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Helden und Legenden: oder: Ob sie uns heute noch etwas zu sagen haben

Helden und Legenden: oder: Ob sie uns heute noch etwas zu sagen haben

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Helden und Legenden: oder: Ob sie uns heute noch etwas zu sagen haben

Länge:
250 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
28. Mai 2015
ISBN:
9783835327924
Format:
Buch

Beschreibung

30 Autoren aus Literatur, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft, Religion und Politik heute denken nach über alte Begriffe.

Helden und Legenden - das ruft Phantasien auf, Erinnerungen an einst Gehörtes. Archetypisches rückt ins Bewusstsein, vielleicht melden sich auch Zweifel: Kann man heute noch etwas mit »Helden" anfangen? Wenn ja: Was?
Lässt sich mit Legenden überhaupt noch leben? Muss man nicht einfach mit einer entzauberten, post-heroischen Welt Vorlieb nehmen, sich in sie schicken?
Möglicherweise ist es gerade andersherum: Sind Helden und Legenden gerade in einer verdinglichten Welt nicht eigentlich unverzichtbar?
Autorinnen und Autoren aus den verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens - aus Politik, Literatur, Philosophie, Musik, Wissenschaft, Kunst, Publizistik und Religion - stellen sich in diesem Band dem Nachdenken über Helden und Legenden und zeigen
dabei Herkunft und Zukunft des einen wie des anderen.

Mit Beiträgen von Lukas Bärfuss, Thomas Brose, Christopher Paul Campbell, Alfred Denker, Josef Früchtl, Jürgen Hardeck, Stephan Grätzel, Joachim Hofmann-Göttig, Alexander Holzbach, Anja Kruke, Hermann Kurzke, Sibylle Lewitscharoff, Markus Lüpertz, Olaf Mückain, Eckhard Nordhofen, Jens Reich, Patrick Roth, Brigitte Seebacher, Peter Steinacker, Andreas Tacke, Martin W. Ramb, Abt Andreas Range, Marie-Luise Reis, Holger Zaborowski, Henrike Maria Zilling, Jens Zimmermann, Theo Zwanziger.
Herausgeber:
Freigegeben:
28. Mai 2015
ISBN:
9783835327924
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Helden und Legenden - Wallstein Verlag

dafür.

PATRICK ROTH

Tombstone.

Letzte Begegnung mit Henry Fonda

»Kaum eineinhalb Jahre ist’s her«, erzählte ich dem Freund bei der Heimfahrt ins San Fernando Valley, »ich war noch verheiratet und hatte uns zwei Karten ergattert für – niemand wußte das damals – das letzte Theaterstück, in dem Henry Fonda live auftrat.

Das Stück hieß The Oldest Living Graduate, wurde in einem alten Beverly Hills Theater auf dem Wilshire Boulevard Ecke Hamilton Drive aufgeführt. Wir saßen dann leider ziemlich weit hinten. Es war lächerlich, ich konnte ihn dort auf der Bühne kaum sehen: In einem Rollstuhl saß er, von den Köpfen, die vor uns saßen, oft so gut wie verdeckt.

Meine Frau hatte ein kleines Fernglas dabei; das holte ihn, wenn er sich, aus meiner Perspektive, auf der Bühne mühsam in eine Lücke zwischen den Köpfen gerollt hatte, für kurze Zeit näher ran. Für die Dauer von ein paar Repliken vielleicht. Aber er war hier hinten auch schlecht zu hören. Und schon daher umso schlechter zu sehen. Es war grauenhaft, ein Desaster, fand ich.

Ich weiß nicht mal mehr, ob er sich, den Applaus am Ende entgegenzunehmen, aus dem Rollstuhl erhob. Sicherlich, wir standen alle. Eine standing ovation für den großen alten Mann – die ihn mir wieder verstellte.

Dann fiel der Vorhang, man verließ den Saal, verließ das Theater. Und irgendwie sagte ich mir, mein Gott, das kann es doch nicht gewesen sein. Dafür bin ich doch nicht gekommen!

