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Familiengeheimnis

Familiengeheimnis

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Familiengeheimnis

Länge:
424 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Sept. 2014
ISBN:
9783958650695
Format:
Buch

Beschreibung

Deutschland in den Jahren 1977/78. Die so genannte »bleierne« Zeit hat auch vor den Häusern der beiden verfeindeten Anwaltsfamilien Huneus und van Bergen nicht halt gemacht. Gabriele und Wolfgang versuchen ihr zu trotzen, indem sie ihr privates Glück gegen alle Widerstände abzuschirmen versuchen. Doch ein Journalist hat die Vergangenheit des Hauses Huneus recherchiert und ist dabei auf ein schreckliches Geheimnis gestoßen, das das Leben beider Familien radikal verändert.

»Jürgen Alberts Figuren machen Zeitgeschichte lebendig.« Weserkurier

Der zweite Roman einer groß angelegten Trilogie über zwei Patrizierfamilien im Deutschland der Nachkriegszeit
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Sept. 2014
ISBN:
9783958650695
Format:
Buch

Über den Autor


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Familiengeheimnis - Jürgen Alberts

werden.

TEIL 2

Der Verdacht

»Sollte unser Leben ein Kartenspiel sein, so werden wir geboren, ohne die Spielregeln zu kennen. Wir müssen uns mit den Karten in unserer Hand begnügen und das Spiel zu Ende spielen.«

Niki de Saint Phalle in ihrem Buch über den »Giardino dei Tarrochi« in Capalbio

Gewidmet meiner Frau Marita,

die an meinen grauen Tagen

mir zur Seite steht.

- eins -

Gabriele Huneus konnte es kaum erwarten, bis Wolfgang seine Kanzlei verließ. Sie ging von einem Zimmer zum anderen. Und wieder zurück. Nahm ein Buch in die Hand. Stellte es ins Regal. Schaute aus dem Fenster.

Am Treppenabsatz hielt sie inne. Fasste mit beiden Händen ans Geländer und beugte sich vor. Blickte hinunter. Dann ging sie ins Bad und fuhr sich mit einer festen Bürste durchs Haar. Ob er es mir gleich ansieht, dachte sie, während sie ihr schmales Gesicht im Spiegel betrachtete?

Am liebsten wäre sie sofort in sein Büro gegangen. Hätte ihm von dem Anruf berichtet. Ganz gleich, ob Wolfgang noch mit einem Mandanten zusammensaß oder ein paar dringliche Akten durcharbeitete. Ich könnte ihn über die Hausleitung anrufen, dachte sie. Mit verstellter Stimme. Hier spricht die Polizei, lassen Sie unverzüglich alles stehen und liegen und kommen Sie mit hoch erhobenen Händen heraus, ergeben Sie sich auf der Stelle ...

Gabriele nahm den Hörer auf. Wählte aber nicht.

Sie wollte Wolfgangs Gesicht sehen, wenn sie es ihm sagte. Wie lange hatten sie darauf gewartet? Wie viele Jahre waren darüber vergangen? Wie oft waren ihre Hoffnungen enttäuscht worden?

Sie hatte jetzt keine Ruhe, die letzten Seiten des Gutachtens zu tippen. Müssen sie sich eben noch einen Tag gedulden, dachte Gabriele. Die Mühlen der Justiz verzichten heute auf mich. Sie stapelte die handgeschriebenen Seiten ihres Gutachtens aufeinander und legte sie in den Ordner zurück.

Gabriele eilte zur Treppe, weil sie Schritte hörte.

Schaute über das Geländer.

Gleich würde Wolfgang vor ihr stehen. Mein Gott, war sie aufgeregt.

»Ei, du strahlst ja so, Gabi!«

Kuno kam aus dem dritten Stock herunter. Augenblicklich schoss ihr die Röte ins Gesicht.

»Stimmt's?«

Gabriele nickte. Erst ein wenig verlegen, dann heftiger. Woher wusste Kuno von dem Anruf? Hatte er mal wieder gelauscht?

»Wenn ihr nachher net wisst, wohin mit dem Glück, feiern könnt ihr doch bei mir.«

Kuno schlang seine Arme um Gabrieles Schultern und drückte sie fest an sich.

»Ei, isch mach mich dann fott! Bin schon e bissi spät dran.«

Kuno war immer ein bisschen spät dran. Manchmal raunzten ihn die Stammgäste an, die vor seinem Lokal warteten. Der silbrige Pferdeschwanz wippte auf und ab, als Kuno die steile Treppe immer zwei Stufen auf einmal nehmend hinunterrannte. Im nächsten Jahr wird er schon fünfundsechzig, dachte Gabriele. Isch bin en alter Sack und den schleppt mer nimmi fott, hatte er gesagt, als der Zahntechniker Egon im letzten Jahr den anderen kurzerhand mitteilte, er habe ein Haus für sich und seine Freundin gekauft. Der hessisch babbelnde Kneipier würde niemals ihre Wohngemeinschaft verlassen. Nun waren sie nur noch zu sechst.

