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Die Mistel - Eine Heilpflanze für die Krankheiten unserer Zeit: Mythologie, Botanik, Signaturen, Pharmazie, Naturheilkunde, Onkologie

Die Mistel - Eine Heilpflanze für die Krankheiten unserer Zeit: Mythologie, Botanik, Signaturen, Pharmazie, Naturheilkunde, Onkologie

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Die Mistel - Eine Heilpflanze für die Krankheiten unserer Zeit: Mythologie, Botanik, Signaturen, Pharmazie, Naturheilkunde, Onkologie

Länge:
620 Seiten
4 Stunden
Freigegeben:
Feb 1, 2013
ISBN:
9783790510249
Format:
Buch

Beschreibung

Auf Bäumen wachsend, fasziniert die Mistel den Menschen seit Jahrtausenden. Sie ist als Pflanze in vielerlei Hinsicht einzigartig. Sie galt schon im Altertum als Allheilmittel. Und in der Tat: keine andere Pflanze bietet ein derart breites therapeutisches Spektrum, angefangen von Nervenleiden, über Herzkrankheiten, Frauenleiden und Alterskrankheiten bis hin zu Immunleiden. Hinzu kommen praktisch sämtliche Stresskrankheiten und das Burn-out-Syndrom.

Vor knapp 100 Jahren entdeckte Rudolf Steiner schließlich in ihr eine Heilpflanze gegen Krebs.

Einst heiligste Pflanze unserer Vorfahren erlebte die Mistel in den letzten Jahrzehnten eine Metamorphose hin zur bedeutendsten Heilpflanze für die wichtigsten Krankheiten unserer Zeit.

Neben zahlreichen Tipps zur Behandlung von Krankheiten, findet der Leser hier zum ersten Mal einen Vergleich sämtlicher im Handel befindlichen Mistel-Präparate, nicht nur in Bezug auf ihren Nutzen in der Praxis, sondern auch im Hinblick auf ihre Herstellung.

Die Autoren, zwei Heilpraktiker, eine Biologin, ein Arzt, ein Apotheker und ein Ethnopharmakologe, betrachten in diesem Buch die Mistel auf der Grundlage ihrer jeweiligen Fachkompetenz und schaffen so eine umfassende Betrachtung dieser gerade in unserer Zeit so bedeutenden Heilpflanze.
Freigegeben:
Feb 1, 2013
ISBN:
9783790510249
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Die Mistel - Eine Heilpflanze für die Krankheiten unserer Zeit - Olaf Rippe

Die Mistel –

eine Heilpflanze für die Krankheiten unserer Zeit

Olaf Rippe (Hrsg.)

Die Mistel –

eine Heilpflanze für die

Krankheiten unserer Zeit

Mythologie, Botanik, Signaturen,

Pharmazie, Naturheilkunde, Onkologie

Mit Beiträgen von

Roland Andre, Stefan von Löwensprung,

Margret Madejsky, Ruth Mandera,

Christian Rätsch, Olaf Rippe

Pflaum Verlag München

Anschrift des Herausgebers:

Olaf Rippe

Barerstraße 48

80799 München

Tel.: 089/2725902

Fax: 089/27349566

info@natura-naturans.de

www.natura-naturans.de

Impressum

Bitte beachten Sie:

Die medizinische Entwicklung schreitet permanent fort. Neue Erkenntnisse, was Medikation und Behandlung angeht, sind die Folge. Autor und Verlag haben größte Mühe walten lassen, um alle Angaben dem Wissenstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung anzupassen. Dennoch ist der Leser aufgefordert, Dosierungen und Kontraindikationen aller verwendeten Präparate und medizinischen Behandlungsverfahren anhand etwaiger Beipackzettel und Bedienungsanleitungen eigenverantwortlich zu prüfen, um eventuelle Abweichungen festzustellen.

Bibliografische Information Der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-7905-0995-3 (print)

ISBN 978-3-7905-1024-9 (epub)

ISBN 978-3-7905-1025-6 (mobipocket)

© Copyright 2010 by Richard Pflaum Verlag GmbH & Co. KG

München • Bad Kissingen • Berlin • Düsseldorf • Heidelberg

Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, der Entnahme von Abbildungen, der Funksendung, der Wiedergabe auf fotomechanischem oder ähnlichem Wege und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten.