Wir gingen raus, es war später Nachmittag, noch nicht dunkel. Ich weiß nicht mehr, wo wir das Auto geparkt hatten. Vielleicht auf Hamilton Drive. Jedenfalls war unmittelbar hinterm Theater ein leerer Platz damals, Parkplatz vielleicht. Ich erinnere mich nicht mehr an Autos. Nur daß ich im Ärger über diese zwei Stunden auf den Platz lief, am Gebäude entlang, als suchte ich nach einem Eingang.

Da … – da sah ich das Zeichen. In Hollywood-Filmen der dreißiger, vierziger, fünfziger Jahre war überm hinteren Bühnenausgang immer ein Schild angebracht. So auch hier. Über einer in die Betonwand eingelassenen, grauweiß lackierten Metalltür stand:

STAGE DOOR

Ich sage zu meiner Frau: »Da klopf ich mal an.«

Klopfe also an.

Und als hätte ich hier – zweimal leichter, einmal stärker – den einzig richtigen code geschlagen, wird mir aufgetan.

Ein Mann in Theateruniform, noch jung, aber älter als ich, öffnete sogleich die Tür. Als habe er dahinter gewartet. Auf uns gewartet.

»Wir hätten gern Mr. Fonda gesprochen«, sage ich.

Erwarte jetzt: »Sie und die letzten Zehntausend.« Erwarte, daß er die Tür, als habe er sie irrtümlich geöffnet oder nur, um schnell eine zu rauchen, sofort wieder schließt. Höre – höre ich’s noch? –, sagt der tatsächlich: »Bitte. Kommen Sie rein.«

Abb. 1: Patrick Roth und Henry Fonda (1980).

Foto: privat

Sagte er das noch? Jedenfalls sah ich die Geste. Die war unmissverständlich: »Bitte …«

Und noch im Schritt über die Schwelle sah ich sie, rechts, gleich rechts vom STAGE DOOR-Eingang. Sah eine Tür, an der, von zwei Metallkufen gehalten, das Namensschild des Stars angebracht war:

MR. FONDA

Der Türhüter oder, was immer er war, lief bereits den Korridor hinab, als sei’s nun an uns: Weiter kann er uns nicht helfen, here’s your chance, up to you now.

Nochmals klopfe ich an – eine Handbreit unterm Namensschild –, klopfe ich … vorsichtig … an.

Dann höre ich die – endlich die – aus wie vielen Filmen? – vertraute Stimme Fondas.

»Come on in.«

Als rufe Lincoln, honest Abe oder Wyatt Earp uns herein.

Und wir treten ein. Treten tatsächlich ein.

Da steht er, steht vor uns – Fonda. In Jeans und einem alten Western-Shirt.

Er lächelt hinter seiner großen schwarzen Hornbrille. Vielleicht über die Vorsicht, mit der ich den Raum betrete. Vielleicht freut er sich auch: Schau mal, die haben’s gewagt. Noch mal Besuch.

Die Zeit bei ihm verging natürlich im Fluge. Ich erzählte ihm tatsächlich, wie ich ihn, zum ersten Mal damals, im Karlsruher Jugendheim-am-Engländerplatz auf der Leinwand sah: Im Monument Valley vor »Tombstone« seine Herde zusammentreibend – in My Darling Clementine. Es seien vor allem seine John-Ford-movies, die’s mir angetan hätten. Er wiederholte unmittelbar: »The Ford movies.«

Als wisse er, was da zurückgelassen worden war. Auch zurückgelassen worden war, als er sich in den Fünfzigern mit Ford zerstritt, danach nie mehr in dessen Filmen auftrat. Vielleicht setzte ich auch deshalb hinzu: »I taught myself English – American pronunciation – listening to you reading from ›The Ox-Bow Incident‹.«

»Oh, yeah? – Where you from?« fragte er.

»Germany.«

Fonda nickte ruhig, als habe er das alles gesehen, »all of Germany«, von jeder Leinwand herab, auf die er projiziert worden war. Als kenne er »uns alle« dort.

»You speak German there«, sagte ich. »You probably know that. You’re dubbed.« Synchronisiert. »Young Mister Lincoln – speaks German!«

»I bet he does«, sagte Fonda.

