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Im Bann der Lilie 1
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eBook130 Seiten1 Stunde

Im Bann der Lilie 1

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Über dieses E-Book

Ein Auftragskiller der ganz besonderen Art sucht Paris im ausgehenden 18. Jahrhundert heim...
Als adeliger und verhasster Bastard geboren wird der junge Marcel Saint-Jacques nach einem Mordanschlag durch den verführerischen und geheimnisvollen Marquis de Montespan zum Vampir gewandelt.
Die Wirren der französischen Revolution trennen Meister und Schüler; jeder geht seinen eigenen Weg und ist doch auf der Suche nach dem anderen und dem eigenen Schicksal, das gerade für den jungen Marcel eine ganz besondere Berufung bereithält...
SpracheDeutsch
HerausgeberClub der Sinne
Erscheinungsdatum9. März 2013
ISBN9783955271893
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    Buchvorschau

    Im Bann der Lilie 1 - Carol Grayson

    Impressum

    „Im Bann der Lilie, Teil 1" von Carol Grayson

    herausgegeben von: Club der Sinne®, Allee der Kosmonauten, 12681 Berlin, November 2010

    zitiert: Grayson, Carol: Im Bann der Lilie, Teil 1, 2. Auflage

    © 2010

    Club der Sinne®

    Inh. Katrin Graßmann

    Allee der Kosmonauten 28a

    12681 Berlin

    www.Club-der-Sinne.de

    kontakt@club-der-sinne.de

    Stand: 01. März 2012

    Gestaltung und Satz: Club der Sinne®, 12681 Berlin

    Cover: Hintergrund - © Andrew Beierle, www.sxc.hu

     Fleur de lis – Quelle: Wikipedia

    Covergestaltung: Club der Sinne®

    ISBN 978-3-95527-189-3

    eBooks sind nicht übertragbar!

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    Weitere eBooks von Carol Grayson/Carola Kickers finden Sie hier:

    http://www.club-der-sinne.de/index.php?manufacturers_id=58

    http://www.club-der-sinne.de/index.php?manufacturers_id=36

    Carol Grayson

    Im Bann der Lilie

    Teil I

    „Träum süß, meine Prinzessin, bevor das Vergessen dich ereilt."

    Er hatte Fabienne auf die Chaiselongue gebettet, kniete vor ihr und ließ ihren Kopf, der nun wie in Zeitlupe zur Seite glitt, in seiner Armbeuge ruhen. Behutsam strich der junge Mann über die zitternden Augenlider der zierlichen Frau in seinen Armen. Ihre Haut war so bleich und zart wie Porzellan. Genüsslich sog er den Duft ihres süßen Rosenparfüms ein. Seine Nasenflügel bebten. Er konnte den nahenden Tod bereits riechen. Das war jener kostbare Augenblick, wenn die süße Wärme der Haut ein letztes Mal aufglühte, bevor sie für immer erlosch. Bei dieser entzückenden, jungen Baronesse war er sehr vorsichtig vorgegangen. Er wollte nichts zerstören. Schließlich war er ein Ästhet, er liebte und achtete die Schönheit. Vergänglichkeit war ihm hingegen ein Gräuel. Seine rechte Hand folgte der Wange bis hinunter zu dem Gazellen gleichen Hals, der das Siegel seines Kusses trug. Den letzten winzigen Blutstropfen fing er mit seinem Zeigefinger auf und leckte ihn ab. Sie war so ahnungslos in seine charmanten Fallstricke geraten. Es hatte nicht einmal lange gedauert. Fabienne Conechet hatte seinem Auftraggeber im Wege gestanden, ohne es zu wissen. Es ging um ein reiches Erbe. Durch das frühzeitige Ableben der jungen Dame stieg sein Auftraggeber in der Erbfolge an die nächste Stelle. Marcel zog seinen Arm unter dem Kopf seines Opfers hervor und erhob sich. Es war dunkel in dem kleinen, weiß gestrichenen Gartenpavillon, nicht einmal eine einzelne Kerze brannte. Aber das störte ihn nicht. Er konnte im Dunkeln ausgezeichnet sehen. Eine Zeitlang blieb er auf der kleinen Terrasse stehen, genoss den Duft einer lauen Sommernacht und lauschte dem Zirpen der Grillen.

