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Sozialpsychologie des Körpers: Wie wir unseren Körper erleben
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Sozialpsychologie des Körpers: Wie wir unseren Körper erleben
eBook376 Seiten3 Stunden

Sozialpsychologie des Körpers: Wie wir unseren Körper erleben

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Über dieses E-Book

Wie wir unseren Körper erleben, bestimmt, wie wir uns in unserer sozialen Welt bewegen. So muss es alarmieren, dass viele Frauen und Männer mit ihrem Körper unzufrieden sind. Wie kommt es dazu? Diese Frage wird in diesem Band umfassend beantwortet, indem die Einflüsse unseres Alltags und unserer Kultur auf das Körpererleben aufgedeckt und diskutiert werden. Die Autorin beschreibt auch, wie gegen pathologische Formen von Körperunzufriedenheit und -modifikationen präventiv vorgegangen werden kann. Dabei wird der Bereich "Körper und Schule" vertieft behandelt.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum2. Aug. 2007
ISBN9783170280809
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    Buchvorschau

    Sozialpsychologie des Körpers - Gisela Steins

    Stichwortverzeichnis

    Einführung

    Unser Körper blüht und gedeiht, verfällt und stirbt, wenn alles seinen natürlichen Gang geht. Wenn Sie sich also mit dem Körper und seiner Sozialpsychologie beschäftigen möchten, dann wird es nicht immer um Themen gehen, die Ihre Stimmung heben oder Ihnen wirklich gute Laune machen. Die Beschäftigung mit unserem Körper ist eine ambivalente Angelegenheit. Trotzdem müssen wir uns mit ihm beschäftigen, wenn wir einige wichtige Dinge in unserem Leben besser verstehen möchten. Deshalb haben Sie sich vielleicht entschlossen, das Folgende zu lesen.

    Sollten Sie bei der Lektüre einiger der folgenden Kapitel merken, dass Ihre Stimmung sinkt und Sie vielleicht sogar in Depressionen verfallen, seien Sie versichert, es liegt am Thema! Das Thema Körper birgt so viele unschöne, auch unverständliche Aspekte, mit denen Sie sich vermutlich auch alltäglich herumschlagen müssen, dass es eine normale Reaktion ist, dass man sich danach mitunter unsicher, niedergeschlagen und vielleicht auch manchmal ratlos fühlt. Da es sich um eine Sozialpsychologie des Körpers handelt, wird es noch nicht einmal einige erhellende Kapitel geben, in denen Sie über schöne einfache Übungen informiert werden, mit denen Sie sich jung, schlank und schön bis an Ihr Lebensende halten können. Nein, vielleicht kommen Sie bei der ein oder anderen sozialpsychologischen Theorie, die auf unseren Körper bezogen wird, sogar so richtig schlecht drauf.

    Vielleicht planen Sie, sich neben dieser Lektüre auch noch Gegenlektüre zu besorgen wie „Schlank und rank in einem Tag oder „Schlank durch essen oder „Aussehen mit 65 wie 34 oder „Wie ich ewig leben kann und Sie denken, falls Sie die folgenden Überlegungen gar zu unerträglich finden, können Sie ja jederzeit wechseln und sich aufheitern bei: „Sich akzeptieren wie man wirklich ist". Sollten Sie dieses planen, machen Sie bitte eines nicht: Kaufen Sie sich keine Schönheitsmagazine! Und wenn Sie es irgendwie aushalten, auch nicht eines der anderen gut gemeinten Ratgeberbücher zur Wiederherstellung und Erhalt von Schönheit, Jugend und ewigem Leben. Aber auf keinen Fall Schönheitsmagazine! Im Laufe der Lektüre werden Sie verstehen, warum. Sollten Sie all diese gut gemeinten Ratschläge unterlassen, behaupten Sie später bitte nicht, Sie seien nicht gewarnt worden!

