 19. Jahrhundert der Pionier Charlie Douglas, müsse man nur bei Nacht an einem Tutu-Busch rütteln. „Dann fallen sie runter wie Äpfel.

Solche Zeiten sind vorbei. Wer heute einen dieser Vögel sehen möchte, muss zuvor an vielen Büschen rütteln: Von mehreren Hunderttausend ist der Bestand auf kaum mehr als 100 Tiere gesunken, weshalb der bis zu vier Kilogramm wiegende Kakapo seit Jahren nicht nur den Titel „Schwerster Papagei, sondern auch „Einer der seltensten Papageien der Welt führen kann. Seine Popularität hat das geradezu beflügelt – an jedem einzelnen Schicksal nimmt die Nation Anteil. Fernsehsender und Zeitungen berichten über Kakapo-Erkrankungen oder Todesfälle; gibt es Nachwuchs, wird das gesamte Land mitunter zur Namenssuche aufgerufen.

Obwohl zur Ordnung der Papageien gehörig, gilt der Kakapo als ebenso liebenswerter wie seltsamer Kauz mit charmantem Watschelgang. Das Fliegen hat er leider verlernt, was der Vogel aber gelegentlich vergisst und bei jedem trotzigen Versuch des Gegenbeweises die Strecke Baum–Boden in Fallgeschwindigkeit zurücklegt. So war der Kakapo allerdings nicht immer. Bis vor mehr als 80 Millionen Jahren flog er wie jeder andere Vogel unbekümmert durch die Welt. Dann drifteten Teile des Urkontinents Gondwana auseinander, das heutige Neuseeland manövrierte sich in eine so abseitige Lage, dass es nur durch die Luft zu erreichen war. Der mitgetriebene Kakapo war hier lediglich von anderen Vögeln umgeben, natürliche Feinde bedrohten ihn keine. Und da es somit keinen Grund zum energieaufwendigen Fliegen mehr gab, stellte der Papagei im Laufe der Zeit seinen Flugbetrieb auf allen in- und ausländischen Strecken ein. Er aß tüchtig und wurde zum pummeligen Einzelgänger, der bevorzugt allein über die Insel spazierte. Die Flügel behielt er dennoch, als kleidsames Accessoire und zum Ausbalancieren, falls er einmal über einen Stein stolperte.

So lebte der Kakapo vor sich hin, jahrtausendein, jahrtausendaus. Bis die Menschen Neuseeland entdeckten. Zunächst die Maori, dann weiße Siedler. Plötzlich stand der Kakapo Wesen gegenüber, die mit den Neuankömmlingen auf die Inseln gelangt waren: Katzen, Mardern, Hunden. Statt mit seinen scharfen Krallen begegnete der Kakapo diesen mit überraschtem Blick, und da Verteidigen und Kämpfen ihm fremde Wesenszüge sind, sank sein Bestand mit der Zeit dramatisch.

Lediglich 51 Tiere wurden in den 1990er Jahren bei einer der aufwendigsten Rettungsaktionen in der Geschichte des Vogelschutzes gezählt und auf Inseln ausgeflogen, die von allen Kakapo-Feinden gesäubert und in die Zeit eines Neuseelands vor Ankunft des Menschen zurückgedreht worden waren. Auf diesen soll sich der Kakapo seither wieder vermehren.