Gegen Ende unserer Unterhaltung meinte er, er werde in den nächsten Tagen noch einmal zu einem großen Fonda-Familientreffen reisen müssen. Noch einmal. Das klang nach Abschied. Und er fügte hinzu, als habe er’s selbst bemerkt: »Wie alle Jahre.«

Ob er sich noch an Dialoge aus Ford-Filmen erinnere, fragte ich ihn zum Schluß.

»Aw … hardly. You know, some of the best lines – Ford would hand em to you just before they rolled camera.«

Jude, meine Frau, hatte eine kleine instamatic camera in der Hand. Ich wußte, da war nur noch ein unbelichtetes Bild drauf, ein letztes, der Rest war verschossen. Wußte auch – im Moment, als sie die Kamera zückte, uns bat zusammenzurücken, damit sie ein Photo von uns machen könne –, daß der verdammte kleine Blitzwürfel nicht mehr funktionierte. Wußte, daß wir hier, im fensterlosen Raum seiner Garderobe, nicht genug Licht hätten – für den Film war’s einfach zu dunkel. Aber es war zu spät, war ja völlig unmöglich, ihn gar hinauszubitten. Auf den Parkplatz etwa? Vor die Betonwand? Da blitzte es schon – blitzte! Und Jude war happy, ich war happy, Fonda lächelte. Alles war völlig glatt gelaufen, als ginge das gar nicht anders in seiner Gegenwart, klar.

Ich war schon dabei, mich abzuwenden, Jude stand bei der Tür, hatte sie bereits geöffnet, da sagt er: »Good night!«

Als hätten wir lange bei ihm verbracht, als sei’s Nacht darüber geworden.

Sein Bild, dieses letzte Bild samt seiner Stimme – als habe er wie in »Young Mister Lincoln« zur Menge gerufen: »That’s all I have to say. Good night!« –, hat sich in mir festgemacht. Wie das Bild unterm Lid, das bleibt, wenn – auf helles Licht hin – unser Auge sich schließt.

LUKAS BÄRFUSS

Die schwarze Halle

Frau Hoffmann, was haben Sie mir mitgebracht.

Einige Fragen, Hot Berry.

Nichts weiter.

Was haben Sie erwartet.

Alles, Frau Hoffmann, ich erwarte immer alles.

Vergangene Woche hat der Staatsanwalt formell Klage gegen Sie erhoben. Er wirft Ihnen Steuerbetrug in Millionenhöhe vor. Wie sehen die Grundzüge Ihrer Strategie aus.

Welche Strategie.

Wie werden Sie sich verteidigen.

Ich verteidige mich nicht. Ich habe mich noch nie verteidigt.

Ihnen drohen sechs Jahre Gefängnis.

Keine Sorge, Frau Hoffmann, mir droht gar nichts.

Man hat in den letzten Jahrzehnten wiederholt versucht, Sie des Betrugs, der Gründung einer kriminellen Organisation, der Nötigung und des sexuellen Missbrauchs zu überführen. Jedes Mal vergeblich. Ihre Organisation und Sie selbst waren bis anhin unantastbar. Und nun könnten Sie wegen einiger Steuermillionen die nächsten Jahre hinter Gitter verbringen. Man fragt sich, warum Hot Berry nicht einfach seine Steuerrechnung bezahlt.

Weil ich niemandem nichts schulde, Frau Hoffmann.

Das heißt, Sie haben Ihre Steuern beglichen.

Hören Sie nicht zu. Ich habe keine Schulden. Wie könnte ich begleichen, was ich nicht schulde. Wenn man mir den Vertrag zeigt, auf dem meine Unterschrift steht, wenn man mir den Schuldschein präsentiert, mit dem ich irgendeine Verpflichtung eingegangen bin, dann werde ich gerne meine Obliegenheiten regeln.

Steuern werden voraussetzungslos geschuldet. Das müsste Ihnen bekannt sein.

Eine voraussetzungslose Schuld. In die man geboren wird und von der man sich nie befreien kann. Ich dachte, unsere Gesellschaft hätte dieses Stadium überwunden.

Der Staat braucht Mittel, um die Infrastruktur zu unterhalten, Infrastruktur, auf die auch Sie angewiesen sind, Straßen, Wasserleitungen, die Gehälter für das öffentliche Personal.