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutzgesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften. Wir übernehmen auch keine Gewähr, dass die in diesem Buch enthaltenen Angaben frei von Patentrechten sind; durch diese Veröffentlichung wird weder stillschweigend noch sonst wie eine Lizenz auf etwa bestehende Patente gewährt.

Titelfoto: Olaf Rippe

Satz: Elisabeth Schimmer, Ergoldsbach

Informationen über unser aktuelles Buchprogramm finden Sie im Internet unter: http://www.pflaum.de

Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung

bei der Veröffentlichung dieses Buches bei den Firmen

Inhalt

Geleitwort

Vorwort

Geleitwort

Im Zeitalter summarischer Aussagen und statistischer Wahrheiten, in dem eine kausal-analytische, auf das Stoffliche ausgerichtete Forschung zu sogenannten wissenschaftlichen Ergebnissen über die Phänomene dieser Welt findet, ist es sicher ein besonderes Ereignis, dass sich ein Buch ganz allein mit einer einzigen Pflanze befasst: der Mistel. Und im Gegensatz zur kausal-analytisch stofflichen Herangehensweise wird hier die Pflanze in ihrer Einzigartigkeit und in ihren Gesamtzusammenhängen beschrieben, bewertet und „eingeschätzt".

Die der Naturheilkunde adäquate induktiv-synthetische Herangehensweise der Beschreibung – also vom Individuellen, Besonderen ausgehend hin zum Ganzen und den Gesamtzusammenhängen – macht dieses Buch so spannend, weil es reichhaltig alle Aspekte beleuchtet und so viele „Geschichten" von der Mistel erzählt.

Moderne Wissenschaft hin und her – aber natürlich gibt es die Empirie, natürlich gibt es Mythos und Magie ebenso wie die geisteswissenschaftlichen Hintergründe in der Welt dieser einzigartigen Pflanze. Seit Menschengedenken haben unsere Vorfahren Vorstellungen von dieser Pflanze mit sich herumgetragen, wie sie so als grüner Ball zwischen den winterlich kahlen Ästen und Zweigen sich anklammert: Ist es Symbiose oder doch eher Schmarotzertum? Die Signatur einer solchen Pflanze hat die Menschen und ihre Phantasie schon immer beschäftigt.

Hier werden nun all die Aspekte beschrieben und verständlich gemacht und sie werden zu all ihren therapeutischen Ansätzen und Möglichkeiten in Beziehung gesetzt. Von der Mistel aus eröffnet sich eine ganze Welt von Überlegungen zur Therapie, und unsere therapeutische Phantasie wird angeregt, diese oder jene Therapiesituation noch einmal in einem „anderen" Lichte zu sehen.

Mein Dank für diese Vielfalt gilt dem wunderbaren Autorenteam.

Burglauer im Mai 2010

Karl F. Liebau

Vorwort

„No mistletoe, no luck" (walisisches Sprichwort)¹

Der moderne Mensch steckt in der Krise – körperlich, seelisch und geistig. Das Konzept einer Wohlstandsgesellschaft auf Kosten der Umwelt und unserer Gesundheit, wird zunehmend von vielen in Frage gestellt, nicht zuletzt, weil inzwischen praktisch jeder auf die eine oder andere Weise von den Folgen direkt betroffen ist – Beispiele sind Burn-out, Herzinfarkt, Umwelterkrankungen wie Allergien oder Autoimmunleiden, seelische Not, existentielle Ängste, Wahnsinn und das Karzinom. Jede Epoche brütet aber nicht nur ihre ureigenen Krankheiten aus, sondern auch spezifische Lösungsstrategien. Gesamtgesellschaftlich sehen wir hier vor allem das erwachende Bewusstsein für ökologische Fragen, das auch das Potenzial für eine spirituelle Neuorientierung in sich trägt.

Die gesundheitlichen Probleme werden dagegen leider weitgehend von einer profitgesteuerten Medizinindustrie verwaltet und bekämpft. Die Medizin von heute befindet sich im Krieg – mit chemischen Kampfgiften, Laserstrahlen und neuerdings gentechnisch veränderten Substanzen, versucht sie, der Dämonen Herr zu werden, die die Gesellschaft größtenteils selber in diese Welt entlassen hat. Immer mehr Menschen haben da inzwischen so ihre Zweifel und sie besinnen sich auf die Fähigkeit zur Selbstheilung und die Heilkräfte der Natur. Dieses Bewusstsein bewirkt möglicherweise den dringend notwendigen Paradigmenwechsel in der Heilkunde. Bisher dachte man größtenteils über die Entstehung von Krankheiten nach und man suchte nach möglichst wirkungsvollen Behandlungsmethoden. Zukünftig wird es eher heißen: Was hält mich gesund, und wie kann ich mir selber helfen? Viele Antworten sind nicht wirklich neu. Vielmehr entsteht das Neue aus der Kunst, das alte Wissen mit dem Zeitgeist zu verbinden, und was man entdeckt, gleicht eher einer Wiedergeburt als einer Neugeburt. Um ein solches „wiedergeborenes" Heilmittel geht es auch in diesem Buch.