    1 Vorüberlegungen

    Mit unserem Körper haben wir ein Leben lang zu tun. Mit ihm materialisieren wir unsere Person und nehmen unseren Platz in der Welt ein. Wir bewegen uns mit ihm durch Raum und Zeit. Mit unserem Körper sammeln und speichern wir Erfahrungen. Er ist der Ort, an dem wir notwendigerweise sind, solange wir leben.

    Obwohl unser Körper uns begleitet, ist er uns nicht immer vertraut. Er kann sich auf eine Art und Weise entwickeln, die uns missfällt. Er kann in einem Maße unserem Innenleben widersprechen, dass wir seine Erscheinung akzeptieren lernen müssen. Wir können erstaunt sein, dass unser Aussehen andere Botschaften vermittelt als wir zu senden beabsichtigen. Wir können in uns selbst verliebt sein, weil unser Körper so gut geraten, aber wir können ihn auch hassen, weil er so missraten ist. Der Satz „Langes Vertrautsein macht uns zuletzt das Böse und das Gute gleich lieb" von Seneca trifft nicht notwendigerweise auf unseren Umgang mit unserem Körper zu, denn unser Körper verändert sich oft anders, als wir es gerne hätten.

    Gleichgültig, ob wir mit unserem Körper gut oder schlecht auskommen, ein Minimum an Aufmerksamkeit verlangt er uns ab. Wir müssen seinen biologischen Bedürfnissen wie atmen, trinken, essen, schlafen und sozialen Bindungen nachkommen, um ihn zu erhalten. Gleichgültig wie wir zu unserem Körper stehen, er ist unser Medium. Damit ist unser Körper das soziale Symbol schlechthin, durch das wir in Beziehung zur Welt stehen. Wir kommunizieren mit anderen Menschen durch unseren Körper. Die Darstellung des Körpers verrät vermeintlich einiges über uns und die Menschen um uns herum. Wir meinen Rückschlüsse über den Status, die Persönlichkeit und andere Merkmale einer Person ziehen zu können, je nachdem wie wir deren körperliche Präsenz wahrnehmen.

    Auf einer weiteren Ebene mag der Umgang mit dem Körper die Werte von Gruppen offen legen. Welche Werte eine Gesellschaft für ihre Individuen bereithält, bestimmt ihren kulturellen Umgang mit Leben und Tod. Können wir „wie ein Fisch im Wasser in unserem Land leben oder müssen wir ständig „auf der Hut sein, „neben uns stehen", wenn es um die Gestaltung unseres Alltags geht?

    Körper ist am deutlichsten als bedeutsame Größe unseres Lebens in unserem Gesundheitssystem verankert. Dort ist der Bereich, mit dem Körper häufig in Verbindung gebracht wird: Mit dem Bereich des fließenden Übergangs zwischen Gesundheit und Krankheit, Wellness und Fitness, Vorsorge und Behandlung. Wie für unsere Psyche die Psychologie zuständig ist, so ist es für unseren Körper der medizinische Versorgungsapparat.

    Unser Körper ist jedoch mit allen Bereichen unseres Lebens verbunden. Unser kultureller Kontext bestimmt unser Körpererleben als eine bestimmende Kraft bis in die privatesten Lebensbereiche hinein. Eigentlich ist die Identität von Personen nicht gleich der Identität von Körpern (vgl. Williams, 1973), aber in den nachfolgenden Ausführungen wird deutlich, dass viele Personen hier eine unzulässige Gleichsetzung von Person und Körper vornehmen.