Gabriele ging ins Schlafzimmer, öffnete den Kleiderschrank und suchte das kirschrote Abendkleid, das sie in Amsterdam erstanden hatte. Schulterfrei, bodenlang, eine Sünde wert. »Vor Gericht wirst du damit bei jedem Vorsitzenden Eindruck machen«, hatte Wolfgang gesagt, als sie ihn in dem aufregenden Fummel im Hotelzimmer überraschte. Erst einmal hatte sie das Kleid getragen. Am vorletzten Silvesterabend, beim Hausfest der Wohngemeinschaft. Tanz auf allen Etagen. Rockmusik für die Oldies, die immer gleichen Stücke von den Stones, Chuck Berry und John Mayall. Money, it's a gas, grab that cash and make a stash von Pink Floyd drei Mal hintereinander. Der Parkettboden im ersten Stock wurde völlig ruiniert, die Versiegelung war zu Staub getanzt worden. Es war ein Fest, von dem nicht nur die Freunde der WG noch wochenlang sprachen. Ein wenig neidisch auf die gute Hausgemeinschaft, in der Wolfgang und Gabriele seit so vielen Jahren lebten.

Wir sollten einfach ein paar Tage wegfahren, dachte sie. Nach Amsterdam vielleicht, da waren wir schon lange nicht mehr. Unbeschwerte Tage. Sich durch die Museen treiben lassen, auf Booten durch die Grachten schippern, sich in indonesischen Restaurants verwöhnen lassen, stundenlang im Hotelzimmer vögeln und nicht an die Mühen der Justiz denken. Damals bekamen sie nicht einmal mit, dass sich ein paar Straßen weiter die Krakers mit der Polizei eine Straßenschlacht lieferten. Die holländische Hausbesetzerszene war militant. Erst als sie wieder in die Hansestadt zurückgekehrt waren, lasen sie die ausführlichen Berichte in der Zeitung über die vielen Verletzten. Auf Seiten der Demonstranten und der Polizei.

Gabriele betrachtete sich im Spiegel. Ihre nackten Schultern waren viel zu blass für dieses Kleid.

Sie brauchte einen Plan, um Wolfgang aus seiner Kanzlei loszueisen. Wenigstens für ein Wochenende. Mehr war gewiss nicht drin. Urlaub war für Wolfgang ein Unwort. Wozu brauche ich Urlaub, sagte er immer wieder, ich fühle mich in meinem Beruf ausgesprochen wohl.

Gabriele hatte längst entdeckt, womit sich Wolfgang entspannte. Manchmal verbrachte er die ganze Nacht in seinem Zimmer unterm Dach, um zu schreiben. Dorthin nahm er niemals seine sonst so geliebten Aktenhefter mit. Angesprochen, ob sie lesen dürfe, was er schreibe, hatte Wolfgang stets gesagt, das sei nur für seine Augen bestimmt.

»Willst du mich gleich verführen oder bekomme ich vorher noch etwas zu essen?« Wolfgang van Bergen stand in der Tür, wie immer einen Stapel von Heftern unterm Arm. »Ich habe einen Mordshunger, bin den ganzen Tag nicht dazu gekommen, was zwischen die Kiemen zu kriegen. Und wenn ich nicht gleich ...«

Gabriele lief auf Wolfgang zu Umarmte, küsste ihn, presste ihren Kopf an seine Schulter.

»Wir sind schwanger!«, rief sie aus. Überschwänglich, mit heller Stimme. Wieder und wieder. »Wir sind schwanger! Es hat geklappt!«

»Seit wann weißt du es?«

»Die Praxis hat vor einer halben Stunde angerufen. Befund: positiv! Die Ärztin hat mir schon gratuliert.«

Wolfgang rutschten die Hefter aus dem Arm. »Und warum kommst du nicht gleich ..«

Er fasste Gabi um die Hüften, hob sie hoch und schwang sie in der Luft, während er sie immer wieder küsste.

»Kuno meint, wir sollten bei ihm feiern ...«

»Ach ne, nich schon wieder beim Kuno. Das ist kein Anlass für Bier und Soleier ...«

Wolfgang setzte Gabriele behutsam ab.

»Ich hab doch längst vorgesorgt!«, rief er beim Hinausgehen.

Kurz darauf kam er mit einer Pulle Sekt und zwei Gläsern ins Schlafzimmer zurück.

»Irgendwann musste es ja klappen!«, rief er aus. Als habe er einen Freispruch in der letzten Instanz erreicht.

Der Sektkorken knallte an die Decke, landete als Querschläger am Spiegel und rollte unters Bett.

Sie prosteten sich zu.

»Ich hatte die Hoffnung fast schon aufgegeben«, sagte Gabriele etwas leiser.