Wie können Sie wissen, worauf ich angewiesen bin, Frau Hoffmann. Wie lange kennen wir uns. Ich habe nicht um diese Dinge gebeten. Nicht um Wasserleitungen, nicht um Straßen. Um gar nichts habe ich gebeten.

Sie haben Bücher geschrieben über die emanzipatorische Kraft der Armut, über das wahre Glück, über die innere Befreiung. Doch offensichtlich sind Sie selbst nicht frei von niederen Trieben.

Was sind niedere Triebe.

Gier zum Beispiel.

Ich werde Ihnen sagen, was passiert ist. Dieser Staat, der sich an die Stelle der alten Götter gesetzt hat, kommt und verlangt Geld. Ich sage: Ich anerkenne dich nicht. Ich werde dir nicht opfern. Der Staat, dieser Götze, sagt: Du musst bezahlen. Ich sage: Gut, ich werde die Schuld begleichen, wenn du mir sagst, wie ich mich verpflichtet habe. Der Staat antwortet: Du hast dich nicht verpflichtet, du bist verpflichtet. Und ich sage: Zeige mir wenigstens den Schuldschein, den Vertrag, unter den ich meine Unterschrift setzte. Das ist mein gutes Recht. Und der Staat, dieser große Gott, antwortet: Es gibt keinen Vertrag, es gibt keinen Schuldschein. Und ich frage: Warum sollte ich also das Opfer bringen. Und der Staat entgegnet: Weil wir dich sonst büßen. Weil du sonst ins Gefängnis wanderst. Weil wir dich mit Schande überhäufen. Mit welchem Recht, frage ich. Und als Antwort erhalte ich: Mit dem Recht des Stärkeren. Bin ich gierig, weil ich dieses Unrecht nicht anerkenne. Dann bin ich gerne gierig.

Sie haben diese Welt nicht leer vorgefunden. Sie leben von den Leistungen der Generationen vor Ihnen. Sollten nicht auch Sie etwas zurückgeben.

Ich gebe nicht, Frau Hoffmann, ich nehme nur.

Und Sie nehmen eine ganze Menge. Auf dem Weg zu Ihnen bin ich an riesigen Hallen vorbeigekommen, gefüllt mit gebrauchten Gütern des täglichen Lebens. Fernsehgeräte, Teppiche, Autos, Geschirr. Eine Halle, zum Beispiel, durfte ich besuchen, da lagen in schweren Kisten nichts als Orangenpressen, in einer anderen stapeln sich Wäschetrockner, ferner allerhand Sportgeräte wie Skier, Tennisschläger, Bein- und Armschoner aller möglichen Disziplinen, daneben Schraubenzieher, Lötkolben, Mikroskope, und, sehr berührend, einige Hallen voller Teddybären und Kuscheldecken. Hot Berry, warum bringen Ihnen die Menschen ihr gesamtes Hab und Gut.

Weil ich nicht frage. Weil ich nicht prüfe. Weil ich alles nehme, jeden Dreck und jede Schande.

Man bringt nicht nur Dreck. Ich sah auch eine Halle voller Preziosen, Diademe, Hochzeitsringe, Krawattennadeln.

Das ist der größte Dreck. Was man Ihnen wegnehmen könnte. Worauf Sie aufpassen müssen, jeden Tag und jede Stunde.

Womit werden die Menschen für diese Geschenke entschädigt.

Geschenke, Frau Hoffmann, das sind keine Geschenke. Mit Geschenken macht man Sklaven. Für jedes Geschenk erwartet man ein Gegengeschenk, und dafür ein Gegengegengeschenk, und immer so weiter, ad infinitum.

Was ist Ihre Gegenleistung.

Ich verstehe nicht.

Was erhalten die Menschen von Ihnen.

Nichts.

Sie gehen leer aus.

Was verstehen Sie daran nicht, Frau Hoffmann.

Ich verstehe nicht, warum ein vernünftiger Mensch auf seinen hart erarbeiteten Besitz verzichtet, wenn er ganz und gar leer dabei ausgeht.

Genau deshalb. Um leer auszugehen.

Man hat gehört, dass man Ihnen alles, das ganze Vermögen überlassen muss. Einzelne Teile würden Sie nicht akzeptieren.