Das ist allerdings schwieriger als gedacht, denn einer der größten Feinde des Vogels gelangte ebenfalls in die neue Heimat: die Unlust. Aus Sex macht sich der Papagei nicht viel und hat sich zur Paarung eine Technik angeeignet, die von der Evolution eventuell zu früh zur Verfügung gestellt worden ist. Jedenfalls besticht sie weder durch ausgewiesene Sinnlichkeit noch Effizienz: Steht dem Kakapo-Männchen der Sinn nach Paarung, gräbt es auf den Hügelkuppen der Inseln Schallmulden und legt sich hinein. Dann bläst das nachtaktive Tier zwei Luftsäcke an seinen Brustseiten auf und gibt Töne von sich, die kilometerweit durch die Dunkelheit hallen. Was ein Kakapo-Mann für erotisch hält, ist ein tiefes, dumpfes Schwingen. So dumpf, dass es den Bestsellerautor Douglas Adams, als sich dieser für ein Buchprojekt mit bedrohten Tierarten beschäftigte, an Sound-Schnipsel von Pink Floyd erinnerte. Hinweise auf gegenseitige Befruchtung lassen sich jedoch weder in der Kakapo- noch in der Pink-Floyd-Forschung finden.

Das ausgesprochen sonore, nebelhornartige Timbre des Männchens wirkt auf Weibchen durchaus anziehend – leider aber nur in jenen Monaten, in denen bestimmte Pflanzen und Bäume Samen produzieren und die Ernährung des Nachwuchses gesichert ist. „Lieb mich, wenn die Steineibe blüht", wäre beispielsweise für einen Kakapo-Roman ein ebenso richtiger wie vielversprechender Titel.

Außerhalb dieser Blütezeiten mag das Männchen von Tuten und Blasen so viel Ahnung haben, wie es will – es bleibt dennoch in seiner Schallmulde allein. Das kann aber auch in der Blütezeit geschehen. Denn das Männchen sendet seinen Ruf in einer Frequenz, die das Weibchen zwar zu hören, aber nicht zu orten vermag. Rastlos folgt es den verführerischen Tönen über Hügel, durch Täler, kilometerweit. Wie bei manchen Menschen auch kommt es aber nur zum Sex, wenn Männchen und Weibchen eher zufällig übereinander stolpern.

Das geschieht allerdings so selten, dass sich inzwischen ein Heer von Technikern, Wissenschaftlern und Nesthütern damit beschäftigt, dem Vogel Lust zu machen. Die Attrappe „Chloe" beispielsweise sollte männliche Tiere zur Abgabe von Samenflüssigkeit anregen. Obwohl man schon Papageien gesehen hat, die sich in Ermangelung eines weiblichen Pendants an einem Hut vergingen, fanden nur wenige Papageien die Liebe mit einem ferngesteuerten Kakapo-Nachbau mit ihrer Würde als Vogel vereinbar. So hatte Chloe bald ausgedient.

Kaum erfolgreicher verlief auch der Einsatz des „Ejakulationshelms", den nicht der Vogel, sondern der Wissenschaftler tragen musste. Die Erfindung ähnelte einem großen Golfball, auf dem der Papagei saß und vom Menschen darunter mit Geschick balanciert werden musste. Stimulierendes Vibrieren sollte dem Tier dann Sperma entlocken. Da die Rüttelei aber offenbar nur zu Kopfschmerzen des Wissenschaftlers führte, wurde auch der Helm wieder ausgemustert.

Erfolgreich verläuft dafür die Nachwuchsbetreuung. Denn sind erst einmal Eier gelegt, überwacht eine Videokamera die Bruthöhle und überträgt die Bilder in ein nahe gelegenes Zelt. Darin schlägt ein Gong, sobald die Mutter die Höhle verlässt. Ist das Kakapo-Weibchen nach 20 Minuten noch nicht von der Futtersuche zurückgekehrt, wird vom Nesthüter eine beheizbare Decke über die Eier gelegt. So ist es gelungen, den Kakapo-Bestand auf 125 Tiere steigen zu lassen. Vielmehr – auf 124.

Denn die traurige Nachricht zum Schluss: In der Nacht vor seiner Entlassung ist Kakapo Lee überraschend verstorben. Das Ärzteteam, heißt es in einem landesweit verbreiteten Bulletin, sei niedergeschmettert. Selbst eine dreistündige Notoperation habe Lee nicht mehr retten können.