Auf Bäumen wachsend, fasziniert die Pflanze den Menschen seit Jahrtausenden. Bei den Galliern war sie das Heilige schlechthin, und auch in der Antike wurde sie als magisches Gewächs verehrt. Sie ist als Pflanze in vielerlei Hinsicht absolut einzigartig. Ihre botanischen Merkmale sind gelinde gesagt kurios, um ihre Gestalt ranken sich Legenden und Mythen, und sie galt schon im Altertum als Allheilmittel. Und in der Tat: keine andere Pflanze bietet ein derart breites therapeutisches Spektrum, angefangen von Nervenleiden, über Herzkrankheiten, Frauenleiden und Alterskrankheiten bis hin zu Immunleiden. Hinzu kommen praktisch sämtliche Stresskrankheiten und das Burn-out Syndrom. Vor knapp 100 Jahren entdeckte Rudolf Steiner schließlich in ihr eine Heilpflanze gegen Krebs. Die immense Bedeutung zeigt sich auch in dem breiten Sortiment an lieferbaren Arzneimitteln, deren Herstellung in vielen Fällen auf spektakuläre Weise geschieht, um die Heilkräfte freizusetzen.

Und wie so oft in der Not, hilft Mutter Natur sogar noch etwas nach, indem sie heute für eine größere Ausbreitung dieser mysteriösen Pflanze sorgt (Hilker u.a. 2005).

Die Rede ist von der Mistel – als ehemals heiligste Pflanze unserer Vorfahren erlebte sie in den letzten Jahrzehnten eine Metamorphose hin zur bedeutendsten Heilpflanze für die wichtigsten Krankheiten unserer Zeit.

Inzwischen dürfte sie auch zu den am besten erforschten Heilpflanzen gehören. Dem entsprechend gibt es eine Flut von wissenschaftlichen Publikationen, die jedoch fast ausschließlich das Karzinomproblem im Fokus haben und auch primär phytopharmakologisch orientiert sind und daher dem wirklichen Wesen der Pflanze und ihren Möglichkeiten nur im Detail gerecht werden. Das ganze mögliche Spektrum als einzelner Autor zu bearbeiten, wäre allerdings eine kaum zu bewältigende Herkulesaufgabe. Umso erfreulicher ist es, dass sich für dieses Buchprojekt sechs Autoren gefunden haben, die auf ihrem Gebiet hoffentlich nicht nur genügend kompetent sind, sondern auch auf freundschaftliche Weise und sogar beruflich miteinander verbunden sind. Der Synergismus, der durch eine solche gemeinsame Arbeit entsteht, führt auf jeden Fall immer zu Ergebnissen, die auf andere Weise niemals möglich gewesen wären, und die Autoren hoffen, dass dieses Buch zum Erhalt der Gesundheit der Leser beiträgt.

Olaf Rippe (Herausgeber)

_____________

¹ Ohne Misteln kein Glück

Beachte

Die im Buch und speziell im Anhang aufgeführten Informationen wurden im Sommer 2010 zusammengestellt.

Aktuelle Änderungen können Sie unserer Internetseite entnehmen:

www.pflaum.de/buecher/naturheilkunde/phytotherapie/rippe.html.

 1   Die Mistel in Mythos und Magie

Antike, keltische und germanische Spuren

Christian Rätsch

1.1 Mistel-Mythen

„Es haben die Alten viel Superstition getrieben mit

diesen Misteln / wenn sie dieselbige haben abgebrochen."

(Tabernæmontanus 1731: 1376)

Die immergrüne Mistel¹ (Viscum album L., Viscaceae) wird als Wunderpflanze, Heilmittel und Glücksbringer bis heute geschätzt. Frisch geschnittene, im Haus aufgehängte Mistelzweige gehören als Immergrün oder Wintergrün immer noch zu unserem Weihnachtsbrauchtum (RÄTSCH und MÜLLER-EBELING 2003b). Dass dieses Brauchtum aus den mythologischen Vorstellungen der antiken Völker hervorgegangen ist, lässt sich zwar nicht beweisen, ist aber wahrscheinlich.