    Marcel war von akribischer Sorgfalt, wenn er einen Auftrag erfüllte, und er genoss jeden einzelnen auf seine ganz besondere Weise. Im Laufe der Jahre waren seine Macht und sein Einfluss gewachsen. Der Adel schätzte ihn nicht, er respektierte, ja, fürchtete ihn. Man konsultierte ihn, wenn man unliebsame Gegenspieler oder verflossene Liebhaber, die zuviel wussten, loswerden wollte. Die feinen Damen verbargen ihr Antlitz hinter den bunten Seidenfächern, wenn er sich näherte, zumeist in schwarz gewandet. Nur das Weiß seines Jabots, der Spitzenmanschetten und der Kniestrümpfe bildete einen farblichen Kontrast zu dem schimmernden Stoff seines Gehrocks, der bestickten Weste und seiner Beinkleider. Zu feierlichen Anlässen trug er manchmal ein tiefdunkles Rot. In anderen Farben sah man ihn nie gekleidet. Marcel Saint-Jacques war ein wandelndes Geheimnis. Man flüsterte hinter seinem Rücken von schwarzer Magie und geheimen Riten, nicht ahnend, dass dieser hagere junge Mann jedes Wort selbst auf weite Entfernung hin verstehen konnte. Er war froh, dass man seine Dienste zu schätzen wusste – und fürstlich entlohnte. So war er vor Verfolgung sicher. Der Adel war zu dieser Zeit fasziniert von allem Okkulten und so wie er, Marcel Saint-Jacques, sein Geschäft verstand, gab es für alle Probleme eine todsichere Lösung. Er war ein Auftragskiller par excellence. Er benötigte weder Gift noch eine Waffe. Er selbst war die Waffe. Man nannte ihn hinter vorgehaltener Hand „Le Rédempteur – den Erlöser. Er hatte sich seine „Berufung nicht ausgesucht, das Schicksal hatte ihn dazu bestimmt. Und er hatte diesem Schicksal zugestimmt. Marcel schloss leise die verglaste Verandatür hinter sich, so. als würde er Rücksicht auf die ewig Schlafende nehmen, und ging langsamen Schrittes davon. Diese Nacht erinnerte ihn an jenen herrlichen Sommer 1667, in dem alles begann:

    Marcel Saint-Jacques hatte es nie leicht gehabt als adeliger Bastard. Sein Vater, der Comte Saint-Jacques, hatte sich in mit einer bezaubernden, aus Martinique stammenden Dienerin namens Alina eingelassen, nachdem seine Frau bei der Geburt seines ersten Kindes verstarb, das zudem noch ein Mädchen war. Alina war ausgerechnet die Zofe seiner Frau gewesen! Seiner Tochter Elise schenkte er immer weniger Aufmerksamkeit, nachdem Alina ihm den lang ersehnten Sohn geschenkt hatte.

    Der Comte selbst war Marcel gegenüber ein fürsorglicher Vater, der es dennoch nicht wagte, sich öffentlich zu seinem unehelichen Sprössling zu bekennen oder ihn gar in die Gesellschaft bei Hofe einzuführen. Marcel musste im Dienstbotentrakt aufwachsen und wurde für leichte Stall- und Gartenarbeit herangezogen. Dennoch gestattete der Graf ihm, den Namen Saint-Jacques zu tragen und lehrte den aufgeweckten Jungen schon frühzeitig das Reiten und Fechten. In beiden Disziplinen brachte es der Knabe schon im Alter von zwölf Jahren zu wahrer Meisterschaft. Elise dagegen wurde von Privatlehrern unterrichtet und in alle Tugenden und Pflichten einer jungen Dame aus gutem Hause eingeweiht. Das heranwachsende Mädchen zog sich immer mehr zurück, würdigte den Halbbruder keines Blickes, wenn sie sich zufällig im Garten begegneten, oder der Graf und seine Dienerschaft in getrennten Kutschen zur Kirche fuhren. Der Comte und seine Familie saßen immer auf der ersten Bank, während Marcel und seine Mutter sich unter das gemeine Volk mischten. Das war eine sonntägliche Genugtuung für Elise, wenn sie ihren Stand so deutlich hervorheben konnte. Jahr um Jahr keimte der Hass auf Vater und Bruder wie eine dunkle Saat in ihrem Herzen. Sie weigerte sich, mit Marcel ein Wort zu wechseln, galt ihm doch scheinbar der ganze Stolz des Vaters. Als dieser einmal von ihr verlangte, den verhassten Halbbruder als Tanzpartner für ihren Unterricht zu wählen, war sie empört aus dem Zimmer gelaufen. Dennoch lehrte Saint-Jacques seinem Sohn alle höfischen Umgangsformen und einige Fremdsprachen, was Marcel nach dem Tode des Vaters zugute kam.