    Es ist die Absicht dieses Buches, die Komplexität des Themas darzustellen und anzuregen, unseren Körper aus der Perspektive sozialpsychologischer Prinzipien zu betrachten. So erfahren wir interessante Zusammenhänge, die unseren Alltag prägen. Diese Zusammenhänge sind vielen Menschen nicht unbekannt, sie werden aber selten formuliert und können deshalb nicht in unser Bewusstsein rücken. Formulieren wir sie und beschäftigen wir uns mit ihnen, dann lernen wir sie angemessen zu bewerten und mit ihnen umzugehen. In dem Ausmaß, indem wir eine differenzierte Perspektive auf das Kräftefeld einnehmen können, das mit unserem Körpererleben zusammenhängt, können wir aktiver unseren Körper erfahren. Damit können wir ihn gezielter einsetzen um das auszudrücken, was wir mit ihm ausdrücken wollen. So lautet die grundlegende These des Buches:

    Mehr Wissen um die auf unseren Körper wirkenden Kräfte und ein konstruktiver Einsatz dieses Wissens führen zu einer gelassenen physischen Präsenz und einer selbstbewussten reflektierten Einnahme des Platzes in der Welt, den wir beanspruchen möchten.

    1.1 Vorgehensweise

    Die Einführung in das Thema beginnt mit einer Begriffsklärung. Diese ist notwendig, damit die Vielfalt der Begriffe rund um die Körperforschung besser eingeordnet werden kann. Auch wird in der Einführung thematisiert, inwieweit unser Konzept von unserem Körper ein Teil unseres Selbstkonzeptes ist und vor allem, wie dieses sich entwickelt. Hier ist eine bindungstheoretische Perspektive interessant, weil wir mit ihr genauer verstehen können, dass unser Körpererleben untrennbar mit unserem sozialen Umfeld verbunden ist.

    In diesem Buch wird in der Hauptsache eine sozialpsychologische Perspektive auf das Phänomen des Körpers und dessen Erleben eingenommen. Viele andere Perspektiven sind genauso interessant und erhellend, werden aber hier vernachlässigt. Es handelt sich hier also um eine mögliche Perspektive unter vielen anderen.

    Nachdem die Grundkenntnisse zum Körperbild und Körpererleben ausgeführt sind, beginnt der erste Teil der Ausführungen zum Thema „Phänomene rund um das Körperbild". Dieser erste Teil ist, wie die Überschrift ankündigt, phänomenologisch. Körpererleben wird theoriefrei betrachtet. Wenn wir uns die Frage stellen, welche großen Themen wir in der Forschung entdecken können, die mit Körpererleben zu tun haben, stoßen wir auf mindestens drei Bereiche: Die Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, die verschiedenen Maßnahmen der Körpermodifikationen und psychopathologische Phänomene, die sich besonders an unserem Umgang mit Körper manifestieren. Diese Phänomene werden detailliert beschrieben und es werden internationale Forschungsergebnisse hierzu zusammengetragen.

    Daraus ergibt sich der zweite Teil des Buches, „Kräfte auf den Körper". Die in Teil I dargestellten Phänomene werfen zahlreiche Fragen auf, vor allem die Frage, warum es diese Phänomene überhaupt gibt und wie sie zu erklären sind. Drei Einflussgrößen, als Kräfte bezeichnet, werden in Teil II näher ausgeführt:

    Die biologischen Determinanten unseres Körpererlebens,

    die soziokulturellen Kräfte und

    die individuellen Kräfte.

    Die Beschreibung dieser Kraftfelder birgt eine Fülle relevanter Theorien in sich, mit denen Körpererleben in seiner Vielfalt besser verstanden werden kann.

    In Teil III werden die Theorien zu den Phänomenen rund um den Körper in eine Sozialpsychologie des Körpers integriert. Aus diesem Modell lassen sich Implikationen für aktuelle Interventionen und Präventionen ziehen. Diese werden ebenfalls ausgeführt. Auch sind die Überlegungen dieses Buches ein spannendes Anwendungsfeld für den Schulalltag. Julia Smaxwil hat eine Reihe interessanter Transfermöglichkeiten der hier dargestellten Inhalte für den Kontext Schule zusammengetragen. Eine Zusammenfassung als letztes Kapitel führt uns in eine mögliche Zukunft des Körpererlebens.