Die europäische Mythologie lässt sich anhand von schriftlichen Quellen sowie aus archäologischen Zeugnissen erschließen. Die Mistel kommt in Mythen der alten Griechen (und Römer), der keltischen Gallier und der nördlichen Germanen vor. Die Schriften, in denen sie erwähnt wird, sind jedoch Rezeptionen ihrer Autoren, also nicht tradiertes Volkstum, sondern literarische Texte einzelner Personen, die Perspektiven Einzelner.

Über die mythologische Bedeutung der Mistel bei den antiken Völkern (Griechen, Römer) liegt lediglich eine einzige Literaturstelle vor, nämlich die Aeneis von Vergil. Der gallische Mistelkult wurde lediglich von dem römischen Naturkundler, Plinius der Ältere, für seine Naturalis historiae dokumentiert. Der germanische Baldur-Mythos wird nur in der isländischen Edda des Snorri Sturluson erzählt. Das bedeutet, dass wir nur über die subjektiven Betrachtungen dreier Autoren verfügen, um daraus die Stellung der Mistel in der europäischen Mythologie zu erschließen. Die hier erwähnten Mythen und beschriebenen Rituale sind also keinesfalls Zeugnis dafür, dass es sich um volkstümliches Gedankengut handelt.

Die immergrüne Mistel war spätestens seit dem 5. Jh. v. Chr. im südlichen und mittleren Europa bis hoch nach (Mittel-)Skandinavien verbreitet. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass dieses auffällige Gewächs, das keine Wurzeln in die Erde treibt, schon sehr früh die Phantasie und Kreativität des Menschen erregt hat und rituell und medizinisch genutzt wurde.

„Mythen sind Erzählungen aus der Vorzeit einer Gemeinschaft. Ihnen fehlt historische Detailtreue, dafür vermitteln sie das Gefühl für das große Ganze, für den Sinn des Seins und Tuns, für die eigene Herkunft und Werteskala, für die gemeinsame Identität." (OBERSTE 2008: 25)

1.1.1 Die Unterwelt und der Goldene Zweig

„Weissagungen zu fordern ist Zeit.

Der Gott, seht doch, der Gott!"

(Aeneis VI 46–47)

Die Mistel war in der Antike gut bekannt: Sie wurde schon von Theophrast, um 370–287 v. Chr., (de causisplant. 2, 17) beschrieben und später bei Plinius ausführlich dargestellt und von der verwandten Eichenmistel Loranthus europaeus JACQ. (Loranthaceae) differenziert (LENZ 1966: 597–599).

Die älteste schriftliche Quelle zur antiken Mythologie der Mistel ist die römische Dichtung Aeneis des Vergil (= P. Vergilius Maro, 70–19 v. Chr.). Vergil war im alten Rom ein bejubelter Dichter und gilt bis heute als einer der einflussreichsten Poeten der Literaturgeschichte. Er stammte aus Andes bei Mantua, kam aber schon als junger Mann nach Rom. Dort begegnete er Kaiser Augustus, der den jungen Dichter beauftragte ihm, Augustus, in seinem Werke zu huldigen. So schrieb Vergil die Aeneis, eine lateinische Dichtung in Hexametern, die zum römischen Nationalepos wurde. Vergil beschreibt darin die dramatischen Erlebnisse des Aeneas, eines trojanischen Helden, der vor der Zerstörung der Stadt Troja (oder Ilium) flüchten konnte.² Aeneas erlebt, ganz ähnlich wie Odysseus, eine lange Irrfahrt, muss zahlreiche Abenteuer bestehen, sich dabei in die entzückende Dido, eine Phönizierin, verlieben, um schließlich in Italien anzukommen und die Stadt Rom zu gründen. Die „ewige Stadt" geht also auf einen Trojaner, nicht auf einen Italier, zurück. Im Sechsten Gesang der Aeneis wird die Unterweltfahrt des Helden ausführlich beschrieben. In griechischen Quellen lautet sein Name ,Aineias‘.