Aus GEO Special „Neuseeland", Nr. 5/2009

Auf den Spuren des Kakapo

Die seltenen Tiere leben heute im Wesentlichen auf zwei Inseln, wohin sie der Mensch zu ihrem Schutz ausgeflogen hat: Codfish Island darf nicht betreten werden. Und das Schutzreservat Anchor Island ist praktisch nur per Hubschrauber erreichbar.

In freier Wildbahn wird extrem selten eines der nachtaktiven Tiere entdeckt. Wer dennoch sein Glück versuchen möchte, wird am ehesten im gewaltigen Fiordland National Park fündig. Oder auf Stewart Island, wo zuletzt 1997 Kakapo-Weibchen Solstice aufgespürt wurde. Möglicherweise leben in entlegenen Winkeln der Insel weitere Exemplare. Der Besuch des Vogelparadieses, das etwa zweimal so groß wie Berlin und mit kaum 400 Menschen besiedelt ist, lohnt aber auch ohne die Begegnung mit der einst totgesagten Papageienart. Informationen: www.stewartisland.co.nz

Ehrenamtliche Kakapo-Fahnder erfahren detailliert unter

Aus GEO Special „Neuseeland", Nr. 5/2009

Elfenbeinspecht

Zaubervogel, wo steckst du?

Er ist das große Mysterium der Vogelwelt – und zugleich das Objekt eines wissenschaftlichen Glaubenskrieges. Viele Experten halten den Elfenbeinspecht Campephilus principalis, der einst in den Wäldern der US-Südstaaten zu Hause war, seit vielen Jahren für ausgestorben. Andere dagegen sind überzeugt, dass er noch existiert und dass die Natur der Menschheit eine zweite Chance zu seiner Rettung gegeben hat. Hat der prachtvolle Waldbewohner tatsächlich überlebt – oder ist er allein Objekt der Sehnsucht, einmal nur den Lauf der Welt zurückdrehen zu können? Eine aufwendige, mitunter unglaublich anmutende Suchaktion soll Klärung bringen

Von Johanna Romberg

Eine unfassbare Minute lang habe ich gedacht, ich hätte ihn gesehen. Es war an einem Apriltag, um die Zeit, die sie hier „magic hour" nennen. Die Stunde vor Sonnenuntergang, wenn das Licht milder und die Natur geschäftiger wird; wenn die Käuze von ihren Schlafbäumen herabfliegen und mit aufmerksamen Blicken die Uferböschungen sondieren; wenn die Giftschlangen mit den weißen Rachen ihre letzten trägen Schleifen durchs kaffeebraune Altwasser ziehen.

Wir fuhren im Kanu den Cache River im US-amerikanischen Bundesstaat Arkansas entlang, auf einen Punkt zu, den wir später mit den Koordinaten W2MPO7042 in das computergestützte Beobachtungs-Logbuch eintrugen. Dieser Punkt liegt nur wenige Hundert Meter entfernt von jener Stelle, an welcher der Vogel vor einigen Jahren wieder erschienen ist, am Morgen des 24. Februar 2004.

Ich sage bewusst: „erschienen ist. Nicht: „gesehen wurde. Das klänge zu alltäglich, so, als sei Campephilus principalis ein gewöhnliches ornithologisches Beobachtungsobjekt.

Aber das ist er nicht. Andere Vögel, ja, die lassen sich sehen und hören, und selbst wenn sie selten und scheu sind, kann man sie mit Geduld und einem guten Feldstecher irgendwann aufspüren. Der Vogel mit dem elfenbeinfarbenen Schnabel jedoch taucht aus dem Nichts auf, für wenige Sekunden, häufig an einem unerwarteten Ort. Und dann verschwindet er wieder, spurlos und für so lange Zeit, dass seine Verfolger schon wieder zu zweifeln beginnen, ob er überhaupt noch von dieser Welt ist.

Es gibt zurzeit etwa ein Dutzend Menschen, die öffentlich bezeugen, einen lebenden Elfenbeinspecht

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