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Freimaurer-Hochgrade: Lehrarten und Pseudoriten

Freimaurer-Hochgrade: Lehrarten und Pseudoriten

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Freimaurer-Hochgrade: Lehrarten und Pseudoriten

Länge:
284 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 16, 2015
ISBN:
9783706557641
Format:
Buch

Beschreibung

Das vorliegende Buch, ein Beitrag zur maurerischen Aufklärung, behandelt Lehrarten, die sich bis heute als würdige Systeme der Freimaurerei bewährt haben, aber auch unzählige dubiose Hochgradwucherungen und Irrlehren, die mit der Freimaurerei, mit ihren essentiellen Grundidealen, und mit ihrem moralischen Sinngehalt nichts zu tun haben.
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Freigegeben:
Sep 16, 2015
ISBN:
9783706557641
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Buch

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Freimaurer-Hochgrade - Gabor Kiszely

Literatur

I. Ein Wort vorneweg

Der aus einem falschen Elitebewusstsein entspringende Hang zur maurerischen Selbstüberschätzung gilt als eine der „menschlich verständlichen Begleiterscheinungen" der Bruderschaft. Das Phänomen ist allerdings uralt; man werfe doch einen Blick auf die selbst erfundenen, nicht einmal symbolischen Ahnengeschichten; in einigen wurden Gott selber, Adam oder sogar Jesus Christus als die ersten Freimaurer bezeichnet. Manche Frühhistoriker der Masonerie führten auch namhafte griechische Philosophen sowie altägyptische Götter- und Priestergestalten an. Doch während diese Art von Größenwahn mit der Zeit zum Glück weitgehend eingedämmt worden ist, wirkt eine andere masonische Unwissenheit weiter: die maurerische Selbstgefälligkeit, die sich in einer unkritischen Selbstbetrachtung äußert. Manchmal haben die Brüder den Eindruck, einer unfehlbaren Gemeinschaft anzugehören. Die Mitglieder gewinnen nur allzu leicht den Eindruck, der Bund habe von Anfang an ausschließlich das Rechte getan, Fehler und Versäumnisse seien von einzelnen Individuen zwar begangen worden, doch für diese könnte die Bruderschaft alleine schon aus dem Grunde nicht haftbar gemacht werden, weil sie die Gewissensfreiheit ihrer Mitglieder vollends respektiere. Nun ist aber die Freimaurerei eine Kommunität, die getreu ihren Grundidealen von vornherein die Verantwortung für die sittlich-spirituelle Entfaltung der Angehörigen wahrnimmt, bzw. wahrnehmen soll. Eine Logengemeinschaft, die dazu aus welchem Grunde auch immer nicht imstande ist, läuft Gefahr, die Unwissenheit im Bereich masonischer Geistigkeit gedeihen zu lassen, deren integrer Teil die maurerische Vergangenheit ist. Und gerade auf diesem Gebiet wäre einiges zu bewältigen.

Die maurerische Unwissenheit ist jedenfalls nicht das Resultat einer dunklen innermasonischen Verschwörung, sie ergibt sich aus einem geistigen Rückstand, dessen substanzgefährdenden Charakter zu übersehen der Preisgabe ureigener Grundideale der Maurerei gleichkommt.

Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts, der von der Freimaurerei mit Recht ein besonders hoher Stellenwert eingeräumt wird, zeichnete sich durch eine kritische Auseinandersetzung mit den geistigen und sozialen Werten der damaligen Gesellschaftsordnung aus. Dazu waren die unablässige Vermehrung von Wissen und analytische Prüfung des neu gewonnenen Wissens, mit anderen Worten: die Eliminierung der Unwissenheit notwendig. Jedem denkenden Geist der Zeit war es wohl bewusst, dass es sich hierbei um einen ewigen Prozess handelte.