Wie gesagt, ich nehme alles. Ich frage nicht.

Ich kann Ihnen also zum Beispiel mein altes Frittieröl bringen.

Sie dürfen gerne damit anfangen, Frau Hoffmann. Die meisten, die zu mir kommen, beginnen mit dem Leichten.

Und überschreiben Ihnen schließlich den ganzen Besitz, das ganze Vermögen, bis sie dastehen im Unterhemd.

Es standen tatsächlich viele Menschen nackt vor mir, genau an der Stelle, wo Sie jetzt stehen. Und es ging ihnen nicht schlecht dabei, das kann ich Ihnen versichern.

Sie predigen Besitzlosigkeit – und gehören selbst zu den Reichsten unter den Reichen.

Ich predige nicht, Frau Hoffmann, ich habe nie gepredigt.

Das Material, das Sie den Menschen abnehmen, verscherbeln Sie zu Schleuderpreisen und machen damit weltweit die Märkte kaputt. Zum Schaden der normalen Geschäftsleute, die ihre Ware nicht geschenkt bekommen, sondern kaufen müssen. Ist das gerecht.

Sind das Ihre Fragen, Frau Hoffmann. Sind Sie wirklich deswegen gekommen. Um mich der Scharlatanerie zu überführen, der Lüge und der Heimtücke. Sind Sie gekommen, um Hot Berry die Maske des Menschenfreundes vom Gesicht zu reißen, um der Welt zu zeigen, welche Fratze sich hinter diesem ungemein liebevollen Lächeln verbringt. Das war doch stets Ihre Aufgabe, nicht wahr. Sie haben Georg Brandt getroffen und geknackt, Sie haben William Cage getroffen und geknackt, die Dietrich, so hat man mir erzählt, hätten Sie nach vierundzwanzig Minuten geknackt gehabt, und das im Alter von keinen fünfundzwanzig Jahren. Ihr Ruf als Knackerin ist unerreicht. Monumente haben Sie vom Sockel gerissen, den Mächtigen die Maske vom Gesicht. Die Kollegen nennen Sie den Nussknacker, habe ich recht, weil Sie alle Widerstände überwinden, jeden Trick durchschauen. Und jetzt also, Frau Hoffmann, habe ich diesen Soldaten zu erwarten, der mich zwischen seine Kiefer nehmen und mich der Schale entledigen wird, die mich geschützt hat ein Leben lang, bis zur Erstarrung, zur Versteinerung. Sind Sie wirklich gekommen, um mich mit anfänglich harmlosen Fragen einzulullen, wie Sie es mit Maréchal gemacht haben, diesem Tyrannosaurus Rex der modernen Soziologie, wie Sie ihn beiläufig genannt haben, und der Sie viel zu lange und fatalerweise als Komplizin wähnte, bevor Sie ihm mit der dreizehnten Frage das Messer in die Rippen stießen und umdrehten, dreimal, mit einer Triole von kurzen, präzisen Nachfragen. Oder lieber die andere Methode. Gleich zu Beginn einen rhetorischen Pflasterstein ins Gesicht und meine Visage zerschmettert zurückzulassen wie bei diesem philosophischen Langstreckenläufer, der danach seine Plattitüden über den inneren Marathon der menschlichen Psyche zu sich selbst nur noch undeutlich mit blutigen Lippen stammeln konnte, bis Sie ihn nach der Endlosigkeit von dreiundvierzig Fragen mit Ihrer berühmten Schlussformel »Ich danke Ihnen aufrichtig für dieses Gespräch« zurück in die Peinlichkeit seiner Existenz entließen. Welche Instrumente haben Sie für mich bereitgelegt, werden Sie mich aufschneiden, kitzeln, sprengen, was. Möchten Sie nun auch Hot Berry erlegen, sind Sie es nicht langsam müde, Frau Hoffmann, haben Sie nicht genug Trophäen. Und haben Sie keine Angst vor dem, was zum Vorschein kommen könnte, Frau Hoffmann, vor diesem Entblößten, der, wenn Sie Erfolg haben, bald vor Ihnen stehen könnte.

Angst nicht, Hot Berry, aber ich muss zugeben, dass der Gedanke an Ihre Blöße

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