    Die Ausführungen in diesem Buch werden durch eigene Befunde illustriert. Diese Befunde wurden durch Befragungen von Lehramtsstudierenden gewonnen: 20 Männer und 78 Frauen zwischen 20 und 34 Jahre alt, also durchschnittlich 23,62 Jahre, wurden regelmäßig über einen Zeitraum von vier Monaten zu allen möglichen Aspekten ihres Körpers befragt. Die hier dargestellten Ergebnisse sind sicherlich aufgrund der nicht repräsentativen Stichprobe lediglich als Illustration bereits publizierter Forschung auf der Basis größerer und repräsentativerer Stichproben zu interpretieren. Dennoch ist es erstaunlich – um den Ergebnissen zusammenfassend vorzugreifen – dass, obwohl die sich über vier Monate hinziehende Befragung vielen Störfaktoren und Einschränkungen ausgesetzt war, in einer solch kleinen und selektiven Stichprobe viele der Zusammenhänge zu finden sind, welche wir aus der vielfältigen Forschung zu diesem interessanten Bereich zusammentragen können.

    Dadurch wird eine wichtige Erkenntnis dieser Forschung deutlich: Es ist wichtig zu lernen und ein essentieller Bestandteil von allen Erziehungs- und Sozialisationsprozessen, für sich selbst die Sorge zu tragen, zu sich selbst ein positives und kritisches Grundgefühl zugleich zu entwickeln, welches Selbstkonzept und Körperkonzept als untrennbare Aspekte einer Person mit einschließt.

    2 Begriffe rund um die Körperforschung

    Die Art und Weise, wie wir unseren Körper erleben wird in der psychologischen Forschung rund um den Körper durch unterschiedliche Begriffe zu beschreiben versucht. Es kristallisieren sich zwei hauptsächliche Forschungsfelder heraus, die jeweils unterschiedliche Begrifflichkeiten verwenden, nämlich Körperbild und Körperschema. Zentral für die hier aufgeführten Betrachtungen ist das Konzept des Körperbilds, also die Art und Weise wie wir uns mit unserem Körper fühlen.

    Körperbild

    Die Forschung zum Begriff des Körperbilds bezieht sich nach Nutzinger und Slunecko (1991) auf die emotionale Ebene der Körpererfahrung. Die Autoren verstehen die Forschung hierzu als persönlichkeitspsychologisch. Die subjektive Einordnung und Bewertung der Körpererfahrungen und die mit dem Körper verbundenen Einstellungen stehen im Mittelpunkt des Interesses. Diese werden wiederum durch soziokulturell vermittelte Erfahrungen beeinflusst, so dass Körpererfahrung aus dieser Perspektive heraus eine konstruktive Leistung der Persönlichkeit darstellt. Schilder (1935, S. 11) definiert Körperbild folgendermaßen:

    „The image of the human body means the picture of our own body which we form in our mind, that is to say the way in which the body appears to ourselves."

    Oder wie Krueger es 2002 formuliert:

    „… is the cumulative set of images, fantasies, and meanings about the body and its parts and functions; it is an integral component of self-image and the basis of selfrepresentation" (S. 31).

    Körperschema

    Die perzeptive Ebene, Struktur und Prozess, wird durch diesen Begriff zu erfassen versucht (Nutzinger & Slunecko, 1991). Die Forschung zum Körperschema ist somit eine eher neuropsychologisch orientierte (Nutzinger & Slunecko, 1991), im weitesten Sinne, wahrnehmungspsychologische Forschung.

    Body self

    „… refers to a combination of the psychic experience of body sensation, body functioning, and body image. Thus body image is the dynamically and developmentally evolving mental representation of the body self" (Krueger, 2002, S. 30).

    Demnach stellt das Körperbild einen Aspekt des sogenannten Körperselbst dar. Das Körperselbst wiederum ist ein Aspekt des Selbstkonzepts einer Person und entwickelt sich ein Leben lang.