Die kritisch-analytische Betrachtung der Welt verliert ihren Sinn, wenn sie nicht mit der kritisch-analytischen Urteilsbildung über unser Selbst einhergeht. In jedem Gelöbnis verpflichtet sich der Freimaurer zum Kampf gegen Unwissenheit und Aberglauben, d.h. zur Vermehrung der Erkenntnisse – sowohl individuell als auch gemeinschaftlich. Die Erfahrung zeigt, dass dies sogar bis in die Gegenwart hinein möglich ist – in Logengemeinschaften allerdings, in welchen die Bestrebung, mit den maurerischen Grundwerten in Einklang zu arbeiten, der Ausbreitung der Entfremdungstendenzen Einhalt gebietet. Nun macht aber der Globalisierungstrend der modernen Industriegesellschaft, d.h. die Bestrebung, auf dem Wege schleichender Manipulation möglichst viele Menschen in kritiklose Konsumenten zu verwandeln, auch vor den Logen nicht halt und fällt auf fruchtbaren Boden bei der masonischen Unwissenheit, die ihrer Natur gemäß weder die Folgen der Beschränkung grundlegender Menschenrechte des der Globalisierung ausgelieferten Bürgers noch die daraus entstehenden Gefahren für die maurerischen Grundwerte und Ideale erkennt. Eine zweite, ja, eine innermaurerische Aufklärung ist dringend vonnöten, die den Brüdern die notwendigen Kenntnisse über die Geschichte der Freimaurerei vermittelt.

Das vorliegende Buch, ein Beitrag zur maurerischen Aufklärung, behandelt Lehrarten, die sich bis heute als würdige Systeme der Freimaurerei bewährt haben, aber auch unzählige dubiose Hochgradwucherungen – Irrlehren, die mit der Freimaurerei, mit ihren essentiellen Grundidealen, d.h. mit ihrem moralischen Sinngehalt nichts zu tun haben. Sie gehören nur so weit zur Geschichte der Masonerie, als sie aus einem willkürlich zusammengebastelten Gemisch freimaurerischer Ideen entwickelt worden sind. Es trifft allerdings zu, dass sich die Großloge von England im 18. Jahrhundert herzlich wenig um die Entwicklung der Masonerie außerhalb des Inselreiches kümmerte, die nationalen Logengemeinschaften waren öfter viel zu zerstritten, um sich als maßgebliche Autoritäten behaupten zu können. Es mangelte auch an Übersichtlichkeit: Man konnte kaum in Erfahrung bringen, wer wo welche Loge gerade gegründet hatte. An fiktiven Patenten und dreisten Fälschungen aller Art mangelte es jedenfalls nicht, und es waren immer Freimaurer bzw. sich als solche ausgebende Individuen zur Stelle, die die chaotischen Zustände zu nutzen verstanden.

Die Frage der Regularität ist jedenfalls schwierig zu bewantworten, da diese bis zur Entstehung der Vereinigten Großloge von England im Jahre 1813 auch im Inselreich höchst umstritten war. Erst in der darauf folgenden Zeit hat sich die Gemeinschaft als Stammhalter der Masonerie, als Mutterloge der Welt zu behaupten versucht. Aufgrund welcher Kriterien können denn die seinerzeit auf dem Kontinent und sogar in Zentral- und Nordamerika entstandenen Systeme als maurerisch, bzw. pseudomaurerisch bezeichnet werden? Anhaltspunkt dafür liefert die Untersuchung der Frage, wie weit Lehrinhalte und Zielsetzungen der Neugründungen mit den masonischen Grundidealen in Einklang standen.

Die ihre Gebräuche und Traditionen wahrende Masonerie bietet in der aus drei Graden bestehenden Johannismaurerei dem Individuum eine Lebenspraxis, eine ethische Schule an, in welcher es den Weg der geistig-moralischen Selbstfindung und Selbstvervollkommnung in einer brüderlichen Solidargemeinschaft antreten kann.

Das grundlegende freimaurerische Symbol ist die Bauhütte, in der der einzelne Stein für den großen Tempelbau bearbeitet werden soll. Deshalb arbeitet jedes Mitglied der Bruderschaft unablässig an der eigenen sittlichen Veredelung; er erkennt und läutert sich selbst, um ein würdiges Mitglied der Gemeinschaft zu werden. Im Laufe dieses Prozesses lernt der Bruder Symbole und rituelle Handlungen kennen, in welchen ethische Werte zum Ausdruck kommen. Es handelt sich um das Erleben des Symbolgehaltes und des Rituals, das Erleben des maurerischen Geheimnisses, welches auch in der Gemeinschaft ein individueller Vorgang ist und mit Worten nicht ausgedrückt werden kann. Das Symbol spricht im Menschen ein ihm innewohnendes Geheimnis an. Die sich im Unterbewusstsein vollziehende Erfahrung ist mit Worten und Begriffen nicht mitteilbar. Nicht von ungefähr warten Freimaurergegner mit dem bornierten Vorwurf auf, die Masonerie manipuliere das Unterbewusstsein ihrer Opfer, um auf dem Wege von Gehirnwäsche entpersönlichte Gleichgeschaltete zu produzieren. Der Maurer könnte sein Gradgeheimnis selbst dann nicht verraten, wenn er es wollte.