In der antiken Literatur finden sich mehrere Fahrten oder Reisen in die Unterwelt, den Hades und Tartaros oder Orcus. So beschreibt Homer (8. Jh. v. Chr.) als erster Dichter in der Odyssee (11. Gesang) den Besuch des Menschen und heldischen Trojaveteranen Odysseus in der Unterwelt, also im Schatten- oder Totenreich (Abb. 1.1).

Die Unterweltreise des berühmten Sängers Orpheus, des „Dunklen", findet sich bei dem römischen Dichter Ovid (Metamorphosen X 1–XI 64). Der Abstieg der Halbgottes Herakles in die Unterwelt, eine seiner „zwölf Arbeiten", ist bei dem griechischen Gelehrten Apollodor(os) (Bibliothek II, 74–127) aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. dargestellt. Der Raub (Entführung) der Persephone durch den Unterweltsgott Hades ist in dem auf Griechisch verfassten Homerischen Hymnos an Demeter beschrieben. Odysseus gelangt mit der Hilfe der Zauberin Kirke und einem blutigen Tieropfer (ein Widder und ein schwarzes Mutterschaf) in den Eingangsbereich des Hades (Odyssee XI). Die Unterweltsreise der Psyche wird in dem spätantiken lateinischen Schelmenroman Metamorphoses oder Der goldene Esel des aus Nordafrika stammenden Apuleius (2. Jh. n. Chr.) beschrieben. Venus erklärt ihr, dass sie die Pforte zum Tartarus nur öffnen kann, wenn sie in jeder Hand einen Honigfladen halte und zwei Münzen im Mund bei sich habe. Orpheus öffnet die Tore der Unterwelt mit seinen bezaubernden Gesängen. Herakles vertraut ganz seiner körperlichen, übermenschlichen Kraft, und Persephone gelangt unfreiwillig, im Schlepptau des Unterweltsgottes, in den gleichnamigen Hades. Die Unterwelt der alten Griechen war eine „untere Welt", ein Jenseits, keine Hölle. Dort lagen sogar die elysischen Gefilde, ein bezaubernder Ort der jenseitigen Glückseligkeit.

Abb. 1.1 Diese Halbhöhle von Eleusis (Griechenland) gilt seit der Antike als „Eingang zum Hades", als Einstieg / Zugang zur Unterwelt. In Eleusis wurden über zweitausend Jahre hinweg die eleusinischen Mysterien, die Weihen der Göttin Demeter (= Ceres), der Mutter der Persephone (= Proserpina), begangen. Foto Christian Rätsch.

Dass Unterweltreisen (gr. Nekyia) ein Sujet verschiedenster literarischer Werke sind, lässt vermuten, dass es sich dabei um ein beliebtes und weit verbreitetes Thema der antiken Mythologie handelte.³

Die Helden der Unterweltreisen erleben bei ihrer Fahrt oder Reise ins Unbekannte, eine sich schrittweise aufbauende Initiation, eine Weihe in die Mysterien, vor allem Einblicke in das Geheimnis des Todes. Die Helden erleben gewissermaßen eine schamanische Einweihung (vgl. COULIANO 1995: 146–171).

Besonders ausführlich und detailliert wird die Unterweltreise des Helden Aeneas von Vergil beschrieben (Abb. 1.2).⁴ Aeneas, der aus dem zerstörten Troja geflohene Held, gelangt bei seinen Irrfahrten auf dem Meer nach Mittelitalien und besucht dort die berühmte Sibylle von Cumae (nahe dem heutigen Neapel):

„Ausgehauen ist eine Flanke der Felswand bei Cumae zu einer gewaltigen Grotte, in die hundert weitere Gänge hineinführen, hundert Höhlenmünder; aus denen ebenso viele Wortfetzen wirbeln, wie Orakel der Sibylle." (Aeneis VI 42–44)

Die antike Sibylle ist immer eine Wahrsagerin oder Prophetin mit menschlicher Gestalt, kann aber tausend Jahre alt werden⁵ – Dank des Gottes Apollon, und vermag in die drei Zeiten (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) und in die gewöhnlich unsichtbaren, nicht unbedingt zugänglichen Orte, wie die Unterwelt, schauen. Die „gottbegeisterte Frau" gibt dem Fragesteller meist rätselhafte Antworten (Orakel), die nicht immer ganz einfach zu verstehen oder zu deuten sind.⁶

Abb. 1.2 Der trojanische Held Aeneas begegnet seiner Geliebten Dido, hinter der die Göttin Fabula, die „Erzählende", steht. Ein dunkler Eingang verweist auf die Reise in die Unterwelt (Miniatur aus dem Codex Vergilius Vaticanus).