    Weitere Begriffe

    Den Begriffen „Körperbild und „Körperschema können nun weitere Konzepte zugeordnet werden. So beschreibt der Begriff „Körper-Ich die Art und Weise, sich zu fühlen, den eigenen Körper wahrzunehmen (Galli, 1997, S. 18) und stellt damit eine Variante des Begriffs „Körperbild dar. Dem Körper-Ich stellt Galli die Bezeichnung Körper-Organismus gegenüber. Damit ist die eher anatomische Betrachtungsweise des Körpers gemeint. Die Forschungsinhalte, die mit diesem Begriff gemeint sind, überlappen teilweise diejenigen zum Körperschema, umfassen aber noch weitere, humanbiologische Fragestellungen.

    Mit „Konzept vom eigenen Körper ist ein subjektiv interpretiertes Abbild körperlicher und auf den Körper bezogener Gegebenheiten gemeint. Die Funktion dieses Konzeptes liegt in der Bewältigung der Realität und der Stabilisation des Selbst. Dieser Begriff umfasst eher Aspekte des Körperbilds, denn es geht um die subjektive Repräsentation selbstkonzeptrelevanter Körperaspekte. Die Forschungsdisziplin, die hinter diesem Begriff steht, ist mehr sozialpsychologisch als persönlichkeitstheoretisch geprägt. Eng mit dieser Sichtweise verbunden ist der Begriff der „Körpererfahrung. Damit ist nach Paulus (1982, S. 1) gemeint:

    „… wie Individuen ihren eigenen Körper erleben, welche Beziehung sie zu ihm haben, wie sie mit ihm umgehen. (…) sowohl die unmittelbar konkrete, singuläre Erfahrung, wie auch die Organisation vieler einzelner Erfahrungen, die den Moment überdauern."

    Paulus sieht Körpererfahrung als einen integralen Bestandteil einer Theorie über die eigene Person an (S. 75). Auch hier klingt wieder die Verbindung zur Selbstkonzeptforschung, somit zur Sozialpsychologie, an.

    In der Forschungsliteratur werden je nach fachlichem Hintergrund diese Begriffe verwendet. Es wird deutlich, dass damit nicht immer notwendigerweise unterschiedliche Inhalte gemeint sind.

    Wir selbst verbinden mit dem Begriff „Körper" sicherlich ganz andere Begriffe und Definitionen. So zeigt sich in Tabelle 2.1 das Ergebnis des ersten Begriffs, den die befragten Studierenden mit „Körper" assoziieren.

    Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass der äußere Eindruck mit 17,2 % der gesamten Nennungen die häufigste Assoziation mit dem Begriff „Körper" ist. Auch die Bewertung dieses Aussehens scheint bei vielen ein wichtiger Aspekt zu sein. Aber auch einzelne Körperteile und Eigenschaften des Körpers, Tätigkeiten, die man mit dem Körper machen kann und psychologische Assoziationen werden genannt. Die Unterschiedlichkeit der Begriffe zeigt, wie verwoben unser Körper mit unserem Leben und vor allem mit uns selbst ist. Allerdings, und das wird insbesondere Thema des ersten Teils sein, wird auch deutlich, dass unser Körper im sozialen Kontext eine wichtige Größe darstellt. Kaum anders ist der Schwerpunkt der Nennungen auf Aspekten wie Aussehen und Bewertung zu erklären.

    Tab. 2.1: Was wird mit Körper assoziiert?

    3 Das Selbstkonzept und unser Körper

    Wir nehmen nicht nur andere Menschen wahr und machen uns von ihnen ein Bild, sondern sind als reflektierende Wesen in der Lage, uns auch von uns selbst ein Bild zu machen. Wir können uns selbst in den verschiedensten Situationen beobachten und bewerten und entwickeln über die Zeit und durch die Summe der Erfahrungen und Rückmeldungen aus unserer sozialen Umwelt ein Konzept von uns selbst.