Nachdem sie sieben Jahre lang die Pille genommen hatte, schien sich keine Schwangerschaft mehr zu ergeben. Dabei zeigten die Untersuchungen bei der Hausärztin, dass es aus biologischen Gründen keinerlei Hindernisse geben konnte. So waren drei Jahre vergangen. Bis nun die erlösende Nachricht kam.

Wolfgang füllte die Gläser nach. »Jetzt trinken wir die Pulle leer und tanzen auf der Straße, dann gehen wir essen und zeigen wir dem Baby anschließend mal, worauf es in der Liebe ankommt ...«

Es klingelte an der Haustür.

Wolfgang sah auf die Uhr.

»Ach, verdammt, den hab ich doch glatt vergessen.«

»Um diese Uhrzeit? Ein Mandant? Das kann nicht dein Ernst sein, Wolfgang.«

»Nein, das ist Rolf. Der will zu dir.«

»Zu mir? Welcher Rolf? Ich kenne keinen Rolf Und heute schon gar nicht!«

»Natürlich kennst du Rolf? Rolf Campmann. Das geht ganz schnell, Gabi.« Wolfgang ließ sie stehen. »Zieh dir was anderes an, in dem Kleid können wir nicht ausgehen.«

Gabriele lachte ihr helles Lachen. Auch wenn sie ein wenig enttäuscht war.

Schnell schlüpfte sie wieder in ihre Jeans, zog eine hellblaue Seidenbluse an und holte das sandfarbene Jackett aus dem Schrank. Die elegante Gattin des Rechtsanwaltes wird heute zum Essen ausgeführt. Noch sieht man ihr nicht an, dass sie in anderen Umständen ist. Aber bald werden es alle erfahren, spätestens wenn die Hochzeitseinladungen rausgehen ...

Gabriele zögerte.

Wen aus ihrer Familie wollte sie zur Hochzeit einladen? Den Herrgott unter keinen Umständen.

»Kommst du bitte runter in die Kanzlei!«, rief Wolfgang. »Es geht ganz schnell, wirklich.«

»Ich fliege!«, antwortete Gabriele.

Rolf Campmann trug eine schwarze Lederjacke, einen kurz geschnittenen Bart, eine kreisrunde Nickelbrille und zog an einer maisgelben Gitanes.

»Ihr kennt euch, oder?«, sagte Wolfgang.

Gabriele hatte den Journalisten zwar einige Male im Fernsehen gesehen, aber noch nie mit ihm gesprochen.

»Ich brauche deine Hilfe, Gabriele!« Campmanns Stimme klang vertraulich.

Wolfgang wies dem Journalisten einen Platz an. »Willst du was trinken, Rolf?«

»Wenn du ein Bier hast, gerne«, erwiderte Campmann beinahe ausgelassen.

Muss er ihn auch noch auf ein Bier einladen, dachte Gabriele. Es geht ganz schnell, Wolfgangs Lieblingssatz, ja, ja, es geht ja immer alles ganz schnell ... bis es dann irgendwann zu spät ist, noch auszugehen ...

»Wobei soll ich Ihnen helfen?« Gabriele verschränkte die Arme unter dem Busen.

»Bleiben wir doch beim du«, sagte Campmann. »Es geht um deinen Großvater!«

Gabriele zuckte zusammen.

Wolfgang brachte ein tulpenförmiges Glas und schenkte Campmann das Bier ein. »Ich hab Rolf schon gesagt, dass du da keine Aktien drin hast, aber er wollte es unbedingt von dir selbst hören.«

Rolf Campmann nahm das Bierglas, prostete den beiden zu. »Ich versuche seit Wochen, an deinen Großvater heranzukommen, aber er lässt sich immer verleugnen. Ich dachte, du könntest mir weiterhelfen.«

Gabriele schüttelte den Kopf. »Der Herrgott ist für mich gestorben. Und der Rest der Familie auch.«

»Welcher Herrgott?«, fragte Campmann.

»So wurde der alte Herr im Hause der Hunnen immer genannt«, erklärte Wolfgang. »Ich hab doch gesagt, dass dir Gabi zu dem greisen Familienoberhaupt keinen Zugang öffnen kann.«

»Es wäre nur ein kurzer Anruf.« Campmann schien sich nicht so leicht abwimmeln zu lassen.

Gabriele wurde sauer. »Ich soll nach zehn Jahren zu Hause anrufen und sagen, da will ein gewisser Herr Campmann etwas von dir wissen. Wie stellst du dir das vor? Nur weil du versuchst, an ihn heranzukommen.«

Gabriele stand auf »Wolfgang, wir gehen jetzt.«

Sie hakte sich bei ihm ein.

Drängte ihn zur Tür.

Campmann stellte sein Bierglas ab. »Ich habe nur eine ganz simple Frage an deinen Großvater. Die lässt sich gewiss leicht klären, ich bräuchte nur eine kleine Voranmeldung ...«

»Bin ich dein Telefonfräulein, Rolf?«, fuhr Gabriele den Journalisten an.