Der Weg, der den Menschen zur Selbst- und Welterkenntnis führt, heißt Königliche Kunst, sie wird durch die Erfahrung erlebt. Die Maurerei erhebt keinen Anspruch darauf, die einzige Lösung zum großen Geheimnis zu bieten; in tiefem Respekt vor dem Schöpfungsgott betrachtet sie die Freiheit des Gedankens als eines der ureigensten Rechte des Menschen.

Nun dient die Johannismaurerei bei den meisten Neugründungen lediglich als Legalisierung des Hochgradüberbaus, dabei wird ihr eigentlicher Lehrinhalt nur geringfügig oder aber überhaupt nicht berücksichtigt.

Dummdreister Aberglaube, obskure Mystik, verdrehte Gnostik, Geldmacherei mit der Verheißung, im Besitz „magischer Kräfte zu sein, wirre Theosophie, das Angebot müheloser Schnellvereinigung mit Gott sind der Masonerie ebenso fremd wie erniedrigende Geisterbeschwörungen, Sexualpraktiken, Satanskult und eigene Kirchengründungen. All dies wird unter der Maske der Freimaurerei gegen Entgelt angeboten, in Wirklichkeit handelt es sich um die Vermarktung von pseudomasonischem Treiben, bei dem der Profit maßgeblich ist. Bald tobt eine Vielzahl von sich „wahre Freimaurerei nennenden Hochgradsystemen; die Gründer dieser miteinander konkurrierenden Sekten sind häufig psychisch auffällige Individuen, die allerdings reichlich viel vom Geschäft, d.h. vom Missbrauch der nach Magie und Aberglauben lechzenden Menschen verstehen.

Einige Riten – vor allem „schottische" Systeme – weisen anfänglich noch masonische Züge auf, die aber mit der Zeit von den mystischen Elementen verdrängt werden. Nur wenige, so auch der Alte und Angenommene Schottische Ritus, erleben später eine Bereinigung von den störenden Zusätzen und behaupten sich bis in die Gegenwart hinein als würdige Lehrarten der Freimaurerei.

II. England

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts setzen Kämpfe gegen die Übergriffe der Krone der fast fünf Jahrzehnte dauernden Herrschaft der Stuarts ein Ende. Unter den Richtern, die über Karl I. das Todesurteil verkünden, befindet sich der Puritaner Oliver Cromwell (1599–1658). Die beinahe fünf Jahre währende Schreckensherrschaft des „auf göttliche Eingebung handelnden Lordprotektors reicht hinlänglich aus, um der Mehrheit der Bevölkerung die Begeisterung für die Republik auszutreiben. Schließlich wird die Krone dem Niederländer Wilhelm von Oranien angeboten. Die 1688 fast völlig gewaltlos geführte „glorreiche Revolution ist in Wirklichkeit eine feierliche Amtshandlung des Parlamentes. Die von Cromwell bald verabschiedete Bill of Rights beinhaltet vor allem Einschränkungen der Herrscherkompetenz, die Abschaffung der Pressezensur und die Proklamation der Redefreiheit. Allerdings nicht unbedingt für alle; Katholiken werden zwar nicht mehr verfolgt, aber auch nicht zu öffentlichen Ämtern zugelassen. Konstitutionelle Monarchie heißt die auf einem Gesellschaftsvertrag beruhende und durch das Parlament überwachte königliche Herrschaftsform, deren Garant etwa in der Funktion eines ersten Staatsbeamten der König selber ist – solange er sich dieser Ehre würdig erweist.