    Das Erleben des eigenen Körpers wird von einigen Autoren als ein integraler Bestandteil dieses Selbstkonzepts angesehen. So gehören nach Rosenberg (1986) unsere physischen Charakteristika zu unserem äußeren Selbst, aber auch unsere soziale Identität und unsere Dispositionen. Es kommt auf unseren Entwicklungsstand an, wie wir dieses äußere Selbst nach außen hin darstellen. Werden Kinder danach gefragt, wer sie selbst sind, dann nennen sie überwiegend körperliche Merkmale wie Augenfarbe, Haarfarbe, Körpergröße und -gewicht oder Körperstärke (Livesley & Bromley, 1973). Dieses Erleben des Selbst über eine körperliche Dimension tritt zugunsten einer psychologischen Definition und Darstellung immer mehr in den Hintergrund. Am Ende dieser Entwicklung denken wir, nur noch wir selbst wissen, wer wir wirklich sind: Wir sind Experten unserer selbst geworden. Der Körper als soziales Medium und damit für alle sichtbar und zuzuordnen verliert für unsere Selbstdarstellung an Bedeutung.

    Aber gilt dies auch für unsere Selbstdefinition, für das Erleben von uns selbst? Welche Rolle spielt hier der Körper über eine menschliche Biographie hinweg?

    3.1 Die Selbstdiskrepanztheorie

    Wenden wir uns einem Modell des Selbst von Higgins zu (1987; s. Kasten 3.1), dann wird deutlich, dass unser Selbstkonzept nicht einfach eindimensional zu betrachten ist. Es wird am besten als ein Bündel von Perspektiven auf uns selbst beschrieben. Das Ergebnis kann dann je nach Perspektive und Thema des Selbstkonzepts sehr unterschiedlich aussehen. Wie aus der tabellarischen Darstellung der Annahmen zum Selbstkonzept von Higgins zu entnehmen ist (Kasten 3.1), können zwei grundsätzlich verschiedene Standpunkte zum Selbstkonzept eingenommen werden:

    Wir können uns selbst betrachten oder

    wir können uns „durch die Augen einer anderen Person" sehen wie innerhalb des symbolischen Interaktionismus formuliert (Mead, 1934), also uns so sehen, wie andere uns vermutlich wahrnehmen.

    Damit aber nicht genug: Je nach den Kriterien, die wir selbst oder andere Personen an bestimmte Seiten von uns stellen, kommen wir zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. So unterscheidet Higgins tatsächliches Selbst, ideales Selbst und gefordertes Selbst. Je nachdem ob wir uns unter dem Aspekt der Realität, des Wunschdenkens oder der Anforderungen – jeweils unserer eigenen oder den vermeintlichen der anderen Personen – betrachten, können wir negative oder positive Diskrepanzen erleben. Wir können in einem bestimmten Bereich genau so sein wie wir das gerne hätten, aber es ist dann vielleicht nicht so, wie eine andere Person das gerne hätte.

    Auch umgekehrt: Wir entsprechen sowohl unseren eigenen Wünschen wie den Wünschen einer anderen Person, aber eigentlich verstößt unser Verhalten gegen die Forderungen, die wir von einer anderen Person gestellt bekommen. Da unser Selbstkonzept nach dieser Auffassung eine derartige Perspektivenvielfalt enthält, ist es schwierig, in einem Bereich keine Diskrepanzen zwischen unterschiedlichen Standards zu erleben und wir müssen lernen, „dass man es nicht allen recht machen kann". Dies ist ein schwieriger Lernprozess. So nimmt Higgins im Rahmen seiner Selbstdiskrepanztheorie auch an, dass jede Art der Selbstdiskrepanz für Menschen unangenehm ist. Je größer die Diskrepanz zwischen Real- und Idealbild, zwischen Ist und Sollen und Ist und Wollen, als desto unangenehmer wird dies empfunden. Deshalb neigen wir dazu, Diskrepanzen jeder Art zu reduzieren. Besonders das Auseinanderklaffen zwischen eigenem Ansp