Unbeirrt setzte Campmann fort: »Warum hat dein Großvater bereits im Januar 1930 einen jüdischen Mitarbeiter aus seiner Kanzlei geworfen? Ganze drei Jahre vor der faschistischen Machtergreifung. Arnold Zimmerschied war ein fähiger Jurist, hatte alle Examen mit Auszeichnung bestanden, summa cum laude, und wird ohne jeden Grund auf die Straße gesetzt.«

Gabriele ließ Wolfgang los.

»Ich hab noch nie was davon gehört«, sagte sie.

Das Telefon klingelte.

Wolfgang ging zum Schreibtisch.

»Lass es klingeln«, bat Gabriele inständig. »Bitte, Wolfgang, mir zuliebe«, setzte sie etwas lauter hinzu.

Wolfgang hielt den Hörer in der Hand.

»Van Bergen.«

Die Stimme, die an sein Ohr drang, nahm ihn schon bei den ersten Worten gefangen. Eine Frauenstimme, in melodiösem Alt. Nur ein paar Sätze hingehaucht. Sie habe eine sehr persönliche Bitte an ihn. Ob er etwas Zeit für sie habe?

»Ich komme«, sagte Wolfgang nach einem knappen Räuspern, »ich komme sofort, Frau Kerner!«

Dann legte er den Bakelithörer auf die Gabel des schwarzen Telefonapparates.

Er wandte sich an Gabi. »Wir treffen uns beim Thailänder! Einverstanden? Es geht ganz schnell. Sagen wir in einer Dreiviertelstunde!«

Gabriele konnte nichts erwidern.

Schon hatte Wolfgang die Kanzlei verlassen.

»Dann habe ich ja etwas Zeit." Rolf Campmann schenkte sich den Rest aus der Bierflasche ein. »Vielleicht kann ich dich noch umstimmen.«

Gabriele schaute aus dem Fenster. Wolfgang startete den alten BMW und brauste davon.

»Ziemlich gemütlich, diese Kanzlei«, sagte Campmann. »Ich kenne in der Hansestadt nur die ganz gediegenen Sozietäten wie die deiner Familie oder die kleinen Krauter-Juristen, die von der Hand in den Mund leben, deren Mobiliar stammt von Haushaltsauflösungen oder vom Sperrmüll.«

Wolfgang van Bergen hatte in den letzten zehn Jahren seine Kanzlei immer wieder selbst renoviert. Die Wände und Stuckdecken waren braun gestrichen, dann in Cremeweiß, jetzt erstrahlten sie in einem matten Grün. Sein Kollege Hermann, mit dem er die Sozietät betrieb, legte keinerlei Wert auf das Interieur, aber Wolfgang ließ sich nicht davon abbringen, alle paar Jahre zu renovieren, er brauche die Abwechslung.

»Ich kann dir nicht helfen, Rolf«, sagte Gabriele, ohne Campmann anzusehen, »das musst du schon mir überlassen.« Sollte sie diesem Journalisten über das Zerwürfnis mit ihrer Familie erzählen? Alte Narben aufreißen, neuerlich die Schmerzen spüren, die ihr der Herrgott und die ganze Sippe zugefügt hatten. Das lag alles so weit entfernt. Auch wenn sie vorhin daran gedacht hatte. Die gute Nachricht von der Schwangerschaft, die anstehenden Hochzeitsvorbereitungen. Nur eine einzige Person aus ihrer Familie war Gabriele geblieben. Aber die lebte unter falschem Namen, mehr als hundert Kilometer weit entfernt.

»Hast du dich nie gefragt, was die Kanzlei Huneus & Huneus in der NS-Zeit getrieben hat?« Campmann zündete seine Gitanes wieder an und hielt Gabriele die Schachtel hin.

Sie lehnte ab.

»Wolltest du das denn nicht wissen?«

Gabriele stockte.

»Soll das ein Verhör werden?«, fragte sie ungehalten. »Muss ich mich rechtfertigen, dass ich meine Alten nicht nach dem Leben in der Nazi-Zeit befragt habe?« Gabriele erinnerte, dass ihre Urgroßmutter Helene eine ziemliche Abneigung gegen die Parteibonzen hatte. Wenn von denen jemand kam wegen Scheidung und so, hab ich immer gesagt, wir hätten schon zu viele Mandate und könnten auf absehbare Zeit keine neuen hinzunehmen, hatte Helene augenzwinkernd ihrer Urenkelin erzählt. »Die Nazi-Zeit ist niemals ein Thema bei uns gewesen«, sagte Gabriele abwehrend. Was sollten Rechtsanwälte, die vornehmlich in Wirtschaftssachen unterwegs waren, auch schon Schlimmes angerichtet haben?

Gabriele hoffte, dass der Journalist aufstand und die Kanzlei verließ. Warum Wolfgang sie mit ihm alleine gelassen hatte, würde er ihr erklären müssen. Dieser Anruf war ja mal wieder besonders dringlich gewesen.