    Es war ein tragischer Jagdunfall, der das Leben des erst Fünfundvierzigjährigen beendete. Vater und Tochter waren bei einer Fuchsjagd von den übrigen Teilnehmern getrennt worden und eine Zeit lang allein unterwegs gewesen. Das Pferd des Comte, ein noch recht unerfahrener Vollbluthengst, den der Graf erst kurz zuvor aus England importiert hatte, hatte sich wohl vor einem plötzlich auffliegenden Fasan erschrocken, war durchgegangen und hatte den Comte in einem Waldstück abgeworfen. Eine tödliche Kopfverletzung war die Folge. Elise war völlig aufgelöst zum Gut zurück galoppiert, um Hilfe zu holen. Aber diese kam zu spät. Das Haus Saint-Jacques trug einige Monate Trauer, danach lud der Advokat des Grafen zur Testamentseröffnung.

    Ein kleines, jährliches Einkommen hatte der Comte dem Jüngling hinterlassen, doch das restliche Vermögen, allen Grundbesitz und das weitläufige Herrenhaus erbte die Tochter, so wie es das Gesetz vorschrieb. Elise hatte nach Antritt ihres Erbes nichts Besseres zu tun, als ihren Halbbruder auf die Straße zu setzen. Die wenig aparte, eher etwas farblose Comtesse konnte ihrer in der Vergangenheit angestauten unbändigen Eifersucht auf den hübschen und exotisch anmutenden Marcel endlich Luft machen. Nun brauchte sie nicht mehr um die Gunst ihres Vaters zu buhlen, der sie am liebsten schnell losgeworden wäre und gut verheiraten wollte. Dabei gab es unter ihren bisherigen Verehrern niemanden, dem sie Hand und Herz hätte schenken wollen. Die Wahrheit war, dass ihre hochnäsige und jähzornige Natur jeden abschreckte, der nicht unbedingt auf das recht beachtliche Erbe angewiesen war. Und das waren in ihren Kreisen die wenigsten. Mit ihren gerade mal zwanzig Jahren war das Herz der jungen Comtesse bereits versteinert.

    In einem Anflug von Wohlwollen übergab sie Marcel eines der Pferde ihres Vaters als Abschiedsgeschenk. Es war der kupferrote Hengst, mit dem ihr beider Vater zu Tode gekommen war. Welch ein Zynismus! Sie legte ihm mit kühler Stimme nahe, sich nie wieder hier auf dem Gut blicken zu lassen. Seine wenigen Habseligkeiten konnte er in einer Tasche aus Segeltuch verstauen und hinter dem Sattel festbinden. Bei seinem Weggang standen seiner Halbschwester Verachtung und Genugtuung ins Gesicht geschrieben. Marcel würde ihren triumphierenden, kaltherzigen Blick niemals vergessen. Wie sie da stand, in ihrem hoch geschlossenen, schwarzen Trauerkleid unter dem weißen Säulengang vor der großen Freitreppe. Hoch aufgerichtet wie eine böse Königin, die ihn ihres Reiches verwies. Aber Elise hatte noch mehr vor, um ihre Rache an dem ungeliebten Bastard ihres Vaters zu vollenden.

    An einem herrlichen Sommermorgen machte sich Marcel im Alter von siebzehn Jahren auf den Weg nach Paris, um dort sein Glück zu machen. Dort hatte Ludwig XIV. vor einiger Zeit Maria Theresia von Spanien zu seiner Königin gemacht. Es hieß, der König förderte Künste und Wissenschaften. Für ein Studium an der Académie würde sein Erbe zwar nicht reichen, doch Marcel hatte sich in den Kopf gesetzt, seine Fechtkünste zu Geld zu machen und später einmal zu unterrichten. Er war kein stattlicher Mann, eher klein,

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