Aufklärung in England

Nach dem Ende der Dynastie der Oranier geht die Krone an das Haus Hannover. Georg I. besteigt 1714 den Thron des Inselreiches, dessen Wohlstand dank der merkantilistischen Kolonialpolitik und der zur Geldaristokratie gewandelten Oberschicht des Bürgertums im Wachstum begriffen ist. An der Spitze der von der parlamentarischen Mehrheit gebildeten Regierung steht ein Ministerpräsident. Die bis zur Mitte des Jahrhunderts währende Friedenszeit – die Kolonialkriege setzen ihr ein Ende – ist jedoch keine Idealwelt; eine schwere Krise bahnt sich an. Für viele hat sich das traditionelle Christentum außerstande erwiesen, Frieden zu schaffen; seine moralischen Gesetze scheinen ungeeignet, inmitten der Veränderungen als Maßstäbe zu gelten. Die ernüchterten, der aufgewühlten Zeiten überdrüssig gewordenen Bürger wünschen vor allem finanzielle Sicherheit, nachdem sie nun schon ihre eigenen Herren geworden sind. Seelenheil steht an zweiter Stelle.

Die Weichen für diesen Prioritätenwechsel sind jedenfalls schon Jahre zuvor gestellt worden, als sich im Denken der Menschen die Idee gebildet hatte, dass die einzig verlässliche Quelle der Erkenntnis die Erfahrung sei. Nur die auf dem Wege der Induktion erlangte Erkenntnis ermögliche den Menschen, Macht über die Natur zu gewinnen, denn das Individuum vermöge sich nur mithilfe des Wissens als Mensch zu behaupten – meinte Francis Bacon (1561–1626). Er arbeitete den Grundgedanken des Empirismus zum umfassenden Programm der Erneuerung des menschlichen Wissens in der Überzeugung aus, auf diese Weise die Herrschaft des homo sapiens über die Natur in die Wege zu leiten. Auch für den resignierten Zeitzeugen des Bürgerkrieges und der Restauration Thomas Hobbes (1588–1679) beruht Erkenntnis auf Erfahrung. Er erblickt in dem durch die Ursünde verdorbenen Menschen allerdings einen Egoisten, der sich in seinem anarchistischen Naturzustand – Kampf aller gegen alle – notwendigerweise nach einem vermissten Gut, der Sicherheit, sehnt. Aus dieser Sehnsucht erwächst auch der Wunsch nach einem geordneten Staat, in dem gesetzlich geschütztes Eigentum besteht. Doch der Staat als eine ungeheure Maschine beherrscht den Willen des Einzelnen, der nur zwischen zwei Ungeheuern die Wahl hat: dem tyrannisch regierten Staat oder der Revolution, die den Rückfall in den Zustand des Kampfs aller gegen alle zur Folge hat. Gott als die oberste Ursache versucht Hobbes weitgehend aus dem Spiel zu lassen. Nicht zuletzt deshalb gilt er für mehrere Zeitgenossen als schamloser und gefährlicher Atheist.

Der Empiriker John Locke (1632–1704) geht mit Gott weitaus behutsamer um. Er glaubt an die Offenbarung, und sogar auch an Wunder – soweit diese nicht sinneswidrig sind; den fanatischen Glauben, den er mit dem Aberglauben gleichsetzt, lehnt er ab. Er verlangt uneingeschränkte Glaubensfreiheit für jeden – ausgenommen die Katholiken und die Atheisten. Das ist allerdings schon ein bemerkenswerter Schritt auf dem Wege hin zur Toleranz. In seiner Staatslehre mit der Grundvoraussetzung der Volkssouveränität fordert Locke die konstitutionelle Regierung, Freiheit, gleiches Recht für alle und die Teilung der Gewalten. Zu den Grundrechten des Individuums zählt er Leben, Freiheit und Eigentum, wobei er Letzteres besonders hervorhebt, und nicht mehr weit davon entfernt ist, den individuellen Nutzen als treibendes Motiv zu bezeichnen. Seine Gedanken werden außerhalb Englands weiterentwickelt und beeinflussen das moderne Staatsdenken im Hinblick auf die Ansichten zu den natürlichen Grundrechten des Menschen.