»Ich war zweiundzwanzig, als ich von meiner Familie getrennt wurde, ich hatte damals ganz andere Probleme.«

»Warum bist du ... getrennt worden?«, fragte Campmann. »Willst du darüber etwas sagen?«

»Nein!«, antwortete Gabriele.

Nun schaute sie ihn an. Jetzt geh schon, dachte sie. Trink das verdammte Bier aus und hau ab.

Gabriele wollte viele Jahre mit der Juristerei nichts zu tun haben und hatte in Frankfurt Psychologie studiert. Was sie vor ihren Eltern geheim hielt. Psychologen gehörten zu den verachteten Seelenklempnern, wie sich ihr Vater auszudrücken beliebte. Als sie Wolfgang kennen lernte, wechselte sie den Studienort. Nach ihrem Diplom an der Hamburger Universität arbeitete Gabriele eine Zeit lang für ein Marktforschungsinstitut in Süddeutschland. Dann las sie die Anzeige des Institutes für forensische Psychologie in Duisburg und bewarb sich.

»Und du siehst wirklich keine Möglichkeit ...« Campmann beendete den Satz nicht.

»Nein.« Wann kapiert er endlich, dass ich ihm nicht helfen kann?, dachte Gabriele.

»Ich will nicht aufdringlich sein, aber es wäre wirklich für mich wichtig.«

Sie spürte, dass dieser Journalist viel mehr wollte, als dem Herrgott eine simple Frage stellen.

»Der damals entlassene jüdische Mitarbeiter war der beste Freund meines Vaters. Arnold Zimmerschied bekam sofort nach dem Januar 1933 Berufsverbot, hat das Land gerade noch rechtzeitig verlassen können, sich später im mexikanischen Exil das Leben genommen. Mein Vater hat mir erst kurz vor seinem Tod davon erzählt. Er hat sich sein ganzes Leben lang Vorwürfe gemacht, dass er in dieser schweren Zeit seinem besten Freund nicht zur Seite gestanden hat.«

Nach den Auschwitz-Prozessen Mitte der sechziger Jahre gab es erste Diskussionen über die NS-Vergangenheit der Vätergeneration, die mit der Studentenrevolte 1968 ihren Höhepunkt erreichten. Jetzt, zehn Jahre später, nach der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer, wurde diese Diskussion erneut zum Thema. Während seiner Zeit im Protektorat Böhmen-Mähren war Hanns-Martin Schleyer als Führer des Industrieverbandes für Hunderttausende von Zwangsarbeitern in den Waffenfabriken zuständig gewesen.

»Arnold konnte in Mexiko keine Arbeit als Rechtsanwalt finden und hat sich beim Theater verdingt, als Beleuchter. Eines Abends wurde er auf der Bühne erhängt aufgefunden. Als der Vorhang zu einer Premiere aufging, sahen ihn die Zuschauer. Er hatte den Freitod gewählt. Mir geht dieses Bild einfach nicht aus dem Kopf.«

Campmann hob beide Schultern, als wolle er um Verzeihung bitten, dass er Gabriele derart bedrängte.

»Rolf, sei mir nicht böse, aber ich sehe keine Möglichkeit. Für mich gibt es zu dieser Familie keinen Rückweg. Vielleicht versuchst du es mal über meine Mutter ...«

»Die hat diese Galerie am Wall?«

»Der Name steht ja groß dran.«

Campmann verzog das Gesicht. Seine Zähne wurden sichtbar, sie waren so gelb wie seine Zigaretten.

»Wenn ich ihr sage, weswegen ich deinen Großvater sprechen will, wird die doch sofort die Schotten runterlassen. Ich dachte, mit dir und Wolfgang kann ich offen darüber reden, weil wir die Sache politisch ähnlich sehen.«

Meine Mutter wird dich achtkantig rausschmeißen, dachte Gabriele, wie sie mich damals aus der Galerie rausgeschmissen hat.

»Mein Großvater wird dieses Jahr fünfundachtzig.«

»Ich weiß, er ist am 1. September geboren.«

Gabriele zuckte neuerlich zusammen. Noch stand der Geburtstermin nicht genau fest, aber ihr Kind sollte Ende August zur Welt kommen. Hoffentlich nicht am Geburtstag ihres Großvaters.

»Ich muss jetzt los! Wolfgang soll nicht auf mich warten.«

»Hast du was dagegen, wenn ich mitkomme? Ich könnte euch von meiner Recherche erzählen.«

»Ein anderes Mal gerne, aber nicht heute. Wir haben etwas zu feiern.«

Gabriele hielt sich die Hand vor den Mund.