Aeneas bittet die Sibylle inbrünstig, ihm den Weg in die Unterwelt zu weisen, für ihn die „Pforte des unterirdischen Königs" zu öffnen, denn der Held möchte seinen verstorbenen Vater Anchises noch einmal sehen. Die Sibylle erklärt ihm den Trick, durch den er in die Unterwelt reisen kann:

„Heimlich im Schatten eines Baumes wächst mit goldenem Laub und Reisern ein Zweig, der ist Proserpina (= Persephone) geweiht. Ihn verbirgt der ganze Wald, und in den finsteren Klüften entzieht ihn das Dunkel dem Blick. Aber es ist nicht gestattet, in das geheimnisvolle Reich hinabzusteigen, bevor jemand vom Baum den goldbelaubten Trieb gebrochen hat. Daß man ihr diese ihre Ehrengabe bringe, ist der schönen Proserpina Wunsch und Wille. Ist der erste Zweig abgerissen, fehlt nicht ein goldener zweiter, und der Schößling belaubt sich mit demselben edlen Metall. Also sieh dich gründlich nach ihm um, und wenn du ihn findest, brich ihn fromm mit der Hand, denn er selbst wird dir gern und willig folgen, hat dich das Schicksal berufen. Andernfalls wirst du ihn auch mit aller Kraft nicht bewältigen und selbst mit hartem Stahl nicht abhauen können" (Aeneis VI 136–148).

Es gab also eine Sammelvorschrift zur Gewinnung des goldenen Zweiges⁷. Man darf ihn nur von Hand brechen, keinesfalls aber mit Metall abschneiden!

Aeneas geht mit seinen Mannen in den nahen Wald bei Cumae, um den göttlichen Zweig zu finden. Er betet: „Wenn sich mir jetzt jener goldene Zweig an einem Baum zeigen wollte – in diesem gewaltigen Forst!" (Aeneis VI 187–189). Dann wird ihm der rechte Ort, der Wirtsbaum, durch zwei Vögel gewiesen. Ihm erscheint der goldene Zweig, der wie die Mistel sei:

„Wie gewöhnlich in den Wäldern der Winterkälte zum Trotz die Mistel sich mit frischen Laub begrünt, das nicht ihr Wirtsbaum [sua seminat arbos] sprießen läßt, und die glatten Äste mit ihren gelben Trieben umspannt, so war das Goldlaub auf der schattenspendenden Eiche anzusehen, so klirrten im sanften Wind die dünnen, goldenen Blättchen. Auf der Stelle greift Aeneas zu, bricht begierig den widerstrebenden Zweig und bringt ihn zum Tempel der weissagenden Sibylle" (Aeneis VI 205–211, Abb. 1.3).

Dort müssen noch blutige Opferriten für die „Hexengöttin Hecate, „die im Himmel und im Totenreich Macht hat, für die Mutter der Eumeniden⁸ und für Proserpina abgehalten werden. Und dann geht es hinab in die Unterwelt, die Sibylle führt den unerschrockenen Helden. Jetzt schaltet sich der Dichter Vergil ein und ruft ehrfurchtsvoll: „O Götter, die ihr über die Seelen der Toten herrscht, die schweigenden Schatten, o Chaos und Phlegethon (gr. der ,Flammende‘: Feuerstrom in der Unterwelt) und du, weiter Raum in nächtlicher Stille: Es sei mir erlaubt, Gehörtes zu künden, und mit eurem Willen zu offenbaren, was tief in der Erde und im Dunkel verborgen ist" (Aeneis VI 264–267)⁹.

Abb. 1.3 Mistel auf einer Tanne im Parnassgebirge oberhalb von Delphi.

Foto: Olaf Rippe.

Die Sibylle und Aeneas „gingen dahin ohne Licht, in einsamer Nacht und im Düster, durch Plutos (= Hades) öde Welt und sein Reich ohne Leben. In dem „Rachen der Unterwelt wohnen die Sorgen, Seuchen, die Furcht, der Schlaf, der „Bruder des Todes". Gegenüber dieser Schwelle hausen die Furien mit ihrem Schlangenhaar. In der Mitte steht eine schattige Ulme, in deren Ästen die Träume hängen. Umlagert wird der Unterweltbaum von schrecklichen Ungeheuern (Zentauren, Mischwesen wie wolfshäuptige Scyllen, der hundertarmige Briareus, die Hydra von Lerna, flammenbewehrte Chimaeren, schlangenhaarige Gorgonen, geflügelte Harpyien und der Schatten des Riesen Geryon).