Anhänger einer anderen das Zeitalter formenden Richtung sind bestrebt, die Religion von der Vernunft ausgehend zu begründen. Laut den Deisten, die sich zu einer „Vernunftreligion bekennen, gibt es einen Gott als Urgrund der Welt, doch er greift nach der Schöpfung nicht mehr – auch nicht durch Wunder oder die Sendung seines Sohnes – in den Lauf der Welt ein. Die Grundlagen dieser Lehre sind von Lord Herbert Cherbury (1583–1648) erarbeitet worden. Die „übernatürlichen Dinge, die das Christentum als Eingriffe Gottes versteht, tut er mit dem Hinweis ab, diese müssten symbolisch verstanden werden, denn die echte Religion läge allein in der Vernunft, folglich sei das Christentum auch etwas allgemein Menschliches; die Bibel beinhalte lediglich die Verkündigung der Vernunftreligion. Diese sei beweisbar, einleuchtend und bedeute die Krönung menschlicher Erkenntnis. In Cherburys Gedankenwelt erscheint somit eine weitere Grundidee der europäischen Aufklärung; am Ende des Jahrhunderts nennen sich Anhänger dieser Richtung Freidenker.

Der für viele als der erste Freidenker geltende John Toland (1670–1722) meint allerdings, im ursprünglichen Christentum habe es keine Mysterien gegeben, die irrationalen Elemente seien von den Priestern in den Glauben hineingepfercht worden, um die Distanz zu den Gläubigen zu vergrößern. Folglich müsse der Glaube wieder auf die Grundlagen des mysterienfreien Evangeliums zurückgeführt werden. Die Wunder könne der Mensch nun bereits mit Hilfe der Wissenschaft enträtseln. Es sei jedenfalls nicht möglich, etwas Unbekanntes anzubeten, die Erkenntnis aber sei Sache und Aufgabe der freien Vernunft, der keine Grenzen gesetzt werden könnten. Das Individuum gelange nur auf dem Wege der Befreiung von religiösen und sozialen Vorurteilen zur Wahrheit. In Bezug auf die Unsterblichkeit der Seele – die jedoch vernunftgemäß nicht bewiesen werden könne – sei es ratsamer, die diesbezügliche Lehre des Erlösers vorbehaltlos anzunehmen. Im Grunde gebe es zwei Religionen: die historische, exoterische für das Volk und die nur für wenige Anhänger der Vernunft bestimmte esoterische, gekennzeichnet durch Wahrheit, Freiheit und Gesundheit. Mehreren Gedanken Tolands werden wir im Ideengut der Freimaurerei wieder begegnen. Dies gilt auch für seinen Zeitgenossen Matthew Tindal (1653–1733), der davon ausgeht, dass das Licht einer einzigen natürlichen Religion die ganze Menschheit durchflute. Jeder sei imstande, ihre ewigen Wahrheiten – Liebe, guten Willen, Mitgefühl – zu erkennen. Diese Wahrheiten den unterschiedlichen kulturellen Gegebenheiten anzupassen sei die Bestrebung aller offenbarten Religionen, welche jedoch von Irrationalität und Aberglauben befreit werden müssten, denn der göttliche Schöpfer wolle ja das Glück des Menschen, d.h., dass jedes vernünftige Wesen seiner Natur gemäß lebe und handle. Folglich müsse den Dogmen eine Absage erteilt werden, um das Leben des menschlichen Wesens im Glück der Liebe und der Sittlichkeit zu ermöglichen.

Antony Collins (1676–1729) geht noch weiter, indem er verkündet, dass der einzige Weg der Wahrheitsfindung der uneingeschränkte Gebrauch der Vernunft sei; ohne freies Denken gebe es keinen wissenschaftlichen und kulturellen Fortschritt. In der von zwingenden Glaubensformeln und Spekulationen bereinigten Religion erblickt er einen Wegweiser zum ethisch-moralischen Verhalten des Menschen.

Die hervorragenden Denker dieser Zeit sind reif genug, um die Freiheit des Wissens zu bejahen. Sie sind auch fest davon überzeugt, dass die Menschen auch reif genug seien, dies zu begreifen. Doch die Mehrheit kann die Einsamkeit dieser Freiheit nicht ertragen, da sie ihrer Trostlosigkeit nicht gewachsen

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