»Bin ich in etwas hineingeplatzt? Tut mir Leid.«

Sie strahlte den Journalisten an. »Ich habe vorhin erfahren, dass ich schwanger bin. Wir haben so lange darauf gehofft ...«

»Bin schon weg«, sagte Rolf Campmann. »Gratulation, wirklich, und bitte um Entschuldigung ... Wolfgang hätte doch sagen können, dass es euch beiden heute nicht passt«

Das hätte er, dachte Gabriele. »Er ist manchmal etwas schwer von Begriff ... in diesen Dingen«, sagte sie. »Halte mich auf dem Laufenden, wenn du etwas herausbekommst.«

Sie öffnete die Haustür, um Campmann hinauszubegleiten.

Dann rannte sie ins Schlafzimmer hinauf und zog sich das kirschrote Abendkleid an.

Nicht nur Wolfgang sollte Augen machen.

- zwei -

»Wie hält sie sich so?« Wolfgang van Bergen trat ganz nah an den Wachmann heran. Gerötete Augen, verschwitzte Stirn.

»Frau Kerner nimmt das alles sehr professionell! Der Prozess scheint ihr nichts anzuhaben!« Die Dienstmütze saß dem Justizbeamten tief im Nacken. »Sie ist die beliebteste Gefangene in unserer Anstalt. Wir haben vollstes Verständnis für sie.«

»Für eine mutmaßliche Mörderin?«, fragte Wolfgang.

Die Zeitungen hatten ausführlich über den Fall Kerner berichtet. Obwohl nach ihrem Geständnis die Luft ein wenig raus war. Kam nur noch darauf an, ob der Rechtsanwalt den Vorsatz wegplädieren konnte. Wahrscheinlich hatte es Streit an Bord gegeben. Waren sich die Männer in die Haare geraten? Sabine Kerner mittendrin. Mit einem Paddel hatte sie zugeschlagen. An die weiteren Umstände des Falles konnte sich Wolfgang nicht erinnern. Am Telefon hatte Frau Kerner es ausgesprochen dringend gemacht. Ihr Name elektrisierte ihn. Und ihre Stimme. Warum braucht sie rechtlichen Beistand? Sie hat doch einen Verteidiger. War das nicht dieser schneidige Dr. Frost, der zu den angesetzten Terminen aus Frankfurt angereist kam und das Gericht mit einer Batterie von Anträgen beschäftigte?

»Frau Kerner macht keinerlei Ärger und benimmt sich absolut tadellos uns gegenüber«, fügte der Wachmann hinzu, »das können wir nicht von allen Häftlingen sagen.«

»Ist es üblich, dass Untersuchungshäftlinge so spät noch Besuch empfangen dürfen?«, fragte Wolfgang den Justizbeamten, der ihn in der Haftanstalt von Gitter zu Gitter durchschloss.

»Üblich ist das keineswegs, Herr van Bergen.« Er blinzelte dem Rechtsanwalt verschwörerisch zu. »Aber auch wir haben manchmal ein Herz, verstehen Sie!«

Die Fahrt zum Untersuchungsgefängnis dauerte kaum eine Viertelstunde. Wolfgang war den Weg so oft gefahren, dass er sich nicht auf die Straße konzentrieren musste. Hier spricht Frau Sabine Kerner, hatte sie am Telefon das Gespräch eröffnet. Die Segeltörn-Mörderin. Diese rauchige Stimme, die ihn in Bann schlug.

Bei einer Segelpartie in dänischen Gewässern bringt die mutmaßliche Täterin ihren Liebhaber um. Frau Kerner nimmt die Schuld auf sich. Ich habe Wilfried Mohnheim mit einem Paddel erschlagen, hatte sie gestanden. Und so war es in allen Zeitungen zu lesen. Manchmal in fetten, roten Lettern. Allerdings gestand sie die Tat erst, nachdem die deutsche Polizei sie damit konfrontiert hatte, dass in der fraglichen Zeit keine nennenswerten Windstärken verzeichnet worden waren. Zunächst behaupteten die drei Kerners bei der dänischen Polizei gleichlautend, Wilfried sei bei einem heftigen Orkan über Bord gegangen. Die stundenlange Suche in stürmischer Nacht habe leider keinerlei Lebenszeichen ergeben. Es wurde ein Protokoll ausgefertigt und die Kerners konnten nach Hause reisen. Dann kamen der dänischen Polizei Zweifel. In jenen Tagen gab es weit und breit keinen Sturm. Sie übermittelten ihre Bedenken den deutschen Kollegen in der Hansestadt. Bei der ersten Vernehmung erlitt Sabine Kerner einen Nervenzusammenbruch und gestand den Mord an ihrem Liebhaber. Ich habe ihn bei einem Streit mit dem Paddel erschlagen, so hatte sie sich eingelassen.

»Können Sie sich vorstellen, warum sie mich hergebeten hat?«, fragte Wolfgang.