Von dort aus schlagen sie den Weg zum verschmutzten Unterweltsfluss Archeron ein und treffen am Ufer auf den schauderhaft vor Dreck starrenden Charon, den Fährmann mit glühenden Augen. Er setzt die Seelen der Toten über das grausige Gewässer der Styx. Charon will die beiden Lebenden nicht übersetzen. Da zeigt ihm die Sibylle den goldenen Zweig, den „Schicksalszweig. Dieses Zeichen bringt Charon dazu, die beiden über die Styx zu fahren. Dort treffen sie auf den Wächter des Eingangs zum Totenreich. „Cerberus, das Ungetüm, erfüllt mit Gebell aus drei Rachen das Schattenreich und liegt, gewaltig groß, am Eingang seiner Höhle (Aeneis VI 417–420).

Die Sibylle wirft ihm, dem mythischen, dreiköpfigen Unterweltstorwächter, einen „Kloß aus Honig und Zauberkräutern (medicatis frugibus)"¹⁰ vor; davon betäubt verfällt er in Schlaf. Jetzt können Aeneas und die Sibylle ungehindert eintreten in die Trauergefilde, in denen ein Myrtenwald liegt. Dort trifft der Held auf die verstorbene Dido, seine einstige Geliebte. Dann gelangen sie in die fernsten Fluren, wo die Schatten der ruhmreichen Krieger versammelt sind. Als die Dämmerung einsetzt, schlagen sie den rechten Weg zur Stadt des gewaltigen Pluto ein, denn nur hier entlang können sie den Pfad ins paradiesische Elysium nehmen.

„Aeneas erreicht den Eingang als erster, besprengt sich mit frischem Wasser und steckt den [goldenen] Zweig vorn an den Torbau. Als das vollbracht und das Gebot der Göttin erfüllt war, kamen sie zu blühenden Gefilden, zum lieblichen Grün gesegneter Haine und zu den glückseligen Sitzen (Aeneis VI 635–636). Dort gab es einen „Hain, den Lorbeerbäume mit ihrem Duft erfüllten. Im „grünen Talesgrund" treffen die beiden auf Anchises, den verstorbenen Vater des Aeneas. Nach einem kurzen Wortwechsel spricht Anchises zu seinem Sohn Aeneas bedeutsame Worte:

„Seit Anbeginn erfüllt Himmel und Erde und die Weiten der Meere, das leuchtende Rund des Mondes und des Titanensohns Sonne im Inneren Lebensodem, und hat der Geist erst alles durchdrungen, setzt er das Weltgetriebe in Gang und vereint sich mit dem gewaltigen Ganzen. Ihm verdanken das Menschengeschlecht, das Vieh und die Vögel ihr Dasein und auch die Ungeheuer, die unter seinem schimmernden Spiegel das Meer beherbergt. Feurige Kraft und himmlischen Ursprung haben jene Keime, soweit nicht die träge Materie sie belastet, ein Erdenleib sie schwächt und dem Tod verfallene Glieder. Deswegen fürchten, begehren, leiden sie und sind froh und erheben den Blick nicht zum Himmel, im Dunkel gefangen und in einem finsteren Kerker. Ja, sogar wenn sie an ihrem letzten Tag das Leben verläßt, schwindet den Bedauernswerten doch nicht jegliches Übel dahin, nicht spurlos alle körperlichen Gebrechen; unweigerlich ist vieles, was lange verbunden war, seltsame Weise tief innen verwurzelt. Darum werden sie mit Strafen gepeinigt und müssen für ihre alten Sünden büßen; die einen hängen wie zum Trocknen im Luftraum, den Winden ausgesetzt, anderen wird in einem abgrundtiefen Strudel der Frevel, der ihnen anhaftet, fortgespült oder mit Feuer ausgeglüht. Jeder von uns muß für sich seine Höllenqual¹¹ leiden. Danach werden wir durch das weite Elysium entlassen und bleiben, wenige nur, in den seligen Gefilden, bis die Länge der Zeit, sobald ihr Kreislauf vollbracht ist, den tiefsitzenden Makel getilgt hat und rein nur den himmlischen Geist übrig läßt und nichts als den feurigen Atem. Diese alle

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