»Wenn Sie sich das nicht denken können«, antwortete der Beamte, »keine Ahnung. Ich bin ja kein Jurist.«

Die Mandanten, die Wolfgang in den letzten Jahren verteidigte, schätzten nicht nur sein forsches Auftreten vor Gericht, sondern seine zuverlässige Art, niemandem etwas vorzumachen, einen Sieg in einem aussichtslosen Prozess vorzugaukeln oder Hoffnung auf ein vermindertes Strafmaß zu wecken. Wolfgang liebte Fälle, die ein wenig Glanz versprachen. Sein erstes Verfahren, in dem er für Hannah Huneus, die jüngere Schwester seiner Freundin, einen Freispruch erzielte, bestimmte seinen weiteren Weg. Auch wenn es sich nur um einen Freispruch zweiter Klasse gehandelt hatte.

Die Besucherzelle war ein quadratischer Raum, in dem es nach gebohnertem Linoleum roch. Bis in Kopfhöhe waren die Wände mit dunkelgrauer Lackfarbe gestrichen, darüber weiß gekalkt. In der Mitte stand ein Tisch mit zwei Stühlen. Über der Tür lächelte sanft der Bundespräsident.

»Ich hole Frau Kerner«, sagte der Beamte.

Wolfgang mochte den Kollegen Dr. Frost nicht besonders. Der Strafverteidiger war ein pompöser Fatzke, der sich in jedes Rampenlicht stellte, kein Mikrofon ausließ und immer dicke Backen machte, wenn es darum ging, einen Freispruch zu prognostizieren, obwohl das Hauptverfahren noch gar nicht begonnen hatte. Warum Frau Kerner gerade ihn zum Verteidiger genommen hatte, konnte Wolfgang nur vermuten. Sein Name war republikweit bekannt: Dr. Frost liebte Skandalfälle, spielte in der Frankfurter High Society auf dem Medienklavier und tauchte immer wieder in den Klatschspalten der Boulevardpresse auf. Manchmal war Wolfgang ein wenig neidisch auf die Aufmerksamkeit, die Dr. Frost zuteil wurde.

»Schön, dass Sie gleich kommen konnten.« Ihre Altstimme war noch aufregender als am Telefon. »Ich werde Sie gewiss nicht enttäuschen, Dr. van Bergen.«

Sabine Kerner trug einen anthrazitfarbenen Hosenanzug und weiße Mokassin-Slipper. Ihr Gesicht war schmal geschnitten, sie hatte eisgraue Augen und dunkelrot geschminkte Lippen.

Der Rechtsanwalt bat den Wachhabenden, sie allein zu lassen.

»Herr van Bergen, ich sitze still dahinten in meinem Eckchen und sehe und höre nichts, wie es unseren Vorschriften entspricht«, antwortete der Uniformierte. »Immerhin sind Sie ja nicht der Verteidiger der Dame.«

Sabine Kerner wandte sich an den Beamten, er möge doch dieses Mal eine kleine Ausnahme machen. Sie lächelte ihn dabei so verwegen an, dass Wolfgang erschrak.

»Aber nicht länger als fünf Minuten!« Der Wachhabende erhob sich gemächlich von seinem Stuhl.

»Würden Sie meine Verteidigung übernehmen?«, fragte Sabine Kerner sofort, nachdem der Beamte die Tür hinter sich geschlossen hatte.

»Sie haben doch einen Verteidiger! Dr. Frost, überaus kompetent, wie man so hört.« Hat die dringliche Anfrage der Segeltörn-Mörderin damit zu tun, dass ihr Rechtsanwalt in Frankfurt wohnt und sie ihn für eine juristische Nachfrage nicht erreichen kann?

»Ich habe heute Nachmittag den Frost in die Wüste geschickt!«, sagte Sabine Kerner. Ihre eisgrauen Augen fixierten ihn.

»Warum?« Wolfgang versuchte, ihrem Blick standzuhalten. »Ich konnte ihm nicht mehr vertrauen!«, kam die prompte Antwort. Und sie klang äußerst verächtlich.

Sabine Kerner kniff die Augenlider zusammen. Der rote Mund ganz schmal.

»Haben Sie sich das gut überlegt? In einem laufenden Verfahren den Verteidiger zu wechseln hat nur selten zu einem befriedigenden Ergebnis geführt, aber das Vertrauen müssen ja erst mal die Mandanten ...« Wolfgang ließ den Satz unvollendet.

»Ich weiß, was ich tue.« Die Antwort so klar wie der Kammerton a. Ihre geringe Körpergröße täuschte. Sie schien über erhebliche Energien zu verfügen.

»Wie zerrüttet ist denn das Vertrauensverhältnis?« Wolfgang schaute auf die Uhr. Es würde nicht mehr lange dauern, bis der Justizwachtmeister wieder die Besucherzelle betrat. Fünf Minuten würden da nicht reichen. Unter keinen Umständen.

»Unsere Scheidung stand schon seit langem an«, erwiderte Frau Kerner. »Er will mich nicht mehr auf meinem Weg unterstützen.«

Wolfgang kamen ihre Formulierungen merkwürdig vor. So überaus gedrechselt. Welcher Art war die Liaison, die sie mit Frost eingegangen war? »Womit hat sich der Kollege Ihr Misstrauen erworben?«

»Ich habe heute Morgen schriftlich mein Geständnis zurückgezogen!« Wieder fixierte sie ihn »Gegen den ausdrücklichen Ratschlag des Herrn Doktor Frost, wenn Sie verstehen, was ich meine.«

Sabine Kerner faltete einen Zettel auseinander und reichte Wolfgang den Durchschlag.

Er überflog die Zeilen. Möchte ich hiermit mein Geständnis in dem anhängigen Verfahren widerrufen ... Das war ihm in seiner Zeit als Strafverteidiger noch nie passiert. Wenn eine Mandantin ihrem juristischen Beschützer davonlief, musste es besondere Vorkommnisse gegeben haben. Warum will sie gerade jetzt den Verteidiger auswechseln?, dachte er. Wolfgang stellte sich das anstehende Gespräch mit Dr. Frost äußerst schwierig vor.

»Hatten Sie denn Probleme mit dem Vorsitzenden Richter?« Wolfgang konnte sich nicht erinnern, ob Dr. Landmann oder Dr. Briegleb das Verfahren im Schwurgerichtssaal leitete.

»Nein, nein«, erwiderte Sabine Kerner, »der Richter frisst mir aus der Hand, Herr Doktor,«

Während des Studiums in Marburg hatte Wolfgang selbst mit dem Beruf geliebäugelt, den sein Lieblingsonkel Ulrich ausübte. Richter waren frei, durften unabhängig entscheiden, was konnte ein geschulter Jurist mehr erwarten. Sie waren die eigentlichen Herren im Gerichtssaal und besaßen eine hohe Reputation. Aber inzwischen schienen ihm die meisten dieser Schwarzroben verklemmte Bürokraten, die von Lob und Tadel der Hierarchie abhängig waren, oft pedantisch, fast immer politisch diffus, selten liberal und kriminalpsychologischen Ergebnissen gegenüber wenig aufgeschlossen. Manchmal genügte ein winziger Einspruch Wolfgangs, um einen altbewährten Richter vollständig aus der Rolle fallen zu lassen.

»Darf ich fragen, wie Sie gerade auf mich gekommen sind?« Er reichte Sabine Kerner den Durchschlag zurück.

»Oh«, nun funkelten ihre eisgrauen Augen, »Sie haben einen wirklich einzigartigen Ruf unter den Insassen. Jeder, den ich gefragt habe, was ich in meiner Verzweiflung tun solle, hat Ihren Namen genannt, Herr Dr. van Bergen ...«

»Ich habe keinen Doktor!«, unterbrach Wolfgang sie.

»Würde das denn im Verhältnis zwischen uns etwas ändern?« Ihre Frage klang überaus kess.

Die Tür wurde aufgeschlossen.

»Die Zeit ist um!«, sagte der Wachhabende. Er zeigte auf seine Armbanduhr.

»Noch zwei Minütchen«, bat Sabine Kerner, »nur noch zwei Minütchen, wir sind gleich fertig, Karl.«

Sie schaute Wolfgang auffordernd an.

»Möglicherweise werde ich die Verteidigung von Frau Kerner übernehmen«, sagte er mit ruhiger Stimme, »das ist ein anwaltliches Gespräch, lassen Sie uns bitte allein.«

»Ach«, erwiderte der Wachhabende, »dann wäre sie ja in bewährten Händen.« Mit einem angedeuteten Bückling verließ er die Besucherzelle. »Klingeln Sie, wenn Sie rauswollen.«

Als der Justizbeamte die eiserne Tür wieder verschlossen hatte, sagte Frau Kerner: »Ich war mir ganz sicher, dass ich mich auf Sie verlassen kann. Sie werden diesem Briegleb schon Paroli bieten, wenn es ab jetzt hart auf hart kommt.«

Scheint ja fest davon auszugehen, dass ich sie verteidigen werde, dachte Wolfgang. Wenn sie sich da mal nicht irrt.

Wolfgang war in der Hansestadt schnell der Stempel eines Linksanwaltes aufgedrückt worden. Über Jahre verteidigte er Demonstranten vor Gericht, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Hausbesetzer, unrechtmäßige Inbesitznahme von fremdem Eigentum, oder Atomkraftgegner. Er gehörte jedoch nie zu den dogmatischen, linken Kollegen, die davon ausgingen, in der BRD herrsche unumschränkt die Klassenjustiz. Auch wenn man bei manchen Urteilen diesen Verdacht haben konnte.

Bei einem Hearing der Atomkraftgegner, an dem Wolfgang van Bergen als Rechtsbeistand teilgenommen hatte, war er mal gefragt worden, warum die meisten Juristen sich derart obrigkeitshörig und reaktionär benahmen. Wolfgang zitierte den ersten Rektor der FU in Berlin, der sagte, die Juristenausbildung gleiche der

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